Montag, 31. August 2026

Die Strafen Gottes nach dem hl. Augustinus

von Cristina Siccardi

26. August 2026

Eine in Nature, einer der renommiertesten und wichtigsten internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften (seit dem 4. November 1869), veröffentlichte Studie belegt, dass Europa zwischen Ende 1341 und 1343 von sechzehn aufeinanderfolgenden verheerenden Überschwemmungen heimgesucht wurde – eine nie zuvor dokumentierte Abfolge, die die höchste Anzahl katastrophaler Wetterereignisse der letzten 700 Jahre darstellt.

Das dunkle 14. Jahrhundert gilt als eine der schwierigsten Epochen des europäischen Mittelalters. Es war geprägt von einer systemischen Krise, die Demografie, Wirtschaft und Institutionen erfasste und durch eine Reihe gleichzeitig wirkender Faktoren ausgelöst wurde. Allen voran die große Hungersnot von 1315–1317, verursacht durch einen drastischen Klimawandel, die sogenannte „Kleine Eiszeit“. Unaufhörliche Regenfälle zerstörten die Ernten so stark, dass Millionen Menschen in Nordeuropa verhungerten. Diese außergewöhnliche Hungersnot schwächte zudem das Immunsystem der Bevölkerung. Zwischen 1347 und 1352 gelangte das Bakterium Yersinia pestis über die Handelsrouten genuesischer Kaufleute aus Asien nach Europa und verursachte den verheerenden Schwarzen Tod, dem etwa ein Drittel der Bevölkerung des Kontinents, also 20–25 Millionen Menschen, zum Opfer fielen. Ganze Dörfer verschwanden, was zu einem Zusammenbruch der Arbeitskräfte und Massenpanik führte.

Um 14. Jahrhundert fand außerdem der Hundertjährige Krieg (1337–1453) statt, der sich zu einer Reihe verheerender Kriege zwischen der englischen und der französischen Krone ausweitete. Das Land wurde systematisch von den sogenannten „Söldnergilden“ verwüstet, und die Kosten der Konflikte belasteten die Bauern mit hohen Steuern. All diese Naturkatastrophen und politisch-militärischen Ereignisse führten zu sozialen Unruhen und einer massiven Wirtschaftskrise.

Gleichzeitig erlebte die Kirche eine tiefe Krise, insbesondere aufgrund der Gefangenschaft der Päpste in Avignon zwischen 1309 und 1377, als der Papst unter dem Einfluss des französischen Königs seinen Sitz nach Avignon verlegte, und des Großen Abendländischen Schismas zwischen 1378 und 1417, in dem die Kirche so gespalten war, dass es zeitweise zwei und sogar drei Päpste gab, was faktisch einer Zerstörung der geistlichen Autorität durch Rom gleichkam.

Wie könnten wir in all diesen Phänomenen nicht Gottes Strafen erkennen?

Wie können wir also heute, wie wir es in der letzten Ausgabe der „Corrispondenza Romana“ begonnen haben, in all den Anomalien, Widersprüchen und Umbrüchen, einschließlich des Klimawandels, die Hand der göttlichen Gerechtigkeit übersehen, die auf alle Todsünden (einschließlich massenhafter Abtreibung), auf die neuheidnischen Zerfall der Sitten und Gebräuchen und auf die gegenwärtige Krise der Kirche reagiert, die sich in Irrtümern, Täuschungen und Versäumnissen, einschließlich Profanierungen, Entweihungen und liturgischen Missbräuchen, manifestiert?

Für Gläubige ist es offensichtlich, dass Gott reagiert, wie es immer geschehen ist, angefangen bei der Strafe für Adam und Eva, die, um einen gängigen, aber ebenso treffenden Ausdruck zu verwenden, „es selbst verschuldet“ haben; wie es mit Sodom und Gomorra geschah, wie es mit der Sintflut geschah, wie es im Jahr 70 n. Chr. mit der Zerstörung des Tempels von Jerusalem geschah, der nie wieder aufgebaut wurde, und wie es im 14. Jahrhundert und in vielen anderen historischen Epochen geschah. Wer sich von Gott abwendet, kann nach dem Gesetz nicht ungestraft davonkommen, genauso wenig wie jene, die schwere Sünden auf Erden begangen haben, ungestraft davonkommen. Die menschliche Gerechtigkeit wirkt durch ihre Gerichte. Menschliche Gerichte können jedoch in ihren Urteilen irren, nicht aber das vollkommene Gericht des Allmächtigen.

Am 28. August feiern wir den liturgischen Gedenktag des Kirchenlehrers Augustinus, Doctor Gratiae, des bedeutendsten Vertreters der westlichen Patristik. Es ist aufschlussreich, sich seine Position zu dem Thema, das wir hier behandeln, in Erinnerung zu rufen.

Für den Kirchenvater sind Strafen keine Akte willkürlicher Grausamkeit oder blinder Rache, sondern ein reiner Ausdruck seiner vollkommenen Gerechtigkeit, die mit tiefer Barmherzigkeit verbunden ist. Persönliches Leid und das Leiden der Welt, wie Pandemien, Kriege, Hungersnöte, Erdbeben usw., finden ihre Erklärung und Rechtfertigung in der kosmischen Ordnung und im Heilsplan der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

So erklärt der heilige Augustinus mit seiner außergewöhnlichen stilistischen Ausdrucksweise und begrifflichen Brillanz, verbunden mit einer spirituellen Tiefe, die ganz und gar augustinisch ist: „Die Freude der Welt ist ungestrafte Bosheit. Lasst die Menschen sich der Lust hingeben, Ehebruch begehen, Leichtfertigkeiten nachjagen, sich mit Wein vollstopfen, sich schändlich entehren, ohne dass ihnen etwas Schlimmes widerfährt; seht, die Freude der Welt vor euch. […] Doch Gottes Denken ist anders als das des Menschen. Gottes Plan ist der eine, der des Menschen ein anderer. Es ist ein Plan großer Barmherzigkeit, die Bosheit nicht ungestraft zu lassen, und, damit er am Ende nicht gezwungen ist, zur Hölle zu verdammen, straft er nun mit der Geißel.

Wollt ihr nicht wissen, welch große Strafe es ist, ohne Strafe zu sein, nicht für den Gerechten, sondern für den Sünder, dem die zeitliche Strafe vorbehalten ist, damit die ewige Strafe ihn nicht ereilt? Wollt ihr wissen, welch große Strafe die Abwesenheit von Strafe ist? Fragt den Psalm: Der Sünder hat den Herrn entflammt mit Zorn. […] Versteht, liebe Brüder und Schwestern, die Barmherzigkeit Gottes. Wenn er die Welt bestraft, will er sie nicht verdammen. Wegen seines unermesslichen Zorns sucht er die Verdammnis nicht. Sein Zorn ist gewaltig. In der Vergebung straft er hart, doch die harte Strafe entspricht der Gerechtigkeit. Strenge ist in der Tat fast unbarmherzige Wahrheit. Wenn er also manchmal Vergebung mit harter Strafe verbindet, ist es gut für uns, dass er uns durch die Sühne hilft. Doch wenn wir die Taten der Menschheit betrachten, was erleiden wir? Er hat uns nicht nach unseren Sünden behandelt. Wir sind doch nur Kinder. Welchen Beweis haben wir dafür? Der eingeborene Sohn starb für uns, um nicht der Einzige zu bleiben. Der Einzige, der starb, wollte nicht der Einzige sein. Der eingeborene Sohn Gottes machte viele zu Kindern Gottes. Er gewann Brüder durch sein eigenes Blut; er schätzte, er verwarf; er erlöste, er verkaufte; er ehrte, er Er wurde getadelt, erweckte und tötete. Zweifelst du daran, dass der, der sich herabgelassen hat, deine Sünden auf sich zu nehmen, dir auch Gutes schenken wird? Darum, Brüder und Schwestern, freut euch im Herrn und nicht in der Welt; freut euch in der Wahrheit und nicht in der Lüge; freut euch in der Hoffnung auf die Ewigkeit und nicht im Schein der Eitelkeit“ (Predigt 171, Aus den Worten des Apostels, Phil 4,4–6: „Freut euch im Herrn allezeit“).

