Posts mit dem Label Frömmigkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Frömmigkeit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 14. Februar 2020

Das Gebet



Eine „Große“ rezitiert das Morgengebet mit einer Gruppe von Kindern vor Beginn der Klasse. Kühle, feuchte Luft tritt durch das Fenster ein, dessen beide Flügel weit geöffnet sind. Wir hören die Spatzen in den Zweigen der Platane auf dem Pausenhof zwitschern. Die Kleineren sind mit unschuldiger Inbrunst oder ab und zu auch abgelenkt dabei.
Ein rührendes Detail: dies ist eines der letzten Gemälde von Jean Geoffroy, das er wenige Monate vor seinem Tod geschaffen hat. Es bezeugt seinen starken Glauben, von dem er sich nie getrennt hatte.
Um den vollen Sinn dieses Gemälde zu verstehen, ist es interessant sich die Umstände der Szene vorzustellen. Die Ordensfrau, die für Grundschulbildung im Dorf zuständig war, wurde wie Tausende andere aufgrund der antikatholischen Gesetze in Frankreich verjagt. Am Morgen danach fragten die Schulkinder den neuen Lehrer: „Herr Lehrer, sie haben mit uns noch nicht gebetet; die Schwester begann immer damit...“. Können wir uns ein Jahrhundert später mit dem Ergebnis dieser laizistischen Religion wirklich zufrieden geben?
Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“ der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“ Januar 2018

Montag, 26. September 2016

Die Gabe der Andacht - Donum Pietatis



Heute übersetzt man die Gabe der Andacht auch mit „Gabe der Frömmigkeit“.
Thomas von Aquin sieht in dieser Gabe vornehmlich die „Gottesverehrung“. Sie schützt vor Gottvergessenheit, vor Gleichgültigkeit gegenüber Gott.
Sie ist aber auch Dienst am geistlichen Wohl des Mitmenschen. Sie macht das Herz milde, nimmt ihm die Härte gegenüber dem Nächsten. Ein frommer Mensch ist nicht gleichgültig gegenüber seinem Nächsten. Deshalb entspricht dieser Geistesgabe nach dem hl. Bonaventura der Vater-unser-Bitte „zu uns komme Dein Reich“.
Die Personifikation dieser Gabe des hl. Geistes befindet sich in einem Tempel. Auf einen Säulenstumpf rechts steht eine Schale, in welcher Gott ein Brandopfer dargebracht wird. Dies erinnert an alttestamentliche Frömmigkeit, angefangen beim Opfer Abels bis zu den ausführlichen Opferbeschreibungen in 4. Mose. Demgegenüber hat die Personifikation dieser Geistesgabe eine brennende Flamme in der rechten Hand. Dies bezieht sich wohl auf Hebr. 10.
Das alttestamentliche Brandopfer ist durch das Opfer Christi abgelöst worden. An einer Stelle heißt es da: „Zeuge ist uns aber auch der Heilige Geist … Ich werde meine Gesetze in ihre Herzen legen und sie in ihr Inneres schreiben.“ Die lodernde Flamme in der Hand meint aber auch, das aus Liebe brennende Herz für Gott und ist ein gängiges Bild für inbrünstiges Beten. Die Personifikation der Gabe der Andacht ist in ein Faltenreiches Gewand gehüllt, ihr Haupt wird von einem Schleier bedeckt. Hier ist wohl an 1. Korinther zu denken, wo es u.a. heißt: „Denn wenn eine Frau sich nicht verhüllt, so mag sie sich gleich die Haare abschneiden lassen; gilt es aber für die Schande, sich die Haare abschneiden oder kahlscheren zu lassen, so verhülle sie ihr Haupt.“ Mit der linken presst die Personifikation ein Buch an ihre Brust, wohl die Bibel.
Die Personifikation ist barfüßig. Dies ist ein Zeichen, dass sie sich in einem Tempel, auf heiligen Boden, befindet. Auch Moses musste seine Schuhe auf heiligem Boden ausziehen (2. Mose 3,5). Die Barfüßige kniet mit dem linken Bein auf einem umgestürzten Opferaltar. Dieser ist geschmückt mit drei Köpfen der Venus heiliger Böcke. Darunter liegt Amors Köcher voller Pfeile. Als Schild für das Planetenzeichen der Venus (Kreis mit Kreuz nach unten), der Göttin der sinnlichen Lust, dient ein von einem Pfeil durchbohrtes, flammendes Herz, eine ewigjunge Bildchiffre für durch Amors Pfeil entfachte Liebe. Wir sehen auf dem Bild also zwei kleine Flammen: Einmal unten die Flamme aus dem Herzen, entfacht durch Amor, im Zeichen der Venus. Sie symbolisiert das erotische verlangen. Zweitens die Flamme in der Hand der Personifikation der Andacht. Sie stellt das brennende Verlangen nach Gott dar. Beide Flammen zeigen den Gegensatz zwischen irdischer und himmlischer Liebe. Auch der untere Bildtext spielt auf diese gegensätzliche Liebe an: Das Herz das Andacht liebt, beschützt der hl. Geist vor dem Venusfeuer.
Der hl. Bonaventura verfasste ein Gebet um die sieben Geistesgaben. In der Strophe über dir Frömmigkeit erwähnt er ebenfalls die brennende Liebe zu Gott. Sie lautet: „O himmlischer Vater, durch Deinen eingeborenen Sohn flehen wir zu Dir, sende uns den Heiligen Geist mit den siebenfachen Gaben … den Geist der Frömmigkeit, damit unsere Herzen in heiliger Liebe und wahrer Andacht erglühen und in der völligen Hingabe an Dich, o Gott, den ersehnten Frieden finden … Amen“  —  AE

