Mittwoch, 29. April 2026

Von Lenin zu Putin: Wie der Westen Russlands Macht aufbaute

  


von Atilio Faoro

Françoise Thom enthüllt den Skandal der Abkommen, die den Kreml bewaffneten. In zwei Essays, die im September 2025 auf Desk Russia erschienen, beweist die Historikerin, dass ein Jahrhundert Handel mit Moskau – von Lenin bis Putin – nicht dem Aufstieg des russischen Volkes diente, sondern der Stärkung seiner Diktatoren: Ford-Werke, sibirische Gaspipelines, Mistral-Verträge … alles landete im Arsenal des Kremls.

Sie entlarvt den Mythos des „Friedenshandels“: Den Westen zu verführen, zu kapern und dann auszuplündern, ist Moskaus konsequente Methode. Jede westliche Generation fällt darauf herein; ohne den Handel mit Wahrheit und Freiheit zu verbinden wird Kommerz zur Komplizenschaft mit dem Bösen.

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Manchmal taucht die Geschichte, sorgsam unter Archiven und offiziellen Verlautbarungen begraben, plötzlich wieder auf und erschüttert unsere Gewissheiten. Genau das hat Françoise Thom, eine französische Historikerin, Professorin für Russistik und Spezialistin für die UdSSR, kürzlich getan. Sie lehrte an der Sorbonne und verbrachte in den 1970er Jahren vier Jahre in der Sowjetunion. Ihre profunde Kenntnis des kommunistischen Systems, gewonnen aus Archiven und persönlichen Erinnerungen, verleiht ihren Texten eine umso schärfere Note, da sie auf diplomatische Höflichkeiten verzichtet.

Im September 2025 veröffentlichte sie zwei längere Essays auf der Website von Desk Russia – einer Denkfabrik russischer und osteuropäischer Akademiker und Dissidenten, die für ihre Aufklärungsarbeit über russischen Imperialismus und Kreml-Desinformation bekannt ist –, die bahnbrechend sein dürften: – am 7. September 2025: „Wirtschaftlicher Austausch: Eine unerkannte Waffe im hybriden Krieg des Kremls gegen den Westen. Teil I: Der leninistische Einfluss“ [1]; – am 28. September 2025: „… II: Die Ansteckung“ [2].

Diese beiden akribisch recherchierten Texte zeichnen über ein Jahrhundert der Illusionen nach: Wie die russische Regierung von Lenin bis Putin den Handel mit dem Westen nicht zur Entwicklung ihres Volkes, sondern zur Stärkung ihres Regimes und zur Schwächung ihrer Gegner nutzte. Diese These mag schockierend erscheinen; sie ist es nur, weil sie das offenlegt, was die Diplomatie lange mit Euphemismen verschleiert hat.

Françoise Thom beginnt im Jahr 1918. Das bolschewistische Russland war damals am Ende seiner Kräfte; dennoch spürte Lenin, dass es seine Machtposition halten konnte, wenn es ihm gelang, westliches Fachwissen anzuziehen. Daher reichte er deutschen, britischen, französischen und amerikanischen Industriellen die Hand. Doch hinter dem Lächeln verbarg sich Folgendes, was er Kamenew privat schrieb: „Unser Monopol im Außenhandel ist eine höfliche Warnung: Meine lieben Freunde, die Zeit wird kommen, da ich euch dafür hängen werde.“ [3] In einem anderen Brief vertraute er an, es sei notwendig, „die Habgier der Kapitalisten auszunutzen, um ihnen Vorteile abzuringen, die unsere Position stärken werden.“ [4] Alles ist gesagt: Kooperation ist lediglich ein taktisches Ablenkungsmanöver. Die Demokratien ihrerseits hielten an dem Glauben an die zivilisierenden Tugenden des Marktes fest. Der britische Premierminister Lloyd George erklärte im März 1920: „Es ist uns nicht gelungen, Russland mit Gewalt aus seinem Wahnsinn zu befreien; ich glaube, wir können es durch Handel retten… Wir müssen der Anarchie mit Überfluss begegnen“ [5]. Die Naivität dieser Aussage verdeutlicht das Missverständnis, das ein Jahrhundert lang die Ost-West-Beziehungen prägen sollte: Der Westen unterstellt dem Kreml seine eigenen Absichten; der Kreml sieht ihn als Machtinstrument.

Dasselbe Muster wiederholt sich. In den 1920er und 30er Jahren investierten Deutschland und England massiv; dann holte Stalin westliche Konzerne ins Land: Ford entwarf das Gorki-Automobilwerk; das Industriearchitekturbüro Albert Kahn Inc. überwachte den Bau von über 520 Fabriken; General Electric lieferte Turbinen und Generatoren. Nachdem das Know-how verinnerlicht war, erfand das Regime Sabotageprozesse: Der Schachty-Prozess (1928) und die Metropolitan-Vickers-Affäre (1933) richteten sich gegen sowjetische Ingenieure und britische Experten [6]. Die Botschaft war klar: Danke für die Technologie, ihr könnt gehen … oder ihr werdet angeklagt.

Nach 1945 änderte sich die Lage: Man sprach nun von „Entspannung“ und „friedlicher Koexistenz“. Doch die von Thom zitierten Dokumente belegen strategische Kontinuität. Ein ostdeutsches Memo vom 26. April 1968 schrieb vor: „Einflussreiche europäische Wirtschaftseliten müssen durch Kooperation gewonnen und der amerikanische Einfluss reduziert werden“ [7]. Bedeutende Ost-West-Verträge – das Fiat-Werk in Togliatti (1966), der KamAZ-Komplex, die sibirischen Gaspipelines – transferierten zivile und militärische Technologien (Dual-Use) und befeuerten den Aufstieg des sowjetischen militärisch-industriellen Komplexes [8]. Der Westen glaubte, den Konflikt durch Interdependenz entschärfen zu können. Moskau stärkte sein Arsenal und spaltete seine Gegner.

 

Der Zusammenbruch der UdSSR 1991 weckte die Hoffnung auf einen Wendepunkt. Doch unter Boris Jelzin hing der russische Staat am seidenen Faden: IWF und Weltbank stellten 66 Milliarden US-Dollar bereit; gleichzeitig verschwanden 150 bis 200 Milliarden US-Dollar über Offshore-Kanäle [2]. Ein von PwC in Auftrag gegebener Prüfbericht deckte auf, dass die russische Zentralbank über eine Briefkastenfirma mit Sitz auf Jersey (FIMACO) mit ihren eigenen Schulden spekulierte, um ihre Reserven zu verschleiern [9]. Staatsanwalt Juri Skuratow, der diese Veruntreuungen aufdecken wollte, wurde Opfer einer vom FSB unter Wladimir Putin inszenierten, im Fernsehen übertragenen Kompromat-Aktion; die Ermittlungen wurden vertuscht [10]. Nach seinem Amtsantritt akzeptierte Putin die Situation offen: 2008 erklärte er, die absolute Priorität sei „der Erwerb fortschrittlicher wissenschaftlicher und technologischer Kapazitäten“ [11]. Später äußerte er die unmissverständliche Aussage: „Wir müssen sie erdrosseln … Ich sage es ohne Zögern“ [12], und zielte damit auf westliche Unternehmen ab, die als potenzielle Feinde des russischen Staates galten.