Nach Augustinus und somit auch nach der zweitausendjährigen Lehre der Kirche ist die Strafe nicht der ursprünglichen, von Gott gut geschaffenen menschlichen Natur innewohnend, sondern die notwendige Folge der Sünde und des freien Willens, der sich vom höchsten Gut entfernt hat und sich leider bis zum Ende der Zeiten weiter davon entfernt. Die Strafe, die den Sünder trifft, ist daher die gerechte Folge seiner Schuld. „Gott ist gut: Es gibt kein Gut für diejenigen, die ihn verlassen. Und unter den von Gott geschaffenen Dingen ist die Vernunft ein so hohes Gut, dass kein anderes Gut als Gott sie glücklich machen kann. Sünder sind daher zur Strafe bestimmt, eine Bestimmung, die nicht ihrer Natur entspricht und daher eine Strafe ist; vielmehr entspricht sie ihrer Schuld und ist daher Gerechtigkeit.“ (Vom Wesen des Guten, § 7)

Der Bischof von Hippo, der in reiner katholischer Treue argumentierte – leider argumentieren heute nach dem pastoralen Zweiten Vatikanischen Konzil viele Pfarrer nicht mehr katholisch, sondern säkular und protestantisch –, führt das unvermeidliche luziferische Thema ein: „Es ist in der Tat nicht ungerecht, dass in dem Augenblick, in dem die Bösen die Macht zum Bösen empfangen, die Geduld der Guten auf die Probe gestellt und zugleich die Bosheit der Bösen bestraft wird. Denn durch die dem Teufel gegebene Macht wurde Hiob geprüft, um seine Gerechtigkeit zu beweisen, Petrus wurde versucht, damit er sich nicht rühmte, Paulus wurde geschlagen, damit er sich nicht aufbäumte, Judas wurde zum Selbstmord durch den Strang verurteilt. Obwohl Gott selbst all dies in Gerechtigkeit durch die dem Teufel gegebene Macht getan hat, wird der Teufel seine endgültige Strafe nicht für diese in Gerechtigkeit getanen Taten erhalten, sondern für seinen bösen Willen zu schaden, wenn zu den Bösen, die beharrlich zugestimmt haben, gesagt wird: ‚Es ist geschehen!‘“ Bosheit: „Geht hin in das ewige Feuer, das mein Vater für den Teufel und seine Engel bereitet hat.“ Die bösen Engel selbst wurden jedoch nicht von Gott dazu gemacht, sondern wurden durch die Sünde böse; Petrus spricht davon in seinem Brief: Gott hat die Engel, die gesündigt hatten, nicht verschont, sondern sie in das finstere Gefängnis der Hölle geworfen und sie dort zum Gericht aufbewahrt“ (ebd., §§ 32-33).

Nach vielen präzisen und klaren Weisheiten gelangt der heilige Augustinus zu seinen prägnanten und überzeugenden Formeln, die den Verstand erleuchten und das Herz berühren: „[...] Sünde oder Ungerechtigkeit besteht nicht im Verlangen nach schlechten Eigenschaften, sondern in der Ablehnung besserer“ (ebd., § 34).

Wie könnten wir in einem Zeitalter wie dem unseren, das so von Unsicherheit und Verwirrung geplagt, so kleinlich, so zynisch und unvernünftig in seinem laschen Gutmenschentum, so fernab wahrer christlicher Frömmigkeit und so bestraft dafür ist, sich hartnäckig von den Gesetzen des Schöpfers entfernt zu haben, nicht zum katholischen Denken zurückkehren?

Die Lehren des heiligen Augustinus, des größten Theologen und höchsten Seelsorgers aller Jahrhunderte, bewegen und berühren uns oft tief, wie in diesem Fall, wenn er den priesterlichen Auftrag preist: „Wie groß ist deine Geduld, o barmherziger und mitfühlender Herr, langmütig und reich an Barmherzigkeit und wahrhaftig! Du lässt die Sonne über Gut und Böse aufgehen, du sendest Regen über Gerechte und Ungerechte; du willst nicht den Tod des Sünders, sondern dass er umkehrt und lebt; du strafst nach und nach und gibst Gelegenheit zur Buße, damit sie, nachdem sie die Bosheit verleugnet haben, an dich glauben, Herr; du führst geduldig zur Buße, obwohl viele, gemäß der Härte ihrer Herzen, mit einem unbußfertigen Herzen, Zorn für sich aufstauen für den Tag des Zorns und der Offenbarung deines gerechten Gerichts, du, der du jedem nach seinen Werken vergiltst; du, der du all ihre Sünden vergisst an dem Tag, an dem sie sich von ihrer Bosheit zu deiner Barmherzigkeit und Wahrheit bekehren: gewähre und gewähre, dass durch unser Durch deinen Dienst, durch den du diesen abscheulichen und wahrlich erschreckenden Irrtum tadeln wolltest, und durch die bereits viele befreit wurden, können auch andere befreit werden und verdienen, im Schmerz der Buße durch das Opfer der heiligen Taufe sowie durch das Opfer eines reuigen Geistes und eines zerbrochenen und demütigen Herzens die Vergebung ihrer Sünden und Lästerungen zu empfangen, mit denen sie dich unwissentlich beleidigt haben. Wie kostbar sind deine alles übertreffende Barmherzigkeit, deine Autorität und die Wahrheit deiner Taufe und die Schlüssel des Himmelreichs in deiner heiligen Kirche!“

Darum dürfen wir nicht verzweifeln, selbst nicht an denen, die, solange sie dank deiner Geduld auf dieser Erde leben, obwohl sie wissen, wie verwerflich es ist, solche Dinge über dich zu denken oder zu sagen, durch eine Gewohnheit oder das Streben nach zeitlichem und irdischem Vorteil in diesem treulosen Bekenntnis zurückgehalten werden, wenn sie, zumindest von deinen Zurechtweisungen angespornt, Zuflucht in deiner unaussprechlichen Güte suchen und das himmlische und ewige Leben vorziehen, gegen allen Verlockungen des Fleisches.“ (ebd., § 48).

Unser Herr, so erklärt der heilige Augustinus, züchtigt nach und nach, führt geduldig zur Buße und mahnt mit väterlichen Ermahnungen. Jeder irdische Vater, der das schlechte Benehmen seines Kindes duldet, ohne es zu tadeln und ihm gerechte Folgen für seine Verfehlungen aufzuerlegen, ist ein schrecklicher Vater, der nicht das Beste für es will. Der Vater im Himmel will nur das Beste für seine Kinder, mit der Vision nicht flüchtiger, sondern ewiger Seligkeit.

Die Heiligen danken Gott buchstäblich für ihre Prüfungen, Leiden und irdischen Schmerzen und betrachten sie nicht als Grausamkeiten, sondern als Werkzeuge der Läuterung zum ewigen Heil. Neben dem großen Philosophen und Theologen Augustinus können wir in diesem Sinne auch den heiligen Alfons Maria von Liguori, den heiligen Pio von Pietrelcina und sogar die ugandische Heilige Josephine Bakhita, die „Apostelin der Dankbarkeit“, erwähnen. Sie erlebte Sklaverei und unerträgliches Leid, erfuhr in ihrem Unglück wahrlich die Gnade und besang diese Gnade, die die Kirche, indem sie sie zur Ehre der Altäre erhob, durch ihr mutiges und leidenschaftliches Zeugnis an alle Generationen weitergibt: „Wenn ich jenen Sklavenhändlern begegnete, die mich entführt und gefoltert haben, würde ich vor ihnen niederknien und ihre Hände küssen…“

 

https://www.corrispondenzaromana.it/i-castighi-di-dio-secondo-santagostino/

 

 

 

Aus dem Italienischen von „I castighi di Dio secondo Santagostino”

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
www.r-cr.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

Monsieur de Charettes letztes Ave-Maria

von Roberto de Mattei
19. August 2026,

Es war fast 17 Uhr am 29. März 1796, als François-Athanase de Charette, der heldenhafte General der Vendée, besser bekannt als Monsieur de Charette, das Gefängnis von Bouffay verließ, um die letzte Etappe seiner Reise anzutreten.

Sechs Tage zuvor war er in den Wäldern von Chabotterie gefangen genommen worden, verwundet und erschöpft nach drei Jahren unnachgiebigen Widerstands. Nun ging er auf den Place des Agriculteurs zu, wo das Erschießungskommando auf ihn wartete. Er war 32 Jahre alt und hatte drei Jahre lang an der Spitze des Aufstands in der Vendée die Armeen der Revolutionären Republik in Schach gehalten.

