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Freitag, 31. Juli 2026

Sterbebild der Königin Maria Klothilde von Sardinien


(23. September 1759 – 7. März 1802)

Sie war zu Versailles geboren. Ihr Vater war der Dauphin Ludwig, der Sohn des damals regierenden Ludwig XV.

An einem durch seine Sittlichkeit verrufenen Hofe bewahrte er Tugend und Frömmigkeit. Schon im Jahre1767 war Klothilde, die in der Furcht des Herrn aufgewachsen war, eine Doppelwaise.

Am 17. August 1775 heiratete sie in der Schlosskapelle zu Versailles den Thronerben von Piemont, Karl Emanuel. Er war sehr religiös, seine Grundsätze und Gesinnungen unterschieden sich nicht von den ihrigen.

Als Prinzessin setzte die Dienerin Gottes ihre gewohnten religiösen Übungen fort. Drei bis viermal in der Woche ging sie zum Tische des Herrn. Ihre religiösen Übungen Hinderten sie keineswegs an der Erfüllung ihrer Standespflichten und an der Ordnung ihres Hauswesens. Den Dienstboten war sie eine liebevolle Herrin. Sie nannten sie einen Engel. Gegen ihre edle Schwiegermutter hatte sie eine besondere Zuneigung und tat nichts ohne ihren Rat. Ihrem Gemahl war sie in der liebenswürdigsten Weise untertänig. Den Armen ließ sie durch die Hand anderer reichliche Almosen zukommen.

Klothildens ganzes Leben war ein Kreuzweg. Schon mit acht Jahren hatte sie Vater und Mutter verloren, ihr Bruder Ludwig XVI. und ihre Schwester Elisabeth endeten auf dem Blutgerüste, ihr Neffe starb infolge grausamer Behandlungen eines frühen Todes. Aber gottergeben ertrug die Dulderin diese fürchterlichen Schläge.

Als sie am 16. Oktober 1796 Königin von Piemont wurde, änderte sie in keiner Weise ihre bisherige Lebensweise. Schon nach zwei Jahren nahm die französische Republik dem Gatten alle Besitzungen und zwang ihn als Verbannten nach Sardinien zu gehen. Auch hier verlor Klothilde ihren Starkmut nicht und richtete ihren bekümmerten Gemahl auf. Bald darauf kam sie mit dem König nach Rom, wo Papst Pius VI. sie herzlich empfing. Von Rom begab sich Klothilde nach Neapel, wo sie den ehrwürdigen Barnabiten, Pater Bianchi, kennen lernte, aus dessen Seelenführung sie großen Trost für ihre oft daniederliegende Seele schöpfte.

Sie verschied in Neapel, versehen mit den heiligen Sterbesakramenten, am 7. März 1802 in einem Alter von 42 Jahren. In der Krankheit, die ihrem kostbaren Tode vorausging, bekundete sie eine große Sehnsucht nach dem Himmel. Oftmals sagt sie zu ihrem Beichtvater, dem P. Marino: „O diese Ruhe, dieser Friede! Wie schön ist der Himmel! Zum Himmel! Zum Himmel!“ und klatschte bei diesen Worten in die Hände. Ihr Todeskampf erschien als sanfter Schlummer. Als der berühmte Doktor Cotugno, der bei ihrem Hinscheiden zugegen gewesen war, dem Könige entgegenging, um ihn vom Eintritte in das Zimmer der Verstorbenen abzuhalten, sagte er, anstatt ihm zu kondolieren, mit dem Ausdrucke der Freude: „Ich freue mich mit Ew. Majestät, dass ein Engel in den Himmel geflogen ist.“

 

 

Anton Steeger „Das Ende großer Menschen“, 100 kurze, erhebende Sterbebilder von Katholiken des 19. Jahrhunderts.

Regensburg 1915. Verlagsanstalt vorm. G.J. Manz, Buch- und Kunstdruckerei A,-G., München-Regensburg. S.1