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Sonntag, 15. Oktober 2023

Der Westen im Krieg

 


von Roberto de Mattei
11. Oktober 2023

         Der Angriff erfolgte zu Beginn eines für den Westen symbolischen Tages, dem Jahrestag des Sieges von Lepanto am 7. Oktober 1571, genau wie der Angriff auf die Twin Towers am 11. September mit dem Jahrestag der Befreiung Wiens von den Türken zusammenfiel, ereignete sich zwischen dem 11. und 12. September 1683. Zwei symbolträchtige Ereignisse, die für den Islam durch den Dschihad oder „Heiligen Krieg“ gerächt werden müssen, die Doktrin, die von jedem Muslim verlangt, die Scharia, das religiöse und politische Gesetz Allahs, auf die Welt auszudehnen.

Der Islam ist keine monolithische Religion, aber alle Strömungen darin sind sich einig, dass es notwendig ist, gegen den korrupten Westen zu kämpfen. In diesem Kampf unterscheidet der Islam nicht zwischen Christen und Juden. Die Erklärung der Weltislamischen Front zum Dschihad gegen Juden und Kreuzfahrer stammt vom 23. Februar 1998 und wurde von Osama Bin Laden und Ayman al-Zawahiri inspiriert und unterzeichnet. Das erste Ziel der Islamischen Front sowie der Islamischen Widerstandsbewegung (Hamas) ist die Rückeroberung Jerusalems, der Stadt, aus der der Prophet Mohammed mit einem Feuerwagen floh und in der die Al-Aqsa-Moschee steht, erbaut auf den Ruinen des Tempels. Das zweite Ziel ist die Eroberung Roms, das auch als „Roter Apfel“ (Kizil-Elma) bezeichnet wird, in Analogie zum goldenen Globus, der die Statue von Kaiser Konstantin in der byzantinischen Hauptstadt überragte. Nach Konstantinopel wurde Rom zum „Roten Apfel“, also zum Endziel des Triumphs des Islam über das Christentum.

Die Expansionsstrategie des Islam beinhaltet die Migrationsinvasion in Europa und die Zerstörung des Staates Israel. In den Tagen des Angriffs auf Israel entstand in Paris die „Allianz der Moscheen“, die neue Vereinigung von Muslimen aus ganz Europa, inspiriert vom Flügel der Muslimbruderschaft, der des „sanften Dschihad“, der „sanften „Islamisierung“ Europas. Der Hamas-Angriff vom 7. Oktober ist vielmehr ein Aufsehen erregender Ausdruck des „harten Dschihad“, der über Terrorismus und Krieg verläuft. Hinter der ersten strategischen Linie steht die Türkei, die die Migrationsströme in Europa kontrolliert und seit Jahren einen Beitritt zur Europäischen Union anstrebt, um diese zu untergraben. Hinter der zweiten Linie steht der Iran über seine Agenten Hamas und Hisbollah, die den Staat Israel im Süden und Norden belagern.

Am 5. Oktober wurde an der Luiss-Universität Rom ein von der Med-Or-Stiftung erstellter Bericht zum Thema Silent Enemy vorgestellt: Präsenz und Entwicklung der dschihadistischen Bedrohung im weiteren Mittelmeerraum. Der Bericht beschreibt detailliert die Entwicklung des dschihadistischen Phänomens, das in vielen Gebieten des weiteren Mittelmeerraums auftritt, mit besonderem Augenmerk auf Afrika, dem Hauptbrutgebiet dieses Phänomens. Der Ukraine-Konflikt hat die internationale Aufmerksamkeit monopolisiert, aber der Dschihadismus, warnt der Bericht, ist Teil einer weitreichenden Operation zur Destabilisierung des Westens in einem geopolitischen Kontext, in dem der Islam nicht der einzige Akteur ist.

Am 5. Oktober hielt Wladimir Putin auf dem 20. Treffen des russischen Think Tanks Valdaj Club eine Grundsatzrede zum Thema „Rechte Multipolarität“. Putin sprach von der Existenz eines „anhaltenden Krieges der Zivilisationen“ und appellierte an die Beziehungen Russlands zur arabischen Welt, China und Indien, um die hegemoniale Rolle des Westens zu bekämpfen. Andererseits hat der russisch-ukrainische Konflikt die Existenz einer internen Front in Europa und den Vereinigten Staaten offenbart, der Putin wohlwollend gegenübersteht und die westliche Unterstützung der Ukraine kritisiert. Die Vorstellung von „Feinden des Westens“ scheint im Bewusstsein eines Teils der europäischen öffentlichen Meinung zu verschwinden. Diese wohlwollende Haltung gegenüber den Angreifern ist einer der psychologischen Faktoren, die das Debakel des israelischen Geheimdienstes erklären, der als der effizienteste der Welt gilt, sich aber als unfähig erwies, den Angriff vom 7. Oktober vorherzusagen, auch weil er sich selbst getäuscht hatte über die Möglichkeit eines Dialogs zwischen Israel und der Hamas

