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Dienstag, 7. April 2026

Christus erscheint seiner Mutter

 


Maria ist gekleidet wie eine Nonne: Das Weiß ihres Schleiers ist Symbol ihrer Reinheit und das Blau ihres Mantels ist Symbol für den Himmel, ist sie doch die Himmelskönigin.

Als ihr Christus erscheint, geht sie vor ihm in die Knie. Ihr Sohn trägt einen roten Umhang, Symbol für Liebe und Blut und zeigt ihr, wie später dem Apostel Thomas, seine Wundmale. Maria schaut noch leicht zweifelnd und hält ihm erschrocken, leicht abwehrend, ihre offenen Hände entgegen. Sie will ihn nicht berühren, wie es kurz vorher Maria Magdalena wollte (Noli me tangere!).

Die Begegnung findet am Eingang einer gotischen Kirche statt. Am Eingangspfeiler rechts erkennt man die Figur des hl, Paulus mit Schwert unter einem Baldachin und darüber, nicht mehr ganz sichtbar, die „Verkündigung“. Auf der anderen Eingangsseite steht Johannes Baptist mit Lamm auf einem Sockel und in der Ecke links oben ist Pfingsten dargestellt.

Im Hintergrund sieht man, wie Christus aus dem Grab steigt. Um das Grab liegen drei Wächter und dahinter zeigt sich ein weiß gekleideter Engel. Links davon erkennt man drei Frauen, welche am Ostermorgen zum Grab gehen.

Der Maler dieses Bildes ist wohl der flandrische Maler Rogier van der Weyden (1400 -1464). Manche schreiben dieses Bild auch seinem Landsmann Juan de Flandres (um 1465 -1519) zu. Das Bild ist in Zentralperspektive gearbeitet, wobei der Fluchtpunkt sehr hoch liegt. Durch diese Perspektive und die extreme Verkleinerung der rückwärtigen „Auferstehung“ versucht der Maler dem Bild Tiefe zu geben. Allein es fehlt der Übergang:

Der Vordergrund geht bis zur rückwärtigen Tür und dann beginnt übergangslos der Hintergrund.

A. Epple

 

Quelle: Der Fels, Titelbild April 2020.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion:
Hubert.Gindert@der–fels.de

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Sonntag, 12. April 2020

„Noli me tangere“



Martin Schongauer (um 1445/50 – 1491) sollte auf einem Altarbild für die Dominikaner in Colmar das von Christus gesprochene Wort „noli me tangere“ (Joh 20,17) darstellen. Wie er dies durch drei Hände malt, macht dieses Bild zu einem Meisterwerk: In dem Moment, in dem Magdalena mit beiden Händen nach Christus Hand greifen will, entzieht sich dieser ihrem Zugriff und streckt, ein altes Abwehrzeichen, den Mittelfinger seiner rechten Hand vor. Magdalena erkennt, dass er nicht der Gärtner, der oft mit einer Schaufel abgebildet wird, ist, sondern, dass er der Auferstandene mit der Siegesfahne ist (Jo 20,13-15)
Es ist der Ostermorgen. Vor Magdalena steht ein Salbgefäß. Sie ist durch das noch offene Tor gekommen, um den vermeintlich Toten Jesus zu balsamieren. Es ist im Frühling. Der Baum treibt aus. In diesem sitzen schon die Vögel, wohl ein Distelfink und ein Kreuzschnabel, Symbole für Christus. Ostern brachte aber die Natur durcheinander: Am erst ergrünenden Baum wachsen schon Äpfel und am Strauch hinter Christus schon Rosen. Die Gartensituation und der Baum deuten aber auch auf das Paradies hin und beziehen sich auf 1 Kor 15,20-22.
Beeindruckend ist auch die volle, aufeinander abgestimmte Farbigkeit des Bildes. Da ist das Rot des Umhanges von Christus. Diese wird im Mantelsaum von Magdalena wieder aufgegriffen und schafft so eine farbliche Beziehung zwischen beiden. Da sticht das Unschulds-Weiß des Mantels der Magdalena, die früher eine Sünderin war, hervor. Das Gelb ihres Kleides wird zum Braungelb der Gartenpforte und schließlich zum Goldgelb des Himmels und zum Dunkelbraun des Baumstammes und des Weidenzaunes. Und alles liegt auf der Mischfarbe Grün des Grases und der Blätter.

