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Donnerstag, 6. Januar 2022

Die hl. Drei Könige

 

Das Bild stammt aus dem frühmittelalterlichen Evangeliar Ottos III. (980 – 1002) und wurde um 1000 n. Chr. Auf der Bodenseeinsel Reichenau gemalt.

Gezeigt wird ein Gebäude, das ganz von Licht erfüllt ist (Goldgrund). Es hat die Architektur eines antiken Palastes. Die Säulen tragen Kapitelle mit Akanthusblättern. Bei der linken und rechten Säule sind die Akanthusblätter geschlossen, bei der mittleren geöffnet. Mit der Epiphanie ist die Natur erwacht. Im Tympanon ist ein Medaillon mit einem Schwan, Zeichen von Liebe und Treue. Die Zahl drei spielt hier eine besondere Rolle: drei Könige, drei untere Säulen, drei Türmchen darüber.

Die Hl. Drei Könige gehen von links nach rechts auf Maria mit dem Kind zu und bringen ihre Gaben. Besonders ihre Köpfe, aber auch die Farben ihrer Gewänder individualisieren sie. So verraten ihre Bärte, das der erste König auch der älteste ist. Die gebückte Haltung der Könige kontrastiert zur Haltung von Maria und Kind, welche in der rechten Hälfte aufrecht sitzen. Maria zeigt sich als sedes sapientiae auf einem altarartigen Thron. Ihre Füße stehen auf einem Schemel, der sich wohl speziell auf Ps 99,5 bezieht: Erhebt den Herr unsern Gott, und fallt nieder vor dem Schemel seiner Füße. Dieser Schemel ist auch Kunstgeschichtlich interessant, da hier unzeitgemäß die Perspektive versucht wird. Während Maria ihre rechte Hand ausgestreckt hat, um die Gäste willkommen zu heißen und die Gaben in Empfang zu nehmen, segnet der Jesusknabe die Gold, Weihrauch und Myrrhe bringenden Gäste. Ein nettes Detail ist die Art, wie die Könige ihre Gaben darbringen: Der letzte König streckt sein Geschenk, die Myrrhe, so weit vor, dass diese schon zwischen den Köpfen der beiden anderen Könige zu sehen ist. Alois Epple

Quelle: Der Fels, Titelbild Januar 2020.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet. 


Dienstag, 11. August 2020

Das Neugeborene


Evert Pieters (1856 -1932) Privatsammlung I Foto: Bridgeman Images

In seiner Wiege liegend tauscht das Baby mit seiner Mutter einen zärtlichen Blick und ein süßes Lächeln aus, während die Ältere mit ihrer Puppe spielt. Ein einfaches Interieur auf dem Lande.

Evert Pieters, geboren in Amsterdam, ist das Kind einer armen Familie. Nach der Grundschule muss er arbeiten. Im Alter von 19 Jahren besucht er die Akademie in Antwerpen und setzt seine Lehre bei dem belgischen Maler Theodoor Verstraete fort, der ihn als Schüler aufnimmt. Er entwickelt einen freien Stil, der in der Begeisterung für Farben zum Ausdruck kommt.

In Holzpantoffeln, auf einem Strohsessel sitzend, nimmt die Mutter ein einfaches Essen ein, den Teller auf den Knien. Entlang der Wand sind Gartengeräte aufgestellt. Auf das kleine Möbelstück neben der Tür wird man das Kind später legen.

„Die Familie ist die Wiege der zivilen Gesellschaft“, sagte Papst Leo XIII. „und jene, die mit den christlichen Institutionen nichts mehr zu tun haben wollen, setzen alles daran, auch die Familie von Grund auf zu zerstören“.

 

(Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“ von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, April 2016)

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Donnerstag, 2. Juli 2020

Maria begegnet ihre Base Elisabeth





Das Bild ist Teil eines sechsteiligen Marienzyklus im Stift Kremsmünster und soll in Oberösterreich oder Salzburg gemalt worden sein. Es zeigt noch kein realistischen (blauen) Himmel, sondern einen symbolischen Goldgrund-Himmel. So wird das Bild „um 1460“ datiert.
Maria trifft ihre Base Elisabeth (Lk 1,39-56). Die ungeborenen Kinder der beiden Schwangeren erscheinen in Strahlenglorien mit Nimbus vor den Leibern der Frauen. Während das Jesuskind sitzend segnet, kniet der Johannesknabe betend vor Jesus.
Maria trägt ein grünes Kleid – grün als Farbe der Hoffnung, der „guten Hoffnung“. Ihr Mantel ist weiß, in der Farbe der Reinheit bzw. der Jungfräulichkeit, und hat einen Steinbesatz, Hinweis auf die Kostbarkeit von Reinheit und Jungfräulichkeit. Die Gewandung von Elisabeth: Das Dunkelblau könnte Zeichen der Sehnsucht nach einem Nachkommen sein und ihr roter Mantel ein Hinweis auf Liebe und Blut, schließlich wird ihr Sohn eines gewaltsamen Todes sterben (Mk 6,37). Die Kleidung der Elisabeth ist in den drei Primärfarben gemalt.
Maria trägt, als Jungfrau, ihr goldenes Haar offen, während Elisabeth, die mit Zacharias verheiratet ist, es „unter der Haube“ versteckt. Das enge, liebevolle Verhältnis der beiden Frauen zueinander wird durch die eng ineinandergreifenden Hände augenfällig.
In der Darstellung des Hintergrundes findet man fast keinen Bezug zur Bibel. Nur das „Gebirge“, über welches Maria eilte (Lk 1,39) ist am rechten Rand angedeutet. Der Maler zeigt eine recht kahle Landschaft in unterschiedlichen Grüntönen, in welcher wenige Gebäude, Bäume und Büsche verstreut sind.
Verbindet man die beiden durch Nimbus ausgezeichneten Köpfe der Frauen mit der linken Hand Mariens, ergibt sich daraus die Form eines Herzens.
Alois Epple

