Posts mit dem Label Ambiente-Bräuche-Zivilisationen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ambiente-Bräuche-Zivilisationen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 2. Juli 2023

Heimsuchung Mariens


Das Bild stammt wohl aus einer Malerschule der Donau. Es ist mit M. S. signiert. Ungarische Wissenschaftler bezeichnen den Künstler als den bedeutendsten ungarischen Maler im späten Mittelalter. Der Maler muss Anfang des 16. Jahrhunderts, am Übergang von der Spätgotik zur Frührenaissance, im Gebiet der heutigen Slowakei gearbeitet haben.

Das Bild hängt in der ungarischen Nationalgalerie und wurde um 1506 gemalt. Zu dieser Zeit kam der „goldene Himmel“, den man hier noch sehen kann, aus der Mode.

Bildinhalt ist die „Heimsuchung“ (Lk 1,39-45), der Besuch der schwangeren Maria bei Elisabeth, die gleichfalls die Geburt ihres Kindes erwartet und die Mutter von Johannes dem Täufer ist.

In der Bibel steht: „Maria … eilte in das Gebirge in eine Stadt Judas.“ Fas jedes Wort wird hier bildlich übersetzt: das Gebirge, die Stadt im Hintergrund, das Eilen aber zeigt sich durch de aufgewehten, weißen Umhang  Mariens.

Da wir von links nach rechts lesen, eilt Maria auch von links nach rechts auf Elisabeth zu.

Besonders intensiv ist der Ausspruch von Elisabeth zu sehen, die zu Maria sagt: „… gebenedeit ist die Frucht deines Leibes.“

Elisabeth berührt mit einer Hand den Leib ihrer Base. Nicht die Schwangerschaft von Elisabeth, sondern die von Maria wird hier in der Vordergrund gestellt.

Während die roten Blumen bei der hl. Elisabeth nicht zu identifizieren sind, handelt es sich bei den blauen Blumen, welche neben Maria wachsen, um Schwertlilien. Die gelten als Symbol für die wahre Fleischwerdung Jesu.

Alois Epple

Quelle: Der Fels, Titelbild Juli 2019.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

 

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Sonntag, 2. April 2023

Jesu Einzug in Jerusalem

 

Das Bild stammt aus dem sog. Ingeborg-Psalter, der um 1200 für Ingeborg von Dänemark (*um 1175, + 1236), Gemahlin von König Philipp II. von Frankreich (1165 -1223), angefertigt wurde. Der Psalter befindet sich heute im Musée Condé in Chantilly. Er gilt als ein Hauptwerk der französischen Buchmalerei der frühen Gotik. Der Hintergrund ist noch ganz Gold. Selbst der Esel schreitet über Gold. Betrachtet man die vier linken Köpfe, so haben alle fast das gleiche Profil. Sie unterscheiden sich jedoch durch ihre Kopfbehaarung.

Jesus wird von einer Eselin getragen. Diese wird von ihrem Fohlen begleitet. So hat wohl der Maler Joh 12, 15 verstanden, wonach Christus auf dem „Füllen einer Eselin“ (Sach 9,9) sitzt. Christus sitzt auf einem Kleid (Mt 11, 7, Lk 19, 36). Segnend formt er mit den Fingern seiner rechten Hand die Buchstaben IC-XC als Abkürzung von Jesus Christus. In der linken Hand hält er ein Buch, Zeichen, dass er lehrt und dass durch ihn die Schrift erfüllt wird. Christus folgen die Apostel: Der bartlose, welcher auf Christus hinweist und der ein Buch hält, ist Johannes Ev. Neben diesem, ebenfalls mit einem Buch, könnte der Evangelist Matthäus stehen. Vor der Eselin breitet ein Knabe ein Kleid aus (Mk 11,8). Der gleichfarbig wie das Kind gewandete Greis darüber begrüßt Christus vor dem Jerusalemer Stadttor, welches ganz rechts noch zu erahnen ist, mit einem Palmzweig (Mk 11,8). In seinem Rücken kontrastiert ein junger, bartloser Mann, ebenfalls mit einem Zweig in einer Hand und in der anderen ein Kind. In der Mitte des Bildes steht ein Baum. Wie einst Zachäus (Lk 19,4), so ist ein Kind auf den Baum gestiegen. Um Christus besser sehen zu können, hat er einen Zweig nach unten gebogen.

Alois Epple

 

Quelle: Der Fels, Titelbild April 2022.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion:
Hubert.Gindert@der–fels.de

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Samstag, 18. Februar 2023

Paris, Boulevard Poissonnière im Regen


 Jean Béraud 1885

Musée de la Ville de Paris, Musée Carnavalet / Giraudon / The Bridgeman Art Library

 

Schon auf den ersten Blick sind wir von der Lebendigkeit, der Buntheit und der Eleganz dieser Szene fasziniert. Trotz Regen herrscht lebhaftes Treiben.

Der Maler zeigt uns eine Momentaufnahme des übersprühenden Lebens auf den Boulevards von Paris in der Belle Epoque mit ihren Cafes, den Theatern, den Litfaßsäulen, wo Plakate das kulturelle Geschehen ankündigen.

Die elegante Kleidung der beiden Frauen im Vordergrund sticht ins Auge und wir bemerken tausend Details, die uns anregen, dieses Bild genauer zu betrachten. Bei dieser Geschäftigkeit bemerkt man keine Nervosität. In den gesitteten sozialen Beziehungen sind Höflichkeit und gute Umgangsformen vorherrschend.

Ein Straßenkehrer schiebt die Abfälle in den Kanal. Auf der anderen Seite kann man einen Doppeldeckerbus erkennen, der La Madeleine mit dem Place de la Bastille verbindet. Zahlreiche Fiaker sind unterwegs aber man kann die Straße überqueren, wo immer man will, ohne von unzähligen kleinlichen Vorschriften behindert zu werden. Die Vergötterung der Technik hat noch nicht alles erfasst und verdorben.

 

Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“, September 2015 von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.

 

Freitag, 17. Februar 2023

Das Fährboot


Das Fährboot, 1910-1911 -  Emanuel Phillips Fox (1865-1915)
Art Gallery of New South Wales, Sidney, Australien

  

Der Maler, in einem Vorort von Melbourne geboren, verbrachte mehrere Jahre in Europa. Hier malte er die Landungsbrücke für das Fährboot in Trouville in Frankreich, von wo aus man den Ort Deauville am anderen Ufer des Flusses Touques erreichen kann.