Quelle: Der Fels, Titelbild April 2019.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

Sonntag, 1. April 2018

Zu Ostern



Ein neuer Morgen ist der Welt aufgegangen, strahlend und unberührt wie der erste Schöpfungsmorgen. Die Sonne der göttlichen Huld leuchtet wieder über der Erde. Schon am Feste der Menschwerdung sahen wir den "Aufgang aus der Höhe." Christus erschien als die Gnadensonne des Vaters. Aber noch hüllte sie ihren Glanz in die bergende Wolke der demütigen Menschheit. Am Fest der Epiphanie und am Verklärungssonntag sahen wir sie hell aufleuchten. Aber während der großen Leidenswoche schien sie zu versinken im Meer der Leiden, im Abgrund des Todes. Heute erhebt sie sich aus den Wassern der Passion, aus den Wolken höllischer Anfeindung. Strahlend steigt sie zur Höhe empor, endgültig und für immer die Erde segnend und beherrschend.
Es ist Tag geworden auf Erden - „Abend und Morgen, der erste Tag“ (Gen. 1,5). Und wirklich der erste, denn sie kamen am ersten Wochentage in aller Frühe zum Grabe, als die Sonne eben aufgegangen war“, (Benedictus-Antiphon der Osternacht). Der erste Tag und zugleich der achte, nach dem siebten, dem Sabbat. Der achte Tag, der über die irdische Zeit und die sieben Tage der ersten Schöpfung hinausgeht, - der Anbruch einer neuen Zeit, die nicht mehr gezählt und gemessen werden kann, der Anfang der Ewigkeit.
Das ist der geheimnisvolle Tag, den wir erwarten, dem wir entgegenleben in dieser Zeit. Heute hat er begonnen; heute ist er aufgegangen. Wir stehen mitten darin; nur unsere Augen sind zu schwach, als dass wir seinen vollen Glanz schauen könnten. Aber wir fühlen seine Wärme in unserem Blut; wir leben von seinem Licht. Eben ist die Sonne aufgegangen - Christus ist auferstanden. "Christus ist die wahre Sonne und der wahre Tag", sagt der heilige Cyprian und führt als Beweis jene Stelle des 117. Psalms an, die als erster Vers des Graduale während der ganzen Osterwoche nicht von den jubelnden Lippen der Kirche weicht: „Haec dies, quam fecit Dominus: exsultemus et laetemur in ea.“ – „Das ist der Tag, den der Herr uns gemacht hat! Jubeln wollen wir und uns freuen an ihm!“ (Ps. 117,24)
„Christus ist unser Tag. In seinem Lichte sehen wir das Licht“ (Ps. 35,10). „Wunderbar ist deine liebende Schau, dein liebendes Erkennen geworden“ (Ps.  138,6), spricht der Vater zum verklärten Christus. Der auferstandene Herr schaut den Vater, ruht in ihm. Das ist letztes Erkennen, Erfassen Gottes. Ein Erkennen nicht durch Überlegung des Verstandes, durch menschliches Wissen; ein Erkennen über allem menschlichen Erkennen und Wissen: Schau. Christus, der Tag, ist wesenhaft eins mit dem göttlichen Lichte.
Nur der Sohn sieht den Vater, wie er ist. Aber nun sind unsere Augen klar geworden von dem neuen Tag, der in Christus uns aufgeleuchtet ist. Im hellen Lichte dieses Tages schauen wir das Urlicht. Vollkommen wird die Schau erst im Jenseits, wenn auch wir ganz verklärt, ganz Tag geworden sind wie Christus. Aber begonnen hat sie mit der Auferstehung des Herrn. Bevor der Sohn kam, vermochte niemand den Vater zu erkennen. Jetzt ist der Tag selbst, Gottes Licht in den Menschen eingetreten. In seinem Licht sieht er das Licht. Wunderbar ist die Erkenntnis Gottes geworden in der Welt. „Wunderbar ist deine Erkenntnis geworden“, spricht die Kirche zu ihrem auferstandenen Herrn und zugleich zu jedem ihrer Kinder, das in Christus auferstanden ist zu neuem, gottschauendem Leben.
Wenn der Tag aufgeht, ist er Gericht für die Nacht. Die Finsternis flieht vor dem Licht. So ist auch Christus, der Tag, Gericht für die Welt, die die Finsternis mehr geliebt hat als das Licht (Joh 3,19). Gerichtet ist die Welt, gerichtet ist der Teufel. Aus dem Dunkel kam die alte Schlange und wollte Krieg führen gegen den Herrn des neuen Lichtes. Heute ist sie gerichtet. Der "Nachkomme der Frau" hat der Schlange den Kopf zertreten; besiegt taumelt sie zurück in ihre Finsternis. „Die Erde bebte und ward stumm, da Gott zum Gerichte aufstand“ (Offertorium, Ps. 75,9-10).
„Vom Tode zum Leben und von der Erde zum Himmel hat uns Christus, unser Gott, hinübergeleitet, und wir singen das Lied seines Sieges“ (aus der griechischen Liturgie).
„Das Lamm erlöste die Schafe; mit dem Vater versöhnte, Christus, der Reine, alle die Sünder“ (Ostersequenz).


