Dienstag, 19. Mai 2026

Bischof Schneider: Der Synodenbericht des Vatikans zur Homosexualität erinnert an „die Schlange im Garten“

 Dieser Artikel erschien ursprünglich auf dem Substack von Diane Montagna.

 Aus „Gloria Dei“, der offiziellen Website Seiner Exzellenz Bischof Athanasius Schneider (Englisch)

 Der Abschlussbericht der Studiengruppe Nr. 9 propagiert eine „Exegese des Zweifels“ an der göttlichen Offenbarung und öffnet der „totalen moralischen Relativierung“ Tür und Tor.

ROM, 12. MAI 2026 — Bischof Athanasius Schneider hat eine scharfe Kritik an dem neuen Bericht des Vatikans über „aufkommende lehrmäßige, pastorale und ethische Fragen“ geübt. Er erklärte, die darin enthaltene Behandlung der Homosexualität fördere eine „Exegese des Zweifels“ an der göttlichen Offenbarung, die an die Schlange im Garten Eden erinnere und der „totalen moralischen Relativierung“ Tür und Tor öffne.

Der 30-seitige Abschlussbericht, der am 5. Mai vom Generalsekretariat der Synode des Heiligen Stuhls veröffentlicht wurde, wurde von der Studiengruppe Nr. 9 erstellt – einer von zehn Studiengruppen, die Papst Franziskus im Februar 2024 eingesetzt hatte, um jene Themen zu untersuchen, die während der ersten Sitzung der Synode über die Synodalität im Oktober 2023 aufgekommen waren.

Der siebenköpfigen Studiengruppe gehörten unter anderem Kardinal Carlos Castillo Mattasoglio, Erzbischof von Lima (Peru), Erzbischof Filippo Iannone, Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe, sowie der italienische Moraltheologe Pater Maurizio Chiodi an. Letzterer ist Professor am Päpstlichen Theologischen Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaften und hat sich offen dafür ausgesprochen, dass sexuelle Handlungen innerhalb einer homosexuellen Beziehung unter bestimmten Umständen als gut zu bewerten seien. Pater Chiodi gilt als der mutmaßliche Hauptverfasser des Berichts.

Der Bericht zog rasch Kritik von katholischen Kommentatoren auf sich, wurde jedoch von „LGBTQ+“-Befürwortern – wie etwa Pater James Martin SJ – umgehend als „bedeutender Fortschritt“ gefeiert. Die Kontroverse verschärfte sich noch, als bekannt wurde, dass eines der beiden im Bericht wiedergegebenen Zeugnisse von jenem Mann verfasst worden war, der 2023 auf der Titelseite der *New York Times* abgebildet war: Er empfing dort gemeinsam mit seinem gleichgeschlechtlichen Partner den Segen desselben Jesuitenpriesters – nur einen Tag nach der Veröffentlichung von *Fiducia Supplicans*.

In diesem Interview erörtert Bischof Schneider, was er als eine unheilige Allianz zwischen dem Synodensekretariat und den Verfechtern einer „antichristlichen“ Ideologie betrachtet; er geht der Frage nach, inwieweit der Abschlussbericht der Studiengruppe Nr. 9 eine „rote Linie“ darstellt, und beleuchtet, wie dessen Veröffentlichung die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen dem Vatikan und der traditionalistischen Priesterbruderschaft St. Pius X. beeinflussen könnte.

Obwohl er einräumt, dass der Bericht keine formelle lehramtliche Autorität besitzt, argumentiert der Weihbischof von Astana, dass seine Veröffentlichung durch den Vatikan dennoch schwerwiegende Folgen nach sich ziehe; denn er werde in den weltweiten Medien unweigerlich als Signal für eine Wende in der katholischen Lehre dargestellt und interpretiert werden.

Zudem richtet er einen direkten Appell an Papst Leo, die Kirche – und die Seelen – vor dem zu schützen, was er als eine „dreiste gnostische Lehre“ bezeichnet. Er warnt davor: Sollten der Heilige Vater – gemeinsam mit Kardinälen, Bischöfen und Priestern – nicht „aufwachen“, könnten künftige Generationen eines Tages auf diese Ära zurückblicken und sagen: „Die ganze Welt seufzte und wunderte sich darüber, wie sie das sechste Gebot abgeschafft hatten.“

Hier ist mein Interview mit Bischof Athanasius Schneider.

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Diane Montagna (DM): Exzellenz, wie lautete Ihre erste Reaktion auf den Abschlussbericht der Studiengruppe Nr. 9 – und auf die Enthüllung, dass eine der beiden darin enthaltenen Zeugenaussagen von jenem Mann verfasst wurde, der in der *New York Times* abgebildet war, als er – gemeinsam mit seinem gleichgeschlechtlichen Partner – einen Segen von P. James Martin SJ empfing, und zwar nur einen Tag nach der Veröffentlichung von *Fiducia Supplicans*?

+Athanasius Schneider (+AS): Mit der Herausgabe des Abschlussberichts der Studiengruppe Nr. 9 hat sich das Sekretariat der Bischofssynode dazu herabgelassen, die Propaganda einer globalen Sexualideologie zu fördern, die weltweit in Politik und Medien aggressiv vorangetrieben wird. P. James Martin ist dabei lediglich ein klerikaler Handlanger dieser antichristlichen und blasphemischen Ideologie. Die Verfechter dieser Ideologie streben nach der moralischen und lehramtlichen Billigung homosexueller Handlungen und Lebensweisen durch die Kirche – also jener Verhaltensweisen, die im Widerspruch zu Gottes Schöpfungswerk und zur natürlichen Ordnung stehen. Das Synodensekretariat – ein Organ des Heiligen Stuhls – kollaboriert somit mit den Lobbyisten dieser Ideologie in einer regelrechten Revolte gegen Gottes Schöpfungswerk, gegen die schöne und weise Ordnung der beiden Geschlechter: Mann und Frau.

(DM): Der Abschlussbericht zielt eindeutig darauf ab, die Homosexualität im Leben der Kirche zu normalisieren. Dieser Prozess wurde bereits 2014 mit dem Zwischenbericht der ersten Familiensynode unter Papst Franziskus in Gang gesetzt; dieser argumentierte, dass „Homosexuelle Gaben und Qualitäten haben, die sie der christlichen Gemeinschaft anbieten können“. Der Text wurde von den Synodenvätern mehrheitlich abgelehnt, doch die Bemühungen wurden fortgesetzt.[1] Was verrät der Abschlussbericht Ihrer Ansicht nach über den „synodalen Prozess“, der unter dem amtierenden Papst initiiert wurde?

(+AS): Der Abschlussbericht offenbart, dass die Legitimierung der Homosexualität (d. h. homosexueller Handlungen, Lebensweisen und homoerotischer Beziehungen) bereits auf der klerikalen Agenda der ersten Familiensynode unter Papst Franziskus stand. Diese Agenda erreichte einen Höhepunkt mit der Veröffentlichung von *Fiducia Supplicans* durch das Dikasterium für die Glaubenslehre unter seinem derzeitigen Präfekten.

*Fiducia Supplicans* ist ein Hohn auf den gesunden Menschenverstand. Das Dokument spricht von der Möglichkeit, homosexuelle Paare zu segnen – nicht offiziell und liturgisch, sondern spontan. Dem Dokument zufolge ist der Gegenstand des Segens das homosexuelle Paar, nicht aber dessen Beziehung. Doch das „Paar-Sein“ leitet sich gerade aus der Beziehung selbst ab. *Fiducia Supplicans* hält somit die ganze Welt für Narren.

Der Abschlussbericht der Studiengruppe Nr. 9 geht sogar noch weiter, indem er eine mögliche lehrmäßige Rechtfertigung für homosexuelle Handlungen und homoerotische Beziehungen vorschlägt. Dies geschieht, indem er indirekt die bleibende Gültigkeit des Zeugnisses der göttlichen Offenbarung bezüglich der Homosexualität in der Heiligen Schrift in Frage stellt und eine Art „Exegese des Zweifels“ hinsichtlich der einschlägigen biblischen Stellen vorantreibt. Tatsächlich heißt es in dem Bericht: „Es ist notwendig, über eine bloße Wiederholung ihrer gegenwärtigen Darstellung hinauszugehen und die Erkenntnisse zu berücksichtigen, die aus verschiedenen exegetischen Lesarten gewonnen wurden“ (2.4). Eine solche Exegese maßt sich faktisch den Platz Gottes an und nimmt sich heraus zu verkünden, was gut und was böse ist. Genau dies tat die Schlange im Garten Eden.

(DM): Beide in dem Bericht hervorgehobenen Zeugnisse wurden von offen homosexuellen Männern verfasst, die in „gleichgeschlechtlichen Ehen“ leben und die Lehre der Kirche bezüglich Ehe und Sexualität nicht anerkennen. Dennoch gab es keinerlei Zeugnisse von Personen mit gleichgeschlechtlicher Neigung, die bestrebt sind, im Einklang mit dem katholischen Glauben zu leben, sich im Apostolat mit „Courage“ zu  engagieren usw. Was sagt dies über die „Experten“ aus, aus denen sich die Studiengruppe Nr. 9 zusammensetzte?

