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Mittwoch, 17. Dezember 2014

„Göttliches Kind, ich bete dich an.“


Die Verehrung des göttlichen Kindes

„Als sie den Stern sahen,
empfanden sie eine
überaus große Freude.

Sie traten in das Haus
und sahen das Kind
mit Maria, seiner Mutter.

Sie fielen nieder
und huldigten ihm.“

(Mt 2, 10-11)

In der biblischen Zeit

Die liebevolle Verehrung des göttlichen Kindes begann schon bei seiner Geburt. Die innigsten und aufopferndsten Verehrer des Jesuskindes waren zweifellos seine jungfräuliche Mutter Maria und sein Nährvater Josef. Wie zart und liebevoll, ehrfürchtig und heilig diese Verehrung war, erfahren wir aus den Schauungen der begnadeten Äbtissin Maria von Agreda († 1665), die sie uns in ihrem Werk vom „Leben der Jungfrau und Gottesmutter Maria“ überliefert hat.

Noch in der Heiligen Nacht kamen aber auch schon die ersten „außenstehenden“ Verehrer und Anbeter des göttlichen Kindes: die armen und einfachen Hirten. Wie beglückt sie von ihrer Begegnung mit dem göttlichen Kind waren, können wir aus den Worten des Evangelisten erahnen: „Die Hirten kehrten zurück und lobten und priesen Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten“ (Lk 2,20).

Die nächsten Verehrer des göttlichen Kindes waren, im wahrsten Sinne des Wortes, die ersten Heilig-Land-Pilger: die Weisen aus dem Morgenland. Diese Gottsucher aus dem Orient standen beim Urchristentum in hohem Ansehen, weil sie als „die Ersten aus dem Heidenland“ die besonderen Vorbilder der Verehrung des menschgewordenen Gottessohnes, des göttlichen Kindes, waren.

Dann war in Jerusalem auch noch ein Erwählter, mit Namen Simeon. Er war gerecht und gottesfürchtig. Vom Heiligen Geist war ihm geoffenbart worden, dass er den Tod nicht schauen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen habe. So kam er auf Antrieb des Heiligen Geistes gerade zu der Zeit in den Tempel, als die heiligen Eltern ihr Kind hereinbrachten. Voll Freude nahm er es auf seine Arme, pries Gott und sprach in heiliger Ergriffenheit den herrlichen Lobgesang: „Nun magst du, Herr, deinen Diener nach deinem Wort im Frieden entlassen. Denn meine Augen haben dein Heil geschaut, das du bereitet hast vor dem Angesicht der Völker: das Licht zur Erleuchtung der Heiden und den Ruhm deines Volkes Israel“ (Lk 2,25-32).

Spüren wir aus diesem Lobpreis die weltweite Sendung des göttlichen Kindes? Sie gilt nicht nur den Juden, sondern auch den Heiden. Allen Menschen aller Zeiten!

Anschließend berichtet der heilige Evangelist Lukas noch von einer Prophetin Anna, einer vierundachtzigjährigen Witwe. Auch sie trat zur selben Stunde hinzu, pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf Jerusalems Erlösung harrten (Lk 2, 36-38).

Sehet dies Wunder, wie
tief sich der Höchste hier beuget.
Sehet die Liebe, die
endlich als Liebe sich zeiget.
Gott wird ein Kind,
träget und hebet die Sünd.
Alles anbetet und schweiget.
 (Gerhard Terstegen 1731) 

Quelle: „Göttliches Kind, ich bete Dich an“, Pfarrer A. M. Weigl. Verlag St. Grignionhaus, Altötting, 1983

Dienstag, 16. Dezember 2014

Ein Kind ist uns geboren


Ein Kind ist uns geboren,
ein Sohn ist uns geschenkt;
auf seinen Schultern
ruhet die Weltherrschaft.
Sein Name ist:
Künder des großen Ratschlusses.
 (Is 9,5)

„Gott musste uns nicht erlösen, aber er wollte es.“

Adam hatte mit seinem Sündenfall das Paradies der Natur und der Gnade verloren. Nicht nur für sich und seine Lebensgefährtin Eva, sondern für uns alle. Arm und traurig musste er darum das Paradies verlassen. Satan, Tod und Sünde mit all ihren Folgen wurden nun seine und seiner Nachkommen ständige Weggenossen. Aber noch einen anderen Begleiter hatte er an seiner Seite: die große, heiße Sehnsucht nach dem Erlöser. Und dieses große Heimweh hat den Menschen nie mehr verlassen.

