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Donnerstag, 20. Mai 2021

Angriff auf katholische Ekklesiologie beim Ökumenischen Kirchentag

Zwei Ereignisse während des Kirchentages sind von besonderer Bedeutung: 

1. Die Interkommunion bei der Heiligen Messe im Frankfurter Dom am Samstag (15. Mai 2021) und 

2. Die Bekräftigung Bischofs Bätzings, die Segnung homosexueller Paare voranzutreiben.

Diesen Text gibt es auch als Video unter: https://youtu.be/swoRUpkK0dk

Erstens: Die beim Gottesdienst am 15. Mai 2021 praktizierte Interkommunion, also die Kommunionsspendung an die evangelische Präsidentin des Ökumenischen Kirchentages, Bettina Limperg, war ein Angriff bzw. eine offene Ablehnung der katholischen Lehre über die Eucharistie.

Die Interkommunion war auch ein Angriff auf den katholischen Begriff von Kirche. Implizit wurde nämlich durch diese Interkommunion die Vorstellung vermittelt, die Kirche sei nicht klar umrissen, sondern sei so ein nebulöses Gebilde ohne klare Grenzen, ohne klare Mitgliedschaft, ohne einen festgelegten Glauben, ohne ein klar definiertes Lehramt.

Diese Vorstellung, die der Lehre der Kirche widerspricht, entspricht aber genau dem Kirchenbild des radikalen Progressismus. Dieser lehnt eine Kirche mit einer klaren Hierarchie und einem klaren Lehramt ab und damit auch die Vorstellung, dass die Kirche eine sichtbare Gemeinschaft ist. 

Gerade Theologen wie Hans Küng wetterten gegen dieses Kirchenbild und behaupteten implizit, die Kirche sei ein rein menschliches Werk, welches man zerstören müsse.

Zweites Ereignis: Bischof Georg Bätzing hat erneut behauptet, die Kirche müsse Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare einführen. Er wolle dies auf der Ebene der Weltkirche vorantreiben.

Damit erneuert Bischof Bätzing seinen Angriff auf die Sexualmoral bzw. seinen Willen, die Sexualmoral umzuformulieren.

Doch vor allem gibt er zu verstehen, dass das katholische Lehramt in ständiger Bewegung sei und sich mit der Zeit ändert. Möglicherweise meint er tatsächlich, das Lehramt entwickle sich in einem dialektischen Prozess, etwa so, wie sich Georg Friedrich Hegel den Erkenntnisprozess in seiner Phänomenologie des Geistes vorstellt. 

Zusammen genommen ergeben diese beiden Ereignisse während des ökumenischen Kirchentages eine Kirche, die keine fest definierte Identität besitzt. Für Bischof Bätzing und zusammen mit ihm viele Befürworter des sog. „Synodalen Weges“ ist die Kirche wohl eine Gemeinschaft des immerwährenden Dialogs, in welchem alles immer alles wieder von Neuem zur Diskussion gestellt wird. Die Kirche wäre ein amorphes und undefiniertes Gebilde, ein Fluidum, welches sich ständig bewegt und ändert.

Foto: Pressefoto ÖKT/Bongard 

Quelle: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.com/2021/05/angriff-auf-katholische-ekklesiologie.html?utm_source=feedburner&utm_medium=email&utm_campaign=Feed%3A+MathiasVonGersdorff+%28Mathias+von+Gersdorff%29

Dienstag, 20. April 2021

Eine Ökumene, die spaltet und ausschließt

Plakat der Kampagne der Brüderlichkeit (Brasilien) 2021


Paulo Henrique Américo de Araújo

 Die Kluft zwischen der Nationalen Bischofskonferenz Brasiliens (CNBB) und der nationalen öffentlichen Meinung hat sich während der Brüderlichkeitskampagne 2021 noch weiter vergrößert. Die CNBB besteht darauf, die progressiv-linke Agenda zu unterstützen, während ein großer Teil der Brasilianer ihre Position beibehält, die im Wesentlichen das Gegenteil ist.