Langsam ging er aufgrund seiner Verwundungen, aber mit Stolz. Sein linker Arm war in einer Schlinge gebunden. Auf seinem Kopf trug er ein rotes, elegant geknotetes Tuch, fast die letzte kokette Geste des Marineoffiziers, der er gewesen war, bevor er zum „König der Vendée“ wurde. Charette betete leise das Miserere und zählte dabei seinen Rosenkranz.

Als der Trauerzug in die Rue de Gorges einbog, blickte der General einen Moment lang zu einem Fenster auf. Seine Schwester hatte ihm gesagt, er würde dort jemanden antreffen. Ein alter Mann in Schwarz hielt ein weißes Tuch in der Hand. Er war ein gläubiger Widerstandspriester, treu zu Rom, nicht den Jakobinern, wie der neben ihm gehende Abbé Guibert.

Charette senkte den Kopf. Hinter dem Fenster zeichnete der Priester das Kreuzzeichen. Es war die letzte Absolution.

Der Platz war abgeriegelt. Fünftausend Soldaten bildeten ein riesiges Viereck. Achtzehn Männer waren für das Erschießungskommando ausgewählt worden, das ihn hinrichten sollte. Ein Sarg stand bereits vor der Mauer.

Der ihn begleitende Priester sprach ihm einige tröstende Worte zu. Charette erwiderte ruhig: „Ich habe dem Tod hundertmal getrotzt. Nun stelle ich mich ihm zum letzten Mal, ohne ihn zu trotzen und ohne ihn zu fürchten.“

Er lehnte die Augenbinde ab, die man ihm anlegen wollte, und fragte den für die Hinrichtung zuständigen Offizier, ob er nach einem letzten Ave Maria persönlich das Feuersignal geben dürfe. Dies wurde ihm gewährt. Er betete das Gebet laut, bis zu den letzten Worten: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt …“ Hier hielt er inne, hob die Hand und gab den Befehl zum Feuern. Achtzehn Kugeln trafen ihn. Er fiel zu Boden und übergab seine Seele Gott.

Charette hatte in seinem Leben gewiss tausende Male gesagt: „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.“ Doch bis zu diesem Tag bezeichneten die Worte – jetzt und in der Stunde unseres Todes – zwei verschiedene Momente. Das Jetzt war die Gegenwart; Die Stunde des Todes gehörte einer ungewissen Zukunft an. Vor den Gewehren der Republikaner gab es zum ersten Mal keine Distanz mehr zwischen den beiden Begriffen. Er hatte die letzten Worte nicht gesprochen: „und in der Stunde unseres Todes“, denn die Stunde des Todes fiel mit dem Jetzt, dem gegenwärtigen Augenblick zusammen. Das Ave Maria war keine Frage der Zukunft mehr; es war zum Gebet der Gegenwart geworden. Alle Ave Marias in Charettes Leben mündeten in jenem letzten Ave Maria, das mit dem Wort „jetzt“ schloss …

Charettes Geste barg eine tiefe spirituelle Theologie.

Der heilige Alfons Maria von Liguori kommentiert in „Die Herrlichkeiten Mariens“ die letzten Worte des Ave Maria: „Heilige Maria, Mutter Gottes, jetzt für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes“: Betet immer: Betet jetzt, da wir leben inmitten so vieler Versuchungen und Gefahren, Gott zu verlieren; aber betet mehr in der Stunde unseres Todes, wenn wir im Begriff sind, diese Welt zu verlassen und vor dem göttlichen Gericht zu stehen. Das Nunc ist die Zeit des Kampfes: „Versuchungen und Gefahren, Gott zu verlieren“. Die Hora Mortis ist der Augenblick, in dem der Kampf endet und der Mensch im Begriff ist, vor dem göttlichen Gericht zu stehen.“ Jedes Mal, wenn wir das Ave Maria beten, bitten wir um zwei Gnaden: die Gnade, die notwendig ist, um im gegenwärtigen Augenblick treu zu sein, und die Gnade der endgültigen Beharrlichkeit im letzten Augenblick. Die zwei Zeiten, die im Ave Maria enthalten sind, sind das Nunc, der gegenwärtige Augenblick, und die Hora Mortis. Maria muss uns jetzt beistehen, denn jeder Augenblick des Lebens ist der Gefahr ausgesetzt, Gott zu verlieren. Sünde; doch sie muss uns vor allem in der Stunde unseres Todes beistehen, jenem Augenblick, in dem sich die Seele vom Körper trennt, diese Welt verlässt und vor das Gericht Gottes tritt. Die Stunde des Todes ist die entscheidende Stunde, auf die uns in gewissem Sinne alle anderen Stunden vorbereiten. Das Leben ist eine Abfolge von „Jetzt“, bis zum letzten Jetzt, in dem das Nunc mit der Hora mortis zusammenfällt.

 

Der heilige Ludwig Maria Grignion von Montfort, Apostel der Vendée, der 1714 starb, kommentiert diesen Augenblick in seinem Werk „Das bewundernswerte Geheimnis des Heiligen Rosenkranzes“ und erinnert daran, dass „uns gewiss nur dieser Augenblick bleibt“. „Bitte für uns, das heißt, während dieses kurzen, zerbrechlichen und elenden Lebens; jetzt, denn uns bleibt gewiss nur dieser Augenblick.“ Die Stunde unseres Todes, schreibt er, ist eine „schreckliche und gefährliche“ Stunde, in der unsere Kräfte erschöpft sind, Leib und Seele von Leid und Furcht überwältigt werden und der Teufel seine Anstrengungen verdoppelt, denn genau in dieser Stunde wird über unser Schicksal für alle Ewigkeit entschieden. Der heilige Ludwig Maria Grignion bittet daher die Muttergottes, die Dämonen in der Stunde des Todes zu vertreiben, die Seele aus der sie umhüllenden Finsternis zu erleuchten, und ruft sie an mit den Worten: „Führe uns, begleite uns zum Richterstuhl deines Sohnes.“

Der Heilige aus der Vendée empfiehlt beim Rosenkranzgebet eine Pause zwischen den Worten „jetzt“ und „in der Stunde unseres Todes“. Das „Nunc“ ist die einzige Zeit, die uns wirklich gehört. Doch unter all den „Nuncs“ unseres Daseins wird eine anders sein als die anderen: die letzte. Am 29. März 1796 trennte diese Pause nicht länger zwei verschiedene Zeiten. Für Charette, vor dem Erschießungskommando, fielen diese beiden Zeiten zusammen: Das „Nunc“ war zur „hora mortis“ geworden. Indem er die Hand hob, um das Feuersignal zu geben, empfahl der General aus der Vendée so zum letzten Mal seine Seele Gott an.

 

 

 

Aus dem Italienischen von „L’ultima Ave Maria di Monsieur de Charette

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
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Original auf Italienisch:

https://www.corrispondenzaromana.it/lultima-ave-maria-di-monsieur-de-charette/

Sonntag, 16. August 2026

Der von den Sowjets verfolgte Kardinal:

Die Eucharistie hat mich gerettet“

Nico Spuntoni
10. Februar 2020

Msgr. Tamkevicius mit Abg, Antanas Raças

Inhaftiert, zur Zwangsarbeit gezwungen, nach Sibirien deportiert. Der Litauer Sigitas Tamkevičius, ehemaliger Gefangener und heutiger Kardinal, erzählt La Nuova Bq vom antikatholischen Schrecken des sowjetischen kommunistischen Regimes. Gleichzeitig bezeugt er aber auch die wundersame Hoffnung, die allein aus dem Glauben an Christus erwächst: „Zuerst schien es mir ein zu schweres Kreuz, aber heute verstehe ich, dass diese Prüfung ein großes Geschenk Gottes war.“ „Wie konnte ich widerstehen? Die Eucharistie war meine einzige Kraft.“

Wenn Kardinal Sigitas Tamkevičius von seinen Erlebnissen spricht, von den Jahren in den Arbeitslagern von Perm und Mordwinien und dann im sibirischen Exil, hat er noch immer Tränen in den Augen und einen traurigen Blick.

Der emeritierte Erzbischof von Kaunas, der beim letzten Konsistorium ins Priesterseminar eintrat, kennt wie kein anderer die Bedeutung der roten Biretta, die er von Papst Franziskus erhielt: „Seid bereit, mit Standhaftigkeit zu handeln, selbst bis zum Blutvergießen, für das Wachstum des christlichen Glaubens, für den Frieden und die Ruhe des Volkes Gottes und für die Freiheit und Ausbreitung der Heiligen Römischen Kirche“, so die liturgische Formel zu diesem Anlass.

