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Montag, 26. September 2016

Die Gabe der Andacht - Donum Pietatis



Heute übersetzt man die Gabe der Andacht auch mit „Gabe der Frömmigkeit“.
Thomas von Aquin sieht in dieser Gabe vornehmlich die „Gottesverehrung“. Sie schützt vor Gottvergessenheit, vor Gleichgültigkeit gegenüber Gott.
Sie ist aber auch Dienst am geistlichen Wohl des Mitmenschen. Sie macht das Herz milde, nimmt ihm die Härte gegenüber dem Nächsten. Ein frommer Mensch ist nicht gleichgültig gegenüber seinem Nächsten. Deshalb entspricht dieser Geistesgabe nach dem hl. Bonaventura der Vater-unser-Bitte „zu uns komme Dein Reich“.
Die Personifikation dieser Gabe des hl. Geistes befindet sich in einem Tempel. Auf einen Säulenstumpf rechts steht eine Schale, in welcher Gott ein Brandopfer dargebracht wird. Dies erinnert an alttestamentliche Frömmigkeit, angefangen beim Opfer Abels bis zu den ausführlichen Opferbeschreibungen in 4. Mose. Demgegenüber hat die Personifikation dieser Geistesgabe eine brennende Flamme in der rechten Hand. Dies bezieht sich wohl auf Hebr. 10.
Das alttestamentliche Brandopfer ist durch das Opfer Christi abgelöst worden. An einer Stelle heißt es da: „Zeuge ist uns aber auch der Heilige Geist … Ich werde meine Gesetze in ihre Herzen legen und sie in ihr Inneres schreiben.“ Die lodernde Flamme in der Hand meint aber auch, das aus Liebe brennende Herz für Gott und ist ein gängiges Bild für inbrünstiges Beten. Die Personifikation der Gabe der Andacht ist in ein Faltenreiches Gewand gehüllt, ihr Haupt wird von einem Schleier bedeckt. Hier ist wohl an 1. Korinther zu denken, wo es u.a. heißt: „Denn wenn eine Frau sich nicht verhüllt, so mag sie sich gleich die Haare abschneiden lassen; gilt es aber für die Schande, sich die Haare abschneiden oder kahlscheren zu lassen, so verhülle sie ihr Haupt.“ Mit der linken presst die Personifikation ein Buch an ihre Brust, wohl die Bibel.
Die Personifikation ist barfüßig. Dies ist ein Zeichen, dass sie sich in einem Tempel, auf heiligen Boden, befindet. Auch Moses musste seine Schuhe auf heiligem Boden ausziehen (2. Mose 3,5). Die Barfüßige kniet mit dem linken Bein auf einem umgestürzten Opferaltar. Dieser ist geschmückt mit drei Köpfen der Venus heiliger Böcke. Darunter liegt Amors Köcher voller Pfeile. Als Schild für das Planetenzeichen der Venus (Kreis mit Kreuz nach unten), der Göttin der sinnlichen Lust, dient ein von einem Pfeil durchbohrtes, flammendes Herz, eine ewigjunge Bildchiffre für durch Amors Pfeil entfachte Liebe. Wir sehen auf dem Bild also zwei kleine Flammen: Einmal unten die Flamme aus dem Herzen, entfacht durch Amor, im Zeichen der Venus. Sie symbolisiert das erotische verlangen. Zweitens die Flamme in der Hand der Personifikation der Andacht. Sie stellt das brennende Verlangen nach Gott dar. Beide Flammen zeigen den Gegensatz zwischen irdischer und himmlischer Liebe. Auch der untere Bildtext spielt auf diese gegensätzliche Liebe an: Das Herz das Andacht liebt, beschützt der hl. Geist vor dem Venusfeuer.
Der hl. Bonaventura verfasste ein Gebet um die sieben Geistesgaben. In der Strophe über dir Frömmigkeit erwähnt er ebenfalls die brennende Liebe zu Gott. Sie lautet: „O himmlischer Vater, durch Deinen eingeborenen Sohn flehen wir zu Dir, sende uns den Heiligen Geist mit den siebenfachen Gaben … den Geist der Frömmigkeit, damit unsere Herzen in heiliger Liebe und wahrer Andacht erglühen und in der völligen Hingabe an Dich, o Gott, den ersehnten Frieden finden … Amen“  —  AE

Quelle: Der Fels – 46. Jahr – September/Oktober 2015
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering

HubertGindert@der-fels.de

Montag, 16. Mai 2016

Die Früchte des Heiligen Geistes


Neben den sieben Gaben gibt es auch noch zwölf Früchte des Hl. Geistes. Paulus schreibt: „Die Frucht des [Hl.] Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde (Freundlichkeit), Güte, Treue (Glaube), Sanftmut (Mäßigkeit), Enthaltsamkeit (Keuschheit)“ (Gal. 5, 22, 23). Nach Paulus stehen diese im Gegensatz zu den Werken des Fleisches (Gal. 5, 19 – 21). Diese neun Früchte wurden im Laufe der Zeit zu zwölf Früchten ergänzt. So heißt es heute im KKK 1832:  „Die Früchte des Geistes sind Vollkommenheiten, die der Heilige Geist in uns als die Erstlingsfrüchte der ewigen Herrlichkeit hervorbringt. Die Überlieferung der Kirche zählt deren zwölf auf: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmut, treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit.“
Die Tradition erweiterte also die paulinische Liste. Nach Thomas von Aquin (um 1225 – 1274) bewirken diese Früchte eine delectatio (Lust), die dem Christen die Gewissheit gibt, auf der via perfectionis zu sein. Petrus Canisius (1521 – 1597) schreibt in seinem Katechismus, dass die Gaben des Hl. Geistes die guten Bäume sind, gepflanzt auf dem Acker der Kirche, auf denen die Früchte des Hl. Geistes wachsen. Canisius erinnert in diesem Zusammenhang an Bibelwort:  „An ihren Früchten [des Hl. Geistes] sollt ihr sie erkennen“ (Mt. 7, 20).

Der Augsburger Barockmaler und Kupferstecher Johann Georg Bergmüller (1685 – 1762 entwarf, stach und brachte nach 1739 im Eigenvertrag die siebenblättrige Kupferstichserie „Die 12 Tugenden oder Früchte des Hl. Geistes“ heraus. Die Serie beginnt mit diesem Titelblatt. In der Mitte oben erkennt man vor einem Kreis, in welchem ein gleichseitiges Dreieck eingeschrieben ist, die Hl.-Geist-Taube. Hier ist der Kreis Symbol der Unendlichkeit Gottes, da er keinen Anfang und kein Ende hat. Das gleichseitige Dreieck ist Zeichen für die Dreifaltigkeit.  Das Eingeschriebensein bedeutet: „Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Zum Symbol für Gott geht ein Strahlenkranz aus. Seitlich verschwinden diese hellen Strahlen hinter dunklen Wolken. Dieser Hell-Dunkel-Kontrast gibt dem oberen Stichteil Tiefe und hebt das göttliche Zentrum hervor. Zwischen den Strahlen, die nach unten scheinen, sieht man paarweise angeordnet, zwölf Feuerzungen. In der Bibel heißt es beim Pfingstereignis: „Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen … Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geiste erfüllt ...“ (Apg. 2, 2 – 4). Mit dieser Symbolik will der Kupferstecher wohl zweierlei ausdrücken: Auch die oben genannten Früchte gehen, wie die Gaben, vom Heiligen Geist aus. Die zwölf Feuerzungen könnten die weitere Bedeutung haben, dass sich der Hl. Geist an Pfingsten besonders auf die zwölf Apostel niederließ. Auf einem drapierten Vorhang sind die „Tugenden“ bzw. „Früchte“ aufgeschrieben und zwar auf Latein und auf Deutsch. Der Titel auf Latein lautet: „XII Virtutes Spiritu Sancti Galat: V. 22, 23“. Damit wird die gebildete Geistlichkeit mit Lateinkenntnissen angesprochen. Deshalb steht hier auch der Hinweis, dass ich die „Tugenden des Hl. Geistes“ von Paulus herleiten. Der Titel auf Deutsch lautet: „Die 12 Tugenden od: Früchten des Hl. Geistes in 6 blat vorgestellet“. Auf Deutsch wendet sich der Verleger hauptsächlich an mehr oder weniger gebildete Maler. Diesen meist hervorragenden Künstlern fehlten oft die Kenntnisse von Symbolen, um abstrakte Begriffe darzustellen. Sie waren deshalb eine wichtige  Käuferschicht für solche Stichserien. Hier erfahren sie nun gleich auf dem Titelblatt, um was es sich bei dieser Serie handelt. Deshalb steht unten auch die Bezugsquelle dieser Serie („in Verlag alda“) und dass der Entwerfer und Stecher dieser Serie bedeutend ist („Hochfürstl. Cabinet- und Hof-Mahler“) AE

Quelle: Der Fels – Dezember 2015, S. 352
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de