Posts mit dem Label Pius XII. werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pius XII. werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 7. Mai 2026

Das geistige Erbe einer guten Familientradition - Papst Pius XII.


 

Einleitung: Verbundenheit des Papstes und der Päpste mit dem römischen Adel.

1. Körperliches und geistiges Erbe.

2. Soziale Verpflichtung des Erbes.

3. Erbadel der Wohltätigkeit und Tugend.

Schluss: Friedenssehnsucht, Neujahrswünsche.

 

Einleitung: Verbundenheit des Papstes und der Päpste mit dem Adel von Rom.

Eine Quelle herzlicher und väterlicher Freude ist Uns, geliebte Söhne und Töchter, Eure willkommene, zu Beginn des neuen Jahres um Uns versammelte Schar, eines Jahres, das ob der beängstigenden Ausblicke nicht weniger bedrückend ist als das soeben verflossene. Ihr seid zusammengekommen, um und kindliche Glückwünsche darzubringen durch den Mund Eures hochverehrten Sprechers, dessen ergebene und erhabene Worte Eurer einmütigen und gleichgesinnten Anwesenheit eine für Uns besonders liebe Wertschätzung und Herzlichkeit verleihen. Im Patriziat und Adel von Rom erblicken und verehren Wir eine Anzahl von Söhnen und Töchtern, deren Ruhm und Anhänglichkeit und ererbte Treue gegenüber der Kirche und dem Römischen Papst, deren Liebe zum Statthalter Christi aus dem tiefen Grund des Glaubens hervorbricht und im Verlauf der Jahre und im Wechselspiel der Zeiten und Menschen nicht schwächer wird. In Eurer Mitte fühlen Wir Uns noch mehr als Römer wegen der Lebensgewohnheiten, der Luft, die Wir eingeatmet haben und einatmen, wegen des gleichen Himmels, wegen derselben Sonne, wegen derselben Ufer des Tiber, an denen Unsere Wiege stand, wegen jener heiligen Erde bis hinein in seine verborgensten Winkel, aus denen Rom für seine Söhne die Verheißungen einer Ewigkeit schöpft, die bis an den Himmel reicht.

Es ist eine Tatsache, dass, wenn Christus, unser Herr, es zum Trost der Armen auch vorzog, bettelarm auf die Welt zu kommen und in einer einfachen Arbeiterfamilie aufzuwachsen, er dennoch mit seiner Geburt das adeligste und berühmteste Haus Israels, die Familie Davids selbst, ehren wollte.

Darum hielten die Päpste, treu dem Geiste jenes, dessen Statthalter sie sind, das Patriziat und den Adel von Rom stets in hoher Achtung, dessen unwandelbare Anhänglichkeitsgefühle an diesen Apostolischen Stuhl den kostbaren Erbteil bilden, den sie von ihren Ahnen erhielten und den sie selbst wiederum ihren Kindern weitergeben werden.

Körperliches und geistiges Erbe

Die wahre Natur dieser großen und geheimnisvollen Sache, die das Vererben, ist, - das heißt das von Geschlecht zu Geschlecht ununterbrochene Weiterreichen eines reichen Schatzes materieller und geistiger Güter innerhalb einer Sippe, die gleichbleibende Wiederkehr desselben körperlichen und sittlichen Typus des Vaters im Sohn, die Tradition, die durch Jahrhunderte hindurch die Glieder derselben Familie zur Einheit verbindet -, die wahre Natur des Vererbens kann man, möchten War sagen, ohne Zweifel mit materialistischen Theorien entstellen. Aber man kann und muss eine derartige Wirklichkeit von so großer Bedeutung auch in ihrem vollen natürlichen und übernatürlichen Wahrheitsgehalt betrachten.

Man wird gewiss die Tatsache eines materiellen Bestandteils bei der Weitergabe der erblichen Eigenschaften nicht leugnen. Wollte man sich darüber wundern, so müßte man die innige Verbindung unserer Seele mit unserem Körper vergessen, und in welch großem Ausmaß selbst unsere geistigsten Tätigkeiten von unserer körperlichen Veranlagung abhängig sind. Darum unterläßt es die christliche Sittenlehre nicht, die Eltern an die schwere Verantwortung zu erinnern, die ihnen in dieser Hinsicht obliegt.

