Samstag, 27. Juni 2026

Magnifica Humanitas: Eine lange, verwirrende Enzyklika, die den Glauben gefährdet

von Luiz Sérgio Solimeo
 19. Juni 2026

Am 15. Mai 2026 veröffentlichte Papst Leo XIV. seine erste Enzyklika, „Magnifica Humanitas“ – Über den Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der künstlichen Intelligenz (im Folgenden MH).

Dieses umfangreiche Dokument umfasst 244 Absätze, etwa 42.000 Wörter und 224 Fußnoten, die sich fast alle auf das Zweite Vatikanische Konzil und die Päpste der nachkonziliaren Zeit beziehen.

Abkehr von der thomistischen Metaphysik

MH ist nicht nur ein umfangreiches, sondern auch ein verwirrendes und schwer zu lesendes Dokument – eine Unklarheit, die durch die Vernachlässigung der Philosophie und Metaphysik des heiligen Thomas von Aquin noch verstärkt wird.

Prof. Roberto de Mattei weist auf diesen Punkt hin:

„Der Papst hat Recht, wenn er das Problem [der KI] aufwirft, doch seine Antwort macht nicht deutlich, warum eine Gleichsetzung von menschlicher und künstlicher Intelligenz unmöglich ist. Für die thomistische Philosophie liegt der Grund nicht primär darin, dass KI keine Emotionen empfindet, keine Beziehungen unterhält oder über kein verkörpertes Gedächtnis verfügt, sondern darin, dass ihr eine vernunftbegabte geistige Seele fehlt – das innere Prinzip intellektueller Akte. Die Enzyklika hingegen formuliert die Unterscheidung zwischen Mensch und KI in rein phänomenologischen Begriffen, also auf der Ebene von Erfahrung, Affektivität und Beziehungsgeflecht, und vergisst oder ignoriert dabei, dass der entscheidende Unterschied ontologischer Natur ist.“1

Prof. Stefano Fontana fügt hinzu, dass „[d]ie Verwendung einer existenziellen, erfahrungsbezogenen und narrativen Sprache anstelle einer metaphysischen und definitorischen Sprache […] auf den großen Einfluss der existentialistischen Philosophie in der katholischen Theologie zurückzuführen [ist].“2

Eine Kirche, die nicht mehr lehrt, sondern den Dialog sucht

Obwohl MH den Untertitel „Über den Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der künstlichen Intelligenz“ trägt, behandelt sie viele weitere Themen und greift das Konzept – wenn auch nicht die Definition – der Vision von Papst Franziskus auf, was die Kirche sein sollte: „die synodale Kirche, die Kirche, die ‚gemeinsam unterwegs ist‘“ (Nr. 42). Dies ist eine neue Kirche des Dialogs und der Synodalität. Der Kerngedanke findet sich in der Aussage Leos XIV.: „Auch ich habe bekräftigt, dass die Kirche ‚nicht beansprucht, ein Monopol auf die Wahrheit zu besitzen‘3, denn die Wahrheit ist kein Territorium, das es zu verteidigen gilt, sondern ein Gut, das man teilen muss.“ (Nr. 25)

Zu bekräftigen, dass die Kirche kein „Monopol auf die Wahrheit“ besitzt, kommt der Aussage gleich, sie sei – als apostolische Kirche und Nachfolgerin der Apostel – nicht die Inhaberin der geoffenbarten Wahrheit gemäß dem Willen unseres Herrn:

„Jesus trat auf sie zu und sagte: ‚Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. Geht also hin und macht alle Völker zu Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Weltzeit.‘“ (Mt 28,18–20)

Und Jesus sagte auch:

„Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh 14,6)

Die Kirche ist also die Inhaberin der geoffenbarten Wahrheit – nicht aufgrund irgendeines monopolartigen Anspruchs, sondern durch den Willen Jesu Christi selbst.

Deshalb lehrte der heilige Paulus den heiligen Timotheus: „[...] das Haus Gottes, das die Kirche des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit.“ (1. Tim. 3,15)

Diese Wahrheit, die von der Kirche stets festgehalten wurde, ist unzählige Male gelehrt worden, so etwa in der Enzyklika „Satis cognitum“ – über die Einheit der Kirche (1896) – von Papst Leo XIII.:

„Jesus Christus hat nämlich keine Kirche gestiftet, die aus mehreren Gemeinschaften bestünde, die zwar ihrer Art nach ähnlich, aber in sich getrennt wären und denen jene Bande fehlten, welche die Kirche einzig und unteilbar machen – so wie wir es im Glaubensbekenntnis bekennen: ‚Ich glaube an die eine Kirche‘.“4

Eine von den Armen „evangelisierte“ Kirche

Ausgehend von der Prämisse, dass die Kirche „kein Monopol auf die Wahrheit“ besitzt, stellt MH die Kirche nicht als Lehrerin der Wahrheit dar, die die Menschen unterweist, sondern im Gegenteil als eine, die von ihnen lernt – und vor allem von den „an den Rand Gedrängten“. So betrachtet MH – in der Nachfolge von Franziskus – die Armen:

„In diese Perspektive fügt sich auch das Beharren von Franziskus auf einer synodalen Kirche ein – einer Kirche, die ‚gemeinsam unterwegs ist‘, die versucht, die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums zu deuten, und die sich von den Armen, mit denen sie die Geschichte teilt, evangelisieren lässt.“ (Nr. 42)

In ihrer Soziallehre sollte die Kirche anerkennen, dass die sozioökonomische Krise eine ökologische Dimension aufweist und dass „der Schrei der Erde und der Schrei der Armen“ nicht voneinander getrennt werden können:

„In „Laudato si’“ legte Franziskus die erste bedeutende systematische Behandlung der Umweltkrise in einer Sozialenzyklika vor und zeigte auf, dass es sich dabei nicht um ein isoliertes Problem handelt, sondern um den ökologischen Aspekt der gegenwärtigen sozioökonomischen Krise. Sein Vorschlag einer ganzheitlichen Ökologie verband die Sorge um unser gemeinsames Haus mit der Vorzugswahl für die Armen und bekräftigte nachdrücklich, dass ‚der Schrei der Erde und der Schrei der Armen‘ … nicht voneinander getrennt werden können. (Nr. 43)

Der Ausdruck „der Schrei der Erde und der Schrei der Armen“, der aus „Laudato si“ (Nr. 866) stammt, ist charakteristisch für die Befreiungstheologie. Er taucht beispielsweise im Titel eines Buches von Leonardo Boff aus dem Jahr 1995 auf – einem ehemaligen Franziskaner und einem der führenden Köpfe dieser Bewegung: „Ökologie: Schrei der Erde, Schrei der Armen“.5

Vom „Schrei der Erde“ zu sprechen, bedeutet entweder, die Metapher zu missbrauchen, oder einen ökologischen Pantheismus zum Ausdruck zu bringen, der die Erde als Lebewesen betrachtet – ganz im Sinne der Verehrung von Pachamama, der Mutter Erde.

„Strukturelle Sünde“

In einer Zeit, die das Verständnis von Sünde als Vergehen gegen Gott verloren hat, finden sich in MH nur drei Verweise auf die Sünde: Zwei davon (Nr. 36, 79) sprechen von „Strukturen der Sünde“; ein weiterer bezieht sich auf die Erklärung über die unendliche Würde (2. April 2024, Nr. 7) und stellt fest, dass „[k]eine Sünde, kein Versagen, keine Demütigung und kein Ausschluss den tiefen Wert eines menschlichen Lebens mindern [können], das Gott gewollt und ins Dasein gerufen hat“ (Nr. 52).