Die lebhaften Farben und die Spiegelung des Lichtes im Wasser sind eine Augenweide. Ein Mann reicht einer Frau die Hand, um ihr ins Boot zu helfen. Eine Kinderfrau trägt ein Baby in ihren Armen und schützt es mit einem Sonnenschirm. Der Fährmann mit einer Kappe hat das Boot an einem Haken festgebunden. Ein Knabe mit einem Strohhut am Kopf lacht fröhlich.

Die Eleganz der sommerlichen Kleider, der gute Geschmack und die Freundlichkeit unter den Menschen erinnert uns an eine Zeit, in der man einen Aufenthalt am Meer in liebenswürdiger und netter Gesellschaft genießen konnte - weit entfernt von der heutigen naturalistischen und exhibitionistischen Vulgarität. Das Leben war viel angenehmer und schöner, weil Moral, Selbstachtung und Respekt vor anderen vorherrschte.

 

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“

von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Mai 2011)


Donnerstag, 16. Februar 2023

Lesen bei Kerzenlicht


von Petrus van Schendel:  (ca. 1870 Ernte).

 

      In früheren Zeiten, als die Tage immer kürzer wurden, konnte man oft nicht mehr viel am Abend tun. Zum Arbeiten war es zu dunkel und auf dem Land wuchs zu dieser Zeit nicht viel. Aber wer Kerzen hatte, konnte jetzt etwas sehr gutes tun: Lesen. Weil gerade jetzt die vollen Terminkalender der täglichen Arbeit wegfielen, hatten die Menschen die Gelegenheit in aller Ruhe zu lesen und nachzudenken, was wirklich zählt. Eine Ruhe, die wir in unserer Zeit der konstanten Hektik und nie endenden Arbeit, beneiden können.

 

Neederlandse Cultuurkalender 2016 – November
Stichting Civitas Christiana

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Donnerstag, 18. August 2022

Nationalversammlung: Was die Krawatte verbirgt...


Die Nationalversammlung in Paris - Foto © Shutterstock
 

von Antoine Bellion


      Seit ihrer Wahl im Juni letzten Jahres haben die Abgeordneten der France Insoumise die Nationalversammlung in einen Rummelplatz der Beschimpfungen verwandelt, der, wenn auch mit weniger Ernst, an die Anfänge des Konvents (der Französischen Revolution) erinnert.

      Die Geschichte wiederholt sich immer mindestens zweimal, „das erste Mal als Tragödie, das zweite Mal als Farce“, behauptete Karl Marx, der somit von seinen entfernten Erben erhört wurde.

      Der letzte Streich der Linksaußen-Abgeordneten war die Weigerung, im Plenarsaal eine Krawatte zu tragen. Jean-Luc Mélenchon erklärte bereits zu Beginn der letzten Legislaturperiode: „Es gab in diesem Haus Sans-Culottes, es gibt von nun an Sans-Cravates“. Dabei tat der Tribun aus Marseille so, als wüsste er nicht, dass Robespierre die Culotte anhatte und dass es seine Nervis waren, die keine Abgeordneten waren, die sich davon fernhielten und ihm die gestreifte Hose vorzogen.

      Die Abgeordneten Boyard und Le Gayic gingen noch einen Schritt weiter und erschienen zur Eröffnungssitzung der neuen Versammlung, der eine im Hemdsärmeln, der andere mit Sandalen. Die neuen „Strickerinnen“ standen ihnen in nichts nach. Sie verhöhnten den Vorschlag des Abgeordneten Eric Ciotti, für seine männlichen Kollegen eine Krawattenpflicht einzuführen, indem sie sich den Stoff der Zwietracht um den Hals banden.

      Eine erbärmliche Pantalonade einer nach Aufmerksamkeit gierenden Linken, könnte man meinen... Doch hinter der Krawatte verbirgt sich eine Konfrontation, die ein wenig Ernsthaftigkeit verdient.

Ein Arbeiter in „Sonntagskleidung“ und ein Abgeordneter in Flip-Flops.

      In Wahrheit ist die Ablehnung der Krawatte nicht nur ein Phänomen von Karnevalsrevolutionären, die das Parlament mit dem Zirkus Pinder verwechseln. Es ist schon eine Weile her, dass gewählte Politiker, Prominente, Journalisten und Unternehmer dieses einst unverzichtbare Accessoire im Schrank gelassen haben.

      Der ehemalige US-Präsident Barack Obama, der Milliardär Bill Gates und sogar Prinz William, der Thronfolger von England, erscheinen regelmäßig in einem weißen Hemd mit offenem Kragen. Und was ist mit den meisten Ärzten, Notaren, Professoren und anderen Honoratioren, die noch vor wenigen Jahrzehnten bei der Ausübung ihres Amtes konsequent eine Krawatte trugen?

      Es stimmt, dass auch die unteren Schichten früher zu besonderen Anlässen einen Anzug trugen, vor allem zur Sonntagsmesse. Man sprach damals von „endimancher“ (sich „versonntäglichen“)...

      Jean-Luc Mélenchon hat sich nicht geirrt: Die Krawatte wird heute immer seltener getragen, so wie gestern die „Culotte“. Und morgen könnte es gut sein, dass auf den Plätzen der Nationalversammlung die Hosen den Bermudas und die Lackschuhe den Flip-Flops weichen.

Pluralität der Moden, eine einheitliche Richtung

      Revolutionen sind leicht zu erkennen, wenn sie aus heftigen politischen Zuckungen bestehen. Sie fallen auch auf, wenn sie sich in Form von neuen Ideen äußern. Was wäre die sexuelle und libertäre Revolution der 1970er Jahre ohne den Minirock bei den Mädchen und die langen Haare bei den jungen Männern?

      Kleidermoden sind zwar wandelbar, aber seit den Sans-Culottes ist es unbestreitbar, dass sie Teil eines einseitigen Prozesses sind: des Prozesses einer zunehmenden Funktionalität, deren Hauptfolge die Vernichtung der sozialen, sexuellen und kulturellen Unterschiede zwischen Menschen und Völkern ist. Mit anderen Worten: die Gleichheit aufzuzwingen.

Kleidung als Äußerung der Tugend

      „Es ist die natürliche Ordnung der Dinge, dass der Mensch seine Seele in seiner Physiognomie, in seiner Stimme, in seiner Haltung und in seinen Bewegungen widerspiegelt. Und da die Kleidung den menschlichen Körper bedecken soll, ist es nur natürlich, dass der Mensch ihn auch als Element des Ausdrucks verwendet. Umso mehr, als sich die Kleidung perfekt dafür eignet“, schrieb der katholische Intellektuelle und Aktivist Plinio Corrêa de Oliveira (1908-1995).