Unterdessen rückt die Eröffnung einer dritten Kriegsfront näher, nämlich der von Taiwan, wo China eine Invasion vorbereitet. Für die Vereinigten Staaten wird es nicht einfach sein, ihre Verbündeten gleichzeitig auf mehreren Schlachtfeldern in Osteuropa, im Nahen Osten und im Fernen Osten zu unterstützen. Dies geschieht ein Jahr vor den amerikanischen Wahlen, bei denen der Wahlkampf zwischen zwei Kandidaten angekündigt wird, Joe Biden und Donald Trump, die aus verschiedenen Gründen erschöpft und verkrüppelt sind, während sich bei den Europawahlen der Sieg einer „dritten Partei“ abzeichnet auf den Linien des neuen slowakischen Präsidenten Robert Fico und der möglichen französischen Präsidentin Marine Le Pen, die entschlossen sind, die Kluft zwischen Europa und den Vereinigten Staaten zu vertiefen. Auf die Schwäche des Westens verlassen sich seine Feinde, insbesondere nach der beschämenden Aufgabe Afghanistans im Jahr 2021, die eine schwere moralische Niederlage für die Vereinigten Staaten und Europa bedeutete. Diese Schwäche ist, bevor sie politisch ist, moralischer Natur und hat ihre Ursache im Identitätsverlust des Westens.

Ein tragisch beredtes Symptom dieser Verwirrung bietet uns die Situation, in der sich die katholische Kirche heute befindet. In der Meditation, die er am 1. Oktober den Teilnehmern der Generalversammlung der Bischofssynode gab, begann Pater Timothy Radcliffe, ehemaliger General der Dominikaner, mit den Worten: „Als der Heilige Vater mich bat, diese Exerzitien zu halten, fühlte ich mich sehr geehrt, aber auch nervös. Ich bin mir meiner persönlichen Grenzen sehr bewusst. Ich bin alt – weiß – westlich – und männlich! Ich weiß nicht, was schlimmer ist! All diese Aspekte meiner Identität schränken mein Verständnis ein. Ich bitte Sie daher um Verzeihung für die Unzulänglichkeit meiner Worte.“

Die Ablehnung der eigenen Identität als Weißer, als Westler, als Mann – und warum nicht auch als Priester? – offenbart den Abgrund, in den die Führung der Kirche angesichts eines Angriffs stürzt, der weitaus schlimmer ist als der der Barbareneinfälle im 5. und 6. Jahrhundert. Tatsächlich hat die von großen Päpsten geleitete Kirche damals ihren Platz nicht aufgegeben, während sie heute auf die Erfüllung ihrer Mission verzichtet.

Es besteht ein tiefgreifender theologischer Unterschied zwischen Katholiken und Juden, die in ihrer Leugnung der Heiligen Dreifaltigkeit eher dem Islam als der römischen Kirche ähneln, aber der Rest des christlichen Europas kämpft gegen denselben Feind wie Israel. Ebenso will Russland das Erbe von Konstantinopel einsammeln, während der Islam der Erbe der Türken ist, die sie zerstört haben, aber heute haben sie einen gemeinsamen Feind. Dieser Feind ist der Westen, das wirtschaftliche, politische und militärische Ziel des kommunistischen Chinas, das sich selbst zum Erben der von Russland in der ganzen Welt verbreiteten Fehler von Marx und Lenin erklärt.

Die Verwirrung ist dramatisch und der Krieg scheint Europa wie Naturkatastrophen in einen unaufhaltsamen Teufelskreis zu drängen. Es sei ein „Krieg des Chaos“, dem man nicht entkommen könne, schreibt Vittorio Macioce am 9. Oktober in „Il Giornale“: „Es ist ein Schicksal, das einen von Haus zu Haus jagt und Europa und Italien berührt.“ Italien ist das Herz der Welt, weil es den Sitz des Stuhles Petri beherbergt, der die einzige Grundlage für eine mögliche Wiedergeburt der christlichen Zivilisation darstellt. Und man muss sich daran erinnern, dass bei Gott alles möglich ist, wenn alles verloren scheint. Wir müssen dies mit tiefem Vertrauen auf die göttliche Vorsehung glauben, in einer der dunkelsten Stunden in der Geschichte der Menschheit.