1983 wurde der litauische Geistliche wegen antisowjetischer Propaganda und Agitation zu zehn Jahren Haft und Verbannung verurteilt, weil er seine „Chronik der Katholischen Kirche Litauens“, eine Zeitschrift, in der er die katholischen Verfolgungen des Regimes anprangerte, an westliche Korrespondenten in Moskau geschickt hatte. Vor seiner Verurteilung verbrachte der Jesuit acht Monate im KGB-Hauptquartier in Vilnius, wo er 80 Verhören unterzogen wurde, um ihn zum Verrat an den anderen Redakteuren der Zeitung zu bewegen. Er gab nicht nach und wurde daraufhin zu Zwangsarbeit verurteilt.

Erst 1988, mit Beginn der Perestroika, wurde er nach Sibirien deportiert und freigelassen. Papst Franziskus besuchte 2018 die Zelle in der litauischen Hauptstadt, in der er festgehalten worden war. Der Papst, beeindruckt von dem, was er dort sah und hörte, erinnerte sich an den emeritierten Erzbischof von Kaunas, der ihn stillschweigend an jene Orte des Schmerzes begleitet hatte, und ernannte ihn im vergangenen Oktober zum Kardinal (nicht zum wahlberechtigten Kardinal).

Die Zeitung „La Nuova BQ“ interviewte ihn, als der neue Kardinal in Rom war, um den Titel der Heiligen Angela Merici zu übernehmen. Die Feierlichkeiten wurden von den Gläubigen aus Kaunas und der litauischen Gemeinde in der italienischen Hauptstadt begangen. Die Geschichte dieses ehemaligen Gefangenen, der zum Kardinal wurde, ist eine Geschichte von Leid und Erlösung. Sie erinnert uns an die antikatholische Härte des kommunistischen Regimes und lässt uns zugleich verstehen, wie unberechenbar Gottes Handeln ist.

Eure Eminenz, wer könnte besser als Sie bezeugen, wie das Rot, das Sie tragen, das Martyrium symbolisiert?

In den Tagen, als mich das sowjetische Regime zu zehn Jahren Gefängnis verurteilte, fühlte ich mich, als trüge ich ein Kreuz, das viel zu schwer für meine Schultern war. Wenn ich jetzt zurückblicke, verstehe ich, dass diese Prüfung ein großes Geschenk für mich war. Ein Geschenk, das Gott mir persönlich, aber auch den Gläubigen, denen ich in jenen Jahren diente, zukommen lassen wollte (zum Zeitpunkt seiner Verhaftung war Tamkevičius Pfarrer in Kybartai, Anm. d. Red.).

Ihr Widerstand gegen das kommunistische Regime basierte auf einer Zeitschrift, der „Chronik der Katholischen Kirche Litauens“. Welche Botschaft möchten Sie all jenen mitgeben, die sich auch heute noch durch Journalismus und Information gegen das Klima religiöser Intoleranz einsetzen, dass nicht nur in den jüngsten Diktaturen, sondern auch in manchen demokratischen Ländern herrscht?

 

Als „Chronik“ erschien, war es unser einziges Ziel, hochpräzise Nachrichten zu liefern, ohne etwas zu erfinden, was das Regime bereits gegen den katholischen Glauben in unserem Land unternahm. Heute möchte ich die katholische Presse eindringlich bitten, es uns gleichzutun: Streben Sie nach größtmöglicher Objektivität in der Berichterstattung, denn nur die Wahrheit befreit. Und die Wahrheit muss von christlicher Liebe und Barmherzigkeit begleitet sein. Veröffentlichen wir eine hasserfüllte Wahrheit in einer Zeitung, könnte der Leser sie falsch verstehen.

Welche Bedeutung hatte die Eucharistie während Ihrer Haft?

Als ich im sowjetischen Konzentrationslager war, habe ich oft heimlich die Messe gefeiert. Die Eucharistie war für mich die einzige Kraft, die mir trotz aller Schwierigkeiten Halt gab.

Kann man sagen, dass Ihr Kardinalstitel der Kardinaltitel aller verfolgten Katholiken weltweit ist, auch derer, die heute noch verfolgt werden?

Sie haben Recht. Ich glaube, mir wurde der Kardinalstitel nicht nur in Anerkennung des Leids der Vergangenheit verliehen, sondern auch als Zeugnis für die Gläubigen, die heute noch leiden, als Zeichen der Zuversicht und Hoffnung.


 

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https://lanuovabq.it/it/il-cardinale-perseguitato-dai-sovietici-mi-salvo-leucaristia

INTERVIEW AKTUELLE EREIGNISSE 10.02.2020

 

 

Hostien nach verheerendem Erdbeben auf wundersame Weise erhalten

 ACIPRENSA 22. Februar 2018, 13:12 Uhr

Eucharistisches Wunder? 40 unversehrte Hostien in einer durch ein Erdbeben zerstörten Kirche gefunden

VON WALTER SÁNCHEZ SILVA | ACI Prensa


Das Bistum Ascoli Piceno (Italien) berichtete, dass – fast anderthalb Jahre nach dem Erdbeben vom August 2016, das die Zentralregion des Landes erschütterte – inmitten der Trümmer einer der betroffenen Kirchen ein Tabernakel mit unversehrten Hostien gefunden wurde.

Laut der Zeitung „Avvenire“ war im Inneren des Tabernakels „das Ziborium umgekippt, aber nicht geöffnet. Und trotz all der vergangenen Monate waren die Hostien intakt, ohne jede Veränderung.“

Die gefundenen Hostien. Foto: Avvenire

Der Tabernakel der Kirche Santa Maria Assunta in der Ortschaft Arquata bewahrte insgesamt 40 Hostien auf.

Der Bischof von Ascoli Piceno, Msgr. Giovanni D’Ercole, schilderte den Fund gegenüber *Avvenire*: „Man konnte noch den Duft wahrnehmen. Es ist zutiefst bewegend. Es ist ein Zeichen der Hoffnung für alle. Es sagt uns, dass Jesus das Erdbeben wie alle anderen mitgelitten hat, aber lebend aus den Trümmern hervorgegangen ist.“

Unter Tränen berichtete Pfarrer Angelo Ciancotti von der Kathedrale in Ascoli Piceno, dass der Zugang zum Tabernakel nicht einfach gewesen sei: „Das Problem war das Öffnen, aber meine Leidenschaft für Tabernakelschlüssel hat mir geholfen.“

Der Tabernakel mit dem Ziborium und den Hostien.

Der Priester öffnete den Tabernakel mit einem Schlüssel aus seiner Sammlung und stellte fest: „Im Inneren lag das Ziborium auf der Seite, war aber verschlossen. Und darin befand sich der Leib Christi, der mehr als anderthalb Jahre lang unversehrt geblieben war – ohne Veränderungen in Farbe, Form oder Geruch.“ Pfarrer Ciancotti erklärte gegenüber *Avvenire*, dass die Hostien „keinerlei Anzeichen von Verfall“ aufwiesen, wie er sonst typischerweise nach wenigen Wochen bei Hostien auftrete. „Obwohl sie über anderthalb Jahre alt waren, sahen sie aus, als wären sie erst am Vortag hergestellt worden.“ Seiner Ansicht nach ist „diese wunderbare und unerklärliche Entdeckung“ „ein Wunder, vor allem aber eine Botschaft an alle: ein Zeichen, das uns an die zentrale Bedeutung der Eucharistie erinnert.“

Durch diese unversehrten Hostien, so sein Fazit, „sagt uns Jesus: ‚Ich bin in eurer Mitte. Vertraut auf mich.‘“

Foto Pixabay 2018

NCR-BLOGS | 22. Februar 2018

Edward Pentin

Hostien nach verheerendem Erdbeben auf wundersame Weise erhalten

Ein italienischer Priester, der an der Entdeckung beteiligt war, sieht darin eine Parallele zum Eucharistischen Wunder von Siena aus dem Jahr 1730.

Vierzig „auf wundersame Weise“ erhaltene, konsekrierte Hostien wurden in einer Kirche entdeckt, die 2016 bei einem schweren Erdbeben in Mittelitalien zerstört worden war.

Die Hostien – geborgen aus einem Tabernakel, der kürzlich aus den Trümmern der Pfarrkirche von Arquata del Tronto geholt wurde – wiesen weder Bakterien noch Schimmel auf; beides tritt bei Hostien normalerweise schon nach wenigen Wochen auf, wie die italienische Bischofszeitung *Avvenire* berichtete.