      Was drückte der Mann von einst - der traditionelle Mann, könnte man sagen - durch seine Kleidung aus?

      In erster Linie seine Würde als Kind Gottes, das durch die Taufe erlöst wurde. Die Heilige Schrift sagt: „Der Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes“.

      Im heidnischen Altertum gingen die Sklaven, die die härteste Arbeit verrichten mussten, halbnackt, nur mit einem Lendenschurz bedeckt. Im Gegensatz dazu waren die Bauern des Ancien Régime und die Arbeiter des letzten Jahrhunderts einfach, aber anständig und, wenn es ihnen möglich war, hübsch gekleidet.

      Kurz gesagt, ihre Kleidung war nie völlig der Funktionalität geopfert. Dies galt natürlich vor allem für Frauen. Bis vor kurzem drückte Frauenkleidung die Tugend der Trägerin aus und betonte die Schönheit der Frau, die sie bedeckte.

      Das Ausmaß des durch die Moderne verursachten Bruchs wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die Kleidung, die seit den 1970er Jahren von den meisten jungen Frauen im Westen getragen wird, für die Prostituierten früherer Generationen nicht einmal erlaubt gewesen wäre.

Moderne Hüllen und prunkvolle Kleidung

      Die Kleidung drückte auch die soziale Funktion ihres Besitzers aus. Man kleidete sich anders, je nachdem, ob man Prinz, Soldat, Priester, Kaufmann oder Bauer war.

      Die moderne Welt sieht darin eine „Sünde“ gegen die Gleichheit. Die alte Welt sah darin eine harmonische Vielfalt, die die natürlichen, von Gott gewollten Ungleichheiten widerspiegelte. Jeder passte sich dem Platz an, den die göttliche Vorsehung für ihn vorgesehen hatte, und der schwere Prunkmantel des Monarchen war nicht leichter zu tragen als die raue Schürze des Schmieds.

      Was drückt der moderne Mensch seinerseits durch die Art, wie er sich kleidet, aus? Seine Ablehnung aller Zwänge und seinen Hass auf jede Form von Hierarchie. Er will „frei“, „informell“, „spontan“ sein. Sein Anspruch, sich selbst zu genügen, spiegelt sich in seiner Kleidung wider: Er will das tragen, was nur er selbst gewählt hat, und nicht das, was die Tradition ihm auferlegt.

      Hier hat der Instinkt wieder einmal die Oberhand über die Vernunft: Hinter dem von allen Zwängen und Erbschaften „befreiten“ Menschen kommt die Animalität des Wilden zum Vorschein.

      Die Schamhaftigkeit eines Schals, die Knöpfe einer Militäruniform und nun auch der Knoten einer Krawatte sind für den modernen Körper unerträglich. Sie erinnern ihn an Opfer, Reinheit und Würde: alles Güter, die in den Himmel führen, aber es nicht erlauben, hic et nunc diese Erde zu genießen, die die meisten unserer Zeitgenossen zu ihrem einzigen Horizont gemacht haben.

      Zeige mir, wie du dich kleidest, und ich sage dir...

 

 

Aus dem Französischen mit Hilfe von DeepL-Übersetzer (kostenlose Version) von „Assemblée nationale : ce que cache la cravate“ in
https://avenirdelaculture.info/articles/assemblee-nationale-ce-que-cache-la-cravate?utm_source=sidebar
vom 4. August 2022

Diese deutsche Fassung „Nationalversammlung: Was die Krawatte verbirgt“ erschien erstmals in
www.r-gr.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Mittwoch, 29. Juni 2022

Wie ein bescheidener Diener die New Yorker Oberschicht veränderte

30. Juni - Diener Gottes Pierre Toussaint (1766-1853)

Pierre Toussaint wurde 1996 zum Diener Gottes  erklärt.

Toussaint wurde in Saint Domingue (dem heutigen Haiti) als Sklave geboren und kam 1789 mit seinem Herrn Jean Bérard du Pithon, einem französischen Adligen und wohlhabenden Pflanzer, der vor den Unruhen, die die Französische Revolution in Saint Domingue ausgelöst hatte, nach New York floh. Zwei Jahre später starb sein Herr, ohne das Familienvermögen wiederherstellen zu können, und ließ Madame Bérard in Armut zurück. Toussaint, der über die Notlage seiner Herrin besorgt war, ließ nicht zu, dass ihre Armut ans Licht käme. Er sorgte für den Kauf von Lebensmitteln, indem er seine Fähigkeiten als modischer Friseur für die Damen der New Yorker High Society einsetzte, servierte seiner Herrin und ihren Gästen elegant gekleidet als Butler die Abendessen und unterhielt alle nach den Mahlzeiten mit der Musik seiner Geige.

1808 wurde er in die Freiheit entlassen, 1811 heiratete er. Aufgrund seiner Tugendhaftigkeit, Diskretion und bewundernswerten Weisheit brachten viele Menschen aus der Oberschicht ihre Probleme zu ihm und suchten seinen Rat. Seine Großzügigkeit und sein Engagement schienen unbegrenzt zu sein, und er wurde zum unbekannten Wohltäter vieler Menschen, die in Not geraten waren. Als er 1853 starb, hatte er die New Yorker Gesellschaft tiefgreifend geprägt. Scharen von dankbaren Menschen, Weiße und Schwarze, Hoch- und Niedriggeborene, füllten zu seiner Beerdigung die Old Saint Peter's Church. Seine sterblichen Überreste liegen heute in der Krypta der St.-Patrick's-Kathedrale, wo sie glorreich auf den Tag der Auferstehung warten und, so hoffen wir, auf den Tag, an dem er mit dem glorreichen Titel „Heiliger“ geehrt werden wird.

Juliet Noel, Ehefrau von Pierre Toussaint


Nach dem Fall der Bastille und den ersten Funken der Revolution im Mutterland Frankreich wurden die Inseln, die das heutige Haiti bilden, 1789 in ein völliges Chaos gestürzt. Sklaven und Arbeiter, angeführt von Revolutionären mit bösen Absichten, rebellierten gegen ihre Herren und Arbeitgeber.

In der Hoffnung, der Gewalt zu entkommen, floh Jean Bérard du Pithon, Oberhaupt einer der reichsten Familien der Inseln, mit seiner Familie und Pierre Toussaint, einem seiner Sklaven, nach New York.