Von größerer Bedeutung ist jedoch das geistige Erbe, das nicht so sehr durch jene geheimnisvollen Bande der materiellen Zeugung weitergegeben wird, als vielmehr durch die beständige Wirksamkeit jenes bevorzugten Milieus, welches die Familie darstellt, mit der langsamen und tiefgehenden Bildung der Herzen in der Atmosphäre einer Häuslichkeit, die reich ist an hohen geistigen und sittlichen und vor allem christlichen Traditionen, zusammen mit der gegenseitigen Beeinflussung zwischen denen, die im selben

Hause wohnen, einer Beeinflussung, deren wohltuende Wirkungen weit über die Jahre der Kindheit und Jugend bis ans Ende eines langen Lebens in jenen auserlesenen Seelen hinausreichen, die es verstehen, in sich selbst die Schätze eines kostbaren Erbes mit dem Beitrag ihrer persönlichen Qualität und Erfahrung zu verschmelzen.

Solcher Art ist das Erbe, kostbarer als jedes andere, das, von einem starken Glauben erleuchtet und von einer tatkräftigen und treuen Praxis des christlichen Lebens in allen seinen Erfordernissen belebt, die Seelen Eurer Kinder emporhebt, verfeinert und reich macht.

Soziale Verpflichtung des Erbes

Wie jedoch jedes reiche Erbe, so bringt auch dieses strenge Pflichten mit sich, und um so strengere, je reicher es ist. Vor allen Dingen zwei:

1. die Pflicht, dergleichen Schätze nicht zu vergeuden, sie unversehrt, ja womöglich noch aufgebessert denen weiterzugeben, die nach Euch kommen, und darum der Versuchung zu widerstehen, in ihnen nichts anderes zu sehen als das Mittel zu einem bequemeren, vergnügteren, verfeinerteren und raffinierteren Leben;

2. die Pflicht, jene Güter nicht für Euch allein in Anspruch zu nehmen, sondern großzügig die von der Vorsehung weniger Begünstigten daraus Nutzen ziehen zu lassen.

Adel der Wohltätigkeit und Tugend

Adel der Wohltätigkeit und der Tugend, geliebte Söhne und Töchter, wurde von Euren Vorfahren erworben, und seine Zeugen sind die Gebäude und Häuser, die Fremdenheime, die Asyle und die Spitäler Roms, wo ihre Namen und die Erinnerung an sie von ihrer vorsorglichen und wachsamen Güte für die Unglücklichen und Armen sprechen. Wir wissen wohl, dass dieser Ruhm und Wetteifer im Patriziat und Adel von Rom nicht geringer geworden ist, soweit es das Vermögen jedes einzelnen zuläßt. In der gegenwärtigen leidvollen Zeit jedoch, wo der Himmel durch bewachte unheildrohende Nachte in Unruhe geraten ist, spürt Euer Geist, während er in vornehmer Weise einen Ernst, Wir möchten sogar sagen eine Strenge des Leben beobachtet, die allen Leichtsinn und ausgelassene Vergnügung ablehnt, die für jedes edle Herz mit dem Anblick so großen Leides unvereinbar sind, noch mehr den lebenskräftigen Antrieb der tätigen Liebe, der Euch anspornt,  die bereits vor Euch errungenen Verdienste durch Linderung des Elend und der menschlichen Armut noch zu steigern und zu mehren. Wie viele Gelegenheiten bietet Euch dazu das neue Jahr, das neue Erprobungen und Ereignisse mit sich bringt, wo Ihr das Gute tun könnt, und zwar nicht allein innerhalb der vier Wände zu Hause, sondern auch draußen! Wieviel neue Betätigungsfelder für Hilfe und Unterstützung! Wieviel verborgene Tränen müssen getrocknet werden! Wieviel Schmerzen warten auf Linderung! Wieviel leibliche und seelische Ängste, die es zu vertreiben gilt!

Schluß: Friedenssehnsucht, Neujahrswünsche

Wie sich der Lauf des eben begonnenen Jahres gestalten wird, ist Geheimnis und Ratschluß des weisen und vorsehenden Gottes, der den Weg seiner Kirche und des Menschengeschlechts zu jenem Ziele lenkt und leitet, wo seine Barmherzigkeit und seine Gerechtigkeit triumphieren. Aber Unsere Sehnsucht, Unser Gebet, Unser Wunsch hat den gerechten und dauerhaften Frieden und die geordnete Ruhe der Welt .im Auge; den Frieden, der alle Völker und Nationen erfreut; den Frieden, der auf allen Gesichtern Frohlocken weckt und in den Herzen den Hymnus höchster Lobpreisung und Dankbarkeit für den Friedensgott, den wir in der Krippe von Bethlehem anbeten.

