Posts mit dem Label Chateaubriand werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Chateaubriand werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 5. März 2020

Himmlischer Gesang





»Die Nacht brach an. Da schlug plötzlich, als wir in einer verlassenen Straße zwischen zwei Mauern hindurchgingen, der Klang einer Orgel an unser Ohr, und aus einer Kirche in der Nähe kamen die Worte des Lobgesanges: Laudate Domine, omnes gentes (Lobet den Herrn, alle Völker) Es war gerade die Oktave des heiligen Sakraments (Fronleichnam).
Wir vermögen die Rührung, die der fromme Gesang in uns hervorbrachte, nicht zu beschreiben. Wir glaubten eine Stimme vom Himmel zu hören, die uns rief: „Kleingläubiger Christ, warum gibst du die Hoffnung auf? Glaubst du, ich ändere wie die Menschen meine Pläne? Oder ich verlasse, weil ich Strafe? Statt meine Ratschlüsse anzuklagen, ahme meine treuen Diener nach, die die Schläge meiner Hand segnen noch unter den Trümmern, unter denen ich sie zermalme.“«

Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, Juli 2016

Textquelle: François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 488.


Donnerstag, 10. Januar 2019

Die Verbindung zur Heimat


»Wenn man uns fragt, was denn die starken Bande seien, durch die wir an unsere Geburtsstätte gekettet sind, so hätten wir Mühe zu antworten. Es ist vielleicht das Lächeln einer Mutter, eines Vaters, einer Schwester; es ist vielleicht das Andenken des alten Lehrers, der uns erzogen, oder der Gespielen unserer Kindheit; es ist vielleicht die Sorgfalt, die die Amme, ein alter Diener auf uns gewendet hat; kurz, es sind die einfachsten, wenn man will, kleinlichsten Umstände; wie ein Hund, der nachts auf dem Feld bellte, eine Nachtigall, die jedes Jahr wieder auf das Baumgut kam, das Schwalbennest am Fenster, der Kirchturm, den man über den Bäumen hervorblicken sah, der Eibenbaum des Kirchhofs, das gotische Grabmal: Das ist alles; aber diese kleinen Mittel beweisen nur um so besser die Wirklichkeit einer Vorsehung, da sie nicht die Quelle der Vaterlandsliebe oder der großen Tugenden sein können, die diese Liebe erzeugt, wenn nicht höherer Wille es so geordnet hätte.«


Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, Juni 2016

Textquelle: François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 163
.

Mittwoch, 26. September 2018

Osterfreuden - Der Weiße Sonntag



»Wenn das zwölfte Lebensjahr erreicht ist, und wenn des Jahres Lenz gekommen sind, so vereinigt sich die Jugend mit ihrem Schöpfer. Nachdem sie den Tod des Welterlösers mit Zions Bergen beklagt und der Finsternisse, die die Erde bedeckten, gedacht hat, erhebt sich die Christenheit aus ihrem Schmerz: die Glocken wachen wieder auf, die Heiligen werden entschleiert, der Ruf der Freude, das uralte Halleluja Abrahams und Jakobs widerhallt in den Räumen der Kirchen. Jungfrauen in weißes Linnen gekleidet, und Knaben, mit Zweigen geschmückt, ziehen einher über die Erstlingsblumen des Jahres; sie kommen zum Tempel, neue Lobgesänge anstimmend; ihre Eltern folgen, und bald steigt Christus auf den Altar herab zu diesen zarten Seelen. Das Brot der Engel wird auf die reine Zunge gelegt, die noch keine Lüge befleckt hat, während der Priester in dem reinen Wein das verdienstvolle Blut des Lammes trinkt.«

Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, Mai 2016

Textquelle: François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 41.

Dienstag, 29. Mai 2018

Ehrwürdiges Denkmal



»Ein Denkmal ist nur insoweit ehrwürdig, als eine lange Geschichte der Vergangenheit seinen von Jahrhunderten geschwärzten Gewölben gleichsam eingeprägt ist. Darum gibt es nichts Wunderbares in einem Tempel, den man hat bauen sehen und dessen Echo und Gewölbe sich unter unseren Augen gebildet haben. Gott ist das ewige Gesetz, und sein Ursprung und alles, was mit seiner Verehrung zusammenhängt, muss sich in der Nacht der Zeiten verlieren.«

Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, April 2016

Textquelle: François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 398.

Mittwoch, 16. Mai 2018

Die Glocke bestimmt die Tageszeiten


„Die Arbeit begann und hörte auf beim Klang der Glocke. Man vernahm ihn beim ersten Strahl des Morgengrauens. Sofort versammelten sich die Kinder in der Kirche, wo ihr Morgenkonzert wie das der kleinen Vögel bis zum Sonnenaufgang dauerte. Männer und Frauen besuchten die Messe, von wo aus sie zur Arbeit gingen. Am Ende des Tages rief die Glocke erneut die Bürger an den Altar, und sie sangen das Abendgebet im Doppelchor mit großer Musik.“

Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, März 2016.
Freie Übersetzung des Kalendertextes aus dem Französischen.

Sonntag, 13. Mai 2018

Die Schönheit des Glockenklangs


»Da wir uns nun vorbereiten, in den Tempel einzutreten, sprechen wir zuerst von der Glocke, die uns in den Tempel ruft.
Vor allem scheint uns etwas ganz Wunderbares, dass man ein Mittel gefunden hat, durch einen bloßen Hammerschlag in der selben Minute in tausend verschiedenen Herzen das gleiche Gefühl zu wecken und die Winde und Wolken zu zwingen, sich mit den Gedanken der Menschen zu beladen. Zudem zeichnet sich der Klang der Glocke durch eine Schönheit aus, wie es wenige gibt; sie hat etwas „Großartiges“, wie es die Kunstverständigen heißen. Das Rollen des Donners ist erhaben, und zwar nur, weil es großartig ist. Ebenso verhält es sich mit den Winden, de Meeren, den Wasserfällen und der Stimme eines ganzen Volkes.
Mit welcher Lust hätte Pythagoras, der dem Hammerschlag eines Schmiedes begierig lauschte, am Vorabend eines kirchlichen Festes dem Klang unserer Glocken zugehört! Die Seele kann von den Tönen einer Leier gerührt werden, aber sie wird nicht von Begeisterung ergriffen, wie wenn der Donner der Schlachten sie aufweckt, oder wenn ein dumpfes Geläut bis zu den Wolken empor die Triumphe des Gottes der Schlachten verkündet.«


Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, Februar 2016

Textquelle: François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 503.

Mittwoch, 25. April 2018

Der Kirchturm



»Kommt euch eine Landschaft nackt, traurig, öde vor, setzt einen Kirchturm hinein, und im Augenblick wird sich alles beleben: Die lieblichen Vorstellungen vom Hirten und der Herde, von einer Zuflucht für den Wanderer, von Almosen für den Pilger, von christlicher Gastfreundschaft und Brüderschaft treten von allen Seiten plötzlich ins Leben.«

Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, Januar 2016

Textquelle: François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 395.