 

Aus dem Italienischen mit Hilfe von Google Übersetzer von „L’Occidente in guerra“ in https://www.corrispondenzaromana.it/loccidente-in-guerra/

Die deutsche Fassung „Der Westen im Krieg“ erschien erstmals in www.r-gr.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Bildquelle: Tempi.it (https://www.tempi.it)

Montag, 9. April 2018

Kardinal Sarah: Der Selbstmord Europas und die Verantwortung der Kirche



Dr. Dieter Fasen
Kardinal Sarah ist für mich die aktuelle Stimme der Kirche in der heutigen Zeit. Dort wo Wirrnis herrscht und katholische Gläubige den Durchblick verlieren, spricht Kardinal Sarah Klarheit. Aus diesem Grund erlaube ich mir Ihnen zwei Beiträge vom Tage über Kardinal Sarah zu senden. Er nennt die Gründe des europäischen Zusammenbruches:
    1. Die Loslösung der europäischen Gesellschaften von der Ordnung des Naturrechtes, uns Deutschen bekannt unter dem Gesetz gewordenen Slogan „die Ehe für Alle“.
    2. Die Steuerung und Vergiftung der Gesellschaften durch säkulare Akteure, welche m-E. in die Kirche eingedrungen sind.
    3. Eine Mitschuld der europäischen Kirche an dieser Entwicklung, die darin besteht, dass sie nicht mehr in Treue zur Lehre und Tradition steht.
Kardinal Sarah spricht für eine Kirche, welche die  wahre moralische Autorität der Welt ist. Er warnt vor dem Tod Europas.
Kardinal Sarah: Der Selbstmord Europas und die Verantwortung der Kirche
Der aus Guinea stammende Kardinal Robert Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart und als ein möglicher Kandidat für das Amt des Papstes. Während eines Aufenthalts in Belgien  warnte er vor einigen Tagen vor dem drohenden kulturellen Selbstmord Europas und warf Teilen der Kirche des Kontinents eine Mitschuld an dieser Entwicklung vor.
Die geistig-kulturelle Lage westlicher Gesellschaften sei insbesondere in Europa Besorgnis erregend. Die Trennung dieser Gesellschaften von ihren religiösen Wurzeln im Zuge der Durchsetzung materialistischer Ideologien führe zunehmend dazu, dass sie ihre Seele verlieren würden, was sie nicht dauerhaft überleben könnten.
    * Europäischen Gesellschaften, die diesem Weg weiter folgten, drohe der Zusammenbruch. Eine von der Ordnung des Naturrechts losgelöste Anhäufung von Reichtum und Technologie würde diese Gesellschaften zu einem „steuerlosen Schiff“ machen, das „früher oder später auf die Riffe der Selbstsucht“ stoßen und sinken werde.
    * Die säkularen Akteure, welche die dahinter stehende globalistische kulturelle und wirtschaftliche Agenda vorantrieben, würden über enorme finanzielle Mitteln sowie den Rückhalt der Medien verfügen und mit ihren „tödlichen Ideologien“ von westlichen Gesellschaften ausgehend die gesamte Welt „vergiften“.
    * Die Kirche in Europa befände sich in einer „großen Glaubenskrise“ trage eine Mitschuld an dieser Entwicklung. Sie würde häufig nicht mehr treu zur eigenen Lehre und Tradition stehen, stattdessen Anpassung an utopische und materialistische Ideologien betreiben und mit entsprechenden Akteuren kollaborieren, etwa bei Anstrengungen zur Auflösung von Ehe und Familie. Kardinal Sarah sprach diesbezüglich von einem „Verrat“ von Teilen der Kirche an der Menschheit.
Die Kirche müsse in dieser Lage den Schatz ihrer Lehre und Tradition gegen die „Raubtiere einer Welt ohne Gott“ entschlossen verteidigen.
Hintergrund
Die Worte Kardinal Sarahs wurden von katholischen Medien als Antwort auf die jüngsten Vorstöße deutscher Christen in Lebens- und Familienfragen gedeutet.
Kardinal Sarah ist für seine besonders deutliche Ansprache der existenziellen Herausforderungen bekannt, denen das Christentum in Europa gegenübersteht. Bereits im November 2016 hatte er davor gewarnt, dass nicht nur der  Kultur, sondern auch den Menschen Europas der Tod durch Trennung von ihren Wurzeln und Abbruch der Weitergabe ihres Erbes drohe. Gegenüber französischen Medien sagte er:
„Die größte Sorge besteht darin, dass Europa den Sinn für seine Ursprünge verloren hat. Es hat seine Wurzeln verloren. Und ein Baum, der keine Wurzeln hat, stirbt ab. Ich habe Angst, dass der Westen stirbt. Es gibt viele Anzeichen dafür. Niedrige Geburtsraten. Und ihr seid schließlich von anderen Kulturen überströmt, von anderen Völkern, die euch fortschreitend in ihrer Zahl dominieren und eure Kultur vollkommen verändern werden, eure Überzeugungen, eure Werte.“