Quelle: Titelbild DER FELS Juli 2018
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Sonntag, 31. Mai 2020

Pfingsten



Für Maria schließt sich an Pfingsten der Kreis. Wie bei der „Verkündigung“ liest sie wieder in einem Buch und es schwebt wieder über ihr die Hl.-Geist Taube und Maria trägt immer noch ein weißes Gewand. Sie hat ihr Leben lang ihre Jungfräulichkeit bewahrt.
Neben ihr sitzt betend Petrus mit gefalteten Händen. Ihm gegenüber erkennt man den jungen Johannes. Er hält ein Buch, sein Evangelium, in den Händen. Hinter ihm sitzt ein alter, bärtiger Apostel und liest in seinem Evangelium. Es ist Matthäus. Im Rücken von Petrus befindet sich hingegen ein junger Apostel mit einem halb aufgeschlagenen Buch. Buch, Alter und Handbewegung weisen ihn als den Apostel Matthias aus, der erst nach Christi Tod zum Apostel gewählt wurde. (Apg 1, 15 - 26).
Hinter Maria und diesen vier Aposteln sitzen die restlichen acht Apostel. Ihre Köpfe sind wie auf einer Geraden aufgereiht. Da sie keine Attribute zeigen, sind sie namentlich nicht zu benennen. Trotzdem erzählen sie kleine Geschichten:
Der Apostel hinter Matthäus blickt, von den anderen etwas abgewandt, erstaunt zur Taube hinauf. Rechts hinter Maria zeigen sich zwei Apostel als Mönche: einer mit Tonsur, der andere mit Kapuze. Sie schauen sich mit festen Blicken an. Hinter diesen beiden verschwindet ein Apostelgesicht und nur ein Teil seines Heiligenscheins ist erkennbar. Die allermeisten Apostel sind barhäuptig. Neben dem Mönch trägt noch ein links sitzender Apostel eine Kopfbedeckung und outet sich so als Christ, der noch an der jüdischen Tradition hängt.
Nach dem Empfang des Heiligen Geistes werden die Apostel aufbrechen, das Evangelium in der ganzen Welt verkünden und mit ihrem Leben bezeugen. Alois Epple

Quelle: Der Fels, Titelbild Juni 2019.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

Donnerstag, 21. Mai 2020

Christi Himmelfahrt und Pfingsten




Die Abbildung stammt aus dem Codex aureus Epternacensis, ein Evangeliar, entstanden in der Benediktinerabtei Echternach um 1030. Es ist ein Höhepunkt der ottonischen frühromanischen Buchmalerei.
Hier sind drei Bibelstellen schriftlich und bildlich zu sehen: Die obere Darstellung zitiert Apg 1,11. Im Bild sieht man zwei Männer in weißen Gewändern (Apg 1,10) sowie Christus mit erhobenen Händen (Lk 24,51). Dieser fährt von einem Berg aus in den Himmel. Dieser Ort der Himmelfahrt lässt sich aus Mt 28,16 herleiten. Danach bestellt Jesus die elf Jünger „auf den Berg“ und gibt ihnen den Missionsbefehl. Während die Anzahl der elf Jünger (es ist nicht eindeutig auszumachen, ob hier nicht zwölf Jünger dargestellt sind) auch aus dieser Bibelstelle hervorgeht, ist die Anwesenheit von Maria, welche hier noch vor Petrus zu sehen ist, nicht biblisch. Christus fährt hier in „die“ Himmel auf, symbolisch wiedergegeben durch mehrere verschiedenfarbige Halbkreise. Christus wurde, nach 2 Kor 12,2 in den „dritten Himmel“ und damit, nach dieser Darstellung, in das Zentrum des Himmels, entrückt.
Das mittlere Bild zeigt die Aussendung des Hl. Geistes und die übersetzte Textzeile beschreibt: „Traurig waren die Jünger und saßen zusammen im Tempel. Vom Geist empfangen sie plötzlich die Kenntnis der Sprachen“. Interessant sind hier die Abweichungen von herkömmlichen Pfingstdarstellungen: Ist in Apg 1,14 erwähnt, dass die Jünger mit Maria in einmütigem Gebet verharrten, so fehlt sie hier. Ihren zentralen Platz nimmt Petrus ein. Weiter zählt man hier elf Apostel, wie sie in Apg 1,13 aufgezählt sind. Da an Pfingsten jedoch schon die Wahl des Matthias erfolgt war, müssten es an Pfingsten wieder zwölf Apostel gewesen sein.
Die dritte Darstellung versteht sich nur durch den beigefügten Text. Hier steht, dass sich 120 zu den Aposteln gesellten und von den Gaben des Geistes erfüllt waren (vgl. Apg 1,15). Die acht hier zu sehenden Männer sind also deren Stellvertreter. Wie wenig in ottonischer Zeit individualisiert wurde, zeigt sich am Kopf des Jüngers mit schwarzem Haar und gleichfarbigem Spitzbart. Sein Kopf erscheint hier gleich viermal. Alois Epple