In diesem Unserem Wunsch, geliebte Söhne und Töchter, liegt auch die Bedeutung eines ruhigen und glücklichen (2) Jahres für Euch alle, deren willkommene Gegenwart Uns den Anblick jeden menschlichen Alters bietet, das unter dem Schutz Gottes auf dem Pfad des Lebens voranschreitet und die persönlichen und Gemeinschaftstugenden zum besten Lob der Ahnen werden läßt. Den Älteren, den Hütern der edlen Familientraditionen und Leuchten weisheitsvoller Erfahrung für die Jüngeren; den Vätern und Müttern, den Lehrern und Tugendvorbildern für Söhne und Töchter; der Jugend, die rein, gesund und arbeitsam heranwächst in der heiligen Furcht Gottes, der Hoffnung der Familie und des teuren Vaterlandes; den Kleinen, die in den kindlichen Beschäftigungen und Spielen von ihren Zukunftsplänen träumen; Euch allen, die Ihr Euch freut und teilhabt an der Gemeinschaft und Freude der Familie, entbieten Wir einen väterlichen und lebhaft empfundenen Glückwunsch, der dem Verlangen eines jeden und einer jeden von Euch entspricht, eingedenk, dass von Gott all unsere Sehnsüchte stets geprüft und gewogen werden auf der Waage unseres höheren Wohles, auf der das, was wir selber begehren, oft weniger wiegt als das, was er von sich aus uns gewährt.

Dies ist das Gebet, das Wir für Euch zum Herrn erheben an diesem Jahresbeginn, hinter dessen undurchdringlichen Schleiern die erhabene Vorsehung regiert, lenkt und wirkt, die mit Liebe im Universum und in der Welt der menschlichen Ereignisse gebietet, indem Wir den Überfluss der himmlischen Gnade auf Euch herabrufen, während Wir im Vertrauen auf die unendliche Güte Gottes allen und jedem einzelnen von Euch, Euern Lieben und allen, derer Ihr liebend gedenkt, Unsern väterlichen Apostolischen Segen erteilen.

 

(2) anno non fortunoso, ma fortunato.

 

Quelle: „Ansprachen Pius’ XII, an den römischen Adel” Herausgegeben vom Rhein.-Westf. Verein katholischer Edelleute. 1957

Dienstag, 10. Februar 2026

Die katholische Presse und die öffentliche Meinung

 Verba tua manent in aeternum

Ansprache von Papst Pius XII. an die katholischen Journalisten, die sich am Freitag, dem 17. Februar 1950, zu ihrem vierten internationalen Kongress in Rom versammelt hatten

 

 

Die Bedeutung der katholischen Presse, die Sie, liebe Söhne, auf diesem internationalen Kongress vertreten, und die Schwere der Ihnen zur Beratung vorgelegten Probleme haben Uns veranlasst, für Ihren Besuch eine Ausnahme von der Regel zu machen, die Wir uns zu unserem großen Bedauern selbst auferlegt hatten, Unsere Reden und Ansprachen während des Heiligen Jahres einzuschränken und sogar oft auszusetzen. Doch dieses Mal konnten Wir es nicht versäumen, Unsere Worte zum Hauptanliegen Ihres Treffens beizutragen. Es ist ebenso umfassend wie anregend: die katholische Presse im Dienst von Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden.

Angesichts eines der entscheidenden Aspekte dieses Dienstes halten Wir es für angebracht, Ihnen einige grundlegende Prinzipien zur Rolle der katholischen Presse im Verhältnis zur öffentlichen Meinung zur Überlegung vorzulegen. Tatsächlich steht sie an vorderster Front derer, die zu ihrer Bildung und Verbreitung beitragen.

Die öffentliche Meinung ist im Grunde das Kennzeichen jeder normalen Gesellschaft, die sich aus Individuen zusammensetzt, die sich ihres persönlichen und sozialen Handelns bewusst sind und sich aktiv in die Gemeinschaft einbringen, der sie angehören. Sie ist letztlich überall das natürliche Echo, die geteilte, mehr oder weniger spontane Resonanz von Ereignissen und der aktuellen Lage in ihren Gedanken und Urteilen.

