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Dienstag, 24. Februar 2026

Da der Islam das Christentum in Russland in der Praxis überholt...

 ... fragen sich viele: Ist das heilige Russland noch heilig?


von John Horvat II
am 6. Februar 2026

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion glaubten viele, die russisch-orthodoxe Kirche erlebe eine Wiederbelebung, die Erinnerungen an das „heilige Russland“ wachrief. Die äußeren Anzeichen offizieller Regierungspolitik, die die Orthodoxie förderte, und der Wiederaufbau von Kirchen wurden als Beweis für einen positiven Wandel angeführt.

Jüngste Erkenntnisse und Statistiken, insbesondere jene zum aufkommenden Islam in Russland, lassen jedoch Zweifel am Schicksal des „heiligen Russlands“ aufkommen. Die Zahlen deuten weder auf eine Wiederbelebung noch auf einen Zuwachs an Anhängern oder eine höhere Gottesdienstbesuchsrate hin.

Alles scheint darauf hinzudeuten, dass Russland in seinem Niedergang und seinem Mangel an religiöser Inbrunst den meisten modernen Nationen folgt. Seine Situation ist nichts Besonderes.

Die russische Situation spiegelt auch die christlich-nationalistische Ausrichtung wider, in der das Christentum eher oberflächlich, verbunden mit Symbolen, Praktiken und Bräuchen, denn mit Glauben oder Lehre assoziiert wird. Christsein ist vielmehr ein Identitätsmerkmal als ein Bekenntnis zu Glauben oder die Einhaltung eines moralischen Gesetzes.

Demografischer Zusammenbruch

Erstes Anzeichen eines Problems ist die demografische Krise, verursacht durch Russlands niedrige Geburtenrate. Die schlechte Nachricht is dass, der russische Föderale Staatliche Statistikdienst (Rosstat) keine aktuellen Bevölkerungsdaten veröffentlicht. Zuverlässige unabhängige Demografen zeichnen jedoch ein düsteres Bild der Zukunft. Die ethnisch russische Bevölkerung schrumpft; Regionen mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit und stärkerer religiöser Praxis wachsen.

Die Russische Akademie für Volkswirtschaft berichtet, dass etwa 130 Städte mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern aufgrund sinkender Bevölkerungszahlen bald verschwinden könnten. Die Gesamtbevölkerung des Landes liegt bei etwa 145 Millionen Menschen, wobei das geringfügige Wachstum darauf zurückzuführen ist, dass die „annektierten“ Gebiete der Krim und der Ukraine miteingerechnet wurden. Das Land befindet sich in einer schwierigen Lage, da die Bevölkerungszahl bis 2100 auf die Hälfte sinken könnte. Russlands Geburtenrate ist seit über einem Jahrzehnt rückläufig. Die derzeitige Rate von 1,4 Kindern pro Frau deutet darauf hin, dass die christlichen Werte, die Empfängnis und Geburten fördern, nicht eingehalten werden.

Eine wachsende muslimische Präsenz

Noch besorgniserregender ist die Lage der Religion. Russland könnte im Jahr 2075 durchaus als muslimisches Land gelten, wenn die Zahl der orthodoxen Russen fast der Zahl der ethnischen Gruppen entspricht, die den Islam praktizieren.

Auch die Religionsausübung ist gering, obwohl die genauen Zahlen variieren. Die russische Stiftung für öffentliche Meinung berichtete 2024, dass sich 62 % der russischen Bürger (rund 92 Millionen Menschen) nominell als orthodox bezeichnen. Der Russia Arena Atlas von 2012 bezifferte die Zahl auf unter 68 Millionen, einschließlich anderer Christen, die nicht der russisch-orthodoxen Kirche angehören.

Viele bezeichnen sich zwar als Christen, aber weniger als 3 % praktizieren ihren Glauben aktiv. Tatsächlich sind Muslime tendenziell religiöser als ethnische Russen. Russland entwickelt sich heute, aus religiöser Sicht, zunehmend vom Christentum in den Islam.

Der Online-Newsletter „SSPX News“ berichtet, kaum Anzeichen für eine postsowjetische „religiöse Wiederbelebung“ gefunden zu haben. Dieser Artikel der Priesterbruderschaft St. Pius X., einer traditionalistischen katholischen Gruppe mit Missionen in Russland, stammt von Beobachtern, die die Entwicklungen genau verfolgen können. Im Bericht heißt es, dass es seit vielen Jahren, insbesondere seit Putins Machtantritt (2000), keinen Trend zu einer Zunahme der praktizierenden Gläubigen gegeben habe.

„Im Gegenteil, okkulte Praktiken nehmen eher zu“, heißt es weiter, „doch sie können es bei Weitem nicht mit dem leidenschaftlichen Bekenntnis zum islamischen Glauben aufnehmen. Beim letzten Kurban-Bayram-Fest versammelten sich über eine halbe Million Gläubige in den beiden Hauptstädten Moskau und St. Petersburg, verglichen mit 200.000 orthodoxen Christen zu Ostern.“

Die russisch-orthodoxe Kirche bezeichnete den umfassenden und ungerechtfertigten Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 als „Heiligen Krieg“. Die religiöse Praxis und Inbrunst der Katholiken in der Ukraine übertrifft jedoch die des militärischen Aggressors bei Weitem. Laut einer Umfrage des Pew Research Centers geben beispielsweise 43 % der Katholiken in der Ukraine an, mindestens einmal wöchentlich einen Gottesdienst zu besuchen.

Das nationalistische Modell

Obwohl die Daten die Annahme einer postsowjetischen oder gar einer Putin’schen Wiederbelebung des Christentums in Russland nicht stützen, lässt sich die Anziehungskraft religiöser Bilder und Rhetorik auf die russische Bevölkerung nicht leugnen. Dieser Trend spiegelt ein nationalistisches Modell wider, das nicht nur in Russland, sondern weltweit, insbesondere im Westen, anzutreffen ist.

Dieses Modell bevorzugt eine „säkularisierte Vorstellung von Christentum“ anstelle eines Glaubensbekenntnisses oder eines Moralkodex. Das Christentum dient zudem als bequemer Maßstab, um den sich berechtigterweise besorgte Bürger gegen Masseneinwanderung, die Ideologie der Woke-Bewegung und liberale Anliegen mobilisieren können.

All diese kulturellen Ausdrucksformen sprechen das religiöse Empfinden vieler Christen an. Das populistische Modell führt diese Gefühle jedoch nicht zu ihren Konsequenzen in Form von Konversion, der Ausübung christlicher Tugenden und der Verehrung Gottes. Oftmals übernehmen sie fremdartige Ideologien und sogar heidnische Praktiken. Solche oberflächlichen Impulse besitzen nicht die Kraft, Seelen und Gesellschaften zu verändern.

Somit ist das russische Modell eine Illusion, nicht die Antwort auf seine Probleme. Das Heilige Mutter Russland wird erst dann heilig werden, wenn sie zum katholischen Glauben konvertiert, wie es die Muttergottes in Fatima vorausgesehen hat.

 

Bildnachweis: © AfrandeePhotography – stock.adobe.com

Erstveröffentlichung auf tfp.org

Deutsche Erstveröffentlichung in  www.r-cr.blogspot.com

Donnerstag, 27. März 2025

Von Jalta nach Moskau, 1945 -- 2025

 von Roberto de Mattei
26. März 2025


 

Das Schreckgespenst der Konferenz von Jalta schwebt über Europa, während internationale Beobachter über die Möglichkeit eines Endes des Krieges zwischen Russland und der Ukraine und die Folge eines möglichen Waffenstillstands debattieren.

Es ist noch zu früh, sich eingehend mit den Vorzügen der derzeit zwischen den USA und Russland laufenden Verhandlungen zu befassen. Allerdings scheint die Analogie zu den Abkommen von Jalta aus dem Jahr 1945 weniger den geopolitischen Aspekt zu betreffen, sondern vielmehr die psychologische Beziehung zwischen den Gesprächspartnern. Ein alter Essay des französischen Historikers Arthur Conte: „Jalta oder die Teilung der Welt“ - Der 11. Februar 1945 (Robert Laffont, 1964, Übersetzung: Gherardo Casini, 1967) hilft uns, eine gewisse Ähnlichkeit zwischen den gegenwärtigen Verhandlungen und denen zu verstehen, die vor achtzig Jahren am Schwarzen Meer stattfanden.

Josef Stalin, Lenins alter Kampfgefährte und inzwischen Herrscher über ganz Russland, war der unbestrittene Protagonist des Treffens zwischen den Staatschefs der drei Siegermächte USA, Großbritannien und Russland, das vom 11. bis 14. Februar 1945 auf der Krim stattfand. Stalin war ein Mann, der sein ganzes Leben mit Intrigen verbrachte, die er entweder selbst plante oder vereitelte. „So banal und gefährlich wie ein kaukasischer Dolch“, sagte der revolutionäre Schriftsteller Victor Serge über ihn. Der russische Diktator betrachtete den Westen als eine kranke Welt, die gemäß Marx‘ Theorien zur Evolution der Gesellschaft auf Niedergang und Tod zusteuerte. Trotz seiner Krankheit war der kapitalistische Feind zu letzten Zuckungen fähig und Stalin war davon überzeugt, dass er zur Selbstverteidigung eine Kette von Pufferstaaten um die Grenzen seines Landes herum errichten müsse. Das Dogma der Einkreisung war für ihn wie eine Obsession. Daher das Ziel, an den Grenzen der UdSSR möglichst viele Schutzzonen zu errichten und auf die eine oder andere Weise den größten Teil Mittel- und Osteuropas zu kontrollieren.