Kardinal Robert Sarah: Positionen zur Lage
des Christentums in Europa
Inhalt
    * 1. Die Herausforderung des Christentums durch utopische revolutionäre Ideologien und den politischen Islam
    * 2. Kardinal Sarah über islambezogene Herausforderungen für das Christentum und Europa
    * 3. Warnung vor dem drohenden Tod Europas
    * 4. Die Mitverantwortung der Kirche an der Krise Europas
Stand: 01.03.2018
Diese Seite dokumentiert Positionen Kardinal Robert Sarahs zur Lage des Christentums in Europa und zu den Herausforderungen, denen es gegenübersteht.
Der aus Guinea stammende Robert Kardinal Sarah gilt als eine der wichtigsten Persönlichkeiten in der katholischen Kirche der Gegenwart und als ein möglicher Kandidat für das Amt des Papstes. Papst Benedikt XVI. hatte Kardinal Sarah in einer seiner wenigen öffentlichen Äußerungen nach seiner Emeritierung 2017 als „geistlichen Lehrer“ bezeichnet, was als Zeichen dafür gedeutet wurde, dass auch er Sarah als möglichen Kandidaten für das Amt des Papstes unterstützt.
1. Die Herausforderung des Christentums durch utopische revolutionäre Ideologien und den politischen Islam
„Was im 20. Jahrhundert Nazi-Faschismus und Kommunismus waren, das sind heute westliche Ideologien über Homosexualität und Abtreibung sowie der Islamistische Fanatismus“, sagte Sarah […]. Die Kirche befinde sich zwischen dem Götzendienst westlicher Freiheit und dem islamischen Fundamentalismus, beides seien „apokalyptische Bestien“, ergänzte Sarah. „Wir befinden uns, um einen Slogan zu benutzen, zwischen ‚Gender-Ideologie und IS’“ […]. Die größten Bedrohungen für die Kirche seien auf der einen Seite schnelle und leichte Scheidungen, Abtreibungen und die Homo-Ehe. Auf der anderen Seite stünde „die Pseudofamilie im ideologisierten Islam, die Polygamie, eine Abwertung der Frau, sexuelle Sklaverei, und die Kinderheirat legitimiert“.
In einer Predigt, die er im August 2017 während eines Besuchs in der Vendée in Frankreich hielt, ging er auch auf den dort zwischen 1793 – 1796 aktiven Widerstand gegen den Terror der französischen Revolution ein und zog Parallelen zur Gegenwart. Er rief in diesem Zusammenhang Christen zum Kampf gegen revolutionäre Ideologien und den Islamismus auf:
Wir Christen brauchen den Geist der Bewohner der Vendée! […] Wie sie müssen wir unsere Aussaat, unsere Ernte, die von unseren Pflügen gezogenen Furchen verlassen, um zu kämpfen – nicht für die Verteidigung menschlicher Interessen, sondern für Gott! Wer wird also heute für Gott aufstehen? Wer wird es wagen, sich den modernen Verfolgern der Kirche entgegenzustellen? […] Heute sterben unsere christlichen Brüder im Nahen Osten, in Pakistan, in Afrika für ihren Glauben, vernichtet von den Kolonnen des sie verfolgenden Islamismus. […]
Liebe Freunde, das Blut der Märtyrer fließt in Euren Adern. Seid ihm treu! […] Nur die großzügige Liebe und die uneigennützige Hingabe des eigenen Lebens können den Haß gegen Gott und die Menschen besiegen, der Ursprung jeder Revolution ist. Die Bewohner der Vendée haben uns gelehrt, allen diese Revolutionen zu widerstehen. Sie haben uns gezeigt, daß es auf die Höllenkolonnen, die nationalsozialistischen Vernichtungslager, die kommunistischen Gulag, die islamistischen Barbarei nur eine Antwort gibt: Die völlige Selbsthingabe des eigenen Lebens.
Er zog zudem eine Linie vom Terror der französischen Revolution zu den utopischen Ideologien der Gegenwart:
Heute wieder, vielleicht heute sogar mehr denn je, wollen die Revolutionsideologen den natürlichen Ort der Selbsthingabe, der freudigen Großzügigkeit und der Liebe vernichten – ich meine die Familie! Die Gender-Ideologie, die Verachtung der Fruchtbarkeit und der Treue sind die neuen Leitsprüche der Revolution. Die Familien sind zu vielen Vendées geworden, die ausgerottet werden sollen. Man plant systematisch sie auszulöschen, wie man es einst gegen die Vendée getan hat. […] Überall: Die christlichen Familien müssen freudige Avantgarde eines Aufstandes gegen diese neue Diktatur des Egoismus sein!
Der Kardinal betonte dabei, dass der Widerstand in Europa gegen den „real existierenden Atheismus, der unser Leben erstickt“, ein geistiger Widerstand sein müsse, der „ohne Ressentiments und ohne Animositäten“ zu führen sei.
Auf der Konferenz „Europa Christi“, die im Oktober 2017 in Polen stattfand, sprach er über die geistige Krise Europas und der westlichen Welt sowie über deren Aufstand gegen die Ordnung Gottes. Berichte über die Äußerungen Kardinal Sarahs finden sich hier und hier.
