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Dienstag, 26. Mai 2026

Bericht der Studiengruppe 9 der Synode der Synodalität befürwortet homosexuelle Sünde

von Luiz Sérgio Solimeo,
 20. Mai 2026

 
Der von Papst Franziskus eingeleitete synodale Prozess zielt auf die vollständige Umgestaltung der katholischen Kirche ab, die der argentinische Papst anstrebte: „In dieser Kirche befindet sich, wie bei einer umgekehrten Pyramide, die Spitze unter der Basis.“¹ Mit anderen Worten: Die „synodale Kirche“ von Papst Franziskus wird eine egalitäre Kirche sein.

 Doch nicht nur die kirchlichen Strukturen – ihre sichtbare und hierarchische Gesellschaft – werden erschüttert. Ihr Auftrag, Seelen zu retten und eine christliche Zivilisation zu prägen, wird auf den Kopf gestellt, und ihre Lehre und Moral werden sich den Moden und Übeln der Welt anpassen, entgegen dem, was der Apostel sagt: „Passt euch nicht dieser Welt an“ (Röm 12,2).

 

Am 5. Mai veröffentlichte das Generalsekretariat der Bischofssynode die Abschlussdokumente der Studiengruppen 7 (nur Teil 1) und 9 in Vorbereitung auf die nachsynodale Kirchenversammlung im Oktober 2028.

Diese Studiengruppen setzen sich aus Kardinälen, Bischöfen, Theologen, Ordensleuten und Laien zusammen. 

Die Diskussionen der Gruppe 7 konzentrierten sich darauf, das System der Bischofsernennung gerechter zu gestalten und die Beteiligung von Laien zu fördern. Gruppe 9 befasste sich mit dem Paradigmenwechsel der Kirche und den Erfahrungen homosexueller Gläubiger.²

Wir werden den Bericht der Studiengruppe 9 mit dem Titel „Theologische Kriterien und Synodenmethoden zur gemeinsamen Beurteilung neuer Lehr-, Seelsorge- und Ethikfragen“ (im Folgenden „Bericht“) besprechen, da er die der vorgeschlagenen grundlegenden Veränderung der theologischen und moralischen Lehren und Disziplinen der Kirche am deutlichsten zugrunde liegende Doktrin darlegt.³ 

Die Fallstudien im Bericht der Studiengruppe 9 waren zwei homosexuelle Aktivisten.

Das Dokument gibt vor, die Problematik von Menschen mit gleichgeschlechtlicher Anziehung zu untersuchen. Es stützt sich jedoch ausschließlich auf die Berichte zweier homosexueller Männer, die jeweils mit einem anderen Mann verheiratet sind. Sie glauben nicht nur, dass Sodomie keine Sünde, sondern „eine Gabe Gottes“ sei, und argumentieren für die Legitimität der gleichgeschlechtlichen „Ehe“ als Weg zu Gott.⁴

Indem die Studiengruppe 9 die Lebensgeschichten zweier Homosexueller auswählte, die stolz auf ihre sündhaften Beziehungen sind, anstatt Zeugnisse von Personen, die zwar gleichgeschlechtliche Neigungen verspüren, aber danach streben, Sünde zu vermeiden, machte sie deutlich, dass diese Wahl ihre Schlussfolgerung beeinflusste. Der Bericht deckt sich mit den Zielen der einflussreichen „katholischen“ Homosexuellenbewegung und kritisiert die katholische Bewegung Courage, die Menschen mit gleichgeschlechtlicher Neigung zu einem tugendhaften Leben verhelfen will (siehe 2.1,5).

Es ist undenkbar, dass diese Zeugnisse ohne jegliche Kritik oder Verurteilung als Fallstudien für die im Lehrteil des Berichts dargelegten Aussagen veröffentlicht wurden.

Zu diesem Schluss kam Kardinal Willem Eijk, Erzbischof von Utrecht in den Niederlanden, in seinen Überlegungen zum Bericht: „Indem der Bericht solche Zeugnisse ohne dogmatische Kommentierung hervorhebt, normalisiert er homosexuelle Beziehungen im kirchlichen Kontext. Dies stellt einen klaren Versuch dar, die Verkündigung der katholischen Morallehre zu schwächen.“

Die homosexuellen Aktivisten, die als Vorbilder dienten – der erste Portugiese und der zweite Amerikaner, die jeweils mit einem anderen Mann „verheiratet“ waren – sind dem Pater James Martin SJ, der führenden Persönlichkeit der Homosexuellenbewegung in der Kirche hier in Amerika, wohlbekannt.⁶

Kultur als Ausleger der Offenbarung

Die Theologen, die den Bericht verfassten, wollten Homosexualität rechtfertigen, obwohl sie von der göttlichen Offenbarung, dem zweitausend Jahre alten Lehramt der Kirche und dem in die Herzen der Menschen geschriebenen Naturrecht klar verurteilt wird (vgl. Röm 1; 2,14–15).

Um dieses Ziel zu erreichen, wählten sie denselben Ansatz wie die Modernisten vor hundert Jahren (verurteilt von Papst Pius X.) und ihre Anhänger der Nouvelle Théologie (verurteilt von Papst Pius XII.): die vollständige Abhängigkeit des menschlichen Verständnisses von Kultur und Geschichte, sodass sich nicht nur die göttliche Offenbarung, sondern auch das Naturwissen mit den kulturellen Veränderungen stetig weiterentwickelt.

So heißt es im Bericht: „Niemand erkennt das Universelle unmittelbar, da es stets historisch-kulturell vermittelt ist… Die universelle Wahrheit des Menschen kann in ihrem historischen Ausdruck daher nicht ein für alle Mal bestimmt werden, sondern findet sich in den konkreten Formen verschiedener Kulturen, in einem unaufhörlichen Dialog, in dem Kulturen“ und Menschen durch den Austausch von Gaben untereinander geformt werden, angetrieben von der Suche nach Wahrheit und Gerechtigkeit im Lichte des Evangeliums“ (I-1.2, S. 11).

Angesichts des fortwährenden Wandels im Wahrheitsverständnis, einschließlich des Verständnisses der menschlichen Natur, könnte man argumentieren, dass homosexuelle Handlungen heute nicht mehr widernatürlich sind. Dies legt der Bericht nahe.

 

„Worum es geht – wie es klar verstanden wird –, ist die Überwindung jenes theoretischen Modells, das die Praxis aus einer ‚vorgefertigten‘ Lehre ableitet und allgemeine sowie abstrakte Prinzipien auf die konkreten und persönlichen Lebenssituationen ‚anwendet‘“ (III-2.3, S. 26).

Diese Theorie – ein Ergebnis des alten nominalistischen Irrtums7 und moderner relativistischer Philosophien – bedeutet, dass man keine moralischen Regeln mehr aufstellen kann, die für alle verbindlich sind.

Folglich wird das Sittengesetz, das seinen Ursprung in der göttlichen Offenbarung und im Naturrecht hat – in unsere Herzen eingeschrieben und durch die Vernunft erschlossen –, ignoriert oder vollständig relativiert. Wie unschwer zu erkennen ist, ebnet dies den Weg für eine Relativierung der gesamten Offenbarung sowie der beständigen Morallehre der Kirche.

Daher schlägt der Bericht einen vollständigen Wandel in der kirchlichen Auslegung der Heiligen Schrift vor – jener Auslegung, wie sie in den „vergangenen Jahrhunderten“ (I-1.1, S. 8) vertreten wurde.

„Paradigmenwechsel“

Dem *Merriam-Webster Collegiate Dictionary* zufolge ist ein Paradigmenwechsel „eine bedeutende Veränderung, die eintritt, wenn die übliche Art, über etwas nachzudenken oder etwas zu tun, durch eine neue und andere Art ersetzt wird.“8

Der Bericht stellt fest: „Die Verwirklichung der synodalen Natur der Kirche impliziert die Umsetzung eines ‚Paradigmenwechsels‘ (vgl. VG 3) weg von den in den vergangenen Jahrhunderten vorherrschenden Paradigmen hinsichtlich der Art und Weise, die Verkündigung des Evangeliums und die Sendung der Kirche auszulegen und zum Ausdruck zu bringen“ (I-1.1, S. 8).

