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Dienstag, 16. August 2022

Pius XI. über den Gottesstaat und den Totalitarismus

 

„Eine fast unauffindbare meisterhafte Rede von Pius XI. über den Gottesstaat und den Totalitarismus“



Wir veröffentlichen den Auszug einer Ansprache, die Pius XI. am 18. September 1938 (einige Monate vor seinem Tod und viele Jahre nach der Enzyklika Non abbiamo bisogno, „Wir haben es nicht nötig“ von 1931) vor dem Verband der christlichen Gewerkschaften Frankreichs hielt. Abgesehen von einigen kurzen Erwähnungen ist dieser Text nicht online zu finden, auch nicht auf der Website des Vatikans. Hier spricht Papst Ratti vom Staat, vom Menschen, von Gott, von den Rechten der Kirche, von der „totalitären Frage“, mit einem sehr deutlichen Bezug zum Faschismus. Warum wird dies jetzt veröffentlicht? Wegen seiner enormen Aktualität und „politischen Unkorrektheit“ und auch, weil es die nächste Ausgabe von Edizioni Radio Spada einleitet: ein Buch, das sich mit der Unvereinbarkeit von Statolatrie und Katholizismus befasst, mit einem Aufsatz von Piergiorgio Seveso über „Konkordat und Faschismus“ und einem von Andrea Giacobazzi mit dem Titel „Exkommunizierter Peronismus?“ Hervorhebungen vom Herausgeber. [RS].

 

      »[...] Unser erstes Wort hat mit einem wichtigen Punkt der Lehre zu tun. Sie haben die Ablehnung der heute so häufigen These zu Ihren großen Prinzipien erhoben - wir haben es gesehen, und es könnte für die christlichen Arbeitnehmer nicht anders sein -, dass das Kollektiv alles ist und der Einzelne nichts. Das haben Sie gut gemacht, denn die Kirche spricht nicht auf diese Weise; das ist nicht die Lehre der Kirche. Man könnte diese Theorie mit brutaler Einfachheit so zusammenfassen: alles für den Staat, nichts für den Einzelnen. Nein, es ist ihr Privileg, gewissermaßen über die Völker und Kontinente, über alle Völker der Welt (sagen wir nicht: die Rassen) hinwegzugehen und in allem, überall diese mittlere Richtung zu bewahren, in der die Tugend immer besteht, in medio stat virtus. Die Tugend liegt immer in der Mitte, weder in dem einen noch in dem anderen Extrem.

      Die Kirche bekennt und lehrt eine Lehre, die das richtige Verhältnis zwischen Gemeinschaft und Individuum betont. Sicherlich (das ist der Beweis), aufgrund der Notwendigkeiten des Lebens, braucht das Individuum von der Geburt bis zum Tod die Gemeinschaft: um zu leben, um sein Leben zu entwickeln. Aber es ist nicht wahr, dass das Kollektiv selbst eine Person ist, eine unabhängige Person, die ihren eigenen Namen spricht. Nicht die Wissenschaft als Unwissenheit, sondern die Wissenschaft als Tugend ist dem Individuum eigen. Selbst wenn man von der Seele des Kollektivs spricht, handelt es sich um eine Redewendung, die zwar eine Grundlage in der Realität hat, aber eine Abstraktion bleibt. Und das Kollektiv kann keine persönliche Funktion ausüben, außer durch die Individuen, aus denen es sich zusammensetzt: Das ist der Beweis, aber ein Beweis, der in unserer Zeit in vielen Kreisen nicht mehr anerkannt wird. Es wird zu oft gesagt - und wir haben uns daran gewöhnt -, dass alles dem Staat gehört und nichts dem Einzelnen. Liebe Kinder, was für eine Unwahrheit in diesem Ausdruck: er widerspricht zunächst den Tatsachen, denn wenn das Individuum wirklich so abhängig von der Gesellschaft ist, ist die Gesellschaft andererseits ohne Individuen nichts als eine reine Abstraktion. Aber es gibt sehr ernste okkulte Absichten; und diejenigen, die sagen: alles dem Kollektiv, sagen auch, dass das Kollektiv etwas Göttliches ist; und dann ist hier das Individuum vergöttert, aber auf eine neue Art: es ist eine Art von sozialem Pantheismus. Das, liebe Kinder, lehrt uns der elementare Katechismusunterricht. Es ist der Feind des Menschen, der gesagt hat: Eritis sicut dii (Ihr werdet sein wie Gott!). Ihr wisst, was dieser Satz bedeutet und wie er im Laufe der Jahrhunderte auf die arme sündige Menschheit übertragen wurde. So heißt es überall; alles muss vom Staat sein: und hier ist der totalitäre Staat, wie er genannt wird: nichts ohne den Staat, alles für den Staat. Darin liegt aber eine so offensichtliche Unwahrheit, dass es ein Wunder ist, dass Menschen, die sonst seriös und begabt sind, dies sagen und den Leuten beibringen.