Stalin fürchtete Churchill und hatte seinen bevorzugten Gesprächspartner im amerikanischen Präsidenten Franklin Delano Roosevelt, der krank und geschwächt in Jalta ankam. Roosevelt war gebrechlich, seit er als junger Mann an Kinderlähmung erkrankte. Er stammte aus einer wohlhabenden Familie und war ein Narzisst, der sich nie um Geld Sorgen gemacht hatte und sich in seinem Streben nach Macht nie eingehend mit den wichtigen Themen seiner Zeit auseinandergesetzt hatte. Als er in Jalta ankam, waren zwei Ideen vorherrschend: den Krieg so schnell wie möglich zu beenden und einen dauerhaften Frieden zu organisieren. Vor allem aber hegte er den Traum, der „Mann des Friedens“ und damit der größte Mann aller Zeiten zu sein. Er war davon überzeugt, dass der einzige Weg zum Frieden die Gründung einer Organisation der Vereinten Nationen sei, der die Anwesenheit der UdSSR und der USA jene Autorität verleihen würde, die dem unglückseligen Völkerbund in den 1930er Jahren gefehlt hatte. Um Stalins Unterstützung für sein Projekt zu erhalten, war Roosevelt bereit, jeden Preis zu zahlen. Seine oberflächliche Meinung über den Kreml-Autokraten zeigt sich in seiner ungeduldigen Antwort an Botschafter William Christian Bullitt, der ihn warnen wollte: „Bill, ich bestreite Ihre Argumentation nicht. Ich habe nur den Eindruck, dass Stalin nicht so ein Mann ist. Harry [Hopkins] sagt, er sei es nicht und wolle nichts als Sicherheit für sein Land. Ich denke, wenn ich ihm alles gebe, was ich ihm geben kann, und nichts dafür verlange – Noblesse oblige (Adel verpflichtet) –, wird er keine Annexion anstreben und mit mir für eine Welt der Demokratie und des Friedens arbeiten.“ (https://time.com/archive/6824640/historical-notes-we-believed-in-our-hearts/). Harry Hopkins, ein hochrangiger Freimaurer und Roosevelts wichtigster Mitarbeiter, behauptete: „Es besteht kein Zweifel, dass die Russen das amerikanische Volk lieben. Sie lieben die Vereinigten Staaten. Sie vertrauen den Vereinigten Staaten mehr als jeder anderen Macht der Welt.“

Roosevelt kehrte aus Jalta zurück und war davon überzeugt, dass es ihm gelungen war, Stalin zu zähmen. Doch Stalins Absichten waren klar: Die baltischen Länder waren bereits ein integraler Bestandteil des Sowjetimperiums, er machte kaum einen Hehl daraus, dass er Finnland und Jugoslawien sowjetisieren wollte, er hatte Bulgarien fest im Griff und in Rumänien fand ein Putsch statt. In Jalta wurde dem internationalen Kommunismus die Naivität des Westens bewusst. Die Sowjetisierung Osteuropas, der Sieg Mao Tse-tungs in China, der Fall Koreas und Indochinas, der Bau der Berliner Mauer und die Eroberung Kubas – all dies waren laut Arthur Conte eine Folge von Stalins Sieg in Jalta. Und wir müssen in den Abkommen von Jalta auch die Ursache und Inspiration der großen russischen Nachkriegskampagnen für den Pazifismus suchen.

Trumps Charakter und sein politisches Projekt unterscheiden sich sicherlich von denen Roosevelts. Doch was sollen wir vom Immobilienmakler Steve Witkoff halten, dem der amerikanische Präsident die Aufnahme der heiklen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine anvertraut hat? Witkoff wurde am 21. März 2025 von Tucker Carlson interviewt, um über sein Treffen mit dem russischen Präsidenten in Moskau in der vergangenen Woche zu sprechen. Während des Interviews berichtete Witkoff vor einem fast gerührten Carlson, dass Putin bei einem der besten russischen Künstler ein wunderschönes Porträt von Trump in Auftrag gegeben und es ihm gegeben habe, damit er es dem Präsidenten überbringe, der davon gerührt gewesen sei. Putin habe ihm zudem erzählt, dass er nach dem Anschlag in Pennsylvania am 14. Juli in die Kirche gegangen sei, um für Trump zu beten. Für Trumps Gesandten sei Putin „kein schlechter Mensch“ und „wolle nicht den gesamten Alten Kontinent erobern“. Im Gegenteil, sagte er, sei er ein „großartiger“ Führer, der versuche, den seit drei Jahren andauernden Konflikt zwischen Moskau und Kiew zu beenden. „Mir hat es gefallen. Ich dachte, er wäre ehrlich zu mir“, wiederholte Witkoff (https://www.youtube.com/watch?v=acvu2LBumGo).

Beim Anhören des Interviews fällt der Optimismus und die Unerfahrenheit von Trumps Gesandtem angesichts eines alten KGB-Fuchses wie Wladimir Putin auf. Dies bedeutet nicht, dass der amerikanische Präsident die Eindrücke seines Assistenten teilt. Es ist sehr schwierig, sich in Trumps Denkweise hineinzuversetzen, obwohl er redseliger und extrovertierter ist als Putin. Die Strategie des Kremlchefs hat allerdings den Vorteil, klar zu sein, denn sie wurde in den vergangenen fünfzehn Jahren immer wieder zum Ausdruck gebracht. In einem Interview mit Tucker Carlson am 9. Februar 2024 argumentierte Putin nach einer langen Geschichtsstunde, dass die Ukraine seit ihrer Entstehung ein historischer Teil „Großrusslands“ gewesen sei und dies auch wieder werden werde. Bei anderen Gelegenheiten bezeichnete er Stalin als sein Vorbild, den er als den Patrioten betrachtete, der im Zweiten Weltkrieg den „Großen Vaterländischen Krieg“ gewann und die Einheit Russlands wiederherstellte und ihm seine Rolle als Großmacht zurückgab. Um dieses Ziel zu erreichen, musste Stalin alle Befürchtungen der Angelsachsen hinsichtlich seiner revolutionären Absichten zerstreuen. Unter anderem entschied er deshalb, dass die Internationale nicht länger die Nationalhymne sein sollte. Die neue Hymne, vertont von Alexander Alexandrow und mit Texten von Sergei Michalkow und Gabriel El-Registan, wurde am 1. Januar 1944 erstmals im russischen Radio ausgestrahlt und enthielt den Refrain: „Ehre sei dir, freies Vaterland – sicheres Bollwerk der Völkerfreundschaft – möge die sowjetische Flagge, die Nationalflagge, von Sieg zu Sieg wehen!“ Nach dem Zusammenbruch des Sowjetregimes im Jahr 1991 wurde die Melodie abgeschafft, doch im Jahr 2000 wurde sie von Putin als Nationalhymne der Russischen Föderation wiedereingeführt und bringt seinen Willen zur Macht zum Ausdruck.

Der ehemalige Chef des KGB in Moskau, General Jewgeni Sawostjanow, der heute im Exil lebt, erklärte in einem Interview mit dem „Corriere della Sera“ am 25. März: „Putin wird einen vollständigen Waffenstillstand nur dann akzeptieren, wenn er sicher ist, dass er seine wichtigsten Ziele erreichen kann. Er möchte unbedingt als „der große Sammler russischen Landes“ in die Geschichte eingehen, als derjenige, der den Zerfall des Imperiums, der 1867 mit dem Verkauf Alaskas an die USA begann, rückgängig machte. Es ist nicht nur für ihn selbst. Durch die Eingliederung der Ukraine und Weißrusslands in einen einzigen Staat könnte „die Bevölkerung“ des Landes auf rund 188 Millionen anwachsen und gleichzeitig die Mobilisierungsressourcen, den internen Verbrauchermarkt und die Arbeitskräfte ausgebaut werden. Diese Theorie war dem alten KGB wichtig: Je kleiner Russland ist, desto unregierbarer wird es. Sein Hauptziel hat sowohl eine praktische als auch eine ideologische Grundlage.“ „Europa muss aufwachen“, schlussfolgert Savostyanov. Doch die Warnung gilt auch den Amerikanern.

 Corrispondenza Romana Nr. 1891

 

Aus dem Italienischen mir Google-Übesetzer von

https://www.corrispondenzaromana.it/da-yalta-a-mosca-1945-2025/

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
www.p-c-o.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

Mittwoch, 13. November 2024

Russland und China wollen arktische Handelsrouten dominieren

und militärische Präsenz in Norwegen aufbauen


von Gary Isbell,
22. Oktober 2024

     Das fast 650 Meilen oberhalb des Polarkreises gelegene norwegische Spitzbergen bietet wunderschöne Berge, Gletscher und Fjorde. Es ist auch die Heimat von Hunderten von Eisbären und ein beliebter Ort, um das Nordlicht zu beobachten. Dieser norwegische Archipel mit weniger als 3.000 Einwohnern entwickelt sich dank der Aggression Russlands und Chinas schnell zu einem geopolitischen Brennpunkt.

     Spitzbergen genießt einen besonderen Status aufgrund eines Spitzbergenvertrags von 1920, der Norwegen die Souveränität über die Inseln verlieh, allerdings mit einer merkwürdigen Bedingung: Die anderen Unterzeichnerstaaten, darunter das damals kommunistische Russland, durften Ressourcen frei nutzen und Forschung betreiben – aber nicht militarisieren.

     Nun nutzen Russland und China (das das Abkommen nicht unterzeichnet hat) das Abkommen, um die Kontrolle über die Handelsrouten in der Arktis zu erlangen und ihre militärische Präsenz zu verstärken. Norwegens NATO-Mitgliedschaft erschwert dies zusätzlich.

     So besuchte beispielsweise kürzlich eine chinesische Delegation Spitzbergen, um sich mit russischen Beamten zu treffen. Beide Seiten diskutierten über die Neuentwicklung von Pyramiden, einer verlassenen Kohlebergbausiedlung aus der Sowjetzeit, die heute von Polarfüchsen und Eisbären bewohnt wird. Mit Chinas Hilfe möchte Russland Pyramiden zu einem Forschungszentrum ausbauen, in der Hoffnung, Touristen in eine Art „sowjetisches Disneyland“ zu locken.

     Spitzbergen steht also am Scheideweg, wie es sich in den Machtdynamiken verhalten soll, die in einem der empfindlichsten Gebiete der Welt zusammenlaufen. Die Spannungen in Spitzbergen waren seit dem Zweiten Weltkrieg nie stärker.

