Posts mit dem Label Gender-Ideologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gender-Ideologie werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 8. Oktober 2024

Wird Deutschland zum Gender-Land?

 

                                              Mathias von Gersdorff
6. August 2022

 „So wie die Familie von Nazareth durch die Flucht nach Ägypten das Kind schützte, so sind auch wir verpflichtet, um jeden Preis die gesunde Entwicklung der Kinder vor der gefährlichen „Gender-Ideologie“ zu schützen.“ Dieser Satz aus dem Hirtenbrief der slowakischen Bischofskonferenz zum Advent 2013 warnt vor Gender als eine Gefahr für Kinder in einer Schärfe, die manchen damals wohl als überzogen erschien.

Was aber Deutschland betrifft, war diese Warnung keineswegs übertrieben.

Ende 2013 drang der erste Entwurf des baden-württembergischen „Bildungsplanes 2015“ an die Öffentlichkeit. Dieser sah die fächerübergreifende Einführung der „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ im schulischen Unterricht vor. Der Bildungsplan war dermaßen stark von Gender durchdrungen, dass sofort der Verdacht der Indoktrination aufkam. In der Tat berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 14. Januar 2014: „Von Seiten der Kirchen sei deutlich Kritik geäußert worden, man sei dann überrascht gewesen, dass diese Diskussion auf das am 18. November 2013 verfasste Arbeitspapier keinen Einfluss gehabt habe. Man habe angedeutet, dass der Druck der Lobby-Gruppen, also der Lesben- und Schwulenverbände, ausgesprochen stark sei.“

Bekanntlich bildete sich massiver Widerstand gegen den „Bildungsplan 2015“, der sich in Form von Petitionen, Straßendemonstrationen, Kundgebungen, Postkartenaktionen etc. artikulierte. Schließlich trat im Frühjahr 2016 ein Bildungsplan in Kraft, der hinsichtlich der umstrittenen Inhalte verbal stark abgemildert war, doch weiterhin in der Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ die Tür für die Einführung von Gender in die Schulen offen lässt.

Mit diesem Bildungsplan für Baden-Württemberg wurde kein Schlusspunkt in der Diskussion um „Gender in der Schule“ gesetzt. In etlichen weiteren Bundesländern wurde seitdem Gender in der einen oder anderen Form in den Unterricht eingeführt oder man ist dabei, es einzuführen. Darunter auch drei Union-regierte Bundesländer: Sachsen-Anhalt, Hessen und Bayern (hier befindet man sich noch in der Diskussionsphase).

Die Art und Weise, wie in Hessen Gender im Rahmen des neuen „Lehrplans zur Sexualerziehung“ eingeführt wurde, ist besonders schockierend. Das Kultusministerium verfasste den Lehrplan völlig von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Und nach Inkrafttreten wurde nicht einmal eine Presseerklärung veröffentlicht. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen sieht zwar die Errichtung eines „Aktionsplanes gegen Homophobie“ vor, doch keineswegs die Einführung von Inhalten wie „Akzeptanz sexueller Vielfalt“, „alternative Partnerschaftsformen“, „Unterstützung für Schülerinnen und Schülern beim Coming Out“ etc. in die Schulen. Die Bildungspolitik blieb im Koalitionsvertrag weitgehend eine Domäne der CDU. Der neue Lehrplan geht also weit über das im Koalitionsvertrag vereinbarte hinaus. Die Heimlichtuerei lässt die Vermutung zu, man wolle eine öffentliche Debatte wie die in Baden-Württemberg verhindern. Kein besonders demokratisches Verhalten!

Diese umstrittenen Themen im hessischen Lehrplan sind verbindlich und fächerübergreifend, gehen also wesentlich weiter als die übliche Sexualkunde. Selbst die alles andere als konservativ eingestellte Professorin für Biologiedidaktik Karla Etschenberg kritisierte diesen Lehrplan in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 23. September 2016: „Aus Sicht gläubiger Christen, die sich auf den Katechismus berufen, kann ich das verstehen. Akzeptanz bedeutet Billigung und Einverstandensein. Das kann bezüglich nicht heterosexueller Orientierungen von gläubigen Katholiken nicht erwartet werden. Sie sind nur zur Toleranz bereit.“

Für Etschenberg birgt der hessische Sexualerziehungsplan die Gefahr, die Kinder zu sexualisieren. In der Tat sollen die Schüler ab sechs Jahren mit Inhalten wie „kindliches Sexualverhalten“ und „gleichgeschlechtliche Partnerschaften“ konfrontiert werden.

Die Angelegenheit ist dermaßen skandalös, dass quasi spontan Aktionen organisiert wurden. Für den 30. Oktober ist in Wiesbaden eine Demonstration des Aktionsbündnisses „Demo für Alle“ angekündigt.

Die Entschlossenheit, Gender, mit der Brechstange in den Schulen durchzusetzen, ist wirklich verblüffend. Dabei werden sogar erhebliche Prestigeverluste in Kauf genommen. So hat der hessische Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU!) den Lehrplan gegen den Willen des Landeselternbeirates und der Katholiken (in der Form des angefragten Kommissariats der deutschen Bischöfe in Hessen) verabschiedet. Eltern und Katholiken sind auch in Hessen klassische CDU-Wähler.

Ist man dabei, koste es, was es wolle, eine Hidden-Agenda durchzusetzen? Jedenfalls ist die Intention, Gender zu einem wichtigen Bestandteil der schulischen Erziehung zu machen, schon seit langem in pädagogischen Fachbüchern zu finden.

Man muss in der sog. „Dekonstruktiven Pädagogik“ suchen. Die Literatur dazu ist umfangreich. Um einige wenige Beispiele zu geben, zitiere ich aus Professorin Jutta Hartmanns Buch „Vielfältige Lebensweisen - Dynamisierungen in der Triade Geschlecht - Sexualität - Lebensform. Kritisch-dekonstruktive Perspektiven für die Pädagogik“, erschienen 2002. Hartmann ist eine der wichtigsten Exponate der „Dekonstruktiven Pädagogik“ und schreibt: „Geschlecht, Sexualität und Lebensform als gänzlich gesellschaftlich hervorgebracht begreifend, arbeite ich eine Vorstellung von Handlungsfähigkeit heraus, die die Möglichkeit bewusster Aktivität gegenüber Normen und ein Neuentwerfen von Existenz- und Lebensweisen beinhaltet.“

Ein weiteres Zitat, um besser zu veranschaulichen, wie radikal und zielorientiert man in der Fachpädagogik vor sich ging: „Der Identitäts-Begriff bezeichnet die Nahtstelle zwischen Individuum und Gesellschaft. Identität meint die Beziehung des einzelnen zu sich selbst auf dem Hintergrund seiner Position im sozialen Gefüge. ... Identitäten - auch Geschlechtsidentitäten - sind nicht klar, eindeutig und selbstverständlich, wie sie es früher zu sein schien. Sie müssen neu gedacht werden: kontingent, fluid, nur zeitweise fixiert“. Diese Passage entstammt dem Beitrag Helga Bidens „Die Grenzen von Geschlecht überschreiten“, für das von Anja Tervooren herausgegebene Sammelband „Dekonstruktive Pädagogik“, erschienen 2001.