(+AS): Diese Tatsache spricht für sich selbst. Sie belegt eindeutig, dass ein Organ des Heiligen Stuhls – das Sekretariat der Bischofssynode – Partei ergreift für eine ideologische, neugnostische Gruppe innerhalb der Kirche; eine Minderheit, die der beständigen Lehre der Kirche sowie dem *sensus fidelium* (dem Glaubenssinn der Gläubigen) ausdrücklich widerspricht. Es ist offensichtlich, dass das Ziel darin besteht, einen Prozess in Gang zu setzen, der auf eine Neuinterpretation und letztlich auf die Aufhebung der Gültigkeit der göttlichen Offenbarung abzielt – und zwar konkret der Gültigkeit des sechsten Gebots.

(DM): Die Verfasser betonen, dass ihr Bericht nicht als Ausübung von Autorität gedacht sei, sondern lediglich das Ergebnis einer Arbeit darstelle, die der Studiengruppe im Verlauf des synodalen Prozesses in Auftrag gegeben wurde – mit dem Ziel, die geistliche Unterscheidung in den Ortskirchen zu fördern. Manche mögen nun einwenden, genau dies sei jene Taktik, mit der die Befürworter dieser Ideen die „Revolution“ vorantreiben wollten; andere wiederum könnten der Ansicht sein, dies biete hinreichenden Grund, den Bericht schlichtweg zu ignorieren. Welchen Standpunkt vertreten Sie?

(+AS): Auch wenn es sich formal lediglich um ein Dokument einer Studiengruppe handelt, dem die Autorität des Lehramts fehlt, wurde es dennoch vom Vatikan – vermittelt durch ein Organ des Heiligen Stuhls – veröffentlicht. Infolgedessen vermittelt ein solches Dokument der gesamten Weltöffentlichkeit sowie der Mehrheit der Katholiken – denen das theologische Unterscheidungsvermögen hinsichtlich des verbindlichen Gewichts kirchlicher Dokumente oft fehlt – den Eindruck, die katholische Kirche und selbst der Vatikan öffneten sich nun der Möglichkeit, homosexuelle Handlungen und Lebensweisen zu legitimieren und zu normalisieren. Hierin manifestiert sich eine klare Taktik, die darauf abzielt, die Gläubigen schrittweise daran zu gewöhnen, homosexuelle Handlungen als etwas Normales zu betrachten – oder sie zumindest in Einzelfällen zu tolerieren; dies geschieht vornehmlich unter Rückgriff auf das sophistische Argument, ein homosexuelles Paar könne ja durchaus über andere positive moralische oder intellektuelle Eigenschaften verfügen. Auf diese Weise wird dem völligen moralischen Relativismus Tür und Tor geöffnet.

(DM): Stellt dieser Abschlussbericht eine „rote Linie“ dar? Und welche Maßnahmen sollte Papst Leo XIV. Ihrer Ansicht nach ergreifen, angesichts der Tatsache, dass das Sekretariat der Bischofssynode diesen Bericht nunmehr öffentlich zugänglich gemacht hat?

(+AS): Dieser Abschlussbericht hat unmissverständlich die Grenze von der Orthodoxie zur Häresie überschritten. Der Bericht bedient sich der verführerischen Phrase „Paradigmenwechsel“, um – mittels leerer Rhetorik – Gottes Offenbarung über die binäre Natur der Geschlechter sowie Sein klares Verbot jeglicher sexuellen Handlungen außerhalb einer gültigen Ehe zwischen Mann und Frau zu untergraben. Die vornehmste Pflicht Papst Leos XIV. besteht darin, die Kirche und die Seelen der Gläubigen vor dieser dreisten gnostischen Lehre zu schützen, die darauf abzielt, Unzucht und widernatürliche Laster zu rechtfertigen. Die Stimme Christi – die die Kirche in Pergamon dafür tadelte, die sexuelle Häresie der Nikolaiten zu dulden (vgl. Offb 2,14–15), und der Kirche in Thyatira vorwarf, der Isebel – die sich selbst „Prophetin nannte“ – zu gestatten, sexuelle Unmoral in der Kirche zu verbreiten (Offb 2,20–21) –, richtet sich heute auch an Papst Leo XIV.

(DM): Wir berichten seit Jahren über diese Themen – angefangen bei der Familiensynode, über die Jugendsynode bis hin zur nun laufenden Synode über die Synodalität. Und doch scheinen sich Kardinäle und Bischöfe so oft – vielleicht abgesehen von der Gegenreaktion nach *Fiducia Supplicans* – und mit seltenen Ausnahmen für das Schweigen und die Untätigkeit zu entscheiden. Ist die Tatsache, dass wir diesen Punkt erreicht haben, nicht auch das Ergebnis eines Versagens der Hierarchie, jener Revolution Widerstand zu leisten, die unter dem vorangegangenen Pontifikat an Fahrt aufgenommen hat? Und wie, glauben Sie, können die Kardinäle dem Heiligen Vater in dieser Hinsicht nun am wirksamsten dienen?

(+AS): Die wesentliche Sendung des heiligen Amtes eines Kardinals und Bischofs besteht darin, dem feierlichen Auftrag Christi zu gehorchen, der die Apostel anwies, alles zu lehren, was Er gelehrt hatte. Und Jesus Christus – der menschgewordene Gott, die Wahrheit selbst – verurteilte jede Form der Verfälschung von Gottes Geboten sowie jeglichen Kompromiss mit der Sünde aufs Schärfste. Mit unerhörter Dreistigkeit ersetzt der Abschlussbericht Gottes Gebote – in diesem Fall Gottes Gebot gegen sexuelle Handlungen außerhalb der Ehe – durch menschliche Traditionen, die *de facto* der Akzeptanz homosexueller Handlungen und Lebensweisen Tür und Tor öffnen. Die homosexuelle Häresie infiziert zunehmend den Leib der Kirche; und wenn der Papst – und mit ihm die Kardinäle und Bischöfe – nicht aufwachen und als verantwortungsbewusste geistliche Ärzte und Hirten die Menschen klar und mutig vor einer solchen geistlichen Ansteckung warnen und schützen, werden sie durch ihr Nichtstun und ihr Schweigen schuldig werden. Es ist durchaus möglich, dass künftige Generationen, wenn sie auf unsere Epoche zurückblicken, auf diese jene Worte aus der Zeit der arianischen Häresie anwenden werden: „Die ganze Welt seufzte und wunderte sich darüber, wie sie das sechste Gebot Gottes abgeschafft hatte.“

(DM): Wie Sie oben anmerken, schlägt der Bericht einen „Paradigmenwechsel“ in der Art und Weise vor, wie die Kirche ihre schwierigsten lehramtlichen, pastoralen und moralischen Fragen angeht; und er beschreibt diesen Wandel als Teil eines „vom Zweiten Vatikanischen Konzil initiierten Prozesses, der jene Modelle in Frage stellt, die im kirchlichen Leben der vergangenen Jahrhunderte vorherrschend waren.“ Wir hören oft, dass der Klerus und die Gläubigen, die der traditionellen lateinischen Messe verbunden sind, das „Zweite Vatikanische Konzil annehmen“ müssten. Doch wie kann man dies von ihnen erwarten, wenn gerade jene, die als Experten für das Vatikanum auserwählt wurden, uns sagen, dass genau dies das Ergebnis ist, zu dem es führt?

(+AS): Der Schlussbericht, verfasst in typisch sophistischer und gnostischer Manier, stellt die unveränderlichen, heiligen und weisesten Wahrheiten der göttlichen Offenbarung lediglich als „theoretische Modelle“ dar (vgl. 2.3). In ihrem Bericht wird die klare, unfehlbare und zweitausend Jahre alte Lehre der Kirche über die göttlich angeordnete und göttlich gewollte Ordnung der menschlichen Sexualität somit zu einem zeitgebundenen „Modell“ herabgewürdigt. Dies beraubt zugleich das gesamte natürliche Sittengesetz – das Gott dem menschlichen Herzen eingeschrieben hat – sowie Seine in der Heiligen Schrift und der Heiligen Tradition offenbarten Wahrheiten ihrer verbindlichen Kraft.

