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Samstag, 15. November 2025

Sie konnten sich nicht irren:

Die Stimme der Heiligen, der Kirchenlehrer und des ordentlichen Lehramtes der Kirche bekräftigte, dass Maria „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“ ist.





                                                                                                                                                         Bischof Athanasius Schneider

Im Laufe der Jahrhunderte hat das ordentliche Lehramt zusammen mit zahlreichen Heiligen und Kirchenlehrern die marianische Lehre von der Miterlösung und Mittlerin verkündet und dabei unter anderem die Titel „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“ verwendet. Folglich kann nicht behauptet werden, dass das ordentliche Lehramt zusammen mit den Heiligen und Kirchenlehrern über so viele Jahrhunderte hinweg die Gläubigen durch einen durchgehend unangemessenen Gebrauch dieser marianischen Titel irregeführt haben könnte. Darüber hinaus haben diese marianische Lehre und der Gebrauch dieser Titel über die Jahrhunderte hinweg auch den Glaubenssinn der Gläubigen, den sensus fidei, zum Ausdruck gebracht. Indem die Gläubigen an der traditionellen Lehre des ordentlichen Lehramtes über die Miterlöserin und Mittlerin festhalten und die Legitimität der Titel „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“ anerkennen, weichen sie weder vom geraden Weg des Glaubens noch von einer gesunden und begründeten Frömmigkeit gegenüber Christus und seiner Mutter ab.

In der frühen Kirche legte der Kirchenlehrer Irenäus im zweiten Jahrhundert die wesentlichen Grundlagen für die marianische Lehre von der Miterlöserin und der Mittlerschaft, die später von anderen Kirchenlehrern und dem ordentlichen Lehramt der Päpste weiterentwickelt wurde. Er schrieb: „Maria wurde durch ihren Gehorsam zur Ursache des Heils, sowohl für sich selbst als auch für das gesamte Menschengeschlecht.“[1]

Unter den zahlreichen Bekenntnissen des ordentlichen Lehramtes der Päpste zu den marianischen Lehren der Miterlösung und Mittlerschaft sowie den damit verbundenen Titeln „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“ ist zunächst die Enzyklika „Adjutricem Populi“ von Papst Leo XIII. zu nennen. Darin bezeichnet er die Gottesmutter als Mitarbeiterin im Werk der Erlösung und Spenderin der daraus hervorgehenden Gnade. Er schreibt: „Sie, die so eng mit dem Geheimnis des menschlichen Heils verbunden ist, ist ebenso eng mit der Verteilung der Gnaden verbunden, die für alle Zeit aus der Erlösung fließen werden.“[2]

Auch in seiner Enzyklika „Jucunda Semper Expectatione“ spricht Papst Leo XIII. von Marias Mittlerschaft in der Ordnung der Gnade und des Heils. Er schreibt: „Unser Gebet zu Maria folgt der Rolle, die sie unaufhörlich am Thron Gottes als Mittlerin der göttlichen Gnade einnimmt; aufgrund ihrer Würde und ihrer Verdienste ist sie ihm am wohlgefälligsten und übertrifft daher an Macht alle Engel und Heiligen des Himmels… Der heilige Bernhardin von Siena [sagt]: „Jede dem Menschen gewährte Gnade hat drei Stufen;…denn von Gott teilt sie Christus mit, von Christus gelangt sie zur Jungfrau, und von der Jungfrau kommt sie zu uns herab.“… Möge Gott, „der uns in seiner barmherzigen Vorsehung diese Mittlerin gegeben hat“ und „bestimmt hat, dass uns alles Gute durch die Hand Marias zuteilwerden soll“ (Hl. Bernhardin), unsere gemeinsamen Gebete gnädig annehmen und unsere gemeinsamen Hoffnungen erfüllen… Zu Dir erheben wir unsere Gebete, denn Du bist die mächtige und barmherzige Mittlerin unseres Heils… durch Deine Anteilnahme an Seinen unaussprechlichen Schmerzen… erbarme Dich unser, erhöre uns, so unwürdig wir auch sind!“[3]

Papst Pius X. gab eine prägnante theologische Auslegung von der Mitterlösung in seiner Enzyklika Ad Diem Illum, in der er lehrt, dass Maria aufgrund ihrer göttlichen Mutterschaft in der Liebe das verdient, was Christus allein als Gott uns in strenger Gerechtigkeit verdient, nämlich unsere Erlösung, und dass sie die Spenderin aller Gnaden ist. Er schreibt: „Als die Stunde des Sohnes gekommen war, stand Maria, seine Mutter, unter dem Kreuz Jesu, nicht nur um das grausame Schauspiel zu betrachten, sondern um sich darüber zu freuen, dass ihr einziger Sohn für das Heil der Menschheit geopfert wurde, und um so vollkommen an seinem Leiden teilzuhaben, dass sie, wäre es möglich gewesen, alle Qualen ihres Sohnes freudig ertragen hätte. Durch diese Gemeinschaft des Willens und des Leidens zwischen Christus und Maria verdiente sie es, würdig zur Erretterin der verlorenen Welt und zur Spenderin all der Gaben zu werden, die unser Erlöser uns mit seinem Tod und seinem Blut erworben hat. […] Da Maria alle Geschöpfe an Heiligkeit und Einheit mit Jesus Christus übertrifft und von Jesus Christus am Werk der Erlösung mitgewirkt wurde, verdient sie für uns de congruo (angemessen), theologisch gesprochen, was Jesus Christus für uns de condigno (gerecht) verdient, und sie ist die höchste Dienerin der Gnadenverteilung. […]“

Der erhabenen Jungfrau Maria wurde das Vorrecht zuteil, die mächtigste Mittlerin und Fürsprecherin der ganzen Welt vor ihrem göttlichen Sohn zu sein. Die Quelle ist daher Jesus Christus. Doch Maria ist, wie der heilige Bernhard treffend betont, der Kanal (Serm. de temp on the Nativ. B. V. De Aquaeductu, n. 4); oder, wenn Sie so wollen, das verbindende Element, dessen Funktion es ist, den Leib mit dem Haupt zu vereinen und dem Leib die Einflüsse und Willen des Hauptes zu vermitteln: Wir sprechen vom Hals. Ja, sagt der heilige Bernhardin von Siena, „sie ist der Hals Unseres Hauptes, durch den Er alle geistlichen Gaben Seinem mystischen Leib mitteilt.“ (Quadrag. de Evangel. aetern. Serm. 10., a. 3, c. 3).[4]

Ebenso lehrt Papst Benedikt XV.: „Sie vereinigte sich mit dem Leiden und Sterben ihres Sohnes und litt, als ob sie selbst stürbe … Um der göttlichen Gerechtigkeit Genüge zu tun, opferte sie, soweit es in ihrer Macht stand, ihren Sohn, sodass man mit Recht sagen kann, dass sie zusammen mit Christus das Menschengeschlecht erlöst hat.“[5] Dies entspricht dem Titel der Miterlöserin.