Mit dem Thema „Brüderlichkeit und Dialog: Ein Kompromiss der Liebe“ bewirkte die diesjährige ökumenische Brüderlichkeitskampagne Spaltung, Opposition, Uneinigkeit, ganz im Gegenteil zu dem, was man Brüderlichkeit nennen könnte. Vorhersehbares Ergebnis für eine progressive Ökumene, die durch die altmodische „Befreiungstheologie“ verzerrt wird.

Auf der Grund der von Laienkatholiken eingeleiteten Warnung, zu der auch die vom Institut Plinio Corrêa de Oliveira geförderte Petition [1] gehört, waren die Verantwortlichen der Brüderlichkeitskampagne gezwungen, sich zu verteidigen, da sie befürchteten, dass die Geldsammlung für eine solche Kampagne durch die Massenhafte Ablehnung der Katholiken ernsthaft beeinträchtigt würde. Ähnliches war bereits 2018 geschehen, angesichts der Beschwerde, dass das gesammelte Geld für Institutionen bestimmt war, die gegen die Lehren der Kirche verstießen. [2]

In diesem Artikel werden wir die Diskussion über das Schicksal von Spenden beiseite lassen, um die Kontroverse und die Zwietracht zu betrachten, die von jenen ausgelöst werden, die annehmen, durch die diesjährigen Kampagne Dialog und Brüderlichkeit zu fördern.

Abtreibung und Feminismus

Nach Beschwerden katholischer Bewegungen sagte die lutherische „Pastorin“ Romi Bencke - Generalsekretärin des Nationalen Rates der christlichen Kirchen (CONIC) und eine der Verantwortlichen für den Grundtext der Brüderlichkeitskampagne 2021 -, sie fühle sich von „Extremisten bedroht, die auf Internetkanälen durch ihre Sendungen Hassreden verbreiten“. [3] Sie erklärt aber nicht, was sie unter „Hassreden“ versteht, außerdem scheint sie zu vergessen, dass sie eine Studie unterzeichnet und veröffentlicht hat, in der Maßnahmen zur Legalisierung von Abtreibungen aufgeführt werden und angreift, was sie als einen der großen Feinde des Feminismus in den USA ansieht: das „Patriarchat“. [4]

Wie kann man verhindern, dass der Grundtext der Brüderlichkeitskampagne bei Katholiken Bestürzung und Empörung hervorruft, wenn eine Feministin, die die Abtreibung verteidigt, an der Ausarbeitung der Kampagne teilgenommen hat? Sollten Katholiken diese Position zugunsten der Abtreibung im Text ignorieren? Ist es „Hassrede“ eine so berechtigte Empörung zu äußern?

In derselben Studie, die 2019 veröffentlicht wurde, nahm Frau Romi Bencke eine wenig „dialogfreundliche“ Haltung selbst gegenüber der CNBB ein: „Wir haben wichtige Hindernisse identifiziert, nicht nur im Bereich der Gesetzgebung, sondern auch im religiösen Bereich. Im Jahr 2020 wird das Thema der Brüderlichkeitskampagne der römisch-katholischen Kirche für das Leben sein.“ [5] Sie verbarg in diesem Text nicht ihre „Hassrede“ und unterstellte, dass Ansichten wie die der CNBB Teil eines „Kriegs gegen Frauen“ sei. [6]

Welche Veränderungen könnte es gegeben haben, um den aktuellen „ökumenischen Dialog“ der Pastorin zu generieren?


Befreiungstheologie in ihren marxistischen Ursprüngen

Der Grundtext der Kampagne besagt, dass Frieden eine Folge „der Änderung aller ungleichen Strukturen wie Rassismus, wirtschaftlicher Ungleichheit und aller Formen von Diskriminierung ist, die Konflikte und Gewalt erzeugen“ (Nr. 7). Aus diesem Grund sollte „Bekehrung“ Christen dazu veranlassen, „Einstellungen des Entgegenkommens und der Übernahme von Verpflichtungen gegenüber verletzte und verwundbare, arme und ausgeschlossene Menschen“ sein (Nr. 12) und „alle Formen von Intoleranz, Rassismus, Gewalt und Vorurteilen“ überwinden (Nr. 14). Wie kann man hier nicht die alte und abgedroschene marxistische Ideologie des Klassenkampfes zwischen Unterdrückern und Unterdrückten sehen?