Auch Gott, der Vater, hatte Heimweh nach seinen verirrten Kindern. Eine große Sehnsucht nach den Menschen. Er wollte sie wieder zu sich emporziehen und an sein Vaterherz drücken. Der himmlische Vater wollte in den Seelen seiner Kinder wieder das Paradies der Gnade zum Blühen bringen. Er sehnte sich danach, ihnen alles Verlorene in seiner Vatergüte wiederzugeben: Gnade, Friede, Freude, Seligkeit und den Himmel. „Gott musste uns nicht erlösen, aber er wollte es. Und nur er konnte es“ (HI. Augustinus).

Doch die Menschen sollten ihre ganze Ohnmacht zutiefst spüren. Sie sollten einsehen: wir können uns nicht selbst erlösen, Gott muss sich zu uns herablassen. Und wahrlich: „Dadurch hat sich die Liebe Gottes an uns geoffenbart, dass er seinen eingeborenen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn leben. Darin besteht also die Liebe: nicht dass wir Gott zuerst geliebt haben, sondern dass er uns liebte und seinen Sohn als Sühnopfer für unsere Sünden gesandt hat (1 Joh 4,9-10).

Aber viele hundert Jahre mussten noch vergehen, bis sich Gottes Verheißung erfüllte. Viele Prüfungen kamen über das israelitische Volk. Immer größer wurde die Sehnsucht der Welt nach dem Erlöser. Je näher die Zeit des Messias kam, umso deutlicher verkündeten die Propheten seine Geburt zu Bethlehem.

Unser Erlöser kommt als Kind?

Wenn Gottes Sohn im ewigen Ratschluss der Liebe seines Vaters schon Mensch werden wollte und sollte, hätte er dann kraft seiner Allmacht nicht gleich im reifen Mannesalter erscheinen und auftreten können? Warum tat er das nicht?

Pater Peter Lippert, SJ, gibt hierauf eine tiefinnerliche Antwort: „Da Gott ein Mensch werden wollte, um unter uns zu wohnen, da wollte er auch die ganze Entwicklung eines Menschenwesens durchmachen und mit dem Kindsein beginnen. Seine Kindheit war ihm ebenso wichtig wie sein Mannestum, die Unmündigkeit so bedeutungsvoll wie die Reife, das erste unsichere Tasten seiner Kinderhändchen war ihm so wertvoll und leistungsfähig wie die Hilflosigkeit dieser selben Hände, da sie an das Holz des Kreuzes genagelt wurden.“

Warum aber wollte Gott mit dem Kindsein beginnen? Warum ist Gott ein Kind geworden? Diese Frage wird uns durch das ganze Büchlein begleiten.

Warum ist Gott ein Kind geworden?

Allein nur wegen der armen und einfachen Hirten, oder der demütigen Weisen aus dem Morgenland? Damit sie das sichere Zeichen der wahren Ankunft des Messias und den Beginn ihrer Erlösung erkennen konnten? Gewiss, diese Menschen guten Willens freuten sich über das kleine Gotteskind in der Krippe so sehr, dass die Hirten buchstäblich zu ihm „eilten“ und die Weisen des Morgenlandes sogar gefahrvolle und kostspielige Expeditionen riskierten um es zu suchen. Sie alle huldigten dem kindgewordenen Erlöser, brachten ihm Geschenke und beteten ihn an. Am liebsten hätten sie wohl dieses kleine Geschöpfchen aus der Krippe genommen um es an ihre glühenden Herzen zu drücken und mit Küssen und Liebkosungen zu verehren. Eine solche Herzensfreude, erfüllte sie! Wir können das nachempfinden, wenn wir die Berichte der Evangelien und die zugehörigen Stellen des Alten Testaments lesen und betrachten.


Quelle: „Göttliches Kind, ich bete Dich an“, Pfarrer A. M. Weigl. Verlag St. Grignionhaus, Altötting, 1983