P. Klaus Gorges FSSP, Ostern 2008

Freitag, 28. April 2017

„Er ist auferstanden...“



Das Bild ist eine Illustration des Gengenbacher Evangeliars. Es wurde Mitte des 12. Jahrhunderts, also in der Romanik, gemalt. Es ist Bedeutungsmalerei und keine naturalistische Malerei. Die Farbgebung und die Größe der Personen richten sich nach ihrer Bedeutung und nicht nach der Perspektive und der Natur.
Der obere Teil des Bildes bezieht sich auf Mk 16. Drei Frauen kommen mit ihren Spezereien zum leeren Grab und sehen dort einen Jüngling zur Rechten (vom Betrachter aus) sitzen. Auch unter dem Kreuz standen nach Johannes drei Frauen (Joh 19, 25). Besonders die mittlere Frau mit ihrem Weihrauchfass erinnert daran, dass die Magier aus dem Morgenland dem Neugeborenen drei Geschenke brachten, darunter, wie hier, Weihrauch und Myrrhe, welche zur Einbalsamierung eines Toten benötigt wurde.
Im unteren Drittel sieht man die Wache, welche Pilatus auf Verlangen der Juden vor dem Grab aufstellen ließ (Mt 27, 62 - 66). Die vier (!) Soldaten sind kleiner als die drei Frauen, da sie biblisch weniger Bedeutung haben. Sie sind zwar bewaffnet schlafen aber. Drei Soldaten haben Stöcke mit Ballen in ihren Händen. Ich deute diese als Fackeln, die erloschen sind. Die Nacht ist nämlich vergangen und oben erstrahlt, im Goldglanz des Hintergrundhimmels, der Ostermorgen, der erste Tag der Woche, an welchem Christus von den Toten auferstanden ist. AE 

(Titelbild DER FELS April 2015)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Sonntag, 27. März 2016

Zu Ostern


Ein neuer Morgen ist der Welt aufgegangen, strahlend und unberührt wie der erste Schöpfungsmorgen. Die Sonne der göttlichen Huld leuchtet wieder über der Erde. Schon am Feste der Menschwerdung sahen wir den „Aufgang aus der Höhe“. Christus erschien als die Gnadensonne des Vaters. Aber noch hüllte sie ihren Glanz in die bergende Wolke der demütigen Menschheit. Am Fest der Epiphanie und am Verklärungssonntag sahen wir sie hell aufleuchten. Aber während der großen Leidenswoche schien sie zu versinken im Meer der Leiden, im Abgrund des Todes. Heute erhebt sie sich aus den Wassern der Passion, aus den dunklen Wolken höllischer Anfeindung. Strahlend steigt sie zur Höhe empor, endgültig und für immer die Erde segnend und beherrschend.