Der Basistext der Kampagne deutet eine Annäherung an die „Befreiungstheologie“, Kommunisten, Sozialisten und dergleichen an. Die ideologische Ausrichtung des Textes wurde von Bischof Pedro Stringhini, Vorsitzender der Regional-Süd der CNBB, eindeutig aufgedeckt: „Es ist klar, dass [der Text] ideologisch ist, wenn er von den Armen spricht, gegen Ungleichheiten und zugunsten der Ideologie, ist er ideologisch“. [7]

Sollen die Katholiken eine solche Annäherung ohne Weiteres akzeptieren? Kann jemand als „religiöser Fundamentalist“ eingestuft werden, der diese Form des ideologischen Dialogs ablehnt? Wie kann man Zwietracht vermeiden, wenn der Grundtext selbst zumindest implizit zum Festhalten an kontroversen Ideologien wie der „Befreiungstheologie“ zwingt?

Nachdem das Zentrum Don Bosco in einem Video im Internet über die Unvereinbarkeit der Brüderlichkeitskampagne 2021 mit der katholischen Lehre berichtet hatte, erlitt es einen heftigen Angriff [8] von Pater Juarez de Castro. In einer Predigt schloss er jegliche Möglichkeit eine „Dialogs“ aus und wies darauf hin, dass alle, die das Video geteilt hatten, „Sünde begangen“ haben. Merkwürdige Intoleranz zur Verteidigung des umstrittenen Textes ...


Nur die legitime Ökumene - das heißt, dass jeder sich an der Wahrheit anschließt, die durch die beständige Lehre der Heiligen Katholischen Kirche gelehrt wird - kann so viele Meinungsverschiedenheiten und Konfrontationen verhindern. Jeder andere Weg ist in der Tat ein Irrweg [Kathedrale von La Plata, Argentinien].

Bischöfe geteilt inmitten der Teilung

Die Brüderlichkeitskampagne verursachte auch Risse im bischöflichen Milieu. Der Bischof von Formosa (GO), D. Adair José Guimarães, zensierte den Grundtext und empfahl: „Hören wir nicht auf Dinge, die nichts mit unserem Glauben zu tun haben. All diese Verwirrung mit der Brüderlichkeitskampagne […] vergiss das! […] Wer aus der Bahn gerät, der Heiligen Schrift, der Tradition und der gewöhnlichen Lehre der Kirche nicht folgt, stößt mit dem Kopf gegen die Wand.“ [9]

D. Fernando Guimarães, Militär-Erzbischof von Brasilien, erklärte in einem öffentlichen Brief an D. Walmor Oliveira de Azevedo, Vorsitzender der CNBB: „Die Evangelisierung der Gläubigen jedoch ist jederzeit und noch mehr in einer besonderen Zeit, wie es die katholische Fastenzeit ist, kein Ort, um über kontroverse Themen zu sprechen, die der authentischen Lehre unserer Kirche widersprechen.“ [10]

Der Erzbischof von Juiz de Fora, D. Gil Antônio Moreira, wies die Kirchen seiner Erzdiözese an, den Grundtext der Brüderlichkeitskampagne nicht zu verwenden. In einer Erklärung argumentierte er: „In diesem Jahr gab es einen schwerwiegenden Fehler in Bezug auf den Grundtext, der ernsthafte Kontroversen ausgelöst hat, weil zweifelhafte Konzepte der Soziallehre und der christlichen Moral präsentiert wurden, und die Autorin ist eine Anhängerin moralischer Strömungen, die von der Katholischen Kirche nicht akzeptiert werden“. [11]

Auf der anderen Seite des ,Dialogs‘ steht der oben erwähnte D. Pedro Stringhini: „Wer gegen die Brüderlichkeitskampagne spricht, ist ein teuflischer Katholik, er ist ein Katholik, der die Armen nicht mag“. [12] Es ist angebracht zu fragen, ob D. Stringhini „teuflische Katholiken“ in den Personen von D. Adair José, D. Fernando Guimarães und D. Gil Antônio Moreira sieht. Was auch immer seine Antwort sein mag, der Schlussfolgerung entgeht nichts: Die Brüderlichkeitskampagne hat auch Spaltungen unter den Obrigkeiten der Kirche ausgelöst.