Die Verfasser des Schlussberichts sind jene, die – um mit den Worten des Apostels Judas zu sprechen – die Gnade Gottes als Freibrief für die Ausübung der Unzucht missbrauchen (vgl. Jud 4). Sie sind die „wasserlosen Brunnen und Nebelwolken, vom Sturmwind gejagt“, von denen der heilige Petrus spricht; „sie führen hochtrabende Reden ohne Inhalt, und verlocken mit fleischlichen Lüsten und Ausschweifungen jene, die kaum entronnen sind den im Irrtum lebenden Menschen. Sie verheißen ihnen Freiheit, obgleich sie selber Sklaven des Verderbens sind“ (2 Petr 2,17–19). Wenn der Heilige Stuhl diesen Schlussbericht Nr. 9 nicht unmissverständlich verurteilt, werden alle verbleibenden, wahrhaft katholischen Geistlichen und Gläubigen das Vertrauen in jene verlieren, die Positionen im Vatikan innehaben.

(DM): Die FSSPX hat angekündigt, dass sie plant, am 1. Juli neue Bischöfe zu weihen. Wie kann es überhaupt Hoffnung auf Versöhnung oder Einheit geben, wenn diese Art von Angriffen auf den katholischen Glauben – die aus den offiziellen Strukturen des Vatikans selbst hervorgehen – andauern?

(+AS): Der skandalöse und, in Wahrheit, blasphemische Inhalt des Schlussberichts Nr. 9 bezüglich des Themas Sexualität – im Gegensatz zum ewig gültigen Inhalt der göttlichen Offenbarung in Schrift und Tradition – ist ein weiterer Beweis – neben vielen anderen alarmierenden Dokumenten und Handlungen, die vom Heiligen Stuhl ausgehen oder von ihm geduldet werden –, dass die gegenwärtige Situation der Kirche nur als ein wahrer Notstand beschrieben werden kann; eine Feststellung, die die FSSPX zu Recht trifft. Man müsste blind sein, um dies nicht zu sehen. Wer heute in der Kirche diesen wahren Notstand noch leugnet, ist entweder geistlich verblendet, hält den nackten Kaiser für anständig bekleidet (wie in Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“) oder verhält sich wie jener Diener, der angesichts des brennenden Schlosses ausrief: „Alles geht sehr gut, Madame la Marquise!“ (*Tout va très bien, Madame la Marquise!*)

(DM): Die FSSPX, die deutschen Bischöfe, die Synode über die Synodalität … Papst Leo XIV. hat in den kommenden Monaten und Jahren eine Fülle sehr ernster Angelegenheiten zu bewältigen. Was würden Sie ihm sagen, nun, da er in das zweite Jahr seines Pontifikats eintritt?

(+AS): Als sein Bruder im Bischofsamt könnte ich ihm keine besseren und treffenderen Worte anbieten als jene, die unser Herr zu Petrus, dem ersten Papst, sprach: „Stärke deine Brüder im Glauben!“ (Lukas 22,32). Was bedeutet „im Glauben stärken“ konkret? Es bedeutet offensichtlich, Klarheit in die Verwirrung des Glaubens zu bringen, Klarheit in die Zweideutigkeit des Glaubens und Klarheit in die Untergrabung des Glaubens. Der Papst sollte erkennen, dass die Kirche – ähnlich wie im zweiten Jahrhundert zur Zeit des heiligen Irenäus – von einem Gnostizismus infiziert ist, der wie ein Fuchs auf hinterlistige Weise die Gültigkeit und Konkretheit der göttlichen Offenbarung und der Gebote Gottes leugnet. Deshalb richtete der heilige Irenäus die folgende Warnung an die Päpste, Bischöfe und Gläubigen seiner Zeit – eine Stelle, die es verdient, vollständig zitiert zu werden:

„Dies also ist ihr System – ein System, das weder die Propheten verkündet, noch der Herr gelehrt, noch die Apostel überliefert haben; dessen vollkommene Kenntnis sie sich jedoch rühmen, mehr als alle anderen. Sie beziehen ihre Ansichten aus anderen Quellen als der Heiligen Schrift; und – um ein gängiges Sprichwort zu bemühen – sie mühen sich ab, Stricke aus Sand zu flechten, indem sie versuchen, die Gleichnisse des Herrn, die Aussprüche der Propheten und die Worte der Apostel mit einem Anschein von Wahrscheinlichkeit ihren eigenen, eigenwilligen Behauptungen anzupassen, damit ihr Gedankengebäude nicht gänzlich ohne Stütze erscheine. Dabei jedoch missachten sie die Ordnung und den Zusammenhang der Heiligen Schrift und zerstückeln und zerstören – soweit es in ihrer Macht steht – die Wahrheit. Indem sie Textstellen versetzen, neu zurechtmachen und aus dem einen etwas ganz anderes konstruieren, gelingt es ihnen durch ihre arglistige Kunst, viele zu täuschen, indem sie die göttlichen Offenbarungen ihren eigenen Meinungen dienstbar machen. Ihr Vorgehen gleicht dem eines Mannes, der – wenn ein geschickter Künstler ein wunderschönes Bildnis eines Königs aus kostbaren Edelsteinen geschaffen hat – dieses Abbild des Menschen in all seine Einzelteile zerlegt, die Edelsteine neu anordnet und so zusammenfügt, dass daraus die Gestalt eines Hundes oder eines Fuchses entsteht – und selbst dies nur schlecht ausgeführt. Sodann würde er behaupten und erklären, dies sei jenes wunderschöne Bildnis des Königs, das der geschickte Künstler geschaffen habe; dabei verweist er auf die Edelsteine, die vom ersten Künstler bewundernswert zusammengefügt worden waren, um das Bild des Königs zu formen, nun aber vom zweiten Künstler mit unglücklicher Wirkung in die Gestalt eines Hundes übertragen wurden. Indem er so die Edelsteine ​​präsentiert, täuscht er die Unwissenden – jene, die keine Vorstellung davon haben, wie die Gestalt eines Königs beschaffen ist – und redet ihnen ein, jenes erbärmliche Abbild des Fuchses sei in Wahrheit das wunderschöne Bildnis des Königs. Auf genau dieselbe Weise flicken diese Leute Ammenmärchen zusammen und versuchen dann, indem sie Worte, Ausdrücke und Gleichnisse – wo immer sie diese vorfinden – gewaltsam aus ihrem eigentlichen Zusammenhang reißen, die göttlichen Offenbarungen ihren haltlosen Erfindungen anzupassen“ (Adversus haereses, I,8.1).

(DM): Exzellenz, möchten Sie noch etwas hinzufügen?

(+AS): Mit den folgenden Worten möchte ich jenen unzähligen einfachen, frommen Katholiken eine Stimme verleihen, denen ich immer wieder in verschiedenen Ländern begegne – Menschen, die den Papst mit einer wahrhaft übernatürlichen Liebe lieben, zugleich aber zutiefst darunter leiden, dass aus Rom keine eindeutige Bestätigung göttlicher Wahrheiten erfolgt; dies geschieht inmitten der ungestraften Verbreitung von Häresien und Gotteslästerungen im kirchlichen Leben durch Kleriker – ja sogar durch Bischöfe und Kardinäle –, die Wölfe im Gewand von Hirten sind. Ich möchte eine brüderliche Bitte an Sie richten:

Heiligster Vater, hören Sie auf die Stimme so vieler frommer Katholiken, einfacher Priester und Ordensleute, von Kindern und Jugendlichen, die durch synodale Strukturen an den Rand des kirchlichen Lebens gedrängt und sogar mit Verachtung behandelt wurden – einzig und allein deshalb, weil sie dem Glauben und der Form der Liturgie treu bleiben, wie sie von ihren Vorvätern überliefert wurden; jenem Glauben und jener Liturgie, die von den Heiligen geschätzt wurden; jenem Glauben und jener Liturgie, die von der überwältigenden Mehrheit der Päpste angenommen und gefeiert wurden.

Heiligster Vater, stellen Sie sich nicht vorrangig auf die Seite von Kirchenbürokraten und Apparatschiks, die von den Mächtigen dieser Welt gestützt werden; hören Sie vielmehr auf die Kleinen in der Kirche und stehen Sie ihnen bei: auf die traditionsverbundenen Gläubigen und Kleriker, die unerschütterlich an dem Glauben festhalten, der den Heiligen ein für alle Mal überliefert wurde (Jud 3).

Heiligster Vater, seien Sie für unsere Zeit ein zweiter heiliger Leo: Legen Sie ein glasklares Glaubensbekenntnis ab, um die gesamte Kirche zu stärken und verderbliche Zweifel sowie vergiftende Zweideutigkeiten zu zerstreuen – genau so, wie es einst Ihr Vorgänger und Namensvetter tat. Dann werden die Gläubigen unserer Zeit – wie schon zu Zeiten Leos des Großen – sagen können: „Durch den Mund von Papst Leo XIV. hat Petrus gesprochen!“

 

 

Aus dem Englischen der offiziellen Webseite von Bischof Athanasius Schneider „Gloria Dei“ mit Hilfe des Google-Übersetzers.