Durchforscht man die theoretische Literatur zu Gender, etwa die Bücher von Judith Butler oder die vielen anderen Autoren, die sich der theoretischen Dekonstruktion des Begriffs „Geschlecht“ seit den frühen 1990ern widmeten, stellt man fest, dass die Implementierung dieser Ideologie in der Gesellschaft als linkes kulturrevolutionäres Projekt schon seit langem vorbereitet wird.

Das Kernpostulat der Gender-Ideologie, die Geschlechter seien nicht eindeutig definiert und maßgeblich von Gesellschaft und Kultur „konstruiert“, ist dermaßen abenteuerlich, dass viele einen Widerstand wohl für unnötig hielten.

Dass dies eine fatale Fehleinschätzung war, zeigt die Tatsache, dass – zumindest in Deutschland – Gender sogar schon Eingang in das katholische Milieu fand – trotz eindringlicher Warnungen seitens der Päpste! In Deutschland verhallen jedoch die Warnungen aus Rom bei vielen. Caritas, BDKJ, „Sozialdienst katholischer Frauen“ und andere katholische Verbände sympathisieren mit Gender (zumindest mit den gemäßigteren Varianten).

Wie ist das zu erklären, wenn doch Gender im offensichtlichen Widerspruch mit dem Naturrecht und dem katholischen Lehramt steht?

In gewissen evangelischen Teilkirchen ist Gender sogar schon fester Bestandteil des Programms. In Hannover hat die EKD ein „Studienzentrum für Genderfragen eröffnet“. Die Badische Landeskirche verordnete unter dem Protest konservativer Protestanten die „Gleichstellung sexueller Orientierungen“.

Im Gegensatz also zu den Päpsten, der anfangs zitierten slowakischen Bischofskonferenz und mehreren anderen europäischen Bischofskonferenzen tut das deutsche Christentum so, als ob Gender keine Gefahr darstellen würde (abgesehen von manchen bedeutungsvollen Ausnahmen, wie etwa Bischof Voderholzer von Regensburg).

Das ist wohl einer der Gründe, wieso hierzulande der Widerstand gegen diese unvernünftige Doktrin verhältnismäßig schwach ist. Bei unseren westlichen Nachbarn Frankreich gingen Millionen auf die Straßen, um an den Protesten der „Manif pour tous“ teilzunehmen. In Polen wurde bislang jeder Versuch, Gender gesellschaftsfähig zu machen, im Keime erstickt. (Allerdings ist Gender an manchen Universitäten durchaus populär und es gibt eine Szene von Multiplikatoren.)

Muss man den stattfindenden Durchmarsch der Gender-Ideologie in Deutschland als eines der Symptome der hiesigen Glaubenskrise diagnostizieren? Ich wage, diese Frage positiv zu beantworten. In einem Land, in welchem der Glaube stark ist und auch die Öffentlichkeit beeinflusst, hat Gender keine Chance. Auch deshalb, weil Gender eine Verspottung der Schöpfungsordnung Gottes ist, nach der der Mensch als Mann oder Frau erschaffen ist.

Genauso wie andere Ideologien wie etwa Marxismus, kann sich die Gender-Ideologie nur in Gesellschaften erfolgreich ausbreiten, in denen sie nicht auf den Widerstand des christlichen Glaubens stößt.

In Deutschland kommt erschwerend hinzu, dass aufgrund der „Königsteiner Erklärung“ das positive Wirken der Enzyklika Humanae Vitae stark eingeschränkt wurde. Das Schreiben von Papst Paul VI. bekräftigte die enge Verbindung zwischen Geschlechtsakt und Fortpflanzung. Die „Königsteiner Erklärung“ der deutschen Bischöfe überlies die Entscheidung über die Verwendung von Verhütungsmitteln den einzelnen Ehepaaren und unterstützte so die Bildung einer „Verhütungsmentalität“, die wiederum die Vorstellung, Geschlechtsakt und Fortpflanzung seien zwei verschiedene Dinge, begünstigte.

Eine Trennung der Verbindung zwischen Geschlechtsakt und Fortpflanzung schafft geradezu die Voraussetzungen in der Mentalität der Menschen, um eine widersinnige Ideologie wie Gender zu akzeptieren, wie die Theologen Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski am „Päpstlichen Institut Johannes Paul II. für Studien über Ehe und Familie“ im Buch „Das wahre Evangelium der Familie: Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ zu bedenken geben.

Eine Reaktion gegen diese gefährliche Doktrin kann sich deshalb nicht auf der politischen Ebene erschöpfen, wie wichtig diese auch ist! Der Kampf gegen Gender muss auch auf geistlicher Ebene geführt werden. Deutschland braucht Mission und eine wahrhaftige Bekehrung, um sich von diesen Irrtümern befreien zu können.


Mittwoch, 26. Juni 2024

Appell Seiner Exzellenz Msgr. Athanasius Schneider,

Weihbischof der Erzdiözese
Maria Santissima in Astana

In den letzten Jahrzehnten kam es in Städten der westlichen Welt zunehmend zu öffentlichen Demonstrationen, die als „Gay Pride“ bekannt sind. Dieses stetig wachsende Phänomen hat das klare Ziel, den öffentlichen Raum aller Städte der westlichen Welt und langfristig auch Städte auf der ganzen Welt zu erobern, mit Ausnahme der islamischen Länder aus Angst vor absehbaren gewalttätigen Gegenreaktionen.

Diese Demonstrationen werden mit enormem finanziellen und logistischen Aufwand durchgeführt, begleitet von propagandistischer Werbung, die von den einflussreichsten Mächten des öffentlichen Lebens, d.h. der politischen Nomenklatura, der sozialen Medien, der mächtigen wirtschaftlichen und finanziellen Branche unterstützt. Eine solche einstimmige Unterstützung durch die genannten öffentlichen Stellen war typisch für  totalitäre Systeme, um der Gesellschaft eine bestimmte Ideologie aufzuzwingen. Die sogenannten „Gay Pride“-Demonstrationen ähneln unverkennbar den Propagandamärschen verschiedener totalitärer politischer Regime der Vergangenheit.