Angesichts des Aufruhrs war die CNBB gezwungen, eine Stellungnahme herauszugeben, in der sie teilweise Probleme im Basistext einsieht. Mit der Ökumene als Rechtfertigung heißt es in der Note: „Es hantelt […] sich nicht um ein Text im Stil wie er von der CNBB-Kommission erstellt worden wäre. […] Er muss so verstanden werden, wie er in den Brüderlichkeitskampagnen war, die auf ökumenische Weise durchgeführt wurden.“ [13]

Vernachlässigte katholische Lehre

In dieser ganzen Polemik gilt der schwerwiegendste Bruch, der durch die Kampagne verursacht wurde, dem eigenen Lehramt der katholischen Kirche. Um dies zu bestätigen, lese man einfach das Dokument Einige Anmerkungen bezüglich der Gesetzesvorschläge zur Nicht-Diskriminierung homosexueller Personen“, das 1992 von der Kongregation für die Glaubenslehre herausgegeben wurde: „Die ,sexuelle Orientierung‘ stellt keine Eigenschaft dar, die im Bezug auf die Nichtdiskriminierung mit Merkmalen wie Rasse, ethnischer Herkunft, usw. vergleichbar wäre. Im Unterschied zu diesen ist die homosexuelle Orientierung eine objektive Unordnung und gibt in moralischer Hinsicht Anlass zur Sorge. Es gibt Bereiche, in denen es keine ungerechte Diskriminierung ist, die sexuelle Veranlagung in Betracht zu ziehen, wie z.B. bei der Zuweisung von Kindern zur Adoption oder bei der Auswahl von Pflegeeltern, der Einstellung von Sportlehrern, oder im Militärdienst“ (Nr. 10). [14]

Nach Angaben der Kongregation für die Glaubenslehre besteht daher kein Recht auf Homosexualität; und eine solche Tendenz kann nicht als Grundlage für Rechtsansprüche dienen. Im Gegensatz dazu heißt es in den oben genannten Richtlinien im Grundtext der Brüderlichkeitskampagne jedoch: „Eine andere soziale Gruppe, die unter den Folgen einer strukturierten Politik in Bezug auf Gewalt und die Schaffung von Feinden leidet, ist die LGBTQI+-Bevölkerung“ (Nr. 68). Auch laut Basistext sind die Morde an dieser Bevölkerungsgruppe „die Auswirkungen von Hassreden, religiösem Fundamentalismus und Stimmen gegen die Anerkennung der Rechte von LGBTQI+-Bevölkerungen“.

Angesichts des von der Kongregation für die Glaubenslehre herausgegebenen Dokuments kann es sein, dass die katholische Kirche in Brasilien „religiösen Fundamentalismus“ praktiziert oder fördert? Wie kann die Zustimmung des Textes der Brüderlichkeitskampagne durch die CNBB mit der Einhaltung der Normen der Kongregation in Einklang gebracht werden?

Verwirrung und Zwietracht waren in dieser Kampagne der Ökumenischen Bruderschaft unverkennbar. Alles im Namen verzerrter Konzepte von Dialog und Brüderlichkeit. Nur eine legitime Ökumene - das heißt, dass jeder an der Wahrheit festhält, die durch die beständige Lehre der Heiligen Katholischen Kirche gelehrt wird - kann so viele Meinungsverschiedenheiten und Konfrontationen verhindern. Jeder andere Weg ist in der Tat ein Irrweg.