Quelle: Der Fels, Titelbild Mai 2018.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

Montag, 9. März 2020

Darstellung Jesu im Tempel





Das Bild ist wohl ein Ausschnitt, wie der linke Rand zeigt. Beschränken wir uns also auf die drei Hauptpersonen: Rechts sieht man Simeon. Sein hohes Alter - er erwartet schon seinen Tod (Lk 2, 29) - wird durch seinen Bart und seine weißen Haare beschrieben. Die Umsetzung, dass seine Augen das Heil sehen (Lk 2, 30), erreicht der Maler, indem er Simeon das Kind nicht direkt anschauen lässt, sondern dass er sein Haupt leicht nach außen wendet, die Augen weit öffnet und die beiden Pupillen parallel stellt. Simeon hält ein weißes Tuch, um das göttliche Kind in seine Arme zu nehmen. Noch heute trägt der Priester, wenn er die Monstranz mit dem Leib Christi hält, ein Velum, damit er diese nicht mit bloßen Händen berührt. Als Tempeldiener hat Simeon ein goldenes Gewand an und als Jude eine Phantasiekippa auf dem Kopf.
Maria trägt einen weißen Schleier. Sie ist verheiratet und Jungfrau. Die rote Farbe ihres Mantels deutet an, dass dieses Ereignis zu den „Sieben Schmerzen Mariens“ zählt. (Lk 2, 35). Maria schaut weder auf ihr Kind, noch auf den Priester, sondern ihr Kopf ist etwas nach außen gewandt und die Lidspalten verkleinert. So hat man den Eindruck, dass sie in sich hinein schaut, um dieses Ereignis in ihrem Herzen zu bewahren. Das Kind, dessen rechter Arm verzeichnet ist, greift an die Brust seiner Mutter, zeigt also eine innige Beziehung zur Mutter und spielt auf das Bibelwort an „Selig ... die Brust die dich genährt hat“ (Lk 11, 27). Auch Maria hält es noch schützend mit ihrer Hand fest. Es ist hier genau der Moment zu sehen, bevor sich das Christkind von seiner Mutter löst, um als männliche Erstgeburt an Gott übergeben zu werden. Fragend, ja etwas zweifelnd, schaut das Kind zu Simeon hinüber. Es versteht noch nicht, dass es in dem sein muss, was seines Vaters ist (Lk 2, 49). Alois Epple

Quelle: Der Fels, Titelbild Februar 2019.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

Freitag, 6. März 2020

Gnadenstuhl - Die Heilige Dreifaltigkeit




Der sogenannte Gnadenstuhl verbindet das Kreuz mit der Dreifaltigkeit. Es zeigt auch den göttlichen Ratschluss, nachdem die Dreifaltigkeit vorherbestimmte, dass durch den Kreuzestod von Christus die Menschheit erlöst werden soll. Der Gnadenstuhl gilt als die bedeutendste mittelalterliche Bildschöpfung für das Motiv der Dreifaltigkeit.
Der auf dem Bild gezeigte Gnadenstuhl befindet sich in St. Valentin in Kiedrich bei Mainz und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Gottvater sitzt als Herrscher des Himmels und der Erde auf einem Thron. Gold weist auf die Gottheit hin, Rot auf die Liebe. Der eine Thron lehrt uns die Einheit in der göttlichen Dreifaltigkeit. Da er vor aller Zeit war, wird er mit einem langen Bart dargestellt. Gottvater wird nie als alter gebrechlicher Mensch dargestellt. Er ist immer der gewaltige Schöpfer und der, der in seiner Barmherzigkeit seinen Sohn zur Erlösung der Menschen sendet. Er hält das Kreuz mit seinem Sohn vor seinem Schoß. Dies erinnert an das Lied „Lobt Gott ihr Christen“, wo es heißt: „Er (Christus) kommt aus seines Vaters Schoß“. Der Korpus von Christus ist typisch gotisch. Er ist der sein Leben hingebende Schmerzensmann.
Die Hl.-Geist-Taube fehlt hier. Bei einem vollständigen Gnadenstuhl schwebt sie zwischen Gott Vater und Christus. Diese Lage erinnert an die Stelle im Credo wo es heißt: „Der (Hl Geist) aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht“. AE

DER FELS, Titelbild April 2016
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Sonntag, 2. Februar 2020