Der Mechanismus bleibt unverändert: Zuerst verführen, dann Kapital und Know-how an sich reißen und schließlich die Bedingungen verschärfen und beschlagnahmen. Das Abkommen von 2011 über die von Frankreich für die russische Marine gebauten amphibischen Angriffsschiffe der Mistral-Klasse wurde als „größter Transfer sensibler militärischer Ausrüstung von einem Land in ein anderes in der Geschichte“ [13] bezeichnet. Nach 2014 modernisierten französische Zulieferer (Thales, Safran) trotz des europäischen Embargos russische Panzer und Flugzeuge. 2022 musste der Renault-Konzern, zwischen Sanktionen und Druck gefangen, seine Mehrheitsbeteiligung an AvtoVAZ (Lada) für einen symbolischen Rubel abtreten; im selben Jahr beschlagnahmte Moskau per Präsidialerlass ausländische Vermögenswerte – Danone, Carlsberg sowie die Projekte Sachalin-I und -II [2]. Dieser Bericht, durchsetzt mit direkten Zitaten, offenbart eine Konstante, die unsere Gesellschaften lieber vergessen: Russische Machthaber betrachten Handel als Kriegsinstrument und die Naivität ihrer Partner als strategische Ressource. Jede westliche Generation glaubt, einen Neubeginn einzuleiten; jede Generation erlebt dasselbe Szenario: Versprechen zur Zusammenarbeit, Kapitaltransfers, interne Spaltungen, dann juristische Schikanen und Plünderungen.

Die Lektüre dieser Archive ist beunruhigend: Hinter den Händedrücken und Reden über Frieden durch Handel verbirgt sich Lenins Warnung: „Es wird die Zeit kommen, da ich euch dafür hängen werde.“ Das ist kein Scherz: Es ist Methode.

 

Und da sich dieser Artikel an katholische Leser richtet, die sich dem Glauben und der Gerechtigkeit verpflichtet fühlen, sei daran erinnert, dass das Evangelium uns mahnt: „Seid unschuldig wie die Tauben und klug wie die Schlangen“ (Matthäus 10,16). Die Soziallehre der Kirche ist keine fromme Option: Sie erhellt das Wirtschaftsleben. Sie erinnert uns daran, dass Handel nicht neutral ist; Sie muss stets der Würde des Menschen, dem Gemeinwohl, der Freiheit der Nationen und der Wahrheit verpflichtet sein. Wirtschaftliche Zusammenarbeit, die in Wirklichkeit dazu dient, ein Volk zu unterdrücken, eine Kriegsmaschinerie anzutreiben oder Lügen zu verbreiten, wird zur Komplizenschaft mit dem Bösen, selbst wenn sie kurzfristig profitabel erscheint. Wir können nicht einfach Kapital und Technologie austauschen, ohne den Zweck dieser Transaktionen zu hinterfragen. Christen sind aufgerufen, Gewinn und Wahrheit miteinander zu verbinden; sie dürfen niemals die moralischen Kosten dessen, was sie finanzieren, ignorieren.

Diese Weitsicht führt nicht zu Verzweiflung, sondern weckt Wachsamkeit und Hoffnung. Wir können uns weiterhin für transparente und reversible Partnerschaften entscheiden, strategische Abhängigkeiten ablehnen, die unsere Sicherheit und Freiheit in die Hände eines räuberischen Regimes liefern, leidende Völker unterstützen – allen voran die Ukraine – und auch jene Russen, die sich unter Lebensgefahr weigern, der Lüge zu dienen.

Schließlich und vor allem können wir beten, dass die Wahrheit siegt: „Die Wahrheit wird euch frei machen“ (Johannes 8,32). Auf diesem stillen Schlachtfeld der globalen Wirtschaft dürfen Christen niemals aufhören, für Gerechtigkeit, Wahrheit und Nächstenliebe einzutreten. Dort, mehr als in Verträgen und Zahlen, liegt der wahre Sieg.


Aus dem Französischen in

https://tfp-france.org/de-lenine-a-poutine-comment-loccident-a-bati-la-puissance-russe


Photos : Défilé du jour de la Victoire à Moscou 2023 Kremlin.ru, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons. Lenine, Viktor Bulla, Public domain, via Wikimedia Commons. Poutine, Kremlin.ru, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons.

Fussnoten im Original:

[1] Françoise Thom, « Les échanges économiques, une arme méconnue dans la guerre hybride du Kremlin contre l’Occident. I : L’empreinte léninienne », Desk Russie, 7 septembre 2025.

[2] F. Thom, « … II : La contagion », Desk Russie, 28 septembre 2025.
[3] V. Lénine, lettre à L. Kamenev, 3 mars 1922 : « Notre monopole sur le commerce extérieur est un avertissement poli : mes chers, le moment viendra où je vous pendrai pour cela. » Cité par F. Thom, art. I.
[4] Lénine : « … exploiter la rapacité des capitalistes pour leur extorquer des avantages… » Cité par F. Thom, art. I.
[5] David Lloyd George, déclaration à la Chambre des communes, mars 1920 : « … nous avons échoué à tirer la Russie de sa folie par la force ; je crois que nous pouvons la sauver par le commerce… » Cité par F. Thom, art. I.
[6] Procès de Chakhty (1928) et procès Metropolitan-Vickers (1933), affaires de « sabotage » visant des ingénieurs soviétiques et britanniques. Cités par F. Thom, art. I.
[7] Mémo du SED (RDA), 26 avril 1968 : « … rallier les élites économiques européennes influentes… » Cité par F. Thom, art. II.
[8] Exemples de transferts technologiques civilo-militaires : accord VAZ-Fiat (1966, usine Togliatti), complexe KamAZ, gazoducs Sibérie-Europe. Cités par F. Thom, art. II.
[9] Audit du cabinet PricewaterhouseCoopers (PwC) pour le FMI (1998) sur la Banque centrale de Russie : utilisation de la société off-shore FIMACO (Jersey) pour gonfler artificiellement les réserves et spéculer sur sa propre dette. Cité par F. Thom, art. II.
[10] Affaire Iouri Skouratov (1999) : le procureur général russe enquêtant sur les détournements de fonds fut écarté après diffusion d’un kompromat préparé par le FSB alors dirigé par V. Poutine. Cité par F. Thom, art. II.
[11] Vladimir Poutine, 2008 : déclaration sur « l’acquisition de capacités scientifiques et technologiques avancées » comme priorité absolue de la Russie. Cité par F. Thom, art. II.
[12] V. Poutine : « Nous devons les étrangler… je le dis sans hésitation », propos rapportés dans F. Thom, art. II.