Wo keine öffentliche Meinung zum Ausdruck kommt, und insbesondere wo ihre tatsächliche Abwesenheit anerkannt werden sollte, ungeachtet der Gründe für ihr Schweigen oder Fehlen, sollte sie als Laster, als Schwäche, als Krankheit des gesellschaftlichen Lebens betrachtet werden. Lassen wir natürlich den Fall außer Acht, in dem die öffentliche Meinung in einer Welt schweigt, aus der selbst wahre Freiheit verbannt ist und in der nur die Meinung der Machthabenden, die Meinung von Führern oder Diktatoren Gehör findet. Die Stimme der Bürger zu unterdrücken, sie zum Schweigen zu bringen, ist in den Augen jedes Christen ein Angriff auf die natürlichen Menschenrechte, eine Verletzung der von Gott geschaffenen Weltordnung.

er kann sich nicht die Qual, die moralische Bestürzung vorstellen, die ein solcher Zustand im Gewissen von Journalisten auslöst? Wahrlich, Wir hatten gehofft, dass die bitteren Erfahrungen der Vergangenheit zumindest als Lehre gedient hätten, die Gesellschaft endgültig von solch einer skandalösen Tyrannei zu befreien und dieser demütigenden Schändung von Journalisten und ihren Lesern ein Ende zu setzen. Ja, nicht weniger inständig als Sie, hatten Wir dies gehofft, und Unsere Enttäuschung ist nicht weniger bitter als Ihre.

Eine beklagenswerte Situation! Ebenso bedauerlich und vielleicht sogar noch verheerender in ihren Folgen ist die Situation von Nationen, in denen die öffentliche Meinung stumm bleibt, nicht weil sie von einer äußeren Macht zum Schweigen gebracht wird, sondern weil es ihr an inneren Voraussetzungen mangelt – Voraussetzungen, die in Menschen, die in Gemeinschaft leben, angelegt sein müssen.

Wir erkannten in der öffentlichen Meinung ein natürliches Echo, eine geteilte, mehr oder weniger spontane Resonanz von Fakten und Umständen im Denken und Urteilsvermögen derer, die sich für das Schicksal ihrer Gemeinschaft verantwortlich und eng mit ihr verbunden fühlen. Unsere Worte weisen auf fast ebenso viele Gründe hin, warum es so schwierig ist, eine öffentliche Meinung zu bilden und auszudrücken. Was heute als öffentliche Meinung bezeichnet wird, ist oft nur ein Name, ein Name ohne Bedeutung, etwas wie ein vages Gerücht, ein konstruierter und oberflächlicher Eindruck; nichts von einem Echo, das spontan im Gewissen der Gesellschaft erwacht und von ihr ausgeht.

Doch wo finden wir diese Menschen, die tief von ihrem Verantwortungsgefühl und ihrer engen Verbundenheit mit ihrer Umwelt erfüllt sind? Keine Traditionen mehr, kein stabiles Zuhause mehr, keine Existenzsicherheit mehr, nichts mehr, was den Zerfall und die allzu oft stattfindende Zerstörung hätte aufhalten können. Hinzu kommt der Machtmissbrauch durch gigantische Massenorganisationen, die, indem sie den modernen Menschen in ihre komplizierten Mechanismen verstricken, jede Spontaneität der öffentlichen Meinung leicht ersticken und sie zu einer blinden und fügsamen Übereinstimmung von Gedanken und Urteilen reduzieren.

Gibt es denn in diesen unglücklichen Nationen keine Männer mehr, die diesen Namen verdienen? Männer, die das Siegel einer wahren Persönlichkeit tragen und fähig sind, das innere Leben der Gesellschaft zu gestalten? Männer, die im Lichte der zentralen Lebensprinzipien, im Lichte ihrer festen Überzeugungen, Gott, die Welt und alle Ereignisse, ob groß oder klein, die sich in ihr abspielen, zu betrachten wissen? Solche Männer, so sollte es scheinen, sollten dank der Richtigkeit ihres Urteilsvermögens und ihrer Gefühle Stein für Stein die feste Mauer errichten können, an der die Stimme dieser Ereignisse, wenn sie auf sie zukommt, als spontanes Echo widerhallen würde. Zweifellos gibt es noch einige dieser Männer, leider viel zu wenige! Und täglich werden sie seltener, da sie durch skeptische, abgestumpfte, gleichgültige Individuen ersetzt werden, denen es an Substanz und Charakter mangelt und die sich von einigen wenigen Strippenziehern leicht manipulieren lassen!

