Einführende Vorstellung des Themas:
Analyse und Kommentare zur Forschungen über das „Grabtuch von Turin“
Jesus wird zum Tode verurteilt
Der Richter, der das ungeheuerlichste Verbrechen der Menschheitsgeschichte beging, wurde dazu nicht angetrieben durch das Auflodern einer stürmischen Leidenschaft. Es blendete ihn nicht ideologischer Hass, nicht Gier nach neuen Reichtümern, nicht der Wunsch, einer Salome zu gefallen. Es war die Furcht, seinen Posten zu verlieren, die ihn antrieb, den Unschuldigen zu verurteilen. Die Furcht, den Eindruck zu erwecken, die Vorrechte des Kaisers nicht sorgfältig zu hüten; die Angst, politische Schwierigkeiten für sich selbst zu schaffen, wenn er dem Pöbel missfallen würde; die instinktive Angst „Nein“ zu sagen, das Gegenteil zu tun, was verlangt wird, mit Haltungen und Meinungen aufzutreten, die dem Umfeld widersprechen.
O Herr, lange hast Du ihn angeschaut mit dem gleichen Blick, der im Nu die Bekehrung des Petrus erwirkte. Ein Blick, in dem sich Deine höchste moralische Vollkommenheit widerspiegelte, Deine unendliche Unschuld. Und dennoch, er hat Dich verurteilt.
Jesus nimmt sein Kreuz auf sich
„Nun beginnt, o mein angebeteter Herr, Dein Weg zur Opferstätte. Nicht einen schnellen Tod hat Dein himmlischer Vater für Dich bestimmt. Nein! Durch einen langen Leidensweg solltest Du uns nicht nur ein Beispiel im Sterben sein, sondern auch in der Sicht des herannahenden Todes: ihm mit Ruhe, ohne Zögern und ohne Schwächen zu begegnen; ja sogar ihm entgegenzuschreiten mit dem sicheren Schritt eines Kriegers, der zum Kampfe vordringt. Dies ist die bewundernswerte Lehre, die Du mir gibst.“
Diese weisen, leidenschaftlichen und kämpferischen Worte, die Sie im Kreuzweg gesprochen haben, führen uns zum Leiden unseres göttlichen Erlösers.
Lassen Sie uns daher die verschiedenen Schritte dieser Verschwörung gegen unseren Herrn Jesus Christus in einem kurzen Bericht aus dem Messbuch von Dom Gaspar Lefebvre betrachten, ergänzt durch Kommentare anderer Autoren, darunter des heiligen Johannes Chrysostomus und des heiligen Ambrosius.
Am Dienstag der Heiligen der Heiligen Woche, nachdem er den Tempel verlassen hatte, ging Jesus hinauf zum Garten Gethsemane und prophezeite: „In zwei Tagen ist Passah, und der Menschensohn wird ausgeliefert werden, um gekreuzigt zu werden.“ Für die Juden begannen die Tage in der Tat am Vorabend, in der Abenddämmerung, sodass es bereits Mittwoch war, und am darauffolgenden Freitag wurde Jesus getötet. Das Passahfest fiel mit dem Vollmond der Frühlingstagundnachtgleiche zusammen, denn zu dieser Zeit verließen die Hebräer Ägypten. Dieser Mond markierte für die Hebräer den ersten Monat des Jahres, den sie Nisan nannten.
Um zu zeigen, dass unser Herr Jesus Christus das wahre Lamm des wahren Passahfestes ist, wollte Gott, dass es von den Aposteln gegessen und von den Juden an dem Tag geopfert wurde, an dem Israel die geopferten Lämmer aß, die ihn vorbildlich darstellten. Die Kirche, um zu die bekräftigten, dass „das neue Passah des neuen Bundes das alte Passah beendet, wie der Tag die Nacht beendet“ (Lauda Sion), verfügte, dass das Passahfest, wie das jüdische Passahfest, immer zur Zeit des Passahmondes stattfinden solle.
Es war während des Abendmahls, als Jesus eines der großen, ungesäuerten Brote nahm, etwa zwanzig Zentimeter im Durchmesser und sehr dünn, und verwandelte es in seinen Leib, während er ein eucharistisches Gebet oder Dankgebet sprach, wie es das Oberhaupt des Hauses tat, das vor dem Verzehr des Passahlamms Gott dafür dankte, dass er Israel aus der Gefangenschaft befreit hatte.
Nachdem, als gemäß dem mosaischen Ritus noch ein Becher zum Trinken übrig war, verwandelte unser Herr ihn in sein Blut.
Er sprach die Worte, mit denen Mose den alten Bund mit dem Blut der Geschöpfe besiegelt hatte: „Dies ist das Blut des Testamentes, das Gott für euch geschlossen hat.“ Unser Herr fügte zwei Worte hinzu: „Dies ist mein Blut … des Neuen Testaments.“ Das Lamm, das die Kinder Israels mehr als fünfzehnhundert Jahre zuvor geopfert hatten, wurde durch das Lamm Gottes ersetzt, das wir bis zum Ende der Zeiten opfern werden, und die Messe, die mit dem Letzten Abendmahl und Golgatha in Verbindung gebracht wird, wurde zum religiösen Zentrum aller Christen.
Nach dem Mahl verließ Jesus den Zönakel, ging durch das Stadttor am Teich Siloah und dann ins Kidrontal, durch das Gebiet Ophel, zum Garten Gethsemane am Fuße des Ölbergs. Die drei Apostel, Zeugen seiner Verklärung, waren auch Zeugen eines Teils seiner dreimal wiederholten Todesangst.
Hören wir nun die Worte des heiligen Markus im Evangelium: „Er ginge ein wenig weiter und fiel auf die Erde nieder und betete, wenn es möglich sei, vorüber gehen an ihm. Er sprach: „Abba, Vater, alles ist dir möglich; lass diesen Kelch vorübergehe an mir; doch nicht was ich will, sondern was du willst!“
Und er kam, fand sie schlafend und sagte zu Petrus: „Simon, du schläfst? Konntest du nicht eine einzige Stunde wachen? Wachet und betet, damit ihr nicht in Versuchung fällt! Der Geist ist zwar willig, aber das Fleisch ist schwach.“
Wieder ging er hin und betete und sprach die gleichen Worte. Da er zurückkam, Fand er sie wiederum schlafend, denn ihre Augen waren schwer, und sie wussten nicht, was sie ihm antworten sollten. Und er kam zum drittenmal und sagte zu ihnen: „Ihr schlaft noch und ruht?“
Fillion erklärt zu dieser Stelle, dass der Herr den schlafenden Aposteln gegenüber keineswegs ironisch sein wollte. Er hatte sie in der Hoffnung mitgenommen, dass sie ihm im furchtbaren Kampf der Todesangst beistehen würden. Nun hatte er bereits jeden Widerwillen in sich überwunden und brauchte ihre Hilfe nicht mehr. „Ecce in pace, amaritudo mea amarissima“.
In Wirklichkeit – wie der heilige Johannes Chrysostomus bekräftigt – hätten sie in diesem Moment erwachen müssen. Um ihnen aber klarzumachen, dass sie selbst angesichts der Gefahr nicht widerstehen könnten, sondern in Panik fliehen und Ihn im Stich lassen würden, und um ihnen zu verdeutlichen, dass er ihrer Hilfe nicht bedurfte, da seine Auslieferung unbedingt notwendig war, sagte er: „Schlaft nun und ruht euch aus.“ „Siehe, die Stunde ist gekommen, da der Menschensohn überliefert wird in die Hände der Sünder.“
JESUS WIRD ZUM TODE VERURTEILT
Der religiöse Prozess stand unmittelbar bevor. Die jüdische Religionsbehörde sollte Jesus zu seinem angeblichen Status als Sohn Gottes befragen. Der Sanhedrin bestand aus siebzig Mitgliedern, angeführt von den Hohenpriestern und dem obersten Führer, dem Hohepriester. Annas hatte dieses Amt nacheinander für seine fünf Söhne und im Todesjahr Jesu für seinen Schwiegersohn Kaiphas erhalten.