    * Europa habe sich nach der Überwindung des Kommunismus dagegen entschlossen, seine Zukunft auf der Grundlage seines christlichen Erbes zu gestalten. Es habe sich statt dessen für die „Ideologie des liberalen Individualismus“ entschieden, von seinen Wurzeln getrennt und sei in eine Phase der „stillen Apostasie“ und des Nihilismus eingetreten, die von materialistischen und utopischen Ideologien geprägt sei. Die westliche Welt befinde sich in einer geistigen Krise und im Aufstand gegen die Ordnung Gottes.
    * Die kulturelle Auflösung der westlichen Welt habe globale Auswirkungen. Insbesondere das von ihr verbreitete kulturrevolutionäre Menschenbild der Gender-Ideologie würde großen Schaden anrichten, etwa in Form der angestrebten Auflösung des Konzeptes der Ehe von Mann und Frau des traditionellen Familienbilds. Die Verbreitung dieser Ideologien stelle eine „neue Form des Kolonialismus“ dar.
    * Der Umgang mit dem Thema Migration sei Ausdruck der geistigen Krise Europas. Die Verwirklichung des Gemeinwohls erfordere die Unterscheidung von Migranten nach ihrer kulturellen Integrierbarkeit. Liberale Ideologien würden hingegen würden diese Unterscheidung nicht treffen, weil sie globale Vereinheitlichung durch die Auflösung von Grenzen, Nationen und Kulturen anstrebten. Ihr Ziel sei eine Welt, deren einzige Werte Produktion und Konsum seien.
Christen in Europa müssten vor diesem Hintergrund Zeugnis dafür ablegen, dass der Kern einer Nation ihre Kultur sei, und dass der Kern einer Kultur der Glaube sei. Nationen wie Polen hätten aus dem Glauben heraus in der Vergangenheit heroischen Widerstand gegen die Ideologien des Bösen geleistet und seien jetzt dazu berufen, Wächter des christlichen Erbes in Europa zu sein.
2. Kardinal Sarah über islambezogene Herausforderungen für das Christentum und Europa
Sarah hatte im April 2017 vor islambezogenen Herausforderungen für Europa und den Gefahren, die durch den in Europa zu beobachtenden Identitätsverlust entstehen, gewarnt:
Jener extremistische Islam aber, der als politische Organisation auftritt und sich dem Rest der Welt aufzwingen will, stellt nicht nur eine Gefahr für Afrika dar. Er ist ist vor allem eine Gefahr für die Gesellschaften in Europa, die allzu oft keine Identität und keine Religion mehr haben. Wenn eine Gesellschaft aber ihre eigenen Werte verdammt, die aus ihrer Tradition, Kultur und Religion hervorgegangen sind, dann ist sie dem Untergang geweiht. Denn sie hat damit jeglichen Antrieb, jegliche Energie und jeglichen Willen verloren, um für die Verteidigung ihrer Identität zu kämpfen.
Kardinal Sarah hatte zudem europäischen Regierungen zuvor Tatenlosigkeit angesichts der zunehmenden Aggressivität radikal-islamischer Akteure vorgeworfen:
Wie viele Tote braucht es, wie viele abgeschlagene Köpfe bis die europäischen Regierenden die Lage begreifen, in der sich der Westen befindet?
3. Warnung vor dem drohenden Tod Europas
Im November 2016 warnte er, dass nicht nur der  Kultur, sondern auch den Menschen Europas der Tod durch Trennung von ihren Wurzeln und Abbruch der Weitergabe ihres Erbes drohe. Gegenüber französischen Medien sagte er: [D]ie größte Sorge besteht darin, dass Europa den Sinn für seine Ursprünge verloren hat. Es hat seine Wurzeln verloren. Und ein Baum, der keine Wurzeln hat, stirbt ab. Ich habe Angst, dass der Westen stirbt. Es gibt viele Anzeichen dafür. Niedrige Geburtsraten. Und ihr seid schließlich von anderen Kulturen überströmt, von anderen Völkern, die euch fortschreitend in ihrer Zahl dominieren und eure Kultur vollkommen verändern werden, eure Überzeugungen, eure Werte.
4. Die Mitverantwortung der Kirche an der Krise Europas
Während eines Aufenthalts in Belgien warf Kardinal Sarah im Februar 2018 Teilen der Kirche vor, die geistig-kulturelle Krise Europas mitzuverantworten. Die Kirche in Europa befände sich in einer „großen Glaubenskrise“ und würde häufig nicht mehr treu zur eigenen Lehre und Tradition stehen, stattdessen Anpassung an utopische und materialistische Ideologien betreiben und mit entsprechenden Akteuren kollaborieren, etwa bei Anstrengungen zur Auflösung von Ehe und Familie. Kardinal Sarah sprach diesbezüglich von einem „Verrat“ von Teilen der Kirche an der Menschheit.
Abschließend empfehlen wir diesen großen afrikanischen  Kardinal, der zugleich wahrer Europäer ist, Ihrem Gebete an.

