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Donnerstag, 15. Juni 2017

Fronleichnam



Fronleichnam – 1891
Paul SCHAD-ROSSA
Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum

Unser Herr Jesus Christus, der im Allerheiligen Sakrament wahrhaftig zugegen ist, wird in der feierlichen Fronleichnamsprozession durch ein kleines Dorf getragen. Er ist ja der erhabenste Freund aller! Er schreitet durch sein Eigentum!

Der Altar wurde mit Blumen geschmückt. Bevor der Priester unter dem Baldachin, der von Honoratioren getragen wird, weitergeht, erteilt er den Segen; alle knien nieder, um ihren Schöpfer und Retter anzubeten.

Junge Mädchen in weißen Kleidern begleiten die Statue der Heiligen Jungfrau, weiter hinten folgt der Rest der Dorfbewohner, die Fahnen und die Statue ihres Schutzpatrons tragen.

Wie ist doch der Fronleichnamstag dem katholischen Volk ans Herz gewachsen! Wie dankbar sind wir unserer Kirche, dass sie uns diesen herrlichen Tag geschenkt hat. Wenn Fronleichnam nicht gefeiert würde, dann fehlte etwas Helles, Feines, Weihevolles im Kirchenjahr und in unserem Leben.

„Es ist ein Stück der Herrlichkeit und ein Grund der inneren Macht der katholischen Kirche, dass sie mit ihren Gottesdiensten und Festen die Kirchenmauern durchbricht, das Heilige hinausträgt in das Leben, mit ihren himmlischen Gesängen das Geräusch der Erde zum Schweigen bringt, sich nicht scheut, den Altar auf der Straße aufzuschlagen.“ So schrieb einst der Protestant Hengstenberg.


(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Juni 2009)

Fronleichnam - Die Kirche geht auf die Straße



„Es ist ein Stück der Herrlichkeit und ein Grund der inneren Macht der katholischen Kirche, daß sie mit ihren Gottesdiensten und Festen die Kirchenmauern durchbricht, das Heilige hinausträgt in das Leben, mit ihren himmlischen Gesängen das Geräusch der Erde zum Schweigen bringt, sich nicht scheut, den Altar auf der Straße aufzuschlagen.“

So schrieb der Protestant Hengstenberg. Und wie er können sich viele Andersgläubige dem innigen Zauber nicht entziehen, der über der Eigenart katholischen Frömmigkeitslebens liegt, in Prozessionen, Bittgängen und Wallfahrten den Dienst Gottes betend und singend aus den engen Kirchenwänden hinauszutragen in die blühende Welt, in Gottes herrliche Schöpfung.

Die Prozessionen sind der laute Ausdruck frommer Begeisterung, der es in den Räumen des Gotteshauses gleichsam zu enge wird und die ihre Empfindungen in die Welt hinausrufen und vor Himmel und Erde ihre Gefühle aussprechen will. Es ist ein tiefes Bedürfnis religiösen Volksempfindens, in öffentlichen Umzügen mit Gesang und Gebet Gott zu danken, seinen Segen herabzuflehen oder seiner Majestät Sühne zu tun. Wie sehr die Prozessionen dem Bedürfnis des frommen Volkes entsprechen, und mit welcher Liebe es an ihnen hängt, zeigte sich deutlich in jüngerer Zeit, als die Kirche sich genötigt sah, gegen gewisse Ausartungen im Prozessionswesen einzuschreiten. Die Verbote, die erlassen werden mußten, wurden als gewaltsame Eingriffe in althergebrachtes Brauchtum vielfach unbeachtet gelassen oder es wurde ihnen entschiedener Widerstand entgegengesetzt. Wie groß z. B. die Prozessionsfreudigkeit des westfälischen Volkes war, ergibt sich aus einem Brief, den der Pfarrer von Thüle bei Paderborn 1783 an seine bischöfliche Behörde richtete. Darin erklärte er im Anschluß an seinen Bericht über die zahlreichen, in seiner Pfarrei üblichen Prozessionen, „daß die Pfarrgenossen gar zu grob eigensinnig an diesen Prozessionen halten, da sie selbe auch bey allerschlechtigstem Wetter ausgeführt wissen wollen; also daß dieselben auch ohne Beysein des Pfarrers lauffen würden, wie ich in den ersten Jahren meines Hierseyns schon einmal habe erfahren müssen.“

Die Kirche hat, von Verboten, die durch Mißstände veranlaßt waren, abgesehen, die Freude des Volkes an Prozessionen liebevoll gefördert. Sah sie doch in den Prozessionen ein öffentliches Bekenntnis der Sieghaftigkeit des katholischen Glaubens, einen Feierlichen Lobpreis und Dank gegen Gott, ein durch die Macht der Gemeinsamkeit besonders wirksames Bitten um Segen und Sühne der Schuld.

Hochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament des Altares,
von nun an bis in Ewigkeit!

Die Berechtigung der Prozessionen ergibt sich aus dem Leben Jesu. Er zog selbst am Palmsonntag in feierlicher Prozession in Jerusalem ein. Seit jenen Tagen drängt es auch die Christen zu öffentlichem Glaubensbekenntnis aus den Häusern und Kirchen hinaus ins Freie. Die glanzvollste aller Prozessionen ist die Fronleichnamsprozession.

Quelle: Alphons Maria Rathgeber, „Kirche und Leben“ – Ein Buch von der Schönheit und Segenskraft der Kirche. Verlag Albert Pröpster, Kempten im Allgäu 1956

Mittwoch, 14. Juni 2017

Am Fronleichnamsmorgen


Am Fronleichnamsmorgen, 1857 
Ferdinand Georg Waldmüller, © Wienmuseum

Um Unseren Herrn Jesus Christus, der wahrhaft in der Eucharistie zugegen ist, öffentlich zu feiern, zieht die Fronleichnamsprozession durch die Straßen. Die Geistlichkeit trägt das Heiligste Sakrament, gefolgt von den Honoratioren und dem ganzen Volk.
Die Junisonne beleuchtet diesen strahlenden Morgen. Im Hof bereiten sich die Kinder, die auserwählt wurden, an der Zeremonie teilzunehmen, darauf vor, sich dem Zug anzuschließen. Die Mädchen sind weißgekleidet, sie tragen eine Blumenkrone und halten in der Hand eine Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit.
Nicht alle können an der Zeremonie teilnehmen, was Tränen verursacht. Glückliche Zeiten, in denen die Kinder so zahlreich waren! Alle werden sich entlang des Festzuges aufstellen, um die Monstranz unter dem Baldachin zu sehen und das Knie vor dem Lieben Gott zu beugen, der feierlich durch die Straßen getragen wird.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Juni 2008)