Allerdings gibt es nach wie vor einen sehr wichtigen Teil des öffentlichen Lebens, der sich diesem einstimmigen Chor der Unterstützung für die sogenannten „Gay Pride“-Märsche noch nicht offiziell oder weitgehend nicht angeschlossen hat. Diese Stimme ist die der katholischen Kirche. Der Totalitarismus der homosexualistischen Ideologie, d.h. der Genderideologie, verfolgt sein ehrgeizigstes Ziel, nämlich die Eroberung der letzten Bastion des Widerstands, der katholischen Kirche. Mittlerweile hat dieses Ziel leider einige Erfolge erzielt, da festgestellt wird, dass eine wachsende Zahl von Priestern und sogar einige Bischöfe und Kardinäle öffentlich und auf verschiedene Weise ihre Unterstützung für solche totalitären Aufmärsche, die als „Gay Pride“ bekannt sind, zum Ausdruck bringen. Damit werden diese Priester, Bischöfe und Kardinäle zu Agenten und Förderern einer Ideologie, die einen direkten Angriff auf Gott und die Würde des Menschen darstellt, der als Mann und Frau, nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen wurde.

Die Gender-Ideologie oder die Ideologie der Homosexualität stellt eine Revolte gegen das schöpferische Werk Gottes dar, der bewundernswert weise und liebevoll ist. Es ist eine Revolte gegen die Erschaffung des Menschen in den beiden notwendigerweise und bewundernswert komplementären Geschlechtern Mann und Frau. Homosexuelle oder lesbische Handlungen entweihen den männlichen oder weiblichen Körper, der ein Tempel Gottes ist. Tatsächlich sagt der Heilige Geist: „Wenn aber einer den Tempel Gottes zugrunde richtet, den wird Gott zugrunde richten; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr“ (1 Kor 3,17). Der Heilige Geist erklärt in der Heiligen Schrift, dass homosexuelle Handlungen eine Schande sind, da sie der von Gott geschaffenen Natur widersprechen: „Darum gab sie Gott schmählichen Leidenschaften preis; denn ihre Frauen vertauschten den natürlichen Verkehr mit dem widernatürlichen, und ebenso ließen auch Männer vom natürlichen Verkehr mit der Frau und entbrannten in ihrer Gier zueinander; Männer treiben an Männern das Schandbare und empfangen den ihrer Verirrung gebührenden Lohn an sich selber. Und wie sie es nicht für wert hielten, Gott in der Erkenntnis zu wahren, so gab Gott sie preis einem verderblichen Sinn, so dass sie tun, was wider die Ordnung ist.“ (Röm 1,26–28). Der Heilige Geist erklärt dann, dass Menschen, die schwere sündige Taten begehen, einschließlich homosexueller Handlungen, kein ewiges Leben erben werden: „Wisst ihr nicht, dass Ungerechte am Reich Gottes nicht Anteil bekommen werden? Täuscht euch nicht! Weder Unzüchtige noch Götzendiener noch Ehebrecher noch Lüstlinge noch Knabenschänder, weder Diebe noch Habsüchtige noch Säufer noch Lästerer noch Raffgierige werden am Reich Gottes Anteil bekommen“ (1 Kor 6,9-10).

Die Gnade Christi hat jedoch die Macht, einen Götzendiener, einen Ehebrecher, einen praktizierenden Homosexuellen in einen neuen Menschen zu verwandeln. Im zitierten Text des Wortes Gottes heißt es weiter: „Und von der Art sind manche von euch gewesen; doch ihr wurdet abgewaschen, geheiligt, als gerecht erkannt im Namen unseres Herrn Jesus Christus und im Geist unseres Gottes (1 Kor 6,11). Angesichts dieser Wahrheit und Realität der Gnade erstrahlt das Licht der Hoffnung und des wahren Fortschritts im antigöttlichen und antimenschlichen Szenario der Ideologie und Praxis der Homosexualität, d.h. der Hoffnung und realen Möglichkeit der Transformation eines Menschen, der homosexuelle Handlungen praktiziert, in einem neuen Menschen, der in der Wahrheit der Heiligkeit geschaffen wurde: „Ihr aber lerntet nicht derart Christus kennen, sofern ihr von ihm höret und in ihm unterwiesen wurdet, wie es Wahrheit ist in Jesus: ablegen sollt ihr im Hinblick auf den früheren Lebenswandel den alten Menschen, der den Weg des Verderbens geht in seinen trügerischen Leidenschaften, und neu sollt ihr werden in Geist und Gesinnung, um den neuen Menschen anzuziehen, der nach Gott geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4,20–24). Diese Worte Gottes sind die einzige hoffnungsvolle und befreiende Botschaft, die ein Christ und noch mehr ein Priester und ein Bischof Menschen überbringen sollte, die homosexuelle Handlungen begehen oder die Genderideologie propagieren.

Der Totalitarismus und die Intoleranz der Genderideologie erfordern ihrer Logik nach auch die Einhaltung totalitärer Prinzipien. Alle Mitglieder der Gesellschaft, auch die katholische Kirche, müssen daher verpflichtet werden, ihre Akzeptanz dieser Ideologie in irgendeiner Weise zum Ausdruck zu bringen. Eines der am weitesten verbreiteten und konkretesten öffentlichen Mittel dieser ideologischen Durchsetzung sind die sogenannten „Gay Pride“-Märsche.

Es ist nicht auszuschließen, dass die katholische Kirche in nicht allzu ferner Zukunft mit einer Situation konfrontiert sein wird, die der Situation während der Verfolgung durch das Römische Reich in den ersten drei Jahrhunderten ähnelt, als das Festhalten an der totalitären Ideologie des Götzendienstes sogar verpflichtend war für die Christen. Damals bestand die Prüfung bzw. die Bestätigung dieser Bindung in der zivil und politisch korrekten Handlung, ein paar Weihrauchkörner vor der Statue eines Götzenbildes und des Kaisers zu verbrennen.

Heute, anstatt ein paar Weihrauchkörner zu verbrennen, ist die Geste der Solidarität mit den sogenannten „Gay Pride“-Märschen durch Willkommensgrüße der Geistlichen und sogar durch einen besonderen Gebetsgottesdienst zur Unterstützung der angeblichen Rechte der Aktivitäten Homosexueller und zur Verbreitung ihrer Ideologie. Wir sind Zeugen des unglaublichen Szenarios, in dem einige Priester und sogar Bischöfe und Kardinäle, ohne zu erröten, dem Idol der Ideologie der Homosexualität oder des Geschlechts unter dem Beifall der Mächtigen dieser Welt, d.h. von Politikern, sozialen Medien und mächtigen internationalen Organisationen bereits Weihrauchkörner darbringen.