Sollte dieser „Paradigmenwechsel“ tatsächlich umgesetzt werden, so würde dies die Zerstörung der gesamten Dogmatik und Moral der Kirche bedeuten. Wäre eine solche Veränderung überhaupt möglich, so käme dies dem Ende der Kirche selbst gleich; denn es würde bedeuten, ihre Lehre und ihre Seelsorge – ja, ihre eigentliche Sendung – so abzuwandeln, dass sie sich der heutigen atheistischen und unmoralischen Kultur anpasst. Kann irgendjemand ernsthaft behaupten, dass jene Irrwege, die den Gläubigen hier vorgeschlagen werden, noch immer die beständige Lehre der Kirche in Glaubens- und Sittensachen darstellen? 

In Bezug auf diesen äußerst heiklen Punkt merkt Kardinal Gerhard Müller an:

Sie [die Ergebnisse der Studiengruppe] weisen in zweierlei Hinsicht eine fatale Ähnlichkeit auf: 1. durch ihr Misstrauen gegenüber den zentralen Grundsätzen der katholischen Lehre … und 2. durch ihren Versuch, sich mittels eines sogenannten „Paradigmenwechsels vom starren Dogmatismus hin zu einer menschenfreundlichen Pastoral“ an vorherrschende Ideologien anzupassen, um so die Anerkennung von deren Verfechtern zu gewinnen.

Sie leugnen die geoffenbarten Wahrheiten nicht offen. Doch sie ignorieren sie und errichten – direkt daneben – ihr eigenes Haus eines bequemen und weltangepassten Christentums … Die private oder gar paraliturgische Segnung gleichgeschlechtlicher wie auch verschiedengeschlechtlicher Paare in irregulären Beziehungen gründet auf der häretischen Leugnung der geoffenbarten Wahrheit, dass Gott den Menschen als Mann und Frau erschaffen hat.9

Seinerseits kommentiert Pater Gerald Murray – Kirchenrechtler und Pfarrer der St.-Joseph-Kirche in New York City (Stadtteil Yorkville) – wie folgt: „Die katholische Lehre mit der Analogie eines Gerüsts zu beschreiben, an dem Theorien und Experimente angeordnet werden, bedeutet, sie aus dem Bereich der Wahrheit herabzustufen zu lediglich einem möglichen Ansatz für die Darstellung der göttlichen Offenbarung.“ Jesus sprach: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6) Handelt es sich dabei um ein Paradigma, das der Verbesserung bedarf?10

Führt die homosexuelle Sünde zu Gott?

Der Bericht enthält zwei Anhänge mit den schriftlichen Zeugnissen zweier homosexueller Aktivisten. Wie Kardinal Eijk anmerkte, veröffentlicht der Bericht diese, ohne ihre Irrtümer anzuprangern.

In dem Bericht von Jason Steidl – jenem amerikanischen Aktivisten, dessen Foto am Tag nach der Veröffentlichung von *Fiducia supplicans* durch den Vatikan in der *New York Times* erschien, wo er gemeinsam mit seinem „Ehemann“ von P. James Martin SJ gesegnet wurde 11 – lesen wir:

Meine Sexualität ist weder eine Perversion noch eine Störung oder ein Kreuz; sie ist ein Geschenk Gottes. Ich führe eine glückliche, gesunde Ehe und blühe als offen schwuler Katholik auf…

Ich danke Gott für meinen Ehemann, den ich vor fünf Jahren kennenlernte. Er war die größte Quelle des Lernens und der Gnade in meinem Leben.12

Diese skandalöse Aussage wird den Gläubigen als im Einklang mit dem neuen Paradigma der Kirche stehend präsentiert.

In einem Kommentar zu dem anderen Zeugnis – jenem des portugiesischen Homosexuellen – stellt der Bericht fest, dieser habe entdeckt, „dass die Sünde im Grunde nicht in der (gleichgeschlechtlichen) Paarbeziehung besteht, sondern in einem Mangel an Glauben an einen Gott, der unsere Erfüllung wünscht“ (III-2.1, S. 24).

Dies ist die einzige Erwähnung der Sünde im gesamten Bericht; sie stellt einen Versuch dar, die schwerwiegende Sündhaftigkeit homosexueller Beziehungen zu leugnen – Beziehungen, die nach der beständigen Lehre der Kirche in sich schlecht sind.

Wie der heilige Augustinus feststellt, beinhaltet jede Sünde eindeutig eine vorausgehende Abwendung von Gott sowie eine Hinwendung zu den Geschöpfen. Doch wie dieser Kirchenvater und Kirchenlehrer betont, ist die Sünde ein Verstoß gegen das Gesetz Gottes: „Sünde ist demnach jede Übertretung des ewigen Gesetzes – sei es durch Tat, Wort oder Begehren.“13 Im Falle der sodomitischen Beziehung liegt ein eindeutiger Verstoß gegen dieses Gesetz vor, welches sexuelle Handlungen außerhalb der rechtmäßigen Ehe zwischen einem Mann und einer Frau untersagt.

 Eine gnostische Häresie

Die erotische Mystik des Berichts betrachtet jene Sünde als gut und sogar heilig, die die Zerstörung von Sodom und Gomorra nach sich zog (vgl. Gen 18,19). In einem Kommentar zu den Berichten über zwei Homosexuelle – die mit einer Person desselben Geschlechts „verheiratet“ sind – stellt der Bericht fest, dass man in ihnen „das Aufkommen von ‚Erfahrungen des Guten‘ in Form aufeinanderfolgender Entwicklungsstufen bei den beteiligten Individuen erkennen kann, einhergehend mit der Etablierung guter Praktiken innerhalb christlicher Gemeinschaften“ (III-2.1, S. 24).

Bezeichnenderweise erkennt Bischof Athanasius Schneider in dem Bericht zu Recht jene falsche erotische Mystik der gnostisch-nikolaitischen Häresie, die die Unmoral förderte.14

Dieser Abschlussbericht hat unmissverständlich die Grenze von der Orthodoxie hin zur Häresie überschritten. Der Bericht bedient sich der verführerischen Phrase vom „Paradigmenwechsel“, um – mittels leerer Rhetorik – Gottes Offenbarung über die binäre Natur der Geschlechter sowie sein klares Verbot jeglicher sexuellen Handlungen außerhalb einer gültigen Ehe zwischen Mann und Frau zu untergraben. Die vornehmste Pflicht Papst Leos XIV. besteht darin, die Kirche und die Seelen der Gläubigen vor dieser dreisten gnostischen Lehre zu schützen, die Unzucht und widernatürliche Laster zu rechtfertigen sucht. Die Stimme Christi – die die Gemeinde in Pergamon dafür tadelte, dass sie die sexuelle Häresie der Nikolaiten duldete (vgl. Offb 2,14–15), und der Gemeinde in Thyatira vorwarf, sie erlaube es Isebel – die „sich selbst Prophetin nannte“ –, sexuelle Unmoral in der Kirche zu verbreiten (Offb 2,20–21) –, richtet sich heute auch an Papst Leo XIV.15

Darüber hinaus warnt Bischof Joseph E. Strickland:

Der jüngst von der Arbeitsgruppe 9 der Synode über die Synodalität veröffentlichte Bericht ist zutiefst alarmierend und steht in direktem Widerspruch zur beständigen Lehre der katholischen Kirche bezüglich der menschlichen Sexualität, der Sünde, der Ehe und des Sittengesetzes. 

Die Kirche kann nicht ändern, was Gott selbst offenbart hat.16

Die Verfasser des Berichts

Der Vaticanexperte Gaetano Masciullo weist darauf hin:

Um das Wesen dieses Berichts zu verstehen, muss man jedoch einen Blick auf jene Mitglieder werfen, die Papst Franziskus im Jahr 2024 für die Studiengruppe 9 ausgewählt hat – eine Gruppe, die sich den „theologischen Kriterien und synodalen Methoden für die gemeinsame Unterscheidung neu aufkommender lehrmäßiger, pastoraler und ethischer Fragen“ widmet.

Unter den Mitgliedern stechen insbesondere zwei Persönlichkeiten hervor, die sich beide seit Jahren aktiv darum bemühen, Homosexualität und andere moralische Fragen, die im Widerspruch zur traditionellen katholischen Lehre stehen, zu normalisieren: Kardinal Carlos Gustavo Castillo Mattasoglio, Erzbischof von Lima, und Pater Maurizio Chiodi, Mitglied der Päpstlichen Akademie für das Leben.

