von John Horvat II.
Die „Reise der Gnade“ (Journey of
Grace) bringt die Reliquien der heiligen Bernadette in die Welt – ein
schlichter Akt der Frömmigkeit, der mehr zur Wiederbelebung des Glaubens
beitragen kann als tausend neuartige pastorale Ansätze.
* * *
Wenn ich besondere Gnaden benötige,
besuche ich Lourdes. Ich begebe mich zur gesegneten Grotte, in der die
Gottesmutter im Jahr 1858 der heiligen Bernadette Soubirous erschien. Jedes
Jahr versammeln sich dort Millionen von Pilgern – so wie ich –, um Gnade,
Beistand und Frieden zu suchen. Ich bin noch nie unzufrieden zurückgekehrt oder
habe mich „im Stich gelassen“ gefühlt.
Daher habe ich Lourdes stets als einen
Ort betrachtet, den ich aufsuche, um Gnade und Trost zu finden. Es war immer
eine Wallfahrt, für die ich die Mühe auf mich nahm, eine Reise in das ferne
Frankreich zu organisieren. Niemals hätte ich mir vorstellen können, dass
Lourdes eines Tages mich besuchen könnte.
Doch genau das geschah – völlig
unerwartet.
Ich erfuhr von einer besonderen „Reise
der Gnade“ – einer Rundreise eines Reliquienschreins, der verschiedene
Pfarreien und Orte im ganzen Land besuchen sollte. Zu meiner großen Freude
sollten die Reliquien der heiligen Bernadette, der Seherin von Lourdes, schon
bald in eine Pfarrei gelangen, die nur 15 Minuten von mir entfernt liegt. Da
konnte ich einfach nicht fernbleiben.
Die Kraft der Reliquien
Als sich die Nachricht in der Pfarrei
herumsprach, überraschte es mich nicht, dass ein stetiger Strom von Pilgern
herbeikam, um dieses große Wunder zu erleben. Ich habe eine ähnliche
Anziehungskraft bereits in Lourdes beobachtet. Ich zweifelte nicht daran, dass
die Reliquien der heiligen Bernadette die Menschen auf die gleiche Weise
anziehen würden.
Genau das gefällt mir an Reliquien:
Sie setzen sich über alle Regeln hinweg. Eigentlich sollen wir sie gar nicht
mögen – und doch ziehen sie Menschenmassen an. Sie passen nicht in die modernen
Narrative von „sozialer Gerechtigkeit“ und „Solidarität“ – Ansätze, die die
Gläubigen kaum ansprechen, sondern die Kirchen (und Seelen) eher leer
zurücklassen.
Reliquien sind von einer solchen
Schlichtheit, dass sie sich jedem Versuch widersetzen, sie kompliziert zu
machen. Sie ermöglichen es uns, eine Verbindung zu Heiligen aufzubauen –
Menschen, die wie wir Katholiken waren und durch ihr Leben zu heroischer Tugend
gelangten. Reliquien verbinden uns mit der Vergangenheit, indem sie einen
verstorbenen Heiligen physisch gegenwärtig machen; zugleich verknüpfen sie uns
mit der Zukunft, da diese sterblichen Überreste Teil der Auferstehung des
Leibes sein werden, wenn die Heiligen ihren Platz im Himmel einnehmen.
Reliquien schlagen eine Brücke zwischen Himmel und Erde und lenken unseren
Blick auf die Ewigkeit.
Alles ist möglich
Wer vor bedeutenden Reliquien betet,
weiß nie, was ihn erwartet. Plötzlich können große Gnaden die Seele trösten und
stärken. Es sind dies Momente, in denen es zu schlagartigen Bekehrungen oder
körperlichen Heilungen kommt – so wie jene, für die Lourdes berühmt ist. In
anderen Fällen erfahren Menschen Linderung bei kleineren Leiden. Wieder andere
finden schlichtweg inneren Frieden. Niemand geht mit leeren Händen fort.
Ich selbst hatte daher keine konkreten
Erwartungen, als ich um 10:00 Uhr in der Kirche eintraf, um an der geplanten
Nachtwache teilzunehmen. Bischof em. Ronald Gainer hatte bereits um 6:00 Uhr
eine Heilige Messe gefeiert, gefolgt von einer Rosenkranzprozession, die die
Kirche mit Pilgern füllte.
Das etwa 60 Kilogramm schwere
Reliquiar ist ein kunstvoll gestaltetes,
achteckiges Gebilde von rund einem Meter Höhe, das im gotischen Stil – inklusive kleiner Strebepfeiler – ausgeführt ist. Auf der Vorderseite findet sich eine eindrucksvolle Darstellung der Erscheinung in der Grotte, bei der die heilige Bernadette zu sehen ist. Laut der Begleitbroschüre zur Reliquienwallfahrt umfassen die Reliquien Knochenfragmente von zwei Rippen, Muskelgewebe sowie Haarsträhnen, die ihrem – auf wundersame Weise unversehrten – Leib im Kloster Nevers (Frankreich) entnommen wurden.