Für den Arbeitskreis von Katholiken Dr. Dieter Fasen
Quelle: Bund Katholischer Ärzte – BKÄ - München

Donnerstag, 23. März 2017

Die Ängste Europas - Es hat sich nichts geändert

Die brasilianische Tageszeitung O GLOBO berichtete am 21. März 2008, der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Durão Barroso, habe einem Freund die drei größten Ängste Europas anvertraut. Es seien: der islamische Fundamentalismus, China und die russische Arroganz...

Mittwoch, 15. Mai 2013

Ursache der Übel:

Die Staatsverfassungen
lassen die christlichen Vorschriften außer acht


Aber nicht bloß der gegenwärtige blutige Krieg (1914) ist es, was die Völker unglücklich macht und uns Kummer und Sorge bereitet. Es ist noch ein anderes schreckliches Übel, das am Marke der menschlichen Gesellschaft zehrt, ein Übel, das alle Einsichtigen mit Furcht erfüllt. Denn, abgesehen von dem Unglück, das es über die Staaten schon gebracht hat und in Zukunft noch bringen wird, muss gerade es mit Recht als die wahre Ursache dieses entsetzlichen Krieges betrachtet werden. Denn seit man in der Verfassung der Staaten die Vorschriften und Einrichtungen der christlichen Lehre außer acht gelassen hat, die doch die sicherste Bürgschaft für Festigkeit und Bestand der staatlichen Ordnung in sich tragen, seitdem sind die Staaten notwendigerweise selbst in ihren Grundfesten erschüttert worden und ins Wanken gekommen. Eine Verwirrung der Geister und Verwilderung der Sitten ist daraus gefolgt, dass, wenn Gott nicht bald Hilfe schafft, der Zusammenbruch der menschlichen Gesellschaft nahe bevorstehen scheint. Das nämlich sind die Übel, die wir wahrnehmen: Mangel an wohlwollender Liebe in den Beziehungen der Menschen untereinander, Missachtung der Autorität, ungerechter Kampf der Stände und Klassen, gieriges Verlangen nach den wandelbaren und hinfälligeren Gütern, als ob es keine andern und zwar viel bessere gäbe, die dem Menschen zum Erwerb angeboten sind. In diesen vier Grundübeln glauben wir ebenso viele Ursachen erblicken zu können, warum die Ordnung der menschlichen Gesellschaft so schwer gestört ist. Wir müssen daher vereint alles aufbieten, dieses Übel auszurotten, und zwar dadurch, dass wir den Grundsätzen des Christentums aufs neue Geltung verschaffen, wenn es uns Ernst damit ist, das Gemeinwohl zu fördern und Ordnung und Frieden zu schaffen.