Darstellung des Herrn




Dieses Fresko findet sich in der Arenakapelle in Padua und wurde von Giotto di Bondone (*1267 oder 1276, +1337) zwischen 1304 und 1306 gemalt. Es zeigt die „Darstellung des Herrn“ (Lk 2,22-40)
Giotto gilt als Überwinder der Ikonenmalerei (maniera greca) und Vorbreiter der Perspektive. Beides kann man in diesem Bild sehen: Der Hintergrundhimmel ist nicht mehr golden, sondern blau. Alle Personen sind nebeneinander aufgereiht. Lediglich der Engel kommt aus der Tiefe. Die Horizontlinie verläuft in Höhe der Köpfe. Die Altarbasis sieht man von oben, der Baldachin kann von unten eingesehen werden. Allerdings zeigt sich hier auch, dass Giotto die Gesetze der Malperspektive noch nicht kannte.
Das Christkind hat seine Arme quer ausgestreckt. So wiederholt sein Körper die Kreuzform in seinem Heiligenschein. Der Priester Simeon blickt intensiv das Kind an, denn seine Augen schauen den Gesalbten (lk 2,26), das Heil (LK 2,30). Er steht als einziger im Heiligtum, nämlich auf einer Marmorplatte. Seine Hände sind von einem Velum verhüllt. Noch heute verhüllt der Priester seine Hände mit einem Velum wenn er mit der Monstranz den eucharistischen Segen erteilt. Er ist, wie Joseph, barhäuptig, während Maria und die verwitwete Prophetin Anna ihre Häupter bedekt haben, wie es Paulus vorschreibt.
Ein Engel bringt dem Kind ein Szepter, da das Jesuskind herrschen wird. Joseph wird durch seinen Bart und seine leicht gebückte Haltung als alter Mann gezeigt.
Während sich die übrigen Personen aus dem Bibeltext erklären, bleibt die linke Person rätselhaft. Was kann man über sie aussagen? Sie ist noch nicht verheiratet, da sie keine Kopfbedeckung trägt. Sie hat keine heilsgeschichtliche Bedeutung, denn sonst würde ihr Haupt mit eine Nimbus umfangen sein. Sie ist wohlhabend oder zumindest gepflegt, wie schon ihre geflochtenen Haare verraten. Sie trägt als einzige keinen Umhang oder Mantel, sie könnte also im Tempel zu Hause sein. Auch die Haltung ihrer Hände ist schwer zu deuten. Angesichts dieser Hinweise ist sie wohl mehr als ein Lückenfüller.

Titelbild DER FELS Februar 2018
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Sonntag, 12. Januar 2020

Die Taufe Jesu


Der Fels 1501


Das Bild zeigt das Deckenmosaik des arianischen Baptisteriums, im 6. Jhdt. unbenannt in Santa Maria in Cosmedin, in Ravenna.
Christus steht nackt in den Fluten des Jordan. Der Hl. Geist schwebt über seinem Haupt und teilt sich ihm mit. Johannes, im Gewand aus Kamelhaar (Mk 1,6), legt nur seine Hand auf Christi Haupt. Als Paar sind Johannes und die gegenüber sitzende Personifikation des Jordan aufgebaut. Johannes hält den Prophetenstab, sein Gegenüber ein Flussschilf. Johannes steht auf einem grünen Felsen, in einem ebenso grünen Gewand, in den Wasserfluten.
Der äußere Ring zeigt die zwölf Apostel. Sie sollen die Taufe fortsetzen (und taufet alle Völker Mt 28,19). Sie sind gruppiert um den leeren Thron, den Christus besteigen wird. Direkt neben dem Thron stehen Petrus und Paulus. Der Thron erinnert an Off 22, 1,2: „Und er zeigte mir einen Strom lebendigen Wassers ... der ausgeht vom Throne Gottes und des Lammes“. Bei den um den Thron Stehenden, die weiß gekleidet sind, sind die gemeint, welche ihre Gewänder weiß gewaschen haben im Blute des Lammes (Off 7,15). Sie haben Christus in der Taufe angezogen (Gal 3,27) und tragen ihr Hochzeitsgewand (Mt 22,11). Die Apostel tragen Kronen, einem antiken Opfergestus gemäß in verdeckten Händen. Sie legen diese Kronen vor dem Thron nieder (Off 4,10). AE

(Titelbild DER FELS Januar 2015)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Bildquelle: https://it.wikipedia.org/wiki/File:Ravenna,_battistero_degli_ariani_(prima_metà_del_VI_secolo).jpg

Montag, 6. Januar 2020

Anbetung der Könige




Lk 1,23: „Seht, die Jungfrau wird ein Kind empfangen, einen Sohn wird sie gebären, und man wird ihm den Namen Immanuel geben, das heißt übersetzt: Gott mit uns.“
Da man den Maler namentlich nicht kennt, erhielt er einen Kunstnamen: Meister des kleinen Diptychons des Bargello. Damit ist auch gesagt, dass dieses Bild im Florentiner Nationalmuseum, im Palazzo dei Bargello, hängt.
Datieren lässt es sich auf das letzte Viertel des 14. Jahrhunderts: Es gibt noch einen goldenen und noch keinen naturalistischen Himmel-Hintergrund. Die Gesichtszüge sind weich und ebenso der üppige Faltenwurf. So spricht man hier vom „weichen Stil“ der Hochgotik.
Maria sitzt erhöht auf einem Thron mit Baldachin darüber. Eine Hebamme schiebt ihr ein Kissen in den Rücken, ein nettes, profanes Detail. Sie selber ist Thron ihres Kindes. Sie ist sedes sapientiae (Sitz der Weisheit). Einen Baldachin, auch „Himmel“ genannt, trägt man heute noch bei der Fronleichnamsprozession „über Christus“! Rechts unten, in der Ecke, sieht man den, entsprechend seiner Bedeutung in dieser Szene, recht kleinen Joseph.
Drei Könige kommen zu seinem Pflegekind. Mt 2,11 „Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm.“ Ein alter König hat seine Krone vor den Knaben gelegt, sein Geschenk schon Maria überreicht und küsst dem Jesuskind den Fuß, Zeichen höchster Verehrung. Ein folgender, etwas jüngerer König ist gerade dabei, sich die Krone abzunehmen, vor das Kind zu knien und ihm sein Geschenk zu überreichen und ein dritter, jugendlicher König, der noch steht, beginnt gerade, seine Krone abzulegen. Die drei Könige, die drei Lebensalter symbolisierend, unterscheiden sich also in ihrem Alter, ihrer Bewegung und in ihren Geschenken. Ps 72,10.11: „Die Könige von Tarschisch und von den Inseln bringen Geschenke, die Könige von Saba und Seba kommen mit Gaben. Alle Könige müssen ihm huldigen, alle Völker ihm dienen.“
Im Hintergrund sieht man die drei Diener der Könige. Ihnen fehlt die Aufmerksamkeit für die Offenbarung Gottes. Ein Diener ist auf seinem Pferd eingeschlafen, da er schon einen langen, beschwerlichen Weg hinter sich hat. Ein weiterer Diener ist von seinem Pferd abgestiegen und versucht es im Zaum zu halten. Der dritte Diener sitzt noch auf seinem Ross und will, wohl mit seiner Peitsche, das Pferd bändigen. So hat diese profane Hintergrundszene keine Beziehung zur andächtigen Gottesverehrung im Vordergrund. Alois Epple