Der Tabernakel, der seit dem Erdbeben zusammen mit anderen Gegenständen eingelagert und erst kürzlich an die Diözese zurückgegeben worden war, enthielt ein umgedrehtes, aber ungeöffnetes Ziborium.

Im Inneren des Ziboriums befanden sich 40 Hostien, deren Farbe, Form und Geruch unverändert waren. Obwohl das Beben bereits fast anderthalb Jahre zurücklag, „wirkten die Hostien, als wären sie erst gestern hergestellt worden“, berichtete *Avvenire* am 21. Februar.

Der zuständige Bischof, Msgr. Giovanni D'Ercole aus Ascoli Piceno, äußerte sich zurückhaltend – „der Glaube erfordert Besonnenheit“ –, fügte jedoch hinzu, dass eine solche Entdeckung „keiner Worte“ bedürfe.

„Es ist ein Zeichen der Hoffnung für alle“, ergänzte er. „Angesichts einer solchen Tatsache muss man gewiss schweigen. Sie berührt und stärkt einfach den Glauben an Jesus, der lebendig bleibt, um die vom Erdbeben betroffene Bevölkerung von Arquata zu trösten.“

Das Erdbeben der Stärke 6,6, das die Region am 30. Oktober erschütterte, richtete in Arquata del Tronto und der Umgebung enorme Schäden an. Die Basilika in Nurcia – Geburtsort des heiligen Benedikt und Heimat der berühmten Benediktinermönche von Nurcia – wurde fast vollständig zerstört. Das Beben folgte auf ein ähnlich starkes Beben in derselben Region am 24. August desselben Jahres, bei dem fast 300 Menschen ums Leben gekommen waren.

Don Angelo Ciancotti, ein Priester aus dem nahegelegenen Ascoli, der an der Entdeckung beteiligt war, bezeichnete das Auffinden der Hostien als „große Freude“ und als „Botschaft für die gesamte Gemeinschaft“. „Ja, für mich ist es ein Wunder“, sagte er der italienischen Tageszeitung *Il Resto del Carlino*. „Natürlich können Menschen ohne Glauben an nichts glauben, aber es gab hier keinerlei Manipulation. Der Herr hat das ganz allein vollbracht.“ Don Ciancotti, der familiär eng mit Arquata verbunden ist, kannte alle Vermissten in den Trümmern sowie sämtliche Straßen der Region. Gemeinsam mit einigen Bewohnern versuchte er daher, alle noch zu rettenden Gegenstände zu bergen.

Er recherchierte, wo Objekte – darunter auch solche aus der Kirche Santa Maria Assunta in Arquata – sichergestellt worden waren. Später erfuhr er, dass die Kirchenschätze in einem Lagerhaus aufbewahrt wurden; er holte sie dort ab, reinigte sie und brachte sie in der Sakristei der Kathedrale von Ascoli unter.

Als er sah, dass das Tabernakel verschlossen war, erinnerte er sich daran, dass er noch einen weiteren Schlüssel in einer Schublade seines Büros hatte. „Ich sagte: ‚Versuchen wir es mal‘, und es ließ sich gleich beim ersten Versuch öffnen“, erzählte er. Doch die größte Überraschung stand noch bevor: „Das Ziborium lag waagerecht, hatte sich aber nicht geöffnet, und die darin befindlichen Hostien waren vollkommen unversehrt“, berichtete er.

Die Hostien, so erklärte er, seien von Nonnen des Klosters Sant'Onofrio hergestellt worden. „Ich fragte sie sofort, ob sie Konservierungsstoffe verwendet hätten, und sie antworteten: ‚Nein, nur Mehl und Wasser.‘“

Don Ciancotti war selbst zunächst skeptisch. „Ich bin ein Cousin des [zweifelnden] Heiligen Thomas“, scherzte er, „und deshalb habe ich noch andere als Zeugen hinzugezogen.“

Seiner Ansicht nach erinnert der Fund an das Eucharistische Wunder von Siena aus dem Jahr 1730: Damals war ein Ziborium mit konsekrierten Hostien gestohlen worden, doch die exakte Anzahl der Hostien tauchte auf wundersame Weise im Opferstock eines Betstuhls wieder auf.

Die nicht verzehrten Hostien waren nicht verdorben, sondern blieben frisch und behielten sogar einen angenehmen Duft bei.

 

 

 

Aus dem spanischem und englischen von „¿Milagro eucarístico? Hallan 40 hostias intactas“ // Hosts ‘Miraculously’ Preserved 16 Months After…

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Eucharistisches Wunder? 40 unversehrte Hostien…“ ist erstmals erschienen in www.r-cr.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

Mittwoch, 12. August 2026

Der hl. Ignatius de Azevedo und seine Gefährten

Die brasilianischen Märtyrer aus dem Jesuitenorden


Inácio de Azevedo (eingedeutscht Ignatius von Azevedo, geb. um1527 in Porto, gest. am 15. Juli 1570 bei La Palma) war ein portugiesischer Missionar aus dem Jesuitenorden. Er und seine 39 Gefährten wurden während der Überfahrt nach Brasilien bei de Kanarischen Inseln von hugenottischen Freibeutern getötet wie sie Jesuiten waren. Papst Pius IX. sprach sie daher 1854 als vierzig Märtyrer von Brasilien (Quarenta mártires do Brasil) selig.

Einige geschichtliche Anmerkungen:

Ignatius von Azevedo wurde um 1527 in Porto im Norden Portugals geboren. Sein Vater war der Adelige Manuel de Azevedo, sei jüngerer Bruder Jerónimo de Azevedo wurde später Vizekönig von Indien.

Mit der Entdeckung der neuen Welt durch Christoph Kolumbus 1482 im Auftrag der Spanischen Krone erfolgte zwischen den damaligen Weltmächten der Meere Spanien und Portugal ein Wettrennen um Kolonialgebiete.

Mit den Eroberern kamen Missionare in die neu entdeckten Länder, vor allem Dominikaner, Franziskaner, Kapuziner und Jesuiten. Die bauten ein gut organisiertes Netz an Missionsstationen auf vor allem mit Schulen und „Internaten“.

Der neu entdeckte Reichtum Südamerikas weckte natürlich den Neid und die Habsucht anderer Nationalstaaten. Die in diese Zeit fallende Glaubensspaltung verschärfte den Konflikt, so dass die Auseinandersetzung zwischen den Staaten nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen, sondern eben auch aus religiösen geführt wurde.

Leben und Martyrium des Ignatius von Azevedo

Ignatius von Azevedo trat am 28. November 1548 dem Jesuitenorden bei. Nach Studienabschluss und Priesterweihe gründete er das St. Antonius-Kolleg in Lissabon und das St. Pauls-Kolleg in Braga. Dor wurde er im gleichen Jahr Rektor und 1558 bereit Vizeprovinzial von Portugal.

1566 wurde er vom Generaloberen Francisco de Borja als Visitator nach Brasilien gesandt. Ein Jahr später gründete er ein Kolleg in Rio de Janeiro. Anschließend reiste de Azevedo zwei Jahre durch die portugiesische Kolonie und besuchte zahlreiche Jesuitenschulen und Missionen, bevor er zur Berichterstattung 1569 nach Europa zurückkehrte. Dort angekommen, wurde er zum Provinzial von Brasilien ernannt und erhielt die Aufgabe, weitere Missionare anzuwerben. Ignatius de Azevedo überzeugte etwa siebzig Jesuiten, die meisten noch Novizen oder Studenten im Alter zwischen 15 und 22 Jahren, ihn nach Brasilien zu begleiten.

Am 5. Juni 1570 brach die aus mehreren Schiffen bestehende Flotte zur Atlantiküberquerung auf. Eine Woche später erreichte man die Insel Madeira, den ersten Zwischenstopp. Dort erfuhr man, dass der französischen hugenottische Freibeuter Jacques de Sores die Gewässer in der Nähe unsicher machte, was dazu führte, dass die Flottille im Hafen blieb und vier der Jesuiten von Bord gingen.

Azevedo und der Kapitän seines Schiffes Santiago beschlossen jedoch, trotz der Gefahr die Weiterfahrt zur Kanareninsel La Palma, dem nächsten Zwischenstopp zu wagen, wo verschiedene Güter abgeliefert und Vorräte aufgenommen werden sollten. 40 Jesuiten blieben mit Azevedo auf dem Schiff.

