Mittwoch, 13. Juni 2018

Das geistige Erbe einer guten Familientradition



Körperliches und geistiges Erbe
Die wahre Natur dieser großen und geheimnisvollen Sache, die das Vererben ist, — das heißt das von Geschlecht zu Geschlecht ununterbrochene Weiterreichen eines reichen Schatzes materieller und geistiger Güter innerhalb einer Sippe, die gleichbleibende Wiederkehr desselben körperlichen und sittlichen Typus des Vaters im Sohn, die Tradition, die durch Jahrhunderte hindurch die Glieder derselben Familie zur Einheit verbindet —, die wahre Natur des Vererbens kann man, möchten Wir sagen, ohne Zweifel mit materialistischen Theorien entstellen. Aber man kann und muß eine derartige Wirklichkeit von so großer Bedeutung auch in ihrem vollen natürlichen und übernatürlichen Wahrheitsgehalt betrachten.
Man wird gewiß die Tatsache eines materiellen Bestandteils bei der Weitergabe der erblichen Eigenschaften nicht leugnen. Wollte man sich darüber wundern, so müßte man die innige Verbindung unserer Seele mit unserem Körper vergessen, und in welch großem Ausmaß selbst unsere geistigsten Tätigkeiten von unserer körperlichen Veranlagung abhängig sind. Darum unterläßt es die christliche Sittenlehre nicht, die Eltern an die schwere Verantwortung zu erinnern, die ihnen in dieser Hinsicht obliegt.
Von größerer Bedeutung ist jedoch das geistige Erbe, das nicht so sehr durch jene geheimnisvollen Bande der materiellen Zeugung weitergegeben wird, als vielmehr durch die beständige Wirksamkeit jenes bevorzugten Milieus, welches die Familie darstellt, mit der langsamen und tiefgehenden Bildung der Herzen in der Atmosphäre einer Häuslichkeit, die reich ist an hohen geistigen und sittlichen und vor allem christlichen Traditionen, zusammen mit der gegenseitigen Beeinflussung zwischen denen, die im selben Hause wohnen, einer Beeinflussung, deren wohltuende Wirkungen weit über die Jahre der Kindheit und Jugend bis ans Ende eines langen Lebens in jenen auserlesenen Seelen hinausreichen, die es verstehen, in sich selbst die Schätze eines kostbaren Erbes mit dem Beitrag ihrer persönlichen Qualität und Erfahrung zu verschmelzen.
Solcher Art ist das Erbe, kostbarer als jedes andere, das, von einem starken Glauben erleuchtet und von einer tatkräftigen und treuen Praxis des christlichen Lebens in allen seinen Erfordernissen belebt, die Seelen Eurer Kinder emporhebt verfeinert und reich macht.
Ansprache an das Patriziat und den Adel von Rom: 5. Januar 1941. Original: italienisch.



Quelle:„Ansprachen Pius' XII. an den römischen Adel“. Herausgegeben vom Rhein.-Westf. Verein Kathol. Edelleute.
Sonderdruck aus „Aufbau und Entfaltung des gesellschaftlichen Lebens / Soziale Summe Pius' XII.“ Herausgegeben von Arthur-Fridolin Utz O.P., Professor der Ethik und Sozialphilosophie an der Universität Freiburg/Schweiz, und Joseph-Fulko Groner O.P., Professor der Moraltheologie an der Universität Freiburg/Schweiz, Paulus Verlag, Freiburg/Schweiz.
Druck Bonifatius-Druckerei Paderborn 1957.