Papst Pius XI. bekräftigt, dass Maria aufgrund ihrer innigen Verbindung mit dem Erlösungswerk den Titel der Miterlöserin zu Recht verdient. Er schreibt: „Der Erlöser konnte notwendigerweise nicht umhin, seine Mutter in sein Werk einzubeziehen, und deshalb nennen wir sie Miterlöserin. Sie schenkte uns den Erlöser, sie erzog ihn im Werk der Erlösung, selbst unter dem Kreuz, und teilte mit ihm die Schmerzen des Todes und der Todesqualen, in denen Jesus die Erlösung aller Menschen vollendete.“[6]

In seiner Enzyklika Mediator Dei betont Papst Pius XII. die Universalität von Marias Rolle als Spenderin der Gnade und erklärt: „Sie schenkt uns ihren Sohn und mit ihm alle Hilfe, die wir brauchen, denn Gott wollte, dass wir alles durch Maria empfangen. (Hl. Bernhard).“[7]

Papst Johannes Paul II. bekräftigte wiederholt die katholische Lehre von Marias Rolle in der Erlösung und in der Vermittlung aller Gnaden und verwendete dabei die Titel „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“. Um nur einige Beispiele zu nennen, sagte er: „Maria, obwohl ohne Sünde empfangen und geboren, nahm auf wunderbare Weise an den Leiden ihres göttlichen Sohnes teil, um Miterlöserin der Menschheit zu sein.“[8] „Tatsächlich endete Marias Rolle als Miterlöserin nicht mit der Verherrlichung ihres Sohnes.“[9] „Wir dürfen nicht vergessen, dass Marias Mittlerschaft wesentlich durch ihre göttliche Mutterschaft bestimmt ist. Die Anerkennung ihrer Rolle als Mittlerin ist auch im Ausdruck „unsere Mutter“ implizit enthalten, der die Lehre von der marianischen Mittlerschaft durch die Betonung ihrer Mutterschaft darlegt. Schließlich erklärt der Titel „Mutter in der Gnadenordnung“, dass die Allerheiligste Jungfrau mit Christus bei der geistlichen Wiedergeburt der Menschheit zusammenwirkt.“[10]

Papst Benedikt XVI. lehrte hinsichtlich der Wahrheit, die der marianische Titel „Mittlerin aller Gnaden“ vermittelt: „Die Reinste Jungfrau, die den Erlöser der Menschheit in ihrem Schoß empfing und von jedem Makel der Erbsünde bewahrt wurde, möchte das endgültige Siegel unserer Begegnung mit Gott, unserem Erlöser, sein.“ Es gibt keine Gnadenfrucht in der Heilsgeschichte, die nicht die Mittlerschaft der Gottesmutter als notwendiges Werkzeug hätte.“[11]

Der hl. John Henry Newman, der kürzlich von Papst Leo XIV. zum Kirchenlehrer ernannt wurde, verteidigte den Titel der Miterlöserin vor einem anglikanischen Prälaten, der ihn nicht anerkennen wollte. Er erklärte: „Hätten Sie die Kirchenväter gelesen, wie sie Maria Mutter Gottes, zweite Eva und Mutter aller Lebenden, Mutter des Lebens, Morgenstern, mystischer neuer Himmel, Zepter der Orthodoxie, unbefleckte Mutter der Heiligkeit und ähnliche Titel nannten, hätten sie Ihren Protest gegen die Bezeichnung Marias als Miterlöserin als unzureichenden Ausgleich für solche Ausdrücke betrachtet.“[12]

Der Begriff „Miterlöserin“, der an sich eine einfache Mitwirkung an der Erlösung Jesu Christi bezeichnet, hat seit Jahrhunderten in der theologischen Sprache und in der Lehre des ordentlichen Lehramtes die spezifische Bedeutung einer sekundären und abhängigen Mitwirkung. Folglich bereitet seine Verwendung keine ernsthaften Schwierigkeiten, vorausgesetzt Es wird begleitet von erläuternden Ausdrücken, die Marias untergeordnete und abhängige Rolle in dieser Mitwirkung betonen. [13]

Unter Berücksichtigung der Lehre über die Bedeutung und den angemessenen Gebrauch der Titel „Miterlöserin“ und „Mittlerin aller Gnaden“, wie sie vom ordentlichen Lehramt der Kirche stets dargelegt und von zahlreichen Heiligen und Kirchenlehrern über einen langen Zeitraum verteidigt wurde, besteht kein großes Risiko, diese Titel angemessen zu verwenden. Sie betonen vielmehr die Rolle der Mutter des Erlösers, die durch die Verdienste ihres Sohnes „mit ihm durch ein enges und unauflösliches Band verbunden“[14] und daher auch die Mutter aller Erlösten ist.[15]

In manchen Versionen des Gebets Sub Tuum Praesidium (Unter Deinen Schutz und Schirm) rufen die Gläubigen seit Jahrhunderten vertrauensvoll die Muttergottes an und nennen sie: „Domina nostra, Mediatrix nostra, Advocata nostra“ (unsere Frau, unsere, Mittlerin, unsere Fürsprecherin). Und der heilige Ephräm der Syrer, ein Kirchenlehrer des 4. Jahrhunderts, der von der Kirche als „Harfe des Heiligen Geistes“ verehrt wird, betete so:

„Meine Liebe Frau, heiligste Mutter Gottes und Gnadenvollste. Du bist die Braut Gottes, durch die wir versöhnt wurden. Nach der Dreifaltigkeit bist du die Herrin über alles; nach dem Tröster bist du eine weitere Beistand; und nach dem Mittler bist du die Mittlerin der ganzen Welt, das Heil des Universums. Nach Gott bist du unsere ganze Hoffnung. Ich grüße dich, o große Mittlerin des Friedens zwischen den Menschen und Gott, Mutter Jesu, unseres Herrn, der die Liebe aller Menschen und Gottes ist, dem Ehre und Segen sei mit dem Vater und dem Heiligen Geist. Amen.“[16]


 

 

Aus dem Italienischen in
https://www.atfp.it/notizie/chiesa/3162-la-voce-dei-santi-dei-dottori-della-chiesa-e-del-magistero-ordinario-della-chiesa-nellaffermare-che-maria-e-corredentrice-e-mediatrice-di-tutte-le-grazie

 

Fußnoten im italienischen Original

[1] Adv. Haer., III, 22, 4.

[2] 5 settembre 1895.

[3] 8 settembre 1894.

[4] 2 febbraio 1904.

[5] Lettera apostolica Inter Sodalicia, 22 marzo 1918.

[6] Discorso ai pellegrini a Vicenza, Italia, 30 novembre 1933.

[7] 20 novembre 1947.

[8] Udienza generale dell'8 settembre 1982.

[9] Omelia durante la messa celebrata nel santuario mariano di Guayaquil, Ecuador, il 31 gennaio 1985.

[10] Udienza generale del 1° ottobre 1997.

[11] Omelia durante la Santa Messa e canonizzazione di Fra Antônio de Sant'Ana Galvão, OFM, 11 maggio 2007.

[12] A Letter Addressed to the Rev. E. B. Pusey, D.D., on Occasion of His Eirenicon. Certain Difficulties Felt by Anglicans in Catholic Teaching, Volume 2, Longmans, Green, and Co., New York, 1900, p. 78.

[13] Cf. Dictionnaire de la Théologie catholique, IX, art. Marie, col. 2396. 

[14] Concilio Vaticano II, Lumen Gentium, 53.

[15] Concilio Vaticano II, Lumen Gentium, 63.

[16] Oratio ad Deiparam, cf. S.P.N. Ephraem Syri Opera Omnia quae exstant… opera bet studio Josephi Assemani, Romae 1746, tomus tertius, p. 528ff.