Dienstag, 24. Juli 2012

Europa und das Lebensrecht


Europa und das Lebensrecht

Mathias von Gersdorff
Viele Theologen sagen, dass Unser Heiland zur Welt kam, als die Antike Welt nicht mehr in der Lage war, den Menschen Visionen, Hoffnungen und Zukunftsperspektiven und Gewissheiten anzubieten. Das Licht der antiken Welt war dabei zu erlöschen. Der antike Mensch der Zeitenwende war ein Skeptiker, ein müder Agnostiker, der nichts mehr glaubte. „Was ist Wahrheit?“, fragte Pilatus Unseren Herrn Jesus Christus (Joh 18, 38). Zuvor hatte der Heiland ihm gesagt: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Joh 18, 37). Hier begegnen sich zwei Menschen, die zwei Epochen der Menschheit verkörpern: Der alte Mensch, dessen Geisteszustand keinen Zugang mehr zur Wahrheit hat, der gar nicht mehr in der Lage ist, zu erkennen, was Wahrheit ist, begegnet dem neuen Menschen, der durch die Gnade neugeboren ist und in der Nachfolge Christi die Wahrheit erkennen kann. Das Licht der Antike trat ab, um einem neuen Licht Platz zu machen: Dem Lumen Christi, dem Licht Christi. Was daraus folgte, kennen wir: Es ist die Christenheit, die insbesondere in Europa eine Zivilisation aufgebaut hat, für die dieser Kontinent lange bewundert und beneidet wurde. Die Menschen in Europa folgten Dem, der die „Wahrheit, der Weg und das Leben“ ist und waren somit fähig, Werke zu vollbringen, die an Größe, Glanz und Schönheit weit die der Antike überragen.
Doch etwa 2000 Jahre nach der Geburt des Heilandes ist Europa dabei, das Licht Christi auszulöschen –  freiwillig! Was darauf folgt, wissen wir aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts zur Genüge: Tod, Zerstörung, Untergang der Zivilisation. Trotz der Verwüstungen der beiden Weltkriege, des Nationalsozialismus und des Kommunismus sind die Menschen in Europa nicht bereit, sich zu bekehren und sich Christus und Seiner Kirche zuzuwenden. Ganz im Gegenteil: Viele Medien und politische Institutionen versuchen stets, das Licht Christi auszulöschen.

Europaweite Legalisierung der Abtreibung


Am 1. Dezember 2011 hat das Europa-Parlament erneut eine Resolution verabschiedet, die eine europaweite Einführung der Abtreibung fordert. Eine „sichere und legale Schwangerschaftsunterbrechung und Betreuung nach der Schwangerschaftsunterbrechung (sic)“ (Entschließungsantrag P7TA[2011]0544, § 22) soll helfen, die AIDS-Krankheit zu bekämpfen!
Das ist aber nicht das erste Mal im Jahr 2011, dass das Europa-Parlament eine solche Dreistigkeit beschließt. Am 8. März des selben Jahres haben die Fraktionen linksgerichteter Parteien im Europäischen Parlament eine Resolution beschlossen, die ein „Recht auf Abtreibung“ fordert. Das Europäische Parlament will, „dass Frauen . . .  ein Recht auf einen sicheren Schwangerschaftsabbruch haben“ (Entschließung vom 8. März 2011, Punkt 25).
Die Tatsache, dass die Abtreibung in etlichen Ländern der Europäischen Union rechtswidrig (beispielsweise Deutschland) oder gar verboten (Polen, Malta) ist, scheint vielen Europarlamentariern schlichtweg egal zu sein. Trotzdem: Immer wieder fordern sie die Einführung der Abtreibung oder gar ein Recht darauf, wohl mit dem Ziel, die Gegner, also die Katholische Kirche und die Christen in Europa generell, mit der Zeit mürbe zu machen.