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Anmerkungen:

1. https://campanhas.ipco.org.br/eu-nao-contribuo-com-a-campanha-da-fraternidade-ecumenica-da-cnbb-cf-2021

2. https://www.acidigital.com/noticias/bernardo-kuster-cnbb-financiou-instituicoes-contrarias-ao-ensinamento-da-igreja-92282?fbclid=IwAR1gGp_AhF6pzmqtPDuDmVCkwhUdGKrtLtlj1XBFA83RROhStsGE7bCDc-0#.YDf85j1UOCM.facebook

3. https://www.metropoles.com/brasil/pastora-que-coordena-a-campanha-da-fraternidade-teme-cruzada-santa

4. Cfr. Laicidade e direito ao aborto: intersecções e conexões entre o debate feminista secular e feminista religioso. Texto completo em: https://www.cfemea.org.br/images/stories/publicacoes/laicidade_direito_aborto.pdf

5. Idem, Laicidade e direito ao aborto, pág. 18.

6. Na pág. 18 do estudo, a pastora equivoca-se ao dizer que a CNBB publicou o livro “Homem e mulher: Deus os criou”. Na realidade, a obra foi publicada em 2011 pela Editora Artpress, sem o concurso da CNBB.

7. Cfr. site Brasil de Fato: https://www.brasildefato.com.br/2021/02/17/campanha-da-cnbb-critica-necropolitica-e-e-atacada-por-catolicos-conservadores

8. https://www.youtube.com/watch?v=YldBrEe-tXc

9. Idem site Brasil de Fato: Campanha da CNBB critica…

10. Idem site Brasil de Fato: Campanha da CNBB critica…

11. Rádio Itatiaia, radioitatiaiajf.com.br › campanha-da-fraternidade-causa…

12. Idem site Brasil de Fato: Campanha da CNBB critica…

13. https://www.cnbb.org.br/presidencia-da-cnbb-divulga-nota-sobre-a-campanha-da-fraternidade-ecumenica-2021/

14. https://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19920724_homosexual-persons_po.html

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Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in https://www.abim.inf.br/ecumenismo-que-divide-e-exclui/

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Diese deutsche Fassung von „Eine Ökumene, die spaltet und ausschließt“ erschien erstmals in www.r-gr.blogspot.com