Die deutsche Fassung dieses Artikels in www.p-c-o.blogspot.com

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Donnerstag, 7. Mai 2026

Mexiko und die Verehrung der Jungfrau von Guadalupe

 Eugenio Trujillo Villegas


In Mexico wird am 12. Dezember das Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe gefeiert – der Schutzpatronin Mexikos und von Nord-, Süd- und Mittelamerika. Es ist ein Anlass, das Thema Mexiko und das zivilisatorische Werk erneut zu betrachten, das gemeinsam von der Katholischen Kirche und Spanien vollbracht wurde und das Neu-Spanien – wie Mexiko zu jener Zeit genannt wurde – in die bedeutendste, am weitesten entwickelte und wohlhabendste aller Nationen der Welt verwandelte.

Die Eroberung Mexikos fand im Jahr 1521 statt. Ein Heer, das aus 1.000 Spaniern und 99.000 Verbündeten indigenen bestand, setzte einer fast 300-jährigen Tyrannei der Mexica ein Ende und ebnete den Weg für eine neue Zivilisation, die unter der Führung von Hernán Cortés, Königin Isabella von Kastilien sowie Hunderten von Missionaren und Geistlichen Einzug hielt. Innerhalb weniger Jahre bekehrten sie die indigene Bevölkerung, unterwiesen sie im katholischen Glauben und wandelten ihre Riten, Gewohnheiten und Bräuche im Einklang mit der christlichen Zivilisation um.

Die Erscheinung der Jungfrau im Jahr 1531

Nur zehn Jahre nach der Eroberung – im Jahr 1531 – erschien Unsere Liebe Frau auf wundersame Weise dem Indianer Juan Diego auf dem Hügel von Tepeyac. Sie teilte ihm mit, dass sie wünsche, dort zu ihren Ehren eine Kirche zu errichten, da sie die Mutter Gottes und die Beschützerin der indigenen Völker sei.

Da der neu eingetroffene Bischof Juan de Zumárraga zögerte, Juan Diegos außergewöhnlicher Erzählung Glauben zu schenken, bat dieser Unsere Liebe Frau um einen unwiderlegbaren Beweis, der den Bischof davon überzeugen würde, seinen Worten Glauben zu schenken. Die Jungfrau wies ihn daraufhin an, zum Hügel zu gehen, dort einige Blumen zu pflücken, die er vorfinden würde, und sie dem Bischof zu überbringen. Da er nichts Geeignetes zur Hand hatte, um sie zu transportieren, benutzte Juan Diego seine „Tilma“ – eine Art Umhang, der zum Schutz vor der winterlichen Kälte getragen wurde – und wickelte die Blumen in dieses grobe Gewebe ein, um sie zum Bischof zu bringen.

Der Bischof empfing ihn erneut – fasziniert und zugleich interessiert an der Geschichte, die dieser bescheidene Mann ihm berichtete. Ergriffen wiederholte Juan Diego, dass es die Jungfrau Maria selbst gewesen sei, die ihm aufgetragen habe, ihm dieses so bedeutsame Ereignis zu übermitteln. Und als Beweis für die Wahrhaftigkeit seiner Worte breitete er seine Tilma aus, um die Blumen zu offenbaren – Blumen, die dort unmöglich existieren konnten, denn das Land war dürr, und zu jener Jahreszeit stand dort keine Blume in Blüte.

Das Bildnis der Muttergottes prägte sich auf die „Tilma“  ein

Als er die Tilma vor dem Bischof entfaltete, erschien darauf das Bildnis der Jungfrau; überzeugt von diesem Wunder, beschloss der Bischof, den Ort der Erscheinungen gleich am nächsten Tag aufzusuchen, begleitet von seinem bischöflichen Gefolge. Bei ihrer Ankunft am Tepeyac sprudelte eine reichliche Wasserquelle aus dem Boden hervor – eine Quelle, die bis heute erhalten ist –, und Jahre später wurde genau an dieser Stelle eine Kapelle errichtet, die als Kapelle des Brunnens (Capilla del Pozo) bekannt wurde.

Mit diesem wundersamen Ereignis begann das außergewöhnliche Werk der Evangelisierung von fast zehn Millionen Indianern, die in der Heiligsten Jungfrau eine Königin erblickten, die vom Himmel herabgestiegen war, um sie zu retten. Ihr strahlendes Gewand – einer Kaiserin würdig und in Blau- und Grüntönen gehalten – beschwor die Majestät der Kaiser Mexikos herauf. Die Gestaltung ihres Gewandes sprach die ältesten Traditionen der Azteken an. Ihr offenes Haar deutete auf ihre edle Abstammung hin, während das Band, das ihr Kleid gürtete, signalisierte, dass sie ein Kind erwartete. Ihre übernatürliche Gegenwart lud sie dazu ein, die wilden und primitiven Bräuche der heidnischen Verehrung abzulegen – einschließlich der Menschenopfer und des rituellen Kannibalismus, die für die Völker Amerikas charakteristisch gewesen waren. Innerhalb weniger Jahre konvertierte die gesamte indigene Bevölkerung zum Katholizismus.

Missionare bezeugen, dass die Zahl der Indigenen, die herbeiströmten, um vor der Jungfrau von Guadalupe zu beten und die Taufe zu empfangen, so gewaltig war, dass die Priester ihre Arbeit bereits vor Sonnenaufgang begannen und bis tief in die Nacht hinein Taufen spendeten.

So tiefgreifend war ihre Erschöpfung, dass am Ende des Tages oft Messdiener herbeieilen mussten, um die Arme der Priester zu stützen, damit diese weiterhin die Menschenmengen taufen konnten, die sich täglich zu Füßen der Königin vom Tepeyac versammelten. Während wir uns dem 500. Jahrestag des Wunders von Guadalupe nähern – der im Jahr 2031 begangen werden soll –, sehen wir uns mit einer Situation konfrontiert, die nichts als Fassungslosigkeit hervorruft.

Der Kontrast zwischen zwei nicht-katholischen Präsidenten

Während Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum erst vor wenigen Tagen erklärte, sie sei Atheistin – und dabei betonte, sie glaube nicht an die Jungfrau von Guadalupe und Gipsfiguren (sic) vollbrächten keine Wunder –, erwies der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump – der selbst kein Katholik ist –, am vergangenen 8. Dezember, dem Fest der Unbefleckten Empfängnis, der Jungfrau Maria die Ehre.

Wie sollen wir uns diesen erschreckenden Widerspruch erklären?

Er spiegelt zweifellos jene Tragödie wider, die Mexiko seit den Tagen seiner Unabhängigkeit von Spanien im Jahr 1821 durchlebt hat. Seit jener Zeit war jede mexikanische Regierung antikatholisch; ihre Präsidenten und Diktatoren waren Mitglieder antikatholischer Freimaurerlogen und verfolgten die Kirche beständig mit unerbittlicher und skrupelloser Grausamkeit. Tatsächlich war es Priestern und Nonnen bis zum Jahr 1979 untersagt, sich in der Öffentlichkeit in ihrer Ordenskleidung zu zeigen, da dies ihre Inhaftierung zur Folge gehabt hätte.

Das Verbot wurde während des Besuchs von Papst Johannes Paul II. in Mexiko – der ersten Auslandsreise seines Pontifikats – ausgesetzt, als die mexikanische Nation in einer außergewöhnlichen Kundgebung des katholischen Glaubens aufbrandete.

Von der Unabhängigkeit bis zum heutigen Tag lebt Mexiko inmitten eines andauernden Bürgerkriegs. Zwischen 1926 und 1929 brach der Cristero-Krieg aus, als sich Katholiken bewaffnet erhoben, um ihr Recht auf freie Religionsausübung einzufordern, nachdem sie seitens der Regierung Mord, Inhaftierung und Verfolgung ausgesetzt gewesen waren.

Obwohl heute formal kein Bürgerkrieg ausgerufen ist, werden jedes Jahr 100.000 Menschen ermordet. Ein korrupter und dekadenter Staat steht Drogenkartellen gegenüber, die seit Jahrzehnten fest an der Macht verankert sind.

Inmitten dieser unendlichen Tragödie vermitteln die Augen der Jungfrau von Guadalupe die einzige Lösung, um wahren Frieden in dieser zerrütteten Nation zu erlangen.

Seit zwei Jahrhunderten ist Mexiko in diese Tragödie versunken; doch irgendwann wird es als neue Bastion des Katholizismus und als Vorbild für die Welt daraus hervorgehen – indem es seine katholische Berufung zurückgewinnt, die vom unendlichen Bösen jener überschattet wurde, die Christen weltweit unerbittlich verfolgen.

 

Der Autor ist Vorsitzender der Kolumbianischen Gesellschaft Tradition und Aktion 

Aus dem Spanischen eines Artikels „México y la devoción a la Virgen de Guadalupe”

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.









Das geistige Erbe einer guten Familientradition - Papst Pius XII.


 

Einleitung: Verbundenheit des Papstes und der Päpste mit dem römischen Adel.

1. Körperliches und geistiges Erbe.

2. Soziale Verpflichtung des Erbes.

3. Erbadel der Wohltätigkeit und Tugend.

Schluss: Friedenssehnsucht, Neujahrswünsche.