Die ersten beiden Verweise befassen sich nicht mit der persönlichen Sünde – also dem Vergehen gegen Gott –, während sich der dritte zwar auf die persönliche Sünde zu beziehen scheint, aber klarstellt, dass diese den „tiefen Wert eines menschlichen Lebens“ nicht „beeinträchtigen“ könne. Demnach hätte die persönliche Sünde keinerlei Auswirkung auf das moralische und geistliche Leben des Sünders. Dies steht im Einklang mit dem Hauptthema der Enzyklika, wonach die Sünde in gesellschaftspolitischen Strukturen verortet ist, die als „Strukturen der Sünde“ bezeichnet werden.

„Strukturen der Sünde“

Laut MH bestehen „Strukturen der Sünde“ aus „Strukturen, Mechanismen sowie wirtschaftlichen und kulturellen Systemen, die Ungleichheit fast automatisch hervorbringen“ (Nr. 79) und zur „Marginalisierung“ sowie zum „Ausschluss“ der Armen führen. Für MH ist die Existenz der Armen nicht auf eine Vielzahl von Umständen zurückzuführen – wie etwa gesundheitliche Probleme, mangelnde Fähigkeiten oder Chancen, Atavismen und vieles mehr –, sondern darauf, dass sie „unterdrückt“, „marginalisiert“ und „ausgeschlossen“ werden. Dies spiegelt die marxistische Perspektive wider, die sich die lateinamerikanische Befreiungstheologie zu eigen gemacht hat.6

Demnach beziehen sich die „Strukturen der Sünde“ auf die sozioökonomischen Systeme, die für diese Situation verantwortlich sind – also, der Befreiungstheologie zufolge, auf den Kapitalismus. Umgekehrt betrachtet die Befreiungstheologie sozialistische Staaten als Paradies für die Armen, ungeachtet des Elends in Ländern wie Kuba. Es sei angemerkt, dass MH den Sozialismus nicht explizit erwähnt, wenngleich die Feindseligkeit gegenüber dem Kapitalismus unverkennbar ist.

Einige Zitate aus MH:

„Wo Menschen an den Rand gedrängt werden, muss sie [die Kirche] zulassen, dass das Evangelium über jene wirtschaftlichen und politischen Strukturen urteilt, die – wie uns Johannes Paul II. später in Erinnerung rufen sollte – zu regelrechten ‚Strukturen der Sünde‘ werden können.“ (Nr. 36)

Die Armen sind die Ausgegrenzten: „In wohlhabenden Ländern entstanden neue Arten von Armut sowie beispiellose Formen der Ausgrenzung (Nr. 40). Zudem wird Armut als eine neue Form der Sklaverei betrachtet: „Eine Kirche, die fähig ist, auf den Schrei der Armen, der Migranten und der Opfer neuer Formen der Sklaverei zu hören.“ (Nr. 42)

Manche Frauen sind „doppelt arm“, weil sie unter Gewalt und „Ausgrenzung“ leiden: „Es ist eine Tatsache, dass ‚jene Frauen doppelt arm sind, die Situationen der Ausgrenzung, Misshandlung und Gewalt ertragen müssen, da sie häufig weniger in der Lage sind, ihre Rechte zu verteidigen.‘“ (Nr. 57)

MH lehnt den Kapitalismus ab

Kommentatoren haben auf die Abneigung gegen das kapitalistische System und die unverhohlene Sympathie für den Sozialismus oder die Sozialdemokratie hingewiesen.

Selbst ein Liberaler wie Pater James Martin, S.J., schreibt wohlwollend:

„Die hervorragende neue Enzyklika von Papst Leo XIV., ‚Magnifica Humanitas‘, ist die schlüssigste katholische Kapitalismuskritik, die ich je gelesen habe. Papst Leo tut dies mit sicheren, geschickten und klaren Worten.“7

Der Kirchenrechtler Pater Gerald Murray hingegen, der am entgegengesetzten Ende des Spektrums steht wie Pater Martin, hält MH nicht nur für antikapitalistisch, sondern auch für explizit sozialistisch.

„Das hier vermittelte Weltbild – und der Gesamteindruck, den ich gewinne – entspricht dem, was Bob [Robert Royal] als ‚sanften Sozialismus‘ bezeichnet hat. Es gibt dieses unausgesprochene Grundthema, dass eine regulierte Wirtschaft unter staatlicher Vorherrschaft das einzige Mittel sei, um sozialen Frieden und Harmonie zu schaffen.“8

Ist die Theorie des gerechten Krieges „mittlerweile überholt“?

Zu den Aussagen von MH, die wohl am meisten Überraschung und Befremden hervorriefen, gehörte die Feststellung, dass die klassische Theorie vom „gerechten Krieg“ „heute überholt“ sei: „Heute ist es mehr denn je – unbeschadet des Rechts auf Selbstverteidigung im engsten Sinne – wichtig, erneut zu bekräftigen, dass die Theorie vom ‚gerechten Krieg‘, die allzu oft zur Rechtfertigung jeder Art von Krieg herangezogen wurde, heute überholt ist.“ (Nr. 192)

Was bedeutet eigentlich die Aussage, die Theorie vom „gerechten Krieg“ sei „heute überholt“? Der Kanonist Pater Gerald Murray kommentiert dies wie folgt:

„Aber was bedeutet das – ‚veraltet‘ – im moralischen Bereich? Die Wahrheit einer moralischen Aussage hängt nicht davon ab, an welchem Tag des Kalenderjahres sie aufgestellt wurde. Wissen Sie, es handelt sich um ein Prinzip, das aus dem Naturrecht und der Offenbarung abgeleitet ist. Und wissen Sie, das ist keine abstrakte Theorie.

So leben die Menschen. Zu sagen, sie sei veraltet, ist leider nur eine Umschreibung dafür, dass sie schlecht sei. Wissen Sie, die Theorie des gerechten Krieges sei schlecht. Warum? Weil Menschen sie nutzen, um Kriege zu führen.

Nun, wissen Sie, jeder Krieg hat einen guten und einen schlechten Aspekt. Der schlechte Aspekt ist der Mann, der in Ihr Land einmarschiert. Putin ist in die Ukraine einmarschiert. Das ist schlecht. Die Ukrainer haben sich gewehrt und verteidigen ihre Nation. Das ist gut.“9

Die Behauptung, die Theorie des gerechten Krieges sei veraltet, ergibt nur dann Sinn, wenn man die historistische, evolutionistische Sichtweise vertritt, dass sich Wahrheit im Lauf der Geschichte und durch kulturelle Veränderungen wandelt. Dies wird in MH angedeutet und im Vorbereitungsdokument Nr. 9 der Synode klar vertreten.10

Die traditionelle Lehre vom gerechten Krieg

Die Lehre vom gerechten Krieg geht auf den heiligen Augustinus von Hippo (354–430) zurück, der sie auf die Evangelien und das Naturrecht stützte. Sie wurde von dem als Doctor Angelicus bekannten heiligen Thomas von Aquin (1225–1274) sowie von Bernhard von Clairvaux (1090–1153) und den bedeutenden Theologen der Gegenreformation (16./17. Jahrhundert) – insbesondere Francisco de Vitoria, O.P. (1485–1546), Francisco Suárez, S.J. (1548–1617) und dem heiligen Robert Bellarmin, S.J. (1542–1621) – weiterentwickelt. Das Lehramt nahm sie an und förderte sie durch offizielle Dokumente sowie durch ihre praktische Anwendung auf reale Situationen.11

Ganz gleich, wie sich die Umstände gewandelt haben, und ungeachtet der wachsenden Zerstörungskraft von Waffen bleiben die der Theorie des gerechten Krieges zugrundeliegenden Prinzipien wahr; sie dürfen nicht aufgegeben werden. Sie sollten mit gebotener Vorsicht, aber realistisch angewandt werden, wie Papst Pius XII. in dieser Botschaft von 1953 darlegt:

„Die Völkergemeinschaft muss mit gewissenlosen Verbrechern rechnen. Diese scheuen sich nicht, einen totalen Krieg zu entfesseln, um ihre ehrgeizigen Pläne zu verwirklichen. Wenn also andere Nationen Leben und Eigentum ihrer Bürger schützen und internationale Verbrecher in die Schranken weisen wollen, müssen sie sich auf den Tag vorbereiten, an dem sie sich verteidigen müssen. Dieses Recht auf Verteidigung kann keinem Staat abgesprochen werden, auch heute nicht.12

Neben natürlichen Gütern – seien sie materieller oder moralischer Art – sind einige übernatürliche Güter, wie der Glaube, mehr wert als das Leben selbst.