In der irrigen Annahme, dass der Aufstand nur von kurzer Dauer sein würde, nahm Herr Bérard du Pithon nur wenig Geld mit. Bald war sein Geld aufgebraucht und er wurde zu niederen Arbeiten gezwungen. Aufgrund seines sozialen Status war er die Strapazen und Schwierigkeiten dieser Art von Arbeit nicht gewöhnt, und sie setzten ihm schwer zu. Gerade als es nicht mehr schlimmer werden konnte, starb Herr du Pithon 1791 und hinterließ seine Witwe Marie Elizabeth ohne Geld, ohne Einkommen und ohne die Möglichkeit, sich beides zu beschaffen. Marie erkannte die Verzweiflung ihrer Lage und verfiel in eine tiefe Depression.

Als Pierre Toussaint seine Herrin so verzweifelt sah, war er voller Mitleid. Obwohl er die Situation leicht hätte ausnutzen können, um wegzulaufen und frei zu leben, zog er es vor, im Dienst seiner Herrin zu bleiben. Außerdem arbeitete er nach getaner Arbeit als Friseur und bediente die wohlhabenden Damen der New Yorker Gesellschaft. Da er über ein überdurchschnittliches Talent verfügte, florierte diese Arbeit. Pierre war jedoch nicht daran interessiert, für sich selbst Geld zu verdienen, sondern schenkte Frau Marie Bérard große Summen davon. Er arbeitete so hart, dass er sie nicht nur vor der Armut bewahrte, sondern es ihr auch ermöglichte, den gleichen Lebensstandard wie vor dem Tod ihres Mannes zu genießen.

Euphemia Toussaint, die Nichte von Pierre Toussaint.
 Alle drei Bilder wurden von Anthony Meucci gemalt.

In seiner Beziehung zu Frau Bérard zeigte Pierre einen Geist der Nächstenliebe und Unterwerfung, der eher engelhaft als menschlich war. Pierre veranstaltete oft große Feste für Marie und bezahlte für alles. Sobald die Feste begannen, schlüpfte er in das Gewand eines Butlers und bediente die Gäste, ohne sich anmerken zu lassen, dass er nicht mehr war als der treue Diener seiner Herrin.

Mit Pierres Hilfe bekam Marie ihr Leben wieder in den Griff. Sie heiratete wieder und gewann etwas von der Stabilität zurück, die sie verloren hatte.

In der Zwischenzeit sparte Pierre eine ansehnliche Summe, mit der er seine Schwester und seine zukünftige Frau Juliette freikaufte. Er strebte nicht einmal nach seiner eigenen Freiheit. Völlig zufrieden mit seiner Stellung, bleibt er Sklave, bis Frau Marie Bérard ihm auf dem Sterbebett die Freiheit gewährt. Man schrieb das Jahr 1807, und Pierre war 41 Jahre alt.

Eine typische Dame der New Yorker High Society
des frühen 19. Jahrhunderts.

Nach seiner Freilassung setzte Pierre seine Wohltätigkeitsarbeit fort. Wenn er nicht gerade Haare frisierte, half er Pestopfern. Zusammen mit Juliette zog er mehrere junge, verlassene schwarze Jungen auf und fand Arbeit für sie.

Im Jahr 1853 starb Pierre Toussaint, nachdem er 85 Jahre lang nach dem Evangelium gelebt hatte.

Die erbauliche Geschichte von Pierre Toussaint wird heute kaum noch erzählt. Ende 2007 wurde er jedoch erneut in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Bei dem sechsjährigen Joseph Peacock wurde eine schwere Skoliose diagnostiziert, und er sollte bis zu seinem zwanzigsten Lebensjahr eine Rückenschiene tragen müssen. Ermutigt durch einen Artikel über Pierre Toussaint in der Washington Post, der während des „Black History Month“ veröffentlicht wurde, beteten Josephs Mutter Lisa und ihr Mann John zu Toussaint und baten um Heilung für ihren Sohn.

Porträt von Pierre Toussaint mit Autogramm

Ein paar Tage später wurde Joseph zur Anpassung der Schiene vorstellig. Bei einer zweiten Röntgenuntersuchung verkündete Dr. Sponseller, Josephs Kinderarzt, schockierende Ergebnisse. Sein Rücken wies lediglich eine Krümmung von 10 Grad auf, was im normalen Bereich liegt. Als die Familie Dr. Sheila Murphy um eine zweite Meinung bat, erklärte sie: „Meiner Meinung nach ist die Umkehrung von Joeys Skoliose mit dem derzeitigen medizinischen Denken nicht erklärbar.“

Sofort wurde die Geschichte von Joeys Heilung nach Rom geschickt, wo das Heiligsprechungsverfahren für Pierre Toussaint seit 1968 läuft. Wenn die Geschichte den strengen Prüfprozess des Vatikans besteht und für wundertätig erklärt wird, ist das letzte Hindernis für Toussaints Seligsprechung beseitigt. Es bedarf dann nur noch eines Wunders, um als erster schwarzer Heiliger Amerikas heiliggesprochen zu werden.

Wie schön wäre es, Pierre Toussaint in unseren Tagen heiliggesprochen zu sehen. Sein Leben steht in scharfem Kontrast zu dem radikal egalitären Geist, der die moderne Gesellschaft beherrscht. Pierre Toussaint förderte die soziale Harmonie, während viele moderne Bürgerrechtsführer darauf bedacht zu sein scheinen, Uneinigkeit und Feindseligkeit zwischen Rassen und Klassen zu schüren.


Diesem modernen egalitären Geist ist eine Leugnung jeglicher Ungleichheit inhärent. Obwohl alle Menschen im Grunde genommen gleich sind, sind ihre Akzidenzen [nicht wesensbestimmte Eigenschaften] in hohem Maße und unbestreitbar ungleich. Der heilige Thomas von Aquin lehrt, dass Gott diese Ungleichheiten geschaffen hat, damit die Schöpfung ihn und seine Tugenden besser widerspiegeln kann. So muss jeder Mensch seinen Platz in der Schöpfung entsprechend seinen Talenten und Fähigkeiten finden und sich damit begnügen, sie nach besten Kräften auszufüllen.

Aufgrund seiner heldenhaften Treue und Unterwerfung gegenüber Marie Bérard praktizierte Toussaint ein Maß an Tugend, vor dem Könige sich in Ehrfurcht verneigen sollten. Durch seinen Dienst verkörperte er bestimmte Tugenden und Eigenschaften wie Demut und Gehorsam, die selbst der größte Kaiser nur mit großer Mühe erreichen könnte.

Im Gegenteil, diejenigen, die den Aufstand und den Klassenkampf bevorzugen, sind nicht in der Lage, die Größe, die Toussaint auf diese Weise erlangte, zu ergründen.