Der moderne Mensch nimmt bereitwillig eine unabhängige und lässige Haltung ein. Dies sind zumeist nur Fassaden, hinter denen sich arme, leere, kraftlose Wesen verbergen, denen die geistige Stärke fehlt, die Lüge zu entlarven, die den Mut haben, der Gewalt jener zu widerstehen, die alle Mechanismen moderner Technologie und alle raffinierten Überredungskünste in Gang setzen, um ihnen die Gedankenfreiheit zu rauben und sie zu dem zerbrechlichen „Schilfrohr zu machen, das vom Wind hin und her geworfen wird“ (Mt 11,7). Kann man es wagen, mit Gewissheit zu behaupten, dass die Mehrheit der Menschen fähig ist, zu urteilen, Fakten und Trends in ihrem wahren Licht zu beurteilen, sodass die Meinung von der Vernunft geleitet wird? Doch dies ist eine unabdingbare Voraussetzung für ihren Wert und ihre Gesundheit. Sehen wir stattdessen nicht diesen Weg – den einzig legitimen –, Menschen und Dinge nach klaren Regeln und gerechten Prinzipien zu beurteilen, als Hindernis für Spontaneität, während wir im Gegenzug den feinfühligen Impuls und die Reaktion von Instinkt und Leidenschaft als die einzigen „Werte des Lebens“ preisen? Unter dem Einfluss dieses Vorurteils bleibt von der menschlichen Vernunft und ihrer Fähigkeit, das tiefe Labyrinth der Wirklichkeit zu durchdringen, wenig übrig. Vernünftige Menschen zählen nicht mehr; was bleibt, sind jene, deren Blickfeld nicht über ihr enges Fachgebiet hinausreicht und sich auf rein technische Fähigkeiten beschränkt. Von solchen Menschen kann man kaum erwarten, die öffentliche Meinung zu bilden oder angesichts der raffinierten Propaganda, die sich das Privileg anmaßt, sie nach Belieben zu formen, standhaft zu bleiben. In diesem Bereich sind Männer von einfachem, aufrichtigem und klarem christlichem Geist, meist ohne umfassende formale Bildung, weit überlegen. Diejenigen, denen die Aufgabe der Aufklärung und Lenkung der öffentlichen Meinung anvertraut werden sollte, befinden sich oft – teils aus bösem Willen oder aufgrund von Unzulänglichkeit, teils aufgrund von Unmöglichkeit oder Zwang – in einer schwierigen Lage, diese Aufgabe frei und wirksam zu erfüllen. Diese ungünstige Situation betrifft insbesondere die katholische Presse in ihrem Dienst an der öffentlichen Meinung. Alle soeben besprochenen Mängel und Unzulänglichkeiten rühren von der Verletzung der von Gott vorgesehenen natürlichen Ordnung der menschlichen Gesellschaft her, von der Verstümmelung der Menschheit, die, nach dem Bild ihres Schöpfers geschaffen und von ihm mit Intelligenz ausgestattet, in die Welt berufen wurde, um sie zu beherrschen, erfüllt von Wahrheit und gehorsam den Geboten des Sittengesetzes, des Naturrechts und der in der Offenbarung Christi enthaltenen übernatürlichen Lehre.

In einer solchen Lage wären Kleinmut und Mutlosigkeit das größte Übel für den katholischen Publizisten. Betrachten wir die Kirche: Fast zwei Jahrtausende lang, durch alle Schwierigkeiten, Widersprüche, Missverständnisse und offenen wie heimtückischen Verfolgungen hindurch, hat sie sich nie entmutigen lassen, nie die Hoffnung verloren. Nehmen wir sie uns zum Vorbild. Betrachten wir in den soeben aufgezeigten bedauerlichen Mängeln das zweifache Bild dessen, was die katholische Presse nicht sein sollte und was sie sein sollte.

In ihrem gesamten Wesen und Wirken muss sie dem schleichenden Niedergang und Verschwinden der grundlegenden Voraussetzungen für eine gesunde öffentliche Meinung ein unüberwindliches Hindernis entgegensetzen und das, was davon übrig ist, festigen und weiter stärken. Sie muss bereitwillig auf die leeren Vorteile vulgären Eigennutzes oder unkluger Popularität verzichten; sie muss sich mit energischer und stolzer Würde behaupten, unempfindlich gegenüber allen direkten und indirekten Korruptionsversuchen. Sie muss den Mut haben – selbst auf Kosten finanzieller Opfer –, jede Werbung oder Öffentlichkeitsarbeit, die dem Glauben oder der Ehrlichkeit zuwiderläuft, rücksichtslos aus ihren Seiten zu verbannen. Dadurch wird sie an innerem Wert gewinnen, schließlich Ansehen und Vertrauen erlangen; sie wird dem oft wiederholten Motto gerecht werden: „Für jedes katholische Zuhause die katholische Zeitung.“