Die offiziellen Vertreter der jüdischen Religion, die ihrer Mission untreu waren, erwarteten vom Messias nichts anderes als einen Kriegerkönig, der sie mit Gewalt vom römischen Joch befreien würde. Jesus wurde zunächst Annas vorgeführt. Da dieser nicht mehr Oberhaupt war, war er nicht befugt, über den Herrn zu urteilen, der es ihm gezeigt hatte. Der Fall war schlecht vorbereitet. Daraufhin wurde er dem Tribunal des Hohepriesters Kaiphas selbst vorgeführt.
Er erwartete Jesus in einem anderen Flügel des Palastes, sitzend, dem Brauch entsprechend, mit gekreuzten Beinen auf einem kleinen Podest. Um ihn herum saßen die anderen Priester auf Kissen, die in einem Halbkreis angeordnet waren. Der Prozess war unrechtmäßig, da er tagsüber hätte stattfinden sollen und Zeugen erforderlich gewesen wären. Nun war es etwa zwei Uhr morgens, und die Zeugen wurden bei einer Straftat des offenkundigen Schwindels ertappt.
Kaphas, von Zorn ergriffen – so der erläuternde Text des Messbuches weiter –, schwor daraufhin feierlich (entgegen dem mosaischen Gesetz, das in diesem Fall das Geständnis des Angeklagten ungültig macht), ihm zu sagen, ob er der Sohn Gottes sei. Und Jesus, der auf diesen Moment gewartet hatte, um zu sprechen, bestätigte offiziell seine Göttlichkeit vor der jüdischen religiösen Autorität, die zu einem großen Rat versammelt war.
Wie im Matthäusevangelium berichtet wird:
Jesus antwortete ihm: „Ich bin es; ihr aber werdet den Menschensohn sehen, sitzend zur Rechten der Kraft und kommend auf den Wolken des Himmels.“ Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: „Er lästert. Was brauchen wir noch Zeugen? Ihr habt die Lästerung gehört. Was meinst ihr?“ Und sie sprachen das Urteil: „Er ist des Todes schuldig“.
Zu dem kommentiert der hl. Johannes Chrysostomus: „Mit dieser Geste des Zerreißens seiner Kleider wollte der Hohepriester die Schuld des Herrn verschärfen und seine Worte durch eine Tat unterstreichen. In Wahrheit aber, weil Jesu Worte ihnen Furcht einflößten, taten sie hier dasselbe wie im Fall des Stephanus, als sie sich die Ohren zuhielten (...).“
Der heilige Johannes Chrysostomus kommentiert weiter: „Nachdem der Hohepriester also seine Kleider zerrissen hatte, fragte er seine Kollegen: Was meint ihr? Er fällte das Urteil nicht aus eigenem Antrieb, sondern forderte es von ihnen, als wären es offenkundige Sünden, als wären es offenkundige Gotteslästerungen. Sie wussten genau, dass der Herr bei einer strengen Prüfung und Analyse seiner Sache von jeder Schuld freigesprochen worden wäre; deshalb verurteilten sie ihn untereinander und warnten die Zuhörer mit den Worten: Ihr selbst habt die Gotteslästerung gehört. Das war nichts anderes als eine Nötigung und ein Zwang, das Urteil zu fällen.
Was antworten nun die anderen? - fragt der Heilige. „Ist er des Todes schuldig?“ So verurteilt, genügte es, Pilatus das Urteil sprechen zu lassen. In vollem Bewusstsein ihres Plans antworteten sie alle dem Hohepriester: „Er ist des Todes schuldig!“ Sie sind es, die anklagen, sie sind es, die verurteilen, sie sind es, die das Urteil sprechen, sie sind alles dort.
Lass uns zum Text des Messbuchs zurückkehren: „Dann lieferten sie ihn für den Rest der Nacht den Dienern der Priester aus, die ihn lästerten und mit Spucke bedeckten.“
Maldonado schreibt über diese Misshandlung: „Sie verletzte (unseren Herrn) mit Ruten und Riemen oder mit den Sandalen, die die Juden trugen; denn das griechische Wort (Ohrfeige) bedeutet all dies, und es erscheint sehr glaubwürdig, dass die Juden Christi Gesicht mit ihren Sandalen schlugen, um die Beleidigung zu vergrößern.“
Es war im Laufe dieser Nacht, dass Petrus, der Jesus von weitem gefolgt war, von Johannes in den Hof des Palastes der Hohepriester geführt wurde, seinen Meister dreimal verleugnete. Nach dem zweiten Hahnenschrei verließ er den Palast und „weinte bitterlich, laut und schluchzend“, flevit amare.
Im Morgengrauen trat der Sanhedrin erneut zusammen, um sein Urteil zu fällen, das noch am selben Tag verkündet werden sollte – ein Anschein von Rechtmäßigkeit. Jesus erschien und wurde, nachdem er sich selbst als Sohn Gottes bezeichnet hatte, erneut verurteilt.
Da begriff Judas das ganze Ausmaß seines Verbrechens. Von Reue überwältigt, ging er zum noch immer versammelten Priesterrat und bekannte, dass er „gesündigt, indem er das Blut des Gerechten verraten habe“. Von Verzweiflung überwältigt, warf der Verräter die dreißig Silberlinge, die er erhalten hatte, auf den Boden des Tempels und stieg hinab zum Teich Siloah. Dort gelangte er in die tiefe Schlucht, wo der Fluss Hinnom fließt, und an dem Ort, der Gehenna genannt wird, „erhängte er sich“, und „da das Seil riss, fiel sein Körper mit dem Gesicht zu Boden, platzte in der Mitte auf, und alle seine Eingeweide flossen heraus.“
Die Hohepriester – so berichtet der hl. Matthäus – nahmen die Silbermünzen und sagten: „Es ist nicht erlaubt, sie in der Truhe der Almosen zu legen, denn es ist Blutgeld.“ Nach gemeinsamer Beratung kauften sie damit den Acker des Töpfers zum Begräbnis für die Fremden. Deswegen heißt dieser Acker Blutacker bis auf den heutigen Tag
Das heißt – wie Maldonado in seinem Kommentar zu dieser Stelle aus dem Matthäusevangelium ausführt – dass durch göttliche Fügung das, was die Priester verborgen halten wollten, nämlich ihre Gottlosigkeit, indem sie sie mit diesem Geld begraben wollten, durch das unvergängliche Denkmal, das sie der Nachwelt hinterließen, öffentlich wurde. Denn immer, wenn dieser Blutacker erwähnt wurde, trat ihr Gottesmord zutage, wie Chrysostomus, Euthymius und Theophylakt berichten. Hacéldama ist ein syrisches Wort, der Sprache, die damals von den Juden gesprochen wurde, und Blutacker genannt, weil es mit Blutgeld erworben wurde.
Und der heilige Matthäus schließt: „So erfüllte sich, was gesagt worden ist durch den Propheten Jeremia: Sie nahmen die dreißig Silberlinge, den Schätzwert für ihn, wie er vob den Söhnen Israels eigeschätzt worden war, und gaben sie für den Acker des Töpfers, wie mir der Herr befohlen hat.“
Doch nur Rom, von dem Palästina damals abhängig war, besaß das Recht über Leben und Tod (...). Daher führten sie Jesus zum Prätorium des Pontius Pilatus in die Antonia-Festung, die die Juden nicht betreten durften, da sie sich durch das Betreten des Hauses eines Heiden während der Paschafeierlichkeiten legal unrein machen würden. Der weltliche Prozess gegen unseren Herrn stand nun unmittelbar bevor!
Doch vor diesem neuen Tribunal war ein politisches Verbrechen erforderlich. Der Messias musste für die Juden ein irdischer Monarch sein. Sie beschuldigten Jesus, der sich als Messias ausgab, ein König zu sein, der mit Cäsar wetteiferte. In diesem neuen Umfeld wiederholte sich das Geschehen der vergangenen Nacht Punkt für Punkt. Dasselbe Schweigen unseres Herrn vor falschen Zeugen, dieselbe offizielle Bestätigung seiner geistlichen Königsherrschaft vor der heidnischen Welt, diesmal vertreten durch die Herrscher der Welt, dieselbe Misshandlung durch die römischen Soldaten.