  

Dienstag, 3. März 2020

"Tut das, was Er euch sagt"





 Die Hochzeit zu Kana in Galiläa. Jesus, seine Mutter und die Jünger sind dort anwesend. Es fehlt an Wein und Maria sagt ihrem Sohn, daß es keinen Wein mehr gibt. Der Herr erwidert, seine Stunde sei noch nicht gekommen. Aber seine Mutter wendet sich den Dienern zu; „Was er euch sagt, das tut!“ Und Jesus befiehlt den Dienern, die Krüge mit Wasser zu füllen und davon dem Tafelmeister zu bringen. Dieser kostet das zu Wein gewordene Wasser und sagt zum Bräutigam: „Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein aufgehoben bis jetzt."
Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus in Kana zu Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit, und es glaubten an ihn seine Jünger. (Joh 2,1-11)
Das ist die erste Wundertat, die Jesus durch die Vermittlung seiner Mutter vollbrachte. Gehen wir zu Maria, sie kann bei ihrem Sohn alles erlangen, was wir brauchen.

Bild: Kalender 2017 (3) – Aktion „Das Herz Jesu Apostolat für die Zukunft der Familie“. Herausgeber: TFP Deutschland, Frankfurt


Samstag, 17. Juni 2017

Der Rosenkranz und die Botschaft von Fatima



Zwischen dem 13. Mai und dem 13. Oktober 1917 erschien die Gottesmutter drei Hirtenkinder, Jacinta, Lucia und Francisco in der Cova de Iria bei Fatima, Portugal. Während sechs Erscheinungen hat die Gottesmutter ihnen ein Geheimnis mitgeteilt, das aus drei Teilen bestand. Der erste Teil war eine Vision der Hölle. In dieser Vision, sagte Schwester Lucia, sahen sie wie unzählige Seelen wie „Schneeflocken“ in die Hölle fielen.

Im zweiten Teil des Geheimnisses sagte die Muttergottes, dass der Erste Weltkrieg enden würde, aber „wenn die Menschen nicht aufhören, Gott zu beleidigen, wird ein schlimmerer Krieg während des Pontifikats von Pius XI. kommen. Um dies zu verhindern, werde ich kommen, um die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu bitten. Wenn meine Bitten beachtet werden, wird Rußland sich bekehren, und es wird Frieden geben. Wenn nicht, wird es ihre Irrtümer auf der ganzen Welt verbreiten, Kriege und Verfolgungen der Kirche verursachen.“

Wie Unsere Liebe Frau vorhergesagt hatte, brach der Zweite Weltkrieg aus und die Irrtümer des atheistischen Kommunismus verbreiteten sich über die Welt. Maria fügte noch hinzu, dass viele Menschen das Martyrium erleiden werden und etliche Nationen vernichtet werden, wenn die Menschen sich nicht bekehren.

Haben die Menschen sich bekehrt? Die Antwort ist, nein. 

Kann die göttliche Strafe noch vermieden werden?

Es hängt von der Treue der Welt zu den Bitten der Muttergottes ab.

Lucia fragte die Muttergottes während der Erscheinungen: „Wer seiht Ihr und was wollt Ihr?“ Die Dame antwortete: „Ich bin die Frau des Rosenkranzes, und ich bin gekommen, um die Gläubigen zu warnen, damit sie ihr Leben ändern und um Verzeihung für ihre Sünden bitten. Die Menschen dürfen den Herrn nicht weiter beleidigen, der schon so tief beleidigt ist. Sie müssen den Rosenkranz beten.“

Also gab uns die Gottesmutter eine Lösung: das tägliche Gebet des Rosenkranzes für die Bekehrung der Sünder.

Die Fatima-Botschaft ist ein Heilmittel für unsere Kultur, die in die Sünde versunken ist. Wenn es nicht das Versprechen der Muttergottes gäbe, dass „am Ende mein Unbeflecktes Herz triumphieren wird“, würden wir sehr enttäuscht und entmutigt sein. Also lasst uns ihre Bitten beachten. Üben wir die ersten Samstag-Andachten. Lasst uns den täglichen Rosenkranz beten. Wenn wir diese Bitten erfüllen, werden wir das traurige und unbefleckte Herz Mariens trösten und den Triumph des Guten über das Böse beschleunigen.

Die Fünfzehnte Rose aus dem Geheimnis des Rosenkranzes vom hl. Ludwig von Montfort

Das Ave Maria ist so hoch, so erhaben, dass der selige Alanus de la Roche glaubte, kein Geschöpf könne es verstehen, und nur Jesus Christus, geboren aus Maria der Jungfrau, könne es erklären.

Es erhält seinen hohen Wert hauptsächlich von der Allerseligsten Jungfrau, an die es gerichtet war, vom Zweck der Menschwerdung des Wortes, zu welchem Zweck es vom Himmel gesandt wurde, und vom Erzengel Gabriel, der es zuerst ausgesprochen hat.


Der Engelsgruß fasst mit größter Kürze die ganze katholische Theologie über die Gottesmutter zusammen. Man findet darin das Lob und die Anrufung: Das Lob schließt alles in sich ein, was die wahre Größe Mariens ausmacht; die Anrufung enthält alles, um was wir sie bitten sollen und was wir von ihrer Güte für uns erwarten dürfen.

Die heiligste Dreifaltigkeit hat den ersten Teil geoffenbart, die heilige Elisabeth hat, vom Heiligen Geiste erleuchtet, den zweiten Teil beigefügt; und die heilige Mutter Kirche fügte auf dem ersten Konzil von Ephesus im Jahre 431 den Schluss hinzu, nachdem sie die Irrlehre des Nestorius verurteilt und definiert hatte, dass die Allerseligste Jungfrau in Wahrheit Gottesgebärerin sei. Das Konzil verordnete, dass man die Allerseligste Jungfrau unter diesem glorreichen Titel mit folgenden Worten anrufe:

„Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.“

Die Allerseligste Jungfrau war es, der dieser göttliche Gruß dargebracht wurde, um die größte und wichtigste Angelegenheit der Welt zu erledigen: Die Menschwerdung des ewigen Wortes, die Versöhnung Gottes mit den Menschen und die Erlösung des Menschengeschlechtes.

Maria wurde auserwählt als das Mittel für dieses gewaltige Ereignis, welches durch den Gruß des Engels Wirklicht wurde.

Der Gesandte dieser glücklichen Botschaft war der Erzengel Gabriel, einer der obersten Fürsten des himmlischen Hofes.

Der Engelsgruß enthält den Glauben und die Hoffnung der Patriarchen, Propheten und Apostel. Er ist die Ausdauer und Stärke der Märtyrer, die Wissenschaft der Gelehrten, die Beharrlichkeit der Bekenner und das Leben der Ordensleute. Er ist das neue Hohelied des Gesetzes der Gnade, die Freude der Engel und Menschen, der Schrecken und die Beschämung der Dämonen.

Durch das Ave Maria wurde Gott Mensch, eine Jungfrau Gottesmutter, wurden die Seelen der Gerechten aus der Vorhölle befreit, die Verluste des Himmels wiederhergestellt, die leeren Throne im Himmel besetzt, wurde die Sünde vergeben, die Gnade aufs neue geschenkt, wurden die Kranken geheilt, die Toten erweckt, die Verbannten zurückgerufen, wurde die allerheiligste Dreifaltigkeit besänftigt und die Menschen erhielten das ewige Leben.