[13] Contrat des navires Mistral entre la France et la Russie (17 juin 2011) : « le plus grand transfert d’équipement militaire sensible d’un pays à un autre », Defense News, P. Tran, 17-06-2011 ; cité par F. Thom, art. II. 

Begegnung mit dem hl. Bartolo Longo: Ein Satanist, der durch den Rosenkranz befreit wurde

 von Rogier Janssen

16. Dezember 2025

 Bartolo Longo wurde 1841 im italienischen Dorf Latiano geboren. Seine Eltern waren tiefgläubige Katholiken und beteten täglich den Rosenkranz.

Ein junger Radikaler

Doch der junge Bartolo sympathisierte mit den revolutionären italienischen Nationalisten. Diese radikale Gruppe propagierte Atheismus und Freimaurerei. Sie sahen die katholische Kirche als Hindernis für die Einigung Italiens. Die Souveränität des Papstes im Vatikan war ihnen ein Dorn im Auge. Die Nationalisten wollten daher das Papsttum gänzlich abschaffen.

Unterstützt von vielen Intellektuellen und inspiriert von den militärischen Siegen Giuseppe Garibaldis, gewannen die Nationalisten unter Studenten an Ansehen. Einer von ihnen war der Jurastudent Bartolo Longo.

Der nationalistische Kampf gegen die Kirche in den 1860er Jahren hatte eine spirituelle Dimension. Der Okkultismus breitete sich aus. Séancen, bei denen die Geister der Verstorbenen beschworen wurden, gewannen an Popularität. Longo beteiligte sich an diesen Praktiken. Schließlich ließ er sich selbst zum satanischen Priester weihen. Der Kampf gegen den Katholizismus bestimmte sein Leben.

Longo setzte alles daran, den Einfluss der Kirche auf Moral, Bildung und Kultur zu untergraben. Er überzeugte viele Katholiken, sich seinen okkulten Praktiken anzuschließen. Viele verließen die Kirche.

Die Dunkelheit nahte

Dennoch wurde er, wie viele Satanisten, von den dunklen Mächten beherrscht, die er beschwor. Oft spürte er die Gegenwart eines „dunklen Begleiters“, eines „Engels“, der natürlich ein Dämon war.

In all dieser Zeit wurde Longo immer unglücklicher. Depressionen, Paranoia und Nervenkrankheiten prägten sein Leben. Er litt unter teuflischen Visionen, die ihn mit Entsetzen erfüllten.

Doch selbst in seinen dunkelsten Stunden erfuhr Bartolo Gnaden. Mindestens einmal hörte er die Stimme seines verstorbenen Vaters, die ihm zurief: „Kehre zu Gott zurück! Kehre zu Gott zurück!“

Diese Erfahrung berührte Bartolo so tief, dass er einen alten Freund aus der Zeit vor seiner Hinwendung zum Satanismus kontaktierte. Dieser Freund überzeugte Bartolo, Satan den Rücken zu kehren und dem wahren Herrn zu dienen. Unter der Anleitung eines Dominikanerpaters kehrte Longo in den Schoß der Mutter Kirche zurück.

Eines Abends hatte Longo ein mystisches Erlebnis. Später schrieb er darüber: „Während ich über meinen Zustand nachdachte, überkam mich tiefe Verzweiflung, und ich war kurz davor, mir das Leben zu nehmen. Da hörte ich in meinem Ohr die Stimme von Bruder Alberto, der die Worte der Jungfrau Maria wiederholte: „Wenn du Erlösung suchst, bete den Rosenkranz Das ist Marias eigenes Versprechen.“ Diese Worte erleuchteten meine Seele. Ich kniete nieder. „Wenn es wahr ist … werde ich dieses Tal nicht verlassen, bis ich deinen Rosenkranz gebetet habe.“

Nach seinem Abschluss arbeitete Longo als Anwalt. Gleichzeitig widmete er seine gesamte Freizeit dem Glauben. Unermüdlich besuchte er Cafés und Partys, um junge Menschen vor Okkultismus zu warnen. Er gründete eine Rosenkranzbruderschaft und engagierte sich in karitativen Werken.

Ein Leben der Nächstenliebe

Während dieser karitativen Arbeit lernte Bartolo Gräfin Mariana di Fusco kennen und freundete sich mit ihr an. Sie war eine wohlhabende Witwe. Auf Anraten von Papst Leo XIII. heirateten sie. Ihre Ehe war eine „Josefs-Ehe“, in der die Eheleute, dem Beispiel Marias und Josefs folgend, zölibatär lebten.

Longos religiöser Eifer war ansteckend. Er verbrachte einen Großteil seines Erwachsenenlebens in Pompeji. Die Stadt wurde aufgrund der wundersamen Wirkung eines Gemäldes Unserer Lieben Frau vom Heiligen Rosenkranz, das Bartolo von seiner Schwester geschenkt bekommen hatte, zu einem Wallfahrtsort. Angesichts des Zustroms von Gläubigen beschloss er, eine Kirche zu bauen, ein Vorhaben, das fünfzehn Jahre in Anspruch nahm. Heute ist dies die Basilika Unserer Lieben Frau vom Heiligen Rosenkranz in Pompeji.

Bartolo Longo verbreitete und förderte den Rosenkranz bis zu seinem Tod im Jahr 1926 im hohen Alter von 85 Jahren.

Hoffnung für jene, deren Angehörige dem Bösen verfallen sind.

Papst Leo XIV. sprach Bartolo Longo am 19. Oktober 2025 heilig.

Heute bitten Katholiken um seine Fürsprache im Kampf gegen die zunehmenden Wellen des Okkultismus und Satanismus. Es war ein Zeichen der göttlichen Vorsehung, dass Longos Heiligsprechung in den Wochen vor Halloween verkündet wurde. Bedauerlicherweise ist der Vorabend von Allerheiligen zu dem neuen Festtag geworden, den die neuheidnische Kultur begeht, vor der Bartolo Longo so eindringlich warnte.

 

Erstmals veröffentlicht von der niederländischen TFP-Kampagne „Mein unbeflecktes Herz wird triumphieren“ am 22. Oktober 2025.

Kategorien: Ausgewählte Schlagwörter: Bartolo Longo, Leo XIV., Rosenkranz, Satanismus, Satanis

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Freitag, 24. April 2026

Warum fürchten sich so viele vor dem Wiederaufblühen der katholischen Religion?

Von John Horvat II

Mit der steigenden Zahl der Erwachsenentaufen freuen sich viele Katholiken über die Aussicht auf eine sogenannte stille Erneuerung. Es ist ein Grund zur Hoffnung, so viele junge Menschen zu sehen, die mehr über den Glauben erfahren möchten.