Wenn also das letzte übernatürliche Ziel des Menschen auf dem Spiel steht, kann die Verteidigung des menschlichen Lebens nicht über dieses höchste Gut gestellt werden. Judas Makkabäus drückte diese Wahrheit in seinem berühmten Ausspruch aus: „Besser ist es für uns, in der Schlacht zu sterben, als den Untergang unseres Volkes und unseres Heiligtums mitanzusehen“ (1. Makk. 3,59). Und der göttliche Erlöser war unmissverständlich: „Denn was nützt es einem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden an seiner Seele erleidet? Oder was kann ein Mensch als Gegenwert für seine Seele geben? (Mk 8,36–37).

MH konzentriert sich stärker auf den Humanismus als auf die ewige und übernatürliche Bestimmung des Menschen. Die Enzyklika ist ein solches Sammelsurium aus Theorien, Fakten, Kommentaren, Interpretationen und Zitaten, dass sie wie das Werk einer heterogenen, schlecht koordinierten Gruppe von Ghostwritern wirkt, der es an sorgfältiger Abstimmung und redaktioneller Bearbeitung mangelt.

Keiner ihrer zahlreichen Absätze und endlosen Zitate lässt ein Anliegen für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen erkennen – den höchsten Zweck der Kirche Christi, deren Stellvertreter auf Erden der Papst ist.



 

Zuerst veröffentlicht auf TFP.org

Fußnoten sind unten im Original angegeben

 

Aus dem Englischen “Magnifica Humanitas: A Long, Confusing Encyclical That Puts the Faith at Risk”

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Magnifica Humanitas: Eine lange, verwirrende Enzyklika, die den Glauben gefährdet“ ist erstmals erschienen in
www.r-cr.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

Footnotes

1.      Roberto de Mattei, “Magnifica humanitas”: The Underlying Metaphysical Problem, Jun. 1, 2026 (Our translation from the original Italian. Emphasis added).

2.      Stefano Fontana, “Magnifica humanitas, a Thousand Readings and a Problem of Language.” At https://lanuovabq.it/it/magnifica-humanitas-mille-letture-e-un-problema-di-linguaggio (Our translation from the original Italian. Emphasis added).

3.      Address to the Members of the “Centesimus Annus Pro Pontifice” Foundation (May 17, 2025): AAS 117 (2025), 696.

4.      Leo XIII, Encyclical Satis Cognitum – On the Unity Of The Church (1896). At https://www.vatican.va/content/leo-xiii/en/encyclicals/documents/hf_l-xiii_enc_29061896_satis-cognitum.html, n. 4.

5.      Leonardo Boff, Dignitas Terrae – Ecology, the Cry of the Earth, the Cry of the Poor (Editora Atica, São Paulo: 1995).

6.      Cf. Luiz Sérgio Solimeo, “Liberation Theology: A Tool Of Subversion” Jul. 26, 2012. At https://www.tfp.org/liberation-theology-a-tool-of-subversion/ and Luiz Sérgio Solimeo, “‘Rehabilitation’ of Liberation Theology?” Sept. 10, 2013. At https://www.tfp.org/rehabilitation-of-liberation-theology/

7.      James Martin, S.J., “A capitalist (priest) reads ‘Magnifica Humanitas,’” in America, May 25, 2026,https://www.americamagazine.org/faith-and-reason/2026/05/25/a-capitalist-priest-reads-magnifica-humanitas/

8.      Fr. Gerald Murray on Pope Leo’s 1st Encyclical | Prayerful Posse, Transcript, 0:35–52 seconds https://www.youtube.com/watch?v=hxoyCG2tGxE

9.      Raymond Arroyo, Is Just War Theory Outdated? Pope Leo’s First Encyclical | Prayerful Posse Clip, https://www.youtube.com/watch?v=e7uKRsRkV1o6/10/2026

10.  Luiz Sérgio Solimeo, “The Synod on Synodality’s Study Group 9 Report Favors Homosexual Sin,” Jun. 6, 2026. https://www.tfp.org/the-synod-on-synodalitys-study-group-9-report-favors-homosexual-sin/

11.  See: Letter From Augustine to Marcellinus, Chap. III, n. 15.; T. Ortolan, Guerre, Dictionnaire de Théologie Catholique”, Paris, Letouzé et Ané: 1947, tome sixième, 2ème partie, cols. 1899-1959); Macksey, Charles. “War.” The Catholic Encyclopedia. Vol. 15. New York: Robert Appleton Company, 1912. https://www.newadvent.org/cathen/15546c.htm. Heinrich A. Rommen, LL.D, The State in Catholic Thought – A Treatise in Political Philosophy (Herder, St. Louis, 1945).

12.  Pope Pius XII, “Per il VI Congresso Internazionale di Diritto Penale,” in Discorsi e Radiomessaggi, Vol. XV, 1969, 340 (our translation from the French original and our emphasis).

 

Donnerstag, 11. Juni 2026

Ein besessener Albigenser

Bild: Wikimedia commons

 Als der heilige Dominikus in der Nähe von Carcassonne den heiligen Rosenkranz predigte, führte man ihm einen vom Teufel besessenen Albigenser zu. Der Heilige sprach in Gegenwart einer großen Volksmenge den Exorzismus über ihn aus; man schätzte die Zahl der Zuhörer auf mehr als zwölftausend Personen.

Die Dämonen, von denen der Unglückliche besessen war, wurden vom Heiligen gezwungen, gegen ihren Willen zu gestehen:

1. dass sie fünfzehntausend an Zahl im Körper dieses Unglücklichen seien, weil er die fünfzehn Geheimnisse des Rosenkranzes angegriffen habe;

2. dass Dominikus mit dem heiligen Rosenkranz die ganze Hölle in Schrecken versetze und dass sie ihn am meisten von allen Menschen hassten, weil er ihnen durch die Rosenkranzandacht die Seelen raube.

3. Offenbarten sie ihm mehrere andere Einzelheiten.

Dann legte der heilige Dominikus den Rosenkranz um den Hals des Besessenen und fragte, wen von allen Heiligen des Himmels sie am meisten fürchteten und wer am meisten von den Menschen geliebt und geehrte werden müsse. Bei dieser Frage stießen sie ein so fürchterliches Geheul aus, dass der größte Teil der Zuhörer von Schrecken ergriffen zu Boden fiel. Alsdann weinten und lamentierten die bösen Geister, um nicht Antworten zu müssen, eine so erbarmungswürdige und rührende Weise, das mehrere der Anwesenden aus natürlichem Mitleid weinten.

Die Dämonen sagten durch den Mund des Besessenen mi kläglicher Stimme: „Dominikus, Dominikus, habe Erbarmen mit uns, wir versprechen dir, dass wir dir niemals schaden werden. Du, der du mit den Sündern und Unglücklichen soviel Mitleid hast, erbarme dich über uns Elende. Ach, wir leiden so sehr, warum findest due Vergnügen daran, unsere Qualen zu vermehren? Begnüge dich mit den Peinen, die wir ausstehen. Erbarmen! Erbarmen! Erbarmen!“

Ohne sich durch die ergreifenden Worte dieser unglücklichen Geister rühren zu lassen, antwortete ihnen der Heilige, er werde nicht aufhören, sie zu quälen, bis sie seine Fragen beantwortet hätten.