In Bezug auf Kardinal Castillo Mattasoglio schreibt er: In „einer Predigt kurz vor Weihnachten 2021 ... erklärte dieser, Christus sei ‚als Laie gestorben‘ – und bestritt damit den priesterlichen Charakter des Opfers Christi. ... Diese [heterodoxen] Positionen haben seinen Aufstieg begünstigt. Als bekennender Verfechter der Befreiungstheologie hat Mattasoglio die LGBT-Propaganda zu einem seiner zentralen Anliegen gemacht.“17

Was Pater Maurizio Chiodi betrifft: In einem Interview aus dem Jahr 2019 mit *Noi famiglia & vita* – der Familienbeilage von *Avvenire*, der Zeitung der Italienischen Bischofskonferenz – erklärte er: „Ich würde nicht ausschließen, dass eine homosexuelle Paarbeziehung unter bestimmten Bedingungen für das jeweilige Individuum der fruchtbarste Weg sein kann, um gute Beziehungen zu leben – unter Berücksichtigung ihrer symbolischen Bedeutung, die zugleich persönlich, relational und sozial ist.“18

„Wie das Gold seinen Glanz verloren hat“

In diesen tragischen Zeiten für die Kirche Christi kommt einem die Klage des Jeremias in den Sinn: „Quomodo obscuratum est aurum.“ „Wie hat das Gold seinen Glanz verloren “ (Klgl 4,1).

Warum kehren Menschen der klaren und schönen Lehre und Moral, die von Gott offenbart wurde und strahlend wie Gold ist, den Rücken zu, um „Lehren von Dämonen“ (1 Tim 4,1) nachzueifern? Die göttliche Vorsehung lässt diesen langen und finsteren Prozess als Strafe für unsere Sünden zu – und zugleich als Gelegenheit für die Gerechten, ihren Eifer für den Glauben zu beweisen (vgl. 1 Kor 10,13; 1 Kor 11,19).

Die meisten der heutigen Irrtümer sind die Frucht der modernistischen Häresie – die, wie erwähnt, von St. Pius X. verurteilt wurde – sowie ihrer Reinkarnation in Gestalt der *Nouvelle Théologie*, die von Pius XII. verurteilt wurde.

Im Jahr 1907 schrieb St. Pius X.:

„Blind sind sie, und Blindenführer; aufgeblasen von einer prahlerischen Wissenschaft, sind sie zu jenem Gipfel des Wahnsinns gelangt, wo sie den ewigen Begriff der Wahrheit und das wahre Wesen des religiösen Empfindens verfälschen. Mit jenem neuen System von ihnen erweisen sie sich als beherrscht von einer blinden und ungezügelten Leidenschaft für das Neue; sie denken keineswegs daran, irgendein festes Fundament der Wahrheit zu finden, sondern verachten die heiligen und apostolischen Überlieferungen und eignen sich stattdessen andere eitle, nutzlose und unsichere Lehren an – von der Kirche verurteilt –, auf denen sie, in der Höhe ihrer Eitelkeit, zu ruhen und die Wahrheit selbst zu behaupten glauben.“19

Im Jahr 1950 warnte Pius XII. hinsichtlich der Irrtümer der *Nouvelle Théologie*:

6. Solche fiktiven Lehrsätze der Evolution, die all das verwerfen, was absolut, fest und unveränderlich ist, haben den Weg geebnet für jene neue, irrtümliche Philosophie, die – in Konkurrenz zu Idealismus, Immanentismus und Pragmatismus – den Namen Existenzialismus angenommen hat; denn sie befasst sich lediglich mit der Existenz einzelner Dinge und vernachlässigt jegliche Betrachtung ihrer unveränderlichen Wesenheiten.

7. Zudem existiert ein gewisser Historizismus, der – indem er allein den Ereignissen des menschlichen Lebens einen Wert beimisst – das Fundament aller Wahrheit und allen absoluten Gesetzes untergräbt: sowohl auf der Ebene philosophischer Spekulationen als auch – und dies insbesondere – in Bezug auf die christlichen Dogmen.20

„Seid wachsam, steht fest im Glauben, seid mutig, seid stark!“

Doch im Vertrauen auf die Gnade Gottes – die jene, die ihm treu sind, niemals verlässt –, müssen wir „fest im Glauben stehen“ (1 Kor 16,13), wie der Apostel es empfiehlt.

In Fatima warnte uns die Gottesmutter vor der schweren Strafe, die eintreten würde, falls die Menschen nicht vom Sündigen abließen – und zwar nicht bloß aus Schwäche, sondern weil sie die Sünde zu ihrem Stolz und zu ihrem Lebenszweck erhoben hätten.

Dennoch fügte sie hinzu:

„Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren.“

In der Gewissheit des Triumphes der Allerseligsten Jungfrau Maria finden wir den Mut, trotz der heutigen schwerwiegenden Irrtümer weiterzukämpfen.

 

 

Bildnachweis: © Depe – stock.adobe.com

Erstveröffentlichung auf TFP.org.

 

Die Anmerkungen übernehmen wir vom Original ohne Überetzung:

 

Footnotes

  1. Francis, “Address of His Holiness Pope Francis,” Ceremony Commemorating the 50th Anniversary of the Institution of the Synod of Bishops (Oct. 17, 2015), https://www.vatican.va/content/francesco/en/speeches/2015/october/documents/papa-francesco_20151017_50-anniversario-sinodo.html. (In quotes, any emphasis in the original is shown in italics. My emphases are shown in bold.)
  2. General Secretariat of the Synod, “The Selection of Bishops and the Handling of Emerging Doctrinal, Pastoral, and Ethical Questions,” Synod.va, May 5, 2026, https://www.synod.va/en/news/the-selection-of-bishops-and-the-handling-of-emerging-doctrinal.html.
  3. See Study Group 9, “Theological Criteria and Synodal Methodologies for Shared Discernment of Emerging Doctrinal, Pastoral, and Ethical Emerging issues,” Synod.va, accessed May 17, 2026, https://www.synod.va/content/dam/synod/process/implementation/10workinggroups/final-reports/sg9/SG-9_Final-Report.pdf. See also, the Report’s three-page “Executive Summary,” Synod.va, accessed May 17, 2026, https://www.synod.va/content/dam/synod/process/implementation/10workinggroups/final-reports/sg9/SG-9_ENG_Executive-Summary.pdf.
  4. See Appendix A.1 “Testimony for Synodal Study Group 9 on Homosexuality (Portugal),” Synod.va, https://www.synod.va/content/dam/synod/process/implementation/10workinggroups/final-reports/sg9/Testimony-A1-Homosexuality.pdfAppendix A.2 “Testimony for Synodal Study Group 9 on Homosexuality (USA),” Synod.va, https://www.synod.va/content/dam/synod/process/implementation/10workinggroups/final-reports/sg9/Testimony-A2-Homosexuality.pdf.
  5. Cardinal Eijk, “Same-Sex Synod Report Must Be Forcefully Refuted,” National Catholic Register, May 14, 2026, https://www.ncregister.com/commentaries/the-synods-dangerous-departure-study-group-9s-report.
  6. See Diane Montagna, “Fr. James Martin: The ‘Mastermind’ Behind the Two Testimonies in the Vatican’s Synod Report on Homosexuality,” Diane Montagna’s Substack, May 14, 2026, https://dianemontagna.substack.com/p/fr-james-martin-the-mastermind-behind. See also James Martin, S.J., “How Same-Sex Couples Have Blessed Me,” Outreach.faith, Jan. 3, 2024, https://outreach.faith/2024/01/father-james-martin-how-same-sex-couples-have-blessed-me/.
  7. Nominalism: “a theory that there are no universal essences in reality and that the mind can frame no single concept or image corresponding to any universal or general term.” Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary, s.v. “nominalism,” accessed May 18, 2026, https://unabridged.merriam-webster.com/collegiate/nominalism.
  8. Merriam-Webster’s Collegiate Dictionary, s.v. “paradigm shift,” accessed May 17, 2026, https://unabridged.merriam-webster.com/collegiate/paradigm%20shift.
  9. Cardinal Gerhard Müller, “On God’s Blessing and the False Blessings of This World,” in Michael Haynes, “Cardinal Müller: Synod’s Homosexuality Report Leads to ‘Heretical Relativization’ of Marriage,” PerMariam.com, May 8, 2026,https://www.permariam.com/p/cardinal-muller-synods-homosexuality.
  10. Gerald E. Murray, “‘Synodal Shepherds’ Attack the Sheep,” TheCatholicThing.org, May 9, 2026, https://www.thecatholicthing.org/2026/05/09/synodal-shepherds-attack-the-sheep/.
  11. See Amy Harmon, Ruth Graham, and Sarah Maslin Nir, “Making History on a Tuesday Morning, With the Church’s Blessing,” The New York Times, Dec. 19, 2023, https://www.nytimes.com/2023/12/19/us/catholic-gay-blessing-pope-francis.html.
  12. Appendix A.2.
  13. St. Augustine, Contra Faustum, book XXII, no. 27, https://www.newadvent.org/fathers/140622.htm.
  14. Nicolaitism: “Traces of the aforementioned sexual licentiousness (Rev. 2:2) are found, but now combined with mythological speculations (‘the abysses of Satan,’ Rev. 2:24), which are generally interpreted as an allusion to Gnostic conceptions.” H. Haas, A. van den Born, and S. de Ausejo, Diccionario de la Biblia (Barcelona: Herder, 1967), 766.
  15. Diane Montagna, “Bishop Schneider: Vatican’s Synod Report on Homosexuality Echoes ‘the Serpent in the Garden,’” DianeMontagna.substack.com, May 12, 2026, https://dianemontagna.substack.com/p/bishop-schneider-vaticans-synod-report.
  16. Joseph E. Strickland, “An Emergency in the Church,” PillarsofFaith.net, May 5, 2026, https://pillarsoffaith.net/an-emergency-in-the-church/.
  17. Gaetano Masciullo, “Meet the Architects of the Synod’s Challenge to Church Teaching on Homosexuality,” LifeSiteNews.com, May 14, 2026, https://www.lifesitenews.com/news/meet-the-architects-of-the-synods-challenge-to-church-teaching-on-homosexuality/.
  18. Innocenzo, “Il teologo Maurizio Chiodi: ‘Omosessuali. Una pastorale oltre la retorica delle aperture,” Gionata.org, Jul. 28, 2019, https://www.gionata.org/il-teologo-maurizio-chiodi-omosessuali-una-pastorale-oltre-la-retorica-delle-aperture/.
  19. St. Pius X, encyclical Pascendi Dominici gregis (Sept. 8, 1907), no. 13, https://www.vatican.va/content/pius-x/en/encyclicals/documents/hf_p-x_enc_19070908_pascendi-dominici-gregis.html.
  20. Pius XII, encyclical Humani generis (Aug. 12, 1950), nos. 6–7, https://www.vatican.va/content/pius-xii/en/encyclicals/documents/hf_p-xii_enc_12081950_humani-generis.html.