Gleichzeitig gibt es aber auch Anlass zu großem Rätseln. Die Bischöfe haben sich angesichts des Zustroms neuer Konvertiten in ihre Kirchen zu Ostern ratlos und „überfordert“ gezeigt. Dies passt in kein Schema der Neuevangelisierung. Niemand scheint eine Erklärung dafür zu haben, warum der Katholizismus, insbesondere der traditionelle Katholizismus, plötzlich bei der Generation Z so beliebt ist.

Es gibt jedoch auch sogenannte Erneuerungsskeptiker. Sie sind beunruhigt über die Entwicklungen. Diese Kritiker spielen den Trend als etwas Interessantes, aber Unbedeutendes herunter. Manche nehmen eine abwartende Haltung ein, um nicht den Eindruck zu erwecken, die Situation zu übertreiben. Andere warnen vor der Gefahr, die katholische Tradition zu politisieren und damit die Wirksamkeit des Heiligen Geistes infrage zu stellen.

Je liberaler (und progressiver) die Skeptiker sind, desto stärker spürt man ihre Angst. Sie fürchten, diese Erneuerungsbewegung könnte außer Kontrolle geraten. Daher versuchen sie, die Erweckung zu erklären und ihre Bedeutung zu schmälern.

Das Zahlenspiel

Die häufigste Widerlegung der Erneuerungsbewegung ist ein Zahlenspiel. Obwohl die Diözesen Rekordzahlen an Konversionen melden, weisen die Skeptiker darauf hin, dass für jeden begeisterten neuen Katholiken, der in die Kirche eintritt, viele lauwarme Mitglieder den Glauben verlassen.

Im Kampf der Zahlen werden die Abtrünnigen letztendlich gewinnen, und die Kirche wird unweigerlich schrumpfen. Die Erneuerung ist kaum bahnbrechend.

Das Problem mit der Widerlegung durch Zahlen ist, dass sie davon ausgeht, dass alle Bekehrungen gleichwertig sind. Sie betrachtet nicht, wer sich bekehrt und warum.

Überraschende Konvertiten

Dass lauwarme und oft promiskuitive Katholiken ohne Katechese in Scharen die Kirche verlassen, ist in der Tat keine Überraschung – es ist ein anhaltender Trend seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Diese Katholiken sind die demografische Gruppe, die am ehesten austritt – und sie tun es auch. Was die Konversionszahlen jedoch außergewöhnlich macht, ist, dass die unwahrscheinlichsten demografischen Gruppen in die Kirche eintreten. Laut liberaler Sichtweise sollten sie sich eigentlich nicht zur Kirche hingezogen fühlen – und doch sind sie es.

Sie treten mit ansteckender Begeisterung und Energie ein, begierig auf Unterweisung. Man findet Muslime, Nichtchristen, Heiden, Atheisten, Linke, Jugendliche, Freigeister, junge Männer, Prominente, Eliten, Wissenschaftler, Philosophen und Intellektuelle. Auch bedeutende protestantische Persönlichkeiten konvertieren und erschüttern damit die Grundfesten mancher Gemeinden. Diejenigen, die durch den Verbleib im Establishment alles zu gewinnen hätten, wollen nun austreten. Sie wollen ihre Geschichten erzählen und die Welt evangelisieren. Tatsächlich sind die Zahlen nicht der wichtigste Faktor für diese Erweckung.

Konversion als Mittel zum Zweck

Eine zweite Methode, mit der Skeptiker die Idee einer religiösen Erneuerung widerlegen, ist soziologischer Natur. Diese Methode führt Konversionen auf wirtschaftliche oder soziale Faktoren zurück. Für sie ist Konversion fast eine Konsumentscheidung, die von den zu erwartenden Vorteilen getrieben wird. Ein Bericht des Pew Research Center kommt beispielsweise zu dem Schluss, dass „immer mehr Menschen die Wirksamkeit und den Nutzen religiösen Glaubens und religiöser Praxis erkennen“.

So bezeichnen einige wenig kompetente Beobachter den Konversionsprozess als „Elitemerkmal“ und sogar als Statussymbol. Sie versuchen, die Konversionen zu erklären, indem sie behaupten, dass Menschen in der Kirche Stabilität, Risikominderung und Gemeinschaft finden, was wiederum zu ihrem Wohlstand und ihrem Status als Elite beiträgt.

Selbst arme Menschen können sich von der Kirche angezogen fühlen, weil die Gemeinde ein Ort ist, an dem sie „mit wohlhabenden Menschen in Kontakt kommen“, was ihre Chancen erhöht, der Armut zu entkommen. Konversion eröffnet Wege zum Erfolg. Ross Douthat von der New York Times schreibt: „Der Kirchgang wird zunehmend mit höherem Bildungsniveau, Ehrgeiz und sozialem Aufstieg in Verbindung gebracht.“ Er glaubt, dass man diese Zeit als eine Phase der „Erneuerung der Eliten“ im religiösen Bereich betrachten wird, nicht unbedingt als eine Zeit der Inbrunst.

Der überzeugte Liberale Pater Thomas Reese warnt davor, dass diese Bekehrungen zu einer Rückkehr zur Tradition führen: „Junge Menschen sagen heute, dass sie sich für Spiritualität interessieren und sich nach Gemeinschaft sehnen… Die katholische Kirche hat eine reiche spirituelle Tradition, aber sie muss mehr tun, als einfach nur alte Inhalte neu zu verpacken. Zeitgenössische Spiritualität muss die Entwicklungen in Psychologie, Wissenschaft und Kultur berücksichtigen.“

Gott vergessen

Die Skeptiker vergessen eine zentrale Figur im Bekehrungsprozess: Gott. Sie verhalten sich, als existiere er nicht.

Gott ist immer der Hauptakteur jeder authentischen Bekehrung. Seine Gnade wirkt in den Seelen derer, die er beruft. Wenn der Bekehrte dieser Gnade entspricht, sehnt sich die Seele mit großer Inbrunst nach Gott und ist bereit, alles zu tun, um die Einheit mit Gott zu erlangen, selbst alle materiellen Vorteile aufzugeben und wertvolle Freundschaften zu brechen.

Die bekehrte Seele ist fähig, Hindernisse zu überwinden, eingefahrene Gewohnheiten zu ändern und Großes zu vollbringen, weil eine übernatürliche Gnade in ihr wirkt.

Das Spektakuläre an der gegenwärtigen Welle der Bekehrungen ist, dass sie alle Annahmen umstürzt, liberale Mythen zerstört und Erzählungen neu schreibt, die lange als unantastbar galten.

Etwas Außergewöhnliches ist am Werk und verunsichert viele Menschen. Es mag sogar jene erschrecken, die der Religion Bedeutungslosigkeit zugeschrieben haben. Es ängstigt die Skeptiker, die nicht wollen, dass ihr selbstzufriedenes Leben durch dieses „Etwas“, das sie nicht definieren können, unterbrochen wird.