Der Teufel erwiderte nun, sie wollten ihm darauf antworten, aber im geheimen und nicht vor allen Leuten.

Der Heilige bestand darauf und befahl ihnen, zu antworten und laut zu sprechen. Doch die Teufel wollten kein Wort mehr sagen, wie sehr er ihnen auch befahl.

Da kniete er nieder und richtete folgendes Gebet an Maria: „O erhabenste Jungfrau Maria, durch die Kraft des heiligen Rosenkranzes befiehl diesen Feinden des Menschengeschlechtes, meine Frage zu beantworten.“

Nach diesem Gebete brach eine Feuerflamme aus den Ohren, der Nase und dem Mund des Besessenen hervor, welche alle erzittern machte, ohne jedoch jemand Schaden zuzufügen. Dann schrien die Teufel:

„Dominikus, durch das Leiden Jesu Christi und durch die Verdienste seiner heiligen Mutter und aller Heiligen bitten wir dich, gestatte uns aus diesem Körper zu weichen, ohne etwas zu sagen; denn, wenn du willst, werden es dir ja die Engel offenbaren. Sind wir denn nicht Lügner? Warum willst du uns glauben? Quäle uns nicht noch mehr, habe Mitleid mit uns.“

Er warf sich wieder auf die Knie und betete:

„O Du würdigste Mutter der Weisheit, ich bitte Dich für das hier gegenwärtige Volk, das in der Art und Weise, den Rosenkranz zu beten bereits unterrichtet ist. Zwinge Deine Feinde, öffentlich die volle und aufrichtige Wahrheit darüber zu verkünden!“

Kaum hatte er das Gebet vollendet, so sah er die Himmelkönigin von einer Menge von Engeln umgeben. Sie hielt einen goldenen Stab in der Hand, womit sie den Besessenen schlug, und sprach: „Antworte meinem Diener Dominikus auf seine Frage!“ (Es ist zu bemerken, dass nur der heilige Dominikus, nicht aber das Volk, die Allerheiligste Jungfrau sah und hörte). Dann fingen die Teufel an zu schreien und sagten:

„O Du unsere Feindin, o Du unsere Verderbnis, Du unsere Beschämung! Warum bist Du vom Himmel herabgestiegen, um uns so zu quälen?

O mächtigste Fürsprecherin der Sünder, die Du sie der Hölle entreißest, o Du sicherster Weg zum Himmel, sollen wir gezwungen sein, gegen unseren Willen die volle Wahrheit zu sagen; müssen wir wirklich vor aller Welt bekennen, welches die Ursache unserer Beschämung ist und wodurch wir zuschanden werden? Weh uns! Weh unseren Fürsten der Finsternis! Höret also, ihr Christen!

Diese Mutter Christi ist allmächtig, um zu verhindern, dass ihre Diener in unseren höllischen Abgrund stürzen. Sie ist es, die wie eine Sonne die Finsternis all unserer Anschläge Listen zerstreut. Sie ist es, die unsere Schliche aufdeckt, unsere Schlinge zerreißt und unsere Versuchungen vergeblich und zunichte macht. Gezwungenerweise gestehen wir, dass niemand, der in ihrem Dienste verharrt, mit uns verdammt wird. Ein einziger Ihrer Seufzer, den Sie der allerheiligsten Dreifaltigkeit darbringt, übersteigt und übertrifft alle Gebete, alle Wünsche und jegliches Verlangen aller Heiligen. Wir fürchten Sie mehr als alle Heiligen zusammen und wir vermögen ihren treuen Dienern nichts anzuhaben. Ja, manche Christen, die sie in ihrer Todesstunde anrufen, werden durch ihre Dazwischenkunft gegen unsere Rechte gerettet. Ah! Wenn nicht diese Marieta (so nannten sie Sie in ihrer Wut) uns widerstanden und unsere Anstrengungen vereitelt hätte, so hätten wir schon lange die ganze Kirche gestürzt und ausgerottet und alle ihre Stände und Orden in Irrtum und Unglauben gebracht.“

Nachher ließ der heilige Dominikus das ganze Volk langsam und andächtig den Rosenkranz beten und (o Wunder!) bei jedem Ava Maria, das der Heilige mit dem Volke betete, verließ eine große Menge von Teufeln den Leib des Unglücklichen in Gestalt feuriger Kohlen. Nachdem die Teufel ihn alle verlassen hatten und der Irrlehrer ganz befreit war, gab die Allerseligste Jungfrau, obgleich unsichtbar, dem ganzen Volke den Segen, den die Anwesenden freudig empfanden. Das Wunder aber bewirkte, Dass eine große Zahl Irrgläubiger sich bekehrte und sich in die Rosekranzbruderschaft aufnehmen ließ.


 

 

 Aus „Der heilige Rosenkranz – Das wunderbare Geheimnis der Bekehrung und des Heiles“ vom Hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort. Lins-Verlag, A-6804 Feldkirch

 

 


Mittwoch, 10. Juni 2026

Wachsende Bewegung fördert die eucharistische Anbetung: Eine Einladung an alle


von Edwin Benson
 21. April 2025

„Wenn Sie nicht bereit sind, täglich 15 Minuten zu opfern, um diese Freundschaft mit dem Herrn zu pflegen – wie wollen Sie dann die Ewigkeit im Himmel mit ihm verbringen?“

Diese wunderbare, schlichte Weisheit stammt von Alfredo Janson. Herr Janson ist weder Priester noch Ordensangehöriger. Er ist Nachrichtentechniker und nimmt regelmäßig an der Anbetung in der Kapelle für ewige Anbetung der katholischen Kirche St. Benedict in Hialeah, Florida, teil. Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) zitierte ihn in einem Bericht über einen Trend, den sie als „wachsende katholische Strömung“ bezeichnete.

Der AP-Artikel beschreibt auch die schlichte Kapelle, die Herr Janson jeden Morgen von sechs bis sieben Uhr besucht. „Zehn Stühle sind auf eine strahlenförmige Monstranz ausgerichtet – jenes Gefäß, in dem eine ungewöhnlich große konsekrierte Hostie zur Verehrung ausgestellt ist.“ Die Anbetung ist eine zutiefst katholische Praxis. Sie gründet auf der Lehre von der Transsubstantiation – dem Glauben, dass Brot und Wein, die in der Heiligen Messe dargebracht werden, tatsächlich zu Leib, Blut, Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus werden.

Anklänge an die Verklärung des Herrn

Der katholische Autor Mike Aquilina bezeichnet die eucharistische Anbetung als „alte Andachtsform in moderner Zeit“. Er sieht zudem Verbindungen zwischen dieser Andacht und der Verklärung des Herrn. Betrachten Sie diese Stelle aus Matthäus 17,1–9:

„Nach sechs Tagen nahm Jesus Petrus und Jakobus und dessen Bruder Johannes mit sich und führte sie auf einen hohen Berg. Da wurde er vor ihnen wie das Licht; sein Angesicht glänzte wie die Sonne, und seine Kleider wurden leuchtend hell wie das Licht. Und siehe, es erschienen ihnen Mose und Elija, die mit ihm redeten. Petrus nahm das Wort und sagte zu Jesus: Herr, es ist gut, dass wir hier sind. Wenn du willst, werde ich hier drei Hütten bauen: eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Während er noch redete, siehe, da überschattete sie eine helle Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe: auf ihn sollt ihr hören!“ Da die Jünger dies hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr. Jesus trat hinzu, rührte sie an und sprach: „Steht auf und fürchtet euch nicht!“ Sie erhoben ihre Augen, sahen aber niemanden als Jesus allein.“

Vergleichen Sie das Erlebnis der drei Jünger mit dem eines Menschen, der eucharistische Anbetung übt. Unser Herr ruft die Anbetenden aus ihrem gewohnten Alltag an einen Ort der Stille und Abgeschiedenheit. Dort strahlt unser Herr in der Monstranz, und goldene Strahlen gehen von seiner Gegenwart aus. Wie Petrus wissen die Anbetenden, dass ihnen eine besondere Gnade zuteilwird. Der erste Impuls mag Furcht oder Befremden sein, doch am Ende bleibt nur seine tröstende Gegenwart, die Kraft für den vor ihnen liegenden Weg schenkt. Und wie die Jünger werden auch die Anbetenden auf eine Weise verwandelt, die sie selbst nicht ganz begreifen.