      Denn wie könnte der Staat wirklich totalitär sein,  der dem Einzelnen alles gibt und alles von ihm verlangt; wie könnte er dem Einzelnen alles für seine innere Vervollkommnung - da es sich um Christen handelt - für die Heiligung und Verherrlichung der Seelen geben? Wie viele Dinge entgehen also der Möglichkeit des Staates im gegenwärtigen Leben und im Hinblick auf das zukünftige, ewige Leben! Und in diesem Fall wäre es eine große Usurpation, denn wenn es ein totalitäres Regime gibt - totalitär in der Tat und im Recht -, dann ist es das Regime der Kirche, denn der Mensch gehört ganz und gar zur Kirche, er muss zu ihr gehören, denn der Mensch ist das Geschöpf des guten Gottes, er ist der Preis der göttlichen Erlösung, er ist der Diener Gottes, dazu bestimmt, hier unten zu leben und mit Gott im Himmel. Und die Vertreterin der Ideen, Gedanken und Rechte Gottes ist niemand anderes als die Kirche. Dann hat die Kirche wirklich das Recht und die Pflicht, die Gesamtheit ihrer Macht über die Einzelnen zu beanspruchen: Jeder Mensch gehört als Ganzes der Kirche, weil das Ganze Gott gehört. Was uns betrifft, so müssen wir dem lieben Gott danken, dass wir in einer so guten Schule sind, in einem so schönen und reichen Glanz der Wahrheit.«

[...]

Discorsi di Pio XI, herausgegeben von D. Bertetto, Bd. 3. SEI, 1961, S. 813-814.

 

 

Aus dem Italienischen mit Hilfe von DeepL-Übersetzzer (kostenlose Version) von „Un magistrale discorso quasi introvabile di Pio XI su dio stato e totalitarismo“ in https://www.radiospada.org

Diese deutsche Fassung „Eine fast unauffindbare meisterhafte Ansprache von Pius XI. über den Gottesstaat und den Totalitarismus“ erschien erstmals in www.r-gr.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Quelle: https://www.radiospada.org/2016/01/un-magistrale-discorso-quasi-introvabile-di-pio-xi-su-dio-stato-e-totalitarismo/


Donnerstag, 13. Februar 2020

Die christliche Zivilisation

Obgleich die Kirche, dieses unsterbliche Werk des barmherzigen Gottes, an sich und ihrer Natur nach das Heil der Seelen und die einstige Glückseligkeit im Himmel zur Aufgabe hat, so gehen doch von ihr große und reiche Segnungen auch über die Dinge des vergänglichen Bereiches aus; und zwar so sehr, dass, wäre die Kirche in erster Linie und hauptsächlich für die Wohlfahrt des Lebens hier auf Erden gegründet worden, diese Segnungen nicht zahlreicher und größer sein könnten.

Aus der Enzyklika "Immortale Dei" von Leo XIII. vom 1.11.1885

Freitag, 6. April 2018

Wohin die These der absoluten Souveränität des Staates über alles zeitliche führt

Die modernistische Schule begnügt sich nicht nur damit, Kirche und Staat zu trennen. Der Glaube steht nach seinen phänomenalen Elementen unter der Wissenschaft. In der gleichen Weise muss nach ihr in weltlichen Dingen die Kirche unter dem Staat stehen. Vielleicht wird dies noch nicht offen ausgedrückt, jedoch gibt es an dem Schluss kein Vorbeikommen. Hat in den weltlichen Dingen der Staat alleine zu bestimmen, so müssen - falls der Gläubige mit der inneren Betätigung seiner Religion nicht zufrieden ist und damit auch nach außen hervortreten will, zum Beispiel bei der Spendung und beim Empfang der Sakramente - diese Akte notwendigerweise unter die Staatsgewalt fallen. Wo bleibt in diesem Fall die kirchliche Autorität? Sie vermag sich nur durch äußere Akte zu betätigen und ist damit in ihrer ganzen Ausdehnung dem Staat unterstellt. Unter dem Eindruck dieser Logik wollen daher auch manche liberale Protestanten jeden äußeren Kult und auch jeden äußeren religiösen Verband abgeschafft wissen. Nach ihrer Aussage versuchen sie die individuelle Religion einzuführen. Wenn die Modernisten noch nicht offen so weit gehen, verlangen sie dennoch von der Kirche, dass sie sich freiwillig ihren Bestrebungen annähert und sich den bürgerlichen Formen anpasst.
 