Die göttliche Berührung

Alles deutet darauf hin, dass Gott in der Geschichte wirkt und die unwahrscheinlichsten Seelen unter den säkularsten Umständen berührt, um sie aufzurufen, moderne und postmoderne Philosophien abzulehnen, die sie einst so vorbehaltlos angenommen hatten.

In seinem fiktional-autobiografischen Buch „En Route“ beschrieb der Autor J.-K. Huysmans aus dem 19. Jahrhundert diese Entwicklung. Huysmans schildert die Szene, in der die Hauptfigur, Durtal, ein liberaler und ausschweifender Schriftsteller, einem weisen alten Priester sein schweres Gewissen anvertraut. Durtal erzählt, wie er, ohne Führung, nach der Betrachtung ihrer erhabenen Schönheit bei Kirchenbesuchen allein zur Kirche fand. Der Priester ist verblüfft.

„Die Art und Weise deiner Bekehrung lässt mich keinen Zweifel. Es gab das, was die Mystik die göttliche Berührung nennt, nur – beachte dies – Gott hat auf menschliches Eingreifen, selbst auf die Vermittlung eines Priesters, verzichtet, um dich auf den Weg zurückzuführen, den du vor über zwanzig Jahren verlassen hattest.“

Vielleicht ist es genau das, was die Erneuerungsskeptiker fürchten: diese göttliche Berührung, die unabhängig vom menschlichen Wirken alles verändert. Die Aussicht auf dieses göttliche „Etwas“ mag jene erschrecken, die sich der Sünde und ungezügelten Leidenschaften hingegeben haben, obwohl sie einem liebenden Gott gegenüberstehen, der nur ihr Wohl will. In einer liberalen Welt, die so organisiert ist, als existiere Gott nicht, passt diese göttliche Berührung nicht. Sie lässt sich nicht erklären. Es sollte nicht existieren und darf nicht existieren. Doch wie die skeptischen Römer feststellten, kann es die Welt verändern.

 

 

John Horvat II ist Vizepräsident der American Society for the Defense of Tradition, Family and Property und Autor von Return to Order.

 

Dieser Artikel wurde erstmals veröffentlicht im Crisis Magazine.


Dienstag, 21. April 2026

Die Erziehung der Kinder der Hl. Clotilde und Chlodwigs,



Clodomir und Childebert, die Söhne Chlodwigs und seiner Gemahlin, der Heiligen Clotilde, üben im Beisein der Königin Axtwerfen, während der Jüngste, Clotaire, zu Füßen seiner Mutter sitzt. Ein erfahrener Krieger leitet die Übung. Hofbeamte in Togen und mehrere Geistliche sind ebenfalls anwesend. An einer Säule stehend, fragt sich ein Mönch mit einer Schriftrolle in der Hand, wann er seinen Lateinunterricht wieder aufnehmen kann … Lawrence Alma-Tadema wurde 1836 in den Niederlanden geboren. Er schuf eine frühere Version dieser Szene, die 1861 im Brüsseler Salon ausgestellt wurde und ihm den ersten Ruhm einbrachte. In diesem Gemälde auf Holz ließ er einige Details weg, die zwar zweifellos ästhetisch ansprechend sind, aber von der eigentlichen Aussage ablenken. So lenkt er die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Wesentliche: Das Christentum vereint die Kraft der Barbaren mit der römischen Kultur und lässt Frankreich entstehen.

Gemälde von  Lawrence Alma-Tadema, 1868

 

Aus dem Kalender 2020 der TFP Frankreich «366 Tage mit der Geschichte Frankreichs leben»,
Monat Januar.

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.

 

Freitag, 17. April 2026

Die Zivilordnung hat kein grundlegenderes Interesse als die Einhaltung der Gebote des Dekalogs

 Rede von Prinz D. Pedro Henrique von Orléans und Bragança

Am 7. Dezember 2016 fand bei der Zeremonie der Diplomverleihung an die Studenten des Colégio da Imaculada Conceição in Jacarezinho, im Bundestaat Paraná. Seine Kaiserliche Hoheit Prinz Dom Pedro Henrique von Orléans und Bragança sprach in seiner Eigenschaft als Pate der Diplomierten die schöne und gehaltvolle Rede, die wir heute veröffentlichen.

Diese Rede steht auf einem höheren Niveau als alle politischen Überlegungen, zeichnet sich durch die Tiefe und Orthodoxie ihres Denkens aus und verkörpert, da sind wir sicher, die Bestrebungen aller Katholiken, ohne Unterschied der politischen Präferenzen:

Dom Pedro Henrique mit der "Goldenen Rose", die Papst Leo XIII
der Prinzessin Isabel übergab, zum Anlass der Befreiung der
Sklaven in Brasilien.

     Ich glaube, ich muss Ihnen nicht sagen, wie sehr mich Ihre Geste berührt hat, als Sie mich ausgewählt haben, um Sie in dieser Feierlichkeit anzusprechen, mit den rituellen Worten, die die Tradition vorschreibt und der Pate bei Abschlussfeierlichkeiten zu sagen hat.

     Ich war glücklich und stolz über Ihre Einladung, die rein persönlicher Natur ist, da sie an einen Brasilianer gerichtet ist, an eine Person aus Paraná durch Adoption, an einen Katholiken, dessen Absicht es ist, unserer Mutter, der Heiligen Kirche und seinem Heimatland mit den wenigen Kräften, die ihm zur Verfügung stehen, zu dienen und geistig von der Ausstrahlung dieser großen Seele eines Pastors und Weisen zu profitieren, der unser verehrter und sehr geliebter Bischof, Dom Geraldo de Proença Sigaud, ist.

   Vor allem aber habe ich mich über Ihre Geste gefreut, weil sie sozusagen unpersönlich ist. Ich sehe deutlich, dass Sie mit Ihrer Wahl für mich Ihre Verbundenheit mit den Traditionen der portugiesisch-brasilianischen Vergangenheit, die so eng mit dem Namen und der Erinnerung an die Könige von Portugal, und unsere Kaiser, verbunden sind, und mit dem vor allen ruhmreichen Namen von Dona Isabel, der Erlöserin, die Sie vom Himmel liebevoll anschaut und Festtag mitfeiert,  und  Gott und die Muttergottes bittet Sie zu segnen, die Sie heute ihren Studienabschluss feiern.

    Deshalb werde ich Ihnen nicht in meinem eigenen Namen einige Worte der Ermutigungen und Ratschläge geben, sondern im Namen dieser edlen Vergangenheit, dieser schönen Traditionen, die unser Erbe und unseren nationalen Ruhm darstellen.

      In diesem Sinne werde ich auch eine kurze Bemerkung machen. Sie repräsentieren gewissermaßen, was es am jüngsten gibt in unseren Tagen. Brasilien ist eines der jüngsten Länder der Erde. In Brasilien ist Nordparaná eine der jüngsten und kraftvollsten Errungenschaften unseres Fortschrittsgeistes. Und in Paraná ist es Ihre Generation, die derzeit die Jugend ausmacht und vertritt.