Pilatus erklärt ihn unschuldig. Die Juden greifen daraufhin zu Einschüchterung. Pilatus, zu feige, seine Autorität vor einer rachsüchtigen Menge geltend zu machen, sucht mit allen Mitteln nach Wegen, seine Interessen zu wahren, ohne dabei die Proteste eines Restes abergläubischen heidnischen Gewissens zu ignorieren, das die Strafen der Götter insgeheim fürchtet.
Erstens: Da er weiß, dass Jesus Galiläer war, schickt er ihn zu Herodes, der – wie der heilige Ambrosius bekräftigt – vielleicht der Prototyp aller Bösen ist. Dieser Tetrarch von Galiläa war der Sohn Herodes des Großen, der den Kindermord von Bethlehem befahl. Gedemütigt durch Jesu Schweigen, demütigt er seinerseits die Juden, indem er unseren Herrn in das weiße Gewand der Königskandidaten hüllt, was sie ihm verweigerten.
Zweitens: Barabbas. Auch die Parallele zwischen einem Verbrecher und Jesus greift nicht. Denn wie der heilige Ambrosius erklärt: „Dies sind die Gesetze der Bosheit: die Unschuld zu hassen und das Verbrechen zu lieben.“ Und weiter zu dieser Stelle aus der Passion, in der das Volk Barabbas dem Herrn vorzog, sagt derselbe Heilige:
„In dieser Stelle zeichnet die Deutung des Namens das Bild einer Gestalt, denn der Name Barabbas bedeutet im Lateinischen ‚Sohn des Vaters‘. Und diejenigen, von denen es heißt: ‚Du hast den Teufel zum Vater‘ (Joh 8,44), werden als Menschen angeprangert, die dem Sohn ihres Vaters, also dem Antichristen, mehr Bedeutung beimessen als dem Sohn Gottes.“
Drittens: die Geißelung. Es war eine berüchtigte Foltermethode, die Sklaven vorbehalten war. Dem Patienten wurden die Kleider vom Leib gerissen und seine Hände an den Ring einer niedrigen Säule gebunden. Der Henker, bewaffnet mit einer biegsamen Lederpeitsche mit kleinen Knochen an den Enden, ließ sie mit berechnender Langsamkeit über den gebeugten und angespannten Rücken seines Opfers schnellen. Die Riemen, die sich biegsam um den Körper wanden, trafen erst den Rücken, dann die Brust und rissen tiefe Furchen, aus denen Blut quoll und Fleischfetzen hervortraten.
Dann – so bekräftigt der heilige Ambrosius – legten ihm die Soldaten einen roten Mantel und eine purpurne Tunika um, den roten als Symbol des Sieges der Märtyrer, die purpurne als Zeichen seiner königlichen Majestät. All dies, weil sein Leib zum Heil das auf Erden vergossene Blut auffangen und sein Leiden sein Reich in uns errichten sollte.
Der hl. Matthäus fügt der Erzählung hinzu: „Sie flochten einen Kranz aus Bornen, setzten ihn auf sein Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand; das Knie vor ihm beugend verspotteten sie ihn und riefen: ‚Heil dir, König der Juden!‘ Sie spien ihn an, nahmen das Rohr und schlugen auf sein Haupt.
Zu diesen Misshandlungen bemerkt der heilige Johannes Chrysostomus: Der Teufel war in alle gefahren, die den Herrn umgaben. Denn die Juden, von Neid und Bosheit verzehrt, beleidigten ihn; aber welchen Grund hatten die Soldaten, dies ebenfalls zu tun? Ist es nicht offenkundig, dass der Teufel von ihnen allen Besitz ergriffen hatte? Grausam und unmenschlich spielten sie das Spiel ihrer Beleidigungen mit, und wo sie Mitleid hätten empfinden, wo sie hätten weinen sollen wie das Volk selbst, taten sie das Gegenteil: Sie beleidigten und verspotteten ihn.
Was ihm angetan wurde, ist der Gipfel der Schmach. Denn nicht nur ein Teil des Leibes, sondern sein ganzer Leib wurde misshandelt: der Kopf durch die Krone; das Gesicht durch Schläge und Spucke; die Wangen durch die Schläge; der ganze Leib durch die Geißelung, durch die Blöße, durch das purpurne Gewand, durch die geheuchelte Anbetung; die Hand durch das Schilfrohr, das man ihr in die Hand steckte, damit sie als Zepter angesehen werde. Sein Mund war mit Essig gefüllt, den man ihm gegen seinen Durst gereicht hatte. Was könnte grausamer und beleidigender sein? Was Jesus angetan wurde, übersteigt jede Vernunft. Offenbar fürchteten die Juden, etwas an ihrem Verbrechen auszulassen.
Unser Herr wird in diesem Zustand der Menge vorgestellt: „Ecce Homo!“ Die Juden verstehen die ganze Ironie der Szene. Pilatus glaubt, einen letzten Ausweg gefunden zu haben, um sich zu beruhigen. Durch die symbolische Handlung des Händewaschens zeigt er den Juden, dass Jesus vor seinem Gericht unschuldig ist.
Doch zu solch einem symbolischen Akt bemerkt der heilige Ambrosius: „Gewiss, wusch Pilatus seine Hände, aber er wusch aber nicht sein Vorgehen; denn als Richter hätte er weder Neid noch Furcht nachgeben dürfen, so musste er unschuldiges Blut retten. Seine eigene Frau hatte ihn gewarnt, die Gnade erstrahlte in der Nacht, die Göttlichkeit drängte sich auf; doch dennoch enthielt er sich nicht einer gotteslästerlichen Kapitulation.“
Herr, wie könnten wir nicht, erfüllt von Ehrfurcht und zugleich heiliger Empörung, unseren Herrn Jesus Christus betrachten, der Opfer einer solchen Verschwörung und einer so brutalen Misshandlung während seiner Passion wurde?
Herr, diesem 20. Jahrhundert, das in seinen rasenden und verbrecherischen Todesqualen die Heilige Kirche eine so schreckliche Passion wie die unseres Herrn erleiden lässt, diesem 20. Jahrhundert hat die Vorsehung die Kenntnis dessen bereitgehalten, was man das fünfte Evangelium der Passion oder die Passion nach dem Grabtuch nennt.
Heute werden wir unsere Augen auf diese Reliquie eines unbeschreiblichen Wertes, indem wir unseren Herrn – durch die Fürsprache seiner heiligsten Mutter – bitten, den Anstiftern der Revolution so bald wie möglich die majestätische und gerechte Erschrockenheit seines göttlichen Antlitzes zu offenbaren.
Der Text und die Fotos dieser audiovisuellen Präsentation basieren auf dem ins Portugiesische übersetzten Buch „Die Wahrheit über das Grabtuch“ von Kenneth Stevenson und Gary Habermas, Berichterstatter bzw. Forschungsberater der Wissenschaftlergruppe, die im Oktober 1978 direkte Untersuchungen und Tests mit dem Grabtuch durchführte, sowie auf dem vom Salesianischen Katechetenzentrum Turin zusammengestellten audiovisuellen Material.
I – GESCHICHTE
Es gibt nur wenige historische Aufzeichnungen über die Existenz des Grabtuchs Jesu vor dem 14. Jahrhundert. Forscher haben jedoch einen umfassenden Vergleich zwischen dem Antlitz des Grabtuchs und antiken Darstellungen, hauptsächlich byzantinischen Ikonen, angestellt. Sie begründeten die sogenannte „ikonografische Theorie“, die besagt, dass das Grabtuch Künstlern bereits seit dem 6. Jahrhundert bekannt war und dass es genau so war, wie es war. Es war dieses Tuch, das die gängige Ähnlichkeit mit Christus inspirierte.
Diese Beobachter und Kunstforscher gingen sehr sorgfältig vor. Sie kamen zu dem Schluss, dass sie zwanzig Besonderheiten in byzantinischen Fresken, Gemälden und Mosaiken finden konnten, die den Darstellungen auf dem Grabtuch ähneln.