Quelle: Der Fels, Titelbild Januar 2019.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

Mittwoch, 25. Dezember 2019

Puer natus





Hier ein Ausschnitt aus dem Graduale des Bamberger Clarissenklosters von der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert: der Anfang des Eingangsliedes zur Messfeier am Weihnachtstag. Die Miniatur in der Initiale „P“ zeigt das heilige Paar mit dem göttlichen Kind im Stall, mit Krippe, Ochs und Esel. Im Hintergrund rechts die Hirten auf dem Felde, über ihnen die Engelschar, die Gott lobt (vgl. Lk 2,6-14).· Mit dem Buchstaben „P“ beginnt das Eingangslied, genommen aus dem Buch des Propheten Jesaia, der über das Kind verkündet hat: „Puer natus est nobis...“ – „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seinen Schultern; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater in Ewigkeit, Friedensfürst...“ (Jes 9,5-6). - Doch bei seiner ersten Ankunft ist der Herr noch nicht „in Herrlichkeit“ gekommen, sondern als kleines Kind, in Knechtsgestalt“ (Phil 2,7), als „Retter“, der „sein Volk erlösen wird von seinen Sünden“ (Mt 1,21), als „Lamm Gottes“ (Joh 1,29), der aber „allen, die ihn aufnahmen, Macht gab, Kinder Gottes zu werden“ (Joh 1,12). – So betet denn die Kirche am Heiligen Abend: „Jahr für Jahr erwarten wir voll Freude das Fest unserer Erlösung. Gib, dass wir deinen Sohn von ganzem Herzen aufnehmen, damit wir ihm voll Zuversicht entgegen gehen können, wenn er am Ende der Zeiten als Richter wiederkommt.“

Quelle: Der Fels, Zum Bild S. 341 Dezember 2013.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

Sonntag, 14. April 2019

Palmsonntag





Das Titelbild zeigt einen Ausschnitt aus einer Altartafel, welche in der zweiten Hälfte des 15. Jh. für die Abtei St. Honorius in Thuizon (Frankreich) gemalt wurde und heute in der Eremitage in St. Petersburg (Russland) hängt. Der Maler ist unbekannt. Das Bild ist voll von Symbolen und Anspielungen. So ist es interessant, die Kopfbedeckungen zu beobachten: Die Apostel, die aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen, sind auch deshalb unterschiedlich behütet. So hat ein Apostel im Vordergrund ein orientalisches Tuch über den Kopf geschlungen, ein anderer Apostel zeigt sich in einer schwarzen Mönchskutte, die Kapuze über den Kopf gestülpt. Di Gruppe der Patrizier hat, ausgenommen die drei Männer in der ersten Reihe, prächtige Hüte. Die Bürger hingegen tragen alle schlichte Hüte. Auch in der Kleidung und Haltung unterscheiden sich die Patrizier deutlich von den Bürgern. Man darf annehmen, dass Patrizier dieses Bild finanzierten.
Bei den drei Aposteln im Vordergrund handelt es sich um Petrus, Johannes und Jakobus. Sie werden in wenigen Tagen, in der Nacht, da Christus verraten wurde, auf dem Ölberg Christus besonders nahe sein (mk 14,32).
Interessant sind die drei Patrizier der ersten Reihe. Sie repräsentieren die drei Lebensalter (Jüngling, Mann Greis).Sie haben ihre Kopfbedeckung abgenommen. Der Jüngling steht in Orantehaltung vor Christus. Auch der Mann hat andächtig seine Hände gefaltet. Der Greis hat gar seinen Mantel ausgezogen und breitet ihn nun vor Christus aus. Alle drei huldigen dem König. Diese drei Patrizier erinnern augenfällig an die Hl. Drei Könige. Auch sie sollen die drei Lebensalter vertreten haben. Auch sie huldigten dem König der Juden, der vor ihnen in der Krippe lag und beteten ihn an.
Alois Epple

Titelbild DER FELS März 2018
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Mittwoch, 6. Juni 2018