Angeblich erreichte das Schiff noch Tazacorte an der Westküste La Palmas, wo die Jesuiten einen Gottesdienst abhielten. Anschließend wollten sie nach Santa Cruz de la Palma an der Ostküste weitersegeln, wurden jedoch am Südkap bei Fuencaliente von fünf Piratenschiffe eingeholt und von den Freibeutern überwältigt. Die Hugenotten töteten aus Hass gegen die Katholiken mehrere Jesuiten, darunter Ignatius von Azevedo, auf grausame Weise, die restlichen wurden erst schwer verwundet und dann über Bord geworfen, sodass sie ertranken.

Nur der vierzehnjährige Novize Johann Sánchez wurde, obwohl er standhaft blieb, verschont, weil er von den Piraten als Koch gebraucht wurde. Im Sterben ersetzte ihn aber der junge Neffe des Kapitäns der St. Jakob, Juan de San Juan. Er war zwar schon als Kandidat des Ordens zugelassen, musste jedoch noch Zivilkleidung tragen. Mutig mischte er sich unter die Jesuiten. Weil er aber Zivilkleider trug, wurde er verschont. Daher griff er zu einer List: er nahm einem getöteten Mitbruder die Soutane ab und zog sie an. Damit war dein Todesurteil gesprochen.

Woche später steuerten die Freibeuter ihren Heimathafen La Rochelle an. Dort konnte der vierzehnjährige Novize Johann Sánchez fliehen. Er gelangte nach Portugal und überbrachte fast ein Jahr später sichere Nachricht über das Martyrium der Jesuiten.

Eine Besonderheit soll erwähnt werden: zur Zeit des Überfalls sah die hl. Teresa von Ávila in einer Vision, wie sich vierzig Märtyrerseelen triumphierend zu Himmel emporschwangen. Sofort meldete sie der Umgebung die Umstände des Martyriums. Unter den Blutzeugen war auch Franz Perez Godoy, ei naher Verwandter von ihr.

Am 11. Mai 1854 wurden Ignatius von Atevedo un seine Gefährten von Papst Pius IX. als Märtyrer selig gesprochen und zu Patronen Brasiliens erklärt. Ihr Gedenktag ist der 15. Juli.

Südlich von Fuencaliente de la Palma wurden am Punta Malpique in den 1970er Jahren unter Wasser 40 Steinkreuze aufgestellt, die an Ignatius von Azevedo und seine ermordeten Gefährten erinnern sollen. Der Ort ist inzwischen ein bekanntes Tauchgebiet.

 

Aus „Der Ruf des Königs“ der Kongregation der Diener Jesu und Mariens (SJM) Auhofstr 22, A-3372 Blindenmarkt

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„Unser Beruf verlangt Männer, die der Welt gekreuzigt sind, denen die Welt gekreuzigt ist. Neue Menschen, die sich von eigenen Neigungen entblößen, um Christus anzuziehen, die sich selbst starben, um der Gerechtigkeit zu leben. Männer, die nach Pauli Wort als Gottes Diener sich erweisen in Mühen, Wachen und Fasten, durch Reinheit und Wissen, durch Langmut und Güte, durch den Heiligen Geist und wahre Liebe und durch die Sprache der Wahrheit. Wir sollen mit den Waffen der Gerechtigkeit zu Schutz und Trutz, bei Ehre und bei Schmach, bei Schmähungen und bei Lob, in Glück und Unglück, behütet durch die Mauer der Armut und der ehelosen Keuschheit, angeleitet durch den heiligen Gehorsam in Eilmärschen zum himmlischen Vaterland wandern, mit allen erdenklichen Mitteln und Mühen, Andere mitreißen, die größere Ehre Gottes immer suchen (Petro di Ribadeneira SJ)

Mittwoch, 5. August 2026

Leo XIV.: Frieden in der Welt und Einheit in der Kirche


Roberto de Mattei
1. Mai 2025

           Zwei Worte tauchen seit Beginn des Pontifikats von Papst Leo XIV. immer wieder in seinen Reden auf: „Frieden“ und „Einheit“. Frieden ist das, worum der Papst angesichts einer internationalen Lage ruft, die er in dem Regina Coeli vom 12. Mai als „dramatisch“ bezeichnete. Einheit ist das, was die Kirche braucht, um einer zersplitterten Welt zu begegnen, wie er in seiner Inthronisationsansprache am 18. Mai erklärte.

Die Welt ist in der Tat von geopolitischen Konflikten zerrissen, aber Papst Leo weiß genau, dass die Kirche nach dem Pontifikat von Papst Franziskus auch in sich selbst tief gespalten ist, und er wünscht sich stattdessen „eine geeinte Kirche, die zum Sauerteig für eine versöhnte Welt wird“.

„Friede sei mit euch allen!“, rief Leo XIV. aus, als er am Abend seiner Wahl von der Loggia des Segens aus vor die Welt trat. Doch der Papst betonte nachdrücklich, dass es sich um den „Frieden des auferstandenen Christus“ handele, „einen entwaffneten, demütigen und beständigen Frieden“, der von Gott komme. Aus diesem Grund erinnerte der Pontifex in seiner Ansprache am 14. Mai zum Jubiläum der Ostkirchen daran, dass der Friede, von dem er spreche, der Friede Christi sei, den er seinen Jüngern verkündet habe: „Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch“ (Joh 14,27). „Der Friede Christi“, erklärte Papst Leo, „ist nicht das todesähnliche Schweigen nach einem Konflikt, er ist nicht die Folge von Unterdrückung, sondern ein Geschenk, das die Menschen ansieht und ihr Leben neu belebt.“ „Wer könnte besser als Sie“, fügte der Papst hinzu, „inmitten des Abgrunds der Gewalt Worte der Hoffnung singen? Es ist wahr: Vom Heiligen Land bis zur Ukraine, vom Libanon bis nach Syrien, vom Nahen Osten bis nach Tigray und in den Kaukasus – wie viele Gewalt! Und über all diesem Grauen, über den Massakern an so vielen jungen Menschenleben, die Empörung hervorrufen sollten, weil im Namen militärischer Eroberung Menschen sterben, erhebt sich ein Appell: nicht der des Papstes, sondern Christi, der wiederholt: Friede sei mit euch!“

Ebenso beschwört der Papst nicht die Einheit, die die Welt schenkt, sondern die Einheit Christi, wie er am 18. Mai in der Messe zur Eröffnung seines Pontifikats bekräftigte: „Wir möchten der Welt in Demut und Freude sagen: Schaut auf Christus! Kommt ihm nahe! Nehmt sein Wort an, das erleuchtet und tröstet! Hört auf sein Angebot der Liebe, seine eine Familie zu werden: In dem einen Christus sind wir eins.“

Das Motto von Papst Leo XIV., „In dem einen Christus sind wir eins“, steht in direktem Zusammenhang mit jenem Gebet Jesu im Johannesevangelium, das der heilige Pius X. in seinem Apostolischen Schreiben Quoties Animum vom 2. Februar 1911 mit folgenden Worten kommentierte: „Jedes Mal, wenn wir an die Gebete Christi an den Ewigen Vater denken, die im 17. Kapitel des Johannesevangeliums überliefert sind, sind wir tief bewegt und verspüren den brennenden Wunsch, dass die vielen Gläubigen jenen Grad an Nächstenliebe erreichen, der sie alle ‚eines Herzens und einer Seele‘ macht (Apg 4,32). Wie sehr sich der göttliche Meister diese brüderliche Einheit wünschte, zeigen die Gebete, die er für die Apostel sprach: „Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien wie wir“ (Joh 17,11).“

„Diese Worte“, fährt der heilige Pius X. fort, „beziehen sich nicht nur auf das Kollegium der Apostel, sondern auf die Einheit, von der sie sprechen, muss die aller Diener Christi sein, wie die folgenden Worte deutlich zeigen: „Ich bitte aber nicht nur für diese, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien, wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast“ (Joh 17,20–21). Wie eng diese Einheit sein muss, bezeugen diese eindringlichen Worte: „Ich bin in ihnen und du in mir, auf dass sie vollkommen seien in Einheit“ (Joh 17,23).

Die Kirche ist eine universale Gemeinschaft, die dazu berufen ist, alle Völker der Erde in einer einzigen Familie zu vereinen. Ihre Einheit gründet sich auf denselben Glauben, dieselbe Hoffnung und dieselbe Liebe, wie sie die Apostel im „Cor unum et anima una“ der ersten Jahrhunderte einte.