Montag, 20. November 2017

Es geht um die Wahrheit


- Ökumene mit der Brechstange hilft nicht weiter
Warum ist es so schwierig, das Ziel der Ökumene „Auf dass alle Eins seien“ zu erreichen? Weil es um die Wahrheit geht! Die Wahrheit ist, dass Katholiken und Protestanten kein gleiches Verständnis der Eucharistie und der Dienstämter haben. Jedem, der seinen Katechismus kennt, ist das auch klar. Ein wirkliches Problem ist die religiöse Unwissenheit. Eine wahrhaftige Ökumene übertüncht diese Unterschiede nicht, sondern stellt sich ihnen. Ökumenische „Ungeduld“, Kritik auf dem Ökumenischen Kirchentag in München über das langsame Tempo des ökumenischen Fortschritts (Bundestagspräsident Norbert Lammert) helfen nicht weiter. Die Forderungen des Wuppertaler Bibelwissenschaftlers Thomas Söding „Die Katholiken müssen die Evangelische Kirche anerkennen, einschließlich der Ämter, und die Protestanten müssen die Sakramente anerkennen, einschließlich der Ordination“ (Konradsblatt 21-2010, S. 5), bringen, vorbei an der Wahrheit, allenfalls eine Wischiwaschiökumene.
Nun versuchen zeitgeisthörige Ökumeniker die Wahrheit auszuhebeln, in dem sie an den konfessionsverschiedenen Ehen ansetzen. Das Verständnis, das hier vorgeschützt wird, lautet: „Wenn die Ehe ein Sakrament sei und Kirche vollziehe, verlange sie Gemeinschaft in der Eucharistie. Das gelte auch für die konfessionsverschiedene Ehe“ (Konradsblatt 21-2010, S. 5). Der Rottenburger Bischof Gebhard Fürst unterstützte diese Position in einer Diskussion, wobei er sich beeilte, anzufügen, dass er hier „als Mitchrist“ und nicht als Bischof spreche. Gebhard Fürst, Bischof der katholischen Kirche, vereinigt also in sich die Doppelnatur eines „Mitchristen und eines Bischofs“.
Der Ökumenetheologe Otto-Herman Pesch und Weihbischof Hans­Jochen Jaschke (Hamburg) stellten in München heraus, dass nach Kirchenrecht niemand beim Kommunionempfang abgewiesen werden dürfe und verbanden damit die Aufforderung an konfessionsverschiedene Eheleuten, am Herrenmahl der jeweils anderen Konfession teilzunehmen. Hier fordert also ein Bischof zum religiösen Ungehorsam auf. Der ZdK-Präsident Alois Glück verlangte auf dem Abschlussgottesdienst des Ökumenischen Kirchentags mit Blick auf die konfessionsverschiedenen Ehen unter großem Applaus (!): „Wir brauchen hier dringend eine Lösung. Das klingt nach Brechstangenökumene. Und weil es in der katholischen Kirche in Deutschland ohnehin nahezu folgenlos bleibt, feiert der Pfarrer Walter H. von der Sankt-Georgs-Gemeinde in Bad Pyrmont das Fronleichnamsfest zusammen mit seiner Kollegin Bettina B. von der Oesdorfer Petrigemeinde. Er trägt die Monstranz voraus, hinter dem Baldachin schreitet die Pfarrerin mit der Bibel in der Hand. In der Dialogpredigt mit der Pastorin stellt Pfarrer Walter H. fest: „Der Baum der Ökumene hat in Bad Pyrmont Wurzeln geschlagen, dieser Baum kann nicht mehr entwurzelt werden. Auch nicht durch reaktionäre Angriffe von denen, die die Zeichen der Zeit nicht sehen und nicht wollen, dass sich etwas ändert.“
Eigentlich geht es doch bei der Ökumene um die Wahrheit und nicht um die „herzensgute“ Gleichmacherei tatsächlicher Unterschiede. Die Brechstangen-Ökumeniker betrügen sich selbst. Es geht natürlich um mehr. Die Behauptung, die Wahrheit zu haben, ist in einer Zeit des Relativismus für die säkulare Gesellschaft eine unerträgliche Herausforderung. Und die bei den Repräsentanten dieser so beschriebenen Ökumene wollen nicht quer zur modernen Gesellschaft stehen. Indem sie die vorhandenen Unterschiede für unwesentlich erklären, opfern sie den Wahrheitsanspruch nicht nur zwischen den Kirchen, sondern auch gegenüber der Welt. Damit können alle Seiten gut leben. Nur die Einheit, die Christus im Abendmahlsaal gewollt hat, ist damit nicht erreicht. Darauf käme es aber an!
Hubert Gindert

Der Fels, August/September 2010, auf den Prüfstand
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.

Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

Samstag, 1. April 2017

Misstöne von Bundespräsident Gauck

Monsignore Pfarrer Gerhard Senninger

Die Tageszeitung „Die Welt“ brachte am 1.11.2016 folgenden Text: „Bundespräsident Joachim Gauck hat die von Martin Luther ausgelöste Reformation als einen Grundstein für das Gemeinwesen in Deutschland gewürdigt: Ohne die Initialzündung der Reformation gäbe es weder die Freiheit des Glaubens und des Gewissens noch die unveränderlichen Grundrechte“, sagte Gauck zum Auftakt der Feiern zum 500-jährigen Reformationsjubiläum in Berlin „Weil Luther es jedem Einzelnen freigestellt habe, ob er sich an das Evangelium bindet, sei ein frischer Wind der Freiheit gekommen. Die Reformation habe die Überzeugung, dass das Individuum letztendlich seinem Gewissen gegenüber verantwortlich ist, zu neuem Leuchten gebracht.“