     Die Russen haben auf einer Insel Paraden zur Demonstration ihrer Militärpräsenz gefördert und warnen Norwegen davor, ihre Präsenz in Frage zu stellen. Ein russischer Anwalt hat sogar vorgeschlagen, auf dem Archipel ein Gefängnis für Terroristen zu errichten.

     China wiederum hat Interesse am Erwerb von Land auf dem Archipel gezeigt. Offizielle Stellen haben vorgeschlagen, dort eine Laserforschungsstation zu errichten. Norwegische Politiker befürchten, dass die Station für Spionagezwecke genutzt werden könnte.

     Die arktischen Handelsrouten und ungenutzten Ressourcen machen Spitzbergen so wichtig. Das Gebiet soll Öl, Erdgas und andere Mineralien bergen. Moskau und Peking möchten die nördliche Seeroute nutzen, um die traditionellen Engpässe am Suezkanal und der Straße von Malakka zu umgehen.

     Sowohl Russland als auch China sind in der Arktis aktiv. Russland hat einige seiner alten Stützpunkte aus der Sowjetzeit auf dem Festland reaktiviert. China, das 900 Meilen vom Polarkreis entfernt liegt, bezeichnet sich mittlerweile als „arktisnahe“(!) Nation und baut neue Eisbrecher, um einst zugefrorene Routen offen zu halten.

     Spitzbergen hat eine besonders günstige Lage am Bear Gap, einer wichtigen Seeroute zwischen dem norwegischen Festland und dem Archipel. Die russische Nordflotte und ihr U-Boot-Stützpunkt befinden sich auf der nahegelegenen Halbinsel Kola. NATO-Vertreter befürchten, dass Russland im Falle eines Konflikts den Bear Gap schließen würde, um US- und NATO-Schiffen die Einfahrt zu verwehren.

     Norwegen reagierte darauf mit einer drastischen Erhöhung seiner Militärausgaben für neue U-Boote, Überwachungsdrohnen und Weltraumkapazitäten zur Überwachung der Arktis. Der Geheimdienstaustausch mit den USA nahm zu, und die norwegische Polizei ist nun in russischen Siedlungen auf Spitzbergen sichtbarer tätig.

     Anfangs zog Spitzbergen die Menschen nicht wegen seiner geopolitischen Bedeutung an, sondern wegen seines Kohlebergbaus. Obwohl Russland die Pyramiden-Mine 1998 geschlossen hat, schürft es in Barentsburg immer noch, um seine Stellung auf dem Archipel zu behaupten.

     In jüngster Zeit ist der Verdacht gewachsen, dass Russland mehr als nur Bergbau im Schilde führt. Im Januar 2022 wurde ein mutmaßlich russischer Fischereitrawler beschuldigt, ein wichtiges Untersee-Internetkabel, das Spitzbergen verbindet, durchtrennt zu haben, nachdem er dieselbe Stelle über 20 Mal durchquert hatte. Die norwegischen Behörden haben die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen, aber ihre Sicherheitsbeamten gehen davon aus, dass die Beschädigung vorsätzlich verursacht wurde.

     Russland veranstaltete im vergangenen Jahr zum ersten Mal eine Militärparade in der mehrheitlich russischen Stadt Barentsburg (300 Einwohner). Die Parade bestand aus etwa 50 Fahrzeugen und zog die Hauptstraße entlang. Diese Aktion verstieß gegen den Vertrag von 1920, der „kriegerische“ Aktivitäten auf Spitzbergen verbot. Russland wurde für den unerlaubten Einsatz eines Mi-8-Hubschraubers, der über die Inseln flog, mit einer Geldstrafe belegt.

     In diesem Jahr wurden die norwegischen Flaggen auf einem Kohleverladekran im Hafen von Pyramiden durch russische Flaggen ersetzt.

     Im Februar sandte der russische stellvertretende Ministerpräsident Juri Trutnew eine Warnung an Norwegen, dass die russischen Rechte auf Spitzbergen nicht in Frage gestellt werden dürften, da es sich um „einen Kampf um unsere Souveränität, einen Kampf um die Rechte Russlands und der Russen“ handele.

     Norwegische Beamte haben auch chinesische Aktivitäten rund um die Inseln bemerkt.

     Im Juli blockierte die norwegische Regierung einen Landverkauf im Wert von 300 Millionen Dollar, da sie befürchtete, dass das Land in chinesische Hände gelangen könnte. Norwegische Beamte veröffentlichten interne Dokumente, aus denen hervorgeht, dass die Chinesen versucht haben, Land aufzukaufen und angeboten haben, eine Laserforschungsstation zu errichten, die mit Lasern 3D-Karten für autonome Fahrzeuge und militärische Zwecke erstellen soll.

     Der norwegische Geheimdienst Preparedness Services and Training (PST) berichtete, dass die chinesischen Forschungsaktivitäten auf Spitzbergen „eine chinesische Präsenz normalisieren und den Weg für Geheimdienstoperationen ebnen könnten“.

     Während das Risiko eines direkten militärischen Zusammenstoßes ungewiss bleibt, ist Spitzbergen besonders anfällig für mutige Schritte Russlands, die dessen langfristige Ziele einer Spaltung des Westens und einer Schwächung der NATO fördern könnten. In der Vergangenheit war Russland vorsichtig, was die Einbeziehung Chinas in die Arktis angeht, da es die Region als sein eigenes Territorium betrachtet.

     Seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben sich die Machtdynamiken jedoch zugunsten Chinas verschoben. Diese Verschiebung führt dazu, dass Russland wirtschaftlich und politisch stärker von China abhängig wird. Es besteht eine gute Chance, dass Moskau gezwungen sein wird, die Zusammenarbeit mit Peking in Bereichen zu verstärken, die es einst nur zögerlich zu erkunden suchte. Wenn die NATO beschließt, die Entwicklungen auf Spitzbergen zu ignorieren, wird sie für diese apathische Haltung einen hohen Preis zahlen.


Aus dem englischen in https://www.returntoorder.org/2024/10/russia-and-china-seek-to-dominate-artic-trade-routes-and-establish-military-presence-in-norway/?PKG=RTOE2089

Übersetzung ins Deutsche hier von diesem Blog www.r-cr.blogspot.com

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Bildnachweis:  © anetlanda – stock.adobe.com




Mittwoch, 23. November 2022

Russland wird katholisch sein – Teil II


von Roberto de Mattei

      Der Traum vieler russischer Konvertiten im 19. Jahrhundert, wie Pater Šuvalov, war auch der Titel eines Buches, das zu seiner Zeit Aufsehen erregte: La Russie sera-t-elle catholique? von Pater Ivan Gagarin von der Gesellschaft Jesu. Iwan Sergejewič Gagarin wurde am 20. Juli 1814 in Moskau geboren und entstammte einem illustren Fürstengeschlecht, das von den Fürsten von Kiew abstammte.

      Er war an der russischen Gesandtschaft in München und anschließend an der Botschaft in Paris tätig, wo er am französischen Geistesleben teilnahm und den Salon von Sophie Swetchine besuchte. Unter dem Einfluss von Swetchine selbst und Autoren wie Pyotr Jakovlevič Čaadaev (1794-1856), reifte seine Konversion zum Katholizismus. Am 7. April 1842 schwor er der orthodoxen Religion ab und nahm den katholischen Glauben an, und zwar in den Händen von Pater François Xavier de Ravignan (1795-1858), der sich bereits um die Bekehrung des Grafen Šuvalov gekümmert hatte. Iwan Gagarin verzichtete im Alter von 28 Jahren nicht nur auf eine glänzende politische und diplomatische Zukunft,
sondern auch auf die Hoffnung, in sein Heimatland zurückzukehren.

      Im Russland der Zaren war der Übertritt zum Katholizismus ein Verbrechen, das mit Desertion (Fahnenflucht) oder Vatermord vergleichbar war. Die Abkehr von der Orthodoxie hin zu einer anderen Religion, auch einer christlichen, wurde mit dem Verlust des gesamten Eigentums, der bürgerlichen Rechte und der Adelstitel bestraft und beinhaltete lebenslange Haft in einem Kloster oder Verbannung nach Sibirien.


P. Jean Xavier Gagarin SJ

      Ein Jahr später bat Ivan, der inzwischen Jean Xavier Gagarin hieß, um Aufnahme in die Gesellschaft Jesu und wurde in das Noviziat von St. Acheul aufgenommen. Er begann eine lange Studienzeit, die mit der Priesterweihe und der Ablegung der Ordensgelübde im Orden des Heiligen Ignatius von Loyola endete. Für Pater Gagarin, in dem sich ein glühender Eifer mit einer lebhaften Intelligenz und einer großartigen Bildung eines Gentlemans verband, begann ein neues Leben. Während des Krimkriegs war er zusammen mit dem berühmten Mathematiker Augustin Cauchy (1789-1857) an der Gründung der École d'Orient beteiligt.

      Ende 1856 gründete er die viermonatlich erscheinende Zeitschrift Études de théologie, de philosophie et d'histoire, aus der die berühmte Zeitschrift Études wurde. Als die Publikation jedoch 1862 von den französischen Jesuiten übernommen wurde, erfuhr sie einen radikalen Wandel. Zu Beginn des Ersten Vatikanischen Konzils nahm Études im Gegensatz zu ihrer römischen Schwesterpublikation Civiltà Cattolica eine pro-liberale Haltung ein, die sie auch im folgenden Jahrhundert beibehalten sollte.

      Die russische Regierung, die den Katholizismus in den westlichen Provinzen des Reiches ausrotten wollte, betrachtete Fürst Gagarin als einen Feind, den es zu beseitigen galt. Er wurde beschuldigt, an den Dichter Aleksandr Sergeevič Puschkin (1799-1837) anonyme Briefe, die ihn angeblich verärgerten und ihn zu einem Duell veranlassten, bei dem er den Tod fand. Kürzlich hat die junge polnische Historikerin Wiktoria Sliwowska gezeigt, dass es sich um eine Verleumdungskampagne handelte, die von der Dritten Abteilung der Reichskanzlei organisiert wurde (L'Affaire Gagarine, Institutum Historicum Societatis Iesu, Rom 2014, S. 31-72).