Donnerstag, 25. Mai 2023

„Amen. Der Papst antwortet“ Die Disney-Dokumentation veranschaulicht die „Synodale Kirche“

 

von Luiz Sérgio Solimeo
11. Mai 2023

Der Ausdruck „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ bedeutet, dass mit einem einzigen Bild mehrere und komplexe Ideen vermittelt werden können. Vielleicht könnte man sagen, dass ein Video mit Audio, Dialogen und Animationen mehr sagt als eine Million Worte.

Dies gilt insbesondere für das 83-minütige Video, das kürzlich von Disney veröffentlicht wurde – einem Giganten der Unterhaltungsindustrie und Propagandist der Homosexuellenbewegung. Nach einer Pressemitteilung vom 5. April 2023 unterhälft sich Papst Franziskus freundschaftlich mit zehn spanischsprachigen Jugendlichen.(1)

Das Video fasst als Dokumentarfilm alles zusammen, was Papst Franziskus über seine „Synodalkirche“ gesagt und geschrieben hat. Es trägt den Titel „Amén. Francisco Responde“ [„Amen. Franziskus antwortet“].(2) Wie wir sehen werden, hätte der Titel des Films treffender und synodaler sein können: „Amen: Franziskus hört zu und stimmt zu.“

„Vor allem ein Bild der Synodalität“

Laut Papst Franziskus ist die neue „Synodale Kirche“ eine umgekehrte Pyramide, deren Macht unten liegt und nicht oben steht. Es ist eine Kirche, die nicht lehrt, sondern auf das hört, was der „Geist“ zu ihrer Basis spricht.(3)

Das neue Disney-Video ist ein lebendiges Beispiel dieser „Synodalen Kirche“. Der Papst lernt von den Jugendlichen. Nachdem er junge Menschen gehört hatte, die Abtreibung, Pornografie, Bisexualität usw. verteidigten, sagte er: „Ich habe viel von Ihnen gelernt, danke für das Gute, das Sie getan haben.“(4)

Fr. Máximo Jurcinovic, Leiter des Kommunikationsbüros der Argentinischen Bischofskonferenz, kommentiert: „Der Geist inspirierte den Heiligen Vater, damit alles, was über Synodalität gesagt und gemeint wurde, ein Bild bekam. Ein Bild, das Zweifel zerstreut und uns den Weg zum Verständnis [der Synodalität] zeigt. Die Disney-Dokumentation mit dem Titel Amen. Der Papst antwortet ist in erster Linie ein Bild der Synodalität.“(5)

Handverlesene Jugendliche

In einer Atmosphäre der Kameradschaft und Entspannung beginnt Papst Franziskus ein freundschaftliches Gespräch mit zehn jungen Männern und Frauen im Alter zwischen 20 und 25 Jahren, die größtenteils vulgär in Shorts gekleidet sind. Zwei junge Frauen mit nacktem Bauch. Bei einer sind ihre Brüste fast entblößt. Sie sitzen gelassen da, eine junge Frau auf einem Tisch, andere auf dem Boden. Sie sprechen den Papst oft mit der spanischen Form der Behandlung unter Gleichen an: „tu“ („DU“).

Der Papst ließ den Videoproduzenten, den Spaniern Jordi Évole und Màrius Sánchez, völlige Freiheit bei der Auswahl der Teilnehmer, also wählten sie die zehn jungen Leute handverlesen aus. Als die Produzenten ihm den fertigen Film zeigten, genehmigte Franziskus es, ohne die Löschung der darin enthaltenen obszönen Szenen anzuordnen.

„Laut Évole und Sánchez hat Papst Franziskus keine roten Linien gesetzt, als es darum ging, dieses Treffen zu filmen, obwohl er halb im Scherz darum gebeten hatte, dass es mindestens einen Katholiken geben sollte; er hat auch nichts zensiert, als ihm die letzte Montage gezeigt wurde.“(6)

Die Teilnehmer waren spanischsprachige Jugendliche aus verschiedenen Ländern. Eine junge Spanierin bezeichnet sich selbst als „nicht binär“ und scheint eine andere Frau zu küssen. Eine andere ist eine ehemalige peruanische Nonne, die jetzt eine lesbische Ungläubige ist. Eine junge Kolumbianerin erklärt, dass sie ihren Lebensunterhalt mit Pornografie verdient, indem sie sich für Internet- und Social-Media-Kunden bloßstellt. Eine Argentinierin sagt, sie sei Katholikin, Katechetin und gleichzeitig „eine stolze Aktivistin für Abtreibung“. Ein Ecuadorianer ist ein ehemaliger Katholik, der jetzt protestantisch ist. Nur eine junge Spanierin bezeichnet sich selbst als vollwertige Katholikin und verteidigt die Lehre und Moral der Kirche. Einer der jungen Männer ist ein muslimischer Emigrant aus dem Senegal, während andere sich selbst als Ungläubige oder Verwirrte bezeichnen. Ein anderer behauptet, er sei in einer katholischen Schule(8) misshandelt worden.(7)

„Dieser Dokumentarfilm ist nicht für jedes Publikum geeignet.“

Der Untertitel stammt aus der Warnung von Kelsey Wicks in einem Artikel auf der katholischen Website ACI Prensa. Sie erklärt:

„Die Teilnahme an der Dokumentation von Alejandra, einer jungen Kolumbianerin, die nach eigenen Angaben pornografische Inhalte erstellt und diese im Internet und in sozialen Medien verbreitet, eröffnet den Weg zu detaillierten Beschreibungen von Masturbation und Sexualität. Der Dokumentarfilm wechselt den Dialog zwischen den Jugendlichen und dem Papst mit einigen Bildern dieser jungen Menschen an ihren Herkunftsorten. Dazu gehören eine Bettszene [zweier Frauen] (ohne explizite sexuelle Handlungen) und Zungenküsse zwischen weiblichen Paaren.“(9)

Wie bereits erwähnt, hat Papst Franziskus das Video gesehen und genehmigt, auch wenn es solche unmoralischen Szenen enthielt.

