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Dienstag, 19. April 2022

Christus erscheint seiner Mutter

 

 

Maria ist gekleidet wie eine Nonne: Das Weiß ihres Schleiers ist Symbol ihrer Reinheit und das Blau ihres Mantels ist Symbol für den Himmel, ist sie doch die Himmelskönigin.

Als ihr Christus erscheint, geht sie vor ihm in die Knie. Ihr Sohn trägt einen roten Umhang, Symbol für Liebe und Blut und zeigt ihr, wie später dem Apostel Thomas, seine Wundmale. Maria schaut noch leicht zweifelnd und hält ihm erschrocken, leicht abwehrend, ihre offenen Hände entgegen. Sie will ihn nicht berühren, wie es kurz vorher Maria Magdalena wollte (Noli me tangere!).

Die Begegnung findet am Eingang einer gotischen Kirche statt. Am Eingangspfeiler rechts erkennt man die Figur des hl, Paulus mit Schwert unter einem Baldachin und darüber, nicht mehr ganz sichtbar, die „Verkündigung“. Auf der anderen Eingangsseite steht Johannes Bapt. mit Lamm auf einem Sockel und in der Ecke links oben ist Pfingsten dargestellt.

Im Hintergrund sieht man, wie Christus aus dem Grab steigt. Um das Grab liegen drei Wächter und dahinter zeigt sich ein weiß gekleideter Engel. Links davon erkennt man drei Frauen, welche am Ostermorgen zum Grab gehen.

Der Maler dieses Bildes ist wohl der flandrische Maler Rogier van der Weyden (1400 -1464). Manche schreiben dieses Bild auch seinem Landsmann Juan de Flandes (um 1465 -1519) zu. Das Bild ist in Zentralperspektive gearbeitet, wobei der Fluchtpunkt sehr hoch liegt. Durch diese Perspektive und die extreme Verkleinerung der rückwärtigen „Auferstehung“ versucht der Maler dem Bild Tiefe zu geben. Allein es fehlt der Übergang:

Der Vordergrund geht bis zur rückwärtigen Tür und dann beginnt übergangslos der Hintergrund. A. Epple

 

Quelle: Der Fels, Titelbild April 2020.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet. www.r-gr.blogspot.com


Sonntag, 12. April 2020

„Noli me tangere“



Martin Schongauer (um 1445/50 – 1491) sollte auf einem Altarbild für die Dominikaner in Colmar das von Christus gesprochene Wort „noli me tangere“ (Joh 20,17) darstellen. Wie er dies durch drei Hände malt, macht dieses Bild zu einem Meisterwerk: In dem Moment, in dem Magdalena mit beiden Händen nach Christus Hand greifen will, entzieht sich dieser ihrem Zugriff und streckt, ein altes Abwehrzeichen, den Mittelfinger seiner rechten Hand vor. Magdalena erkennt, dass er nicht der Gärtner, der oft mit einer Schaufel abgebildet wird, ist, sondern, dass er der Auferstandene mit der Siegesfahne ist (Jo 20,13-15)
Es ist der Ostermorgen. Vor Magdalena steht ein Salbgefäß. Sie ist durch das noch offene Tor gekommen, um den vermeintlich Toten Jesus zu balsamieren. Es ist im Frühling. Der Baum treibt aus. In diesem sitzen schon die Vögel, wohl ein Distelfink und ein Kreuzschnabel, Symbole für Christus. Ostern brachte aber die Natur durcheinander: Am erst ergrünenden Baum wachsen schon Äpfel und am Strauch hinter Christus schon Rosen. Die Gartensituation und der Baum deuten aber auch auf das Paradies hin und beziehen sich auf 1 Kor 15,20-22.
Beeindruckend ist auch die volle, aufeinander abgestimmte Farbigkeit des Bildes. Da ist das Rot des Umhanges von Christus. Diese wird im Mantelsaum von Magdalena wieder aufgegriffen und schafft so eine farbliche Beziehung zwischen beiden. Da sticht das Unschulds-Weiß des Mantels der Magdalena, die früher eine Sünderin war, hervor. Das Gelb ihres Kleides wird zum Braungelb der Gartenpforte und schließlich zum Goldgelb des Himmels und zum Dunkelbraun des Baumstammes und des Weidenzaunes. Und alles liegt auf der Mischfarbe Grün des Grases und der Blätter.

Quelle: Der Fels, Titelbild April 2019.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

Samstag, 12. Mai 2018

Der Adler in der katholischen Symbolik


Wie der Adler sich in die Lüfte erhebt, so steht Christus glorreich von den Toten auf und fährt zum Himmel empor. Das Adlerpult von Sankt Afra (England 1870) ruht auf achteckigem Sockel, der den ersten Tag der neuen Schöpfung nach den sieben Wochentagen der ersten Schöpfung versinnbildlicht. Dieser verjüngt sich zu einem vierseitigen Pfeiler, in dessen Nischen die vier Evangelisten Gottes Wort in die Himmelsrichtungen verkünden. Auf dem kugelförmigen Welt und Kosmos symbolisierenden Abschluss breitet der Adler seine Schwingen aus: ein Bild für Christus, den siegreichen König, der durch Seinen Opfertod das ewige Leben erwirbt. Ihm ähnlich sind alle, die den alten Menschen in der Taufe und dann in der Erneuerung durch das Bußsakrament begraben. Sie haben teil an der Auferstehung des Herrn.
Wie der Adler seine Jungen beschirmt, so hütet Gott Sein Volk und schenkt ihm Sein Wort. Der Adler ist aber nicht nur ein Bild Gottes, der Sein Volk rettet, und ein Bild Christi, der diese Rettung vollendet. Er ist auch das Attribut des Evangelisten Johannes, dessen Evangelienprolog am Ende jeder Messe auf der Seite des Altares gebetet wird, auf dem nun auch der Adler mit scharfem Auge die Höhe und Tiefe des Geheimnisses des fleischgewordenen Wortes schaut. Der Jünger, der unter dem Kreuz stand und als erster am Grab war, ist rein und stark genug, gleich dem Adler in die Sonne zu schauen. Er sieht und verkündet der Kirche die Herrlichkeit des Auferstandenen „voll der Gnade und Wahrheit — plenum gratiae et Veritatis“.

Probst Gerald Gösche
Institut St. Philipp Neri, Gesellschaft apostolischen Lebens päpstlichen Rechts
Graunstraße 31, l3355 Berlin
Ostern 2016