Eine genaue Untersuchung des Gesichts der Figur auf dem Grabtuch offenbart beispielsweise einen Streifen über der Stirn, ein dreiseitiges „Quadrat“ zwischen den Augenbrauen, eine „V“-förmige Markierung entlang der Nasenscheidewand, eine hochgezogene rechte Augenbraue, ein geweitetes linkes Nasenloch, eine Querlinie um den Hals und zwei hoch auf der Stirn stehende Haarsträhnen.
Diese Merkmale finden sich auch auf byzantinischen Ikonen. Das auffälligste Merkmal, eine rechteckige „V“-förmige Markierung über der Nasenscheidewand, findet sich auf achtzig Prozent aller untersuchten Ikonen. Fast ebenso hohe Prozentzahlen wurden für alle Merkmale innerhalb einer repräsentativen Gruppe von Ikonen festgestellt. Diese hohe Häufigkeit von Ähnlichkeiten deutet auf eine Verbindung zwischen dem Gesicht auf dem Grabtuch und den byzantinischen Gemälden von Jesus.
(Experten) vermuten, dass die Künstler ein Bild kopierten, ein heiliges Porträt Jesu, das als authentisch und somit als endgültig galt und verehrt wurde.
Im 7. Jahrhundert wird das Grabtuch von Branliou, Bischof von Saragossa, in einem Brief an Abt Tanis nach einer Reise ins Heilige Land erwähnt. Später bezieht sich der hl. Johannes von Damaskus (gestorben 749) in seiner dritten Predigt zur Verteidigung der Heiligen Bilder auf das Grabtuch. Die mozarabische Liturgie des 9. Jahrhunderts drückt sich in der Präfation des Samstags nach Ostern folgendermaßen aus: „Petrus sieht die frischen Spuren des auferstandenen Toten auf den Leinentüchern.“
Im 10. Jahrhundert wurde das Grabtuch nachweislich in einer eigens dafür errichteten Kapelle in Konstantinopel (Sankt Maria von Blackerne) nahe dem Königspalast aufbewahrt. Der Kreuzfahrer Robert de Clary berichtet, dass er sich 1201 in Konstantinopel war und jeden Freitag den Gläubigen zur Verehrung präsentiert wurde. 1204 wurde Konstantinopel von den Kreuzfahrern erobert, die die Reliquie an einen unbekannten Ort in Europa brachten.
Das Grabtuch tauchte um 1357 wieder auf, als es in einer kleinen Holzkirche in der beschaulichen französischen Provinzstadt Lirey ausgestellt wurde. Der Besitzer des Grabtuchs, Gottfried von Charny, war ein Jahr zuvor in der Schlacht von Poitiers von den Engländern getötet worden. Seine Witwe, Jeanne de Vergy, wollte Pilger anlocken, indem sie das Grabtuch, das Jesus bei seiner Bestattung gedient hatte, in der örtlichen Kirche ausstellte. Bischof Heinrich von Poitiers, der dortige Bischof, ordnete umgehend die Einstellung der Ausstellung an.
Fünfundzwanzig Jahre später wurde das Grabtuch erneut ausgestellt. Jeanne de Vergy und ihr Sohn, Gottfried II. von Charny, erwirkten sorgfältig die Erlaubnis von direkt von Papst Clemens VII., das Grabtuch auszustellen. Der Bischof (Peter d’Arcis) schrieb einen sehr bitteren Brief an den Papst, in dem er erklärte, das Grabtuch von Lirey sei eine bekannte Fälschung. Papst Clemens wies d’Arcis’ Proteste zurück und befahl ihm, darüber für immer zu schweigen, unter Androhung der Exkommunikation.
Gottfried II. von Charny starb 1398, und seine Tochter und Erbin, Margarete von Charny, konnte keinen Thronfolger gebären. Die Holzkirche, in der das Grabtuch aufbewahrt wurde, verfiel aufgrund mangelnder Instandhaltung. Gegen Ende ihres Lebens, sichtlich überzeugt, dass dem Grabtuch nach ihrem Tod eine ungewisse Zukunft bevorstehen würde, suchte Margarete de Charny nach einer Familie, die es in ihren Besitz nehmen konnte. Sie entschied sich für das Haus Savoyen, ein adliges, frommes und mächtiges Geschlecht, das seinen Herrschaftsbereich in Norditalien, der Schweiz und Südostfrankreich ausdehnte. Margarete schenkte das Grabtuch 1453 Ludwig von Savoyen, und das Haus Savoyen ist seither im Besitz des Grabtuchs.
Um das Jahr 1464 ließ Papst Sixtus IV. die Tatsache öffentlich bekannt werden, dass er das Grabtuch als authentische Reliquie betrachtete, und die Herzöge von Savoyen errichteten eine spezielle Kapelle für das Heilige Grabtuch in der savoyischen Hauptstadt Chambéry, in Frankreich.
Am 4. Dezember 1532 brach in der Kapelle ein Feuer aus, das den versilberten Reliquienschrein erreichte, in dem das Turiner Grabtuch gefaltet aufbewahrt wurde. Das Feuer schmolz einen Teil der Versilberung des Schreins, und ein Tropfen geschmolzenen Silbers fiel auf das gefaltete Tuch und verbrannte es an einer Ecke.
Einer der Berater des Herzogs und zwei Franziskanermönche brachten den glühenden Schrein aus dem Gebäude und löschten die Flammen und die Hitze, indem sie ihn in Wasser tauchten. Die Figur blieb nahezu unversehrt, doch die Spuren von Feuer und Wasser haben das Grabtuch bis heute beschädigt.
1578 wurde das Grabtuch von Herzog Emanuel-Philibert endgültig nach Turin überführt, um dem unermüdlichen und frommen Gläubigen Kardinalerzbischof Karl Borromäus von Mailand eine lange Reise zu ersparen, der eine Pilgerreise unternahm, um es zu verehren. 1694 wurde die Reliquie in der Königlichen Kapelle aufbewahrt.
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde das Heilige Grabtuch regelmäßig am 4. Mai und zu anderen Anlässen öffentlich verehrt. Ab dem 18. Jahrhundert beschränkte sich die öffentliche Zurschaustellung auf die freudigen Ereignisse des Hauses Savoyen.
Seitdem befindet sich das Grabtuch in Turin, mit Ausnahme einer sechsjährigen Unterbrechung während des Zweiten Weltkriegs, als es in einer in den Bergen Süditaliens verlorenen Abtei aufbewahrt wurde.
Die letzte Phase der Geschichte des Grabtuchs begann 1898 in Turin.
Tatsächlich wurde es auf der Ausstellung anlässlich der Hochzeit von Viktor Emanuel III. in diesem Jahr zum ersten Mal fotografiert. Wie erstaunt war der Fotograf Secondo Pia, als er in seinem Labor entdeckte, dass es sich bei dem Grabtuch um ein Negativ handelte und die Platte, die er in Händen hielt, eine detaillierte Figur mit starken Kontrasten zeigte, die viel interessanter war als die ätherische Gestalt des eigenen Grabtuchs.
Diese Fotos machten das Turiner Grabtuch berühmt und zum Gegenstand ernsthafter wissenschaftlicher Untersuchungen. Pathologen, Ärzte, Biologen, Archäologen und andere begannen, sich dafür zu interessieren und anhand der Fotografien Forschungen durchzuführen. Das bekannteste Werk war damals das Buch des angesehenen französischen Chirurgen Dr. Pierre Bachet mit dem Titel: „La passion de Nosso Senhor Jesus Cristo selon le chirurgien“ (Die Passion unseres Herrn Jesus Christus aus der Sicht des Chirurgen).
Wissenschaftler setzten die Kirche unter Druck, um die Erlaubnis zur Analyse des Stoffes selbst zu erhalten. Die Kirche verweigerte bis 1969 jegliche direkten Experimente mit dem Turiner Grabtuch. In diesem Jahr stimmte Kardinal Pellegrino von Turin der Einsetzung einer Untersuchungskommission zu, die jedoch keine fundierte wissenschaftliche Arbeit leisten konnte. Sie arbeitete im Geheimen und veröffentlichte ihren Bericht erst 1976. Zu diesem Zeitpunkt liefen bereits weitaus umfangreichere Studien.