Eine zunächst ungewohnte Handlung wird zur Gewohnheit

Für Menschen, die es nicht gewohnt sind, kann die tiefe Stille einer Anbetungskapelle zunächst befremdlich wirken. Das moderne Leben ist so voller Lärm und Ablenkung, dass selbst wenige Augenblicke der Stille verunsichern können.

Da die gewohnte Aufregung plötzlich fehlt, schweifen rastlose Gedanken oft hektisch umher. Wer eine Liste der Personen mitbringt, für die er beten möchte, dazu einen Rosenkranz oder einige Gebetskärtchen, dem fällt es leichter, in die Gegenwart unseres Herrn einzutauchen. Eine weitere bewährte Praxis ist es, eine Bibel oder ein Messbuch mitzubringen und still einen Psalm oder die Tageslesungen zu lesen. Durch die Betrachtung der Texte entdecken Neulinge bald eine Tiefe, die sich beim bloßen flüchtigen Hören während der Heiligen Messe nicht erschließt.

Gleichzeitig sollten sich Anfänger nicht von der langen Zeit abschrecken lassen, die manche Menschen in der Anbetung verbringen. Oft genügen schon wenige Minuten, um ein lebenslanges Verlangen nach der Anbetung zu wecken. Ein Bekannter des Autors begann damit, als ihm auffiel, dass er seinen Arbeitsweg so ändern konnte, dass er täglich einige Minuten für das Gebet aufbringen konnte. Ein weiterer guter Rat ist, nicht ständig auf die Uhr zu schauen. Man geht einfach hinein, verweilt einige Sekunden in der Stille, bringt dem Herrn vor, was einem in diesem Augenblick wichtig erscheint, und geht dann gegebenenfalls wieder. Niemand achtet auch nur im Geringsten darauf, wie lange der Besuch eines anderen dauert.

Zudem gibt es kein vorgeschriebenes Ritual für die Gebete, die man spricht. Manche Beter sitzen einfach still in der Gegenwart des Herrn. Andere nutzen eines der zahlreichen erhältlichen Gebetbücher für die Heilige Stunde. Auch das Mitbringen eines geeigneten Buches – etwa einer Heiligenbiografie oder eines Werkes, das den Glauben vertieft – ist hilfreich; dies bietet sich besonders dann an, wenn zu Hause bereits ein Stapel solcher Bücher darauf wartet, gelesen zu werden.

Rein menschlich betrachtet, entstand die erste Kapelle der ewigen Anbetung gewissermaßen zufällig. Am 11. September 1226 betrat König Ludwig VIII. von Frankreich (Vater des heiligen Königs Ludwig IX.) die Kapelle des Heiligen Kreuzes in Avignon. Zwei Tage zuvor hatte sich die Stadt – bis dahin eine Hochburg der Albigenser-Häretiker – nach mehrmonatiger Belagerung der königlichen Armee ergeben. Bei seiner Ankunft bat der König den für die Kapelle zuständigen Priester, die heilige Eucharistie als öffentlichen Akt der Danksagung auszusetzen. Bis zu diesem Punkt war daran nichts Ungewöhnliches.

Doch als die Kapelle geöffnet wurde, füllte eine Menge von Anbetern den Raum. Während einige Beter ihre Gebete beendeten und gingen, kamen andere hinzu. Am Ende des Tages ging die Sonne unter, doch die Beter blieben – und blieben – und blieben. Bald erhielt diese Form der Anbetung das Attribut „ewig“. Sie wurde 556 Jahre lang fortgesetzt, bis Soldaten der Revolution sie 1792 – während der Französischen Revolution – durch die Schließung der Kapelle unterbrachen. Eine Gruppe, die sich „Confrérie de Pénitents-Gris“ (Bruderschaft der grauen Büßer) nannte, nahm die Anbetung 1829 wieder auf, und sie dauert bis heute an.

Sacré-Cœur de Montmartre

Die vielleicht bekannteste Form der Anbetung findet ebenfalls in Frankreich statt, in der Basilika Sacré-Cœur im Pariser Stadtviertel Montmartre. Dort begann die Kette der ewigen Anbetung am 1. August 1885. Sie wird bis heute fortgeführt.

Das „National Catholic Register“ zitierte Schwester Cécile-Marie, ein Mitglied der Benediktinerinnen von Sacré-Cœur de Montmartre, die für die nächtlichen Anbetungsstunden in der Basilika verantwortlich sind: „Die Anbetung wurde nicht eine einzige Minute lang unterbrochen, auch nicht während der beiden Weltkriege. Selbst während der Bombenangriffe von 1944, als einige Splitter direkt neben der Basilika einschlugen, verließen die Beter ihren Platz nicht.“

Während der COVID-Pandemie wurde die Basilika – wie alle öffentlichen Gottesdienststätten – unter Quarantäne gestellt. Während der zwei Monate, in denen kein Zutritt für die Öffentlichkeit bestand, mussten die vierzehn Ordensschwestern der Gemeinschaft ihren Alltag so organisieren, dass stets mindestens eine von ihnen bei unserem Herrn zugegen war. Dieser Akt der Treue verlangte von jeder Schwester, zweimal täglich eine Stunde in der Basilika zu verbringen.

Die wachsende Anbetungsbewegung ist ein ermutigendes Zeichen dafür, wie unser Herr die Seelen in Zeiten der Not zu sich zieht. Auch wenn es schwierige Zeiten waren, so ist der Geist, der die Anbeterinnen vom Heiligsten Herzen Jesu (Sacré-Cœur) antrieb, doch derselbe, der auch in den vielen Kapellen der Ewigen Anbetung weltweit herrscht: „Wir lassen den Herrn niemals allein.“

„Una hora non potuisti vigilare mecum“

Fußnoten

1. Viele Quellen schreiben die Taten Ludwigs VIII. fälschlicherweise seinem Großvater Ludwig VII. zu, der bereits 1180 – also sechsundvierzig Jahre zuvor – verstorben war.

Foto: © Godong Photo – stock.adobe.com



Aus dem Englischen von “Growing Movement Promotes Eucharistic Adoration: An Invitation to All” in https://www.returntoorder.org

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Wachsende Bewegung fördert die eucharistische Anbetung: Eine Einladung an alle“ ist erstmals erschienen in
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© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

Dienstag, 9. Juni 2026

KI für Katholiken in der realen Welt, die immer noch an den Teufel glauben


von John Horvat II. 3. Juni 2026

 

Man ist beeindruckt von der großen Themenvielfalt in der ersten Enzyklika von Papst Leo XIV., „Magnifica humanitas“. Die Erwähnung von Menschenwürde, Entmenschlichung, der Theorie des gerechten Krieges, sozialer Gerechtigkeit und Transhumanismus sind wichtige, aber abstrakte Themen.

Sie sind sehr theoretisch und gehen nicht darauf ein, wie sich KI auf das Leben von Katholiken in der realen Welt auswirkt.