„Die Katechese zum Thema Sex steckt noch in den Windeln“

Die jahrhundertealte Morallehre der Kirche verliert in der neuen „Synodalen Kirche“ ihre Bedeutung. Eine andere Moral sei in Arbeit, die laut Papst Franziskus „immer noch in Windeln steckt“.

Nach einer Beschreibung der pornografieproduzierenden jungen Frau und ihrer Vorgehensweise kommt es zu einer Diskussion über Masturbation, in der die spanische Katholikin als einzige Jugendliche die richtige Position einnimmt. Papst Franziskus kommt zu dem Schluss: „Die Katechese zum Thema Sex steckt noch in den Kinderschuhen. Ich denke, wir Christen hatten nicht immer eine ausgereifte Katechese zum Thema Sexualität.“(10)

Solche Worte zeigen Verachtung für die großen Moralisten, Kirchenväter und Kirchenlehrer, zum Beispiel den heiligen Thomas von Aquin und den heiligen Alfons von Liguori, sowie für das Lehramt, das seit Jahrhunderten auf der Grundlage der Heiligen Schrift und des Naturgesetzes Moral formuliert und lehrt.

„Gott weist niemanden zurück; Gott ist Vater“

Während des Gesprächs sagt die „nicht binäre“ Frau dem Papst: „Ich wollte Sie fragen, ob ich in der Kirche Raum für Transsexuelle und nicht-binäre Menschen oder für das LGTB-Gruppen finde.“(11)

Wie bereits zuvor antwortet Papst Franziskus, dass alle Kinder Gottes seien und dass er sie daher niemals ablehne: „Im Allgemeinen ist jeder Mensch ein Kind Gottes, jeder Mensch. Gott lehnt niemanden ab, Gott ist Vater, und ich habe nicht das Recht, jemanden aus der Kirche zu werfen; außerdem muss die Kirche immer empfangen; sie kann niemandem die Tür verschließen.“(12)

Die junge Frau besteht darauf, dass es „Priester gibt, die Hass fördern und die Bibel nutzen, um Hassreden zu unterstützen und sie ihnen wie ein Evangelium vorzulesen, um zu sagen: Nein, ich schließe Sie nicht aus, die Bibel sagt das, nicht ich.“(13)

In seiner Antwort übt der Papst scharfe Kritik an diesen gläubigen Priestern und nennt sie „Eindringlinge“: „Ich habe es satt zu sagen, dass dies nicht die Botschaft Jesu ist. Diese Leute sind Eindringlinge. Sie sind Eindringlinge, die die Kirche für ihre persönlichen Leidenschaften und ihre Engstirnigkeit ausnutzen; dies ist eine der Korruptionen der Kirche. Diese Ideologien sind nicht wahr.“(14)

In Anlehnung an die Freudsche Psychoanalyse hält Papst Franziskus solche gläubigen Priester für neurotisch: „Am Ende haben alle diese Menschen ein inneres Drama, ein Drama großer innerer Inkohärenz, dass sie leben, um andere zu verurteilen, weil sie nicht wissen, wie sie für sich selbst um Vergebung für ihre Fehler bitten sollen. Nein. Im Allgemeinen sind solche Menschen inkohärent (nicht zusammenhängend mit den Taten. Anm. des Übersetzers) und haben etwas in ihrem Inneren. Sie befreien sich selbst, indem sie andere verurteilen, obwohl sie dazu gezwungen wären, ihre Denkweise anzupassen und ihre eigene Schuld ins Auge zu fassen.“

Die Kirche, fährt er fort, müsse jeden akzeptieren, „ob blind, taub, lahm, gut, oder böse, jeden.“(15)

„Geht weg von mir, ihr Übeltäter“

Die Aussage, dass alle Kinder Gottes sind und dass Gott als ihr Vater niemanden ablehnt, widerspricht der wahren Vaterschaft, die ein schlechtes Kind bestraft, denn „wer seine Rute schont, hasst seinen Sohn, doch wer ihn liebt, nimmt ihn früh in Zucht.“ (Spr 13,24).

Darüber hinaus werden die beiden Bedeutungen, in denen Gott Vater genannt werden kann, nicht berücksichtigt, wie der Katechismus des Konzils von Trient erklärt: „Als Schöpfer kann Gott in Analogie zu irdischen Vätern Vater aller genannt werden. In einem passenderen Sinne ist Gott jedoch der Vater derer, die vom Geist Gottes geführt, durch die Gnade seine Adoptivkinder werden und mit Christus sie Erben Gottes werden.(16)

Tatsächlich sagt der heilige Paulus: „Denn, die vom Geist Gottes geleitet werden, die sind Söhne Gottes. Ihr habt ja nicht den Geist der Knechtschaft empfangen ... sondern den Geist der Kindschaft, in dem wir rufen: Abba, Vater! ... Sind wir aber Kinder, dann auch Erben Gottes und Miterben Christi, sofern wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden“ (Römer 8,14–15,17).

Deshalb werden diejenigen, die die Gebote verachten und nicht als adoptierte Kinder Gottes leben, beim Gericht von unserem Herrn diese schrecklichen Worte hören: „Ich habe euch niemals gekannt; weicht von mir, die ihr die Werke des Bösen tut“ (Matthäus 7,23).

Papst Franziskus und Abtreibung: „Seid barmherzig“

Im gesamten Gespräch mit den Jugendlichen, die darauf bestanden, sündige Handlungen, Situationen und Verhaltensweisen wie Pornografie, Abtreibung und Masturbation zu verteidigen, verwendet Papst Franziskus – obwohl er anderer Meinung ist – nur nichtreligiöse Argumente. Er erwähnt niemals die Sünde, eine Beleidigung Gottes, noch das ewige Schicksal eines Menschen – Himmel oder Hölle.

Eine der jungen Frauen, die sich selbst als katholische Katechetin und Abtreibungsaktivistin bezeichnet, überreicht dem Papst, nachdem sie sich vehement für die Abtreibung eingesetzt hat, einen Schal mit der Aufschrift „Abtreibung: frei, sicher und kostenlos.“ Der Rand des Schales ist in den Regenbogenfarben der Homosexuellenbewegung gehalten. Der Papst nahm das Geschenk lächelnd entgegen und küsste Milagros auf die Wange.(17)

Papst Franziskus spricht sich gegen Abtreibung nur in natürlichen Begriffen aus und besteht darauf, dass Priester nicht hart mit Frauen umgehen sollten, die eine Abtreibung hatten: „Ich sage den Priestern immer, dass, wenn eine Person in dieser Situation zu mir kommt, mit einer Gewissenslast, denn das Zeichen, das Abtreibung bei einer Frau hinterlässt stark, fragt bitte nicht zu viel und seid barmherzig, so wie Jesus es tut, der danach alle aufnimmt. Egal wie sündig oder wie sehr die Welt dich im Stich lässt, der Herr verlässt dich niemals.“(18)

Migranten sind Sklaven

Diese Gnade, um die Papst Franziskus für diejenigen bittet, die eine Abtreibung wünschen, fehlt in seiner Analyse der illegalen Einwanderung. Als er sich mit dem Thema befasste, versäumte er es, die notwendige Unterscheidung zwischen dem Recht auf Auswanderung und dem Recht etablierter Staaten zu treffen, die Einwanderung in ihr Hoheitsgebiet zu regulieren, um das Gemeinwohl ihrer Bürger und der Einwanderer selbst zu schützen.

Als Antwort auf den Einwanderer aus Senegal, der sagt, er werde ausgebeutet, sagt Franziskus: „Dahinter steckt ein Gewissen der Ausbeutung und des Gebrauchs; ich heiße dich nicht als Bruder willkommen; ich benutze dich, nein; es ist ein ausbeuterisches Gewissen. Das heißt, letztlich steckt dahinter das Gespenst der Sklaverei. Nein, der Migrant gilt als Sklave. Mit anderen Worten: Der Kolonialismus steht immer hinter einer unausgereiften Migrationspolitik.“(19)

* * *

Es besteht kein Zweifel, dass dieser Dokumentarfilm „ein Bild der Synodalität“ ist. Er zeigt jedoch auch den „Geist“, der die neue Kirche belebt, die Papst Franziskus durchsetzen will.