      Wird Russland katholisch sein? erschien 1856 in Paris. In diesem Werk bezieht sich Pater Gagarin auf die feierliche Bulle Benedikts XIV. Allatae sunt vom 26. Juli 1755, in der der Heilige Vater „das Wohlwollen, mit dem der Apostolische Stuhl die Orientalen umarmt“, zum Ausdruck bringt und „anordnet, dass ihre alten Riten bewahrt werden, die weder der katholischen Religion noch der Ehrlichkeit widersprechen; Sie verlangt auch nicht, dass die Schismatiker, die zur katholischen Einheit zurückkehren, ihre Riten aufgeben, sondern nur, dass sie ihren Irrlehren abschwören, und wünscht nachdrücklich, dass ihre verschiedenen Völker bewahrt und nicht vernichtet werden, und dass alle (um vieles in wenigen Worten zu sagen) Katholiken und nicht Lateiner sind“.

      „Um die slawischen Völker wieder zur Einheit zu führen“, so Pater Gagarin, „muss man die östlichen Riten respektieren, die Abkehr von Irrtümern, die dem katholischen Glauben widersprechen, fordern, aber vor allem die politisch-religiöse Auffassung der Orthodoxen bekämpfen. Für den russischen Jesuiten ist das orthodoxe Schisma größtenteils das Ergebnis des „Byzantinismus“, ein Konzept, mit dem er die unterschiedlichen Beziehungen zwischen Kirche und Staat in der byzantinischen und der westlichen Welt meint. Für Byzanz gibt es keinen Unterschied zwischen den beiden Mächten.

      Die Kirche ist de facto dem Zaren unterstellt, der sich selbst als ihr Oberhaupt betrachtet, als Stellvertreter Gottes sowohl im kirchlichen als auch im weltlichen Bereich. Wie die byzantinischen Kaiser sehen die russischen Autokraten in der Kirche und der Religion ein Mittel, um die politische Einheit zu gewährleisten und auszubauen. Dieses unselige System stützt sich auf drei Säulen: die orthodoxe Religion, die Autokratie und das Nationalitätsprinzip, unter dessen Banner die Ideen Hegels und der deutschen Philosophen nach Russland gelangten. Was sich hinter den hochtrabenden Worten von Orthodoxie, Autokratie und Nationalität verbirgt, „ist nichts anderes als die orientalische Form der revolutionären Idee des 19. Jahrhunderts. (S. 74)

      Gagarin ahnt, mit welcher Grausamkeit die revolutionären Ideen in seinem Land umgesetzt werden. Die Seiten von Proudhon und Mazzini erscheinen in seinen Augen sanft und höflich, verglichen mit der Gewalt der russischen Agitatoren. Es ist ein Kontrast, der dazu dienen kann, den Unterschied zwischen dem Verständnis des revolutionären Prinzips in Europa und seiner Umsetzung in Russland zu messen“ (S. 70-71).

      Auf einer prophetischen Seite schreibt Pater Gagarin: „Je tiefer man in die Dinge eindringt, desto mehr kommt man zu dem Schluss, dass der einzige wirkliche Kampf zwischen dem Katholizismus und der Revolution stattfindet. Als 1848 der revolutionäre Vulkan die Welt mit seinem Gebrüll terrorisierte und die Gesellschaft erzittern ließ, indem er ihre Grundfesten erschütterte, zögerte die Partei, die sich der Verteidigung der sozialen Ordnung und dem Kampf gegen die Revolution verschrieben hatte, nicht, auf ihre Fahne zu schreiben: Religion, Eigentum, Familie, und sie zögerte nicht, eine Armee zu entsenden, um den Stellvertreter Christi, der durch die Revolution gezwungen war, den Weg ins Exil zu gehen, auf den Thron zurückzuholen. Er hatte völlig Recht; es gibt nur zwei Prinzipien, die sich gegenüberstehen: das revolutionäre Prinzip, das im Wesentlichen antikatholisch ist, und das katholische Prinzip, das im Wesentlichen antirevolutionär ist. Trotz des gegenteiligen Anscheins gibt es in der Welt nur zwei Parteien und zwei Fahnen: Auf der einen Seite erhebt die katholische Kirche das Banner des Kreuzes, das zum wahren Fortschritt, zur wahren Zivilisation und zur wahren Freiheit führt; auf der anderen Seite erhebt sich das revolutionäre Banner, um das sich die Koalition aller Feinde der Kirche schart. Und was macht Russland? Auf der einen Seite kämpft sie gegen die Revolution, auf der anderen gegen die katholische Kirche. Äußerlich und innerlich werden Sie denselben Widerspruch feststellen. Ich zögere nicht zu sagen, dass das, was ihre Ehre und Stärke ausmacht, darin besteht, dass sie der unerschütterliche Gegner des revolutionären Prinzips ist. Seine Schwäche besteht darin, dass er gleichzeitig der Gegenspieler des Katholizismus ist. Und wenn sie mit sich selbst im Einklang sein will, wenn sie die Revolution wirklich bekämpfen will, muss sie nur eine Entscheidung treffen, sich hinter das katholische Banner stellen und sich mit dem Heiligen Stuhl versöhnen“ (La Russie sera-t-elle catholique?, Charles Douniol, Paris 1856, S. 63-65).

      Russland folgte dem Aufruf nicht, und die bolschewistische Revolution, die die Romanows vernichtet hatte, verbreitete ihre Irrtümer in der ganzen Welt. Die Kultur der Abtreibung und der Homosexualität, die heute den Westen in den Tod führt, hat ihre Wurzeln in der Marx-Hegelschen Philosophie, die 1917 in Russland eingeführt wurde. Die Niederlage der revolutionären Irrtümer kann in Russland und in der Welt nur unter dem Banner der katholischen Kirche erreicht werden.

      Die Ideen von Pater Gagarin fielen dem deutschen Baron August von Haxthausen (1792-1866) auf, der mit Unterstützung der Bischöfe von Münster und Paderborn einen Gebetsverein, den Petrusverein, zur Bekehrung Russlands gründete. Eine ähnliche Vereinigung entstand unter dem Impuls der Barnabitenväter Šuvalov und Tondini in Italien und Frankreich. Den Mitgliedern dieser Vereinigungen wurde geraten, jeden ersten Samstag im Monat für die Bekehrung Russlands zu beten.

      Am 30. April 1872 gewährte Pius IX. in seinem Brief all jenen einen vollkommenen Ablass, die nach Beichte und Kommunion an der am ersten Samstag des Monats gefeierten Messe für die Rückkehr der griechisch-russischen Kirche zur katholischen Einheit teilnahmen. Die Gottesmutter wusste diese Verehrung sicherlich zu schätzen, denn in Fatima empfahl sie 1917 die Sühnepraxis an den ersten fünf Samstagen des Monats als Instrument zur Errichtung ihres Reiches in Russland und in der Welt.

 

 

Aus dem Italienischen mit Hilfe von Deepl-Übersetzer (kostelose Version) von “La Russia sarà cattolica” (2) in CR 1494 vom 7. Juni 2017.
https://www.corrispondenzaromana.it/la-russia-sara-cattolica-2/

Diese deutsche Fassung „Russland wird katholisch sein Teil II“ erschien erstmals in www.r-gr.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

„Russland wird katholisch werden“ - TEIL I



Graf Grigorij Petrovič Šuvalov

Roberto de Mattei

     „Russland wird katholisch werden“: So lautet die Inschrift auf dem Grab von Pater Gregory Augustine Maria Šuvalov auf dem Friedhof Montparnasse in Paris. Für diese Sache opferte der russische Barnabit sein Leben (Antonio Maria Gentili, I Barnabiti, Padri Barnabiti Roma 2012, S. 395-403).

     Graf Grigorij Petrovič Šuvalov wurde am 25. Oktober 1804 in Sankt Petersburg als Sohn einer alten Adelsfamilie geboren. Ein Onkel, Armeegeneral, wurde beauftragt, den besiegten Napoleon auf die Insel Elba zu begleiten, ein anderer Vorfahre hatte die Universität von Moskau gegründet. Er studierte von 1808 bis 1817 am Jesuitenkolleg in St. Petersburg, bis er nach der Vertreibung der Jesuiten aus Russland seine Studien zunächst in der Schweiz und dann an der Universität von Pisa fortsetzte, wo er perfekt Italienisch lernte. Er wurde jedoch vom Materialismus und Nihilismus beeinflusst, der damals in den liberalen Kreisen, in denen er verkehrte, vorherrschte. 1824, im Alter von zwanzig Jahren, wurde er von Zar Alexander I. zum Offizier der Husaren der Garde ernannt und heiratete Sofia Soltikov, eine tief religiöse, orthodoxe, aber „in Seele und Herz katholische“ Frau, die 1841 in Venedig starb. Mit ihr hatte er zwei Kinder: Peter und Helena.

     Der Tod Sofias veranlasste Šuvalov, sich mit Religion zu beschäftigen. Eines Tages stieß er auf das Buch der Bekenntnisse des hl. Augustinus: Es war eine Offenbarung für ihn. „Ich habe es in einem durchgelesen, ganze Seiten kopiert und lange Auszüge daraus abgeschrieben. Seine Philosophie erfüllte mich mit guten Wünschen und Liebe. Mit welchem Gefühl der Zufriedenheit fand ich in diesem großen Mann Gefühle und Gedanken, die bis dahin in meiner Seele geschlafen hatten und die diese Lektüre erweckte“. Nach seiner Übersiedlung nach Paris verkehrte Graf Šuvalov mit einer Gruppe russischer Aristokraten, die zur katholischen Kirche übergetreten waren, vor allem dank des Grafen Joseph de Maistre (1753-1821), der von 1802 bis 1817 Botschafter des Königs von Sardinien in St. Petersburg gewesen war.