Was sollte die richtige Reaktion eines Christen, eines Katholiken, eines Priesters und eines Bischofs angesichts des sogenannten „Gay Pride“-Phänomens sein?

Zunächst muss man barmherzig die göttliche Wahrheit über die Erschaffung des Menschen verkünden, die Wahrheit der objektiven psychischen und sexuellen Störung der homosexuellen Neigung verkünden und dann sprechen über die Wahrheit der notwendigen und diskreten Hilfe für Menschen mit homosexueller Tendenz damit sie Behandlung und Befreiung von ihrer psychischen Behinderung erhalten.

Dann muss die göttliche Wahrheit über den schwer sündigen Charakter homosexueller Handlungen und des homosexuellen Lebensstils verkündet werden, da diese den Willen Gottes verletzen. Es muss mit echter brüderlicher Sorge über die Gefahr der ewigen Verdammnis der Seele des praktizierenden und unbußfertigen homosexuellen verkündet werden.

Darüber hinaus müssen wir mit Zivilcourage und mit allen friedlichen und demokratischen Mitteln gegen die Missachtung des christlichen Glaubens und gegen die öffentliche Zurschaustellung entwürdigender Obszönitäten protestieren. Wir müssen dagegen protestieren, dass der Bevölkerung ganzer Städte und Gemeinden Aufmärsche mit politisch-ideologischem Militanzcharakter aufgezwungen werden.

Das Wichtigste sind jedoch spirituelle Mittel. Die kraftvollste und wertvollste Reaktion kommt in öffentlichen und privaten Akten der Sühne der göttlichen Heiligkeit und Majestät zum Ausdruck, die durch die sogenannten „Gay Pride“-Märsche so schwer und öffentlich beleidigt werden.

Untrennbar mit den Akten der Sühne verbunden ist das inbrünstige Gebet um die Bekehrung und ewige Erlösung der Seelen der Befürworter und Aktivisten der Ideologie der Homosexualität und vor allem der Seelen der bedauernswerten Menschen, die Homosexualität praktizieren.

Mögen die folgenden Worte der Päpste die richtige katholische Antwort auf das so genannte „Gay Pride“-Phänomen stärken.

Papst Johannes Paul II. protestierte im Jahr 2000 gegen den „Gay Pride“ Roms und sagte: „Ich halte es dann für notwendig, die bekannten Demonstrationen [Gay Pride] zu erwähnen, die in den letzten Tagen in Rom stattgefunden haben. Im Namen der Kirche von Rom kann ich nicht umhin, meiner Bitterkeit Ausdruck zu verleihen ... über die Beleidigung der christlichen Werte einer Stadt, die den Katholiken auf der ganzen Welt so am Herzen liegt. Die Kirche kann die Wahrheit nicht zum Schweigen bringen, denn sie wäre Gott, dem Schöpfer, nicht treu und würde nicht dazu beitragen, das Gute vom Bösen zu unterscheiden“ (Worte vor dem Angelusgebet, 9. Juli 2000).

Der amtierende Papst Franziskus hat mehrfach vor der Gefahr der Gender-Ideologie gewarnt, wenn er z.B. sagte: „Du, Irina, hast heute einen großen Feind der Ehe erwähnt: die Gendertheorie. Heute erleben wir einen Weltkrieg um die Ehe zu zerstören, die nicht mit Waffen, sondern mit Ideen zerstört wird. Es gibt ideologische Kolonisationen, die zerstören“ (Rede beim Treffen mit Priestern, Ordensleuten, Seminaristen und Seelsorgern, Tiflis, 1. Oktober 2016).

„Wir erleben einen Moment der Vernichtung des Menschen als Ebenbild Gottes. In Europa, in Amerika, in Lateinamerika, in Afrika, in einigen asiatischen Ländern kommt es zu wahren ideologischen Kolonisierungen. Und eines davon – ich sage es deutlich mit „Vor- und Nachname“ – ist die Gender-Ideologie! Heute wird den Kindern – den Kindern! –in der Schule das gelehrt: dass jeder sein Geschlecht wählen kann. Und warum lehren sie das? Weil die Bücher die von Menschen und Institutionen sind, die einem Geld geben. Dabei handelt es sich um ideologische Kolonisierungen, die auch von sehr einflussreichen Ländern unterstützt werden. Und das ist schrecklich. Im Gespräch mit Papst Benedikt, dem es gut geht und der klare Gedanken hat, sagte er zu mir: „Eure Heiligkeit, dies ist das Zeitalter der Sünde gegen Gott, den Schöpfer!“. Er ist intelligent! Gott schuf Mann und Frau; Gott hat die Welt so, so und so erschaffen ... und wir machen das Gegenteil. Gott, der uns einen „unkultivierten“ Zustand gab, damit wir ihn zur Kultur machen konnten; und dann tun wir mit dieser Kultur Dinge, die uns zurück in den „unkultivierten“ Zustand versetzen! Wir müssen an das denken, was Papst Benedikt gesagt hat: „Es ist das Zeitalter der Sünde gegen Gott, den Schöpfer!“ (Rede beim Treffen mit den polnischen Bischöfen anlässlich des Jugendtags in Krakau, 27. Juli 2016).

Die wahren Freunde der Menschen, die während der sogenannten „Gay Pride“-Märsche entwürdigende Handlungen fördern und durchführen, sind die Christen, die sagen:

„Ich werde nicht einmal ein Körnchen Weihrauch vor dem Idol der Homosexualität und Geschlechtertheorie verbrennen, selbst wenn – Gott bewahre es! – Mein Pfarrer oder mein Bischof es getan haben.

Ich werde private und öffentliche Akte der Sühne und Fürbitte für die ewige Erlösung der Seelen aller Menschen machen, die Homosexualität fördern und praktizieren.

Ich werde keine Angst vor dem neuen politisch-ideologischen Totalitarismus des Gender haben, da Christus bei mir ist. Und da Christus alle totalitären Systeme der Vergangenheit besiegt hat, wird er auch in unseren Tagen den Totalitarismus der Gender-Ideologie besiegen.“

Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat!