Ein solches Europa kann nicht gelingen


Papst Benedikt XVI. sagte am 4. Februar 2011 in einer Ansprache an den neuen österreichischen Botschafter: „Der Bau eines gemeinsamen „Hauses Europa“ kann nur gelingen, wenn sich dieser Kontinent seiner christlichen Fundamente bewusst ist und die Werte des Evangeliums sowie des christlichen Menschenbildes auch in Zukunft das Ferment europäischer Zivilisation sind. Mehr als die christlich abendländische Kultur wiegt der gelebte Glaube an Christus und die tätige Nächstenliebe, die sich am Wort und am Leben Christi wie auch am Vorbild der Heiligen orientiert.“
Wir erleben aber zurzeit genau das Gegenteil: Die Zerstörung der christlichen Wurzeln Europas.
Eine Besserung ist nicht in Sicht. Die Bürger Europas werden seit Monaten täglich mit Nachrichten über die Krise des Euros überschwemmt. Wie dieses Kapitel enden wird, kann im Detail noch kein Mensch sagen. Doch eines ist jetzt schon sicher: Es wird mehr Zentralisierung in Europa geben. Und das bedeutet nicht nur weniger Souveränitätsrechte hinsichtlich Fiskal- und Wirtschaftspolitik, sondern auch mehr Druck Europas auf die Länder, die Widerstand gegen eine liberale Gesellschaftspolitik leisten: Ungarn, Polen usw. Immer weniger werden diejenigen geduldet werden, die „aus der Reihe fallen“.
In diese Entwicklung reiht sich die Wahl am 17. Januar 2012 von Martin Schulz zum Präsidenten des Europäischen Parlaments. Schulz ist der Vorsitzende der „Progressiven Allianz der Sozialisten und Demokraten“ und einer der am weitesten links stehenden Politiker Europas. Die Wahl von Schulz fällt just zu einem Zeitpunkt, da man dem Europa-Parlament mehr Gewicht geben will. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ sprach von einem „Aufstand des Europäischen Parlaments“, der von Martin Schulz angeleitet werden soll. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Sigmar Gabriel, forderte ein „neues“ Europa-Parlament, das als Gegengewicht zu den beiden anderen europäischen Großinstitutionen, der EU-Kommission und der Runde der Staats- und Regierungschefs, stehen würde. Gabriel wörtlich: „Der erste Präsident dieses neuen Europäischen Parlamentes muss Martin Schulz werden.“
Hoffnung ist eine Grundeinstellung der christlichen Mentalität, und deshalb soll man nicht in Fatalismus verfallen, sondern mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Und dafür gibt es durchaus Gründe. Wahrscheinlich einer der wichtigsten ist die Tatsache, dass sich auf europäischer Ebene eine Zivilgesellschaft, eine Gegenöffentlichkeit, bildet, die nicht mehr bereit ist, alles, was aus Brüssel kommt, zu dulden, sondern zu reagieren. Dies ist neu. Noch bis vor kurzem wurde von den hier geschilderten Missständen keine Notiz genommen. Hier ist aber noch viel Arbeit zu tun. Es ist wichtig, dass die christlichen Kräfte entschlossener gegen die antichristlichen Tendenzen in der EU vorgehen als bisher. Dazu hat der Präsident des neuen Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, aufgerufen, als er beklagte, „In Europa nehmen wir auf dramatische Weise eine zunehmende Christianophobie wahr, die sich auch in Ländern mit alter christlicher Tradition zeigt.“
Die Krise des Euros selbst hat ebenfalls dazu beigetragen, dass die Haltung der Mehrheit –  „die da oben werden das schon richten“ –  verflogen ist. In Zukunft wird es nicht mehr so einfach für die Kommission sein, Beschlüsse oder für das Parlament, Entschließungen zu verabschieden, ohne dass eine aufmerksame und kritische Öffentlichkeit diese analysiert und bewertet.

Vertrauen in Gott


Doch unsere größte Zuversicht finden wir dort, wo sie die Christen seit 2000 Jahren gefunden haben: Im göttlichen Erlöser, unserem Herrn Jesus Christus. Von Ihm selbst sind wir dazu berufen, zu wirken, damit Sein Licht, das Lumen Christi, nicht auf dieser Welt erlischt, und Er wird dies auch nicht erlauben, wenn wir bereit sind, Seine Instrumente für Sein Heilswerk zu sein. Beten wir zu Ihm: „Adveniat Regnum tuum“ – Dein Reich komme. Auch nach Europa, diesem Kontinent, der sich so von Ihm abgewendet, aber in der Vergangenheit auch große Gesten der Treue und der Hingabe gezeigt hat, die zu Vertrauen in die göttliche Barmherzigkeit Anlass geben.


Dienstag, 29. April 2008

Vatikan veurteilt Beschluss des Europarates

Der Vatikan hat die Resolution des Europarates über das "Recht" auf Abtreibung scharf kritisiert. Kurienbischof Elio Sgreccia von der Päpstlichen Akademie für das Leben schrieb im "Osservatore Romano", die Resolution stehe im Widerspruch zu den Menschenrechten. Eine freiwillige Abtreibung beinhalte die Entscheidung, das Leben des ungeborenen Kindes zu vernichten, "dessen Wert grundsätzlich dem der Mutter gleich ist". Mit der Forderung nach risikofreien und legalen Schwangerschaftsabbrüchen sei erstmals in einem offiziellen Dokument des Europarats von einem "Recht" auf Abtreibungen die Rede, bemerkte Sgreccia.Die Parlamentarische Versammlung des Europarates hatte sich am 16. April für ein Recht von Frauen auf Abtreibung ausgesprochen. Wo dies in den 47 Mitgliedsländern des Staatenbundes noch nicht der Fall sei, sollen nach der Forderung der Straßburger Parlamentarier Schwangerschaftsabbrüche straffrei gestellt werden. (kna)