     Zu ihnen gehörten Sophie Swetschine (1782-1857), Fürst Iwan Gagarin (1814-1882) und Fürst Theodore Galitzin (1805-1848). Dieser erkannte die tiefe spirituelle Krise seines Freundes und half ihm, die Wahrheit zu finden, indem er ihm riet, das Buch „Du Pape“ von Joseph de Maistre zu lesen und zu meditieren. Nach der Lektüre des Werkes des savoyardischen Grafen verstand Šuvalov, dass die erste Eigenschaft der Kirche die Einheit ist, und dass diese eine höchste Autorität erfordert, die keine andere sein kann als der Papst. „Herr, du sagst: meine Kirche, und nicht meine Kirchen. Andererseits muss die Kirche die Wahrheit bewahren; aber die Wahrheit ist eine; deshalb kann die Kirche nur eine sein. (...) Als ich erkannte, dass es nur eine wahre Kirche geben kann, verstand ich auch, dass diese Kirche universell, d.h. katholisch sein muss“.

     Šuvalov ging jeden Abend nach Notre Dame, um den Predigten von Pater Francis Xavier de Ravignan (1795-1858) zu lauschen, einem gelehrten Jesuiten, der sein geistlicher Führer werden sollte. Am 6. Januar 1843, dem Dreikönigsfest, sagte sich Šuvalov von der Orthodoxie los und legte in der Chapelle des Oiseaux sein katholisches Glaubensbekenntnis ab. Er strebte jedoch nach einer tieferen Hingabe an die katholische Sache. Durch einen jungen italienischen Liberalen, Emilio Dandolo, den er zufällig im Zug getroffen hatte, lernte er Pater Alessandro Piantoni, Rektor des Barnabiterkollegs Longone in Mailand, kennen, der ihn 1856 unter dem Namen Agostino Maria in das Noviziat der Barnabiten in Monza aufnahm.

     In dem vom heiligen Antonius Maria Zaccaria (1502-1539) gegründeten Orden fand er ein Umfeld tiefer Spiritualität. Er schrieb an Pater Ravignan: „Ich glaube mich im Paradies. Meine Väter sind Heilige, die Novizen Engel“. Zu den jungen Mitbrüdern gehörte Cesare Tondini de' Quarenghi (1839-1907), der mehr als jeder andere sein geistiges Erbe antreten sollte. Am 19. September 1857 wurde Agostino Šuvalov in Mailand von Monsignore Angelo Ramazzotti, dem künftigen Patriarchen von Venedig, zum Priester geweiht.

     Am Tag seiner Priesterweihe, bei der Erhebung des Kelches, erhob er diese Bitte zu Gott: „Mein Gott, mach mich würdig, mein Leben und mein Blut in Vereinigung mit dem deinen für die Verherrlichung der seligen Unbefleckten Jungfrau für die Bekehrung Russlands hinzugeben“. Dies war der Traum seines Lebens, den er der Unbefleckten Jungfrau anvertraute, deren Dogma Pius IX. am 8. Dezember 1858 verkündete. In einer Audienz beim Papst bekundete Pater Šuvalov ihm gegenüber seinen Wunsch, sein Leben der Rückkehr der Schismatiker in die Kirche von Rom zu widmen. In jener denkwürdigen Begegnung sprach Pius IX. zu mir über Russland mit jenem Glauben, jener Hoffnung und jener Überzeugung, die sich auf das Wort Jesu stützen, und mit jener glühenden Nächstenliebe, die ihn beim Gedanken an seine fehlgeleiteten Kinder, die armen Waisen, bewegte. Diese Worte des Papstes haben mein Herz entflammt.

     Pater Šuvalov erklärte sich bereit, sein Leben für die Bekehrung Russlands zu opfern. „Nun denn“, sagte der Heilige Vater, „wiederhole dreimal am Tag vor dem Kruzifix diese Beteuerung; sei versichert, dass dein Wille erfüllt wird“. Paris war das Feld seines Apostolats und seiner Hingabe: Er arbeitete dort unermüdlich, gewann unzählige Seelen und rief die Gebetsvereinigung für den Triumph der Unbefleckten Jungfrau ins Leben, die sich für die Bekehrung der östlichen Schismatiker, insbesondere der Russen, zum katholischen Glauben einsetzte und allgemein als das Werk von Pater Šuvalov bekannt ist.

     Pius IX. genehmigte sie 1862 mit einem Brief und Pater Cesare Tondini war ihr unermüdlicher Verfechter. Doch Pater Šuvalov war am 2. April 1859 in Paris gestorben. Er hatte gerade seine Autobiographie „Meine Bekehrung und meine Berufung“ (Ma conversion et ma vocation, Paris 1859) fertig gestellt. Das Buch, von dem es im 19. Jahrhundert Übersetzungen und Nachdrucke gab, wurde in einer neuen italienischen Ausgabe vorgelegt, die von den Patres Enrico M. Sironi und Franco M. Ghilardotti herausgegeben wurde (La mia conversione e la mia vocazione, Grafiche Dehoniane, Bologna 2004), und wir haben unsere Zitate daraus übernommen. Pater Ghilardotti setzte sich auch dafür ein, dass die sterblichen Überreste von Pater Šuvalov nach Italien zurückgebracht wurden. Sie ruhen heute in der Kirche San Paolo Maggiore in Bologna, die 1611 von den Barnabiten erbaut wurde. Am Fuße eines Altars, der von einer Kopie der Heiligen Dreifaltigkeit von Andrej Rublew, dem größten Ikonenmaler Russlands, überragt wird, wartet Pater Gregory Augustine Maria Šuvalov auf die Stunde der Auferstehung.

     In seiner Autobiografie hatte der russische Barnabit geschrieben: „Wenn die Ketzerei droht, wenn der Glaube schwindet, wenn die Sitten verdorben werden und die Völker am Rande des Abgrunds einschlafen, dann öffnet Gott, der alles mit Gewicht, Zahl und Maß anordnet, um sie zu erwecken, die Schätze seiner Gnade; und nun erhebt er in irgendeinem obskuren Dorf einen verborgenen Heiligen, dessen wirksames Gebet seinen Arm zur Strafe aufhält. Jetzt lässt er im Universum ein strahlendes Licht erscheinen, einen Moses, einen Gregor VII., einen Bernhard; jetzt inspiriert er durch das Zusammentreffen irgendeines wunderbaren Ereignisses, sei es vorübergehend oder dauerhaft, den Gedanken an eine Pilgerfahrt oder eine andere neue Andacht, neu vielleicht in der Form, aber immer alt im Wesen, eine bewegende und heilsame Anbetung. Dies war der Ursprung der Verehrung des Heiligsten Herzens Jesu, dieses Kultes, der in einem kleinen Kloster im Dorf Paray-le-Monial inmitten von tausend Widersprüchen geboren wurde...“.

     Dies ist der Ursprung der Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens, um deren Verbreitung die Gottesmutter vor hundert Jahren in einem kleinen Dorf in Portugal bat. In Fatima kündigte die Gottesmutter die Verwirklichung des großen Ideals von Pater Šuvalov an: die Bekehrung Russlands zum katholischen Glauben. Ein außergewöhnliches Ereignis, das unserer Zukunft angehört und das die geheimnisvollen Worte der Heiligen Schrift, die Pater Šuvalov auf seine eigene Bekehrung anwendet, in der Welt zum Klingen bringen wird: „Surge qui dormis, surge a mortuis et iluminabit te Christus“, (Steht auf, die ihr unter den Toten schlaft, und Jesus Christus wird euch erleuchten Eph 5,14).

Bild: aus https://www.corrispondenzaromana.it/la-russia-sara-cattolica/ Screenshot


 Aus dem Italienischen mit Hilfe von Deepl-Übersetzer (kostenlose Version) in Corrispondenza Romana Nr. 1793 vom 31. Mai 2017, “La Russia sarà cattolica” 1.

Diese deutsche Fassung „Russland wird katholisch sein Teil I“ erschien erstmals in
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Donnerstag, 23. Juni 2022

Ein globaler Kulturkrieg, den der Westen gewinnen muss

„Wenn das Wahre Christliche Abendland das Kind ist,
ist die von Davos gesteuerte Version das Badewasser“


Von John Horvat II

      Der Krieg in der Ukraine ist mehr als nur ein ungerechter Angriffskrieg Russlands. Er richtet sich auch gegen den Westen als Konzept und geopolitischen Block. Am Horizont zeichnet sich ein globaler Kulturkrieg ab, der alles zu zerreißen droht.

      Im Mittelpunkt dieses Kampfes stehen zwei Vorstellungen, eine wahre und eine falsche, von dem, was „der Westen“ bedeutet. Diese beiden Modelle vereinen die Liberalen und bringen die Konservativen gegeneinander auf. Die breite Öffentlichkeit ist verwirrt und weiß nicht, welche Version zu verteidigen oder zu bekämpfen ist.

Der Begriff des Christentums

      Die wahre Version könnte man als das „wahre christliche“ Abendland bezeichnen. Sie entspricht dem Block von Nationen, die die Welt durch ihre Verbindung zu einer europäischen Vergangenheit, insbesondere ihrer reichen christlichen Kultur, geleitet haben. Sie wurde durch das Christentum repräsentiert und auf all jene Gebiete - vor allem in der Neuen Welt - angewandt, die seine metaphysische und religiöse Vision des Lebens teilten.

      Dieser Westen entwickelte Systeme des Rechts, der Bildung, der Logik und der Moral, die den Fortschritt und das menschliche Wohlergehen begünstigen. Seine Metaphysik stützt sich auf die Natur der Dinge und eine erkennbare objektive Wahrheit. Das Zentrum dieser Zivilisation ist Gott, sein Gesetz und die Kirche.

      Die moderne Gesellschaft profitiert von den Überresten dieser christlichen Zivilisation, die überlebt haben, auch wenn sie ihre fernen Wurzeln verleugnen. Wenn es in der heutigen Gesellschaft überhaupt eine Ordnung gibt, dann deshalb, weil in ihren Strukturen, Gesetzen und Institutionen noch Spuren des wahren christlichen Abendlandes zu finden sind.