Endlich ist der Engelsgruß der Regenbogen am Himmel, das Zeichen der Milde und Gnade, die Gott der Welt angedeihen ließ. (so der Selige Alanus de la Roche)

Der Rosenkranz und das besessene Mädchen

In seinem Buch „Das Geheimnis des Rosenkranzes“ berichtet der Hl. Ludwig von Montfort, als P. Johann Amat aus dem Orden des heiligen Dominikus in einem Orte des Königreiches Aragonien die Fastenpredigten hielt, führte man zu ihm ein vom Teufel besessenes Mädchen. Nachdem er den Exorzismus mehrmals vergeblich angewandt hatte, legte er ihr seinen Rosenkranz um den Hals, und sogleich fing sie an, ein schreckliches Geschrei und Geheul auszustoßen, indem sie sagte: „Fort, fort mit diesen Körnern, die mich quälen!“ Endlich nahm ihr der Pater aus Mitleid mit dem armen Mädchen den Rosenkranz vom Hals.

In der folgenden Nacht, als sich der Pater zur Ruhe begeben hatte, kamen dieselben Dämonen, von denen das Mädchen besessen war, wutschäumend zu ihm, um sich seiner zu bemächtigen; doch mit seinem Rosenkranz, den er fest in der Hand hielt, schlug er sie trotz ihrer Anstrengungen, ihm denselben zu entreißen, wunderbar in die Flucht, indem er sprach: „Heilige Maria, Unsere Liebe Frau vom heiligen Rosenkranz, hilf mir!“

Als er am folgenden Morgen zur Kirche ging, begegnete er jenem armen Mädchen, das noch besessen war. Einer der Teufel, die in ihr waren, fing an, sich über ihn lustig zu machen, indem er sagte: „Nicht wahr, Bruder, wenn du deinen Rosenkranz nicht gehabt hättest, hätten wir dich schön hergerichtet!“

Dann warf der Pater unversehens seinen Rosenkranz um den Hals des Mädchens und sprach: „Durch die heiligsten Namen Jesu und Mariä, seiner heiligen Mutter, und durch die Kraft des heiligsten Rosenkranzes befehle ich euch, unreine Geister, sofort aus diesem Körper zu fahren!“

Augenblicklich waren sie gezwungen, zu gehorchen, und das Mädchen war befreit.

„Diese Erzählungen zeigen uns“, folgert der hl. Ludwig, „wie groß die Macht des heiligen Rosenkranzes ist, um alle Arten von Versuchungen der bösen Geister und jegliche Sünden zu besiegen, weil die geweihten Körner des Rosenkranzes sie verscheuchen.“


Quelle: “Britain Needs Fatima Members’ Newsletter” Issue 73, 2017 (freie Übersetzung aus dem Englischen)

Sonntag, 11. Juni 2017

„Tut das, was Er euch sagt“



Die Hochzeit zu Kana in Galiläa. Jesus, seine Mutter und die Jünger sind dort anwesend. Es fehlt an Wein und Maria sagt ihrem Sohn, dass es keinen Wein mehr gibt. Der Herr erwidert, seine Stunde sei noch nicht gekommen. Aber seine Mutter wendet sich den Dienern zu: „Was er euch sagt, das tut!“ Und Jesus befiehlt den Dienern, die Krüge mit Wasser zu füllen und davon dem Tafelmeister zu bringen. Dieser kostet das zu Wein gewordene Wasser und sagt zum Bräutigam: „Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein aufgehoben bis jetzt.“ (Joh 2,1-11) 
Das ist das erste Wunder, das Jesus durch die Vermittlung seiner Mutter vollbrachte. Gehen wir zu Maria, sie kann bei ihrem Sohn alles erlangen, was wir brauchen. 

Sonntag, 21. Mai 2017

Zum Fest Maria Namen

Maria, zeige, dass Du Mutter bist! 


Wir feiern heute das Fest Maria Namen, das wir jährlich mit großer Dankbarkeit und Glaubensfreude begehen. Im Namen aller Katholiken Europas wollen wir Gott Dank sagen für die Rettung des katholischen Glaubens durch die Fürsprache Mariens. Unser heutiger Dank muss sich gleichzeitig mit einem innigen Flehruf verbinden, dass Gott heute erneut das Wunder seiner Allmacht uns erweist und durch die Fürsprache Mariens für das heutige Europa den katholischen Glauben erhält. Heute befindet sich der katholische Glaube in einer noch größeren Gefahr als damals. Denn damals gab es nur einen Zerstörer des katholischen Glaubens von außerhalb der Christenheit. Heute gibt es Zerstörer des katholischen Glaubens sowohl außerhalb der Kirche als auch immer mehr im Innenraum der Kirche. In dieser Zeit der großen Glaubensnot wird uns Maria nicht verlassen - wie kann sie es auch, sie ist ja unsere Mutter. Sie ist die fürbittende Allmacht, sie ist die Besiegerin aller Häresien und aller Zerstörer des Glaubens. Wie innig müssen alle katholisch denkenden Gläubigen, Priester und Bischöfe heute flehen: „Maria, zeige, dass Du Mutter bist!“ ...

Wir bräuchten heute mehr denn je wieder Bekenner des Glaubens und der Treue zum Papst, und zwar in den Reihen der Bischöfe und der Laien. Leuchtende Beispiele dieser Treue aus der 2000-jährigen Kirchengeschichte sind zum Beispiel der heilige Bischof und Kardinal John Fisher und der heilige Laie Thomas Morus. Der heilige Thomas Morus legte damals vor dem Parlament und somit vor der öffentlichen Meinung folgendes Bekenntnis ab. Er sagte:
„Das Gesetz des Parlamentes widerspricht direkt den Gesetzen Gottes und seiner heiligen Kirche. Die höchste Leitung der Kirche oder irgendeines ihrer Teile gehört rechtmäßig nur dem Heiligen Stuhl von Rom. Unser Heiland selbst hat diesen Vorrang des heiligen Petrus und seiner Nachfolger im Bischofsstuhl von Rom mit seinem eigenen Mund bekräftigt.“
Dieses Bekenntnis kostete Thomas Morus und auch Kardinal John Fisher das Leben.
Hl. John Fisher
Wie viele Gesetze werden heute von Parlamenten erlassen, die direkt den Gesetzen Gottes widersprechen. Wie sehr bräuchten wir heute in Europa neue Thomas Morusse und John Fishers, welche die Treue zum Papst und die Gesetze Gottes furchtlos gegen die öffentliche Meinung bekennen. Ihnen würde ja momentan zumindest keine Todesstrafe drohen. Wir erleben in der heutigen Zeit eine gewaltige Krise des Glaubens und der Liturgie, die niemand leugnen kann. Die Reinheit des Glaubens und der Liturgie sind zu kostbar, zu göttlich, als dass man sie dem Geist des Menschen anpasst oder sie dem eigenen Ermessen der predigenden und zelebrierenden Priester ausliefert. Möge die heilige Liturgie der Kirche wieder mehr in ihrer Heiligkeit und übernatürlichen Schönheit erstrahlen (...)
Leider verleugnen heute einige Glieder der Kirche - und Gott sei es geklagt - selbst einige Priester durch ihr schlechtes Leben den Glauben. Sie geben somit der gottfeindlichen Welt die Gelegenheit, die Kirche mit Hohn und Spott bloßzustellen. Das soll uns nicht verunsichern. Wir wissen vom Beispiel einer unzähligen Schar von echten Christen, von echten Priestern, von treuen und heiligen Christen und Priestern. Und die gibt es auch in unserer Zeit, wenn auch nicht mehr so zahlreich. Aber sie gibt es, von denen die Massenmedien leider nie berichten.