Quelle: Der Fels – 46. Jahr – September/Oktober 2015
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering

HubertGindert@der-fels.de

Samstag, 11. Juni 2016

Angelus-Abendläuten


Angelus-Abendläuten, 1903

Josef Kinzel (1852 - 1925)
Privatsammlung / Photo Palais Dorotheum, Wien / Wikimedia Commons

Es wird Abend. Von der nahen Dorfkirche, die auf dem Bild nicht zu sehen ist, hört man das Läuten der Glocken. Kein Lüftchen bewegt sich, der Rauch steigt gerade auf. Da und dort ist in den Häusern schon Licht zu sehen.
Der Mann unterbricht seine Arbeit und faltet die Hände über der Sense. Andächtig spricht er das Gebet, das er schon seit seiner Kindheit kennt. Worte des ewigen Lebens geben seinem bescheidenen, mühevollen Leben Sinn. Es ist ein Leben, das sich im Vertrauen auf die göttliche Vorsehung auf den Himmel vorbereitet.
Josef Kinzel ist ein österreichischer Künstler. Er ist einer der letzten Vertreter des Wiener Genrebildes und hat mit seiner Landschafts- und Porträtmalerei Berühmtheit erlangt. Seit seinem 42. Lebensjahr war er infolge einer Lähmung der rechten Hand gezwungen mit seiner linken zu malen. So entstand auch dieses Bild.

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, DVCK e.V., Frankfurt, Mai 2014

Dienstag, 1. September 2015

Die Verehrung des Heiligen Johannes Nepomuk


Die Verehrung des Heiligen Johannes Nepomuk, 1844
Ferdinand Georg Waldmüller, © Wienmuseum

Der heilige Johannes Nepomuk (um 1340-1393) war Priester und Domherr in Prag. Die Königin, eine fromme Frau, erwählte ihn zu ihrem Beichtvater. König Wenzel IV. von Böhmen, der ein lasterhaftes Leben führte, zweifelte am tugendhaften Lebenswandel seiner Gemahlin. Er forderte Johannes auf, ihm das Beichtgeheimnis der Königin zu verraten. Entrüstet weigerte sich Johannes, dem Befehl zu folgen. Daraufhin wurde er ins Gefängnis geworfen und grausam gefoltert. Noch einmal dem Herrscher vorgeführt und mit dem Tode bedroht, schwieg Johannes, um das Beichtgeheimnis zu bewahren. Er wurde mit Pechfackeln gebrannt, durch die Stadt geschleift und in den Fluss geworfen. Der Körper des Märtyrers wurde von der Strömung sanft mitgenommen und war - zum großen Erstaunen der ganzen Stadt - während der ganzen Nacht von hellem Fackelschein umgeben.
Ein sehr populärer Heiliger in Österreich und Deutschland; sein Fest wird am 16. Mai gefeiert. Auf dem Bild sieht man die Dorfbewohner, die um seine blumengeschmückte Statue versammelt, ihn mit frommen Gesängen lobpreisen.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Mai 2008)


--------------------------------- 

Mittwoch, 26. August 2015

Rückkehr vom Fest am Kalvarienberg


Rückkehr vom Fest am Kalvarienberg
Ignacio Diaz OLANO (1860-1937), (1903) 
Musée des Beaux-Arts d'Alava / Spanien.

In diesem Dorf an der baskischen Küste Spaniens wird Mitte September mehrere Tage lang das Fest Kreuzerhöhung gefeiert. Der Maler, der aus dieser Region stammt, hat für uns eine fröhliche Szene herausgegriffen.
In der Kapelle auf dem Kalvarienberg, einem der Hügel, die den Fischerhafen umgeben, werden am Vormittag heilige Messen gefeiert. Nach dem Mittagessen wird in angeregter Unterhaltung mit Freunden auf der Wiese getanzt, gesungen, gelacht und gespielt.
Zum Klang von Hirtenflöte, Tamburin und Dudelsack steigt das lustige Völkchen dann — eine traditionelle Jota (spanischer Tanz) tanzend — ins Dorf hinab. Um den Hals tragen sie Medaillen, Skapuliere und Souvenirs. Man bringt auch Biskuit und Backwaren von diesem Fest mit.
Im Hintergrund erstrahlen die Berge im Abendlicht. Das Bild ist Ausdruck der Lebensfreude einer Gesellschaft, die keinen Neid kennt und in der alle wie in einer großen Familie leben — vereint durch die gleiche christliche Kultur.
(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, September 2010)