Aus der Enzyklika "Pascendi Dominici gregis" von Pius X. vom 8.9.1907

Samstag, 24. Februar 2018

Die Kirche ist das Heilmittel für die gegenwärtige Zivilisation

Wie die Weisheit des Christentums in keine Seele einkehrt, ohne sie besser zu machen, so dringt sie auch in keine Staatsverwaltung ein, ohne einen friedlicheren, ruhigeren Zustand sofort herbeizuführen. Mit dem Begriffe eines für alle sorgenden, allweisen, unendlich gütigen und gerechten Gottes weckt es im Gewissen das Pflichtgefühl, mildert es die Bitterkeit der Leiden, besänftigt es den Zorn und regt es zu heldenmütigen Taten an. Wenn es die heidnischen Völker von Grund aus umzuwandeln vermochte, sie vom völligen Untergange zum Leben zurückrief, wenn es die Barbarei zurückdrängte, wohin es nur seinen Fuß setzte, so wird es in gleicher Weise die durch den Abfall zerrütteten Völker, die zum Christentum zurückkehren, wieder auf die Bahn der Ordnung zurückgeleiten.
 
Aus der Enzyklika "Annum ingressi sumus" von Leo XIII. Vom 19. März 1902

Donnerstag, 4. August 2016

Eintracht zwischen Kirche und Staat

Dass das christliche Europa die barbarischen Völker bezähmt hat und sie aus dem Zustand der Wildheit zu menschenwürdigem Leben, vom abergläubischen Wahn zur Wahrheit führte; dass es die anstürmenden Mohammedaner siegreich zurückgeschlagen hat; dass es an der Spitze der Zivilisation steht und allen anderen Völkern stets Führer und Lehrer in allem war, was das menschliche Leben verschönern und veredeln mag; dass von ihm nach allen Richtungen hin echte Freiheit ausging; dass es so viele Einrichtungen zur Linderung des menschlichen Elends schuf: dies alles verdankt das christliche Europa unstreitig der Religion, die ihm zu solchen Unternehmungen den Impuls gegeben und bei deren Durchführung hilfreich zur Seite stand. Fürwahr, alle diese Güter wären geblieben, wenn die Eintracht geblieben wäre zwischen den beiden Gewalten; und noch viel größere hätten sich mit Recht erwarten lassen, wenn man der Autorität, dem Lehramt, den Ratschlägen der Kirche mehr Glauben geschenkt und unbeirrt Folge geleistet hätte. Denn das muss doch für alle als unverrückbares Gesetz gelten, was Ivo von Chartres einmal an Papst Paschalis II. schreibt:

Wenn Königtum und Kirche untereinander in Eintracht sind, dann wird die Welt gut regiert, und die Kirche blüht und bringt Früchte. Wenn sie aber in Zwiespalt geraten, dann haben nicht nur die kleinen Dinge kein Wachstum, sondern auch das Große geht jammervoll unter.

Aus der Enzyklika „Immortale Dei“ von Papst Leo XIII. vom 1.11.1885

Dienstag, 10. Mai 2016

Die wahren Menschenrechte entspringen aus den Pflichten gegenüber Gott




Wir werden nicht die gleiche Sprache verwenden bezüglich eines anderen Punktes, und zwar, was die Trennung von Staat und Kirche betrifft, was der Trennung von menschlicher Gesetzgebung und christlicher und göttlicher Gesetzgebung entspricht. Wir wollen uns hier nicht aufhalten, um zu beweisen, wie viel Unsinn diese Theorie der Trennung beinhaltet; jedermann wird es von selbst verstehen. Sobald der Staat sich weigert, Gott zu geben, was Gottes ist, verweigert er auch aus notwendiger Konsequenz, den Bürgern das zu geben, auf das sie als Menschen Recht haben. Denn, ob man will oder nicht, entspringen die wahren Menschenrechte gerade aus den Pflichten, die der Mensch Gott gegenüber hat. Daraus folgt, dass der Staat, wenn er gegen den Hauptzweck seiner Institution verstößt, in Wahrheit sich selbst verleugnet und dem widerspricht, was der eigentliche Sinn seiner Existenz ist. Diese höhere Wahrheiten werden so deutlich von der Stimme der natürlichen Vernunft verkündigt, dass sie sich jedem Menschen aufdrängen, den die Gewalt der Leidenschaften nicht verblendet hat. („Catolicismo“
, Nr. 167, November 1964).