Auszüge aus der Predigt von Bischof Athanasius Schneider am 12. September 2011 in der Karlskirche in Wien.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Maria Immaculata

Der Fels 1505

Maria Immaculata


Maria Immaculata von Ignaz Günther (1725 – 1775), um 1760, 
Diözesanmuseum Freising (Leihgabe der Kirchenstiftung Attel am Inn).

Die zwölf Sterne um ihr Haupt (zehn davon sichtbar), weisen die Figur als Darstellung der Maria Immaculata aus (Off. 12,1). Diese apokalyptische Frau, die vom Drachen verfolgt wird und den zukünftigen Weltenherrscher gebiert, wird hier als die Jungfrau Maria gezeigt, wie sie ihr „Fiat“ spricht. Ergeben in den Willen Gottes hat sie ihr Haupt ein wenig zur Seite geneigt, ihren Mund leicht geöffnet und bezeugend ihre rechte Hand an ihre Brust gelegt. Drei ihrer Finger sind ausgestreckt, als möchte sie auf die Dreifaltigkeit hinweisen, von der der göttliche Ratschluss ausging. So verneigten sich Edelleute vor Königen und so verneigte sich Maria vor Gabriel, dem Gesandten Gottes.

Jedoch nicht nur die Eleganz dieser Haltung (man beachte nur einmal die Verschiebungen der Schultern zueinander oder die leichte Drehung des geneigten Kopfes), sondern auch der gefühlsbetonte Gesichtsausdruck (hauptsächlich durch die niedergeschlagenen Augen und den leicht geöffneten Mund erreicht) und, im technischen Bereich, die langgezogenen, kantigen Falten zeigen, dass hier eine Kunstrichtung, das bayerische Rokoko, ihren Höhe- und Endpunkt erreicht hat.

Ursprünglich stand diese Figur auf einem Seitenaltar in der Klosterkirche Attel am Inn. -  AE

Titelbild DER FELS Mai 2015
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Sonntag, 15. Mai 2016

Pfingsten




Das gotische Bild zeigt das Pfingstereignis. Die Architektur, ist zwar noch schematisch, sie besitzt aber schon Perspektive. Beim umlaufenden Fries sieht man Schatten. Der Hintergrund, noch nichr naturalistisch, ist fast einheitlich golden gemalt. Der Maler will so den Einbruch des Göttlichen in diese Welt zeigen. Das Blau, aus dem die Heilige-Geist-Farbe kommt, symbolisiert 
den göttlichen Himmel.
Bei der Anordnung der Personen erkennt man einen streng symmetrischen Aufbau: Links neben Maria sitzen die Apostel mit Matthäus, identifizierbar am Evangelienbuch. Die Apostel neben Maria haben ihr die Köpfe zugewandt, schauen aber aus dem Bild heraus. Im Vordergrund sitzen die wichtigsten Apostel wie Maria und sind ganzfigurig zu sehen. Sie greifen je eine Farbe des  Gewandes von Maria auf: Petrus das Blau (Zeichen der Treue) von Mariens Kleid und Johannes das Rot (Zeichen der Liebe) von Mariens Mantel. Die enge Beziehung zwischen Maria und Johannes zeigt sich hier auch an der fast identischen Kopf- und Handhaltung beider. Die Apostel unterscheiden sich durch individuelle Gesichtszüge und durch ihre Bewegungen. Maria nimmt eine geschwungene Körperhaltung ein. So wird man dieses Bild in das 13. Jahrhundert datieren dürfen. AE

(Titelbild DER FELS Juni 2014)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de
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Montag, 21. März 2016

Gedanken zur Fastenzeit

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lief eines Tages in Italien eine Gruppe sehr reicher Jugendlicher von Carpinete in den Nachbarort, um sich dort zu vergnügen. Alle waren gut gelaunt. Unterwegs begegnete ihnen eine Bettlerin:
„Habt Erbarme mit mir, junge Herren, meine drei Kinder warten zu Hause hungernd auf mich!“ Jeder gab ihr etwas, doch einer gab ihr das ganze Geld, das er bei sich hatte. Gerührt von dieser großherzigen Gabe weinte die arme Frau und sagte: „Gott segne Dich, mein Sohn! Ich werde jeden Tag für Dich beten! Du hast mir so viel gegeben, dass ich einige Monate davon leben kann. Gott segne jeden Deiner Schritte! Du könntest Priester werden. Ich werde dafür beten!“ 
Dieser großmütige Junge war Gioacchino Pecci. Er wurde Priester und später Papst. Er nahm den Namen Leo XIII. an.

Ja, beten wir für unsere Familien: für die Kinder und Enkel; für die Kirche, für unsere Gemeinde; beten wir in der Fastenzeit auch den Kreuzweg! Nehmen wir uns doch immer wieder das Kreuztragen unseres Heilandes und Seiner vielgeliebten Mutter Maria vor Augen. Das, was uns am Weg zu Gott seufzend macht, das ist das KREUZ. Das, was allein unsere Rettung ist, das ist das Kreuz. Wir sehen im Kreuz meist nur das Schwere, das Opfer; wir sollen es aber auch anders sehen. Auch die Gottesmutter, die Auserwählte, die Freude des Dreieinigen Gottes und der Jubel aller Engel, war Kreuzträgerin. Sie sah es in seiner ganzen grausamen Realität, als Sie an jenem grauen Morgen, da Ihr Sohn vor Pilatus stand, über den Zimmermannsplatz ging und es dort zusammengefügt wurde; als Sie selbst unter dem Kreuz stand, da sah Sie nur mehr Ihr Kind, das dort hing, und alles andere war versunken.
Haben wir ein Kreuz und das Bild der schmerzhaften Gottesmutter darunter? Dort knien wir nieder, so oft ein Kreuz uns drückt. Dort schauen wir auf Ihn, den König der Märtyrer und des Herzeleides. Vom Kreuz kommt nicht nur Licht, sondern mehr noch: Kraft, Gnade in überreicher Fülle. Aber wir müssen es herzhaft umfassen im Gebet. Die Welt ist eine Prozession von Kreuzträgern, jeder Mensch wird in dieser Welt zum Kreuz tragen geboren. Entweder trägt er sein Kreuz Christus nach geduldig wie Er, in guter Meinung wie Er, dann trägt er es dorthin, wo kein Kreuz mehr ist, sondern nur Herrlichkeit. Oder er trägt es fluchend und grollend und dann wird er doch nicht befreit davon, dazu trägt er es dorthin, wo kein Kreuz mehr ist, sondern ewige Verzweiflung und Qual.

O Heiland, hilf uns das Kreuz zu tragen. Schmerzhafte Gottesmutter bitte für uns und für alle Kreuzträger, vor allen für alle Kranken und Leidenden.

Aus „Gottesdienstordnung St. Martin Engelfangen“ Februar 2007, Pater B.U.