1973 erhielten einige Wissenschaftler die Genehmigung, einige Probenfäden zur Analyse zu entnehmen. Ihre Ergebnisse legten den Grundstein für die 1978 durchgeführten Forschungen. Die hier präsentierten Daten sind das Ergebnis dieser Forschungen.
1977 wurde ein Team aus renommierten Wissenschaftlern der Physik, Chemie und Biophysik, Medizinern und spezialisierten Fotografen, ausgestattet mit der damals modernsten wissenschaftlichen Ausrüstung, aus den USA unter dem Namen „Forschungsprojekt Turiner Grabtuch“ zusammengestellt.
D. Anastasio Ballestrero, Erzbischof von Turin, hatte die Forschung genehmigt, jedoch mit der Bitte, als Erster über das Ergebnis der Wissenschaftler informiert zu werden: ob das Turiner Grabtuch eine Fälschung sei oder nicht. Einige Mitglieder des Forschungsteams erwogen, Erzbischof Ballestrero umgehend die schlechte Nachricht zu überbringen (sie fürchteten jedoch die Auswirkungen auf Millionen Gläubige weltweit, die das Turiner Grabtuch als heilig betrachteten), da die meisten Wissenschaftler davon ausgingen, die Forschung würde die Echtheit des Grabtuchs widerlegen.
Doch die wissenschaftliche Skepsis wurde durch die eigenen Forschungsergebnisse widerlegt.
II – WISSENSCHAFTLICHE SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Das Alter des Stoffes
Max Frei, ein Schweizer Kriminologe und autodidaktischer, aber erfahrener Botaniker, entdeckte Pollenzellen im Stoff und erhielt die Erlaubnis, Proben davon zu entnehmen. In den folgenden Monaten trennte Frei die einzelnen Zellen sorgfältig, fotografierte sie und ordnete sie anhand botanischer Texte und Kataloge ihren Ursprungspflanzen zu.
Frei identifizierte Zellen von 49 verschiedenen Pflanzen. Einige dieser Pflanzen wachsen in Europa, was kaum verwunderlich ist, da das Grabtuch in Frankreich und Italien oft direkt der Luft ausgesetzt war und so Pollenkörner von einheimischen Pflanzen aufgenommen haben könnte.
33 dieser Pflanzen wachsen jedoch ausschließlich in Palästina, den südlichen Steppen der Türkei oder im Raum Istanbul (dem antiken Byzanz und Konstantinopel). Das Grabtuch verließ Europa nach seinem Auftauchen in Lirey im Jahr 1357 nie wieder. Frei erklärte, die Pollenkörnerschicht habe ihn davon überzeugt, dass das Grabtuch aus dem ersten Jahrhundert stamme, obwohl dies durch Pollenanalyse nicht absolut bewiesen werden könne.
Zwei weitere Studien befassten sich mit der Existenz des Turiner Grabtuchs vor 1357. Gilbert Raes, Professor am Genter Institut für Textiltechnologie in Belgien, untersuchte 1973 einige von einer Forschergruppe entnommene Stoffproben. Er kam zu dem Schluss, dass die Leinenstruktur einem im Nahen Osten des 1. Jahrhunderts n. Chr. verbreiteten Typ entsprach. Raes entdeckte zudem etwas sehr Interessantes: Spuren von Baumwolle zwischen den Leinenfasern. Er vermutete, dass das Tuch auf einem Webstuhl gewebt worden war, der auch für Baumwolle verwendet wurde. Baumwolle wächst bekanntlich im Nahen Osten, aber nicht in Europa.
John Jackson und Eric Jumper, Physiker der US-Luftwaffe, bemerkten Objekte, die auf den Augen des im Grabtuch bestatteten Mannes platziert waren. Sie vermuteten, dass es sich dabei um Münzen handeln könnte. In diesem Fall, so sagten sie, entspräche die antike Münze, die die gleiche Größe wie die knopfartigen Abdrücke auf dem Stoff aufwies, dem Lepton des Pontius Pilatus, der zwischen 14 und 37 n. Chr. geprägt wurde.
Francis Filas, Professor an der Loyola University Chicago, bestätigt, dass es sich bei den Abbildungen um Münzen handelt, genauer gesagt um Lepten. Er erklärt weiter, dass computergestützte Vergrößerungen und Analysen der Figuren 24 Übereinstimmungen in Größe, Position, Auswahl, Anordnung und Winkeln aufzeigen – Daten, die „nur einer von Pontius Pilatus zwischen 29 und 32 n. Chr. geprägten Münze entsprechen können“.
Die Lepta ist mit einem Astrologenstab und vier griechischen Buchstaben verziert. Untersuchungen von Überresten aus jüdischen Friedhöfen des ersten Jahrhunderts bestätigen, dass Juden den Toten Münzen auf die Augen legten.
2. Merkmale der Abbildung
a) Dreidimensionalität – Die beeindruckendste dieser Entdeckungen ist, dass die Abbildung auf dem Turiner Grabtuch dreidimensionale Daten enthält. Diese Entdeckung, die in mancher Hinsicht die erstaunlichste und unerklärlichste der vielen Geheimnisse um das Turiner Grabtuch ist, wurde von John Jackson und Eric Jumper gemacht, zwei Offizieren und Physikern der Luftwaffe, die das Grabtuch in ihrer Freizeit während ihrer regulären Arbeit im Waffenlabor der Luftwaffe in Albuquerque, New Mexico, untersuchten.
In Zusammenarbeit mit ihrem Laborkollegen Bill Mottern entdeckten Jackson und Jumper, dass die Schärfe des Bildes auf dem Turiner Grabtuch mathematisch mit dem Abstand zwischen Körper und Tuch zusammenhängt. Das Bild ist in Bereichen, in denen der Körper das Tuch berührte – beispielsweise Nase, Stirn und Augenbrauen –, schärfer. Es ist weniger scharf in Bereichen, in denen der Körper das Tuch nicht berührte – beispielsweise an den Gesichtspartien und in den tieferen Bereichen der Augenhöhlen. Diese Entdeckung zeigte, dass das Bild auf dem Grabtuch von einem dreidimensionalen Objekt erzeugt wurde.
Es bedeutete auch, dass es nicht durch direkten Kontakt entstanden sein konnte, wie es der Fall gewesen wäre, wenn das Tuch über eine Leiche oder eine erhitzte oder mit Pigmenten überzogene Statue gelegt worden wäre. Das Rätsel bestand darin, dass auch Körperteile, die das Tuch nicht berührten, im Bild abgebildet waren und die Schärfe dieser Bereiche je nach Abstand zum Tuch variierte.
a) Aufgrund dieses Verhältnisses zwischen Körper und Stoff, das sich mathematisch präzise beschreiben lässt, fühlten sich Jackson und Jumper in der Lage, eine dreidimensionale Nachbildung des im Grab beigesetzten Mannes anzufertigen.
b) Richtungslosigkeit – Jen J. Lorre und Donald J. Lynn, Wissenschaftler am Jet Propulsion Laboratory in Pasadena, Kalifornien, analysierten die Figur auf dem Turiner Grabtuch mithilfe computergestützter Verfahren, ähnlich denen, die sie 1976 zur Untersuchung von Bildern der Marsoberfläche durch den Viking-Satelliten verwendet hatten. Lorre und Lynn stellten fest, dass die Figur keine bestimmte Richtung aufweist, d. h., sie wurde zufällig und ohne erkennbare Richtung auf die Stoffoberfläche aufgebracht. Jede von Hand aufgetragene Farbe, Tinte oder andere Fremdsubstanz, die von einem Fälscher stammt, hätte eine spezifische Struktur gezeigt, so sorgfältig der Künstler auch gearbeitet haben mag.
c) Oberflächenbeschaffenheit – Das zuvor genannte Merkmal beweist bereits, dass das Turiner Grabtuch keine Fälschung ist. Es ist außerdem zu berücksichtigen, dass die Abbildung oberflächlich ist, d. h. sie befindet sich lediglich auf den Fasern der äußersten Schicht des Turiner Grabtuchs. Die gelbe Farbe dringt nicht in die Fasern ein wie eine von einem Künstler aufgetragene Farbe, was die Echtheit des Grabtuchs eindeutig beweist.