Dieser unzutreffenden Darstellung habe ich mit einem Leserbrief vom 4.11.2016 wie folgt widersprochen: „Luther hat für sich Toleranz gefordert, war aber nicht bereit, sie anderen zu gewähren. Einigen Herzogen und Reichstädten auf Luthers Seite ging es um den Besitz der Kirche und um Macht gegenüber dem Kaiser, den sie angesichts der Türkengefahr geradezu erpressten. So erklärten sie beim 2. Reichstag zu Speyer 1529: „Die Messe nur zu dulden würde bedeuten, der evangelischen Prediger Lehren, die wir doch für christlich und zuverlässig halten, Lügen Strafen. Ja wenn die päpstliche Messe nicht wider Gott und sein heiliges Wort wäre, dürfte man sie nimmer mehr beibehalten, weil zweierlei Kult in einem Gebiet unerträglich sei und beim gemeinen Mann, gerade wenn er es ernst meint mit Gottes Ehre, zu Widerwärtigkeiten, Aufruhr, Empörung und Unglück aller Art führen müsse (Reichstagsakten VII, 1281). So wurde der katholische Glaube in Deutschland unterdrückt. Der „Friede“ von Augsburg 1555 legte fest: Der Landesherr bestimmt die Religion seiner Untertanen. Kennt Bundespräsident Gauck diese Festlegungen nicht, die jeder freien Gewissensentscheidung Hohn sprechen? Ein frühes Beispiel für die Unterdrückung der Katholiken ist die zwangsweise Auflösung des Klarissen-Klosters der Caritas Pirkheimer in Nümberg. Selbst Philipp Melanchthon, der sich als einziger Lutheraner für das Bleiberecht der Nonnen einsetzte, konnte ihnen nicht helfen. Gewissensfreiheit sieht anders aus.

Auch noch im so genannten Kulturkampf unter Bismarck (1871-1887) erlitt die katholische Kirche bitteres Unrecht. Der Kölner Erzbischof wurde am 20.11.1837 von den im damaligen Preußen herrschenden Protestanten verhaftet und in der Festung Minden eingesperrt. Von den 12 katholischen Bischöfen in Preußen wurden sechs zu hohen Gefängnisstrafen und zu Geldstrafen verurteilt. Ähnlich erging es 2000 Priestern. 400 Ordensniederlassungen wurden aufgehoben, „Sind diese Tatsachen dem amtierenden Bundespräsidenten unbekannt?“

Die Leserbrief-Redaktion der „Welt“ antwortete zunächst nicht und lehnte es schließlich mit unterschiedlichen Begründungen ab, meine Richtigstellung zu veröffentlichen. Dies ist umso bedauerlicher, als hier Joachim Gauck nicht als Privatmann eine falsche Meinung verkündet hat. Er hat vielmehr in seiner amtlichen Funktion als Staats-Oberhaupt in einer offiziellen Feier zum Reformationsjubiläum gesprochen, Sollen hier unter Missbrauch des Amtes des Bundespräsidenten konfessionelle Unwahrheiten verbreitet werden? Solche Streitigkeiten sollten wir im Zeitalter der Ökumene überwunden haben. Und Richtigstellungen sollten in einer freien Presse erlaubt sein.



Ein Beispiel für die Missachtung der Gewissensfreiheit unter lutherischer Herrschaft ist die Zerstörung des Klarissenklosters in Nümberg.
Dort war Caritas Pirkheimer von 1503 bis 1532 Äbtissin. Sie war eine Verfechterin der Glaubens- und Gewissensfreiheit. Als hoch gebildete Nonne pflegte sie Gedankenaustausch mit zahlreichen Gelehrten wie Erasmus von Rotterdam und Conrad Celtis. 1525 widersetzte sie sich im Einvernehmen mit ihrem Convent der gewaltsamen Einführung der lutherischen Lehre. Sie schrieb den evangelischen Ratsherren: „Es wäre uns lieber und nützlicher, Ihr schicket einen Henker in unser Kloster, der uns alle Köpfe abschlüge, als dass Ihr uns einen vollen, trunkenen, unkeuschen Pfaffen zuschickt.“ Die Nonnen durften auch in der Sterbestunde von keinem katholischen Priester besucht werden, um die Sterbesakramente zu empfangen. Schließlich wurde das Kloster vom evangelischen Stadtrat ausgehungert...

Der Fels 3/2017
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de