Doch sie muss alles daransetzen, die bestmöglichen äußeren und inneren Bedingungen für ihre Entwicklung zu schaffen. Und dennoch ist die öffentliche Meinung, während sie sich verbreitet, nicht unfehlbar und auch nicht immer völlig spontan. Die Komplexität und Neuartigkeit von Ereignissen und Situationen können die Meinungsbildung maßgeblich beeinflussen. Hinzu kommt, dass sich die öffentliche Meinung nur schwer von vorgefassten Meinungen oder der vorherrschenden Meinungsströmung lösen lässt, selbst wenn die Reaktion objektiv gerechtfertigt und scheinbar unausweichlich ist. Hier kommt der Presse eine wichtige Rolle zu: Sie muss die öffentliche Meinung formen, nicht um sie zu diktieren oder zu kontrollieren, sondern um ihr wirksam zu dienen.

Diese heikle Aufgabe erfordert von Mitgliedern der katholischen Presse Kompetenz, ein breites Allgemeinwissen, insbesondere philosophischer und theologischer Art, stilistisches Geschick und psychologisches Feingefühl. Am wichtigsten ist jedoch ihr Charakter. Charakter bedeutet schlichtweg tiefe Liebe und unerschütterlichen Respekt vor der göttlichen Ordnung, die alle Lebensbereiche umfasst und durchdringt. Liebe und Respekt sind Eigenschaften, die der katholische Journalist nicht nur in seinem Herzen empfinden und pflegen, sondern auch in den Herzen seiner Leser wecken muss. In manchen Fällen genügt die so entfachte Flamme, um den fast erloschenen Funken der tief in ihrem Gewissen schlummernden Überzeugungen und Gefühle wiederzubeleben. In anderen Fällen mag seine Weitsicht und sein Urteilsvermögen ihnen die Augen öffnen, die allzu ängstlich an traditionellen Vorurteilen festhalten. In beiden Fällen wird er sich stets davor hüten, die öffentliche Meinung zu „prägen“; besser noch: Er wird sich bemühen, ihr zu dienen.

Wir glauben, dass diese katholische Auffassung von der öffentlichen Meinung, ihrer Funktionsweise und dem Dienst der Presse an ihr vollkommen richtig ist, dass sie notwendig ist, um der Menschheit gemäß Ihrem Ideal den Weg zu Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden zu ebnen.

So positioniert sich die Kirche durch ihre Haltung gegenüber der öffentlichen Meinung als Bollwerk gegen den Totalitarismus, der seinem Wesen nach notwendigerweise ein Feind der wahren und freien Meinung der Bürger ist. Tatsächlich leugnet der Totalitarismus seinem Wesen nach diese göttliche Ordnung und die relative Autonomie, die er allen Lebensbereichen gewährt, insofern diese alle ihren Ursprung in Gott haben.

Dieser Gegensatz wurde in zwei Reden, in denen Wir jüngst die Stellung des Richters im Verhältnis zum Recht zu beleuchten suchten, erneut deutlich zum Ausdruck gebracht. Wir sprachen damals von den objektiven Normen des Rechts, vom natürlichen göttlichen Recht, das dem Rechtsleben der Menschheit die für ein lebendes und sicheres Anpassen an die Bedingungen jeder Epoche notwendige Autonomie garantiert. Dass die Totalitären Uns nicht verstanden, für die Recht und Rechte lediglich Instrumente in den Händen herrschender Kreise sind, hatten Wir erwartet. Doch dieselben Missverständnisse bei gewissen Kreisen zu beobachten, die sich lange Zeit als Verfechter der liberalen Lebensauffassung präsentiert und Menschen allein aufgrund ihrer Anhänglichkeit an Gesetze und Gebote, die der Moral widersprechen, verurteilt haben, überrascht Uns wahrlich! Denn letztlich ist es nicht unvereinbar mit der Anerkennung des Naturrechts, dass sich der Richter bei der Urteilsverkündung an das positive Recht gebunden und zu dessen getreuer Auslegung verpflichtet fühlt; vielmehr ist es eine seiner Voraussetzungen. Doch was nicht rechtmäßig anerkannt werden kann, ist, dass diese Verbindung ausschließlich durch den Akt des menschlichen Gesetzgebers hergestellt wird, von dem das Gesetz ausgeht. Dies hieße, in der positiven Gesetzgebung eine Schein-Majestät anzuerkennen, die sich nicht von jener unterscheidet, die Rassismus oder Nationalismus totalitärer Rechtsproduktion zuschrieben und die die natürlichen Rechte von Individuen und juristischen Personen mit Füßen trat. Auch hier kommt der katholischen Presse ihre Aufgabe zu, die Gedanken der Menschen klar und deutlich auszudrücken, die durch den modernen Mechanismus der positiven Gesetzgebung verwirrt, zögerlich und ratlos sind – ein Mechanismus, der gefährlich wird, sobald man in ihm keine Ableitung des natürlichen göttlichen Rechts mehr erkennt.