Anna Selbdritt



Auf der Nordseite der Deutschordenskirche in Frankfurt findet sich neben dem frisch restaurierten Passionszyklus der Annenaltar, in dem vom Frankfurter Bildhauer Caspar Weis gotische und neogotische Teilelemente zu einem harmonischen Ganzen zusammenkomponiert wurden. Auch an diesem Altar konnte mit Hilfe des Fördervereins eine Grundkonservierung und Restaurierung erfolgen, sodass er nun in altem Glanz erstrahlt.
Das Zentrum des Altars bilden die von Weis geschaffenen Figuren der Gottesmutter mit Kind, das von der hl. Anna, seiner Großmutter in den Arm genommen werden möchte. Auf den ersten Blick eine alltägliche Szene. Oft gehen kleine Kinder mit offenen Armen auf ihre Großmütter zu, damit diese sie in den Arm nehmen. Wer aber genau hinschaut erkennt ein Detail, das über den Alltag hinausweist:
Die hl. Anna las gerade in einem Buch, das noch aufgeschlagen auf ihrem Schoss liegt. Es handelt sich um die heilige Schrift. Und dieses Buch findet sich auch in der zweiten Darstellung der hl. Anna, die Caspar Weis für diese Kirche geschaffen hat. Im Hochaltar sehen wir sie als zweite Figur rechts neben dem Altarkreuz, wie sie Maria als Kind die heilige Schrift erklärte. Indem Anna ihre Tochter im Glauben Israels erzog, der sich aus der Offenbarung Gottes in der heiligen Schrift speiste, legte sie das Glaubensfundament dafür, dass Maria sich auf den Willen Gottes einlassen und so Christus aus ihr unsere Menschennatur annehmen konnte. Und durch ihr eigenes Studium der heiligen Schrift, konnte auch sie selbst Christus umfangen, ihn in die Arme schließen.
Für viele ist der Juli eine Zeit des Urlaubs und der Entspannung. Und nicht wenige werden diese Zeit nutzen, um ein gutes Buch zu lesen. Vielleicht könnte gerade das Beispiel der hl. Anna ein Anlass sein, einmal wieder das beste aller Bücher in die Hand zu nehmen, das Buch der Bücher. Denn in ihm möchte Gott zu uns reden, ja in unser Leben treten. (P. Jörg Weinbach OT)

Quelle: Deutschordenskirche Frankfurt, Gottesdienstordnung vom 01.07. bis 31.07.2017

Samstag, 12. Mai 2018

Der Adler in der katholischen Symbolik


Wie der Adler sich in die Lüfte erhebt, so steht Christus glorreich von den Toten auf und fährt zum Himmel empor. Das Adlerpult von Sankt Afra (England 1870) ruht auf achteckigem Sockel, der den ersten Tag der neuen Schöpfung nach den sieben Wochentagen der ersten Schöpfung versinnbildlicht. Dieser verjüngt sich zu einem vierseitigen Pfeiler, in dessen Nischen die vier Evangelisten Gottes Wort in die Himmelsrichtungen verkünden. Auf dem kugelförmigen Welt und Kosmos symbolisierenden Abschluss breitet der Adler seine Schwingen aus: ein Bild für Christus, den siegreichen König, der durch Seinen Opfertod das ewige Leben erwirbt. Ihm ähnlich sind alle, die den alten Menschen in der Taufe und dann in der Erneuerung durch das Bußsakrament begraben. Sie haben teil an der Auferstehung des Herrn.
Wie der Adler seine Jungen beschirmt, so hütet Gott Sein Volk und schenkt ihm Sein Wort. Der Adler ist aber nicht nur ein Bild Gottes, der Sein Volk rettet, und ein Bild Christi, der diese Rettung vollendet. Er ist auch das Attribut des Evangelisten Johannes, dessen Evangelienprolog am Ende jeder Messe auf der Seite des Altares gebetet wird, auf dem nun auch der Adler mit scharfem Auge die Höhe und Tiefe des Geheimnisses des fleischgewordenen Wortes schaut. Der Jünger, der unter dem Kreuz stand und als erster am Grab war, ist rein und stark genug, gleich dem Adler in die Sonne zu schauen. Er sieht und verkündet der Kirche die Herrlichkeit des Auferstandenen „voll der Gnade und Wahrheit — plenum gratiae et Veritatis“.

Probst Gerald Gösche
Institut St. Philipp Neri, Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts
Graunstraße 31, l3355 Berlin
Ostern 2016

Donnerstag, 10. Mai 2018

Christi Himmelfahrt


Im Jahre 1765 malte der in Kempten geborene, in Rom ausgebildete und zeitweise in Memmingen wohnende Franz Georg Hermann (1692-1768) für die evang. Martinskirche in Steinheim bei Memmingen diese „Himmelfahrt Christi“.
Nach Lk 24,50-53 erhob Christus bei seiner Himmelfahrt seine Hände und die Apostel beteten ihn an. Nach der Apg 1,9 entzog ihn eine Wolke ihren Blicken. Diese drei Aussagen sind auf dem Bild zu sehen: A) Christus erhebt seine Hände. Eine ähnliche Haltung (Orantenhaltung) nimmt heute noch der Priester ein, wenn er während der hl. Messe die Präsidialgebete spricht. B) Die Apostel beten ihn teils kniend, teils stehend an. Hierbei zeigt der Maler mehrere Gebetshaltungen: beim Apostel im linken Vordergrund zum Gebet verschränkte Hände, gefalteten Hände bei vermutlich Jakobus, der in der Mitte kniet, die Orantenhaltung des stehenden Apostels Johannes rechts und das Sich-an-die-Brust-schlagen beim rechts im Vordergrund knienden Apostel, vermutlich Petrus. Die letzten drei Apostel erlebten auch die Verklärung Christi. C) Christus fährt in eine Wolke hinein. Diese Wolke beginnt sich schon unter dem linken Knie von Christus zu schließen.
Das Bild ist sehr ansprechend komponiert: Die Köpfe der Hintergrundapostel reihen sich an einer gedachten Horizontalen auf. Dieser steht eine Vertikale gegenüber, welche von dem Vordergrund knienden, bärtigen Apostel ausgeht und über seine erhobenen Arme und gefalteten Hände zu Christus hinaufführt. Im hl. Johannes wiederholt der Maler fast die Arm- und Gesichtshaltung von Christus. Vielleicht will der Maler mit der Ähnlichkeit des Lieblingsjüngers die besondere Nähe des Apostels zu Jesus hervorheben.
Im Bild kann man zwölf Apostel zählen. Da Judas aus dem Apostelkreis bei der „Himmelfahrt“ schon ausgeschieden war und nach der Apostelgeschichte Matthias erst danach gewählt wurde, kann man darin einen Hinweis auf die zwölf Apostel als Intuition sehen. AE

