Eugenio Trujillo Villegas
In Mexico wird am 12. Dezember das Fest Unserer Lieben Frau von Guadalupe gefeiert – der Schutzpatronin Mexikos und von Nord-, Süd- und Mittelamerika. Es ist ein Anlass, das Thema Mexiko und das zivilisatorische Werk erneut zu betrachten, das gemeinsam von der Katholischen Kirche und Spanien vollbracht wurde und das Neu-Spanien – wie Mexiko zu jener Zeit genannt wurde – in die bedeutendste, am weitesten entwickelte und wohlhabendste aller Nationen der Welt verwandelte.
Die Eroberung Mexikos fand im
Jahr 1521 statt. Ein Heer, das aus 1.000 Spaniern und 99.000 Verbündeten indigenen
bestand, setzte einer fast 300-jährigen Tyrannei der Mexica ein Ende und ebnete
den Weg für eine neue Zivilisation, die unter der Führung von Hernán Cortés,
Königin Isabella von Kastilien sowie Hunderten von Missionaren und Geistlichen
Einzug hielt. Innerhalb weniger Jahre bekehrten sie die indigene Bevölkerung,
unterwiesen sie im katholischen Glauben und wandelten ihre Riten, Gewohnheiten
und Bräuche im Einklang mit der christlichen Zivilisation um.
Die Erscheinung der Jungfrau
im Jahr 1531
Nur zehn Jahre nach der Eroberung
– im Jahr 1531 – erschien Unsere Liebe Frau auf wundersame Weise dem Indianer Juan
Diego auf dem Hügel von Tepeyac. Sie teilte ihm mit, dass sie wünsche, dort zu
ihren Ehren eine Kirche zu errichten, da sie die Mutter Gottes und die
Beschützerin der indigenen Völker sei.
Da der neu eingetroffene Bischof
Juan de Zumárraga zögerte, Juan Diegos außergewöhnlicher Erzählung Glauben zu
schenken, bat dieser Unsere Liebe Frau um einen unwiderlegbaren Beweis, der den
Bischof davon überzeugen würde, seinen Worten Glauben zu schenken. Die Jungfrau
wies ihn daraufhin an, zum Hügel zu gehen, dort einige Blumen zu pflücken, die
er vorfinden würde, und sie dem Bischof zu überbringen. Da er nichts Geeignetes
zur Hand hatte, um sie zu transportieren, benutzte Juan Diego seine „Tilma“ –
eine Art Umhang, der zum Schutz vor der winterlichen Kälte getragen wurde – und
wickelte die Blumen in dieses grobe Gewebe ein, um sie zum Bischof zu bringen.
Der Bischof empfing ihn erneut –
fasziniert und zugleich interessiert an der Geschichte, die dieser bescheidene
Mann ihm berichtete. Ergriffen wiederholte Juan Diego, dass es die Jungfrau
Maria selbst gewesen sei, die ihm aufgetragen habe, ihm dieses so bedeutsame
Ereignis zu übermitteln. Und als Beweis für die Wahrhaftigkeit seiner Worte
breitete er seine Tilma aus, um die Blumen zu offenbaren – Blumen, die dort
unmöglich existieren konnten, denn das Land war dürr, und zu jener Jahreszeit
stand dort keine Blume in Blüte.
Das Bildnis der Muttergottes
prägte sich auf die „Tilma“ ein
Als er die Tilma vor dem Bischof
entfaltete, erschien darauf das Bildnis der Jungfrau; überzeugt von diesem
Wunder, beschloss der Bischof, den Ort der Erscheinungen gleich am nächsten Tag
aufzusuchen, begleitet von seinem bischöflichen Gefolge. Bei ihrer Ankunft am
Tepeyac sprudelte eine reichliche Wasserquelle aus dem Boden hervor – eine
Quelle, die bis heute erhalten ist –, und Jahre später wurde genau an dieser
Stelle eine Kapelle errichtet, die als Kapelle des Brunnens (Capilla del Pozo)
bekannt wurde.