Diese katholische Auffassung von öffentlicher Meinung und der ihr von der Presse geleisteten Arbeit ist zugleich eine solide Garantie für den Frieden. Sie verteidigt die berechtigte Gedankenfreiheit und das Recht des Einzelnen auf sein eigenes Urteil, betrachtet diese aber im Lichte des göttlichen Rechts. Dies bedeutet, dass jeder, der der öffentlichen Meinung loyal dienen will, sei es den gesellschaftlichen Autoritäten oder der Presse selbst, sich jeglicher Lüge und Aufstachelung unbedingt enthalten muss. Ist es nicht offensichtlich, dass eine solche Geisteshaltung und ein solcher Wille dem Klima des Krieges wirksam entgegenwirken? Umgekehrt gilt: Wenn die sogenannte öffentliche Meinung diktiert, aufgezwungen, freiwillig oder mit Gewalt manipuliert wird, wenn Lügen, voreingenommene Vorurteile, stilistische Tricks, verbale und gestische Manipulation und die Ausnutzung von Gefühlen das legitime Recht des Einzelnen auf sein eigenes Urteil und seine Überzeugungen illusorisch machen, dann entsteht eine schwere, ungesunde und künstliche Atmosphäre, die im Laufe der Ereignisse, unerwartet und ebenso fatal wie die abscheulichen chemischen Prozesse, die wir nur allzu gut kennen, ebendiese Individuen erstickt oder betäubt und sie zwingt, ihren Besitz und ihr Leben für die Verteidigung und den Triumph einer falschen und ungerechten Sache zu opfern. In Wahrheit ist der Frieden in Gefahr, wo die öffentliche Meinung aufhört, frei zu wirken.

... Abschließend möchten wir noch ein Wort zur öffentlichen Meinung innerhalb der Kirche selbst hinzufügen (selbstverständlich in Angelegenheiten, die der freien Diskussion überlassen sind). Nur wer die Kirche nicht oder nur unzureichend kennt, mag darüber überrascht sein. Denn sie ist schließlich ein lebendiger Leib, und ohne die öffentliche Meinung würde ihrem Leben etwas fehlen – ein Mangel, für den die Hirten und Gläubigen verantwortlich gemacht würden. Doch auch hier kann die katholische Presse einen wertvollen Beitrag leisten. Für diesen Dienst jedoch, mehr als für jeden anderen, muss der Journalist jenen Charakter mitbringen, von dem wir gesprochen haben: unerschütterlichen Respekt und tiefe Liebe zur göttlichen Ordnung – das heißt, in diesem Fall zur Kirche, wie sie existiert, nicht nur in ihren ewigen Plänen, sondern auch konkret hier unten in Raum und Zeit, göttlich ja, aber aus menschlichen Gliedern und Organen bestehend.

Besitzt der katholische Journalist diesen Charakter, wird er sich vor stiller Unterwürfigkeit und ungezügelter Kritik hüten. Er wird mit unerschütterlicher Klarheit zur Herausbildung einer katholischen Meinung innerhalb der Kirche beitragen, gerade in einer Zeit, in der diese Meinung – wie heute – zwischen den beiden gleichermaßen gefährlichen Polen eines illusorischen und unwirklichen Spiritualismus und eines defätistischen und materialistischen Realismus schwankt. Fernab dieser beiden Extreme muss die katholische Presse ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung innerhalb der Kirche und unter den Gläubigen ausüben. Nur so können alle Missverständnisse – ob übertrieben oder unzureichend – über die Rolle und die Möglichkeiten der Kirche in weltlichen Angelegenheiten und insbesondere heute in sozialen Fragen und der Friedensfrage ausgeräumt werden.