Beobachtungen zum Wirken der heiligen Bernadette in den
Seelen
Ihre Reliquien laden uns dazu ein,
unsere materialistische, gottlose Welt hinter uns zu lassen und in eine andere
einzutauchen. Getragen von kindlichem Vertrauen dürfen wir gewiss sein, dass
sie unsere Not versteht und unsere Gebete erhört.
Die Gläubigen zu beobachten, wie sie
an den Reliquien der heiligen Bernadette vorbeizogen, war ein Akt des Glaubens.
Ob reich oder arm, gesund oder krank, jung oder alt – sie alle brachten ihre
Leiden, Bitten und ihre Zuneigung vor die Heilige. In ihrer Gegenwart schienen
zerbrochene Lebensgeschichten ein wenig heiler. Selbst Menschen unserer
modernen Zeit, die es nicht gewohnt sind, sich an Heilige zu wenden, fanden
einen Weg, ihre Anliegen mitzuteilen: Sie legten ihre schriftlichen Bitten in
die bereitstehenden Körbe.
Wer kam, kam mit Hoffnung. Sie saßen
oder knieten in den Kirchenbänken, ließen die Atmosphäre auf sich wirken,
beteten, dachten nach oder ließen einfach diese Szene aus einer anderen Welt
auf sich wirken. Viele Pilger näherten sich dem Reliquiar mit einem Lächeln;
sie sahen darin etwas, das ihre Herzen erfreute.
Die Verehrung von Reliquien ist eine
zutiefst körperliche Erfahrung. Die Menschen wollten die ausgestellten Steine berühren, die aus der Grotte stammten. Sie
baten die Aufseher, ihre Rosenkränze,
Gebetsbildchen und andere Gegenstände
an das Reliquiar zu berühren. Sie machten Fotos von der Szene, um festzuhalten,
dass sie dort gewesen waren.
Was ich sah
Der Reliquienschrein war in der Mitte
der Kirche aufgestellt, direkt im Altarraum, wo er die Atmosphäre prägte. Die
heilige Bernadette zieht die Menschen an, da sie so nahbar ist. Man fühlt sich
ermutigt, um Dinge zu bitten – um alles, wirklich alles. Die unschuldige
Seherin ist eine leidenschaftliche Fürsprecherin.
Ich habe keine außergewöhnlichen
Gnaden erfahren, wie sie bei solchen Rundreisen manchmal vorkommen. Was ich
jedoch spürte, war etwas, das ich – wenn auch nur für einen kurzen Moment – immer
in Lourdes empfinde. Die Reliquien hatten dieselbe reinigende Wirkung auf mich.
Zudem fühlte ich mich
befreit von der Hektik des Alltags und den tausend Kleinigkeiten, die einen
sonst so leicht in Beschlag nehmen.
Eine vertraute Ruhe breitete sich aus.
Ich spürte dieselbe Verheißung von Hilfe. Tatsächlich kam Lourdes – durch die
Reliquien der heiligen Bernadette – zu mir.
Andere ermutigen
Die Reliquien werden im kommenden Jahr
an weiteren Orten im Land zu sehen sein. Den Zeitplan finden Sie hier. Ich kann
jeden nur dazu ermutigen, die Wunder, die dort so oft geschehen, selbst zu
erleben. Die Teilnehmer können einen vollkommenen Ablass erhalten.
Werden solche Veranstaltungen alle
Probleme innerhalb der Kirche auf einen Schlag lösen? Wahrscheinlich nicht. Was
es braucht, ist eine Umkehr des Herzens und ein Weg zur Tugend – für mehr als
eine Milliarde Seelen. Das erfordert große Anstrengung und steht im Widerspruch
zu unserer dekadenten Zeit.
Dennoch bieten diese „Gnadenreisen“
wunderbare Gelegenheiten für eine solche Herzenswandlung. Sie sind ein sanftes
Mittel, um den Boden für das Wirken der Gnade zu bereiten. Sie ziehen die
Menschen an und führen sie auf den richtigen Weg – hin zu den ewigen Dingen.
Schluss mit „progressiver Seelsorge“
und dem Gerede von „sozialer Gerechtigkeit“! Gebt den Gläubigen Reliquien,
Anbetungskapellen und Rosenkranzprozessionen. Überlasst den Rest der Gnade
Gottes. Die Menschen werden kommen. Sie kommen bereits.
![]() |
| Berühren des Reliquienschreins mit Rosenkränzen |
Autor: John Horvat II.
John Horvat
II. ist Vizepräsident der „American Society for the Defense of Tradition,
Family and Property“ (Amerikanische Gesellschaft zur Verteidigung von
Tradition, Familie und Eigentum) und Autor des Buches *Return to Order*.
Quelle: https://crisismagazine.com/opinion/when-lourdes-visited-me
12. Oktober 2026. Übersetzung für https://www.r-cr.blogspot.com
HINWEIS:
Vom 16. bis 18. November 2026 wird die Reliquie der hl. Bernadette in der Deutschordenskirche in Frankfurt am Main zur Verehrung anwesend sein.
Weitere Details wird es geben auf www.deutschordenskirche.de