Was die Katholiken in den Kirchenbänken tatsächlich wissen wollen, ist, wie sie mit der KI-Bedrohung ihrer Heiligung umgehen können. Sie wollen wissen, wie sie den Gelegenheiten zur Sünde widerstehen können, die die KI ihnen, insbesondere jungen Menschen, bietet. Sie kämpfen gegen die frenetische Zügellosigkeit dieses neuen Mediums, das auf Kosten ihrer Seele große Mengen ihrer Zeit und Kultur in Anspruch nimmt. Viele junge Katholiken verschwenden Stunden damit, Ratschläge von KI-Chatbots zu suchen, die sie in die Irre führen.

Keine Hinweise auf die persönliche Erlösung

Von diesem Kampf um die persönliche Erlösung erwähnt die Enzyklika nichts. Es werden nicht einmal die Worte „Heiligung“, „Hölle“ oder „Teufel“ verwendet. Sünde wird kaum erwähnt. Der tägliche Kampf um die Überwindung des Teufels, des Fleisches und der Welt spielt in diesem Dokument keine Rolle, das einen anthropologischen und naturalistischen Ansatz verfolgt, der für die meisten Gläubigen schwer zu verstehen ist.

Für wahrhaftige Katholiken, die noch an den Teufel glauben, ist es an der Zeit, sich mit einigen sehr konkreten und praktischen Fragen zur KI zu befassen, die in der Enzyklika unbeantwortet geblieben sind.

Untersuchung der KI als Instrument der Versuchung

Eine solche Diskussion ist umstritten. Diese Fragen bewegen sich am Rande der Debatte und lauern in den Schatten des Darknets. Menschen tragen diese Fragen in sich, scheuen sich jedoch, sie auszusprechen. Sie zögern, damit an die Öffentlichkeit zu treten, weil sie nicht als Außenseiter erscheinen wollen.

Vielleicht ist es besser, das Problem direkt beim Namen zu nennen: Gefährdet der Einfluss der KI das Seelenheil? Kann KI als Medium für Versuchung und Verderben dienen? Katholiken müssen wissen, ob es etwas jenseits des Zusammenspiels elektronischer Impulse innerhalb der KI geben kann.

Dies sind berechtigte Fragen, die den Erfahrungen wahrhaftiger Katholiken entsprechen, die an den Teufel glauben. Um sie zu beantworten, müssen einige Voraussetzungen bezüglich des Teufels und seines bösen Wirkens neu vergegenwärtigt werden.

Neuvergegenwärtigung von Prämissen

Die erste Prämisse ist, dass der Teufel existiert. So viele Menschen glauben nicht mehr an den Teufel, und er tut alles, um sie davon zu überzeugen, dass es ihn nicht gibt. Er wirkt am besten im Verborgenen.

Tatsächlich erwähnen viele Theologen heutzutage den Teufel nicht mehr. Sie behaupten, die Hölle sei leer; folglich gebe es für den Teufel keinen Grund, sich in der Nähe der Hölle aufzuhalten oder gar „in der Welt umherzustreifen um die Seelen zu verderben“.

Doch der Teufel existiert tatsächlich, ungeachtet der Ansichten derer, die ihn leugnen. Er ist sehr aktiv.

Die zweite Prämisse ist, dass der Teufel die ewige Verdammnis eines jeden Menschen anstrebt. Er arbeitet unermüdlich daran, Menschen in die Hölle zu führen, und nutzt dazu jedes erdenkliche Mittel. Die Vision der Hölle in Fátima zeigte, dass sie sehr voll ist.

Eine weitere, in Vergessenheit geratene Prämisse ist, dass der Teufel seinen Einfluss konkret auf die Seelen ausüben und auf sie einwirken kann.

Wie der Teufel auf Seelen einwirkt

Die Kirche lehrt, dass dies auf verschiedene Weise geschehen kann.

Der Teufel kann handeln, indem er Menschen zur Sünde verleitet. Dies kann geschehen, indem er durch Bilder, Suggestionen und schlechte Gedanken auf die Vorstellungskraft einwirkt.

Der Teufel kann sich der Materie bedienen, um Menschen zu beeinflussen. Er kann zwar keine Materie erschaffen, sie aber manipulieren, bewegen oder sich an sie heften. Auf diese Weise kann er Geräusche und Licht erzeugen sowie Bilder projizieren. Er kann auf Nervensysteme einwirken und Krankheiten verursachen. Er kann manipulieren, was Menschen sehen oder wahrnehmen. Diese Einwirkung auf die Materie ist der Grund dafür, dass beispielsweise Ouija-Bretter* den Einstieg in okkulte Praktiken begünstigen.

(*Anmerkung: Im Deutschen wird der Begriff meistens als Ouija Brett  oder Hexenbrett bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein beliebtes Hilfsmittel für Séancen, mit dem durch das sogenannte Gläserrücken spirituelle Botschaften empfangen werden sollen.)

Schließlich kann der Teufel sich selbst oder seine Täuschungen dem menschlichen Blick entweder direkt und sichtbar oder durch ein Medium bzw. einen Kanal offenbaren.

Schließlich kann der Teufel sich selbst oder seine Täuschungen entweder sichtbar und direkt oder über ein Medium oder einen Kanal den menschlichen Augen präsentieren.

Aus diesem Grund gibt es in der Kirche viele Gebete und Exorzismen, die sich gegen den Teufel richten. Er ist sehr real und macht seinen Einfluss überall spürbar. Da sich der Teufel erschaffene Dinge zunutze macht, steht es nicht im Widerspruch zur kirchlichen Lehre, zuzugeben, dass dieser Einfluss auf die KI zutreffen oder seine Wirkung sogar exponentiell verstärken könnte.

Die KI-Chance

Tatsächlich ist KI ein mächtiges Medium, weil sie es Maschinen ermöglicht, den Anschein zu erwecken, als würden sie sich wie Menschen verhalten. Es ist auf dem neuesten Stand der Kommunikation. Der Teufel wäre verrückt, wenn er sie nicht im größtmöglichen Umfang nutzen würde, um sein Ziel zu erreichen. Er ist ein gefallener Engel mit engelhafter Intelligenz und kann daher deren Nützlichkeit erkennen. Der Teufel ist kein Idiot.

Darüber hinaus ist KI ein ideales Medium für sein manipulierendes Handeln. Es ist nicht zu physisch, sondern eher spirituell und virtuell. Dabei handelt es sich um Bilder, die er besonders geschickt manipulieren kann.

Indirekte Aktion

Die liberale Mentalität weigert sich anzuerkennen, dass sowohl Engel als auch Teufel zu übernatürlichen Handlungen in der Welt fähig sind. Angesichts dieser Ablehnung gilt jede Überlegung, wie diese Aktion mithilfe von KI durchgeführt werden könnte, als spekulativ und wird ignoriert.

Allerdings würden die Handlungen des Teufels mit der KI im Einklang damit stehen, wie er mit jeder materiellen Sache oder jedem materiellen System handelt. Er erscheint selten direkt, weil er in seinem gefallenen, ewig verdammten Zustand abstoßend ist. Menschen fühlen sich von Natur aus zu Gott und allem, was gut, wahr und schön ist, hingezogen. Wenn sich der Teufel in allen KI-Aktionen vollständig manifestieren würde, wären die Menschen schockiert und der Teufel würde somit gegen seine eigenen Interessen arbeiten.

Die häufigste Art und Weise, wie er mittels KI agiert, wäre die indirekte Beeinflussung von Menschen. Selbst die skeptischsten Menschen, die nur vage an den Teufel glauben, müssten zustimmen, dass eine solche Aktion möglich ist.