 

Einleitung: Verbundenheit des Papstes und der Päpste mit dem Adel von Rom.

Eine Quelle herzlicher und väterlicher Freude ist Uns, geliebte Söhne und Töchter, Eure willkommene, zu Beginn des neuen Jahres um Uns versammelte Schar, eines Jahres, das ob der beängstigenden Ausblicke nicht weniger bedrückend ist als das soeben verflossene. Ihr seid zusammengekommen, um und kindliche Glückwünsche darzubringen durch den Mund Eures hochverehrten Sprechers, dessen ergebene und erhabene Worte Eurer einmütigen und gleichgesinnten Anwesenheit eine für Uns besonders liebe Wertschätzung und Herzlichkeit verleihen. Im Patriziat und Adel von Rom erblicken und verehren Wir eine Anzahl von Söhnen und Töchtern, deren Ruhm und Anhänglichkeit und ererbte Treue gegenüber der Kirche und dem Römischen Papst, deren Liebe zum Statthalter Christi aus dem tiefen Grund des Glaubens hervorbricht und im Verlauf der Jahre und im Wechselspiel der Zeiten und Menschen nicht schwächer wird. In Eurer Mitte fühlen Wir Uns noch mehr als Römer wegen der Lebensgewohnheiten, der Luft, die Wir eingeatmet haben und einatmen, wegen des gleichen Himmels, wegen derselben Sonne, wegen derselben Ufer des Tiber, an denen Unsere Wiege stand, wegen jener heiligen Erde bis hinein in seine verborgensten Winkel, aus denen Rom für seine Söhne die Verheißungen einer Ewigkeit schöpft, die bis an den Himmel reicht.

Es ist eine Tatsache, dass, wenn Christus, unser Herr, es zum Trost der Armen auch vorzog, bettelarm auf die Welt zu kommen und in einer einfachen Arbeiterfamilie aufzuwachsen, er dennoch mit seiner Geburt das adeligste und berühmteste Haus Israels, die Familie Davids selbst, ehren wollte.

Darum hielten die Päpste, treu dem Geiste jenes, dessen Statthalter sie sind, das Patriziat und den Adel von Rom stets in hoher Achtung, dessen unwandelbare Anhänglichkeitsgefühle an diesen Apostolischen Stuhl den kostbaren Erbteil bilden, den sie von ihren Ahnen erhielten und den sie selbst wiederum ihren Kindern weitergeben werden.

Körperliches und geistiges Erbe

Die wahre Natur dieser großen und geheimnisvollen Sache, die das Vererben, ist, - das heißt das von Geschlecht zu Geschlecht ununterbrochene Weiterreichen eines reichen Schatzes materieller und geistiger Güter innerhalb einer Sippe, die gleichbleibende Wiederkehr desselben körperlichen und sittlichen Typus des Vaters im Sohn, die Tradition, die durch Jahrhunderte hindurch die Glieder derselben Familie zur Einheit verbindet -, die wahre Natur des Vererbens kann man, möchten War sagen, ohne Zweifel mit materialistischen Theorien entstellen. Aber man kann und muss eine derartige Wirklichkeit von so großer Bedeutung auch in ihrem vollen natürlichen und übernatürlichen Wahrheitsgehalt betrachten.

Man wird gewiss die Tatsache eines materiellen Bestandteils bei der Weitergabe der erblichen Eigenschaften nicht leugnen. Wollte man sich darüber wundern, so müßte man die innige Verbindung unserer Seele mit unserem Körper vergessen, und in welch großem Ausmaß selbst unsere geistigsten Tätigkeiten von unserer körperlichen Veranlagung abhängig sind. Darum unterläßt es die christliche Sittenlehre nicht, die Eltern an die schwere Verantwortung zu erinnern, die ihnen in dieser Hinsicht obliegt.

Von größerer Bedeutung ist jedoch das geistige Erbe, das nicht so sehr durch jene geheimnisvollen Bande der materiellen Zeugung weitergegeben wird, als vielmehr durch die beständige Wirksamkeit jenes bevorzugten Milieus, welches die Familie darstellt, mit der langsamen und tiefgehenden Bildung der Herzen in der Atmosphäre einer Häuslichkeit, die reich ist an hohen geistigen und sittlichen und vor allem christlichen Traditionen, zusammen mit der gegenseitigen Beeinflussung zwischen denen, die im selben

Hause wohnen, einer Beeinflussung, deren wohltuende Wirkungen weit über die Jahre der Kindheit und Jugend bis ans Ende eines langen Lebens in jenen auserlesenen Seelen hinausreichen, die es verstehen, in sich selbst die Schätze eines kostbaren Erbes mit dem Beitrag ihrer persönlichen Qualität und Erfahrung zu verschmelzen.

Solcher Art ist das Erbe, kostbarer als jedes andere, das, von einem starken Glauben erleuchtet und von einer tatkräftigen und treuen Praxis des christlichen Lebens in allen seinen Erfordernissen belebt, die Seelen Eurer Kinder emporhebt, verfeinert und reich macht.

Soziale Verpflichtung des Erbes

Wie jedoch jedes reiche Erbe, so bringt auch dieses strenge Pflichten mit sich, und um so strengere, je reicher es ist. Vor allen Dingen zwei:

1. die Pflicht, dergleichen Schätze nicht zu vergeuden, sie unversehrt, ja womöglich noch aufgebessert denen weiterzugeben, die nach Euch kommen, und darum der Versuchung zu widerstehen, in ihnen nichts anderes zu sehen als das Mittel zu einem bequemeren, vergnügteren, verfeinerteren und raffinierteren Leben;

2. die Pflicht, jene Güter nicht für Euch allein in Anspruch zu nehmen, sondern großzügig die von der Vorsehung weniger Begünstigten daraus Nutzen ziehen zu lassen.

Adel der Wohltätigkeit und Tugend

Adel der Wohltätigkeit und der Tugend, geliebte Söhne und Töchter, wurde von Euren Vorfahren erworben, und seine Zeugen sind die Gebäude und Häuser, die Fremdenheime, die Asyle und die Spitäler Roms, wo ihre Namen und die Erinnerung an sie von ihrer vorsorglichen und wachsamen Güte für die Unglücklichen und Armen sprechen. Wir wissen wohl, dass dieser Ruhm und Wetteifer im Patriziat und Adel von Rom nicht geringer geworden ist, soweit es das Vermögen jedes einzelnen zuläßt. In der gegenwärtigen leidvollen Zeit jedoch, wo der Himmel durch bewachte unheildrohende Nachte in Unruhe geraten ist, spürt Euer Geist, während er in vornehmer Weise einen Ernst, Wir möchten sogar sagen eine Strenge des Leben beobachtet, die allen Leichtsinn und ausgelassene Vergnügung ablehnt, die für jedes edle Herz mit dem Anblick so großen Leides unvereinbar sind, noch mehr den lebenskräftigen Antrieb der tätigen Liebe, der Euch anspornt,  die bereits vor Euch errungenen Verdienste durch Linderung des Elend und der menschlichen Armut noch zu steigern und zu mehren. Wie viele Gelegenheiten bietet Euch dazu das neue Jahr, das neue Erprobungen und Ereignisse mit sich bringt, wo Ihr das Gute tun könnt, und zwar nicht allein innerhalb der vier Wände zu Hause, sondern auch draußen! Wieviel neue Betätigungsfelder für Hilfe und Unterstützung! Wieviel verborgene Tränen müssen getrocknet werden! Wieviel Schmerzen warten auf Linderung! Wieviel leibliche und seelische Ängste, die es zu vertreiben gilt!

Schluß: Friedenssehnsucht, Neujahrswünsche

Wie sich der Lauf des eben begonnenen Jahres gestalten wird, ist Geheimnis und Ratschluß des weisen und vorsehenden Gottes, der den Weg seiner Kirche und des Menschengeschlechts zu jenem Ziele lenkt und leitet, wo seine Barmherzigkeit und seine Gerechtigkeit triumphieren. Aber Unsere Sehnsucht, Unser Gebet, Unser Wunsch hat den gerechten und dauerhaften Frieden und die geordnete Ruhe der Welt .im Auge; den Frieden, der alle Völker und Nationen erfreut; den Frieden, der auf allen Gesichtern Frohlocken weckt und in den Herzen den Hymnus höchster Lobpreisung und Dankbarkeit für den Friedensgott, den wir in der Krippe von Bethlehem anbeten.