(Astana, 28. Juli 2018)

  

Übersetzung aus dem Italienischen von diesem Blog. 26.06.2024

Montag, 3. Juli 2023

Eine neue „synodale Kirche“ untergräbt die katholische Kirche

von Bischof Athanasius Schneider

Zum laufenden „synodalen Prozess“ sind viele Fragen aufgetaucht. Darum möchte ich, um der Herde Christi zu dienen, einige wichtige Punkte des Instrumentum Laboris für die Versammlung der Synode über Synodalität im Oktober 2023 ansprechen. Dieses Arbeitsdokument oder Instrumentum scheint die göttliche Verfassung und den apostolischen Charakter des Lebens und der Sendung der katholischen Kirche zu untergraben und durch eine erfundene „synodale Kirche“ zu ersetzen. Letztere ist vorwiegend von protestantischen, sozialen und anthropozentrischen Kategorien inspiriert. Im Folgenden werden einige besorgniserregende Hauptthemen genannt.

Die göttliche Verfassung der Kirche wird untergraben.

Die bischöfliche Autorität wird durch das Instrumentum Laboris zweifach untergraben. Erstens durch die Forderung nach einer „stärkeren Einbindung aller Gläubigen und damit eine ‚weniger exklusive‘ Ausübung der bischöflichen Rolle“ (B 2.5, c) sowie die Förderung eines „gemeinschaftlichen Unterscheidungsprozesses“ (B 3.2, 7). Zweitens, indem die bischöfliche Autorität von nicht-hierarchischen Beratungsgremien abhängig und diesen gegenüber „rechenschaftspflichtig“ gemacht werden soll, wie bei öffentlichen Einrichtungen. (Siehe B 3.3.8)

Die päpstliche Autorität wird zweifach untergraben. Erstens durch die Forderung, dass „die Übereinstimmung mehrerer ortskirchlicher Gruppierungen (Partikularkonzile, Bischofskonferenzen usw.) in ein und derselben Frage“ den Bischof von Rom „verpflichten sollte, diese für die Weltkirche zu übernehmen.“ (B 3.4)

• Aber die folgende Aussage des Lehramtes bleibt gültig: „Der Nachfolger Petri ist der Fels, der gegen Willkür und Konformismus eine unerbittliche Treue zum Worte Gottes gewährleistet.“[1]

Die hierarchische Struktur der Kirche wird durch einen zweideutigen Gebrauch des Wortes „Amt“ untergraben. Es wird, was nicht hilfreich ist, sowohl auf Geweihte als auch Nicht-Geweihten angewendet, etwa wenn versucht wird, „ein Verständnis von Dienstamtlichkeit zu fördern, das nicht auf das Weiheamt reduziert wird.“ (B 2.4, 6)[2]

• Aber die folgenden Aussagen des Lehramtes bleiben gültig: „Es muss anerkannt werden, dass die Sprache unsicher und verworren wird und somit ungeeignet, die Glaubenslehre auszudrücken, wenn der wesenhafte und nicht nur graduelle Unterschied (Lumen gentium, 10) zwischen dem Taufpriestertum und dem Weihepriestertum in irgendeiner Weise verwischt wird.“[3] „Nur kraft der Heiligen Weihe erhält es [Amt] jene Fülle und Eindeutigkeit der Bedeutung, die ihm die Tradition immer zugeschrieben hat“.[4]

Die hierarchische Struktur der Kirche wird auch durch die Einführung von „Vermittlern“ untergraben, welche „die Gemeinschaften … auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens“ begleiten (Nr. 42); und indem man Folgendes zu einer Priorität macht: „die Frage der Teilhabe von Frauen an der Leitung, an Entscheidungsprozessen, Sendung und Ämtern auf allen Ebenen der Kirche.“ (B 2.3, 3)

• Aber die folgenden Aussagen des Lehramts bleiben gültig: „Es muss sichergestellt werden, dass auf jeder Ebene - in der Sprache, in der Lehre, in der pastoralen Praxis, bei den Entscheidungen der Leitung - das Weiheamt in seiner ontologischen Besonderheit dargestellt wird, die keine Fragmentierung oder unangemessene Aneignung zulässt.“[5]

Die Einheit des Weihesakraments wird untergraben, indem von der Kirche „gefordert“ wird, die Diakonatsweihe von Frauen „zur Diskussion zu stellen“: „die Frage des Zugangs von Frauen zum Diakonat neu zu überdenken.“ (B 2.3, 4)

• Aber die folgenden Aussagen des Lehramts bleiben gültig: „dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“ und dass, weil das Sakrament der Weihe eines ist, Frauen sakramental überhaupt nicht geweiht werden können.[6]

Das von Gott geoffenbarte Sittengesetz wird dreifach untergraben.

Erstens gibt es schwerwiegende Unterlassungen, nämlich das Fehlen jeglicher Diskussion über Sünde, die Zehn Gebote und die Tugend der Keuschheit.

Zweitens wird die sogenannte LGBTQ-Bewegung implizit gefördert. Das beinhaltet die Förderung homosexueller Handlungen und der gegenwärtigen weltweiten totalitären „Gender-Ideologie“. Das Instrumentum Laboris beklagt jene, „die sich von der Kirche nicht akzeptiert fühlen, wie … katholische LGBTQ+“ (B 1.2 a); und es fordert von der Kirche, „auf Menschen zuzugehen, die sich aufgrund ihrer Affektivität und Sexualität von der Kirche ausgeschlossen fühlen (z. B. … LGBTQ+ usw.)“ (B 1.2,6)

• Aber die folgenden Aussagen des Lehramts bleiben gültig: „Um die Legalisierung der homosexuellen Lebensgemeinschaften zu stützen, kann man sich nicht auf das Prinzip der Achtung und der Nicht-Diskriminierung jeder Person berufen. … Wenn man den Lebensformen, die weder ehelich sind noch sein können, den sozialen und rechtlichen Status der Ehe nicht zuerkennt, widerspricht dies nicht der Gerechtigkeit, sondern wird im Gegenteil von ihr gefordert.“[7]

Drittens wird die Unmoral bezüglich der Ehe implizit gefördert. Das Dokument beklagt jene, „die sich von der Kirche nicht akzeptiert fühlen, wie Geschiedene und Wiederverheiratete, Menschen in polygamen Ehen“ (B 1.2, 6); und es fordert von der Kirche auf jene, „zuzugehen, die sich aufgrund ihrer Affektivität und Sexualität … ausgeschlossen fühlen (z.B. wiederverheiratete Geschiedene, Menschen in polygamen Ehen, usw.“ (B1.2, 6).