     Wie können wir nicht tiefe Freude empfinden, wenn wir sehen, dass so viele junge Menschen, die sich durch so viele Titel auszeichnen, statt sich von den aus dem Ausland importierten modernen und materialistischen Tendenzen mitreißen zu lassen, sich dem Ideal unserer nationalen Vergangenheit zuwenden und Führung, Rat und einen Weg daraus suchen? Wie können wir einer Jugend, die sich mit so viel Ausgeglichenheit, so viel Stärke und so viel reifer Einstellung durchsetzt, nicht Großes verheißen? Wie können wir in Ihrer Geste nicht gute Gründe für die Hoffnung sehen, dass Brasilien auch in Zukunft all unseren Erwartungen gerecht wird?

      Ich gehe daher voll und ganz auf Ihre Anfrage ein. Und da ich schon im Namen der brasilianischen Tradition zu Ihnen spreche, werde ich die wesentlichsten, lebendigsten und fruchtbarsten davon auswählen, um mich heute Abend zu inspirieren: Ich beziehe mich auf unsere Tradition als ein im Wesentlichen katholisches Land.

   Von Anfang an war Brasilien von einer einzigartigen Vorherbe-stimmung umgeben.

     Wir wurden aus einem missionarischen Impuls heraus geboren, da, wie wir wissen, der Wunsch, das Königreich Christi zu erweitern, mehr als der Profitdurst, die portugiesische Nation – Könige und Menschen – bei den Bemühungen der Schifffahrt leitete.

     Aus diesem Grund übertrug die portugiesische Krone zunächst die weltliche Leitung unseres Landes dem Christusorden.

   Unser Fortschritt hatte in seinen ersten Schritten auch einen ausgesprochen missionarischen Sinn, während wir in entscheidender Weise von der Gesellschaft Jesu abhängig waren, die in vielen schwierigen Umständen von den Königen des Hauses Bragança unterstützt wurde, die in ihr das große treibende Element unserer spirituellen Größe erkannten.

      König João IV. weihte uns der Unbefleckten Empfängnis, und sobald Brasilien unabhängig wurde, erneuerte Kaiser Pedro I. diese Weihe und bekräftigte die besondere Macht der Himmelskönigin über die Nation.

     Als das brasilianische Episkopat unter der Leitung des berühmten Kardinals Arcoverde Unsere Liebe Frau von Aparecida feierlich zur Königin von Brasilien krönte, stellte es sich damit in den Bereich unserer besten und authentischsten Traditionen.

    Betrachten Sie diese Handlungen nicht als bloße Ausweitung von Gefühlen. Diese Weihen bekräftigen auf ganz eindeutige Weise Konzepte, die die Wurzel dessen bilden, was man Brasilianität nennen könnte.

     Die Gebote des Gesetzes Gottes enthalten alle Gebote, die der Mensch gemäß der natürlichen Ordnung der Dinge befolgen muss, um aufrichtig und glücklich in dieser Welt zu leben. Nehmen Sie ein Volk, das Gottes Gesetze befolgt: Es wird zwangsläufig großartig und glücklich sein. Nehmen Sie ein Volk im Verfall, die Ursache seines Niedergangs ist immer, dass es systematisch und gewohnheitsmäßig gegen ein Gebot verstößt.

   Daher hat die Zivilordnung selbst kein grundlegenderes und lebenswichtigeres Interesse als die ständige Einhaltung der Gebote des Dekalogs. Wenn wir den heute so wenig verstandenen Begriff der christlichen Zivilisation aufgreifen und in seinen Kern vordringen, werden wir nichts anderes finden als die Gebote.

      Christlich ist die Zivilisation, in der Institutionen, Bräuche und Kultur auf der Grundlage der Gebote aufgebaut werden. Ihnen verdankte der Westen so viele Jahrhunderte des Ruhms, der Ruhe und der Welthegemonie.

      Das Gesetz Gottes wurde jedoch in seiner manchmal mühsamen und schwierigen Auslegung nicht den menschlichen Launen überlassen.

     Jesus Christus selbst, unser Erlöser, hat eine Macht geschaffen, die mit göttlicher Hilfe niemals einen Fehler begehen wird, wenn es darum geht, nicht nur den Glauben, sondern auch die christliche Moral zu lehren: Es ist die Kirche. Und durch die Kirche schenkt Gott den Menschen die notwendigen Gnaden, um die Gebote zu befolgen.

     Daher kann man sagen, dass, wenn die Gebote die Grundlage der Zivilisation bilden, andererseits die Kirche die Säule ist, auf der die Gebote gestützt werden.

    Es ist jedoch notwendig, noch tiefer in diese Gedankenordnung einzusteigen. Die Kirche selbst ruht auf einer Säule, die der Stuhl des Heiligen Petrus ist. „Ubi Petrus, ibi Ecclesia“, wo der Nachfolger des Heiligen Petrus ist, da ist die Kirche.

      Somit ist der Stellvertreter Jesu Christi die Grundlage der christlichen Zivilisation. Wir kommen daher zu dem Schluss, dass die Größe eines Volkes, auch zeitlich, in erster Linie aus seiner kindlichen Verbundenheit, aus seiner unerschütterlichen Loyalität gegenüber dem Stuhl des Heiligen Petrus resultiert. Dies ist das große Prinzip, auf dem ich in meinen sehnlichsten Bestrebungen die Größe unseres Brasiliens aufbauen möchte.

    Und an diesen Grundsatz, liebe Patenkinder, erinnere ich Sie in die-sem Moment des Feierns und des Abschieds. Nehmen Sie jeden Bereich, zu dem Sie die göttliche Vorsehung ruft, als Ihren Norden an. Wenn Sie zu Hause Ihre Kinder nach diesem Prinzip erziehen; wenn Sie auf dem Leerstuhl Ihre Seelen nach ihm modellieren; Wenn Sie dies in Ihrem Berufsleben gegenüber Ihren Kollegen ausstrahlen, haben Sie ein fruchtbares Leben geführt und Ihre Pflicht als Christen und Brasilianer erfüllt.

     Seien Sie von den Höhen des Himmels aus gewiss, des Schutzes der Unbefleckten Jungfrau, unserer Königin, es wird Ihnen nicht an Dankbarkeit und Segen der Generationen mangeln, die nach Ihnen kommen.

      Mit diesen Worten, sehe ich Sie voller Mitgefühl und Hoffnung gehen.

     Und ich bin sicher, dass ich die Gefühle unseres berühmten Bischofs, Ihrer Eltern, Ihrer Lehrer genau widerspiegele und Ihnen von ganzem Herzen sage: Gehen Sie, gehen Sie mit Gott, und auf diesem Weg werden Sie glücklich sein. 



Aus dem Portugiesischen in Catolicismo von Januar 1952: „Discurso do Príncipe D. Pedro Henrique de Orléans e Brangança”.