(Titelbild DER FELS Mai 2016)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Freitag, 30. März 2018

„Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung!“


Das Titelbild zeigt die Kreuzigung Christi in der Wallfahrtskirche in Vilgertshofen. Diese Kirche wurde1686 vom Wessobrunner Johann Schmuzer gebaut und stuckiert. Im 19. Jahrhundert waren die Fresken in dieser Kirche beschädigt und der Barockstil wurde nicht mehr geschätzt. So ersetzte man damals das Bild im Mittelgewölbe durch ein großes Kreuz in Sepiaton. Später wirkte dies störend in der Barockkirche. So entschloss man sich, es durch ein Fresko in barockisierender Manier zu ersetzen. Im Jahre 1976 malte Karl Manninger (1912-2002) dieses Fresko. Er wendet dabei Prinzipien der Spätbarockmalerei an. So sind die Farben hell, mit Weiß gebrochen. In einer Art Froschperspektive sind die unteren Personen gedrückt, die oberen Personen etwas in di Länge gezogen. Wäre dieses Fresko während der Bauzeit der Kirche gemalt worden, so müssten die Farben erdiger sein und die Perspektive fast verzerrungsfrei. Mit dem Blick auf den gekreuzigten Jesus können wir erahnen, was Erlösung bedeutet: Mit Christus durch den Tod in die Herrlichkeit der Auferstehung gehen. In diesem Licht befinden sich schon alle die sich im Leid mit Christus vereinigt haben: die Mutter Maria, Johannes, Maria Magdalena, der Schächer zur Rechten Jesu, auch der Hauptmann mit seinem Glaubensbekenntnis. Dunkelheit umgibt den Schächer, der mit dem Tod vor Augen Jesus verspottet.
„Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung!“
AE
(Titelbild DER FELS März 2016)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Sonntag, 26. November 2017

Christus, der segnende Weltenherrscher





Dieses Mosaik befindet sich an der Decke über dem Altar in der Chiesa di San Lorenzo in Palatio ad Sancta Sanctorum in Rom. Es zeigt Christus als Pantokrator, als Weltenherrscher.
Nach christlichen Legenden und historischer Forschung ist das Aussehen von Christus mehrfach überliefert: im Schweißtuch der Veronika, im Schleier von Manopello und auf dem Grabtuch von Turin. Demnach hatte Christus lange Haare über den Schultern liegend, einen geteilten Bart und eine lange Nase. Der Nimbus um Christi Haupt zeigt, dass er der Heilige und der Erleuchtete ist. Das griechische Kreuz im Glorienschein weist ihn als Lebensspender aus. Durch seinen Tod am Kreuz hat er die Welt erlöst. Seine Rechte hat er im orthodoxen Segensgestus erhoben. In seiner Linken hält er ein geschlossenes Buch. Christus selbst ist das menschgewordene Wort Gottes. Dieses Brustbild von Christus vor goldenem Hintergrund ist umgeben von einem breiten Reifen, Symbol für die Unendlichkeit.
Der Himmel in und von welchem Christus segnend herrscht, wird von vier Engeln – in jeder Himmelsrichtung steht einer – auf Händen getragen. Die beiden unteren Engel haben – auf dem Bild nicht sichtbar – Füße und stehen auf kleinen Kapitellen an der Wand. Sie halten also den Himmel über der Erde. Die beiden oberen Engel haben an Stelle der Beine Flügel. Sie schweben also über den Wassern und halten so den Himmel. (AE)

(Titelbild DER FELS November 2014)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de


Mittwoch, 1. November 2017

„Ich glaube die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“


Der Fels 1211

Das Titelbild entstammt dem Credo-Zyklus in der ehemaligen Klosterkirche in Ochsenhausen. Johann Georg Bergmüller entwarf ihn. Johann Joseph Anton Huber (1737-1815) setzte ihn in Farben um.