Mit diesem wundersamen Ereignis
begann das außergewöhnliche Werk der Evangelisierung von fast zehn Millionen
Indianern, die in der Heiligsten Jungfrau eine Königin erblickten, die vom
Himmel herabgestiegen war, um sie zu retten. Ihr strahlendes Gewand – einer
Kaiserin würdig und in Blau- und Grüntönen gehalten – beschwor die Majestät der
Kaiser Mexikos herauf. Die Gestaltung ihres Gewandes sprach die ältesten
Traditionen der Azteken an. Ihr offenes Haar deutete auf ihre edle Abstammung
hin, während das Band, das ihr Kleid gürtete, signalisierte, dass sie ein Kind
erwartete. Ihre übernatürliche Gegenwart lud sie dazu ein, die wilden und primitiven
Bräuche der heidnischen Verehrung abzulegen – einschließlich der Menschenopfer
und des rituellen Kannibalismus, die für die Völker Amerikas charakteristisch
gewesen waren. Innerhalb weniger Jahre konvertierte die gesamte indigene
Bevölkerung zum Katholizismus.
Missionare bezeugen, dass die
Zahl der Indigenen, die herbeiströmten, um vor der Jungfrau von Guadalupe zu
beten und die Taufe zu empfangen, so gewaltig war, dass die Priester ihre
Arbeit bereits vor Sonnenaufgang begannen und bis tief in die Nacht hinein
Taufen spendeten.
So tiefgreifend war ihre
Erschöpfung, dass am Ende des Tages oft Messdiener herbeieilen mussten, um die
Arme der Priester zu stützen, damit diese weiterhin die Menschenmengen taufen
konnten, die sich täglich zu Füßen der Königin vom Tepeyac versammelten.
Während wir uns dem 500. Jahrestag des Wunders von Guadalupe nähern – der im
Jahr 2031 begangen werden soll –, sehen wir uns mit einer Situation
konfrontiert, die nichts als Fassungslosigkeit hervorruft.
Der Kontrast zwischen zwei
nicht-katholischen Präsidenten
Während Mexikos Präsidentin
Claudia Sheinbaum erst vor wenigen Tagen erklärte, sie sei Atheistin – und
dabei betonte, sie glaube nicht an die Jungfrau von Guadalupe und Gipsfiguren
(sic) vollbrächten keine Wunder –, erwies der Präsident der Vereinigten Staaten,
Donald Trump – der selbst kein Katholik ist –, am vergangenen 8. Dezember, dem
Fest der Unbefleckten Empfängnis, der Jungfrau Maria die Ehre.
Wie sollen wir uns diesen
erschreckenden Widerspruch erklären?
Er spiegelt zweifellos jene
Tragödie wider, die Mexiko seit den Tagen seiner Unabhängigkeit von Spanien im
Jahr 1821 durchlebt hat. Seit jener Zeit war jede mexikanische Regierung
antikatholisch; ihre Präsidenten und Diktatoren waren Mitglieder antikatholischer
Freimaurerlogen und verfolgten die Kirche beständig mit unerbittlicher und
skrupelloser Grausamkeit. Tatsächlich war es Priestern und Nonnen bis zum Jahr
1979 untersagt, sich in der Öffentlichkeit in ihrer Ordenskleidung zu zeigen,
da dies ihre Inhaftierung zur Folge gehabt hätte.
Das Verbot wurde während des
Besuchs von Papst Johannes Paul II. in Mexiko – der ersten Auslandsreise seines
Pontifikats – ausgesetzt, als die mexikanische Nation in einer
außergewöhnlichen Kundgebung des katholischen Glaubens aufbrandete.
Von der Unabhängigkeit bis zum
heutigen Tag lebt Mexiko inmitten eines andauernden Bürgerkriegs. Zwischen 1926
und 1929 brach der Cristero-Krieg aus, als sich Katholiken bewaffnet erhoben,
um ihr Recht auf freie Religionsausübung einzufordern, nachdem sie seitens der
Regierung Mord, Inhaftierung und Verfolgung ausgesetzt gewesen waren.
Obwohl heute formal kein
Bürgerkrieg ausgerufen ist, werden jedes Jahr 100.000 Menschen ermordet. Ein
korrupter und dekadenter Staat steht Drogenkartellen gegenüber, die seit
Jahrzehnten fest an der Macht verankert sind.
Inmitten dieser unendlichen
Tragödie vermitteln die Augen der Jungfrau von Guadalupe die einzige Lösung, um
wahren Frieden in dieser zerrütteten Nation zu erlangen.
Seit zwei Jahrhunderten ist
Mexiko in diese Tragödie versunken; doch irgendwann wird es als neue Bastion
des Katholizismus und als Vorbild für die Welt daraus hervorgehen – indem es
seine katholische Berufung zurückgewinnt, die vom unendlichen Bösen jener
überschattet wurde, die Christen weltweit unerbittlich verfolgen.
Aus dem Spanischen eines Artikels
„México y la devoción a la Virgen de Guadalupe”
Die deutsche
Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com
©
Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs
gestattet.