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Dienstag, 14. April 2026

Heimsuchung Mariens

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Das Bild stammt wohl aus einer Malerschule der Donau. Es ist mit M. S. signiert. Ungarische Wissenschaftler bezeichnen den Künstler als den bedeutendsten ungarischen Maler im späten Mittelalter. Der Maler muss Anfang des 16. Jahrhunderts, am Übergang von der Spätgotik zur Frührenaissance, im Gebiet der heutigen Slowakei gearbeitet haben.

Das Bild hängt in der ungarischen Nationalgalerie und wurde um 1506 gemalt. Zu dieser Zeit kam der „goldene Himmel“, den man hier noch sehen kann, aus der Mode.

Bildinhalt ist die „Heimsuchung“ (Lk 1,39-45), der Besuch der schwangeren Maria bei Elisabeth, die gleichfalls die Geburt ihres Kindes erwartet und die Mutter von Johannes dem Täufer ist.

In der Bibel steht: „Maria … eilte in das Gebirge in eine Stadt Judas.“ Fast jedes Wort wird hier bildlich übersetzt: das Gebirge, die Stadt im Hintergrund, das Eilen aber zeigt sich durch den aufgewehten, weißen Umhang  Mariens.

Da wir von links nach rechts lesen, eilt Maria auch von links nach rechts auf Elisabeth zu.

Besonders intensiv ist der Ausspruch von Elisabeth zu sehen, die zu Maria sagt: „… gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.“

Elisabeth berührt mit einer Hand den Leib ihrer Base. Nicht die Schwangerschaft von Elisabeth, sondern die von Maria wird hier in der Vordergrund gestellt.

Während die roten Blumen bei der hl. Elisabeth nicht zu identifizieren sind, handelt es sich bei den blauen Blumen, welche neben Maria wachsen, um Schwertlilien. Die gelten als Symbol für die wahre Fleischwerdung Jesu.

Alois Epple



Quelle: Der Fels, Titelbild Juli 2019.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet

Sonntag, 12. April 2026

Wie Katholiken zu Gefangenen des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden

 Von Ross Douthat
12. Oktober 2022

     Credit...Girolamo Di Majo/Associated Press

       Das Zweite Vatikanische Konzil, die große Revolution im Leben der modernen katholischen Kirche, wurde vor 60 Jahren in Rom eröffnet. Vieles aus der Welt der 1960er Jahre ist vergangen, doch das Konzil wirkt bis heute nach; gerade für eine gespaltene Kirche sind seine noch immer spürbaren Folgen unausweichlich.

Lange Zeit wäre dies eine liberale Behauptung gewesen. In den internen Auseinandersetzungen innerhalb der katholischen Kirche, die dem Konzil folgten, interpretierten die Konservativen das Zweite Vatikanische Konzil als ein abgeschlossenes und begrenztes Ereignis – eine bestimmte Reihe von Dokumenten, die verschiedene Veränderungen und Entwicklungen (insbesondere in Bezug auf Religionsfreiheit und katholisch-jüdische Beziehungen) beinhalteten und den Weg für eine überarbeitete, in der jeweiligen Landessprache gehaltene Version der Messe ebneten. Für die Liberalen hingegen waren diese Details nur der Ausgangspunkt: Es gab auch einen „Geist“ des Konzils, ähnlich dem Heiligen Geist in seiner Wirkung, der die Kirche zu weiteren Transformationen, zu ständiger Reform führen sollte.
    Die liberale Interpretation prägte das katholische Leben in den 1960er und 1970er Jahren, als das Zweite Vatikanische Konzil herangezogen wurde, um eine immer umfassendere Reihe von Änderungen zu rechtfertigen – an der Liturgie, dem Kalender und den Gebeten der Kirche, an den Gebräuchen der Laien und der Kleidung der Kleriker, an der Kirchenarchitektur und der Kirchenmusik sowie an der katholischen Morallehre. Mit der Wahl Johannes Pauls II. setzte sich dann in Rom die konservative Interpretation durch. Er veröffentlichte eine Reihe von Dokumenten, die eine maßgebliche Auslegung des Zweiten Vatikanischen Konzils etablieren, die radikaleren Experimente und Veränderungen eindämmen und beweisen sollten, dass der Katholizismus vor und nach den 1960er Jahren dieselbe Tradition sei.

Nun, unter Papst Franziskus, ist die liberale Interpretation zurückgekehrt – nicht nur durch die Wiederaufnahme moralischer und theologischer Debatten und die Etablierung eines permanenten Dialogs in der Kirchenleitung, sondern auch durch den Versuch, die älteren katholischen Riten, die traditionelle lateinische Liturgie vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, erneut zu unterdrücken.

Die Ära Franziskus hat dem progressiven Katholizismus zwar nicht die einstige jugendliche Dynamik zurückgegeben, aber sie hat einen Teil der liberalen Vision bestätigt. Durch sein Wirken und allein durch seine Existenz hat dieser liberale Papst bewiesen, dass das Zweite Vatikanische Konzil nicht einfach auf eine einzige festgelegte Interpretation reduziert werden kann und dass seine Arbeit nicht als abgeschlossen, die Phase des Experimentierens beendet und die Synthese wiederhergestellt gelten kann.

Vielmehr stellt das Konzil eine fortwährende Herausforderung dar, es schafft scheinbar unüberbrückbare Spaltungen und konfrontiert den heutigen Katholizismus mit einer Reihe von Problemen und Dilemmata, deren Lösung die göttliche Vorsehung noch nicht für angemessen befunden hat.

Drei Aussagen fassen diese Probleme und Dilemmata zusammen: Erstens war das Konzil notwendig. Vielleicht nicht in der konkreten Form, als ökumenisches Konzil, das alle Bischöfe der Welt einberief, aber in dem Sinne, dass die Kirche von 1962 grundlegende Anpassungen, ein tiefgreifendes Umdenken und eine Reform benötigte. Diese Anpassungen mussten rückwärtsgewandt sein: Das Ende der Thron-und-Altar-Politik, der Aufstieg des modernen Liberalismus und der Schrecken des Holocaust erforderten allesamt umfassendere Antworten der Kirche. Sie mussten aber auch zukunftsorientiert sein, da der Katholizismus Anfang der 1960er Jahre erst begonnen hatte, sich mit Globalisierung und Dekolonisierung, mit dem Informationszeitalter und den sozialen Revolutionen auseinanderzusetzen, die durch die Erfindung der Antibabypille ausgelöst wurden. Tradition beruhte schon immer auf Neuerfindung, auf Veränderung, um gleich zu bleiben, doch das Zweite Vatikanische Konzil wurde zu einem Zeitpunkt einberufen, als die Notwendigkeit solcher Veränderungen besonders dringlich wurde.