• Aber die folgenden Aussagen des Lehramts bleiben gültig: „Im Bereich der Sexualität kennen wir seine [Jesu Christi] entschiedene Haltung zur Unauflöslichkeit der Ehe (vgl. Mt 19,3-9) und seine Verurteilung des Ehebruchs, selbst wenn er nur im Herzen geschieht (vgl. Mt 5,27‑28). … Ist es realistisch, sich auf dem Gebiet des Ehelebens, der Abtreibung, der vorehelichen, außerehelichen oder homosexuellen Beziehungen einen ‚freizügigen‘ Christus vorzustellen? Die frühe christliche Urgemeinde, die von jenen belehrt wurden, die Christus persönlich gekannt hatten, war sicherlich nicht freizügig. … den zahlreichen Stellen in den paulinischen Briefen, die dieses Thema berühren (vgl. Röm 1,26 ff; 1 Kor 6,9; Gal 5,19) … mangelt es gewiss nicht an Klarheit und Strenge. Und es sind Worte, die von oben inspiriert sind. Sie bleiben normativ für die Kirche aller Zeiten.“[8]

„[Es] ist nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist) einschließen … die Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen [kann] nicht als zulässig angesehen werden, weil sie in gewisser Weise eine Nachahmung oder einen analogen Hinweis auf den Brautsegen darstellen würde, der auf den Mann und die Frau herabgerufen wird, die sich im Sakrament der Ehe vereinigen, da ‚es keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn.‘ (Franziskus Apostolische Exhortation Amoris laetitia, 251)“[9]

Das Leben und die Sendung der Kirche werden untergraben.

Der apostolische und übernatürliche Charakter des Lebens und der Sendung der Kirche werden dreifach untergraben.

Erstens gibt es schwerwiegende Unterlassungen, nämlich das Fehlen einer Diskussion über die eucharistische Anbetung, das Kreuz Christi und das letzte Ziel des Menschen in der Ewigkeit.

Zweitens gibt es eine weltliche Bürokratisierung der Kirche. Es ist die Förderung einer Art neo-pelagianischer Häresie der Aktion durch eine Zunahme von Strukturen und Versammlungen. Dabei werden die Schlüsselwörter „Konsensbildung“ und „Entscheidungsfindung“ verwendet, als ob die Kirche ein auf den Menschen ausgerichtetes Unternehmen wäre.

Drittens gibt es eine subjektivistische „Verpfingstlichung“ des kirchlichen Lebens. Dabei wird dem menschlichen Dialog, den inoffiziellen Gebeten und dem gegenseitigen Meinungsaustausch anmaßend eine vage geistliche Qualität zugeschrieben, wie das „Gespräch im Geist“ (vgl. Nr. 32-42), das „vom Heiligen Geist geleitet“ wird, „die leitende Rolle des Geistes“.

• Aber die folgenden Aussagen des Lehramtes bleiben gültig: „Die Kirche ist ihrer Natur nach eine andere Wirklichkeit als die bloß menschlichen Gesellschaften‘ und deshalb ist es  ,notwendig, zu bekräftigen, dass die Mentalität und die Praxis, die in bestimmten kulturellen, sozio-politischen Strömungen unserer Zeit existieren, nicht automatisch auf die Kirche selbst übertragbar sind.‘“[10]

Weitere schwerwiegende Verstöße.

Erstens wird das apostolische Gesetz des priesterlichen Zölibats in der lateinischen Kirche untergraben. Es wird gefordert, „eine Reflexion dazu zu eröffnen, ob die Regeln für den Zugang zum Priesteramt für verheiratete Männer zumindest in einigen Bereichen überarbeitet werden können“. (B 2.4, 9)

Zweitens wird eine materialistische Ideologie der Ökologie gefördert und zwar durch die Vorrangigkeit der „Sorge für das gemeinsame Haus“ (Nr. 4) oder die Behauptungen, dass „der Klimawandel zum Engagement der gesamten Menschheitsfamilie“ ermahnt. (B 1.1. b)

• Aber die folgenden Aussage des Lehramtes bleibt gültig: „Wenn das Recht auf Leben und auf einen natürlichen Tod nicht respektiert wird, wenn Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt des Menschen auf künstlichem Weg erfolgen, wenn Embryonen für die Forschung geopfert werden, verschwindet schließlich der Begriff Humanökologie und mit ihm der Begriff der Umweltökologie aus dem allgemeinen Bewusstsein. … Unsere Pflichten gegenüber der Umwelt verbinden sich mit den Pflichten, die wir gegenüber dem Menschen an sich und in Beziehung zu den anderen haben.“[11]

Schlussfolgerung

Das Instrumentum Laboris für die Versammlung der Synode über Synodalität im Oktober 2023 fördert im Kern, wenn auch auf sophistischere Weise, dieselben heterodoxen Ideen, die der deutsche Synodale Weg vorbringt.

Es ersetzt die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche durch eine fantastische „synodale Kirche“, die weltlich, bürokratisch, anthropozentrisch, neo-pelagianisch und hierarchisch sowie lehrmäßig vage ist - und all diese Merkmale werden mit salbungsvollen Ausdrücken wie „Gespräch im Geist“ maskiert.

Aber wir glauben nicht an eine „synodale Kirche“ - und niemand würde sein Leben für sie geben. Wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche, gegründet von unserem Herrn Jesus Christus, und wir halten an seiner unveränderlichen göttlichen Wahrheit fest, für die unzählige katholische Märtyrer ihr Blut vergossen haben.

29. Juni 2023 - Hochfest der Apostel Petrus und Paulus

+ Athanasius Schneider,

Weihbischof der Erzdiözese St. Maria in Astana

 

© Athanasius Schneidder, Weihbischof der Erzdiözese St. MAria in Astana

Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.


[1] Vollständiges Zitat: „Der römische Bischof steht - wie alle Gläubigen - unter dem Worte Gottes und unter dem katholischen Glauben. Er ist Garant für den Gehorsam der Kirche und in diesem Sinn servus servorum. Er entscheidet nicht nach eigener Willkür, sondern ist Stimme für den Willen des Herrn, der zum Menschen in der von der Überlieferung gelebten und interpretierten Schrift spricht. Mit anderen Worten: Die episkope des Primats hat die Grenzen, die aus dem Gesetz Gottes und der in der Offenbarung enthaltenen, unantastbaren göttlichen Stiftung der Kirche hervorgehen. Der Nachfolger Petri ist der Fels, der gegen Willkür und Konformismus eine unerbittliche Treue zum Worte Gottes gewährleistet: Daraus folgt auch der martyrologische Charakter seines Primats.“ (Kongregation für die Glaubenslehre, Der Primat des Nachfolgers Petri im Geheimnis der Kirche, 31. Oktober 1998, Nr.7).