Aus der Enzyklika „Au milieu des sollicitudes“ von Leo XIII. an die Bischöfe und Gläubige Frankreichs, vom 16. Februar 1892.

Sonntag, 2. August 2015

Die Abkehr der Regierungen und der Völker von Gott und Kirche hat den Umsturz aller Verhältnisse zur Folge


Bei solchen öffentlichen Unglücksfällen müssen wir unser Wort lauter erschallen lassen. Nicht nur den untersten Schichten müssen wie die gewaltigen Beweise des Glaubens einschärfen, sondern auch den höchsten sind sie mit Nachdruck vorzuhalten, denen, die in allem Wohlstand leben, den Lenkern der Völker und den Beratern der Staatsoberhäupter und –regierungen. Allen müssen wir jene unumstößlichen Wahrheiten vorhalten, welche die Geschichte mit blutigen Zügen bestätigt hat, wie z.B. die Sätze: Die Sünde macht elend die Völker – Die Mächtigen werden mächtig gestraft werden , ebenso das Wort aus dem zweiten Psalm: Und nun, ihr Könige, versteht, lasst euch unterrichten, die ihr Richter seid auf Erden ..., ergreifet die Zucht, dass nicht etwa zürne der Herr ihr zum Untergange gehet vom rechten Wege. Mit aller Bitterkeit werden diese Drohungen zur Erfüllung kommen, wo die Sünde öffentlich sich breit machen darf, wo man Fürsten und Untertanen gerade dadurch am schwersten gesündigt wird, dass Gott beiseite gesetzt und die Kirche verlassen wird. Diese zweifache Abkehr hat den Umsturz aller Verhältnisse zur Folge. Eine endlose Saat des Unheils entspringt aus ihr für die einzelnen wie für den Staat.

Aus der Enzyklika „Communium Rerum“ vom hl. Pius X., vom 21. April 1909:

Samstag, 8. November 2014

Die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche


Papst Bonifaz VIII.
Eine heilige katholische apostolische Kirche müssen wir im Gehorsam des Glaubens annehmen und festhalten. Und wir glauben diese fest und bekennen sie schlicht, und außer ihr gibt es kein Heil und keine Vergebung der Sünden. In ihr ist ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.

Zur Zeit der Sintflut gab es eine Arche Noahs, und diese deutete im voraus hin auf die eine Kirche. Alles, was nicht in ihr war, wurde vernichtet. Von dieser einen und einzigen Kirche also gibt es nur einen Leib und ein Haupt, Christus nämlich und Christi Stellvertreter, Petrus und Petri Nachfolger; sagt doch der Herr zu Petrus selbst: „Weide meine Schafe“ (Joh. 21,17). „Meine“ sagt er, und meint das im allgemeinen, nicht nur im einzelnen diese oder jene. Und daraus sieht man, dass er ihm alle anvertraut hat.

Sagen also die Griechen oder andere, sie seien Petrus und dessen Nachfolgern nicht übergeben, so müssen sie auch bekennen, dass sie zu den Schafen Christi nicht gehören; denn der Herr sagt bei Johannes: „Es gibt nur eine Herde und einen Hirten“ (Joh. 10, 16).

Eike von Repgow, Sachenspiegel.
Die Wolfenbüttler Bilderhandschrift .
Dass dieser über zwei Schwerter zu verfügen hat, ein geistliches und ein weltliches, das lehren uns die Worte des Evangeliums (Lukas 22, 38). Denn als der Apostel sagte: „Siehe, hier sind zwei Schwerter“, nämlich in der Kirche... da antwortete der Herr nicht: „Es ist zu viel!“ sondern: „Es ist genug!“ Wer nun sagt, in des Petrus Hand sei das weltliche Schwert nicht, der merkt nicht recht auf des Herrn Wort, der da sagt: „Stecke dein Schwert in die Scheide!“ (Matth. 26, 52). Beide Schwerter hat die Kirche in ihrer Gewalt, das geistliche und das weltliche. Dieses aber ist für die Kirche zu führen, jenes von ihr. Jenes gehört dem Priester, dieses ist zu führen von der Hand der Könige und Ritter, aber nur wenn und solange der Priester es will. 