Nur weil eine Zeit nach Neuerfindung verlangt, heißt das nicht, dass bestimmte Neuerfindungen Erfolg haben werden. Jahrzehntelange Daten belegen nun eine zweite, zusammenfassende Aussage: Das Konzil war ein Fehlschlag.

Dies ist keine trotzige oder reaktionäre Analyse. Das Zweite Vatikanische Konzil scheiterte an den Kriterien, die seine eigenen Befürworter anlegten. Es sollte die Kirche dynamischer, attraktiver für moderne Menschen, missionsorientierter, weniger verschlossen, verstaubt und selbstbezogen machen. Nichts davon gelang. Die Kirche erlebte nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil überall in der entwickelten Welt einen Niedergang, unter konservativen wie liberalen Päpsten gleichermaßen – am schnellsten jedoch dort, wo der Einfluss des Konzils am größten war.
     Die neue Liturgie sollte die Gläubigen stärker in die Messe einbinden; stattdessen schliefen die Gläubigen sonntags länger und wandten sich in der Fastenzeit vom Katholizismus ab. Die Kirche verlor große Teile Europas an den Säkularismus und große Teile Lateinamerikas an den Pfingstglauben – sehr unterschiedliche Kontexte und Herausforderungen, aber frappierend ähnliche Ergebnisse.

Und wenn überhaupt, wurde der Katholizismus nach den 1960er Jahren noch nach innen gerichteter als zuvor, noch mehr in seinen endlosen Kämpfen zwischen Links und Rechts gefangen, und soweit er sich überhaupt mit der säkularen Welt auseinandersetzte, geschah dies nur in kläglicher Nachahmung – durch mittelmäßige Gitarrenmusik oder politische Theorien, die nichts anderes als verkleidete Versionen linker oder rechter Parteipolitik waren, oder durch hässliche moderne Kirchen, die schon zehn Jahre nach ihrer Errichtung veraltet und bald darauf leer standen.
     Es gibt keine kluge Rationalisierung, kein intellektuelles Schema, keine belehrende Vatikanpropaganda – ein typisches neueres Dokument spricht von der „lebensspendenden Nahrung, die das Konzil gewährt“, als wäre es die Eucharistie selbst –, die dieser kalten Realität entgehen kann.

Aber auch niemand kann der dritten Realität entgehen: Das Konzil ist unumkehrbar.

Damit meine ich nicht, dass die Messe niemals wieder in Latein zelebriert werden kann, dass verschiedene Ausprägungen des nachkonziliaren Katholizismus unvermeidlich und ewig sind oder dass Kardinäle im 23. Jahrhundert noch Lobeshymnen auf das Konzil und seine Werke im sowjetischen Stil aussprechen werden.

Ich meine lediglich, dass es keinen einfachen Weg zurück gibt. Nicht zurück zu jener Form päpstlicher Autorität, die sowohl Johannes Paul II. als auch Franziskus auszuüben versuchten – der eine, um die Tradition wiederherzustellen, der andere, um sie zu unterdrücken –, nur um an der Unregierbarkeit der modernen Kirche zu scheitern. Nicht zu jener Art von tief verwurzelter, überlieferter katholischer Kultur, die bis Mitte des 20. Jahrhunderts noch existierte und deren Auflösung, obwohl bis zu einem gewissen Grad unvermeidlich, durch den internen Bildersturm der Kirche deutlich beschleunigt wurde. Nicht die moralische und doktrinäre Synthese, die Unfehlbarkeit und Konstanz versprach und deren Existenz die Konservativen der Kirche in den letzten zwei Generationen beharrlich verteidigten, sondern die sich in der Ära Franziskus als so instabil erwiesen hat, dass ebendiese Konservativen schließlich mit dem Papst selbst in Konflikt gerieten.

Die Arbeit des französischen Historikers Guillaume Cuchet, der die Auswirkungen des Zweiten Vatikanischen Konzils auf sein einst tief katholisches Land untersucht hat, legt nahe, dass es weniger der Inhalt als vielmehr das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Konzilsreformen waren, die die katholische Loyalität erschütterten und den Niedergang der Kirche beschleunigten. Selbst wenn die Änderungen des Konzils die Lehre offiziell nicht veränderten, ließ die Überarbeitung so vieler Gebete und Bräuche die einfachen Katholiken unweigerlich fragen, warum man einer Autorität, die sich plötzlich in so vielen Bereichen als irregeleitet geoutet hatte, noch zutrauen konnte, im Namen Jesu Christi selbst zu sprechen. Welche Art von Synthese oder Wiederherstellung ist nach einem solchen Schock überhaupt noch möglich? Heute sehen sich alle Katholiken mit dieser Frage konfrontiert, denn jede Gruppierung innerhalb der Kirche steht in Konflikt mit irgendeiner Form kirchlicher Autorität. Traditionalisten stehen im Widerspruch zur offiziellen Politik des Vatikans, Progressive zu seinen traditionellen Lehren, Konservative zum liberalen Stil von Papst Franziskus und der Papst selbst zur konservativen Ausrichtung seiner unmittelbaren Vorgänger. In diesem Sinne sind wir alle Kinder des Zweiten Vatikanischen Konzils, selbst wenn wir es kritisieren oder beklagen – vielleicht gerade dann.

Auch hier haben die Liberalen recht. Die traditionsbewusstesten Katholiken sind ebenso von den Ereignissen des Jahres 1962 geprägt wie von diesem antitraditionalistischen Papst, und die lediglich Konservativen – wie ich selbst – befinden sich oft in der Lage, die Peter Hitchens über die durch den Ersten Weltkrieg zerstörte europäische Hochkultur beschrieb: Wir mögen die Intensität und Strenge dieser verlorenen Welt bewundern, aber „keiner von uns könnte es heute ertragen, dorthin zurückzukehren, selbst wenn man uns die Gelegenheit dazu böte.“
Doch dieser Punkt rechtfertigt weder das Konzil noch die sich stetig weiterentwickelnde liberale Interpretation seines Geistes. Die Kirche muss mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil leben, sich mit ihm auseinandersetzen und die von ihm hinterlassenen Widersprüche irgendwie auflösen – nicht, weil es ein Triumph war, sondern gerade, weil es keiner war: Scheitern wirft mitunter einen längeren und nachhaltigeren Schatten als Erfolg.

Man beginnt dort, wo man ist. Die Linien der Heilung verlaufen entlang der Bruchlinien, die Wunden bleiben nach der Auferstehung bestehen, und selbst der Katholizismus, der – nicht heute, aber eines Tages – zu einem wahren Zustand nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gelangt, wird noch immer von den unnötigen Brüchen geprägt sein, die durch seinen Versuch einer notwendigen Reform entstanden sind.

    Credit...Keystone-France/Gamma, via Getty Images

 

 

Aus dem englischen von „How Catholics Became Prisoners of Vatican II

Die deutsche Fassung dieses Artikels „Wie Katholiken zu Gefangenen des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden“ ist erstmals erschienen in www.r-cr.blogspot.com

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