Mittwoch, 6. Juni 2018

Anna Selbdritt



Auf der Nordseite der Deutschordenskirche in Frankfurt findet sich neben dem frisch restaurierten Passionszyklus der Annenaltar, in dem vom Frankfurter Bildhauer Caspar Weis gotische und neogotische Teilelemente zu einem harmonischen Ganzen zusammenkomponiert wurden. Auch an diesem Altar konnte mit Hilfe des Fördervereins eine Grundkonservierung und Restaurierung erfolgen, sodass er nun in altem Glanz erstrahlt.
Das Zentrum des Altars bilden die von Weis geschaffenen Figuren der Gottesmutter mit Kind, das von der hl. Anna, seiner Großmutter in den Arm genommen werden möchte. Auf den ersten Blick eine alltägliche Szene. Oft gehen kleine Kinder mit offenen Armen auf ihre Großmütter zu, damit diese sie in den Arm nehmen. Wer aber genau hinschaut erkennt ein Detail, das über den Alltag hinausweist:
Die hl. Anna las gerade in einem Buch, das noch aufgeschlagen auf ihrem Schoss liegt. Es handelt sich um die heilige Schrift. Und dieses Buch findet sich auch in der zweiten Darstellung der hl. Anna, die Caspar Weis für diese Kirche geschaffen hat. Im Hochaltar sehen wir sie als zweite Figur rechts neben dem Altarkreuz, wie sie Maria als Kind die heilige Schrift erklärte. Indem Anna ihre Tochter im Glauben Israels erzog, der sich aus der Offenbarung Gottes in der heiligen Schrift speiste, legte sie das Glaubensfundament dafür, dass Maria sich auf den Willen Gottes einlassen und so Christus aus ihr unsere Menschennatur annehmen konnte. Und durch ihr eigenes Studium der heiligen Schrift, konnte auch sie selbst Christus umfangen, ihn in die Arme schließen.
Für viele ist der Juli eine Zeit des Urlaubs und der Entspannung. Und nicht wenige werden diese Zeit nutzen, um ein gutes Buch zu lesen. Vielleicht könnte gerade das Beispiel der hl. Anna ein Anlass sein, einmal wieder das beste aller Bücher in die Hand zu nehmen, das Buch der Bücher. Denn in ihm möchte Gott zu uns reden, ja in unser Leben treten. (P. Jörg Weinbach OT)

Quelle: Deutschordenskirche Frankfurt, Gottesdienstordnung vom 01.07. bis 31.07.2017

Sonntag, 3. Juni 2018

Mutterliebe



Mutter und Kind in einem Boot, 1892
Edmund Charles Tarbell
Museum of Fine Arts, Boston, USA I Foto: commons.wikimedia.org

Edmund Charles Tarbell ist ein bekannter amerikanischer Maler. Im Jahr 1883 kam er nach Paris, wo er an der Akademie Julian studierte. Dann reiste er quer durch Europa und kehrte nach drei Jahren wieder nach Boston zurück, wo er im Alter von 26 Jahren heiratete.
Für dieses Gemälde dienten ihm seine Ehefrau Emeline und die kleine Josephine als Modell. Er malte oft spontan seine Familie — seine Frau und vier Kinder. Diese Bilder sind aus dem Leben gegriffen.
Seine kräftigen Farbstriche geben die Lichtreflexe auf den Wellen eindrucksvoll wieder. Die Sonnenstrahlen auf dem Boot werden durch die grünen Zweige, die vom Seeufer hereinragen, abgeschwächt.
Man spürt die milde Luft und hört das Schlagen der Wellen gegen die Seiten des Bootes. Dieses Bild strahlt Gelassenheit, Vornehmheit und Güte aus. Es erfüllt uns mit Dankbarkeit für eines der schönsten Geschenke Gottes, die Mutterliebe.

(Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Juli 2015)

Freitag, 1. Juni 2018

Bretonische Schneiderinnen



Bretonische Schneiderinnen, 1854
Jean-Baptiste Jules Trayer
Privatsammlung / Foto: commons.wikimedia.org

Die bretonischen Schneiderinnen arbeiten nahe beim Fenster, dessen Vorhänge beiseite geschoben wurden, damit sie das Tageslicht nützen können. Der Raum, der als Werkstatt dient, ist ganz einfach. Terrakotta Fliesen bedecken den Boden, Schnittmuster sind an der Wand befestigt, am Kamin stehen eine Öllampe und ein Kerzenleuchter.
Auf ihren Strohsesseln sitzend, markieren sie den Stoff, schneiden ihn zurecht, fertigen die Kleider daraus und nähen schlussendlich die Spitzen an. Diese Frauen arbeiten ruhig und friedlich, ohne Hektik. Eine Handarbeit, deren Qualität geschätzt und begehrt ist. In ihrem zweifellos schwierigen Leben, das von Mühe und Opfer nicht verschont bleibt, dominiert die Liebe zur Arbeit und der Wunsch Erstklassiges herzustellen.
Heutzutage schuften in immens großen chinesischen Werkstätten die Arbeiterinnen am Fließband und ersetzen all das, was man auf diesem Bild sieht. Paradoxerweise ist Handarbeit ein großer Luxus geworden. Nur ganz exklusive Kleidung wird noch in Handarbeit angefertigt.

(Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Juni 2015)


Dienstag, 29. Mai 2018

Ehrwürdiges Denkmal



Ein Denkmal ist nur insoweit ehrwürdig als eine lange Geschichte der Vergangenheit seinen von Jahrhunderten geschwärzten Gewölben gleichsam eingeprägt ist. Darum gibt es nichts Wunderbares in einem Tempel, den man hat bauen sehen und dessen Echo und Dome sich unter unseren Augen gebildet haben. Gott ist das ewige Gesetz, und sein Ursprung und alles, was mit seiner Verehrung zusammenhängt, muss sich in der Nacht der Zeiten verlieren.
François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 398.

Freitag, 25. Mai 2018

Verbundenheit des Papstes und der Päpste mit dem Adel von Rom




Eine Quelle herzlicher und väterlicher Freude ist Uns, geliebte Söhne und Töchter, Eure willkommene, zu Beginn des neuen Jahres um Uns versammelte Schar, eines Jahres, das ob der beängstigenden Ausblicke nicht weniger bedrückend ist als das soeben verflossene. Ihr seid zusammengekommen, um Uns kindliche Glückwünsche darzubringen durch den Mund Eures hochverehrten Sprechers, dessen ergebene und erhabene Worte Eurer einmütigen und gleichgesinnten Anwesenheit eine für Uns besonders liebe Wertschätzung und Herzlichkeit verleihen. Im Patriziat und Adel von Rom erblicken und verehren wir eine Anzahl von Söhnen und Töchtern, deren Ruhm und Anhänglichkeit und ererbte Treue gegenüber der Kirche und dem Römischen Papst, deren Liebe zum Statthalter Christi aus dem tiefen Grund des Glaubens hervorbricht und im Verlauf der Jahre und im Wechselspiel der Zeiten und Menschen nicht schwächer wird.

In Eurer Mitte fühlen Wir Uns noch mehr als Römer wegen der Lebensgewohnheiten, der Luft, die Wir eingeatmet haben und einatmen, wegen des gleichen Himmels, wegen derselben Sonne, wegen derselben Ufer des Tiber, an denen Unsere Wiege stand, wegen jener heiligen Erde bis hinein in seine verborgensten Winkel, aus denen Rom für seine Söhne die Verheißungen einer Ewigkeit schöpft, die bis an den Himmel reicht.
Es ist eine Tatsache, daß, wenn Christus, unser Herr, es zum Trost der Armen auch vorzog, bettelarm auf die Welt zu kommen und in einer einfachen Arbeiterfamilie aufzuwachsen, er dennoch mit seiner Geburt das adeligste und berühmteste Haus Israels, die Familie Davids selbst, ehren wollte.
Darum hielten die Päpste, treu dem Geiste jenes, dessen Statthalter sie sind, das Patriziat und den Adel von Rom stets in hoher Achtung, dessen unwandelbare Anhänglichkeitsgefühle an diesen Apostolischen Stuhl den kostbaren Erbteil bilden, den sie von ihren Ahnen erhielten und den sie selbst wiederum ihren Kindern weitergeben werden.


Ansprache an das Patriziat und den Adel von Rom: 5. Januar 1941. Original: italienisch.

Quelle:„Ansprachen Pius' XII. an den römischen Adel“. Herausgegeben vom Rhein.-Westf. Verein Kathol. Edelleute.
Sonderdruck aus „Aufbau und Entfaltung des gesellschaftlichen Lebens / Soziale Summe Pius' XII.“ Herausgegeben von Arthur-Fridolin Utz O.P., Professor der Ethik und Sozialphilosophie an der Universität Freiburg/Schweiz, und Joseph-Fulko Groner O.P., Professor der Moraltheologie an der Universität Freiburg/Schweiz, Paulus Verlag, Freiburg/Schweiz.
Druck Bonifatius-Druckerei Paderborn 1957.

Mittwoch, 16. Mai 2018

Die Glocke bestimmt die Tageszeiten


„Die Arbeit begann und hörte auf beim Klang der Glocke. Man vernahm ihn beim ersten Strahl des Morgengrauens. Sofort versammelten sich die Kinder in der Kirche, wo ihr Morgenkonzert wie das der kleinen Vögel bis zum Sonnenaufgang dauerte. Männer und Frauen besuchten die Messe, von wo aus sie zur Arbeit gingen. Am Ende des Tages rief die Glocke erneut die Bürger an den Altar, und sie sangen das Abendgebet im Doppelchor mit großer Musik.“

Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, März 2016.
Freie Übersetzung des Kalendertextes aus dem Französischen.