Ein Schwert aber muss dem anderen untergeordnet sein; die weltliche Macht muss sich der geistlichen fügen. Denn der Apostel sagt: „Es ist keine Obrigkeit außer von Gott, wo aber Obrigkeit besteht, ist sie von Gott verordnet“ (Römer 13, 1). Sie wäre aber nicht geordnet, wenn nicht ein Schwert unter dem anderen stände und gleichsam als das niedere von der Hand eines anderen nach oben gezogen würde. Dass aber die geistliche Macht an Würde und Adel jede weltliche überragt, müssen wir um so freier bekennen, als überhaupt das Geistliche mehr wert ist als das Weltliche. Das ersehen wir auch deutlich aus dem Regiment in der Welt. Denn in Wahrheit: Die geistliche Macht hat die weltliche einzusetzen und ist Richterin über sie, wenn sie nicht gut ist. So bewahrheitet sich über die Kirche und die kirchliche Gewalt die Voraussage des Propheten Jeremia: „Siehe, ich habe dich heute über Völker und Reiche gesetzt“ (Jer. 1, 10) ...

Wenn also die weltliche Macht in die Irre geht, so wird sie von der geistlichen gerichtet werden; irrt die geistliche auf einer niederen Stufe, so wird sie gerichtet werden von der, die über ihr steht; irrt aber die höchste, so wird sie allein von Gott gerichtet werden können, nicht aber von einem Menschen, wie der Apostel bezeugt: „Der geistliche Mensch richtet alles, er selbst aber wird von niemand gerichtet“ (1. Kor. 2, 15). Es ist aber diese Macht, auch wenn sie einem Menschen gegeben ist und von einem Menschen ausgeübt wird, keine menschliche, vielmehr eine göttliche, nach Gottes Wort dem Petrus gegeben, ihm und seinen Nachfolgern von Christus selbst, den Petrus, der feste Fels, bekannte, zu dem dann der Herr sagte: „Was du auf Erden bindest. . .“ (Matth. 16, 19).

Wer sich also dieser von Gott so geordneten Gewalt widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung... So erklären wir denn, dass alle menschliche Kreatur bei Verlust ihrer Seelen Seligkeit untertan sein muss dem Papst in Rom, und sagen es ihr und bestimmen es.

Bonifaz VIII., „Unam sanctam“, 13. November 1302


(Quelle: Lautemann/Schlenke, Geschichte in Quellen II – Mittealter (1970), 786)

Donnerstag, 6. November 2014

Staat und Kirche trennen zu wollen ist ein schwerer Irrtum


„Der Grundsatz, dass Staat und Kirche getrennt werden müssen, ist fürwahr vollständig falsch und im höchsten Grade verderblich. — Denn wer sich zur Auffassung bekennt, dass der Staat sich in keiner Weise um die Religion kümmern dürfe, fügt erstens Gott eine große Beleidigung zu, der ebenso Begründer und Erhalter der menschlichen Gesellschaft wie des Lebens der einzelnen Menschen ist. Deshalb kann sich der Kult nicht in den Bereich des Privatlebens zurückziehen, sondern er muss ein öffentlicher sein. – Ferner liegt diesem Grundsatz deutlich die Leugnung des Übernatürlichen zugrunde. Denn hierbei werden die staatlichen Unternehmungen ausschließlich nach der Wohlfahrt dieses sterblichen Lebens bemessen, die lediglich die nächste Angelegenheit der bürgerlichen Gesellschaft ist. Die höchste Angelegenheit der Bürger aber, die ewige Seligkeit, die jenseits des kurzen Erdenlebens auf uns wartet, vernachlässigt er vollständig als eine dem Staat fremde Sache. Und doch sollte das Staatswesen gemäß der Gesamtordnung der vergänglichen Dinge für die Erreichung des absoluten, höchsten Gutes nicht hinderlich, sondern förderlich sein. — Sodann durchbricht er die von Gott mit höchster Weisheit getroffene Ordnung der menschlichen Dinge, die ohne Zweifel die Eintracht zwischen der religiösen und der bürgerlichen Gesellschaft fordert. Denn da beide, wiewohl auf getrenntem Gebiete jede für sich, doch eine Herrschaft über dieselben Menschen ausüben, so müssen sie oft Fragen in Angriff nehmen, deren Beurteilung und Lösung beide Teile betrifft. Wo nun der Staat mit der Kirche keine Beziehungen unterhält, da werden solche Fragen leicht zum Anlass von Streitigkeiten, die für beide Teile recht bitter sind und - was die Geister nicht wenig bedrückt – den Sinn für die Wahrheit trüben. Das hat schließlich auch für den Staat sehr große Nachteile im Gefolge. Bei Zurücksetzung der Religion kann die bürgerliche Gesellschaft nicht blühen, noch festen Bestand haben. Jene ist nämlich die oberste Führerin und Lehrerin der Menschen für die gewissenhafte Beobachtung von Recht und Pflicht.“

