Dienstag, 24. Februar 2026

Da der Islam das Christentum in Russland in der Praxis überholt...

 ... fragen sich viele: Ist das heilige Russland noch heilig?


von John Horvat II
am 6. Februar 2026

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion glaubten viele, die russisch-orthodoxe Kirche erlebe eine Wiederbelebung, die Erinnerungen an das „heilige Russland“ wachrief. Die äußeren Anzeichen offizieller Regierungspolitik, die die Orthodoxie förderte, und der Wiederaufbau von Kirchen wurden als Beweis für einen positiven Wandel angeführt.

Jüngste Erkenntnisse und Statistiken, insbesondere jene zum aufkommenden Islam in Russland, lassen jedoch Zweifel am Schicksal des „heiligen Russlands“ aufkommen. Die Zahlen deuten weder auf eine Wiederbelebung noch auf einen Zuwachs an Anhängern oder eine höhere Gottesdienstbesuchsrate hin.

Alles scheint darauf hinzudeuten, dass Russland in seinem Niedergang und seinem Mangel an religiöser Inbrunst den meisten modernen Nationen folgt. Seine Situation ist nichts Besonderes.

Die russische Situation spiegelt auch die christlich-nationalistische Ausrichtung wider, in der das Christentum eher oberflächlich, verbunden mit Symbolen, Praktiken und Bräuchen, denn mit Glauben oder Lehre assoziiert wird. Christsein ist vielmehr ein Identitätsmerkmal als ein Bekenntnis zu Glauben oder die Einhaltung eines moralischen Gesetzes.

Demografischer Zusammenbruch

Erstes Anzeichen eines Problems ist die demografische Krise, verursacht durch Russlands niedrige Geburtenrate. Die schlechte Nachricht is dass, der russische Föderale Staatliche Statistikdienst (Rosstat) keine aktuellen Bevölkerungsdaten veröffentlicht. Zuverlässige unabhängige Demografen zeichnen jedoch ein düsteres Bild der Zukunft. Die ethnisch russische Bevölkerung schrumpft; Regionen mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit und stärkerer religiöser Praxis wachsen.

Die Russische Akademie für Volkswirtschaft berichtet, dass etwa 130 Städte mit 5.000 bis 10.000 Einwohnern aufgrund sinkender Bevölkerungszahlen bald verschwinden könnten. Die Gesamtbevölkerung des Landes liegt bei etwa 145 Millionen Menschen, wobei das geringfügige Wachstum darauf zurückzuführen ist, dass die „annektierten“ Gebiete der Krim und der Ukraine miteingerechnet wurden. Das Land befindet sich in einer schwierigen Lage, da die Bevölkerungszahl bis 2100 auf die Hälfte sinken könnte. Russlands Geburtenrate ist seit über einem Jahrzehnt rückläufig. Die derzeitige Rate von 1,4 Kindern pro Frau deutet darauf hin, dass die christlichen Werte, die Empfängnis und Geburten fördern, nicht eingehalten werden.

Eine wachsende muslimische Präsenz

Noch besorgniserregender ist die Lage der Religion. Russland könnte im Jahr 2075 durchaus als muslimisches Land gelten, wenn die Zahl der orthodoxen Russen fast der Zahl der ethnischen Gruppen entspricht, die den Islam praktizieren.

Auch die Religionsausübung ist gering, obwohl die genauen Zahlen variieren. Die russische Stiftung für öffentliche Meinung berichtete 2024, dass sich 62 % der russischen Bürger (rund 92 Millionen Menschen) nominell als orthodox bezeichnen. Der Russia Arena Atlas von 2012 bezifferte die Zahl auf unter 68 Millionen, einschließlich anderer Christen, die nicht der russisch-orthodoxen Kirche angehören.

Viele bezeichnen sich zwar als Christen, aber weniger als 3 % praktizieren ihren Glauben aktiv. Tatsächlich sind Muslime tendenziell religiöser als ethnische Russen. Russland entwickelt sich heute, aus religiöser Sicht, zunehmend vom Christentum in den Islam.

Der Online-Newsletter „SSPX News“ berichtet, kaum Anzeichen für eine postsowjetische „religiöse Wiederbelebung“ gefunden zu haben. Dieser Artikel der Priesterbruderschaft St. Pius X., einer traditionalistischen katholischen Gruppe mit Missionen in Russland, stammt von Beobachtern, die die Entwicklungen genau verfolgen können. Im Bericht heißt es, dass es seit vielen Jahren, insbesondere seit Putins Machtantritt (2000), keinen Trend zu einer Zunahme der praktizierenden Gläubigen gegeben habe.

„Im Gegenteil, okkulte Praktiken nehmen eher zu“, heißt es weiter, „doch sie können es bei Weitem nicht mit dem leidenschaftlichen Bekenntnis zum islamischen Glauben aufnehmen. Beim letzten Kurban-Bayram-Fest versammelten sich über eine halbe Million Gläubige in den beiden Hauptstädten Moskau und St. Petersburg, verglichen mit 200.000 orthodoxen Christen zu Ostern.“

Die russisch-orthodoxe Kirche bezeichnete den umfassenden und ungerechtfertigten Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 als „Heiligen Krieg“. Die religiöse Praxis und Inbrunst der Katholiken in der Ukraine übertrifft jedoch die des militärischen Aggressors bei Weitem. Laut einer Umfrage des Pew Research Centers geben beispielsweise 43 % der Katholiken in der Ukraine an, mindestens einmal wöchentlich einen Gottesdienst zu besuchen.

Das nationalistische Modell

Obwohl die Daten die Annahme einer postsowjetischen oder gar einer Putin’schen Wiederbelebung des Christentums in Russland nicht stützen, lässt sich die Anziehungskraft religiöser Bilder und Rhetorik auf die russische Bevölkerung nicht leugnen. Dieser Trend spiegelt ein nationalistisches Modell wider, das nicht nur in Russland, sondern weltweit, insbesondere im Westen, anzutreffen ist.

Dieses Modell bevorzugt eine „säkularisierte Vorstellung von Christentum“ anstelle eines Glaubensbekenntnisses oder eines Moralkodex. Das Christentum dient zudem als bequemer Maßstab, um den sich berechtigterweise besorgte Bürger gegen Masseneinwanderung, die Ideologie der Woke-Bewegung und liberale Anliegen mobilisieren können.

All diese kulturellen Ausdrucksformen sprechen das religiöse Empfinden vieler Christen an. Das populistische Modell führt diese Gefühle jedoch nicht zu ihren Konsequenzen in Form von Konversion, der Ausübung christlicher Tugenden und der Verehrung Gottes. Oftmals übernehmen sie fremdartige Ideologien und sogar heidnische Praktiken. Solche oberflächlichen Impulse besitzen nicht die Kraft, Seelen und Gesellschaften zu verändern.

Somit ist das russische Modell eine Illusion, nicht die Antwort auf seine Probleme. Das Heilige Mutter Russland wird erst dann heilig werden, wenn sie zum katholischen Glauben konvertiert, wie es die Muttergottes in Fatima vorausgesehen hat.

 

Bildnachweis: © AfrandeePhotography – stock.adobe.com

Erstveröffentlichung auf tfp.org

Deutsche Erstveröffentlichung in  www.r-cr.blogspot.com

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