So kann KI in der menschlichen Seele Bedingungen schaffen, die Menschen für dämonische Handlungen öffnen. Beispielsweise kann KI Narzissmus, Schmeichelei und falsche Realitäten begünstigen, was den Weg für dämonische Handlungen ebnet, die mit Selbstverherrlichung und Stolz verbunden sind. Es kann das kritische Denken durch eine übermäßige Abhängigkeit von Algorithmen untergraben und zu einem Rückgang des menschlichen Denkens führen. Der Teufel gedeiht, wenn die Vernunft fehlt oder stark eingeschränkt ist. KI-gesteuerte soziale Medien und Chatbots begünstigen Isolation und Einsamkeit, indem sie menschliche Beziehungen ersetzen. Der Teufel kann dann die Lücke füllen.

Der Teufel könnte die Person auch mithilfe von KI zur Sünde verleiten. Zum Beispiel könnte er eine Person dazu verleiten, KI zu nutzen, um Pornografie zu finden und noch sündigere und erniedrigendere Formen davon zu erschaffen. Er könnte Menschen mit Unmäßigkeit verzehren, was beispielsweise zu 14-stündigen Chatbot-Gesprächen führen kann. KI eröffnet enorme Möglichkeiten für jede Art von sündiger Leidenschaft und Laster.

Die Macht, Materie und Systeme zu manipulieren

Wenn man zugibt, dass der Teufel vorhandene Materie manipulieren kann, dann ist eine Art dämonischer Eingriff in Chatbot-Gespräche, die Projektion von Bildern oder die Manipulation von Wahrnehmungen möglich. Die Systeme können Versuchungen kommunizieren.

Wenn der Teufel tatsächlich Geräusche verursachte, wie sie den Pfarrer von Ars nachts wach hielten und die über Schallwellen übertragen wurden, warum dann nicht auch elektronische Impulse über Glasfaserkabel? Wenn der Teufel über ein Ouija-Board kommunizieren kann, warum dann nicht über ein Computer- oder Mobiltelefon-Motherboard?

Schließlich könnte sich der Teufel in KI-Anwendungen sogar, wenn auch selten, den menschlichen Augen präsentieren, da diese ein Medium sind, das seine Handlungen durch Bilder fördert.

Dunkle Orte, an denen seltsame Dinge passieren

Tatsächlich gibt es im Internet dunkle Orte, an denen seltsame Dinge passieren. Das Internet ist seit langem ein Treffpunkt des Okkultismus. Von Anfang an vermischte die sogenannte technoheidnische Bewegung im Cyberspace spirituelle Überzeugungen mit aufkommender Technologie. Seine Anhänger richten digitale Altäre als rituelle Räume ein, um Bilder anzuzeigen und seine okkulten Gottheiten auf immersiven Online-Plattformen anzurufen.

Heutzutage ist das Internet voll von Online-Hexerei, Astrologie und anderen okkulten Aktivitäten, die mit KI-Apps verbessert werden können.

Beispielsweise gibt es Berichte darüber, dass KI-Apps oder Chatbots mit okkulten Untertönen Menschen zum Selbstmord verleiten. Exorzisten warnen die Menschen, sich von diesen Einflüssen fernzuhalten. All diese Dinge deuten darauf hin, dass der Teufel in diesem Bereich sehr stark beteiligt ist.

Zerstörung realer Menschenleben

Das Ausmaß des teuflischen Einflusses in KI hängt davon ab, wie sehr sich Individuen im Alltag vom Teufel abwenden. Die Bedrohung ist jedoch real.

Diese Einflüsse schädigen das Leben realer Menschen. Seelen gehen durch diese Versuchungen verloren.

Daher sollte jede Analyse von KI den Teufel erwähnen, der „in der Welt umherstreift, um Seelen zu verderben“. Die Kirche sollte ihre reiche Erfahrung in dieser Angelegenheit nutzen, um vor dieser Gefahr zu warnen.

Es geht hier nicht nur um die Würde des Menschen, sondern um das Seelenheil. Diese übernatürliche Bedrohung verdient ernsthafte Beachtung. Doch die Enzyklika schweigt seltsamerweise zu der Gefahr, die von den Machenschaften des Teufels ausgeht, die in der Kirchengeschichte stets anerkannt wurden.

Katholiken in der realen Welt, die noch an den Teufel glauben, sind auf sich allein gestellt. Der Teufel darf nicht erwähnt werden, da die Warnung vor seinem ruchlosen Einfluss dem Zeitgeist dieser finsteren Welt so sehr widerspricht.

  

John Horvat II. ist ein amerikanischer katholischer Essayist und Redner. Als Vizepräsident der „American Society for the Defense of Tradition, Family and Property“ (TFP) ist er in den Vereinigten Staaten ein führender Vertreter des von Plinio Corrêa de Oliveira geprägten Gedankenguts.

Der Autor zahlreicher Artikel zu religiösen, kulturellen und gesellschaftlichen Themen ist vor allem für sein Buch „Return to Order“ bekannt, das sich mit der moralischen Krise des Westens und der Notwendigkeit einer Rückbesinnung auf die Prinzipien der christlichen Zivilisation befasst.

Mit seinen Schriften möchte er aufzeigen, wie Katholiken den Strömungen der heutigen Welt widerstehen und zur Erneuerung einer auf christlichen Werten gegründeten Gesellschaft beitragen können.

 

Quelle: https://www.tfp.org/ai-for-catholics-in-the-real-world-who-still-believe-in-the-devil/

 

Aus dem Englischen von “AI For Catholics in the Real World Who Still Believe in the Devil” in https://www.tfp.org/

Die deutsche Fassung dieses Artikels „KI für Katholiken in der realen Welt, die immer noch an den Teufel glauben“ ist erstmals erschienen in
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Foto: Von IA (ChatGPT) erstelltes und mit Canva Pro finalisiertes Bild.

 

Freitag, 5. Juni 2026

Christus ist König – ganz gleich, wer es sagt oder nicht

 


von John Horvat II.
14. April 2026

Eine hitzige Debatte entbrennt derzeit um bestimmte christliche Formulierungen, die in konservativen Kreisen kursieren. Liberale Kritiker behaupten, Rechtsextremisten hätten sich bestimmte christliche Phrasen zu eigen gemacht und sie instrumentalisiert; daher, so die Forderung, solle man sie besser meiden.

Besonders im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit steht derzeit der Ausspruch: „Christus ist König!“ Liberale Medien behaupten, die bloße Verwendung dieses Ausdrucks signalisiere Sympathien für den christlichen Nationalismus, Unterstützung für die „Groyper“-Bewegung oder antizionistische Tendenzen.

Missbrauch des Satzes „Christus ist König“

Es bedarf nicht viel, um eine solche Etikettierung auszulösen. Wer sagt, Amerika sei eine christliche Nation und schulde Christus Treue, wird sogleich als Rechtsextremist abgestempelt. Wenn Kongressabgeordnete die Phrase „Christus ist König“ in Reden oder in sozialen Medien verwenden, unterstellen Liberale, dies sei ein Schritt hin zu einer rechten Theokratie. Andere behaupten, jedes Bekenntnis zum Königtum Christi komme einem Wunsch nach dem Untergang des Staates Israel gleich.

Bestimmte Akteure im rechten Lager missbrauchen den Ausdruck „Christus ist König“ auf eine Weise, die diese Zuschreibungen gezielt provoziert. Wieder andere nutzen den Begriff lediglich als bequemes Merkmal kultureller Identität, ohne selbst eine echte Bindung an Christus als König zu pflegen; sie leben so, als existierten die Zehn Gebote gar nicht.

Tatsächlich gibt es „Kultur-Christen“, die zwar die christliche Identität für sich beanspruchen, aber keinerlei Verpflichtung zur Einhaltung von Gottes Sittengesetz verspüren, die mit Seinem Königtum einhergeht. Doch solche unchristlichen Menschen haben kein Monopol auf diese Phrase. Es gilt der lateinische Grundsatz: *Abusus non tollit usum* – der Missbrauch einer Sache ist kein stichhaltiges Argument gegen ihren rechtmäßigen Gebrauch.