Aus der Enzyklika „Vehementer Nos esse“ vom hl. Pius X., vom 11. Februar 1906

Samstag, 8. Dezember 2012

Die Trennung von Kirche und Staat ist eine Beleidigung Gottes

Wir stellen nun nicht ohne größte Befürchtungen fest, dass die öffentliche Gewalt bei Euch einen Schritt unternommen hat, der zur völligen Umwälzung des Staatswesens führen kann, nachdem nun einmal die Fackel des unheilvollen Religionskampfes unter das ohnehin schon aufgereizte Volk geschleudert wurde.
Eingedenk Unserer Apostolischen Pflicht, die heiligen Rechte der Kirche gegen jeden Angriff zu schützen, weisen Wir somit das offiziell bestätigte Gesetz, das den französischen Staat von der Kirche völlig trennt, gemäß der göttlichen, Uns übertragenen Gewalt zurück und verurteilen es. Die Gründe für diese Verwerfung haben Wir dargelegt. Das Gesetz ist ein schweres Unrecht gegen Gott, den es feierlich entrechtet, indem es den Grundsatz verkündet, der Staat habe an der Gottesverehrung keinen Anteil zu nehmen. Es verletzt das Natur- und Völkerrecht und die öffentliche Vertragspflicht. Es steht im Widerspruch zur göttlichen Verfassung der Kirche, ihrem innersten Geist und ihrer Freiheit. Es verletzt die Gerechtigkeit durch Vergewaltigung des vielfältig begründeten und durch rechtliche Vereinbarung geschützten Eigentumsrecht. Es ist eine schwere Beleidigung der Würde des Apostolischen Stuhles, Unserer Person, des Episkopats, des Klerus, der französischen Katholiken insgesamt.

(Aus der Enzyklika „Vehementer Nos esse“ vom hl. Pius X., vom 11. Februar 1906)

Montag, 18. Juli 2011

Christlicher Fürstenspiegel des hl. Augustinus


Denn wir preisen manche christlichen Kaiser nicht darum glücklich, weil sie länger regierten oder eines sanften Todes starben und ihren Söhnen die Herrschaft hinterließen, oder weil sie die Feinde des Staates niedergeworfen und bösartige Bürgeraufstände entweder verhütet oder unterdrückt haben. Solche und andere Gnadengaben und Tröstungen dieses sorgenvollen Lebens konnten auch Dämonenverehrer empfangen, die am Himmelreich keinen Anteil haben wie sie; und zwar ist es Gottes Barmherzigkeit, die das so fügt, damit die an ihn Glaubenden dergleichen Erdengüter nicht als Höchstes von ihm begehren.

Sondern glücklich nennen wir sie, wenn sie gerecht herrschen, wenn sie trotz aller schmeichlerisch verhimmelnden und kriecherisch unterwürfigen Reden sich nicht überheben und nicht vergessen, daß sie Menschen sind, wenn sie ihre Macht in den Dienst seiner Majestät stellen und die Gottesverehrung so weit wie möglich ausbreiten, wenn sie Gott fürchten, lieben und verehren, wenn sie jenes Reich am meisten lieben, in dem sie keine Mitregenten zu fürchten brauchen, wenn sie langsam sind zu strafen und gern Nachsicht

üben, wenn sie Strafe nur darum verhängen, weil Leitung und Schutz des Staates es fordern, aber nicht um Rachgier zu befriedigen, wenn sie Nachsicht. gewähren, nicht um Vergehen straflos zu lassen, sondern in der Hoffnung auf Besserung, wenn sie harte Erlasse, zu denen sie oft gezwungen werden, durch erbarmende Milde und gütige Freigebigkeit ausgleichen, wenn sie von Ausschweifungen sich um so mehr zurückhalten, je ungehinderter sie sich ihnen ergeben könnten, wenn sie lieber über ihre schlimmen Leidenschaften als über fremde Völker herrschen, und wenn sie dies alles tun nicht aus Gier nach eitlem Ruhme, sondern aus Verlangen nach der ewigen Seligkeit, wenn sie auch nicht unterlassen, für ihre Sünden ihrem wahren Gotte das Opfer der Demut, der Klage und des Gebetes darzubringen.