Es ist Tag geworden auf Erden — „Abend und Morgen, der erste Tag“ (Gen. 1,5). Und wirklich der erste, denn „sie kamen am ersten Wochentage in aller Frühe zum Grabe, als die Sonne eben aufgegangen war“, (Benedictus-Antiphon der Osternacht). Der erste Tag und zugleich der achte, nach dem siebten, dem Sabbat. Der achte Tag, der über die irdische Zeit und die sieben Tage der ersten Schöpfung hinausgeht, - der Anbruch einer neuen Zeit, die nicht mehr gezählt und gemessen werden kann, der Anfang der Ewigkeit.

Das ist der geheimnisvolle Tag, den wir erwarten, dem wir entgegenleben in dieser Zeit. Heute hat er begonnnen; heute ist er aufgegangen. Wir stehen mitten darin; nur unsere Augen sind zu schwach, als dass wir seinen vollen Glanz schauen könnten. Aber wir fühlen seine Wärme in unserem Blut; wir leben von seinem Licht. Eben ist die Sonne aufgegangen - Christus ist auferstanden. „Christus ist die wahre Sonne und der wahre Tag“, sagt der heilige Cyprian und führt als Beweis jene Stelle des 117. Psalms an, die als erster Vers des Graduale während der ganzen Osterwoche nicht von den jubelnden Lippen der Kirche weicht: „Haec dies, quam fecit Dominus: exsultemus et laetemur in ea.“ – „Dies ist der Tag, den der Herr uns gemacht hat! Jubeln wollen wir und uns freuen an ihm!“ (Ps. 117,24)

„Christus ist unser Tag. In seinem Lichte sehen wir das Licht“ (Ps. 35,10). „Wunderbar ist deine liebende Schau, dein liebendes Erkennen geworden“ (Ps.  138,6), spricht der Vater zum verklärten Christus. Der auferstandene Herr schaut den Vater, ruht in ihm. Das ist letztes Erkennen, Erfassen Gottes. Ein Erkennen nicht durch Überlegung des Verstandes, durch menschliches Wissen; ein Erkennen über allem menschlichen Erkennen und Wissen: Schau! Christus, der Tag, ist wesenhaft eins mit dem göttlichen Lichte.

Nur der Sohn sieht den Vater, wie er ist. Aber nun sind unsere Augen klar geworden von dem neuen Tag, der in Christus uns aufgeleuchtet ist. Im hellen Lichte dieses Tages schauen wir das Urlicht. Vollkommen wird die Schau erst im Jenseits, wenn auch wir ganz verklärt, ganz Tag geworden sind wie Christus. Aber begonnen hat sie mit der Auferstehung des Herrn. Bevor der Sohn kam, vermochte niemand den Vater zu erkennen. Jetzt ist der Tag selbst, Gottes Licht in den Menschen eingetreten. In seinem Licht sieht er das Licht. Wunderbar ist die Erkenntnis Gottes geworden in der Welt. „Wunderbar ist deine Erkenntnis geworden“, spricht die Kirche zu ihrem auferstandenen Herrn und zugleich zu jedem ihrer Kinder, das in Christus auferstanden ist zu neuem, gottschauendem Leben.

Wenn der Tag aufgeht, ist er Gericht für die Nacht. Die Finsternis flieht vor dem Licht. So ist auch Christus, der Tag, Gericht für die Welt, die die Finsternis mehr geliebt hat als das Licht (Joh 3,19). Gerichtet ist die Welt, gerichtet ist der Teufel. Aus dem Dunkel kam die alte Schlange und wollte Krieg führen gegen den Herrn des neuen Lichtes. Heute ist sie gerichtet. Der „Nachkomme der Frau“ hat der Schlange den Kopf zertreten; besiegt taumelt sie zurück in ihre Finsternis. „Die Erde bebte und ward stumm, da Gott zum Gerichte aufstand“ (Offertorium, Ps. 75,9-10).

„Vom Tode zum Leben und von der Erde zum Himmel hat uns Christus, unser Gott, hinübergeleitet, und wir singen das Lied seines Sieges“ (aus der griechischen Liturgie).

„Das Lamm erlöste die Schafe; mit dem Vater versöhnte, Christus, der Reine, alle die Sünder“ (Ostersequenz).


P. Klaus Gorges FSSP, Ostern 2008