Möge die Gottesmutter gewähren, dass die Heiligsprechung von Pierre Toussaint endlich stattfindet, ihn auf die Würde der Altäre erhebt, wo er hingehört, und die tiefgreifenden egalitären Irrtümer unserer Zeit besiegt.

Buch: Gedenken an Pierre Toussaint


Aus dem Englischen übersetzt mit Deepl-Übersetzer (kostenlose Version) von https://nobility.org/2014/06/pierre-toussaint-nobility/

30 Juni 2014. Eingesehen am 29. Juni 2022

Diese deutsche Fassung „Wie ein bescheidener Diener die New Yorker Oberschicht veränderte“ erschien erstmals in www.r-gr.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Freitag, 27. August 2021

Küstenszene mit Fischern


von Charles Leickert: (1855)

 

Die niederländische Verbundenheit mit dem Meer ist alt und stark. Das Leben an der Küste dreht sich um das Meer als ein verbindendes, gemeinschaftsbildendes Element. Kaufleute segeln mit ihren Waren um die Welt, während Fischer uns täglich Lebensmittel von den Wellen ernten. Von der VOC zum Strandfischer: Hier tritt der freie Unternehmergeist der Niederländer in den Vordergrund. Sie arbeiten hart, aber wenn das Meer etwas leicht hergibt, lässt man die Beute nicht liegen.

 

Neederlandse Cultuurkalender 2016 – Juni
Stichting Civitas Christiana

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Mittwoch, 16. Juni 2021

Der Grand Condé bei der Schlacht von Rocroy

 


Der Grand Condé bei der Schlacht von Rocroy
am 19. Mai 1643

Louis de Bourbon, Herzog d'Enghien, zukünftiger Grand Condé, damals einundzwanzig Jahre alt, errang den Sieg über die spanische Armee in Flandern bei Rocroy am 19. Mai 1643, fünf Tage nach dem Tod von Ludwig XIII. Dieses Gemälde befindet sich in der Galerie des Batailles in Versailles. Es zeigt Don Francisco de Melo, Generalkapitän der belagernden Truppen der Stadt, wie er sich dem Sieger ergibt, indem er sein Schwert der Wache überreicht. Mit einer großmütigen Geste beendet der Herzog die Feindseligkeiten und verlieh den Überlebenden in Anerkennung ihrer Tapferkeit volle Ehren.

Durch ein geniales Manöver der französischen Kavallerie gelang es dem Grand Condé, die furchtbaren spanischen Tercios und ihre Formation in massiven, mit Speeren bestückten Quadraten, die „ebenso vielen Türmen glichen“, wie Bossuet sagen wird, zu besiegen. Rocroy ist ein Wendepunkt im Dreißigjährigen Krieg, wir sehen das Aufkommen des „Spitzen-Krieges“*), die Kavallerie nimmt die Vorherrschaft über die Infanterie für ein Jahrhundert, bis zur Schlacht von Fontenoy im Jahr 1745, von wann an die Feuerkraft entscheidend sein wird.

*) Auf französisch „La Guerre en Dentelles“, weil vor allem die Befehlshaber anfingen Spitzenkragen und -Manschetten zu tragen, wie auf dem Bild schon angedeutet wird.

 

Aus dem Französischen übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version) im Kalender „2019 sous le regard de la Sainte Vierge – 356 jour d’Histoire pour vivre avec l’âme chrétienne de la France“. TFP Frankreich. Monat Juni.

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.

Diese deutsche Fassung von „Der Grand Condé bei der Schlacht von Rocroy“ erschien erstmals in
 www.r-gr.blogspot.com

Mittwoch, 10. März 2021

Bauernleben in Holland


Landschaft mit Kühen (ca. 1880) Jan Evert Morel II

 Der Haushalt der bäuerlichen Familie ist der Grundpfeiler einer organischen Gesellschaft. Die Familie ist selbstversorgend und unabhängig. Sie hat ihren eigenen Charakter und Identität, die sich herausbilden in einem konkreten Raum. Ein Privathaus, wo die Kühe an der Haustür vorbei gehen, wo die Frau am Morgen in aller Ruhe Wäsche aufhängt. Die Familie arbeitet unabhängig und kann selbst ihre Arbeitsbereiche regeln, unter der Führung des Familienvaters. Er kümmert sich um seinen eigenen Hof und um die nahe Umgebung.

Neederlandse Cultuurkalender 2016 – Juli
Stichting Civitas Christiana

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.

Mittwoch, 30. Dezember 2020

Königin Marie-Antoinette und ihre Kinder



Dieses lebensgroße Porträt von Elizabeth Louise Vigée Le Brun, die im gleichen Alter ihres Modells steht, ist zweifellos eines der bekanntesten Werke von Versailles. Königin Marie Antoinette in einem roten Samtkleid trägt einen passenden Hut mit einem Federschmuck aus Straußenfedern. Sie hält den Herzog der Normandie, Louis Joseph, den jüngsten ihrer Söhne, den künftigen Ludwig XVII., auf dem Schoß. Marie-Thérèse Charlotte von Frankreich, bekannt als Madame Royale, drängt sich zärtlich gegen ihre Mutter. Der erste Delphin (Kronprinz), Louis Joseph Xavier François von Frankreich, trägt das blaue Band und das Abzeichen des Ordens des Heiligen Geistes; er zeigt in die leere Wiege seiner Schwester Sophie Hélène Beatrix, die einige Monate nach ihrer Geburt gestorben ist, als das Gemälde fast fertig war. Der erste Delphin starb 1789 während der Generalstände der Französischen Revolution. Königin Marie-Antoinette wurde am 16. Oktober 1793 auf dem Place de la Révolution enthauptet. Der sehr junge Ludwig XVII. starb 1795 nach dreijähriger Gefangenschaft im Tempelgefängnis. Nur Madame Royale wird überleben.

 

Gemälde von Mme Vigée-Lebrun, 1787 im Schloss von Versailles France / photo wikimedia commons

Quele: Kalender „2019 sous le regard de la Sainte Vierge – 356 jour d’Histoire pour vivre avec l’âme chrétienne de la France“. TFP Frankreich

Aus dem Französichen mit Hilfe von Google Übersetzer

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Dienstag, 29. Dezember 2020

Die Geburtsnacht des Messias

 

In der Geburtsnacht des Messias feierte die Christenheit ein Fest voll Unschuld und Majestät: Scharen von Kindern, die die Krippe, die beleuchteten und mit Blumen geschmückten Kirchen leidenschaftlich liebten, das Volk drängte sich um die Wiege seines Gottes, die Christen, die in einer einsamen Kapelle ihren Frieden mit dem Himmel schlossen, das freudige Halleluja, der Klang der Orgel und der Glocken, alles sammelte sich zu einem Schauspiel der Unschuld und Majestät.


Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, Dezember 2016

Textquelle: François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 529.

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.



Dienstag, 3. November 2020

Ambiente - Bräuche - Zivilisationen


Die fleißige Malschülerin im Rubens-Raum,

1902 - Louis Béroud


Im Louvre bemüht sich eine junge Malerin um ein Gemälde eines großen Meisters nachzumalen: Die Krönung der Königin Maria von Medici in der Abtei von Saint-Denis am 13. Mai 1610 von Rubens.

Die Eleganz der Kleidung, sowohl der Besucherinnen als auch der mit Pinsel und Palette Malende, harmoniert mit dem reich dekorierten Raum. Die Schönheit der Toilette steigert die Würde der Frau und regt Respekt und Bewunderung an. Man beachte die Hüte, den Sonnenschirm, die langen Kleider.

Es ist manchmal schwierig, nachzuvollziehen, was die moderne Mode, die im Namen einer falschen Vorstellung von Freiheit grotesk und unanständig geworden ist, den Frauen und der Gesellschaft alles geraubt hat.

 

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion Deutschland braucht Mariens Hilfe, DVCK e.V. Frankfurt, November 2019.


Samstag, 15. August 2020

Aufnahme Mariens in den Himmel



Von 1577 bis 1579 malte El Grecco dieses Bild, das sich heute in Chicago befindet.
Maria steht auf einer Mondsichel (Off 12,1). In Orantenhaltung wird sie von Engeln in den Himmel geleitet. Über ihrem Kopf öffnet sich ein Lichtkanal, welcher von Puttenköpfen flankiert wird. Über diesem Altarbild befand sich wohl eine plastische Darstellung der Dreifaltigkeit. Die hl. Jungfrau ist auf Untersicht gemalt, d.h. nach unten ist ihr Körper vergrößert, bzw. verlängert. So wird ihre Fahrt nach oben auch perspektivisch unterstrichen.
Unten stehen die Apostel vor dem leeren Sarkophag. Einer schaut ratlos in das leere Grab, andere diskutieren zweifelnd miteinander, wieder andere schauen Maria nach. Im Vordergrund links ist ein Apostel als Rückenfigur gemalt. Er nimmt den Platz des Bildbetrachters ein. Überhaupt ist nicht auszuschließen, dass einige Apostel portraitierte Zeitgenossen von El Grecco sind.
Farblich dominieren bei den Engelgewändern und bei Maria die Primärfarben gelb, rot und blau. Bei den Apostelgewändern kommen die Erdfarben grün und braun hinzu.
Alois Epple

Quelle: Der Fels, Titelbild Juli-August 2019.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de
© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Dienstag, 11. August 2020

Das Neugeborene


Evert Pieters (1856 -1932) Privatsammlung I Foto: Bridgeman Images

In seiner Wiege liegend tauscht das Baby mit seiner Mutter einen zärtlichen Blick und ein süßes Lächeln aus, während die Ältere mit ihrer Puppe spielt. Ein einfaches Interieur auf dem Lande.

Evert Pieters, geboren in Amsterdam, ist das Kind einer armen Familie. Nach der Grundschule muss er arbeiten. Im Alter von 19 Jahren besucht er die Akademie in Antwerpen und setzt seine Lehre bei dem belgischen Maler Theodoor Verstraete fort, der ihn als Schüler aufnimmt. Er entwickelt einen freien Stil, der in der Begeisterung für Farben zum Ausdruck kommt.

In Holzpantoffeln, auf einem Strohsessel sitzend, nimmt die Mutter ein einfaches Essen ein, den Teller auf den Knien. Entlang der Wand sind Gartengeräte aufgestellt. Auf das kleine Möbelstück neben der Tür wird man das Kind später legen.

„Die Familie ist die Wiege der zivilen Gesellschaft“, sagte Papst Leo XIII. „und jene, die mit den christlichen Institutionen nichts mehr zu tun haben wollen, setzen alles daran, auch die Familie von Grund auf zu zerstören“.

 

(Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“ von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, April 2016)

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Mittwoch, 29. Juli 2020

Die Kugelspieler





Die Kugelspieler

Die Szene spielt an einem Sonntag in der Bretagne, in der Region Concarneau. Die Männer zogen ihre bestickten Westen an und spielen Kugelwerfen auf der Wiese. Im Hintergrund plaudern zwei Frauen mit weißen Hauben am Tor der Grenzmauer. Der Ruhetag ist heilig. Nach der Messe am Morgen trifft man sich am Nachmittag für einen Moment der Entspannung. Der Maler spürt hier die Seele eines christlichen Volkes nach, das sich zu entspannen und zu vergnügen weiß, ebenso wie er den Wert der Mühen und die Liebe zur gut geleisteten Arbeit kennt. Die christliche Weisheit durchdringt so den allgemeinen Lebenswandel und ermöglicht das harmonische und brüderliche Leben einer Gesellschaft, die sich um das dreht, was Papst Leo XIII. die Philosophie des Evangeliums nannte. Unsere neuheidnische Welt ist gerade das traurige Gegenteil.

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion Deutschland braucht Mariens Hilfe, DVCK e.V. Frankfurt, Oktober 2019.

Bild: Gemälde von Théophile-Louis Deyrolle, ca. 1887

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.

Samstag, 25. Juli 2020

Das Geläut der Kirchenglocken



Die Gefühle, die das Geläut unserer Kirchen früher hervorriefen, Gefühle, die umso schöner waren, weil sie das Andenken an den Himmel darein mischten. Wären die Glocken an jedem anderen Denkmal als an den Kirchen angebracht, so hätten sie ihre moralische Übereinstimmung mit unseren Herzen verloren. Aber so war es Gott selber, der dem Siegesengel befahl, Schwengel zu schwingen, die unsere Triumphe verkündigten, oder dem Todesengel das Scheiden der Seele einzuläuten, die gerade zum Ihm zurückkehrte. So stand durch tausend geheime Stimmen eine christliche Gesellschaft mit der Gottheit in Verbindung, und ihre Einrichtungen und Gebräuche verloren sich geheimnisvoll in der Quelle alles Geheimnisses.

Quelle: Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, Oktober 2016

Textquelle Deutsch: François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 505.

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.