      Die gegenwärtige postmoderne säkulare Gesellschaft lehnt dieses Modell ab. Das „westliche“ „woke“-Establishment und eine entsprechende dekadente säkulare Kultur verachten es sogar.

Der von Davos geprägte Westen

      Das zweite Konzept des „Westens“ ist etwas völlig anderes. Sowohl die Linke als auch die Rechte verwenden diese Definition, um das wahre christliche Abendland anzugreifen. Dieser „Westen“ wird mit eben jenen europäisch verbundenen Nationen assoziiert, die sich in riesigen wirtschaftlichen und politischen Netzwerken ausdrücken. Er verkörpert eine auf Regeln basierende Ordnung, die den Liberalismus als politisches System der Moderne aufrechterhält. Man könnte ihn als den von Davos gesteuerten Westen bezeichnen.

      Dieser „Westen“ nimmt enorme Anleihen beim sozialen Kapital und der rationalen Infrastruktur des christlichen Abendlandes, ohne sich jedoch jemals zu seiner Schuld zu bekennen. Er leidet unter der Dunkelheit der Aufklärer, die die soziale und moralische Einheit des wahren christlichen Abendlandes zerbrachen und eine individualistische, materialistische Welt förderten. Doch dieser Westen verbreitet auch seine säkulare Dekadenz, die seinen Untergang beschleunigt.

      Wenn das Wahre Christliche Abendland das Kind ist, ist die von Davos gesteuerte Version das Badewasser. Das Letztere wird gegen das Erstere eingesetzt. Die Liberalen hassen die Werte des Wahren Christlichen Abendlandes, während sie alle Annehmlichkeiten und Fortschritte genießen, die aus ihm hervorgegangen sind. Die Konservativen hassen den von Davos gesteuerten Westen, während sie inmitten seiner moralischen Verderbtheit und seines gottlosen Säkularismus ums Überleben kämpfen.

      Dieser von Davos gesteuerte Westen schien in der Zeit nach dem Kalten Krieg überall triumphiert zu haben. Alles schien sich auf ein einziges globalisiertes Dorf hinzubewegen, das in einem Fest der frenetischen Unmäßigkeit Vergnügungen und Leidenschaften nachging, ohne Gott anzuerkennen. Seine fortschrittliche Technologie bringt alle Dinge sofort und mühelos zusammen.

Die Erschütterung des Zweiten Westens

      Dieser Triumph schien sicher, bis COVID und dann die Ukraine die Dinge weiter destabilisierten.

      Der Ukraine-Konflikt zielt auf den von Davos gesteuerten Westen und seine riesigen Netzwerke. Die globalen Verbindungen, die die westliche Hegemonie aufrechterhielten, sind nun zerrissen. In nur wenigen Monaten hat die Ukraine die Globalisierungsarbeit einer ganzen Generation zunichte gemacht.

      Beide Seiten sind an dieser Abkopplung beteiligt. Jede neue Sanktion, die gegen Russland verhängt wird, macht es schwieriger, eine globalisierte Welt wiederherzustellen. Jeder neue Schritt, den Russland in der Ukraine unternimmt, bedeutet die Zersplitterung der Welt in neue Hegemonien, Handelsblöcke, ideologische Strömungen und ungünstige Partnerschaften. Das Endergebnis wird die irreparable Abtrennung des Ostens vom Westen sein.

      Der Westen als geopolitische Einheit wird zerbrochen und macht den Weg frei für eine unbekannte multipolare Welt. Viele auf der Rechten begrüßen diese Entwicklung als Reinigung des schmutzigen kulturellen Badewassers. Gleichzeitig feiern die Linken den Untergang des Einflusses des wahren christlichen Abendlandes, das noch eine gewisse moralische Ordnung in der Gesellschaft aufrechterhält.

Die Vernichtung des Ersten Westens

      Das wichtigste Ziel des Krieges in der Ukraine ist jedoch das Wahre Christliche Abendland.

      Russland hat sich diesem Wahren Christlichen Westen nie ganz angeschlossen. Es ist eine osteuropäische Nation, die fast ein Jahrtausend lang von der östlichen Orthodoxie beherrscht wurde. Aufbauend auf dieser Vergangenheit versucht Wladimir Putins eurasische Bewegung, ein antiwestliches Netzwerk von Ländern zu schaffen, die von seinen seltsamen Ideologien und starren Autokratien durchdrungen sind. Russland, China und ihre Klientelstaaten versuchen, das wahre christliche Abendland durch einen Rahmen zu ersetzen, der alte Irrtümer (von denen viele merkwürdigerweise westlich sind) auf der Grundlage von Nationalismus, Marxismus, Gnostizismus und sogar mystischen Elementen recycelt. Was Russlands panslawistischen Eurasianismus (von Alexander Dugin) oder Xi Jinpings „neue Ära des Sozialismus mit chinesischen Merkmalen“ eint, ist ihr militanter antiwestlicher und promarxistischer Charakter.

      Die russischen Ideologen hassen die Spuren des wahren christlichen Abendlandes, die in den heutigen Institutionen, Regeln und Systemen noch immer vorhanden sind. Sie haben es besonders auf die katholische Kirche und ihre Lehren abgesehen, die die stagnierende Orthodoxie herausfordern. Diese Denker lehnen die rationale Ordnung des Westens ab und stellen sich ein primitives, mystisches, stammesorientiertes und gemeinschaftliches Russland vor.

      Viele westliche Philosophen, von denen sich einige selbst als Heiden oder Okkultisten bezeichnen, bewundern wie ihre russischen Kollegen dieses primitive russische Ideal. Der Autor Matthew Rose hat in seinem 2022 erschienenen Buch A World After Liberalism: Philosophers of the Radical Right (Eine Welt nach dem Liberalismus: Philosophen der radikalen Rechten) die Welt von fünf Schlüsselfiguren aus untersucht, die die gegenwärtige Debatte gegen den Westen beeinflusst haben: Oswald Spengler, Julius Evola, Alain de Benoist, Francis Parker Yockey und Samuel Francis. Ihre pro-russische Position schließt eine scharfe Kritik am westlichen Christentum ein, das ihrer Meinung nach die natürlichen Triebe deformiert und die sozialen Beziehungen schwächt.

      Darüber hinaus hasst die Linke weltweit alle Erscheinungsformen des wahren christlichen Abendlandes, da es ihr eine Überlegenheit in einer egalitären Welt unterstellt. Dieser Hass ist so stark, dass das „woke“-Establishment nun einen „Bürgerkrieg gegen alles“ führt, der darauf abzielt, alle christlichen Werte aus der westlichen Gesellschaft zu tilgen.

Das Ziel ist der Westen

      Russland lehnt also beide Westen ab, den wahren und den falschen. Es versucht, die riesigen Netzwerke des von Davos gesteuerten Westens zu zerstören, von denen es fälschlicherweise glaubt, dass sie den wahren christlichen Westen ruinieren, indem sie ihm den weltweiten Wohlstand nehmen. Russland und China fordern diese Netzwerke mit einem Anti-Davos-getriebenen Osten heraus, der wirtschaftliches Chaos verursachen und die amerikanische Hegemonie zerstören wird. Russland schlägt auch falsche Ideologien vor, die alle Spuren der westlichen christlichen Zivilisation ersetzen werden.

      Noch tragischer ist, dass die westlichen Nationen ihren christlichen Ursprung in echten und falschen Formen ins Visier nehmen. Der Krieg zerbricht die Einheit ihrer riesigen Netzwerke und Lieferketten, die durch jahrzehntelanges Vertrauen in kommunistische Handelsabkommen gefährdet sind. Der Kulturkrieg innerhalb des wahren christlichen Westens zieht ihn in eine ähnliche heidnische, pantheistische, woke-Welt hinab, die die moderne Zivilisation mit Haut und Haaren zerstören wird.

      So hat ein globaler Kulturkrieg begonnen, und auf dem Spiel steht die Zukunft des Westens.

      Um in diesem Krieg zu kämpfen, darf der Westen die rationale Ordnung, die Rechtsstaatlichkeit und die objektive Metaphysik, die ihm Struktur und Ordnung verleihen, nicht ablehnen. Er muss sich gegen die postmoderne Zerstörung von Logik und Erzählungen wehren. Vor allem aber muss der Westen zu seinen Ursprüngen zurückkehren, die in Gott, in seinem Gesetz und in seiner heiligen Kirche liegen.

      Solche Lösungen ähneln den unbeachteten Botschaften, die Unsere Liebe Frau von Fatima 1917 gab, als die russische Gefahr auf der Weltbühne explodierte. Sie sind heute noch genauso gültig wie damals.

 

Aus dem Englischen übersetzt mit Hilfe von Deepl-Übersetzer (kostenlose Version) von
https://www.tfp.org/a-global-culture-war-that-the-west-must-win/?pkg=TFPE22226
20. Juni 2022 |

Diese deutsche Fassung „Ein globaler Kulturkrieg, den der Westen gewinnen muss“ erschien erstmals in www.r-gr.blogspot.com

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Freitag, 29. April 2022

Können Russland und die NATO zusammenarbeiten?


Wladimir Putin sagt „Nein“. Es ist Zeit für die Fakten.

von Julio Loredo

Der russische Präsident Wladimir Putin argumentiert, dass der Auslöser für den derzeitigen Krieg zwischen Russland und der Ukraine die drohende NATO-Osterweiterung ist. Diese stelle eine direkte Bedrohung für die Russische Föderation dar. Daher ist der Angriff Russlands auf die Ukraine seiner Meinung nach ein Akt der Selbstverteidigung.

Die Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache.

Die NATO-Mitglieder hatten jahrzehntelang gemeinsame Grenzen mit den Staaten des Warschauer Pakts. Manchmal bestanden diese Grenzen aus einem einfachen Fluss oder einer Mauer. Dennoch hat die NATO sie nie angegriffen. Seit dem Zusammenbruch des Warschauer Pakts bis 2014 schien eine engere Beziehung zwischen der NATO und der Russischen Föderation wahrscheinlich. Einige Experten spekulierten sogar darüber, dass Russland der NATO beitreten könnte.