 

Fußnoten:

1. Siehe Hulu, The Pope Answers, https://www.hulu.com/movie/the-pope-answers-99bb958e-e16d-407d-8209-33155f5d7ec5; Felipe Herrera-Espaliat, “In Open Dialogue a Documentary on the Pope—“Amén. Francisco responde” on Disney Plus. L’Osservatore Romano, Apr. 6, 2023, https://www.osservatoreromano.va/en/news/2023-04/ing-014/in-open-dialogue-a-documentary-on-the-pope.html

2. Alle Zitate des Videos sind entnommen aus dem spanischen Original. Die Übersetzung ist von der Redaktion dieses Blogs

3. Siehe Luiz Sérgio Solimeo, “A Confused, Upside Down ‘Synodal Church,’” TFP.org, Dec. 9, 2015, https://www.tfp.org/a-confused-upside-down-synodal-church/.

4. The PopeAnswers, 1:20:35.

5. Máximo Jurcinovic, “‘Amén, Francisco responde’: el documental del papa que es un modelo de conversación,” Infobae.com, Apr. 16, 2023, https://www.infobae.com/opinion/2023/04/16/amen-francisco-responde-el-documental-del-papa-que-es-un-modelo-de-conversacion/. (Our emphasis.)

6. Fernanda Avila, “Desde aborto hasta abuso, gen Z cuestiona al Papa en documental ‘Amén, Francisco responde’” El Sol de Mexico, Apr. 19, 2023, https://www.elsoldemexico.com.mx/mundo/amen-francisco-responde-de-que-trata-el-documental-del-papa-francisco-en-star-9942993.html. (Our emphasis.)

7. According to investigations by public and ecclesiastical authorities, no such abuse occurred and the accused teacher was acquitted. See Luis Fernando, ¿Quién restablece el buen nombre del profesor del colegio del Opus en Bilbao?, https://www.infocatolica.com/blog/coradcor.php/1510120431-iquien-restablece-el-buen-nombre; Imanol Goyarrola, “Colegio Gaztelueta de Bilbao: El Vaticano cierra el caso y pide que se restablezca el buen nombre del profesor acusado de abusos,” InfoCatolica.com, Oct. 12, 2015, https://www.infocatolica.com/?t=noticia&cod=25056.

8. Vive, Documental: Amén: Francisco responde, https://revistavive.com/documental-amen-francisco-responde/; Herrera-Espaliat, “In Open Dialogue.”

9. Kelsey Wicks, “6 cosas que debes saber sobre el nuevo documental del Papa Francisco en Disney+,” ACIPrensa.com, Apr. 7, 2023,
https://www.aciprensa.com/noticias/6-cosas-que-debes-saber-sobre-el-nuevo-documental-del-papa-francisco-en-disney-72049.
(Our emphasis.)

10. The Pope: Answers, 1:04:43-1:05:56.

11. Idem, 51:05-51:19.

12. Ibid., 51:33-52:12

13. Ibid. 52:32-52:24.

14. Ibid., 52:41-52:57

15. Ibid., 52:58:-53-57.

16. Siehe Katechismus des Konzils von Trient (Rockford, Ill.: Tan Books, 1982), 20—21. See also S. Gonzalez, S.J., “De gratia,” in Sacrae theologiae summa (Madrid: B.A.C., 1950), III, c. 2, a. 3, Nos. 208—19.

17. The Pope…, 30:37-31:36; see Peter Pinedo, “6 Hot-button Issues Pope Francis and Gen Z Confront in New Disney Doc,” Catholic News Agency, Apr. 7, 2023, https://www.catholicnewsagency.com/news/254049/6-hot-button-issues-pope-francis-and-gen-z-confront-in-new-disney-doc.

18. Wicks, “6 cosas que debes saber.”

19. The Pope answers, 20:56-21-10.

 

BILD Photo: Osservatore Romano vom 06.04.2023

Aus dem Englischen mit Hilfe von Google-Übersetzer des Artikels in https://www.returntoorder.org/2023/05/amen-the-pope-answers-the-disney-documentary-exemplifies-the-synodal-church/?PKG=RTOE1828

Die deutsche Fassung „Amen. Der Papst antwortet“ erschien erstmals in www.r-gr.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Donnerstag, 21. Mai 2015

„Vorrangige Option für die Familie“ - Buch zur Familien Synode lanciert


Mathias von Gersdorff

Die internationale Initiative „Ergebene Bitte an Seine Heiligkeit Papst Franziskus über die Zukunft der Familie“ präsentierte am 19. Mai 2015 im Hotel Columbus an der Via della Conciliazione unweit des Petersdomes der Presse in Rom das italienische Original des Buches „Opzione preferenziale per la Famiglia. Cento domande e cento risposte intorno al Sinodo” (Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten zur Synode).“

Verfasser des Buches sind Erzbischof Aldo di Cillo Pagotto von Paraíba in Brasilien, Bischof Robert Francis Vasa von Santa Rosa in Kalifornien (USA) und Weihbischof Athanasius Schneider von Astana in Kasachstan.

Das Vorwort hat Kardinal Jorge Arturo Medina Estévez geschrieben.

Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz von Minsk und von Bischof Áureo Patricio Bonilla Bonilla Ofm, Apostolischer Administrator von Galápagos schrieben Würdigungen. 

Das Buch stellte Tommaso Scandroglio, Assistent für Rechtsphilosophie und Theoretische Philosophie an der Europäischen Universität Rom, vor. 
Scandroglio erläuterte die Intention der Veröffentlichung: Das Buch will diekatholische Bevölkerung über die Lehre der katholischen Kirche über die Ehe und die Sexualität informieren. Ebenso soll darüber aufgeklärt werden, in welchen Feldern die katholische Lehre heute am meisten angegriffen wird, wie etwa durch die „Gender-Ideologie“ oder die Aufweichung der Sakramentenpastoral (z.B. durch die Forderung, geschiedene Wiederverheiratete zur Kommunion zuzulassen).

Verleger des Buches ist die Associazione „Supplica Filiale“ in Rom. Die Übersetzungen ins Deutsche, Englische, Französische, Polnische, Portugiesische und Spanische sollen in Kürze folgen. 

Ebenso sprach John Smeaton, Leiter der in Großbritannien ansässigen „Society for the Protection of Unborn Children SPUC“ (Gesellschaft zum Schutze der ungeborenen Kinder).

Zur Präsentation kamen viele der bekanntesten in Rom angesiedelten Vatikanisten.

Inzwischen erreichte die Zahl der gesammelten Unterschriften die Zahl von 254.000. Viele namhafte Persönlichkeiten aus Deutschland haben teilgenommen: Christa Meves, Marie-Cécile Herzogin von Oldenburg, Prof. Hubert Gindert, Johanna Gräfin von Westphalen. Michael Hesemann usw.

Die Associazione „Supplica Filiale“ ist nicht die Organisatorin der Unterschriftensammlung. Diese werden von einer Vielzahl von Vereinigungen oder Einzelpersonen auf der ganzen Welt gesammelt. Jedoch wurde ein Verein mit diesemNamen gegründet, um die Arbeiten in Rom zu koordinieren sowie Publikationen herausgeben zu können.