Freitag, 26. Juni 2020

Von den kleinen zu den großen Veränderungen

In ihrer ersten Debatte als einzige demokratische Vorkandidaten zur amerikanischen Präsidentschaft versuchten der frühere Vizepräsident Joe Biden und der Senator Bernie Sanders, eine neue Art der Begrüßung einzuführen unter dem Vorwand der chinesischen Pestbedrohung.


Paulo Henrique Américo de Araújo

Der Leser wird bereits zur Kenntnis genommen haben, was von allen Kommunikationsmitteln verbreitet wurde: In Zeiten des Coronavirus ändern sich nicht nur Aspekte der internationalen Beziehungen, sondern auch Details des täglichen Lebens. Vielleicht macht die Mainstream-Presse jedoch nicht sehr deutlich, dass irrelevante Unterschiede in der Verhaltensart der Menschen zu tiefgreifenden Veränderungen in der Mentalität, in den Ideen und schließlich in den Fakten und Institutionen führen. Dies ist eine der Hauptthesen von Plinio Corrêa de Oliveira in seinem Meisterwerk Revolution und Gegenrevolution.
Ich möchte, liebe Leser, um Ihre Aufmerksamkeit auf einige Beispiele bitten.

Mit der Popularisierung des Fernsehens zu Hause änderten sich die familiären Beziehungen allmählich. Fast niemand achtete darauf, aber die Gespräche zwischen Eltern und Kindern ließen allmählich nach, und heute gibt es sie fast nicht mehr.