Ein Künstler hätte zwar ein Negativbild malen können und dafür möglicherweise zeit- und wasserbeständige Materialien verwendet. Obwohl diese Hypothese höchst unwahrscheinlich ist, hätte er vielleicht Farben oder Farbstoffe mit so feinen und präzisen Pinselstrichen aufgetragen, dass selbst eine Computeranalyse keine Spuren seiner Handbewegungen erkennen konnte.
In anderen Berichten wird die Fälschungstheorie jedoch verworfen. Die Farbstoffe wären in den Stoff eingedrungen und hätten die oberflächlichen Faserschichten durchdrungen. Ein Künstler hätte die Figur nicht mit so vielen Details malen können; das Gemälde wäre durch den Brand von 1532 stark beschädigt worden, und dreidimensionale Informationen wären unmöglich darzustellen gewesen. Die meisten Gemälde sind nicht hitze- und chemischen lösungsmittelbeständig.
d) Thermische Stabilität – Das Bild auf dem Grabtuch wurde durch die Hitze nicht beeinträchtigt. Die Bereiche, die den vom Brand 1532 betroffenen Stellen am nächsten lagen, weisen dieselbe Farbe auf wie die Bereiche, die weit von den Flammen entfernt waren.
e) Chemische Stabilität – Die gelbe Färbung des Bildes auf dem Grabtuch lässt sich durch gängige Chemikalien weder auflösen, bleichen noch verändern.
f) Stabilität unter Wasser – Das Grabtuch wurde während des Brandes von 1532 in Wasser getaucht, um das Feuer zu löschen; das Bild scheint jedoch unbeschädigt geblieben zu sein.
3. Die Entstehung des Bildes
Wissenschaftler haben verschiedene Theorien zur Entstehung des Bildes aufgestellt. Wir werden diese hier nicht weiter erörtern, da sie alle experimentell nicht bestätigt werden konnten. Das heißt, die Wissenschaft kann kein gleichwertiges Bild erstellen und das Phänomen nicht erklären. Folgende Schlussfolgerungen kamen sie: Für alle, die sich für die Identität des Mannes interessieren, ist es wichtig zu betonen, dass die Forschung von 1978 erhebliche Beweise dafür lieferte, dass die Figur auf dem Grabtuch von einem echten Leichnam geformt wurde, der in einem echten Grab bestattet war. Die Wissenschaftler konnten allein anhand der technologischen Plausibilität nicht bestätigen, wie dies geschah.
Die Tatsache, dass dies geschah, ist jedoch die unausweichliche Schlussfolgerung ihrer Arbeit. Die Figur konnte nicht von einem Fälscher stammen. In jedem Fall war der Mann im Grabtuch ein realer Mensch: ein Jude aus dem 1. Jahrhundert, der von den Römern auf genau dieselbe Weise gekreuzigt wurde, wie es in den Evangelien über die Kreuzigung Jesu Christi berichtet wird.
III – DAS HEILIGE GRABTUCH UND DER VERGLEICH MIT DER HEILIGEN SCHRIFT
1. Seht, wen der Prophet Jesaja als den „Mann der Schmerzen“ (Ps 53,3) bezeichnete. Lasst uns die Zeichen des Leidens genauer betrachten.
2. Der Schlag ins Gesicht: Jesus wird von Kaiphas nach seiner Lehre und seinen Jüngern befragt. Unser Herr antwortet: „Warum fragst du mich? Frag die, die gehört haben, was ich sie gelehrt habe. Sie wissen es.“ Bei diesen Worten schlägt einer der Wachen Jesus ins Gesicht und sagte: „So antwortest du dem Hohenpriester?“
Auf dem Heiligen Grabtuch sind zwei Schwellungen deutlich zu erkennen: eine unter der Augenhöhle, die andere im Gesicht; diese erstreckt sich bis zu Lippe und Kinn und verändert die Stellung des Bartes.
Es gibt sogar Anzeichen, dass ein Teil seines Bartes abgerissen worden sein muss, da deutliche Lücken in seinem Gesicht sichtbar sind. Obwohl diese Strafe in den Evangelien nicht erwähnt wird, verhängten die Juden sie bei dem besonderen Verbrechen der Blasphemie – genau jener Anklage, die gegen Christus erhoben wurde. Eine solche Strafe wurde in Bezug auf den Messias ausdrücklich prophezeit: „Ich bot meinen Rücken denen dar, die mich schlugen, und meine Wangen denen, die mir die Barthaare ausrissen; ich verbarg mein Angesicht nicht vor Beschimpfungen und Bespucken“ (Jesaja 50,6).
3. Die Geißelung – Pilatus gibt den Befehl, Jesus wegzuführen und zu geißeln (Joh 19,1).
Das Geißelinstrument bestand aus einer Peitsche mit Lederriemen, an deren Enden Bleikugeln oder kleine Hanteln, mitunter auch Ziegenwirbel, befestigt waren, die Prellungen und Risse im Fleisch verursachten. Im Kreis sind Spuren eines Peitschenhiebs zu sehen.
Archäologen gehen außerdem davon aus, dass seine Folterer und Henker höchstwahrscheinlich Römer waren. Eine genauere Untersuchung der durch die Geißelung verursachten Wunden zeigt, dass das verwendete Instrument aus mehreren Streifen bestand, an deren Enden jeweils ein Stück Metall oder Knochen in Form eines Balkens befestigt war. Jeder Peitschenhieb verursachte somit mehrere Hautrisse. Dieses Instrument, Flagrum genannt, wurde von den Römern nur in den ersten Jahrhunderten nach Christus verwendet.
Diese gefürchtete Geißel nutzte Metall- oder Eisenstücke an den Enden der Streifen, um das Fleisch des Opfers zu zerreißen. Sie wurde im Römischen Reich beim Martyrium von Christen eingesetzt. Das Flagrum ist auf antiken römischen Münzen abgebildet, und ein Exemplar dieses Instruments wurde in der römischen Stadt Herkulaneum gefunden. Da das Flagrum von den Römern häufig, von anderen antiken Völkern jedoch nicht verwendet wurde, stellt dies einen archäologischen Beweis dafür dar, dass der im Grabtuch bestattete Mann von den Römern gegeißelt wurde.
Selbst die – recht lange – Dauer der Geißelung deutet darauf hin, dass der Mann im Grabtuch kein römischer Bürger war. Römische Bürger wurden nicht so schwer bestraft, und das Flagrum wurde nie an ihnen angewendet.
4. Die Dornenkrönung – Die Soldaten des Statthalters führten Jesus zum Prätorium und versammelten die ganze Kohorte um ihn. Sie entledigten ihn seiner Kleider, legten ihm einen purpurroten Mantel um, flochten eine Dornenkrone, die sie ihm aufsetzten, und gaben ihm einen Stab in die rechte Hand. Dann knieten sie vor ihm nieder, verspotteten ihn mit den Worten: „Sei gegrüßt, König der Juden!“, bespuckten ihn, nahmen den Stab und schlugen ihm damit auf den Kopf.
Viele, die die Figur untersucht haben, sehen in den zahlreichen und tiefen Wunden, die von scharfen Gegenständen stammen und die gesamte Kopfhaut bedecken, die den Mann als Jesus Christus identifizieren. Diese könnten durchaus von einem Kranz aus scharfen, spitzen Dornen verursacht worden sein. In der traditionellen christlichen Kunst wurde die Dornenkrone als Kreis oder Kranz dargestellt. Vereinzelt malten Künstler die Krone als vollständige Bedeckung – eine Art Helm –, doch war dieser Stil vor der Zeit, als das Turiner Grabtuch bekannt wurde, selten.
Wie Giulio Ricci hervorhebt, ist die Dornenkrönung in der Geschichte nahezu einzigartig. Die Strafe, die dem Mann auf dem Grabtuch auferlegt wurde, ist in anatomischer und pathologischer Hinsicht bis ins kleinste Detail identisch mit der im Evangelium beschriebenen Passion und dem Tod Jesu. Wie Vignon schrieb: „Kein Maler hat in seinem Werk, so aufwendig es auch sein mag, eine solche Genauigkeit erreicht.“
5. Die Last des Kreuzes – „Er trug selber sein Kreuz und ging hinaus zu dem Ort, den man Schädelstätte nennt, auf hebräisch aber Golgota“ (Joh 19,17).