Mittwoch, 29. April 2015

Deutsche Bischofskonferenz: Dokument eines kolossalen Scheiterns

JUNGE FREIHEIT 28. April 2015

Deutsche Bischofskonferenz:
Dokument eines kolossalen Scheiterns

Von Mathias von Gersdorff

Zur Vorbereitung der Familiensynode im Vatikan im Oktober 2015 sollten die Bistümer auf der ganzen Welt die Gläubigen zu den Themen Ehe und Familie befragen. Nun hat auch die Deutsche Bischofskonferenz die Antworten ausgewertet und in einem Dokument mit dem Namen „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ zusammengefasst. Dieses Schreiben wurde nach Rom geschickt und ist sozusagen die Zustandsbeschreibung der deutschen Katholiken in bezug auf Ehe und Familie. Auf der Basis dieser Stellungnahmen soll die Synode im Herbst pastorale Perspektiven ausarbeiten.
Was Deutschland anbelangt, zeigt die Stellungnahme der Deutschen Bischofskonferenz einen desolaten Zustand. Falls die Stellungnahme tatsächlich die hiesige Realität wiedergibt, so hat die Kirche keinerlei Einfluss auf die Ansichten ihrer Gläubigen hinsichtlich Ehe, Familie und Sexualmoral. Was Scheidung, Patchwork-Familien, Verhütung und homosexuelle Partnerschaften angeht, haben die Gläubigen laut der Stellungnahme der deutschen Bischöfe vollständig die Ansichten übernommen, wie sie Zeitschriften wie Bravo, Spielfilme, Soap Operas oder Bündnis 90/Die Grünen verbreiten. Mit anderen Worten: Laut der deutschen Bischofskonferenz hat die sexuelle Revolution in Deutschland ganze Arbeit geleistet. Die katholischen Bischöfe haben keinerlei Einfluss darauf, was die Gläubigen über Ehe und Sexualität denken.
Insofern ist das Dokument der Deutschen Bischofskonferenz das Eingeständnis eines kolossalen Scheiterns des deutschen Episkopats, in diesem Land den katholischen Glauben und das katholische Lehramt zu verteidigen. Die deutsche Delegation für die Synode, bestehend aus Reinhard Kardinal Marx (München-Freising) und den Bischöfen Franz-Josef Bode (Osnabrück) und Heiner Koch (Dresden-Meißen), müsste kniend und mit Asche auf dem Haupt vor der versammelten Synode herantreten und um Vergebung für ihr Scheitern bitten.
Was habt ihr mit dem euch anvertrauten Glaubensgut gemacht?
Bischöfe aus armen Bistümern aus dem Inneren Boliviens oder Nigerias würden ihnen etwa folgende Fragen stellen: Wie kann es sein, dass eine so reiche Kirche so wenig Geld ausgegeben hat, um den Gläubigen die wahre katholische Lehre über Ehe und Sexualität zu vermitteln? Warum sind die Inhalte der Lehrschreiben der Päpste Benedikt XVI., Johannes Paul II. (Familiaris consortio) und Paul VI. (Humanae vitae) in Deutschland so unbekannt oder werden nicht ernst genommen?
Warum wurde „Humanae vitae“ durch die Königsteiner Erklärung der deutschen Bischöfe in Frage gestellt? Wie viel Geld hat die reiche katholische Kirche in Deutschland ausgegeben, um die negativen Einflüsse von Fernsehen, Internet und sonstigen Medien auf die Menschen zu bekämpfen? Welche katechetischen Gegenmaßnahmen wurden getroffen, um die katholische Lehre wach zu halten?
Es könnten noch ungemütlichere Fragen gestellt werden. Denn das katholische Verständnis von Ehe und Sexualität ist eng mit der katholischen Christologie verbunden. Wenn tatsächlich kaum noch Deutsche die katholische Ehe- und Sexualmoral teilen, muß man sich fragen, inwiefern sie noch an den Kernpunkten des katholischen Glaubens festhalten, wie etwa an der Gottheit Christi, seinem Heilswirken als Sühneopfer und Erlöser, an der Auferstehung usw.
Angesichts dieser Katastrophe reibt man sich die Augen, wenn deutsche Bischöfe den traurigen Mut haben, Forderungen an die Synode zu stellen. Die Lehre müsse „weiterentwickelt“ werden; man solle „Wertschätzung“ gegenüber außerehelichen und homosexuellen Beziehungen zeigen und dergleichen mehr. Welche Erfolge möchte die deutsche Delegation eigentlich vorweisen, um sich die Autorität zuzuschreiben, solche Forderungen zu stellen?
Statistisch wertlose Befragungsergebnisse
Kaum verwunderlich, dass in vielen Ländern die Katholiken über Deutschland nur noch den Kopf schütteln. Selbst Daniel Deckers, in der FAZ zuständig für die katholische Kirche und sicherlich alles andere als konservativ, schrieb am 21. April: „Unter dem Eindruck der Rückmeldungen bekräftigen (die deutschen Bischöfe) nun ihre Anregung aus dem vergangenen Jahr, wiederverheiratet Geschiedene unter bestimmten Bedingungen zu den Sakramenten der Buße und der Eucharistie zuzulassen. Bislang ist die Deutsche Bischofskonferenz die einzige weltweit, die diesen Standpunkt vertritt.“
Man fragt sich in der Tat, was die Bischofskonferenz mit der Stellungnahme „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ überhaupt beabsichtigt. Aus dem Bistum Essen kamen 14 Einzelantworten auf den Fragebogen (von etwa 850.000 Seelen insgesamt). Aus Mainz ganze 21 (von etwa 740.000). Aus Magdeburg kamen 18 (von etwa 86.000). Man muß nicht Statistik studiert haben, um zu wissen, dass eine solche Befragung nichts wert ist.
Das hätte die Deutsche Bischofskonferenz auch dem Vatikan mitteilen sollen: „Leider war es nicht möglich, zu erfahren, was die Gläubigen über Ehe und Familie denken, denn sie nahmen an der Befragung nicht teil.“ Doch stattdessen wurde ein Dokument redigiert, das die Schleifung der katholischen Lehre über die Ehe und die Sexualität empfiehlt.
Warten wir ab, was nun Kardinal Marx und andere bis zur Familiensynode von sich geben. Der deutsche Kardinal Walter Brandmüller hat jedenfalls schon klargestellt: „Wer das Dogma ändern will, ist ein Häretiker – auch wenn er Purpur trägt.“

*    *    *

Über Mathias von Gersdorff
Diplom-Volkswirt (Bonn) und katholischer Publizist, geboren 1964 in Santiago de Chile. Seit 1990 in der Lebensrechtsbewegung aktiv. Er leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ der „Deutschen Vereinigung für eine christliche Kultur“ (DVCK) und schrieb mehrere Bücher zu Themen wie Sexualisierung der Kindheit, Lebensrecht und Christenverfolgung.


Dienstag, 17. Februar 2015

Kardinal Walter Kaspers Kirchen- und Kulturrevolution

Als Antwort zu Kardinal Walter Kaspers Schrift „Evangelium von der Familie. Die Rede vor dem Konsistorium“, in welcher eine Aufweichung der Sakramentenlehre und Praxis der Kirche bezüglich der wiederverheirateten Geschiedenen vorgeschlagen wird, sind zwei wichtige Bücher erschienen: „In der Wahrheit Christi bleiben: Ehe und Kommunion in der Katholischen Kirche“, herausgegeben von Robert Dodaro und mit Beiträgen der Kardinäle Gerhard Ludwig Müller, Carlo Cafarra, Walter Brandmüller, Raymond Leo Burke und Velasio de Paolis sowie weiterer Theologen. Das zweite Buch ist „Das wahre Evangelium der Familie. Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ der Professoren am „Päpstlichen Institut Johannes Paul II.“ Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski. Beide Bücher ergänzen sich und geben insgesamt eine recht vollständige Behandlung des Themas.

Hier soll das zweite Buch näher vorgestellt werden, weil es tiefer in die kulturellen Aspekte des Problems geht. Oder genauer gesagt: Das Buch von Pérez-Soba und Kampowski hat zwei Lesarten: eine theologische und eine kulturelle. Wer eine systematische und detaillierte theologische Widerlegung von Kaspers „Rede vor dem Konsistorium“ sucht, kommt genauso auf seine Kosten wie jemand, der den kulturellen Rahmen der Gedanken Kaspers kennenlernen will. Diese „kulturelle“ Seite des Problems soll nun untersucht werden.
Pérez-Soba und Kampowski stellen gleich am Anfang ihres Buches fest, daß die katholische Ehe- und Sexualmoral in der heutigen Welt auf heftigen Widerstand und Unverständnis stößt. Nach katholischer Auffassung ist praktizierte Sexualität, die nicht von der Liebe geleitet wird, Egoismus. Damit Sexualität im Geist der Liebe praktiziert werden kann, muß sie ihrem eigentlichen Zweck, der menschlichen Fortpflanzung, offen stehen. Diese wiederum erfordert eine stabile Institution: die Ehe. Sexualität, Liebe und Ehe sind also organisch miteinander verbunden.
Die „Sexuelle Revolution“ hat sich durchgesetzt
Nach „moderner“ Auffassung sind das aber getrennte Dinge, die man zusammenlegt, wenn es zweckmäßig erscheint. Insbesondere die „Sexuelle Revolution“ hat Sexualität von Liebe (und von der Ehe sowieso) getrennt. Und zwar nicht erst in den 1960er Jahren, sondern schon viel früher. Für den Psychoanalytiker Wilhelm Reich war Sexualität eine menschliche Tätigkeit, die völlig frei von höheren Erwägungen praktiziert werden sollte. Er vertrat also das glatte Gegenteil der katholischen Auffassung.