Folgen in den Vorstellungen von Zuhause und Familie
Jeder von uns bemerkte die Auswirkungen der Pandemie durch Tatsachen, die anscheinend bedeutungslos waren. In meinem Fall machte ich eine der ersten Beobachtungen an einem seltsam stillen Samstagabend. Da die Quarantäne die Vermeidung von Menschenansammlungen erzwang, ist der Lärm von Partys und Nachtshows am Wochenende seit Monaten nicht mehr zu hören. „Besser so“, wird jemand sagen. Ich stimme in Bezug auf die wünschenswerte Stille zu. Aber was bedeutet das für Änderungen der Gewohnheiten? Bleiben diese Leute jetzt zu Hause und „tun nichts“ vor dem Fernseher oder dem Internet?
Man kann sagen, dass zumindest ein Teil von ihnen die Frage bejahen wird. Aber welche der beiden Einstellungen ist die am wenigsten schädliche: die Störungen nächtlicher „Feiern“ oder die gefährliche Trägheit der Quarantäne? Ich gehe hier nicht auf ein vergleichendes Urteil zu diesen beiden Konsequenzen ein, aber die Presse berichtete auf einmal, dass das Auftreten von häuslicher Gewalt im Bundesstaat São Paulo [1] seit Beginn der Quarantäne um 20% zugenommen hat. Die mögliche Schlussfolgerung verursacht Unbehagen: Zu Hause in Gesellschaft von Familienmitgliedern zu bleiben ist gefährlich! Sollte man diese düstere Logik noch weiterführen, würde man annehmen müssen: Es ist besser, keine Familie zu haben und alleine leben!
Und da wir von familiären Gesten sprechen, wurde die Begrüßung per Händereichen in die Verbotsliste aufgenommen. Jetzt werden Ellbogen oder Füße dazu verwendet. Sogar Präsident Bolsonaro passte sich dieser Neuerung an. [2] Eine bekannte Verkaufswebsite trat ebenfalls bei und ersetzte ihr Logo - einen Handschlag - durch sich berührende Ellbogen!
Nach diesem Muster verschwinden alltägliche Normen menschlicher Beziehungen. Nahe Verwandte, Eltern und Kinder, Großeltern und Enkelkinder hörten auf, sich zu umarmen. Kann man hoffen, dass sich nach der Krise alles wieder normalisiert? Werden diese Gewohnheiten nicht unbemerkte Nachwirkungen auf das Familienleben hinterlassen?
Wenn Ihnen solche Veränderungen als irrelevante Tatsachen erscheinen, möchte ich Ihnen ein Beispiel aus der Mitte des letzten Jahrhunderts bringen. Mit der Popularisierung des Fernsehens zu Hause änderten sich die familiären Beziehungen allmählich. Fast niemand bemerkte das, aber die Gespräche zwischen Eltern und Kindern ließen allmählich nach, und heute gibt es sie fast nicht mehr. Die Erziehung, die Eltern ihren Kindern in häuslichen Gesprächen gaben, wurde somit durch die Erziehung zum Fernsehen ersetzt. Die Verarmung der Bräuche, insbesondere der familiären Beziehungen, zersetzt die christliche Zivilisation zutiefst. Dies sind schwerwiegende Folgen der Entkräftung kleiner Bräuche. Und die Beispiele könnten multipliziert werden.
Angst bereitet die neue Welt vor
Rafael Nadal, bekannter spanischer
Tennisspieler:
„Ich will keine neue Normalität,
ich will die Normalität von früher“
Die (brasilianische) Regierung ließ Autos mit Lautsprecheranlagen auf die Straßen herumfahren, die empfahlen: „Bleibt zu Hause“! Es ähnelt Szenen aus altmodischen Filmen über das Verschwinden der Gesellschaft, wie wir sie heute kennen. Aber jetzt geht es um das wirkliche Leben, und es gibt keine Möglichkeit, die Besorgnis über die Unsicherheiten von morgen zu vermeiden.
So wird sich die Angst einsetzen und damit der Zweifel, ob wir in die Welt zurückkehren werden, wie sie vorher war. Der spanische Tennisspieler Rafael Nadal hat seine Besorgnis in einem Interview festgehalten: „Ich will keine neue Normalität, ich will die Normalität von früher“. Und drückte dann aus, was vielleicht die Mehrheit der Bevölkerung will: „Ich möchte mein Leben wiederherstellen, ich möchte, dass die Menschen sich umarmen können, ich möchte, dass sie sich über die Arbeit freuen und ohne Angst zusammenkommen können. Ich will keine ganz andere Welt.“ [3]
Aufgrund der Pandemie strebt ein Teil der Öffentlichkeit nach einer neuen, „super vernetzten“ Welt. Aber es gibt einen Aspekt, den die Anhänger der aktuellen Medien immer noch nicht verstehen und den ich nicht einmal auflisten muss: Je verbundener im Netz, desto isolierter. Es scheint paradox, aber es ist zutiefst real, weil Verbindung nicht dasselbe ist wie Geselligkeit. Die neuen Generationen dürfen den Unterschied zwischen dem einen und dem anderen nicht gelernt haben.
Die obligatorische Verwendung einer Maske kommt für die Anhänger dieses Anspruchs wie gerufen. Die Praxis des verdeckten Gesichts führt unweigerlich zu größerer Anonymität und Verschärfung des Individualismus: Man braucht das Gesicht des Gesprächspartners nicht sehen, alle „verstecken sich“. So erweiterte sich auch eine Folge, die jeder Beobachter alltäglich und überall wahrnimmt: die „Allgegenwart“ von Smartphones. Niemand unterhält sich mehr und schaut dem Gesprächspartner in die Augen. Selbst unter denen, die zum Beispiel zusammen in Restaurants gehen, gab es bereits eine große Anzahl von Menschen, die sich beim Essen in ihre sozialen Netzwerke flüchteten. Mit der Maske neigt die Isolierung zuzunehmen, denn es gibt eine offensichtliche Unvereinbarkeit zwischen ihrer obligatorischen Verwendung und einem persönlichen vis à vis-Gespräch in einem Restaurant. Mann kann daher voraussehen, dass es eine drastische Reduzierung der Gruppen geben wird, die häufig Restaurants besuchen als eine Form der zivilisatorischen sozialen Interaktion. Diese neue obligatorische Komponente in den menschlichen Beziehungen könnte dann als „kontaktisolierende Maske“ bezeichnet werden.
Der amerikanische Schriftsteller Anthony Esolen [4] stellte das merkwürdige Bündnis zwischen egoistischem Individualismus und der Zunahme der Staatsmacht fest. In der Idee des Autors steckt viel Subtilität. Ich habe hier keinen Raum, sie hier zu entwickeln, aber seine These lässt sich wie folgt zusammenfassen: Der egoistische Mensch wendet sich nur seinem Wohlbefinden und seinen Unterhaltungen zu, zu denen die Nutzung des Mobiltelefons und des Internets gehört. Der Staat muss das Funktionieren dieser Unterhaltungsinstrumente gewährleisten, daher ist der Egoist bereit, alles - auch Grundrechte wie die Freiheit - an die „allmächtige Regierung“ zu delegieren, vorausgesetzt, er kann seinen selbstsüchtigen Hedonismus ständig genießen. Auf diesem gewundenen Weg kommt die Rechtfertigung einer Weltregierung, die auf dem Individualismus beruht.
In den letzten Monaten hat die Idee einer Weltmacht, die alle Nationen beherrscht, zunehmend Resonanz in den Medien und in Regierungen verschiedener Länder gefunden, wobei diensthabende Ideologen immer zur Stelle sind. Kleine Änderungen in Verhalten und Mentalität begünstigen die Annahme dieses Vorschlags, wie in den wenigen Beispielen, die wir angeführt haben. Solche Veränderungen begünstigen zusammen mit anderen die Akzeptanz neuer Ideen, die, angewendet in Institutionen zu Tatsachen werden. Dies bestätigt die von Plinio Corrêa de Oliveira erläuterte Reihenfolge: Tendenzen → Ideen → Fakten.
Den Einfluss der Kirche untergraben
Und es gibt noch Schlimmeres: neue Praktiken der Religiosität. Die Online-Messe wurde zwangsweise zur Routine vieler Katholiken. Millionen von Menschen „nehmen“ auf diese Weise an der heiligen Messe — wie zum Beispiel die von Papst Franziskus täglich in Santa Marta gefeiert und direkt aus Rom in die ganze Welt übertragen. In mehreren Ländern haben Gruppen von Katholiken, die mit der Schließung von Kirchen unzufrieden sind, an die Bischöfe appelliert, sie wieder zu öffnen. Aber für eine bestimmte Art von Gläubigen wird die Bequemlichkeit der „Messe Daheim“ — die nicht die Fülle der Gnaden der Realpräsenz unseres Herrn Jesus Christus in der Eucharistie aufweist - eine Erkaltung des religiösen Eifers verursachen.
Kehren die Sonntagsmessen wieder zur Normalität zurück? Wenn es von Erzbischof Victor Manuel Fernández von La Plata, Argentinien, einem engen Freund von Papst Franziskus, abhängt, ist dies wahrscheinlich nicht der Fall. In einer überraschenden Aussage stellte er fest, dass „das Sonntagsgebot nicht unverzichtbar ist und fallen könnte“. [5]
Die Behauptung des Prälaten scheint voreilig zu sein und hat keine Grundlage in der Disziplin und Lehre der Heiligen Kirche. Darüber hinaus würden die Anhänger des Progressismus, nachdem die „Online-Messe“ zur Routine wird, einen fruchtbaren Boden für neue Ideen finden. Und so würden wir zu der bis vor einigen Monaten undenkbaren Tatsache gelangen, nämlich die verallgemeinerte Apologie der Streichung des Sonntagsgebotes, einer katholischen Tradition, die seit apostolischen Zeiten etabliert ist. Wie viele Veränderungen durch scheinbar unbedeutende Verhaltensweisen!
Erinnern Sie sich, lieber Leser, an die seltsame Stille, die ich an einem Samstagabend bemerkt habe? In einer anderen ruhigen Nacht konnte ich das Glockengeläut der mehr als einen Kilometer von meinem Haus entfernten Kirche hören. Denn die harmonischen, stimmungsvollen und beruhigenden Klänge der Glocken sind nur zu hören, wenn die akustischen Laute in der Nachbarschaft verstummen.
Wenn all das Gute, das uns die katholische Kirche anbietet, nicht verstummt wird, wird sie uns weiterhin Ermutigung und Führung geben, denn sie bewahrt das Versprechen des Erlösers: „Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen“.
_______________
Anmerkungen
[4] Vgl. Esolen, Anthony, Manual politicamente incorreto da Civilização Ocidental, Vide Editorial, Campinas, SP, 2019, pp. 281 e 282.

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Google-Übersetzer in
vom 25. Juni 2020
Bilder aus der angegebenen Webseite.
© Nachdruck dieser deutschen Fassung ist nur mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.


Sonntag, 14. Juni 2020

Die christliche Religion verschönert den Schauplatz...




Jedermann hat in Europa alte Abteien in den Wäldern gesehen, wo sie sich dem Wanderer nur durch ihre in den Wipfeln der Eichen sich verlierende Glockentürme verraten. Gewöhnliche Denkmale erhalten ihre Größe erst von den sie umgebenden Landschaften; die christliche Religion dagegen verschönert den Schauplatz, worin sie ihre Altäre errichtet und ihre heiligen Ornamente aufhängt.

Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, August 2016

Textquelle: François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 486.