Im Jahr 2025 jähren sich zwei wichtige Ereignisse in der Geschichte der Kirche. Das erste ist die Verkündung der Enzyklika Quas primas am 11. Dezember 1925. In diesem Dokument bekräftigte Pius XI. in Anlehnung an Leo XIII., dass die gesamte Menschheit unter der Macht Jesu Christi steht und dass „die Menschen, vereint in der Gesellschaft, nicht weniger unter der Macht Christi stehen als einzelne Individuen“. Dann fügte er hinzu: „Oh, welch ein Glück könnten wir genießen, wenn sich Einzelne, Familien und die Gesellschaft von Christus leiten ließen! Dann, um mit den Worten unseres Vorgängers Leo XIII. zu sprechen, der vor 25 Jahren an alle Bischöfe der katholischen Welt gerichtet war (Enzyklika Annum Sanctum, 25. Mai 1899), könnten so viele Wunden heilen, alle Rechte würden ihre alte Stärke zurückerlangen, der Frieden würde zurückkehren, Schwerter würden aus den Händen fallen, wenn alle bereitwillig das Reich Christi annähmen, ihm gehorchten und jede Zunge verkündete, dass unser Herr Jesus Christus zur Ehre Gottes des Vaters sei.“

„Christus regiert!“, schloss der Papst. „Es ist notwendig, dass er im Herzen des Menschen regiert, der sich in vollkommener Unterwerfung den geoffenbarten Wahrheiten und der Lehre Christi fest und beständig unterwerfen muss; dass er im Willen regiert, der den göttlichen Gesetzen und Geboten gehorchen muss; dass er im Herzen regiere, das, die natürlichen Neigungen weniger wertschätzend, Gott über alles lieben und allein mit ihm vereint bleiben soll; dass er im Leib und in den Gliedern regiere, die als Werkzeuge oder, in den Worten des Apostels Paulus, als „Waffen der Gerechtigkeit“ (Röm 6,13), Gott dargebracht, der inneren Heiligkeit der Seelen dienen sollen.“

Der zweite Jahrestag, dessen wir in diesem Jahr gedenken, ist der 1700. Jahrestag des Konzils von Nicäa, das im Jahr 325 die Göttlichkeit Christi gegen die arianische Häresie dogmatisch definierte. Die Stimme des heiligen Athanasius, des unerschrockenen Kämpfers gegen ketzerische Bischöfe und Priester, hallt vom vierten Jahrhundert bis in unsere Tage wider: „Die Ordnung und die Gesetze der Kirche stammen nicht erst von heute. Sie wurden uns von den Kirchenvätern vollkommen und gewiss überliefert. Der Glaube hat nicht erst heute begonnen, sondern kam vom Herrn durch seine Jünger zu uns. Darum lasst uns in unserer Zeit jene Tradition, die von Anbeginn an in den Kirchen bewahrt wurde, nicht aufgeben; noch sind wir untreu dem, was uns anvertraut wurde! Brüder, ihr als Verwalter der Geheimnisse Gottes, lasst euch erschüttern, da uns alles genommen wird!“ (P.G., Bd. 27, Sp. 239–240).

Wenn Papst Leo XIV. die innere Einheit der Kirche wiederherstellen will, bleibt ihm nichts anderes übrig, als das Schreiben „Amoris Laetitia“ vom 19. März 2016, das Dokument von Abu Dhabi über die menschliche Brüderlichkeit vom 4. Februar 2019, den Brief „Traditionis custodes“ vom 16. Juli 2021 und die Erklärung „Fiducia supplicans“ vom 18. Dezember 2023, die so viele Spaltungen unter den Katholiken hervorgerufen haben, aufzuheben, zu korrigieren oder zu ignorieren. Diese Dokumente werden nun alle damit verbundenen Verfolgungen erleiden: ein sicherlich moralisches, wenn nicht gar blutiges Martyrium. Aber hat er nicht selbst das Beispiel des heiligen Ignatius von Antiochia angeführt? „Als er in Ketten in diese Stadt, den Ort seines bevorstehenden Opfers, geführt wurde, schrieb er an die dortigen Christen: ‚Dann werde ich wahrhaftig ein Jünger Jesu Christi sein, wenn die Welt meinen Leib nicht mehr sieht‘“ (Römerbrief, IV, 1). Er bezog sich darauf, im Zirkus von wilden Tieren gefressen worden zu sein – und so geschah es auch –, doch seine Worte erinnern im allgemeineren Sinne an eine unerlässliche Verpflichtung für jeden in der Kirche, der ein Amt mit Autorität ausübt: zu verschwinden, damit Christus bleiben kann, sich selbst klein zu machen, damit er erkannt und verherrlicht wird (vgl. Joh 3,30), sich ganz hinzugeben, damit niemand die Möglichkeit versäumt, ihn zu erkennen und zu lieben. Möge Gott mir diese Gnade heute und immerdar gewähren, durch die zärtliche Fürsprache Mariens, der Mutter der Kirche.“

Auch wir beten darum: Möge der Heilige Vater Leo XIV. diese Gnade empfangen und mit der Hilfe der Muttergottes heldenhaft darauf antworten.

 

 

 

Aus dem Italienischen in
https://www.corrispondenzaromana.it/leone-xiv-pace-nel-mondo-e-unita-nella-chiesa/

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in https://www.r-cr.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

FONTE IMMAGINE: La Santa Sede - Vaticano (https://www.vatican.va/)

 

 

Montag, 3. August 2026

Das Beispiel der Heiligen Lidwina:

 Wie das Leiden der Lebenden den armen Seelen im Fegefeuer zugute kommen kann

von Edwin Benson,
12. Februar 2026

Dieser Artikel ist der dritte Teil einer Serie über das Fegefeuer, ein Thema, das heute kaum noch behandelt wird. Die Kenntnis des Fegefeuers ist unerlässlich, wenn Seelen den Schmerzen dieses Ortes der Sühne entgehen wollen.

* * *


Schon zu ihren Lebzeiten wurden der Heiligen Lidwina von Schiedam (1380-1433) zahlreiche Heilungen in der Region Holland, in der sie lebte, zugeschrieben. Es schien, dass die einzige Person, die sie nicht heilen konnte, sie selbst war. Im Alter von fünfzehn Jahren stürzte sie beim Eislaufen und brach sich eine Rippe. Diese Verletzung heilte nicht nur nie richtig, sondern sie verlor nach und nach die Funktionsfähigkeit eines Großteils ihres Körpers. Als sie älter wurde, wurden ihre Schmerzen stärker und die Lähmung breitete sich schließlich auf jeden Teil ihres Körpers aus.

Heute kommen einige Medizinhistoriker zu dem Schluss, dass Lidwina den ersten bekannten Fall von Multipler Sklerose erlitten hat.

Die Heilige und der Sünder

Lidwinas Leiden machten sie nur noch heiliger. Als ihre körperliche Kraft nachließ, gewannen ihre Gebete an Intensität und Kraft. Sie begann Visionen zu haben, die sie an Orte führten, die sie noch nie persönlich besucht hatte. Nach dem Ende der Vision waren ihre Erinnerungen so präzise, dass sie sie genau und detailliert beschreiben konnte. Als sich die Geschichten über diese Ereignisse verbreiteten, empfing sie viele Besucher, die um ihre Gebete baten.

Kurz nach ihrem Tod schrieb Bruder John Brugman eine Biografie über Lidwina, deren Grab bereits zu einem Pilgerziel wurde. In diesem Buch hielt er erstmals die unten beschriebene Vision fest.

Irgendwann lernte Lidwina einen reuelosen Sünder kennen. Die genaue Art seiner Sünden ist nicht bekannt. Pater Schouppe sagt lediglich, dass er „in die Korruption der Welt verstrickt“ war.1

Wie so oft brachte Lidwina ihre Gebete und einige ihrer Leiden für diesen jungen Mann zum zugute. Nach einiger Zeit erkannte er das Ausmaß seiner Sünden. Auf Lidwinas Drängen hin ging er zu einem Priester, legte ein aufrichtige Beichte ab und empfing die Absolution. Als er plötzlich starb, schien er auf dem besten Weg zu einem besseren Leben zu sein.

Leiden, um eine Seele zu befreien

Lidwina machte nicht den Fehler, den so viele moderne Menschen machen, und ging davon aus, dass die Beichte des Mannes ihn von allen Folgen seiner Sünden befreit hätte. Sie betete weiterhin für ihn.