Solche christlichen Kaiser nennen wir glücklich, einstweilen nur in Hofnung, künftig aber voll und ganz, wenn eingetroffen ist, was wir erwarten.

Mittwoch, 6. Juli 2011

Staat und Kirche trennen zu wollen, ist ein schwerer Irrtum

Der Grundsatz, dass Staat und Kirche getrennt werden müssen, ist fürwahr vollständig falsch und im höchsten Grade verderblich. - Denn wer sich zur Auffassung bekennt, dass der Staat sich in keiner Weise um die Religion kümmern dürfe, fügt erstens Gott eine große Beleidigung zu, der ebenso Begründer und Erhalter der menschlichen Gesellschaft wie des Lebens der einzelnen Menschen ist. Deshalb kann sich der Kult nicht in den Bereich des Privatlebens zurückziehen, sondern er muss ein öffentlicher sein. – Ferner liegt diesem Grundsatz deutlich die Leugnung des Übernatürlichen zugrunde. Denn hierbei werden die staatlichen Unternehmungen ausschließlich nach der Wohlfahrt dieses sterblichen Lebens bemessen, die lediglich die nächste Angelegenheit der bürgerlichen Gesellschaft ist. Die höchste Angelegenheit der Bürger aber, die ewige Seligkeit, die jenseits des kurzen Erdenlebens auf uns wartet, vernachlässigt er vollständig als eine dem Staat fremde Sache. Und doch sollte das Staatswesen gemäß der Gesamtordnung der vergänglichen Dinge für die Erreichung des absoluten, höchsten Gutes nicht hinderlich, sondern förderlich sein. – Sodann durchbricht er die von Gott mit höchster Weisheit getroffene Ordnung der menschlichen Dinge, die ohne Zweifel die Eintracht zwischen der religiösen und der bürgerlichen Gesellschaft fordert. Denn da beide, wiewohl auf getrenntem Gebiete jede für sich, doch eine Herrschaft über dieselben Menschen ausüben, so müssen sie oft Fragen in Angriff nehmen, deren Beurteilung und Lösung beide Teile betrifft. Wo nun der Staat mit der Kirche keine Beziehungen unterhält, da werden solche Fragen leicht zum Anlass von Streitigkeiten, die für beide Teile recht bitter sind und - was die Geister nicht wenig bedrückt – den Sinn für die Wahrheit trüben. Das hat schließlich auch für den Staat sehr große Nachteile im Gefolge. Bei Zurücksetzung der Religion kann die bürgerliche Gesellschaft nicht blühen, noch festen Bestand haben. Jene ist nämlich die oberste Führerin und Lehrerin der Menschen für die gewissenhafte Beobachtung von Recht und Pflicht.

Aus der Enzyklika „Vehementer Nos esse“ vom hl. Pius X., vom 11. Februar 1906

Freitag, 27. Mai 2011

Das Mittelalter: Blütezeit des Staates war Blütezeit der Kirche


Es gab eine Zeit, wo die Weisheitslehre des Evangeliums die Staaten leitete. Gesetze, Einrichtungen, Volkssitten, alle Ordnungen und Beziehungen des Staatslebens waren in dieser Zeit von christlicher Klugheit und göttlicher Kraft durchdrungen. Da war der Religion Jesu Christi in der Öffentlichkeit jene Auszeichnung gesichert, wie sie ihr gebührt; da blühte sie überall unter dem wohlwollenden Schutz der rechtmäßigen Obrigkeiten und Regenten, da waren Kirche und Reich in glücklicher Eintracht und durch gegenseitige Freundesdienste miteinander verbunden. Diese Staatsordnung trug über alles Erwarten reiche Früchte, die noch nicht vergessen sind. Hierfür gibt es unzählige Zeugnisse aus der Geschichte, welche durch keine Arglist der Feinde verfälscht oder verdunkelt werden können.“