Eine große, stark gequetschte Stelle an der rechten Schulter und eine weitere am unteren Teil des linken Schulterblatts werden dem Patibulum zugeschrieben, dem Querbalken des Kreuzes, den der Verurteilte tragen musste. Er war etwa 1,60 m lang und wog mindestens 20 kg.
Blutergüsse am oberen Rücken, direkt unterhalb der Schultern, deuten darauf hin, dass der Mann auf dem Grabtuch ebenfalls einen schweren Gegenstand trug oder stützte. Dies geschah nach der Geißelung, da die Reibung des schweren Gegenstands die darunterliegenden Wunden der Geißelung leicht veränderte. Zusätzlich finden sich Schnitt- und Schürfwunden an beiden Knien, die auf einen Sturz auf einen harten, rauen Untergrund hindeuten. Insbesondere das linke Knie ist stark gequetscht.
6. Ans Kreuz genagelt – Als sie den Ort namens Schädelstätte (Golgota) erreichten, kreuzigten sie ihn.
Seine Hände wurden so an den Querbalken genagelt, dass der Körper zwei Positionen am Kreuz einnehmen konnte. In der ersten Position lastet das Gewicht zu schwer auf den Armen, und der Körper sackt zusammen. Diese Position überlastet die Brustmuskulatur, wodurch die Lunge komprimiert und die Atmung extrem erschwert wird. Der Mann auf dem Turiner Grabtuch hatte Flüssigkeit in der Pleura Höhle, was seine Atmung zusätzlich immer mehr erschwerte. In der zweiten Position heben die Beine den Körper an, um den Druck auf die Lunge zu verringern und die Atmung wieder zu ermöglichen.
Die Abbildung zeigt, dass das Blut vom Handgelenk in zwei Richtungen floss: entsprechend den beiden Positionen am Kreuz. Nur das Handgelenk ist in der Lage, das Körpergewicht zu tragen und die notwendigen Bewegungen zum Positionswechsel und Vor- und Zurückbewegen zu ermöglichen. Anatomische Gegebenheiten, die mittelalterlichen Künstlern unbekannt waren, belegen, dass sich ein Körper, der mit Nägeln durch die Hände ans Kreuz genagelt wurde, mit Sicherheit vom Kreuz lösen würde.
Tatsächlich sagt die Bibel nicht, dass Jesus mit den Handflächen ans Kreuz genagelt wurde. Das hebräische Wort „jad“, das in der messianischen Prophezeiung von Psalm 22, Vers 16 („Sie durchbohrten seine Hände und Füße“) verwendet wird, hatte vielfältige Bedeutungen, unter anderem für „bis zum Ellbogen“.
Nur ein Nagel konnte an nur einer Stelle durch das Handgelenk getrieben werden, ohne die Knochen zu beschädigen: in einem kleinen Spalt zwischen drei Knochen, dem sogenannten „Destot-Spalt“. Diese Öffnung wurde von Anatomen erst im 19. Jahrhundert beschrieben. Sie scheint aber auch den Henkern der Antike bekannt gewesen zu sein. Ein in diesen Spalt – oder freien Raum – eingeführter Nagel konnte ihn erweitern und durchdringen, ohne die Knochen zu brechen. Umgeben von Knochen bot der Nagel ausreichend Halt für das Gewicht des Körpers am Kreuz.
Ein in den Destot-Spalt eingeführter Nagel hätte den Medianusnerv, der die Daumen beugt, durchtrennt oder beschädigt, wodurch sich diese sehr nah an die Hand gedreht hätten. Die Daumen sind auf dem Bild des Turiner Grabtuchs nicht sichtbar. Eine aktuelle Studie, die auf computergenerierten Fotografien basiert, zeigt, dass die Daumen auf dem Bild zwar zu sehen, aber eng an die Hand angelegt sind.
Dieser gleiche Nerv, wenn verletzt, verursacht die Beugung des Daumens und verursacht anschließend einen heftigen Krampf.
Beide Füße wurden mit demselben Nagel durchbohrt; der linke Fuß lag über dem rechten. Nach der Kreuzabnahme behielt das linke Bein aufgrund der Totenstarre die Beugung bei, die es am Kreuz eingenommen hatte. Am rechten Fuß sind zwei deutlich erkennbare Blutspuren zu sehen: eine an der Fußspitze, entstanden, als der Herr noch am Kreuz hing, und eine weitere am Knöchel, als der Leichnam waagerecht in das Grab gelegt wurde. Der dunklere Fleck markiert die Stelle, an der der Nagel eindrang. Experimente mit Leichen haben gezeigt, dass es nicht schwierig ist, sie mit einem einzigen Nagel zu fixieren.
7. Von der Lanze durchbohrt – Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon gestorben war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite Lanze, und sogleich kam Blut und Wasser heraus (Joh 19,33-34).
Die Wunde, die durch die Lanze entstand, ist deutlich sichtbar, obwohl sie teilweise von einem Flicken bedeckt ist.
Die gleiche Blutflüssigkeit, die aufgrund der Geißelung den Brustkorb gefüllt haben muss, hätte sich in zwei Schichten angesammelt: die schwereren Blutzellen unten und das leichtere Serum oben. Wäre der Brustkorb durchbohrt worden, wäre die Flüssigkeit auf zwei Arten herausgeströmt: zuerst Blut, dann das leichtere Serum. Die Abbildung auf dem Grabtuch zeigt, dass der darin eingewickelte Mann in der Seite verwundet war und dass eine Flüssigkeit aus der Wunde floss, die sich, insbesondere in der Rückenansicht, in diese beiden Komponenten trennte.
Die Wunde an der Seite ist oval und misst 4,44 cm x 1,11 cm. Sie befindet sich auf der rechten Körperseite zwischen der fünften und sechsten Rippe. Diese Wunde entspricht exakt der Form einer anderen römischen Waffe, der Lanze.
Dieser Blutfleck unterscheidet sich von anderen (beispielsweise im Nacken, an den Händen oder Armen). Dies liegt daran, dass das Blut nach dem Tod ausgetreten ist und daher nicht mehr der Pumpwirkung des Herzens, sondern lediglich seinem Eigengewicht unterlag. Daher ist er nicht so homogen und klar abgegrenzt wie andere Blutflecken.
Außerdem beweist dies, dass es sich bei dem Fleck tatsächlich um Blut handelt. Unter ultraviolettem Licht fotografiert, zeigt sich ein dünner fluoreszierender Rand um die Wunde. Vollständig getrocknetes Blut fluoresziert nicht, Blutserum hingegen schon. Der fluoreszierende Rand entspricht dem Serum, einer farblosen Substanz, die sich beim Gerinnen des Blutes vom restlichen Blut trennt.
8. Tod – Et clamans voce magna Jesus, ait : Pater, in manus tuas commendo spiritum meum. Et inclinato capite emisit spiritum.
„Er rief mit lauter Stimme: ‚Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist. Und er neigte sein Haupt und gab den Geist auf.“
Die meisten Experten gehen davon aus, dass Jesus in erster Linie an Erstickung starb, der häufigsten Todesursache bei Kreuzigungen, da ihn die Folter, die Schläge und die Geißelung erheblich geschwächt hatten. Er war logischerweise bereits nicht mehr in der Lage, sich am Kreuz aufzurichten, um zu atmen, und die nach unten gerichtete Position am Kreuz beschleunigte den Erstickungsprozess. In diesem Fall verhinderten die Muskeln um seine Lunge das Ausatmen, was letztendlich zu seinem direkten Tod führte.
9. Die Auferstehung – Und am Sonntagmorgen gingen die heiligen Frauen zum Grab. Sie sahen, dass der Stein weggewälzt war. Und sie gingen in das Grab hinein, sahen zur Rechten einen Jüngling sitzen, umkleidet mit einem weißen Gewand. Er aber sagte zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus den Nazarener, den Gekreuzigten; er ist auferweckt worden, er ist nicht hier; seht hier den Platz, wo sie ihn hingelegt hatten.“
Tatsächlich sind die Beweise, die das Grabtuch für die Auferstehung liefert, so überzeugend, dass Christen, sollte es sich nicht um das echte Grabtuch Jesu handeln, die Möglichkeit der Auferstehung einer anderen Person in Betracht ziehen müssten!