[2] Vgl. auch die folgenden Aussagen: „eine Sichtweise hinter sich zu lassen, wonach jede aktive Funktion in der Kirche allein den geweihten Amtsträgern (Bischöfen, Presbytern, Diakonen) vorbehalten ist und die Beteiligung der Getauften auf eine untergeordnete Mitarbeit reduziert wird“ (B 2.2. a); „macht die Erfahrung des gemeinsamen Gehens es in der Ortskirche möglich, sich neue Ämter im Dienst einer synodalen Kirche vorzustellen. (B 2.2. c); „spontane Ämter, einige anerkannte Ämter, die nicht eingesetzt werden“ (B 2.2. d).

[3] Vollständiges Zitat: „Um also von der ‚Teilnahme der Laien am pastoralen Dienst der Priester‘ zu sprechen, ist es zunächst notwendig, über den Begriff ‚Amt‘ und die verschiedenen Bedeutungen, die er in der theologischen und kanonischen Sprache annehmen kann, sorgfältig nachzudenken. […] Es muss anerkannt werden, dass die Sprache unsicher und verworren wird und somit ungeeignet, die Glaubenslehre auszudrücken, wenn der wesenhafte und nicht nur graduelle Unterschied (Lumen gentium, 10) zwischen dem Taufpriestertum und dem Weihepriestertum in irgendeiner Weise verwischt wird. Auch in der pastoralen Praxis muss man klar zwischen dem Taufpriestertum und dem hierarchischen Priestertum unterscheiden, sonst läuft man Gefahr, das theologische ‚Proprium‘ der Laien zu entwerten und die „spezifische ontologische Verbundenheit des Priesters mit Christus, dem Hohenpriester und Guten Hirten“ zu vergessen (Johannes Paul II., Pastores dabo vobis, 1)“. (Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer einer Versammlung der Kongregation für den Klerus, 22. April 1994, Nr.4).

[4] Vollständiges Zitat: „Wenn man hingegen den Begriff [Amt] in der Beziehung und im Vergleich zwischen den verschiedenen ‚munera‘ und ‚officia‘ differenziert, dann muss man deutlich darauf hinweisen, dass er nur kraft der Heiligen Weihe jene Fülle und Eindeutigkeit der Bedeutung erhält, die ihm die Tradition immer zugeschrieben hat. Die Klärung und Reinigung der Sprache wird zu einer pastoralen Dringlichkeit, weil dahinter viel gefährlichere Fallstricke lauern können, als man denkt. Von der Alltagssprache zur Konzeptualisierung ist es nur ein kleiner Schritt.“ (Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer einer Versammlung der Kongregation für den Klerus, 22. April 1994, Nr.4).

[5] Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer einer Versammlung der Kongregation für den Klerus, 22. April 1994, Nr. 6.

[6] Johannes Paul II., Ordinatio Sacerdotalis, 22. Mai 1994, Nr. 4.

[7] Vollständiges Zitat: „Um die Legalisierung der homosexuellen Lebensgemeinschaften zu stützen, kann man sich nicht auf das Prinzip der Achtung und der Nicht-Diskriminierung jeder Person berufen. Eine Unterscheidung unter Personen oder die Ablehnung einer sozialen Anerkennung oder Leistung sind nämlich nur dann unannehmbar, wenn sie der Gerechtigkeit widersprechen (Vgl. Hl. Thomas von Aquin, Summa Theologiae, II-II, q. 63, a. 1, c.). Wenn man den Lebensformen, die weder ehelich sind noch sein können, den sozialen und rechtlichen Status der Ehe nicht zuerkennt, widerspricht dies nicht der Gerechtigkeit, sondern wird im Gegenteil von ihr gefordert.“ (Kongregation für die Glaubenslehre, Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen, 3. Juni 2003, Nr.8).

[8] Vollständiges Zitat: „Im Bereich der Sexualität kennen wir seine [Jesu Christi] entschiedene Haltung zur Unauflöslichkeit der Ehe (vgl. Mt 19,3-9) und seine Verurteilung des Ehebruchs, selbst wenn er nur im Herzen geschieht (vgl. Mt 5,27-28). Und wie könnte man nicht beeindruckt sein, von dem Gebot, ‚sich das Auge auszureißen‘ und ‚die Hand abzuschneiden‘, wenn diese Gliedmaßen ‚zum Bösen verführen‘ (vgl. Mt 5,29-30)? Ist es angesichts dieser eindeutigen Bezüge im Evangelium realistisch, sich auf dem Gebiet des Ehelebens, der Abtreibung, der vorehelichen, außerehelichen oder homosexuellen Beziehungen einen ‚freizügigen‘ Christus vorzustellen? Die frühe christliche Urgemeinde, die von jenen belehrt wurden, die Christus persönlich gekannt hatten, war sicherlich nicht freizügig. Es genügt hier, auf die zahlreichen Stellen in den paulinischen Briefen zu verweisen, die dieses Thema berühren (vgl. Röm 1,26 ff; 1 Kor 6,9; Gal 5,19). Den Worten des Apostels mangelt es gewiss nicht an Klarheit und Strenge. Und es sind Worte, die von oben inspiriert sind. Sie bleiben normativ für die Kirche aller Zeiten.“ (Johannes Paul II., Treffen mit den Jugendlichen in Amersfoort, 14. Mai 1985).

[9] Vollständiges Zitat: „Um der Natur der Sakramentalien zu entsprechen, ist es deshalb erforderlich, dass, wenn über einige menschliche Beziehungen ein Segen herabgerufen wird, abgesehen von der rechten Absicht derjenigen, die daran teilnehmen, die zu segnende Wirklichkeit objektiv und positiv darauf hingeordnet ist, die Gnade zu empfangen und auszudrücken, und zwar im Dienst der Pläne Gottes, die in die Schöpfung eingeschrieben und von Christus dem Herrn vollständig offenbart sind. Mit dem Wesen der von der Kirche erteilten Segnung ist daher nur vereinbar, was an sich darauf hingeordnet ist, diesen Plänen zu dienen. Aus diesem Grund ist es nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist (vgl. Katechismus der katholischen Kirche, Nr. 2357). Das Vorhandensein positiver Elemente – die in sich betrachtet dennoch zu schätzen und hervorzuheben sind – in solchen Beziehungen ist trotzdem nicht in der Lage, diese zu rechtfertigen und sie daher rechtmäßig zum Gegenstand einer kirchlichen Segnung zu machen, weil diese Elemente im Dienst einer Verbindung stehen, die nicht auf den Plan des Schöpfers hingeordnet ist. Da die Segnungen für Personen in Beziehung zu den Sakramenten stehen, kann darüber hinaus die Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen nicht als zulässig angesehen werden, weil sie in gewisser Weise eine Nachahmung oder einen analogen Hinweis auf den Brautsegen darstellen würde, der auf den Mann und die Frau herabgerufen wird, die sich im Sakrament der Ehe vereinigen, da „es keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn.“ (Franziskus, Apostolisches Schreiben Amoris laetitia, Nr. 251)“ (Kongregation für die Glaubenslehre, Responsum ad dubium der Kongregation für die Glaubenslehre über die Segnung von Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts, 15. März 2021)

[10] Vollständiges Zitat: „[Es] muss immer daran erinnert werden, dass die Kirche ‚ihrer Natur nach eine andere Wirklichkeit ist als die bloß menschlichen Gesellschaften‘ und dass es daher ‚notwendig ist, zu bekräftigen, dass die Mentalität und die Praxis, die in bestimmten kulturellen, sozio-politischen Strömungen unserer Zeit existieren, nicht automatisch auf die Kirche selbst übertragbar sind‘ (vgl. Kongregation für den Klerus, Direktorium für den Dienst und das Leben der Priester, 17).“ (Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer einer Versammlung der Kongregation für den Klerus, 22. April 1994, Nr. 3).