Lesen Sie den vollständigen Artikel au diesem Link

Donnerstag, 22. Januar 2015

Linkskatholiken planen Sturm auf die Familiensynode

von Mathias von Gersdorff

Einer der wichtigsten Akzente im Pontifikat von Papst Franziskus ist die Ehe- und Familienpastoral. Um die Anforderungen unserer Zeit zu analysieren und zu besprechen, berief er eine „kleine“ Bischofsversammlung ein, die im Oktober 2014 stattfand. Diese Synode sollte eine „große“ Familiensynode vorbereiten, die im Oktober 2015 durchgeführt wird.
Wie hier schon im vergangenen September beschrieben, werden beide Familiensynoden vom Linkskatholizismus als willkommene Anlässe genutzt, wieder aktiv für ihre revolutionäre „Vision“ von Kirche und Lehramt zu werben.
Speerspitze des deutschen Links- oder Reformkatholizismus ist die Bewegung „Wir sind Kirche“. Seit etwa 20 Jahren kämpft sie für eine egalitäre Kirche und dient einer liberalen Auffassung von Moral: Schleifung der Unterschiede zwischen Laien und Priestern, Abschaffung des Zölibats, Akzeptanz außerehelicher Sexualität, Akzeptanz der Wiederheirat nach Scheidung, Verständnis für Abtreibung usw.

Pastorale Zukunftsmodelle ohne Tabus
„Wir sind Kirche“ ist ideologisch auf dem neuesten Stand

Somit propagiert „Wir sind Kirche“ innerhalb des Katholizismus sämtliche Positionen, die im säkularen Bereich diverse Organisationen und Aktivisten der sexuellen Revolution im Geiste der 1968er-Bewegung vertreten.
Wegen der durch Kardinal Kasper neu entflammten Diskussion über eine mögliche kirchliche Neubewertung von wiederverheirateten geschiedenen Katholiken, kamen alle Themen von „Wir sind Kirche“ auf den Tisch. Lange Zeit war von dieser sogenannten „Basisbewegung“ kaum etwas zu hören. In gewisser Weise hat Kardinal Kasper sie wieder aus der Versenkung geholt.
„Wir sind Kirche“ Deutschland will
 Mess-Simulationen wie in Österreich
Trotz ihrer Inaktivität ist „Wir sind Kirche“ ideologisch nicht in der Zeit stehengeblieben. Sie haben im Arbeitspapier „Texte und Arbeitshilfen zur Familien-Synode 2014-2015“ komplett die Entwicklungen der sexuellen Revolution der letzten Jahre übernommen.

Progressisten wollen alle Ebenen unterwandern

So treten sie heute für eine positive Bewertung der Homosexualität und von homosexuellen Partnerschaften ein, sie fordern eine positive Bewertung für das „breite Spektrum sexueller Beziehungen unterschiedlicher Intensität und Ausdrucksformen“, sie fordern die Akzeptanz von künstlichen Verhütungsmitteln usw. Diese Forderungen finden sich in einem Positionspapier mit dem Namen „Sexualität als lebenspendende Kraft“, was schon vieles über die Gesinnung der Autoren sagt.
Auch ihre Auffassung von Familie unterscheidet sich kaum noch von jener der Gender-Ideologen: „Ehrlich bemühte Christinnen und Christen in Sachen Familie und Partnerschaften finden sich in unterschiedlichen Lebens? und Familienformen: gut gelebte Ehen mit und ohne Kinder, gescheiterte Ehen und Partnerschaften, gelingende zweite Ehen, alleinerziehende Mütter und Väter, Patchwork?Familien, homosexuelle Partnerschaften mit und ohne Kinder, Singles in familienähnlichen Netzwerken…“
„Wir sind Kirche“ beschränkt sich aber nicht bloß darauf, Forderungen zu stellen und Arbeitspapiere zu redigieren. Sie will in allen Ebenen aktiv werden, um eine revolutionäre Kirche einzurichten. Eine Liste mit fast zwanzig „Aktionsmöglichkeiten vor Ort“ erklärt den Anhängern, wie sie die Ansichten der Bewegung bekannt machen können. Ein „Synoden-Fahrplan“ erläutert die wichtigsten Etappen bis zur Synode und koordiniert die bundesweiten Aktivitäten, um die größtmögliche Wirkung zu erreichen.

Die Hirten jagen den Wolf nicht fort

Kurz: „Wir sind Kirche“ hat eine regelrechte Kampagne organisiert mit dem Ziel, die sexuelle Revolution in der Familiensynode 2015 in die katholische Kirche einzuführen.
Diese Bewegung steht in Deutschland natürlich nicht alleine da. Eine Schar von subventionierten Theologen leistet die intellektuelle Vorarbeit, um die katholische Ehe- und Sexualmoral zu demontieren. Sie publizieren in renommierten Verlagen wie Herder oder Patmos (eine Auswahl hier). In ihren Schriften werden so gut wie alle Thesen der sexuellen Revolution in theologischer Sprache wiedergegeben, inklusive der letzten Ausprägungen der Gender-Ideologie. Die Aktivisten von „Wir sind Kirche“ brauchen diese Bücher nur zu lesen, um genügend Argumente für ihren Propagandafeldzug zu sammeln. Kurz: In Deutschland existiert eine gut geölte Maschinerie zur Zerstörung essentieller Bereiche des katholischen Lehramtes.
Fast unnötig zu sagen, dass wenige im deutschen Episkopat den unverschämten Forderungen von „Wir sind Kirche“ widersprechen. Viele unterstützen sogar die Implementierung von Kardinal Kaspers Vorstellungen zur Familienpastoral. Dass diese schon mehrmals widerlegt wurden, unter anderem durch Kardinal Ratzinger, als er noch Glaubenspräfekt war, spielt keine Rolle. Auf Biegen und Brechen wollen die Progressisten die katholische Kirche dem modernen Zeitgeist anpassen. Diese Situation ist natürlich nicht neu. Neu ist allerdings die Entschlossenheit, mit der man die katholische Ehe- und Sexualmoral über Bord werfen will.

Glaubenstreue Katholiken aus Polen, Kroatien und Afrika stützen uns

Dass in Deutschland die katholische Kirche nicht schon längst einen Sonderweg eingeschlagen hat, ist maßgeblich in Deutschland lebenden Gläubigen aus Kroatien, Polen oder Afrika zu verdanken. Ohne diese Katholiken würde vielerorts, vor allem in Großstädten, überhaupt kein Glaubensleben mehr existieren. Zudem werden sie immer aktiver und mischen sich inzwischen auch in kirchenpolitische Angelegenheiten ein. Der hierzulande noch herrschende Laien- und Rätekatholizismus von Reformkatholiken, der in den entscheidenden Ämtern sitzt und über großzügige finanzielle Mittel verfügt, bekommt allmählich Konkurrenz.
Hoffnung für die katholische Kirche in Deutschland kommt aus Ländern und Regionen, in denen der Glaube noch nicht so stark verdunstet wie bei uns: Polen, Asien, Afrika. Von dort sowie aus den USA kam bei der Familiensynode im Oktober 2014 der größte Widerstand gegen die Demontage der Ehe- und Sexualmoral. Treibende Kraft war ein Teil des deutschen Episkopats, der sich den Thesen Kardinal Kaspers anschloss.
Aber Hoffnung kommt auch von deutschen Katholiken selbst. Lange Zeit haben sie es zugelassen, dass sich der linksliberale moderne Geist in der Kirche ausbreitet. Doch auch diese Katholiken werden aktiver und organisieren sich.


Mariens Herz wird triumphieren

Wie diese Auseinandersetzung ausgehen wird, ist noch ungewiss. Eines ist sicher: Die katholische Kirche in Deutschland geht turbulenten Zeiten entgegen. „Doch am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren“ hat die Gottesmutter in Fatima versprochen. O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu Dir unsere Zuflucht nehmen!

Aus „Junge Freiheit“ vom 20.01.2015