Zwei diplomatische Visionen

Als der Eiserne Vorhang 1989 fiel, vertrat der Westen zwei gegensätzliche diplomatische Ansichten über die Zukunft der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR). Die erste schlug eine neue Partnerschaft mit dem postsowjetischen Russland vor, um es in die westliche Sphäre zu holen. Sie wäre vergleichbar mit den Beziehungen zwischen dem zaristischen Russland und dem postnapoleonischen Frankreich im Jahr 1815. Die zweite Vision sah vor, dass Russland hart bestraft werden sollte, wie Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg.

Die (erste) versöhnliche Sichtweise setzte sich weitgehend durch, da der Westen der im Sterben liegenden UdSSR eine versöhnliche Hand reichte.

Durch eine Reihe von Kontakten wurde die UdSSR (und ihr Nachfolger, die Russische Föderation) schrittweise an den Westen herangeführt. Außenminister James Baker besuchte Moskau im Februar 1990. Im Gegenzug besuchte Michail Gorbatschow die Vereinigten Staaten im Mai 1990. Die Sowjetunion nahm am G7-Gipfel in Houston im Juli 1990 teil. Die Russische Föderation trat 1993 der WTO und 1997 der erweiterten G8 bei. Es schien, als würde Russland den Marxismus hinter sich lassen.

Russlands Weg zur NATO

Die Annäherung an die NATO war Teil des erwarteten Tauwetters.

Auf dem NATO-Gipfel 1990 in London verabschiedeten die Mitgliedstaaten die „Londoner Erklärung“. Darin hieß es optimistisch: „Die Sowjetunion hat sich auf den langen Weg zu einer freien Gesellschaft begeben.... Die Mitgliedstaaten des Nordatlantischen Bündnisses schlagen den Mitgliedstaaten der Warschauer Vertragsorganisation eine gemeinsame Erklärung vor, in der wir feierlich erklären, dass wir keine Gegner mehr sind und unsere Absicht bekräftigen, auf die Androhung oder Anwendung von Gewalt zu verzichten....“.

Zur Umsetzung der Londoner Erklärung wurde am 20. Dezember 1991 der Nordatlantische Kooperationsrat (NACC) gegründet. Der Rat sollte „ein Forum für den Dialog und die Zusammenarbeit mit den ehemaligen Gegnern des Warschauer Paktes“ sein. (1) Am folgenden Tag verkündete der sowjetische Botschafter Afanassievky auf der Eröffnungssitzung des NACC dramatisch das Ende der rechtlichen Existenz der Sowjetunion. (2)

Am 17. Juni 1992 wurde in Washington die Charta für Partnerschaft und Freundschaft zwischen der Russischen Föderation und den Vereinigten Staaten (3) unterzeichnet. In dem Dokument heißt es: „Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation bekräftigen ihre Entschlossenheit, einen demokratischen Frieden aufzubauen, der auf den beiden Säulen der politischen und wirtschaftlichen Freiheit beruht.“

Das damals herrschende Klima wird in einem 1993 veröffentlichten Artikel von General Sergei V. Stepashin, dem Leiter des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses der Russischen Föderation, deutlich. Der General schlug eine „enge Koordinierung“ mit der NATO vor, um Russland zu einer geopolitischen Brücke zwischen dem euro-atlantischen und dem asiatisch-pazifischen Sicherheitssystem zu machen. Der Artikel gipfelte in dem Aufruf zu einem „neuen Marshallplan“ für die Wiederbelebung des Postkommunismus, der die Umwandlung Russlands in eine demokratische Gesellschaft vorsieht. (4)

Im Jahr 1994 trat Russland offiziell der NATO-Partnerschaft für den Frieden bei. Die Organisation versuchte, enge Beziehungen zwischen der NATO und dem ehemaligen Sowjetblock zu knüpfen. In der Folge traten vierzehn Mitgliedsstaaten des Paktes der NATO bei. (5) Im Dezember unterzeichneten die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Russische Föderation das Budapester Memorandum über den Abbau von Kernwaffen. Die Beziehungen zwischen Russland und der NATO waren so eng, dass 1996 ein russisches Kontingent an der NATO-SFOR-Militärmission in Bosnien und Herzegowina teilnahm.

Zum Abschluss des Pariser Gipfels im Mai 1997 unterzeichnete Russland ein feierliches Abkommen mit der NATO: Die Grundakte über gegenseitige Beziehungen, Zusammenarbeit und Sicherheit zwischen der NATO und der Russischen Föderation. Der offizielle Wortlaut spiegelte die Londoner Erklärung von 1991 wider. „Die NATO und Russland betrachten einander nicht als Gegner; die Grundakte ist Ausdruck einer dauerhaften, auf höchster politischer Ebene eingegangenen Verpflichtung, gemeinsam einen dauerhaften und umfassenden Frieden im euro-atlantischen Raum zu schaffen.

Dann wechselte die Sprache, um Russland zu versichern, dass die NATO und alle neuen Mitglieder keine Gefahr darstellten. „Die Mitgliedstaaten der NATO bekräftigen, dass sie weder die Absicht noch einen Plan noch einen Grund haben, Atomwaffen auf dem Gebiet der neuen Mitglieder einzusetzen“. Offensichtlich hat Russland der Aufnahme der „neuen Mitglieder“ zumindest stillschweigend zugestimmt.

Zu diesem Zeitpunkt wurde die mögliche NATO-Mitgliedschaft Russlands als selbstverständlich angesehen. Zur Erleichterung dieses Prozesses wurde der Ständige Gemeinsame NATO-Russland-Rat eingerichtet.

Die Erklärung von Rom vervollkommnete die ursprüngliche Vereinbarung von Paris (6), die im Mai 2002 von den NATO-Mitgliedstaaten und der Russischen Föderation unterzeichnet wurde.

Ein Teil dieser Erklärung lautet wie folgt: „Wir bekräftigen ... unsere Entschlossenheit, gemeinsam einen dauerhaften und allumfassenden Frieden im euro-atlantischen Raum auf der Grundlage der Prinzipien der Demokratie und der kooperativen Sicherheit sowie des Grundsatzes, dass die Sicherheit aller Staaten in der euro-atlantischen Gemeinschaft unteilbar ist, aufzubauen.“ In dem Dokument wird Russland in den Mittelpunkt des euro-atlantischen Systems gestellt. „Wir sind davon überzeugt, dass eine qualitativ neue Beziehung zwischen der NATO und der Russischen Föderation einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung dieses Ziels leisten wird.“

Darüber hinaus wurde mit der Erklärung der NATO-Russland-Rat geschaffen, der „als wichtigste Struktur und Ort für die Förderung der Beziehungen zwischen der NATO und Russland“ dienen soll. Mit dieser Erklärung wurde der Kalte Krieg offiziell beendet.

In den folgenden zehn Jahren unternahm Russland bedeutende Schritte zur Integration der russischen Streitkräfte in das euro-atlantische Verteidigungssystem. Im Jahr 2002 beteiligten sich die russischen Streitkräfte gemeinsam mit den NATO-Streitkräften an der friedensschaffenden Mission im Kosovo. Die russische Marine nahm 2004 und 2008 an den NATO-Seemanövern „Active Endeavor“ teil. Im Jahr 2011 nahm Russland an den NATO-Militärmanövern „Vigilant Skies“ teil und gestattete außerdem die Durchfuhr von NATO-Militärgerät durch sein Hoheitsgebiet nach Afghanistan.

Die Idylle erhält einen Sprung

Zwei Faktoren - der eine überwindbar, der andere entscheidend - führten zu einer Verschlechterung der Beziehungen zwischen Russland und dem Westen.

Der erste Faktor war die Intervention der NATO gegen Milosevics Serbien im Jahr 1998. Boris Jelzin nannte die Aktion „einen tragischen Fehler der amerikanischen Führung“ (7). Die Krise schürte die antiwestliche Rhetorik des russischen Nationalismus. Die nachfolgenden Ereignisse zeigten jedoch, dass dieser Effekt nur vorübergehend war. Die gemeinsame Beteiligung der NATO und Russlands an der Friedensmission im Kosovo förderte zumindest ein Mindestmaß an Zusammenarbeit und gegenseitigem Vertrauen.

Der zweite Faktor erwies sich als weitaus entscheidender: der Aufstieg von Wladimir Putin in der russischen politischen Landschaft.

Die zwei Gesichter des Wladimir

Das öffentliche Bild Putins hat zwei sehr unterschiedliche Seiten. Das erste Bild ist lächelnd und kooperativ, verewigt beim Treffen mit George W. Bush und Silvio Berlusconi bei der Unterzeichnung der Erklärung von Rom im Jahr 2002. Bei dieser Gelegenheit vermittelte er ein Bild der Freundlichkeit gegenüber dem Westen, das auf ein künftiges enges Bündnis hindeutete.

Das zweite Putin-Bild zeigte sich während der Invasion der Krim und der Ukraine 2014 und 2022. Dieser Putin ist weitaus angriffslustiger und macht „den Abschaum von prowestlichen Verrätern“ für die Unruhen verantwortlich. (8)

Dieser zweite Putin scheint die westlichen Staats- und Regierungschefs zu überraschen, insbesondere diejenigen, die zu Beginn des einundzwanzigsten Jahrhunderts mit ihm verhandelt haben. Was hat ihn dazu bewogen, von seiner prowestlichen Haltung (plötzlich) abzuweichen? Handelt es sich um eine tiefgreifende Entwicklung oder lediglich um einen Strategiewechsel? Hatte er geblufft, um Zeit zu gewinnen, um die russische militärische Stärke wieder auf das Niveau der UdSSR zu bringen?

Nostalgie und Nationalismus

Abgesehen von den Spekulationen hat der russische Nationalismus mit all seinen panslawistischen und antiwestlichen Implikationen zugenommen. Ergänzt wird diese Entwicklung durch eine zunehmend verbreitete Nostalgie gegenüber der Sowjetzeit, insbesondere gegenüber der Zeit des Zweiten Weltkriegs unter der Führung Josef Stalins.