Montag, 30. November 2015

Der Tod von Schwester Lucia und die Erfüllung der Botschaft von Fatima

Der Tod von Schwester Lucia und die Erfüllung der Botschaft von Fatima

Der Tod der letzten Seherin beendet eine Epoche in der Geschichte von Fatima – die der Mahnungen – und eröffnet eine neue: Die der Erfüllung der in der Mulde von Iria verkündeten letzten Ereignisse

Luis Dufaur

Am 13. Februar (1), in einer schlichten und einfachen Zelle im Karmel von Coimbra, schlossen sich die Augen der Schwester Lucia, die gleichen Augen, die 1917 die Muttergottes und den Engel von Portugal geschaut haben, endgültig für diese Welt.
Ein Gefühl der Trauer durchlief die katholische Welt. Aber auch zugleich eine quälende Frage: Jetzt, wo die letzte Seherin von Fatima tot ist, wie werden die Ereignisse, die in Verbindung mit Fatima stehen, sich entwickeln? Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Absterben der Sr. Lucia und die Erfüllung der für die ganze Welt in der Mulde von Iria verheißenen Strafen?
In der langen Menschenschlange, die der Seherin die letzte Ehre erweisen wollte, sagte einer: „Ich fühle mich jetzt alleine. Es ist als ob ein Schutz, den ich ständig vernahm, verschwunden ist. Ich spüre das Bedürfnis für die Welt zu beten“. Ohne es zu ahnen, äußerte dieser Man die Gefühle vieler anderer. Denn einfach das Dasein der Sr. Lucia auf Erden erhielt in den Menschen die Hoffnung aufrecht, an einer abermaligen barmherzigen Warnung oder klärenden Orientierung Unserer Lieben Frau.
Doch die Majestät des Todes schloss auch ihre Lippen. Lucia ruht nun in einem schlichten Grab in der heiligen Klausur ihres Klosters (2). Ihr Heimgang in die Ewigkeit bedeutet jedoch keinesfalls, dass die Folge der 1917 begonnenen Ereignisse abgeschlossen ist. In der katholischen Welt herrscht ein übereinstimmendes Gefühl, dass die „Causa Fatima“ in eine neue Phase getreten ist. So schreibt der renommierte Vatikanist und Journalist Vittorio Messori: „Fatima bildet ein unberuhigendes Knäuel von Geheimnissen. (...) Das Ableben der letzten Seherin hat die Angelegenheit nicht abgeschlossen. Vielleicht hat es sie eher wieder eröffnet, mit Hinweise auf unbekannte Zukunftsperspektiven“. (3)

Eine großartige Aufgabe

Schwester Lucia ging in die Geschichte ein, geschmückt mit der Großartigkeit der Botschaft, dessen Trägerin sie war und der heiligen Aufgabe, die ihr erteilt wurde. Eine Grandiose Aufgabe, die die Muttergottes ihr am 13. Juni 1917 übertrug: „Jesus will sich deiner bedienen, damit man mich kennen und lieben lernt. Er will, die Andacht zu meinem Unbefleckten Herzens auf der Welt begründen“. (4) Ein Monat später fügte die Jungfrau hinzu: „Ich werde darum bitten, dass Russland meinem Unbefleckten Herz geweiht werden soll und das an den ersten Samstagen die Sühnekommunion gehalten werden soll“. (5)
In späteren Erscheinungen lehrten die Muttergottes und das Jesuskind Sr. Lucia die Praxis der Sühnekommunion an den ersten Samstagen. Schließlich während einer glanzvollen Erscheinung der Heiligsten Dreifaltigkeit und des Unbefleckten Herzens Mariens am 13. Juni 1929, gab Maria ihr zu wissen, „der Augenblick ist gekommen, wo Gott dem Heiligen Vater darum bittet, zusammen mit allen Bischöfen der Welt, Russland meinem Unbefleckten Herzen zu weihen, um es so zu retten“. (6)
Dies war ein entscheidender Zeitpunkt in der Durchführung der von Maria ihr aufgetragenen Aufgabe. Sie erfüllte ihren prophetischen Auftrag, in dem sie dem damals regierenden Papst Pius XI. diese feierliche Bitte zukommen ließ.

Eine lange Reihe von Bitten

Auf den ersten Blick könnte man annehmen, ihre Aufgabe wäre mit der Sendung der Bitte an den Papst abgeschlossen. Denn für den Vollzug der Weihe Russlands war die demütige Nonne nicht zuständig, sondern der Stellvertreter Christi auf Erden.
Pius XI. erhielt die Botschaft, doch aus nicht veröffentlichten Gründen hat er die Weihe nicht vollzogen. Damit eröffnete sich für Sr. Lucia die schmerzlichste und längste Phase ihrer Mission: hier und da immer wieder kindlich die Päpste an den Vollzug der Weihe, die die Muttergottes gebeten hatte, zu erinnern.
Die Jahre verliefen, ohne dass die Weihe vollzogen wurde. Bis Jesus, in einer vertrauten Erscheinung ihr mitteilte, dass die Zeit, die Verbreitung der Geißel der Irrtümer des Kommunismus zu verhindern, abgelaufen sei: „Sie wollten meine Bitte nicht erfüllen. Wie (damals) der König von Frankreich werden sie dies bereuen; sie werden es zwar tun, aber dann wird es zu spät sein. Russland wird seine Irrtümer schon über die Welt verbreitet und Kriege und Verfolgungen gegen die Kirche verursacht haben; der Heilige Vater wird viel leiden müssen“. (7)
Am 21. Januar 1935 teilte Jesus der Sr. Lucia mit, er sei „sehr unzufrieden, weil seine Bitte nicht erfüllt wurde“. (8) In nachfolgenden Briefen wiederholte Sr. Lucia die himmlischen Bitten und Warnungen bezüglich der Weihe Russlands.
Mehr noch. Am 2. Dezember 1940 schrieb sie direkt an Pius XII. und drängte auf den Vollzug der Weihe. Pius XII. weihte die Kirche und die Menschheit dem Unbefleckten Herzen Mariens am 31. Oktober 1942. Doch sie erfüllten nicht die von der Muttergottes geforderten Bedingungen. Im Auftrag Jesu teilte Sr. Lucia dann dem Papst mit, da der Weiheakt „unvollständig war, wird die Bekehrung Russlands noch auf sich warten lassen“. (9)

Ein bedeutender Einsatz während des Konzils

1962 wurde das 2. Vatikanische Konzil eröffnet. Es war eine außerordentliche Gelegenheit für den Papst und die in Rom versammelten Bischöfe der ganzen Welt den Bitten des Himmels nachzukommen und das Ende der von Kommunismus und Sozialismus verursachten Katastrophen zu beschleunigen. Zu diesem Zeitpunkt hatten beide schon zehnfach Millionen Opfer verursacht.
So kam es auf dem Konzil zu einem spektakulären Einsatz im Sinne der Botschaft von Fatima. 510 Erzbischöfe und Bischöfe aus 78 Länder unterschrieben eine Petition an den Heiligen Vater, er möge eindeutig Russland und alle vom Kommunismus beherrschten Länder dem Herzen Mariens weihen und anordnen, dass in Vereinigung mit ihm und am gleichen Tag alle Bischöfe der Welt das gleiche tun sollten. Diese Petition wurde Papst Paul VI. am 3. Februar 1964 vom Erzbischof von Diamantina (BR) Geraldo Proença Sigaud überreicht.
Doch das erwartete Echo blieb aus. Paul VI. „vertraute die Menschheit“ dem Unbefleckten Herzen Mariens am 21. November 1964 an. Später weihte Johannes Paul II. am 13. Mai 1982 und am 25. März 1984 die Welt dem Unbefleckten Herzen Mariens ohne aber Russland namentlich zu erwähnen. Keine dieser Weiheakte entsprach den von der Muttergottes angegebenen Bedingungen, so Sr. Lucia.