Einige Zeit nach dem Tod des Mannes hatte Lidwina, geleitet von ihrem Schutzengel, eine Vision vom Fegefeuer. Sie fragte ihren Engel, ob der Mann im Fegefeuer sei. „Ja“, antwortete der Engel, „und er leidet sehr.“ Der Engel fragte sie dann: „Wärst du bereit, etwas Schmerz zu ertragen, um seinen zu lindern?“

Für moderne Ohren klingt eine solche Bitte extrem. Lidwinas Leiden waren bereits groß. Warum sollte der Engel sie bitten, noch mehr zu leiden? Die meisten Menschen würden vor einer solchen Bitte zurückschrecken. Die meisten Menschen würden fragen: „Wie viel Schmerz muss ich denn noch ertragen?“

Dies ist jedoch nicht die Reaktion von jemandem, der Gott und seiner Liebe für die Menschheit wirklich vertraut.

„Natürlich“, sagte Lidwina sofort, „ich bin bereit, alles zu ertragen, um ihm zu helfen.“

Ein Besuch im Fegefeuer

Der Engel brachte Lidwina dann in eine der schlimmsten Ecken des Fegefeuers. Die fromme Frau war entsetzt und fragte ihren Führer: „Ist das die Hölle?“ Der Engel antwortete: „Nein, aber dieser Teil des Fegefeuers grenzt an die Hölle.“

Lidwina sah sich um. Ihrer Meinung nach ähnelte die Gegend einem riesigen Gefängnis. Die Mauern bestanden aus massiven Steinen und waren unvorstellbar hoch. Es herrschte eine ungeheure Dunkelheit. Lidwina zitterte vor Entsetzen, aber ihre Sorge um den Mann war so groß, dass sie ihren Blick nicht abwandte.

Die Geräusche in der Kammer waren schlimmer als der Anblick. Im Lärm hörte Lidwina Klageschreie, gepaart mit qualvollem Stöhnen und Schreien äußerster Wut. Sie hörte das Klirren von Ketten, als ob Henker Foltergeräte einsetzten, um unaussprechliche Wunden zuzufügen. Sie war sich sicher, dass keine der Qualen der Erde die Intensität der Geräusche erzeugen konnte, die sie hörte.

Voller Schmerz und Verwirrung fragte Lidwina ihren engelhaften Führer: „Was ist das für ein schrecklicher Ort?“ Ihr Engel fragte, ob Lidwina es wollte, dass er ihn ihr zeigen sollte. Ausnahmsweise ließ Lidwinas Mut sie im Stich. „Nein, ich flehe dich an. Der Lärm, den ich höre, ist so schrecklich, dass ich ihn nicht länger ertragen kann. Wie kann ich den Anblick dieser Schrecken ertragen? “

Durch Mitleid überwinden

Als Lidwina weiterging, sah sie einen weiteren Engel traurig neben einem Brunnen sitzen. Der seltsame Anblick erweckte Lidwinas Mitleid. Sie wandte sich an ihren Führer. „Wer ist dieser Engel?“ „Es ist“, sagte Lidwinas Engelführer zu ihr, „der Schutzengel des Sünders, an dessen Los Du interessiert bist. Seine Seele ist in diesem Brunnen, wo sie ein besonderes Fegefeuer zu erleiden hat.“

Lidwinas Mitleid überwog ihr Entsetzen und sie drückte den Wunsch aus, den Gegenstand ihrer Gebete zu sehen. Der Engel entfernte den Deckel des Brunnens. Lidwina sah sofort eine Flammenwolke und hörte schreckliche und klagende Schreie.

„Erkennst Du diese Stimme?“ fragte der Engel. „Leider! Ja“, antwortete Lidwina. Der Engel fragte sie dann: „Möchtest du diese Seele sehen?“ Irgendwie, sei es durch Gesten oder Worte, ist nicht bekannt, antwortete Lidwina, dass sie es wolle.

Brennendes Bedauern

Der Engel rief den Mann. Lidwina erkannte sofort den Geist des Mannes. Er war in Flammen gehüllt, die so hell waren, dass sie wie weiß glühendes Metall aus einem Hochofen aussahen, doch sie konnte seine Gestalt erkennen und seine elende Stimme kaum hören. „Oh Lidwina, Dienerin Gottes“, sagte er, „wer gibt mir die Möglichkeit, das Angesicht des Allerhöchsten zu betrachten?“

Bei dem mitleiderregenden Anblick und der schmerzerfüllten Stimme des Mannes verspürte Lidwina einen Schock des Entsetzens. Als sie das Ende ihrer Ausdauer erreicht hatte, erwachte sie aus ihrer mystischen Ekstase.

Als sie aufwachte, waren noch andere im Raum. Sie konnten deutlich die Angst erkennen, die trotz ihrer Lähmung in Lidwinas Körper wütete.

„Wie schrecklich sind die Gefängnisse des Fegefeuers!“ rief Lidwina müde. „Um den Seelen zu helfen, habe ich zugestimmt, dorthin hinabzusteigen. Ohne diesen Grund würde ich, wenn mir die ganze Welt geschenkt würde, nicht den Schrecken ertragen, den dieses schreckliche Schauspiel auslöste.“

Der lange Weg zum Himmel

Lidwina verdoppelte ihre Bemühungen für die Seele des Mannes. Einige Tage später sah sie seinen Schutzengel wieder. In seinem Gesicht spiegelte sich eine Freude wider, die ihr bei ihrer Begegnung am Brunnen fehlte. Der Engel sagte ihr, dass der Mann aus dem Brunnen befreit worden sei und die gewöhnlicheren Bereiche des Fegefeuers betreten habe.

Die Nachricht machte Lidwina Mut, aber sie war immer noch unzufrieden. Sie war zweifellos froh, dass die schweren Qualen, die er ertragen musste, vorbei waren. Allerdings wusste sie nur zu gut, dass selbst das „normale“ Fegefeuer ein Ort großen Leids ist. Sie betete weiter und opferte ihre Leiden für den Mann auf. Einige Zeit später, die Zeitspanne ist nicht bekannt, sah sie, wie sich die Tore des Himmels öffneten, um ihn einzulassen.

Aus dieser Erzählung ergeben sich mindestens zwei Lehren. Die erste ist der immense Wert der Gebete der Lebenden für die armen Seelen.

Leiden vs. Egoismus

Die zweite betrifft die vorübergehenden Leiden der Menschen auf der Erde. Die moderne Welt betrachtet Leiden als nutzloses Unglück, das sofort gelindert werden sollte. Niemand könnte behaupten, dass die heilige Lidwina es verdient hätte, so zu leiden. Dennoch nahm sie ihre Schmerzen an und spendete sie für bestimmte arme Seelen, deren Leiden im Fegefeuer ihre auf Erden bei weitem übertrafen.

Vergleichen wir ihre Reaktion auf Schmerzen mit der eines überaus wohlhabenden Industriellen, der namenlos bleiben soll. Dieser zu seiner Zeit recht berühmte Mann war das führende Mitglied seiner Gemeinde, hatte die Welt bereist und lebte in einem prächtigen Herrenhaus, das von üppigen Gärten umgeben war. Als er ins hohe Alter kam, erkrankte er an einer zehrenden Krankheit, von der er und seine Ärzte wussten, dass sie ihn nach ein paar Jahren voller Schmerzen und Entkräftung töten würde. Da er ein so langes Ende nicht erleben wollte, beschloss er, Selbstmord zu begehen. Sein spirituelles Vakuum wird durch die kurze Notiz veranschaulicht, die er hinterlassen hat. „Meine Arbeit ist beendet. Warum warten?“

Es ist sehr schade, dass er nicht dem Beispiel der heiligen Lidwina gefolgt ist. Das Leiden wäre nicht nur seiner eigenen Seele zugutegekommen, sondern auch der vieler anderer. Einige, wie Lidwinas Begünstigter, hätten den Leiden des Fegefeuers entkommen können. Andere, noch auf der Erde, hätten sein Beispiel sehen und davon profitieren können.

Lasst uns die vorübergehenden Leiden der Erde wählen, damit wir und unsere Lieben die ewigen Freuden des Himmels erlangen können!

Fußnoten

1. Alle Zitate in diesem Artikel verwenden die Version von Pater F.


 

 

 

Aus dem Englischen “The Example of Saint Lidwina: How Suffering of the Living Can Benefit the Poor Souls in Purgatory

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Das Beispiel der Heiligen Lidwina: Wie das Leiden der Lebenden den armen Seelen im Fegefeuer zugutekommen kann“ hochqualifizierte Ingenieure nicht ersetzen kann“ ist erstmals erschienen in

https://www r-cr.blogspot.com

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