Aus der Enzyklika „Immortale Dei“ von Leo XIII. vom 1. November 1885

Dienstag, 5. April 2011

Heilsame Folgen der Verbindung der Kirche mit dem Heiligen Römischen Reich




„Als aber die bürgerliche Gesellschaft der Menschen sich gleichsam aus den Ruinen des Römischen Reiches erhob und zur Hoffnung christlicher Größe wiederauflebte: da haben die Römischen Päpste durch die Einrichtung des Heiligen (Römischen) Reiches (Sacrum Romanum Imperium) die staatliche Macht auf einzigartige Weise geweiht. Hierdurch gelangte die herrscherliche Gewalt auf ihre erhabenste Rangstufe. Ohne Zweifel würde diese Einrichtung sowohl für die religiöse, als auch für die bürgerliche Gesellschaft jederzeit förderlich und nützlich gewesen sein: wenn die Idee, welche die Kirche mit ihr verband, von Herrschern und Völkern immer geteilt worden wäre. In der Tat dauerte in den staatlichen Verhältnissen Ruhe und zufriedenes Gedeihen an, so lange die Freundschaft und Übereinstimmung zwischen den beiden Gewalten fortdauerte. Wenn die Völker sich zu Ausschreitungen hinreißen ließen: da war die Kirche nahe, um den Frieden zu vermitteln, indem sie einen jeden an dessen Pflicht erinnerte und die aufstürmenden Leidenschaften teils in Güte, teils durch ihre Autorität in Schranken hielt. Ebenso, wenn die Herrscher in der Regierung sich Fehler zuschulden kommen ließen: da wandte sie selbst sich an die Herrscher, setzte die Rechte, Bedürfnisse und gerechten Wünsche der Völker vor ihnen auseinander, und riet zu einem ausgeglichenen Vorgehen, zu Milde und Güte. Auf diese Weise wurde es oft erreicht, dass die Gefahr von Empörungen und Bürgerkriegen abgewehrt wurde.“
Aus der Enzyklika „Diuturnum illud“ von Leo XIII. vom 29.06.1881

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Unheilvolle Demokratie, die die Brüderlichkeit von der christlichen Liebe trennt


Nein, Ehrwürdige Brüder, es gibt keine wahre Brüderlichkeit außerhalb der christlichen Liebe, die aus Liebe zu Gott und Seinem Sohn Jesus Christus, unserem Erlöser, alle Menschen umfasst: um allen beizustehen und alle zum selben Glauben und zum selben Glück des Himmels zu führen. Wenn die Demokratie die Brüderlichkeit von der derart verstandenen christlichen Liebe trennt, so bedeutet sie keinen Fortschritt, sondern schafft einen unheilvollen Rückgang der Zivilisation. Denn wenn man, wie wir es aus ganzer Seele wünschen, zum größtmöglichen Wohlergehen der Gesellschaft und jedes einzelnen ihrer Glieder durch die Brüderlichkeit oder, wie man auch sagt, durch eine allgemeine Solidarität gelangen will, dann bedarf es der Einheit der Geister in der Wahrheit, der Einheit der Willensrichtungen in der Moral, der Einheit der Herzen in der Liebe zu Gott und zu Seinem Sohn, Jesus Christus. - Jedoch: diese Einheit ist nur zu verwirklichen durch die katholische Liebe, welche demzufolge allein die Völker im Gang des Fortschritts zu Ideal der Zivilisation führen kann.
 
Aus dem Apostolischen Schreiben "Notre Charge Apostolique" von Pius X. vom 25.8.1910

Die christliche Zivilisation ist die einzig wahre



„Nein, Ehrwürdige Brüder - es muss in diesen Zeiten gesellschaftlicher und geistiger Anarchie, in denen jeder sich selbst als Lehrer und Gesetzgeber aufstellt, immer wieder wirksam daran erinnert werden -: man kann den Staat nicht anders bauen, als Gott ihn gebaut hat; man kann die Gesellschaft nicht errichten, wenn die Kirche nicht die Fundamente legt und nicht die Bauarbeiten leitet; nein, es ist nicht mehr nötig eine Zivilisation zu ersinnen, noch auch einen neuen Staat in den Wolken zu bauen. Es hat sie gegeben und es gibt sie: es ist die christliche Zivilisation, es ist der katholische Staat. Es kann sich nur noch darum handeln, ihn unablässig gegen die immer wieder neu ausbrechenden Angriffe einer falschen Utopie, der Revolte und der Gottlosigkeit auf seine natürlichen und göttlichen Grundlagen zu stellen und ihn darin zu stärken und zu festigen: Omnia instaurare in Christo.


Aus dem Apostolischen Schreiben "Notre Charge Apostolique" vom hl. Pius X. vom 25.8.1910