In diesem Unserem Wunsch, geliebte Söhne und Töchter, liegt auch die Bedeutung eines ruhigen und glücklichen (2) Jahres für Euch alle, deren willkommene Gegenwart Uns den Anblick jeden menschlichen Alters bietet, das unter dem Schutz Gottes auf dem Pfad des Lebens voranschreitet und die persönlichen und Gemeinschaftstugenden zum besten Lob der Ahnen werden läßt. Den Älteren, den Hütern der edlen Familientraditionen und Leuchten weisheitsvoller Erfahrung für die Jüngeren; den Vätern und Müttern, den Lehrern und Tugendvorbildern für Söhne und Töchter; der Jugend, die rein, gesund und arbeitsam heranwächst in der heiligen Furcht Gottes, der Hoffnung der Familie und des teuren Vaterlandes; den Kleinen, die in den kindlichen Beschäftigungen und Spielen von ihren Zukunftsplänen träumen; Euch allen, die Ihr Euch freut und teilhabt an der Gemeinschaft und Freude der Familie, entbieten Wir einen väterlichen und lebhaft empfundenen Glückwunsch, der dem Verlangen eines jeden und einer jeden von Euch entspricht, eingedenk, dass von Gott all unsere Sehnsüchte stets geprüft und gewogen werden auf der Waage unseres höheren Wohles, auf der das, was wir selber begehren, oft weniger wiegt als das, was er von sich aus uns gewährt.

Dies ist das Gebet, das Wir für Euch zum Herrn erheben an diesem Jahresbeginn, hinter dessen undurchdringlichen Schleiern die erhabene Vorsehung regiert, lenkt und wirkt, die mit Liebe im Universum und in der Welt der menschlichen Ereignisse gebietet, indem Wir den Überfluss der himmlischen Gnade auf Euch herabrufen, während Wir im Vertrauen auf die unendliche Güte Gottes allen und jedem einzelnen von Euch, Euern Lieben und allen, derer Ihr liebend gedenkt, Unsern väterlichen Apostolischen Segen erteilen.

 

(2) anno non fortunoso, ma fortunato.

 

Quelle: „Ansprachen Pius’ XII, an den römischen Adel” Herausgegeben vom Rhein.-Westf. Verein katholischer Edelleute. 1957

Zum Muttertag – Die Liebe einer Mutter

Die Liebe einer Mutter: Tragödie in Japan

 


Als Retter nach dem Erdbeben in Japan begannen, in den Ruinen des Hauses einer jungen Frau nach Überlebenden zu suchen, sahen sie ihren Körper durch eines der Löcher in den Ruinen des Hauses. Die Haltung des Körpers kam ihnen seltsam vor, sie war auf den Knien und ihr Körper war nach vorne gerichtet, wie wenn jemand zum Anbeten kniet, mit dem Gesicht zum Boden; ihr Körper war nach vorne gebeugt und ihre Hände waren an einem Gegenstand befestigt. Das Gewicht des Hauses brach ihr Rücken und Nacken.

Mit großer Mühe versuchte der Anführer des Rettungsteams mit Händen und Armen zu prüfen, ob die Frau noch lebte. Aber die Härte des Körpers und die Temperatur des Körpers selbst verrieten, dass die Frau gestorben war. Er hoffte, dass die Frau noch lebte. Er und sein Team verließen die Ruine des Hauses, um ihre Arbeit auf der Suche nach Opfern fortzusetzen. Aus irgendeinem Grund verspürte der Teamleiter den starken Drang, dorthin zurückzukehren, wo sich der Körper der Frau befand.

Noch einmal kniete er nieder und legte seine Hände in die Lücke, die es ihnen ermöglichte, den Körper zu erreichen, und beschloss, unter dem leblosen Körper nachzusehen. Er begann sofort zu schreien: „Ein Kind, hier ist ein Kind!!!“ Das gesamte Team kehrte zurück, um vorsichtig die Trümmer um den Körper der Frau zu entfernen.

Dort fanden sie ein drei Monate altes Kind, eingewickelt in eine mit Blumen bedruckte Decke, unter dem Körper der Mutter. Offensichtlich brachte die Frau ihr größtes Opfer, um ihren Sohn zu retten. Als das Haus einzustürzen begann, benutzte sie ihren Körper, um ihren Sohn zu schützen. Der kleine Junge schlief noch, als das Team ihn aus den Trümmern hob.

Der Mannschaftsarzt kam sofort, um den kleinen Jungen zu untersuchen. Als er die Decke öffnete, sah er darin ein Mobiltelefon. Auf dem Bildschirm erschien eine Textnachricht mit der Aufschrift: „Wenn du überleben kannst, musst du dich daran erinnern, dass ich dich LIEBE.“

Das Mobiltelefon wurde an jedes Mitglied des Rettungsteams weitergeleitet. Jeder, der die Nachricht las, konnte nur weinen.

„Wenn du überleben kannst, musst du dich daran erinnern, dass ich dich LIEBE.“ Wie groß ist die Liebe einer Mutter zu ihrem Kind!

 

7. 11. 2011 -  Abgelegt unter: Aktuelle Nachrichten - Gepostet von: Gott ist gut 

 

 

Freitag, 1. Mai 2026

Der hl. Joseph mit dem Jesuskind



Guido Reni (1575-1642) gilt als ein großer Barockmaler Italiens. Da es ihm gelingt, Gefühle intensiv darzustellen, wird er in unserer gefühllosen Zeit manchmal als Kitschmaler völlig falsch beurteilt.

Der hl. Joseph mit Kind ist ein beliebtes Motiv des Malers. Dieses Bild befindet sich im Museum of Fine Art in Houston. Es zeigt Joseph in Dreiviertelfigur als einen alten Mann: Seine Haare sind schon grau und leicht schütter, sein Gesicht ist von Furchen durchzogen, sein Bart ist weiß und seine Hände sind die eines Handwerkers. Sein Alter und seine Haltung deuten auf seine Berufung im Dienst der Familie. Er hält das Kind so liebevoll auf seinen Armen und blickt es so zärtlich und ergeben an, wie man es von jedem Vater erwarten möchte.

Der kleine Jesus ist nackt, mit blonden Haaren und glatter Haut. Kindheit und Alter im Gegensatz und im Miteinander. Jesus entgegnet Josephs Blick leicht fragend. Er hält ihm einen Apfel entgegen. Ist es ein Symbol für Joseph als Nährvater oder verweist der Apfel auf den Sündenfall und auf die begonnene Erlösung?

Während Joseph leicht aus der senkrechten Frontalansicht gewendet ist, hat das Kind eine leichte Wendung aus der horizontalen Seitenansicht. Diese beiden Wendungen sind genial. Durch sie wird die Vater-Kind-Beziehung intensiviert. Der Mantel von Joseph verdeutlicht die Einheit von Vater und Sohn.

Beeindruckend ist die harmonische Farbgestaltung des Bildes.

Alois Epple

  

Quelle: Der Fels, Titelbild März 2021.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion:  HYPERLINK "mailto:Hubert.Gindert@der–fels.de" Hubert.Gindert@der–fels.de

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.

 

Mittwoch, 29. April 2026

Von Lenin zu Putin: Wie der Westen Russlands Macht aufbaute

  


von Atilio Faoro

Françoise Thom enthüllt den Skandal der Abkommen, die den Kreml bewaffneten. In zwei Essays, die im September 2025 auf Desk Russia erschienen, beweist die Historikerin, dass ein Jahrhundert Handel mit Moskau – von Lenin bis Putin – nicht dem Aufstieg des russischen Volkes diente, sondern der Stärkung seiner Diktatoren: Ford-Werke, sibirische Gaspipelines, Mistral-Verträge … alles landete im Arsenal des Kremls.

Sie entlarvt den Mythos des „Friedenshandels“: Den Westen zu verführen, zu kapern und dann auszuplündern, ist Moskaus konsequente Methode. Jede westliche Generation fällt darauf herein; ohne den Handel mit Wahrheit und Freiheit zu verbinden wird Kommerz zur Komplizenschaft mit dem Bösen.

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Manchmal taucht die Geschichte, sorgsam unter Archiven und offiziellen Verlautbarungen begraben, plötzlich wieder auf und erschüttert unsere Gewissheiten. Genau das hat Françoise Thom, eine französische Historikerin, Professorin für Russistik und Spezialistin für die UdSSR, kürzlich getan. Sie lehrte an der Sorbonne und verbrachte in den 1970er Jahren vier Jahre in der Sowjetunion. Ihre profunde Kenntnis des kommunistischen Systems, gewonnen aus Archiven und persönlichen Erinnerungen, verleiht ihren Texten eine umso schärfere Note, da sie auf diplomatische Höflichkeiten verzichtet.

Im September 2025 veröffentlichte sie zwei längere Essays auf der Website von Desk Russia – einer Denkfabrik russischer und osteuropäischer Akademiker und Dissidenten, die für ihre Aufklärungsarbeit über russischen Imperialismus und Kreml-Desinformation bekannt ist –, die bahnbrechend sein dürften: – am 7. September 2025: „Wirtschaftlicher Austausch: Eine unerkannte Waffe im hybriden Krieg des Kremls gegen den Westen. Teil I: Der leninistische Einfluss“ [1]; – am 28. September 2025: „… II: Die Ansteckung“ [2].