Geheimnisvoller Schleier

1989 wurde eine neue Seite der Weltgeschichte aufgeschlagen. Ungefähr in der Mitte jenes Jahres, fing Sr. Lucia an, die Gültigkeit der von Johannes Paul II. am 25. März 1984 vollzogenen Weihe anzunehmen. Bis dann hatte sie sie im Sinne der Bitte der Muttergottes als nicht gültig betrachtet. Für diese Meinungsänderung gab sie keine übernatürliche Anweisung an, was bedeutet, dass es sich um eine rein persönliche Meinung handelt.
Doch es bedeutet aber auch, dass der Hauptbestandteil ihrer Sendung keineswegs damit ausgelöscht wurde. Sie erfüllte den Auftrag, den sie vom Himmel bekommen hatte, d.h., dem Papst die Bitte der Muttergottes, Russland namentlich zu weihen und die Einführung der Verehrung des Unbefleckten Herzens zu übermitteln.

Stunde der göttlichen Strafe?

Was den Rest der Botschaft von Fatima betrifft, kann man annehmen, dass das Eintreffen der barmherzigen aber auch fürchterlichen in Fatima vorhergesehenen letzten Ereignisse bevorstehen. Sie zielen auf die Bekehrung der sündigen Menschheit, die den ständigen und wiederholten Mahnungen, Bitten und Warnungen der Muttergottes zur Umkehr, zur Änderung ihres Lebenswandels nicht entsprochen hat.
Mit einem Versuch etwas Licht auf diese angekündigten geheimnisvollen Ereignisse zu werfen, könnte man fragen ob es am Horizont des menschlichen Geschehens Fakten gibt, die ihr Kommen voraussagen.

Fakten, die die Hypothese bestätigen

Der verheerende Tsunami im Indischen Ozean Ende des Jahres 2004, könnte er nicht eine Ouverture des letzten Zeitabschnitts der in Fatima vorhergesagten Strafen sein? Die fanatische Offensive der Moslems gegen die noch vorhandenen Reste der christlichen Zivilisation, ist sie nicht eine Tatsache, die in die gleiche Richtung weist? In der ganzen Welt verzeichnen wir gewalttätige und blutige Verfolgungen gegen Katholiken, die jährlich Tausende von Märtyrern fordert.
Die sozialistischen und kommunistischen Irrtümer, die sich über die ganze Welt verbreitet haben, brachten eine undenkbare Welle von Feindseligkeiten gegen das, was noch von der christlichen Ordnung übrig geblieben ist und selbst gegen die katholische Kirche. Abtreibung, Euthanasie, die sogenannte Homoehe, ein kämpferischer Laizismus, antinatürliche genetische Experimente und Versuche des menschlichen Klonens, die graduelle Zerstörung des Eigentumsrechts, Ausrottung legitimer Traditionen usw. usf. Die Aufzählung könnte lang werden.
Ich beschränke mich auf ein Beispiel. Spanien litt 1936 bis 1939 unter einen blutigen Bürgerkrieg, der von dem internationalen Sozialismus und Kommunismus entfacht wurde. Am 4. Mai 1943 sandte Sr. Lucia eine Warnung Unseres Herrn Jesus Christus an die spanischen Bischöfe: sie mögen „eine Reform, eine Bekehrung im Volk, im Klerus und in den Ordensgemeinschaften anordnen. (...) Sollten die Herren Bischöfe diesen Bitten Unseres Herrn nicht nachkommen, wird Russland noch einmal die Geißel sein, mit der Gott sie bestrafen wird.“ (10)
Auch diese Mahnung wurde nicht gehört. Doch rein menschlich gesehen, gab es keinen Anlass, diese verheißene Geißel zu fürchten. Denn nach dem Bürgerkrieg wandelte Spanien sicher auf dem Weg eines fortschreitenden Wohlstandes, in dem die ideologischen Konflikte anscheinend für immer begraben worden waren. Bis am 11. März 2004 der Islam ein brutales terroristischen Attentat in Madrid verübte und die neue sozialistische Regierung eine ruchlose Offensive gegen den spanischen Katholizismus auslöste. So entschieden und heftig war dieser Angriff, dass der Primas von Spanien, Erzbischof Antonio Cañizares von Toledo, erklärte, die politische Macht und die Medien seien bereit, die Kirche zu zerstückeln und sie zu beseitigen durch physische Vernichtung und moralischen Angriff. (11)

Die Ängste der Sr. Lucia

Glaubenswürdige Quellen sprachen in Portugal davon, dass Sr. Lucia vor hatte nach Lissabon zu fahren, um speziell während der damals anstehenden Wahlen, die den Sozialisten die Macht wiedergab, im Zimmer, in dem Jacinta 1922 starb, für Portugal zu beten. Es wäre eine außergewöhnliche Tat gewesen.
Mit Gewissheit ahnte sie, dass diese Wahl ein Vorzeichen sein würde, für die Voraussagen der Sel. Jacinta: „Eine furchtbare soziale Umwälzung bedroht unser Land und besonders die Hauptstadt Lissabon. So wie es scheint, wird ein anarchistisch-kommunistischer Bürgerkrieg ausbrechen, mit Plünderung, Blutbad, Brandstiftungen und Verwüstungen aller Art. Die Hauptstadt wird sich in wahres Abbild der Hölle verwandeln. Zu dieser Zeit, in der die beleidigte göttliche Gerechtigkeit solch strenge und furchtbare Strafe dem Land auferlegt, sollten alle, die es möglich machen können, diese Stadt entfliehen.“ (12)
Sollte sich der portugiesische Sozialismus dem spanischen Sozialismus gleichschalten, könnte sich dies mit höchster Wahrscheinlichkeit ereignen.

Zeichen der Bekehrung?

In entgegengesetzter Richtung vernimmt man eine konservative Welle auf universaler Ebene, eine Rückkehr zu sittlichen Werten und traditionellen Institutionen, wie der Familie. USA ist in dieser Hinsicht ein paradigmatischer Fall, doch das Phänomen kann man in der ganzen Welt beobachten. Könnte das nicht die Folge einer Einwirkung der Gnade in den Seelen vieler Menschen sein? Es könnte sein das der Heilige Geist Bekehrungen vorbereitet, die den Kern des von Maria angekündigten Triumphes ihres Unbefleckten Herzens bilden werden.

Der Tod Sr. Lucias beendete einen Zyklus und eröffnete einen neuen, der vielleicht beeindruckender sein wird, was die Erfüllung der Botschaft von Fatima betrifft. In diesem neuen Zyklus wird die Göttliche Vorsehung, mehr als menschliche Spekulationen vermögen sich vorstellen zu können, durch große Ereignisse das letzte Wort sprechen.
Mehr denn allem anderen müssen wir Katholiken der Sprache der Weltereignisse lauschen, denn die wiederholten wörtlichen Ermahnungen führten nicht die von der Muttergottes gewünschten barmherzigen Folgen herbei.
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Anmerkungen
1. Sr. Lucia starb im Jahr 2005.
2. Am 19.2.1006 wurde ihr Leichnam in die Basilika von Fatima umgebettet.
3. „Corriere della Sera“, 15-2-05.
4. In Antonio Augusto Borelli Machado, Fatima: Botschaft der Tragödie oder der Hoffnung?, DVCK e.V., Frankfurt am Main, 2003, 10. Auflage, S. 47.
5. a.a.O., S. 52.
6. a.a.O., S. 108.
7. a.a.O., S. 111.
8. a.a.O., S. 112.
9. a.a.O., S. 116.
10. a.a.O., S. 116
11. “Agência Católica Internacional”, (ACI), 16.8.04.
12. In Antonio Augusto Borelli Machado, a.a.O., S. 86

Freie Übersetzung des Originals „A morte da Irmã Lúcia e a efetivação das profecias de Fátima“ in „CATOLICISMO“, März 2005, São Paulo, Brasilien.