Diese neue Haltung fördert die Überzeugung, dass die NATO während des Kalten Krieges ein Instrument der Aggression war. (9) Darüber hinaus besteht die NATO-Drohung gegen „Mütterchen Russland“ bis heute fort. Nach diesem Szenario liegt Russlands Zukunft bei außereuropäischen Nationen, die den Vereinigten Staaten relativ feindlich gegenüberstehen: China, Iran, Irak und Syrien.

Diese neue Vision gibt den Geist der Gorbatschow- und Jelzin-Ära auf und zieht sich in einen zunehmend aggressiven Nationalismus zurück. Diese „Panslawisten“ fordern eine Remilitarisierung. Sie knüpfen an die Breschnew-Doktrin an, indem sie von einer „begrenzten Souveränität“ der Nachbarländer sprechen. Ihr Ziel ist nicht die Zusammenarbeit, sondern die Wiederherstellung der „imperialen“ Rolle des zaristischen und sowjetischen Gedächtnisses. (10)

Der wiederbelebte Nationalismus enthält mehr als einen Hauch von Machiavellismus. Seine Anhänger sind der Ansicht, dass die frühere Selbstgefälligkeit gegenüber der NATO zu einer neuen Eskalation der Spannungen mit dem Westen geführt hat. Diese Eskalation wiederum schuf ideale Bedingungen für die Unterdrückung der russischen Demokratie und die Wiederherstellung des Sowjetimperiums. (11)

Pacta Sunt Servanda

Eine beliebte Behauptung der neuen russischen Nationalisten ist, dass die NATO und der Westen versprochen hätten, nicht nach Osten (in die ehemaligen Besatzungsgebiete der UdSSR) vorzurücken. Sie behaupten, dass die Verhandlungsführer während der Ära Gorbatschow und Jelzin diese Versprechen informell abgegeben hätten. Diese Zusicherungen, so heißt es weiter, seien der Hauptgrund für die frühere freundliche Haltung der Russen gegenüber dem Westen gewesen.

Herr Putin hat diese Version der Ereignisse geäußert, um seine Annexion der Krim im Februar und März 2014 zu rechtfertigen. Am 18. März 2014 hielt er im Kreml eine lange Rede, die unter anderem die folgenden Auszüge enthielt.

„Was unmöglich schien, wurde Wirklichkeit. Die UdSSR brach auseinander. Die Dinge entwickelten sich so schnell, dass nur wenige Menschen erkannten, wie dramatisch diese Ereignisse und ihre Folgen wirklich sein würden. Viele Menschen, sowohl in Russland als auch in der Ukraine und in anderen Republiken, hofften, dass die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, die damals gegründet wurde, die neue gemeinsame Form der Staatlichkeit werden würde. .... Erst als die Krim schließlich Teil eines anderen Landes wurde, erkannte Russland, dass es nicht nur beraubt, sondern ausgeplündert wurde.

„Unsere westlichen Partner, angeführt von den Vereinigten Staaten von Amerika, ziehen es vor, sich in ihrer praktischen Politik nicht vom Völkerrecht, sondern von der Herrschaft der Waffe leiten zu lassen. Sie glauben an ihre Exklusivität und ihren Exzeptionalismus, dass sie über die Geschicke der Welt entscheiden können und dass nur sie jemals Recht haben können.

„Sie haben uns viele Male belogen, Entscheidungen hinter unserem Rücken getroffen und uns vor vollendete Tatsachen gestellt. Dies geschah mit der NATO-Osterweiterung und der Errichtung militärischer Infrastruktur an unseren Grenzen.“ (12)

Die Beweise sprechen jedoch nicht für Putins Interpretation. Tatsächlich widerlegt die oben beschriebene Atmosphäre der Zusammenarbeit zwischen der Russischen Föderation unter Boris Jelzin und den westlichen Mächten Putins Argument.

Die einzige Rechtfertigung für die Auffassung Putins ist, dass die UdSSR zwischen September 1990 und März 1991 an verschiedenen internationalen Konferenzen teilnahm. Infolgedessen unterzeichnete sie eine Reihe von Freundschafts- und Kooperationsverträgen mit den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft. Aus den Protokollen dieser Treffen, die jetzt freigegeben wurden, gehen mehrere Äußerungen hervor, u.a. von US-Außenminister James Baker und Bundeskanzler Helmut Kohl, die auf mündliche Zusagen hinzudeuten scheinen, dass die NATO nicht nach Osten erweitert würde.

Zwei Tatsachen widerlegen jedoch Putins Interpretation.

Erstens wurden diese Erklärungen nie Teil des Textes der Vereinbarungen. Vage Behauptungen werden nicht automatisch Teil der schriftlichen Vereinbarungen, es sei denn, die Vereinbarungen enthalten Formulierungen, die diesen mündlichen Erklärungen Gewicht verleihen.

Eine grundlegendere Tatsache ist jedoch, dass die Sowjetunion am 21. Dezember 1991 aufhörte zu existieren. Auch wenn die Vereinten Nationen der neuen Russischen Föderation erlaubten, den freien Platz der Sowjetunion in diesem Gremium einzunehmen, wurde die Sowjetunion nie zur Russischen Föderation im rechtlichen Sinne. Die Regierung von Boris Jelzin hatte ebenso wenig das Recht, von der UdSSR geschlossene Verträge durchzusetzen, wie die Bolschewiki 1917 die vom Zaren unterzeichneten Verträge.

In der Tat hat die Russische Föderation seit 1994 ein Monopol auf das Atomwaffenarsenal des ehemaligen Roten Reiches. Allerdings hat sie weder die Schulden gegenüber dem Ausland noch die Abkommen mit anderen Mächten geerbt. Von der Partnerschaft für den Frieden im Jahr 1994 über die NATO-Russland-Grundakte im Jahr 1997 bis hin zur Erklärung von Rom im Jahr 2002 wurden alle neuen Abkommen von der Russischen Föderation unterzeichnet, die damit die Verantwortung im Rahmen dieser Abkommen übernahm.

Zum Zeitpunkt der Auflösung der UdSSR war die Ukraine die drittgrößte Atommacht der Welt. Im Mai 1992 und im September 1993 drohten zwei sehr harte Auseinandersetzungen mit Russland zu atomaren Konflikten zu eskalieren. Diese Spannungen legten sich dank der Vermittlung der Vereinigten Staaten, die die Ukraine davon überzeugten, ihr Atomwaffenarsenal an Russland abzutreten. Im Gegenzug versprach Russland, die Integrität der Ukraine zu respektieren.

Die Vereinbarungen wurden erstmals 2014 mit der russischen Annexion der Krim gebrochen. Die Aggression wurde am 24. Februar 2022 mit dem Einmarsch in die Ukraine fortgesetzt. Es ist sinnlos, die Protokolle alter Treffen mit einer politischen Einheit abzustauben, die nicht mehr existiert. Der einzig vernünftige Weg besteht darin, sich an die Verträge zu halten, denen die Russische Föderation beigetreten ist. Putin verstößt mit jedem Tag, an dem der Ukraine-Konflikt andauert, gegen diese Pakte.

 

Fußnoten:

1. NATO – Topic: North Atlantic Cooperation Council (NACC) (Archived)

2. NATO – Declassified: No longer a Soviet, 01-Jan.-1991

3. CHARTER FOR AMERICAN-RUSSIAN PARTNERSHIP AND FRIENDSHIP (channelingreality.com)

4. Stepashin S., Russia and NATO: A vital partnership for European security, in “The RUSI Journal,” 138: 4 (1993), pp. 11-17.

5. The Partnership for Peace membership included Albania, Armenia, Austria, Azerbaijan, Belarus, Bulgaria, Czech Republic, Estonia, Finland, Macedonia, Georgia, Hungary, Kazakhstan, Kyrgyzstan, Latvia, Lithuania, Moldova, Poland, Romania,

Russia, Slovakia, Slovenia, Sweden, Switzerland, Turkmenistan, Ukraine and Uzbekistan. Source: U.S. Department of State.

6. Microsoft Word – 2002.05.28 NRC ROME DECLARATION.docx (nato.int)

7. Francesco Randazzo, Russia-NATO-US: From detente to impossible cooperation . In M. de Leonardis (ed.), NATO in the Post-Cold War Era: Continuity and Transformation, Palgrave Macmillan, London 2022 (forthcoming). I was unable to verify this quotation.

8. Putin Warns Russia Against Pro-Western ‘Traitors’ and ‘Scum,’ Swissinfo, March 16, 2022. Putin warns Russia against pro-Western ‘traitors’ and scum – SWI swissinfo.ch.

9. Antonenko O., Russia, NATO and European Security After Kosovo, in “Survival,” 41: 4 (1999-2000), pp. 124-144.<ahref=”https://www.ifri.org/sites/default/files/atoms/files/ifri_kosovo_antonenko_ang_july2007.pdf”>Microsoft Word – ifri_kosovo_antonenko_ang_july2007.doc

10. Arbatov A., NATO and Russia, in “Security Dialogue”, 26: 2 (1995), pp. 135-146. NATO and Russia – ALEXEI ARBATOV, 1995 (sagepub.com). Cit. Francesco Randazzo, Russia-NATO-US: From Detente to Impossible Cooperation.

11. Arbatov A., NATO and Russia, in “Security Dialogue”, 26: 2 (1995), pp. 135-146. NATO and Russia – ALEXEI ARBATOV, 1995 (sagepub.com). Cit. Francesco Randazzo, Russia-NATO-US: From Detente to Impossible Cooperation.

12. Address by President of the Russian Federation • President of Russia (kremlin.ru)

Unterstreichung und Hervorhebung sind von diesem Blog

 

Aus dem Englischen übersetzt mit Hife von DeepL-Übersetzer (kostenlose Version) von

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Diese deutsche Fassung „Können Russland und die NATO zusammenarbeiten?...“ erschien erstmals in www.r-gr.blogspot.com

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