Diese beiden akribisch recherchierten Texte zeichnen über ein Jahrhundert der Illusionen nach: Wie die russische Regierung von Lenin bis Putin den Handel mit dem Westen nicht zur Entwicklung ihres Volkes, sondern zur Stärkung ihres Regimes und zur Schwächung ihrer Gegner nutzte. Diese These mag schockierend erscheinen; sie ist es nur, weil sie das offenlegt, was die Diplomatie lange mit Euphemismen verschleiert hat.

Françoise Thom beginnt im Jahr 1918. Das bolschewistische Russland war damals am Ende seiner Kräfte; dennoch spürte Lenin, dass es seine Machtposition halten konnte, wenn es ihm gelang, westliches Fachwissen anzuziehen. Daher reichte er deutschen, britischen, französischen und amerikanischen Industriellen die Hand. Doch hinter dem Lächeln verbarg sich Folgendes, was er Kamenew privat schrieb: „Unser Monopol im Außenhandel ist eine höfliche Warnung: Meine lieben Freunde, die Zeit wird kommen, da ich euch dafür hängen werde.“ [3] In einem anderen Brief vertraute er an, es sei notwendig, „die Habgier der Kapitalisten auszunutzen, um ihnen Vorteile abzuringen, die unsere Position stärken werden.“ [4] Alles ist gesagt: Kooperation ist lediglich ein taktisches Ablenkungsmanöver. Die Demokratien ihrerseits hielten an dem Glauben an die zivilisierenden Tugenden des Marktes fest. Der britische Premierminister Lloyd George erklärte im März 1920: „Es ist uns nicht gelungen, Russland mit Gewalt aus seinem Wahnsinn zu befreien; ich glaube, wir können es durch Handel retten… Wir müssen der Anarchie mit Überfluss begegnen“ [5]. Die Naivität dieser Aussage verdeutlicht das Missverständnis, das ein Jahrhundert lang die Ost-West-Beziehungen prägen sollte: Der Westen unterstellt dem Kreml seine eigenen Absichten; der Kreml sieht ihn als Machtinstrument.

Dasselbe Muster wiederholt sich. In den 1920er und 30er Jahren investierten Deutschland und England massiv; dann holte Stalin westliche Konzerne ins Land: Ford entwarf das Gorki-Automobilwerk; das Industriearchitekturbüro Albert Kahn Inc. überwachte den Bau von über 520 Fabriken; General Electric lieferte Turbinen und Generatoren. Nachdem das Know-how verinnerlicht war, erfand das Regime Sabotageprozesse: Der Schachty-Prozess (1928) und die Metropolitan-Vickers-Affäre (1933) richteten sich gegen sowjetische Ingenieure und britische Experten [6]. Die Botschaft war klar: Danke für die Technologie, ihr könnt gehen … oder ihr werdet angeklagt.

Nach 1945 änderte sich die Lage: Man sprach nun von „Entspannung“ und „friedlicher Koexistenz“. Doch die von Thom zitierten Dokumente belegen strategische Kontinuität. Ein ostdeutsches Memo vom 26. April 1968 schrieb vor: „Einflussreiche europäische Wirtschaftseliten müssen durch Kooperation gewonnen und der amerikanische Einfluss reduziert werden“ [7]. Bedeutende Ost-West-Verträge – das Fiat-Werk in Togliatti (1966), der KamAZ-Komplex, die sibirischen Gaspipelines – transferierten zivile und militärische Technologien (Dual-Use) und befeuerten den Aufstieg des sowjetischen militärisch-industriellen Komplexes [8]. Der Westen glaubte, den Konflikt durch Interdependenz entschärfen zu können. Moskau stärkte sein Arsenal und spaltete seine Gegner.

 

Der Zusammenbruch der UdSSR 1991 weckte die Hoffnung auf einen Wendepunkt. Doch unter Boris Jelzin hing der russische Staat am seidenen Faden: IWF und Weltbank stellten 66 Milliarden US-Dollar bereit; gleichzeitig verschwanden 150 bis 200 Milliarden US-Dollar über Offshore-Kanäle [2]. Ein von PwC in Auftrag gegebener Prüfbericht deckte auf, dass die russische Zentralbank über eine Briefkastenfirma mit Sitz auf Jersey (FIMACO) mit ihren eigenen Schulden spekulierte, um ihre Reserven zu verschleiern [9]. Staatsanwalt Juri Skuratow, der diese Veruntreuungen aufdecken wollte, wurde Opfer einer vom FSB unter Wladimir Putin inszenierten, im Fernsehen übertragenen Kompromat-Aktion; die Ermittlungen wurden vertuscht [10]. Nach seinem Amtsantritt akzeptierte Putin die Situation offen: 2008 erklärte er, die absolute Priorität sei „der Erwerb fortschrittlicher wissenschaftlicher und technologischer Kapazitäten“ [11]. Später äußerte er die unmissverständliche Aussage: „Wir müssen sie erdrosseln … Ich sage es ohne Zögern“ [12], und zielte damit auf westliche Unternehmen ab, die als potenzielle Feinde des russischen Staates galten.

Der Mechanismus bleibt unverändert: Zuerst verführen, dann Kapital und Know-how an sich reißen und schließlich die Bedingungen verschärfen und beschlagnahmen. Das Abkommen von 2011 über die von Frankreich für die russische Marine gebauten amphibischen Angriffsschiffe der Mistral-Klasse wurde als „größter Transfer sensibler militärischer Ausrüstung von einem Land in ein anderes in der Geschichte“ [13] bezeichnet. Nach 2014 modernisierten französische Zulieferer (Thales, Safran) trotz des europäischen Embargos russische Panzer und Flugzeuge. 2022 musste der Renault-Konzern, zwischen Sanktionen und Druck gefangen, seine Mehrheitsbeteiligung an AvtoVAZ (Lada) für einen symbolischen Rubel abtreten; im selben Jahr beschlagnahmte Moskau per Präsidialerlass ausländische Vermögenswerte – Danone, Carlsberg sowie die Projekte Sachalin-I und -II [2]. Dieser Bericht, durchsetzt mit direkten Zitaten, offenbart eine Konstante, die unsere Gesellschaften lieber vergessen: Russische Machthaber betrachten Handel als Kriegsinstrument und die Naivität ihrer Partner als strategische Ressource. Jede westliche Generation glaubt, einen Neubeginn einzuleiten; jede Generation erlebt dasselbe Szenario: Versprechen zur Zusammenarbeit, Kapitaltransfers, interne Spaltungen, dann juristische Schikanen und Plünderungen.

Die Lektüre dieser Archive ist beunruhigend: Hinter den Händedrücken und Reden über Frieden durch Handel verbirgt sich Lenins Warnung: „Es wird die Zeit kommen, da ich euch dafür hängen werde.“ Das ist kein Scherz: Es ist Methode.

 

Und da sich dieser Artikel an katholische Leser richtet, die sich dem Glauben und der Gerechtigkeit verpflichtet fühlen, sei daran erinnert, dass das Evangelium uns mahnt: „Seid unschuldig wie die Tauben und klug wie die Schlangen“ (Matthäus 10,16). Die Soziallehre der Kirche ist keine fromme Option: Sie erhellt das Wirtschaftsleben. Sie erinnert uns daran, dass Handel nicht neutral ist; Sie muss stets der Würde des Menschen, dem Gemeinwohl, der Freiheit der Nationen und der Wahrheit verpflichtet sein. Wirtschaftliche Zusammenarbeit, die in Wirklichkeit dazu dient, ein Volk zu unterdrücken, eine Kriegsmaschinerie anzutreiben oder Lügen zu verbreiten, wird zur Komplizenschaft mit dem Bösen, selbst wenn sie kurzfristig profitabel erscheint. Wir können nicht einfach Kapital und Technologie austauschen, ohne den Zweck dieser Transaktionen zu hinterfragen. Christen sind aufgerufen, Gewinn und Wahrheit miteinander zu verbinden; sie dürfen niemals die moralischen Kosten dessen, was sie finanzieren, ignorieren.

Diese Weitsicht führt nicht zu Verzweiflung, sondern weckt Wachsamkeit und Hoffnung. Wir können uns weiterhin für transparente und reversible Partnerschaften entscheiden, strategische Abhängigkeiten ablehnen, die unsere Sicherheit und Freiheit in die Hände eines räuberischen Regimes liefern, leidende Völker unterstützen – allen voran die Ukraine – und auch jene Russen, die sich unter Lebensgefahr weigern, der Lüge zu dienen.

Schließlich und vor allem können wir beten, dass die Wahrheit siegt: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8,32). Auf diesem stillen Schlachtfeld der globalen Wirtschaft dürfen Christen niemals aufhören, für Gerechtigkeit, Wahrheit und Nächstenliebe einzutreten. Dort, mehr als in Verträgen und Zahlen, liegt der wahre Sieg.