Donnerstag, 11. Juni 2015

Sühnegebet zum Heiligsten Herzen Jesu


Vorgeschrieben für das Fest des Heiligsten Herzens Jesu
am Freitag nach der Oktav des Fronleichnamsfestes

Süßester Jesus, dessen überschwängliche Liebe zu uns Menschen mit soviel Gleichgültigkeit, Nachlässigkeit, Verachtung und Undank vergolten wird, siehe, wir werfen uns vor Deinem Altare nieder, um die sträfliche Kälte der Menschen und die Unbilden, die sie Deinem liebevollsten Herzen allenthalben zufügen, durch einen besonderen Ehrenerweis wieder gutzumachen.

Eingedenk jedoch, dass auch wir einst zur Zahl dieser Unwürdigen gehörten, und durchdrungen von heißem Reueschmerz, erflehen wir vor allem Deine Barmherzigkeit für uns selber. Wir sind bereit, nicht nur unsere eigenen Sünden durch freiwillige Busse zu sühnen, sondern auch die Sünden jener, die weit vom Wege des Heils abirren, die, im Unglauben verstockt, Dir als Hirt und Führer nicht folgen wollen, oder ihre Taufgelübde treulos missachten und das süße Joch Deines Gesetzes zu tragen sich weigern.

Wir nehmen uns feste vor, alle diese beklagenswerten Vergehen zu sühnen, insbesondere aber wollen wir gutmachen: alle Unehrbarkeit und Unsittlichkeit im Leben und Treiben, wodurch so viele unschuldige Seelen ins verderben gezogen werden, die Entheiligung der Sonn- und Feiertage, die abscheulichen Fluchworte gegen Dich und Deine Heiligen, die Beschimpfung Deines Stellvertreters und des Priesterstandes, ferner die Entweihung des Sakramentes Deiner göttlichen Liebe durch Nachlässigkeit oder schändliche Sakrilegien, endlich die öffentlichen Vergehen der Völker, die sich den Rechten und Lehren von Dir gestifteten Kirche widersetzen.

O könnten wir doch diese Sünden mit unserem Blute tilgen! Um indes für die Verletzung Deiner göttlichen Ehre einigermaßen Ersatz zu leisten, opfern wir jene Genugtuung auf, die Du selber einst am Kreuze dem Vater dargebracht hast und noch täglich auf den Altären zu erneuern fortfährst, in Vereinigung mit der Genugtuung Deiner jungfräulichen Mutter, aller lieben Heiligen und frommen Christgläubigen. Ernstlich geloben wir, die Sünden, die wir und andere begangen haben, sowie die Vernachlässigung Deiner großen Liebe durch Festigkeit im Glauben, Reinheit im Lebenswandel und vollkommene Beobachtung des evangelischen Gesetzes, besonders des Gebotes der Liebe, wieder gutzumachen, soviel wir mit dem Beistand Deiner Gnade vermögen. Auch wollen wir uns nach Kräften bemühen, in Zukunft alle Beleidigungen von Dir fernzuhalten und möglichst viele Menschen zu Deiner Nachfolge zu bewegen.

Wir bitten Dich, o gütigster Jesus, Du wollest durch die Fürsprache und Sühne der allerseligsten Jungfrau Maria dieses freie Angebot unseres Ehrenersatzes wohlgefällig aufnehmen und durch die große Gnade der Beharrlichkeit in der treuen Hingabe an Deinen Dienst bewahren, bis wir endlich zu jenem Vaterlande gelangen, wo Du mit dem Vater und dem Heiligen Geiste lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.


(Aus „Das Messbuch der heiligen Kirche“, Anselm Schott O.S.B., Verlag Herder, 1929)

Sonntag, 3. Mai 2015

Hodogetria - erhabenste Darstellung der Gottesmutter



Bei dieser griechischen Marienikone aus der Zeit um 1670 handelt es sich um eine „Hodegetria“. Der Evangelist Lukas soll Maria so porträtiert haben. Typische Merkmale der Hodegetria sind: Maria trägt das Kind auf dem linken Arm und weist mit ihrer rechten Hand auf dieses. Das Kind segnet mit der Rechten im orthodoxen Segensgestus: Der Zeigefinger steht aufrecht für I, der kleine Finger ist gekrümmt wie ein C, Daumen und Ringfinder berühren sich wie ein X und der Mittelfinger ist auch leicht gekrümmt, wie ein weiteres C. So werden mit den Fingern die Buchstaben IC-XC, eine Abkürzung für „Jesus Christus“ (ĪησοŨς Xpıσтóϛ), gebildet. In der linken Hand hält das Kind eine Schriftrolle. Dies ist ein Zeichen, dass Jesus das fleischgewordene Wort ist, wie es im Johannesprolog steht. Im Nimbus hat Christus ein griechisches Kreuz und Maria Sonnenstrahlen, in Erinnerung an das "am Himmel erscheinende Weib, bekleidet mit der Sonne" (Off. 12, 1). Wenn sich auch Veränderungen bei Ikonendarstellungen, in Gegensatz zur westlichen Kunst, viel langsamer vollziehen, aus Ehrfurcht vor dem bis in die Zeit Christi zurückreichenden Original, so zeigen sich hier doch einige Änderungen: Der Bildhintergrund ist nicht mehr golden, sondern himmelblau. Maria sitzt nicht mehr aufrecht, sondern hat sich liebevoll ihrem Kind zugewandt. Letzteres ist typisch für die "Eleusa"-Darstellung, welche Maria als Mitleidende und als Erbarmerin zeigt. AE

Titelbild DER FELS, Mai 2013

Anm.: Hodegetria oder Hodigitria (von griechisch ΟδηγήτριαWegweiserin) bezeichnet einen bestimmten Typus von Mariendarstellungen, der zuerst auf byzantinischen Ikonen des 11. Jahrhunderts anzutreffen war. Maria hält das Kind auf dem linken Arm. Der Typus verbreitete sich, und Marienikonen und später auch andere Bilder in diesem Typus gelten unter den Gläubigen als die „erhabenste Darstellung der Gottesmutter“.
Der Begriff Hodegetria geht auf das griechische Wort hodegos („Führer“, pl. hodegoi) zurück. Dieser 'hodegos' war ein Führer, der blinde Pilger zu einer an der Straße
nach Konstantinopel gelegenen Klosterkirche mit einem darin bewahrten Gnadenbild führte. Der Legende nach war es eine vom Evangelisten Lukas gemalte Ikone der Maria. Für Kirche und Ikone hatte sich daher die Bezeichnung  Hodegonkirche und Hodegetria verbreitet. Die Ikone der Hodegonkirche ging mit Eroberung von Byzanz durch das Osmanische Reich verloren. Über Kopien des Originals hat sich der Darstellungstyp jedoch bis heute erhalten. (aus Wikipedia: Hodegetria)