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Montag, 9. März 2020

Darstellung Jesu im Tempel





Das Bild ist wohl ein Ausschnitt, wie der linke Rand zeigt. Beschränken wir uns also auf die drei Hauptpersonen: Rechts sieht man Simeon. Sein hohes Alter - er erwartet schon seinen Tod (Lk 2, 29) - wird durch seinen Bart und seine weißen Haare beschrieben. Die Umsetzung, dass seine Augen das Heil sehen (Lk 2, 30), erreicht der Maler, indem er Simeon das Kind nicht direkt anschauen lässt, sondern dass er sein Haupt leicht nach außen wendet, die Augen weit öffnet und die beiden Pupillen parallel stellt. Simeon hält ein weißes Tuch, um das göttliche Kind in seine Arme zu nehmen. Noch heute trägt der Priester, wenn er die Monstranz mit dem Leib Christi hält, ein Velum, damit er diese nicht mit bloßen Händen berührt. Als Tempeldiener hat Simeon ein goldenes Gewand an und als Jude eine Phantasiekippa auf dem Kopf.
Maria trägt einen weißen Schleier. Sie ist verheiratet und Jungfrau. Die rote Farbe ihres Mantels deutet an, dass dieses Ereignis zu den „Sieben Schmerzen Mariens“ zählt. (Lk 2, 35). Maria schaut weder auf ihr Kind, noch auf den Priester, sondern ihr Kopf ist etwas nach außen gewandt und die Lidspalten verkleinert. So hat man den Eindruck, dass sie in sich hinein schaut, um dieses Ereignis in ihrem Herzen zu bewahren. Das Kind, dessen rechter Arm verzeichnet ist, greift an die Brust seiner Mutter, zeigt also eine innige Beziehung zur Mutter und spielt auf das Bibelwort an „Selig ... die Brust die dich genährt hat“ (Lk 11, 27). Auch Maria hält es noch schützend mit ihrer Hand fest. Es ist hier genau der Moment zu sehen, bevor sich das Christkind von seiner Mutter löst, um als männliche Erstgeburt an Gott übergeben zu werden. Fragend, ja etwas zweifelnd, schaut das Kind zu Simeon hinüber. Es versteht noch nicht, dass es in dem sein muss, was seines Vaters ist (Lk 2, 49). Alois Epple

Quelle: Der Fels, Titelbild Februar 2019.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

Sonntag, 2. Februar 2020

Darstellung des Herrn




Dieses Fresko findet sich in der Arenakapelle in Padua und wurde von Giotto di Bondone (*1267 oder 1276, +1337) zwischen 1304 und 1306 gemalt. Es zeigt die „Darstellung des Herrn“ (Lk 2,22-40)
Giotto gilt als Überwinder der Ikonenmalerei (maniera greca) und Vorbreiter der Perspektive. Beides kann man in diesem Bild sehen: Der Hintergrundhimmel ist nicht mehr golden, sondern blau. Alle Personen sind nebeneinander aufgereiht. Lediglich der Engel kommt aus der Tiefe. Die Horizontlinie verläuft in Höhe der Köpfe. Die Altarbasis sieht man von oben, der Baldachin kann von unten eingesehen werden. Allerdings zeigt sich hier auch, dass Giotto die Gesetze der Malperspektive noch nicht kannte.
Das Christkind hat seine Arme quer ausgestreckt. So wiederholt sein Körper die Kreuzform in seinem Heiligenschein. Der Priester Simeon blickt intensiv das Kind an, denn seine Augen schauen den Gesalbten (lk 2,26), das Heil (LK 2,30). Er steht als einziger im Heiligtum, nämlich auf einer Marmorplatte. Seine Hände sind von einem Velum verhüllt. Noch heute verhüllt der Priester seine Hände mit einem Velum wenn er mit der Monstranz den eucharistischen Segen erteilt. Er ist, wie Joseph, barhäuptig, während Maria und die verwitwete Prophetin Anna ihre Häupter bedekt haben, wie es Paulus vorschreibt.
Ein Engel bringt dem Kind ein Szepter, da das Jesuskind herrschen wird. Joseph wird durch seinen Bart und seine leicht gebückte Haltung als alter Mann gezeigt.
Während sich die übrigen Personen aus dem Bibeltext erklären, bleibt die linke Person rätselhaft. Was kann man über sie aussagen? Sie ist noch nicht verheiratet, da sie keine Kopfbedeckung trägt. Sie hat keine heilsgeschichtliche Bedeutung, denn sonst würde ihr Haupt mit eine Nimbus umfangen sein. Sie ist wohlhabend oder zumindest gepflegt, wie schon ihre geflochtenen Haare verraten. Sie trägt als einzige keinen Umhang oder Mantel, sie könnte also im Tempel zu Hause sein. Auch die Haltung ihrer Hände ist schwer zu deuten. Angesichts dieser Hinweise ist sie wohl mehr als ein Lückenfüller.

Titelbild DER FELS Februar 2018
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de