Aus dem Französischen in

https://tfp-france.org/de-lenine-a-poutine-comment-loccident-a-bati-la-puissance-russe


Photos : Défilé du jour de la Victoire à Moscou 2023 Kremlin.ru, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons. Lenine, Viktor Bulla, Public domain, via Wikimedia Commons. Poutine, Kremlin.ru, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons.

Fussnoten im Original:

[1] Françoise Thom, « Les échanges économiques, une arme méconnue dans la guerre hybride du Kremlin contre l’Occident. I : L’empreinte léninienne », Desk Russie, 7 septembre 2025.

[2] F. Thom, « … II : La contagion », Desk Russie, 28 septembre 2025.
[3] V. Lénine, lettre à L. Kamenev, 3 mars 1922 : « Notre monopole sur le commerce extérieur est un avertissement poli : mes chers, le moment viendra où je vous pendrai pour cela. » Cité par F. Thom, art. I.
[4] Lénine : « … exploiter la rapacité des capitalistes pour leur extorquer des avantages… » Cité par F. Thom, art. I.
[5] David Lloyd George, déclaration à la Chambre des communes, mars 1920 : « … nous avons échoué à tirer la Russie de sa folie par la force ; je crois que nous pouvons la sauver par le commerce… » Cité par F. Thom, art. I.
[6] Procès de Chakhty (1928) et procès Metropolitan-Vickers (1933), affaires de « sabotage » visant des ingénieurs soviétiques et britanniques. Cités par F. Thom, art. I.
[7] Mémo du SED (RDA), 26 avril 1968 : « … rallier les élites économiques européennes influentes… » Cité par F. Thom, art. II.
[8] Exemples de transferts technologiques civilo-militaires : accord VAZ-Fiat (1966, usine Togliatti), complexe KamAZ, gazoducs Sibérie-Europe. Cités par F. Thom, art. II.
[9] Audit du cabinet PricewaterhouseCoopers (PwC) pour le FMI (1998) sur la Banque centrale de Russie : utilisation de la société off-shore FIMACO (Jersey) pour gonfler artificiellement les réserves et spéculer sur sa propre dette. Cité par F. Thom, art. II.
[10] Affaire Iouri Skouratov (1999) : le procureur général russe enquêtant sur les détournements de fonds fut écarté après diffusion d’un kompromat préparé par le FSB alors dirigé par V. Poutine. Cité par F. Thom, art. II.
[11] Vladimir Poutine, 2008 : déclaration sur « l’acquisition de capacités scientifiques et technologiques avancées » comme priorité absolue de la Russie. Cité par F. Thom, art. II.
[12] V. Poutine : « Nous devons les étrangler… je le dis sans hésitation », propos rapportés dans F. Thom, art. II.

[13] Contrat des navires Mistral entre la France et la Russie (17 juin 2011) : « le plus grand transfert d’équipement militaire sensible d’un pays à un autre », Defense News, P. Tran, 17-06-2011 ; cité par F. Thom, art. II. 

Begegnung mit dem hl. Bartolo Longo: Ein Satanist, der durch den Rosenkranz befreit wurde

 von Rogier Janssen

16. Dezember 2025

 Bartolo Longo wurde 1841 im italienischen Dorf Latiano geboren. Seine Eltern waren tiefgläubige Katholiken und beteten täglich den Rosenkranz.

Ein junger Radikaler

Doch der junge Bartolo sympathisierte mit den revolutionären italienischen Nationalisten. Diese radikale Gruppe propagierte Atheismus und Freimaurerei. Sie sahen die katholische Kirche als Hindernis für die Einigung Italiens. Die Souveränität des Papstes im Vatikan war ihnen ein Dorn im Auge. Die Nationalisten wollten daher das Papsttum gänzlich abschaffen.

Unterstützt von vielen Intellektuellen und inspiriert von den militärischen Siegen Giuseppe Garibaldis, gewannen die Nationalisten unter Studenten an Ansehen. Einer von ihnen war der Jurastudent Bartolo Longo.

Der nationalistische Kampf gegen die Kirche in den 1860er Jahren hatte eine spirituelle Dimension. Der Okkultismus breitete sich aus. Séancen, bei denen die Geister der Verstorbenen beschworen wurden, gewannen an Popularität. Longo beteiligte sich an diesen Praktiken. Schließlich ließ er sich selbst zum satanischen Priester weihen. Der Kampf gegen den Katholizismus bestimmte sein Leben.

Longo setzte alles daran, den Einfluss der Kirche auf Moral, Bildung und Kultur zu untergraben. Er überzeugte viele Katholiken, sich seinen okkulten Praktiken anzuschließen. Viele verließen die Kirche.

Die Dunkelheit nahte

Dennoch wurde er, wie viele Satanisten, von den dunklen Mächten beherrscht, die er beschwor. Oft spürte er die Gegenwart eines „dunklen Begleiters“, eines „Engels“, der natürlich ein Dämon war.

In all dieser Zeit wurde Longo immer unglücklicher. Depressionen, Paranoia und Nervenkrankheiten prägten sein Leben. Er litt unter teuflischen Visionen, die ihn mit Entsetzen erfüllten.

Doch selbst in seinen dunkelsten Stunden erfuhr Bartolo Gnaden. Mindestens einmal hörte er die Stimme seines verstorbenen Vaters, die ihm zurief: „Kehre zu Gott zurück! Kehre zu Gott zurück!“

Diese Erfahrung berührte Bartolo so tief, dass er einen alten Freund aus der Zeit vor seiner Hinwendung zum Satanismus kontaktierte. Dieser Freund überzeugte Bartolo, Satan den Rücken zu kehren und dem wahren Herrn zu dienen. Unter der Anleitung eines Dominikanerpaters kehrte Longo in den Schoß der Mutter Kirche zurück.

Eines Abends hatte Longo ein mystisches Erlebnis. Später schrieb er darüber: „Während ich über meinen Zustand nachdachte, überkam mich tiefe Verzweiflung, und ich war kurz davor, mir das Leben zu nehmen. Da hörte ich in meinem Ohr die Stimme von Bruder Alberto, der die Worte der Jungfrau Maria wiederholte: „Wenn du Erlösung suchst, bete den Rosenkranz Das ist Marias eigenes Versprechen.“ Diese Worte erleuchteten meine Seele. Ich kniete nieder. „Wenn es wahr ist … werde ich dieses Tal nicht verlassen, bis ich deinen Rosenkranz gebetet habe.“

Nach seinem Abschluss arbeitete Longo als Anwalt. Gleichzeitig widmete er seine gesamte Freizeit dem Glauben. Unermüdlich besuchte er Cafés und Partys, um junge Menschen vor Okkultismus zu warnen. Er gründete eine Rosenkranzbruderschaft und engagierte sich in karitativen Werken.

Ein Leben der Nächstenliebe

Während dieser karitativen Arbeit lernte Bartolo Gräfin Mariana di Fusco kennen und freundete sich mit ihr an. Sie war eine wohlhabende Witwe. Auf Anraten von Papst Leo XIII. heirateten sie. Ihre Ehe war eine „Josefs-Ehe“, in der die Eheleute, dem Beispiel Marias und Josefs folgend, zölibatär lebten.

Longos religiöser Eifer war ansteckend. Er verbrachte einen Großteil seines Erwachsenenlebens in Pompeji. Die Stadt wurde aufgrund der wundersamen Wirkung eines Gemäldes Unserer Lieben Frau vom Heiligen Rosenkranz, das Bartolo von seiner Schwester geschenkt bekommen hatte, zu einem Wallfahrtsort. Angesichts des Zustroms von Gläubigen beschloss er, eine Kirche zu bauen, ein Vorhaben, das fünfzehn Jahre in Anspruch nahm. Heute ist dies die Basilika Unserer Lieben Frau vom Heiligen Rosenkranz in Pompeji.

Bartolo Longo verbreitete und förderte den Rosenkranz bis zu seinem Tod im Jahr 1926 im hohen Alter von 85 Jahren.

Hoffnung für jene, deren Angehörige dem Bösen verfallen sind.

Papst Leo XIV. sprach Bartolo Longo am 19. Oktober 2025 heilig.

Heute bitten Katholiken um seine Fürsprache im Kampf gegen die zunehmenden Wellen des Okkultismus und Satanismus. Es war ein Zeichen der göttlichen Vorsehung, dass Longos Heiligsprechung in den Wochen vor Halloween verkündet wurde. Bedauerlicherweise ist der Vorabend von Allerheiligen zu dem neuen Festtag geworden, den die neuheidnische Kultur begeht, vor der Bartolo Longo so eindringlich warnte.

 

Erstmals veröffentlicht von der niederländischen TFP-Kampagne „Mein unbeflecktes Herz wird triumphieren“ am 22. Oktober 2025.

Kategorien: Ausgewählte Schlagwörter: Bartolo Longo, Leo XIV., Rosenkranz, Satanismus, Satanis

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