[11] „Wenn das Recht auf Leben und auf einen natürlichen Tod nicht respektiert wird, wenn Empfängnis, Schwangerschaft und Geburt des Menschen auf künstlichem Weg erfolgen, wenn Embryonen für die Forschung geopfert werden, verschwindet schließlich der Begriff Humanökologie und mit ihm der Begriff der Umweltökologie aus dem allgemeinen Bewusstsein. Es ist ein Widerspruch, von den neuen Generationen die Achtung der natürlichen Umwelt zu verlangen, wenn Erziehung und Gesetze ihnen nicht helfen, sich selbst zu achten. Das Buch der Natur ist eines und unteilbar sowohl bezüglich der Umwelt wie des Lebens und der Bereiche Sexualität, Ehe, Familie, soziale Beziehungen, kurz der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen. Unsere Pflichten gegenüber der Umwelt verbinden sich mit den Pflichten, die wir gegenüber dem Menschen an sich und in Beziehung zu den anderen haben.“ (Papst Benedikt XVI., Enzyklika Caritas in veritate, 51)


Freitag, 14. Mai 2021

Wahlprogramm Grüne: Gender zur Staatsdoktrin erheben


Mathias von Gersdorff

Das neue Wahlprogramm der Grünen ist ein Plan zur Etablierung von Gender als Staatsdoktrin.

Die Grünen sind nämlich der Ansicht, der Staat sollte die Gender-Ideologie in allen Bereichen des politischen und gesellschaftlichen Lebens durchsetzen.

Großzügig finanziert mit den Steuern der Bürger.

Das ist nicht wirklich neu, bemerkenswert ist jedoch, wie die Grünen – früher mal eine Partei von Basisdemokratie und Graswurzelbewegungen – gar nicht mehr die Notwendigkeit verspüren, irgendwie ihre Pläne zur staatlich gelenkten ideologischen Transformation Deutschlands zu verheimlichen.

Einige Kostproben aus dem Wahlprogramm, der zurzeit noch als Entwurf vorliegt:

* Ein ganzes Kapitel widmet sich dem Thema „Wir rücken Feminismus, Queerpolitik und Geschlechtergerechtigkeit in den Fokus“.

* „Es wird Zeit für eine feministische Regierung, in der Frauen und Männer gleichermaßen für Geschlechtergerechtigkeit eintreten.“

* „Wir gestalten unsere Außen-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik feministisch.“

* „Die neu geschaffene Bundesstiftung Gleichstellung [Anmerkung des Red.: Im Wesentlichen eine steuerfinanzierte Stiftung zur Förderung von Gender] werden wir zu einer effektiven Institution ausbauen, die gesichertes Wissen zu den Lebenslagen aller Geschlechter bereitstellt und wirksame Maßnahmen für Gleichberechtigung entwickelt, bündelt und für Wirtschaft, Politik und Öffentlichkeit zugänglich macht.“

* „Werdende Demokrat*innen brauchen Mitmach- und Medienkompetenz sowie politische Bildung, die wir als Querschnittsaufgaben in Kitas, Schulen und Jugendhilfe konzeptionell und finanziell stärken.“

* „Ob Patchwork-, Stief- oder Regenbogenfamilie – Familien sind vielfältig und diese Vielfalt muss ein modernes Familienrecht auch abbilden. Soziale Eltern übernehmen innerhalb der Familie oft Verantwortung und sind wichtige Wegbegleiter.“

Die Grünen sehen sich wie Missionare einer neuen Menschheit, die vom Gender-Credo geleitet wird.

Machen Sie mit - für die Zukunft der Kinder

Wir sind dazu aufgerufen, Widerstand gegen diese Gender-Revolution zu leisten.

Deshalb bin ich Ihnen sehr dankbar, wenn Sie unsere Petition „Keine Gender-Schule in Deutschland – Kein Gender als Staatsdoktrin“ unterstützen:

Link zur Petition: https://www.aktion-kig.eu/keine-gender-schule/

Mit diesem Wahlprogramm rufen die Grünen zu einer Revolution der Dekonstruktion, zu einer Demolierung der Zivilisation, der christlichen Kultur und somit sämtlicher traditioneller Werte, Prinzipien und Institutionen auf.

Man könnte an dieser Stelle einwenden, dass diese Ziele (Umdeutung des Ehebegriffs, Gender, Abstammungsrecht etc.) nicht ganz neu bei den Grünen sind.

Richtig, doch neu sind die Radikalität und der Wille zu dieser Revolution.

Robert Habeck, Vorsitzender der Grünen, hat auf dem letzten Bundesparteitag betont, die Grünen wollten nun die Macht erringen.

Sie begnügen sich also nicht mehr wie bisher, nur Einfluss zu haben (womit sie allerhand erreicht haben).

Die Grünen wollen nun alle Hebel der staatlichen Macht nutzen, um ihre Agenda durchzusetzen.

Wir müssen uns also auf einen heftigen Angriff vorbereiten, ein Angriff, der alles zerstören will, woran wir glauben: Ehe, Familie, Zivilisation, christliche Kultur.

Nur eine starke Mobilisierung der christlichen Basis und der Gesellschaft wird sicherstellen, dass dieser Angriff gestoppt wird.

Wir dürfen uns nicht auf Politiker jeglicher Couleur verlassen.

Die christliche Basis der Gesellschaft muss selber dafür sorgen, dass die Dekonstruktions-Revolution der Grünen nicht realisiert werden kann.

31. März 2021 in Bündnis90/Grüne, Gender

 

 

Quelle: https://www.aktion-kig.eu/2021/03/wahlprogramm-gruene-gender-zur-staatsdoktrin-erheben/