Erstens: Jesu Leichnam verweste nicht, während er in das Grabtuch gehüllt war. Laut der Abbildung auf dem Grabtuch befand sich Jesu Leichnam in absoluter Totenstarre (Rigor mortis), und Pathologen sind sich sicher, dass er tot war. Abgesehen von diesen ersten Anzeichen des Todes haben wissenschaftliche Untersuchungen jedoch keine Hinweise auf Verwesung gefunden.
Das zweite Zeichen der Auferstehung, das uns das Turiner Grabtuch liefert, bezieht sich auf die Herausnahme des Leichnams aus dem Tuch. Die Fakten widerlegen die Hypothese, dass der Leichnam auf menschliche Weise entfernt wurde, da die Blutflecken unversehrt sind.
Ein kurzer Moment der Besinnung offenbart einige medizinische Argumente zu diesem Thema. Als das Leinentuch der Länge nach (bzw. der Körperhöhe) um Jesu Körper gewickelt wurde, kam es mit dem vergossenen Blut in Berührung, das aus seinem Kopf, der offenen Wunde in der Brust, dem linken Handgelenk, den Füßen und anderen Stellen floss. Nachdem das Blut getrocknet war, blieb das Leinen leicht an den Wunden haften.
Die Entfernung des Grabtuchs, selbst bei größter Sorgfalt, hätte die Entfernung von Blutgerinnseln und eine Verschiebung der Achsen der Blutflecken zur Folge gehabt. Da dies beim Grabtuch nicht geschah, können wir davon ausgehen, dass der Leichnam auf eine andere Weise vom Tuch entfernt wurde, als es üblicherweise zum Ausrollen verwendet wird. Die durch den Kontakt entstandenen Blutflecken deuten darauf hin, dass der Leichnam weder bewegt noch neu ein- oder ausgewickelt wurde.
Der Anblick des furchtbaren Leidens unseres göttlichen Erlösers in seinem Passions- und Sterbeprozess lässt unsere Seele die Erhabenheit eines der heiligsten Aspekte des katholischen Glaubens betrachten, der alle wahrhaft christlichen Seelen prägt – von den Märtyrern, die unerschrocken den Glauben verkündeten, bis zu den Jungfrauen in strahlender Reinheit; von den Bekennern, die unbesiegbar gegen die Angriffe der Häresien kämpften, bis zu den Kreuzrittern, die mit Schwert und Tapferkeit die Christenheit und die Kirche vor den Schlingen ihrer Feinde verteidigten: der Schmerz.
Über diesen Schmerz schrieb Huysmans in seinem Buch „L’Oblat“: „Um den Grund für dieses schrecklichen Wohltäters zu verstehen, muss man zu den Anfängen der Welt zurückkehren, in dieses Paradies, wo seit Adams Sünde der Schmerz entstand. Er war die Erstgeburt des menschlichen Schaffens und verfolgt ihn seither auf Erden und über das Grab hinaus, bis hin zum Tor des Paradieses.“ Er war der sühnende Sohn des Ungehorsams, derjenige, der die Taufe, die die Erbsünde abwäscht, nicht aufhalten konnte. Er fügte dem Wasser des Sakraments Tränenwasser hinzu; er reinigte Seelen, soweit es ihm möglich war, mit den beiden Substanzen, die dem menschlichen Leib entnommen waren, Wasser und Blut.
Von allen verabscheut und verhasst, brachte er den nachfolgenden Generationen, vom Vater zum Sohn, den Märtyrertod. Die heidnische Antike überlieferte den Hass und die Furcht vor dieser Botin göttlicher Werke, dieser für das Heidentum unbegreiflichen Folterin, die sie zu einer Göttin des Bösen machte, die weder Gebete noch Gaben besänftigen konnten.
Jahrhundertelang trug er die Last des Fluches der Menschheit; müde, in seinem sühnenden Amt nichts als Zorn und Geheul zu verkünden, erwartete er ungeduldig das Kommen des Messias, der ihn von seinem abscheulichen Ruf erlösen und das verfluchte Stigma, das er trug, tilgen sollte. Schmerz erwartete ihn als Erlöser und auch als den Bräutigam, der ihm seit dem Sündenfall bestimmt war, und er bewahrte seine bis dahin unterdrückten Liebesgefühle für ihn auf, da er in der Erfüllung seiner heiligen und traurigen Mission nur erträgliche Qualen verteilen konnte; er verringerte seine trostlosen Liebkosungen im Verhältnis zur Zahl der Menschen. Er gab sich nicht gänzlich jenen Verzweifelten hin, die sie verleugneten und beleidigten, selbst als diese ihn nur aus der Ferne vorbeiziehen sahen, ohne ihnen zu nahe zu kommen.
Der Schmerz war nicht wahrhaftig die erhabene Gemahlin außer des Gottmenschen. Seine Leidensfähigkeit übertraf alles, was sie je gekannt hatte. Sie warf sich ihm in jener schrecklichen Nacht entgegen, als er, allein und verlassen in einem Stall, die Sünden der Welt auf sich nahm, und sie erhob sich aus ihrem Inneren, als sie ihn umhüllte und erhaben wurde.
Der Schmerz war so furchtbar, dass er bei seiner Berührung ohnmächtig wurde; seine Qual war seine Hochzeit mit ihr; sein Zeichen des Bundes war, wie das der Frauen, ein Ring, aber ein gewaltiger Ring, der nichts anderes als ein Ring an Form war und zugleich ein Symbol der Verlobung, ein Emblem des Königtums, eine Krone. Sie krönte die Stirn des Bräutigams, noch bevor die Juden das von ihr in Auftrag gegebene Dornendiadem geflochten hatten, und seine Stirn war von rubinrotem Schweiß umgeben, geschmückt mit einem Heiligenschein aus Blutperlen. Sie stillte seinen Durst mit den einzigen Zärtlichkeiten, die sie ihm geben konnte, grausamen und übermenschlichen Qualen, und als treue Braut vereinigte sie sich mit ihm und verließ ihn nie wieder. Unsere Liebe Frau, Magdalena, die heiligen Frauen konnten nicht jeden Augenblick in den Fußstapfen unseres Herrn wandeln; Schmerzen begleiteten ihn zum Prätorium, vor Herodes, vor Pilatus; sie zügelte die Riemen der Geißeln, richtete die Dornenflechtung, verstärkte das Eisen der Hämmer, sorgte für die Bitterkeit der Galle, schärfte das Eisen des Speers, spitzte eifrig die Nägel an.
Und als der höchste Augenblick der Hochzeit gekommen war, als Maria, Magdalena und der heilige Johannes am Fuße des Kreuzes weinten, stieg sie, wie die Armut, von der der heilige Franziskus spricht, bewusst auf das Schafott, und aus der Vereinigung dieser beiden Ausgestoßenen der Erde wurde die Kirche geboren. Sie wurde geboren in Strömen von Blut und Wasser, die aus dem Herzen des Opfers flossen, und alles war vorbei; unser Herr, ungerührt, entkam für immer ihrer Umarmung; der Schmerz wurde zur Witwe im Augenblick, als er endlich geliebt worden war, doch sie stieg vom Kalvarienberg herab, durch diese Liebe wiederhergestellt, durch diesen Tod erlöst. So verachtet wie der Messias, war sie mit ihm auferstanden und hatte vom Gipfel des Kreuzes die Welt erobert; ihre Mission war bestätigt und veredelt: Sie war fortan für Christen verständlich und würde bis zum Ende der Zeiten von den Seelen geliebt werden, die sie anrufen, um die Sühne ihrer Sünden und der Sünden anderer zu beschleunigen, um sie in Erinnerung und Nachahmung des Leidens Christi zu lieben.
-- ENDE DES BERICHTES ÜBER DAS GRABRUCH VON TURIN --
Dazu gibt es ein Kommentar von Dr. Plinio Correa de Oliveira