Wer stolz und zu Recht das Banner „Christus ist König“ hochhält, darf nicht vor jenen im rechten Lager zurückweichen, die den Ausdruck missbrauchen, noch vor jenen im linken Lager, die diejenigen verleumden, welche ihn voller Begeisterung verkünden. Angesichts des heutigen, weitgehend ungebildeten und vergifteten Klimas müssen solche mutigen Christen jedoch erklären, was der Ausdruck bedeutet und warum er von Bedeutung ist.

Die eigentlichen Verursacher

Diejenigen, die den Ausspruch „Christus ist König“ am stärksten missbrauchen, sind nicht die Christen, sondern die Liberalen, die ihn angreifen. Diese Liberalen verzerren die Debatte, indem sie das Wesen dieses Königtums verstümmeln. Sie bestehen darauf, das Konzept auf eine rein persönliche Beziehung zu Christus zu reduzieren – losgelöst vom öffentlichen Raum oder der realen Welt. Sie bezeichnen jeden Versuch, die Herrschaft Christi über den privaten Bereich hinaus auszudehnen, als einen Versuch, Religion aufzuzwingen und eine Theokratie zu errichten.

Für Liberale ist dieser Ausdruck eine kulturelle – oder besser: subkulturelle – Angelegenheit, die Christen in nicht-öffentliche Räume abdrängt, ohne dass sie gesellschaftliche Ausstrahlungskraft entfalten könnten. Solche Liberalen sind am wenigsten dazu berufen, sich über Christus und sein Königtum zu äußern. Dennoch beharren sie darauf, ein offizielles, säkulares Narrativ zu konstruieren, das Religion als sentimentale persönliche Verhaltensweise und nicht als öffentliche Gottesverehrung darstellt.

Die Entthronung Christi

Eine solche Darstellung entthront Christus faktisch als König. Er wird auf einen verbannten Monarchen reduziert, der keinen Einfluss auf seine rebellischen Untertanen in der Zivilgesellschaft hat. Ihm wird lediglich eine stark eingeschränkte Herrschaft über einzelne, eingeschüchterte und ihre Überzeugung verbergende Herzen zugestanden.

Dieses verkürzte liberale Verständnis des Königtums Christi ist falsch. Für Christen bedeutet dieser Ausdruck, dass Christus wahrhaft König über die gesamte Gesellschaft ist – unabhängig davon, was andere glauben. Die Tatsache, dass manche sein Königtum ignorieren oder leugnen, ändert nichts daran. Wie das Sprichwort sagt: „Es kümmert den Mond nicht, wenn der Hund ihn anbellt.“ Was Ungläubige denken, ändert nichts an der Realität, dass Christus über alles herrscht.

Dieses Reich ist keine aufgezwungene Herrschaft, sondern eine, die von Gottes Liebe getragen wird. Der König ist kein Tyrann, sondern ein liebender Vater, der das Beste für seine Kinder will. Seine Herrschaft verlangt nichts, was der menschlichen Natur widerspräche; vielmehr bietet sie ein Sittengesetz an, das das größtmögliche Glück in diesem Jammertal gewährleistet. Indem sie bekennen, dass Christus König ist, bringen Christen zum Ausdruck, was für den Einzelnen und für die Völker am besten ist. Das Königtum Christi befreit sie von den Fesseln ihrer Maßlosigkeit und ihrer ungezügelten Leidenschaften.

Die Haltung der Kirche

Aus diesem Grund führte die katholische Kirche das Christkönigsfest ein, um diese große Wohltat für die Menschheit zu feiern. Das Bild Christi als König ist in der katholischen Frömmigkeit und in Gebetsanrufungen seit Langem verbreitet. Katholiken haben – gerade in der Moderne – nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass sie Christus als wahren König anerkennen.

Im Jahr 1925 veröffentlichte Pius XI. die Enzyklika „Quas primas“, um der Tyrannei des modernen Säkularismus und dem Aufstieg antichristlicher Regime entgegenzutreten. Das Dokument legt die vielfältigen Gründe dar, warum Christus König ist. Vier davon verdienen besondere Erwähnung.

Warum ist Er König?

Zunächst gilt es anzuerkennen, dass Christus König ist, weil Er Gott ist. Alles ist durch Ihn und für Ihn geschaffen. Seine göttliche Natur verlangt, dass Ihm die gebührende Ehre erwiesen wird und dass alle in Übereinstimmung mit Seinem Willen handeln. So schreibt Pius XI.: „Er herrscht auch im Willen der Menschen; denn in Ihm war der Wille dem heiligen Willen Gottes vollkommen und gänzlich gehorsam, und zudem unterwirft Er durch Seine Gnade und Eingebung unseren freien Willen derart, dass Er uns zu edelstem Streben anspornt.“

Zweitens ist Christus König, weil Er die Menschheit erlöst hat, die Ihm durch Sein Opfer zu eigen ist. Dies ist kein bloßes übertragenes Recht, sondern ein tatsächliches Recht, das auf Seinem Sieg beruht. Folglich schuldet die Menschheit Ihm Dank, Lobpreis und Anbetung für diese große Wohltat.

Drittens: Weil Christus König ist, handeln Einzelne und Nationen zu ihrem eigenen Schaden und in großer Gefahr, wenn sie Ihn ignorieren. Pius XI. stellt fest: „Solange sich Einzelne und Staaten weigern, sich der Herrschaft Christi zu unterwerfen, wird es keinen dauerhaften Frieden unter den Völkern geben.“

Die soziale Königsherrschaft Christi

Schließlich lehrte Pius XI., dass Christus eine soziale Königsherrschaft ausübt, die vom Herzen des Einzelnen bis in das öffentliche Leben, die Politik und die Rechtssysteme der Nationen reicht. Seine Herrschaft strahlt sich zwangsläufig auf alle Bereiche der menschlichen Gesellschaft aus, einschließlich Familie, Kultur und sogar politischer Angelegenheiten.

Der Papst beklagt, dass die moderne Welt einen entgegengesetzten Weg einschlägt. „Während die Nationen den geliebten Namen unseres Erlösers schmähen, indem sie jede Erwähnung desselben aus ihren Konferenzen und Parlamenten verbannen, müssen wir umso lauter Seine königliche Würde und Macht verkünden und umso nachdrücklicher Seine Rechte bekräftigen.“

Eine dringend notwendige Botschaft

Die zentrale Botschaft der Enzyklika verkündet Christus nicht nur als König der Herzen, sondern auch als König der Nationen. Sein Sittengesetz sollte das politische und wirtschaftliche Leben leiten, da es der vollkommenste Weg zu Ordnung und Frieden ist.

Katholiken sollten stolz darauf sein, diese Botschaft in die postmoderne Welt zu tragen, die sich so sehr gegen sie auflehnt. Sie sollten diejenigen anprangern, die diesen Begriff für ihre eigenen Interessen missbrauchen. Ebenso sollten sie Mitleid mit jenen haben, die keinen Glauben besitzen und die gütige Königsherrschaft eines liebenden Gottes ablehnen.

Christus ist König, ganz gleich, wer dies ausspricht oder wer nicht. Unabhängig von den Ansichten der Menschen lautet die Wahrheit – heute wie in alle Ewigkeit –: „Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat!“ Die Kirche hat stets gelehrt: „Christus siegt, Christus herrscht, Christus gebietet!“

 

 

Erstmals veröffentlicht auf TFP.org

Aus dem Englischen von “Christ Is King, No Matter Who Says It or Not” in https://www.returntoorder.org

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Christus ist König – ganz gleich, wer es sagt oder nicht“ ist erstmals erschienen in
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