Auf dem Fresko ist der Glaubensartikel dargestellt: „Ich glaube die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche“. Es ist nur eine Kirche, welche hier auf einem Felsen steht. Christus sagte: „Auf diesem Felsen will ich meine Kirche bauen“ (Mt 16,18). Auf Wolken erkennt man den auferstandenen Christus mit dem Kreuz, ihm gegenüber, die Gottesmutter, die mit ihren Armen auf die Kirche und den dreifaltigen Gott verweist. Hinter ihr ist der hl. Josef in einer anbetenden und demütigen Geste zu sehen.
Die Apostolizität der Kirche  wird im Paar der Apostelfürsten Petrus und Paulus — mit einem Schwert — angedeutet.
Im Licht Gottes erkennen wir die Personifikation der Kirche. Die Insignien, welche zur Kirche gehören und auf das Lehramt, Heiligungsamt und Leitungsamt hinweisen, sind das Evangelium (Buch), die Eucharistie (Hostienkelch) und das Papstum (Tiara, Papstkreuz, Schlüsselpaar). Die Kirche trägt eine Stola. Sie garantiert das in der Sukzession stehende Priestertum und die mit ihm untrennbar verbundene Liturgie. Das Schwert des Paulus weis nicht nur auf seinen Tod, sondern auch auf die „streitende“ Kirche hin, der immer das Schwert droht. Das Gebet der Kirche gilt auch der „leidenden“ Kirche (den armen Seelen im Fegefeuer), die gerade noch in der Höhe unter dem Papstkreuz erkennbar ist. Den Weg zur triumphierenden Kirche zeigen die Apostel, der hl. Josef und die Muttergottes.

(Titelbild DER FELS November 2012)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
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Freitag, 13. Oktober 2017

Rosenkranzpsalter



Im Münster St. Nikolaus in Überlingen am Bodensee steht in der östlichsten Kapelle der Südseite ein Rosenkranzpsalter. Er wurde wohl 1631 von Martin (um 1590 – nach 1665) und David (1598 – 1666) Zürn geschnitzt. Maria steht auf der Mondsichel (Ein Weib […] der Mond zu ihren Füßen, Off 12, 1) und trägt ihr Kind auf dem Arm. Sie hält ein Zepter, zwei Engel halten eine Krone über ihr Haupt und weitere vier huldigen ihr. Maria wird hier als Himmelskönigin gezeigt. Umgeben wir die von einem Kranz von 15 Medaillons. Jedes zeigt ein anderes Rosenkranzgeheimnis. Es beginnt oben mit der „Verkündigung“ (1. Gesätz des freudenreichen Rosenkranzes) und endet wieder oben mit der „Krönung Mariens“ (5. Gesätz des glorreichen Rosenkranzes). Untereinander sind die Medaillons mit jeweils 10 Perlen verbunden, entsprechend den 10 „Ave Marias“, welche man bei jedem Gesätz betet. Seitlich unten knien zwei Ordensgründer: der hl. Franziskus mit einem Kreuz in der Hand und der hl. Dominikus, dem Maria den Rosenkranz überreichte. Diese beiden Figuren wurden allerdings erst im 18. Jahrhundert geschnitzt und auf den Altar gestellt. Man kann den zeitlichen bzw. stilistischen Unterschied recht gut erkennen, wenn man den üppigen, tief geschnittenen, fast ornamental gehaltenen Faltenwurf von Mariens Gewand mit den eher körpernachzeichnenden Gewändern der beiden Heiligen vergleicht. Oben im Gebälk erkennt man noch die beiden Wappen der Stifterfamilien dieses Altares.  AE

(Titelbild DER FELS Oktober 2013)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
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Dienstag, 15. August 2017

Maria Himmelfahrt


Das Gedenken an den Tod Mariens und damit auch an die Himmelfahrt Mariens war in der Kirche immer vorhanden. Frühe Belege dafür finden sich schon im vierten Jahrhundert in Syrien und im fünften Jahrhundert in Jerusalem. Wir feiern heute den großen Frauentag mit Kräuterweihe jedes Jahr am 15. August. Die künstlerische Darstellung der Himmelfahrt finden wir zumeist auf Gemälden. Die Barockzeit um 1700 bot mit ihrer Gestaltung des Altarraums zu großen Schaubühnen auch die Möglichkeit, ganze Gruppen von Statuen in den Hochaltar zu stellen. Dies ist in der Klosterkirche der Benediktiner in Rohr in Niederbayern in hervorragender Weise gelungen. Der Architekt und Bildhauer Egid Quirin Asam (1692-1750) zeigt dort wie die Muttergottes von Engeln getragen in den himmlischen Bereich empor schwebt. Die Muttergottesstatue ist das Zentrum des Hochaltars und das Zentrum der Kirche. Im unteren Teil des Hochaltars umstehen die staunenden Apostel das leere Grab. Die schwebenden Madonna ist das Glanzstück künstlerischer und technischer Leistung. „Das Kleid ist das einer Fürstin. Ihr fein geschwungener Körper, die Grazie der Bewegung, die feinen Hände, die Lieblichkeit des Gesichtes verraten königlichen Adel“ (Hausenstein). Ganz oben im Altar thront der Dreifaltige Gott — Vater, Sohn und Heiliger Geist. Gott-Vater und Gott-Sohn halten zusammen die Krone bereit, mit der sie die Muttergottes zur Königin des Himmels krönen werden. Die indirekte Beleuchtung und die Farben Gold und Braun verstärken die festliche Atmosphäre.
Der Glanz dieser Barock-Kirche lässt den Betrachter ahnen, wie viel schöner der Himmel über den Wolken sein muss. Papst Pius XII. hat 1950 die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel als Dogma bekräftigt, was in der Kirche schon immer geglaubt wurde. (Eduard Werner)

(Titelbild DER FELS August/September 2016)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
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