Wir können nicht schließen, ohne der vielen wahrhaft großen Männer zu gedenken, die dem Journalismus und der katholischen Presse in der Neuzeit Ehre und Ruhm eingebracht haben. Seit über einem Jahrhundert sind sie uns Vorbilder geistlichen Wirkens; mehr noch: Aus ihren Reihen sind heute wahre Märtyrer für die gute Sache hervorgegangen, tapfere Bekenner inmitten der geistlichen und weltlichen Nöte des Lebens. Ihr Andenken sei gesegnet! Möge ihr Gedenken Ihnen Trost und Ermutigung in der Erfüllung Ihrer anspruchsvollen, aber wichtigen Aufgabe sein.

Im Vertrauen darauf, dass Sie, ihrem Beispiel folgend, Ihre Aufgabe treu und fruchtbar erfüllen werden, erteilen wir Ihnen, geliebte Söhne, von ganzem Herzen unseren Apostolischen Segen.

 

(*) Ansprachen und Radiobotschaften Seiner Heiligkeit Pius XII., Elftes Jahr des Pontifikats, 2. März 1949 - 1. März 1950, S. 365-372, Vatican Polyglot Press.

 

 

 

Mittwoch, 13. August 2025

Ansprache S. H. Pius XII. an die Katholischen Journalisten,

die in Rom zu ihrem vierten Internationalen Kongress vwersammelt sind

Freitag, 17. Februar 1950



     Die Bedeutung der katholischen Presse, die ihr, liebe Kinder, auf diesem Internatio-nalen Kongress vertretet, und die Schwere der euch zur Prüfung vorgelegten Fragen haben uns dazu veranlasst, für euren Em-pfang von der Regel abzuweichen, die wir uns zu unserem Bedauern selbst auferlegen mussten, indem wir unsere Reden und An-sprachen während des Heiligen Jahres ein-schränkten und noch häufiger aussetzten. Doch dieses Mal konnten wir es nicht versäumen, unsere Worte zum großen Thema eures Treffens beizutragen. Es ist umfassend und eindrucksvoll: Die katho-lische Presse im Dienst von Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden.

     Gerade im Hinblick auf einen der wesentlichen Aspekte dieses Dienstes halten wir es für angebracht, euch einige grundlegende Prinzipien zur Rolle der katholischen Presse in den Augen der öffentlichen Meinung zur Reflexion anzuvertrauen. Tatsächlich nimmt sie unter denen, die zu ihrer Bildung und Verbreitung beitragen, einen herausragenden Platz ein.

     Die öffentliche Meinung ist das Vorrecht jeder normalen Gesellschaft, die aus Menschen besteht, die sich ihres persönlichen und sozialen Verhaltens bewusst sind und sich der Gemeinschaft, der sie angehören, zutiefst verpflichtet fühlen. Es ist letztlich überall das natürliche Echo, die mehr oder weniger spontane gemeinsame Resonanz der Ereignisse und Verhältnisse der Zeit in ihren Köpfen und Urteilen.

     Wo keine öffentliche Meinung zum Ausdruck kommt, insbesondere wo ihre faktische Nichtexistenz offenbar wird, was auch immer der Grund für ihr Schweigen oder ihre Abwesenheit sein mag, sollte man ein Laster, eine Schwäche, eine Krankheit des gesellschaftlichen Lebens erkennen.

     Sehen wir natürlich den Fall beiseite, wo die öffentliche Meinung in einer Welt schweigt, in der selbst legitime Freiheit verbannt ist und nur die Meinung der herrschenden Parteien, die Meinung von Führern oder Diktatoren, Gehör finden darf. Die Meinung der Bürger zu ersticken, sie zum Schweigen zu bringen, stellt in den Augen jedes Christen einen Angriff auf die natürlichen Rechte des Menschen dar, eine Verletzung der von Gott geschaffenen Weltordnung.

     Wer spürt nicht die Angst, die moralische Verwirrung, in die ein solcher Zustand das Gewissen von Journalisten stürzt? Tatsächlich hatten wir gehofft, dass die harten Erfahrungen der Vergangenheit uns zumindest als Lehre dienen würden, um die Gesellschaft endgültig von einer solch skandalösen Tyrannei zu befreien und einem für Journalisten und ihre Leser so demütigenden Skandal ein Ende zu setzen. Ja, wir hatten es nicht weniger inbrünstig gehofft als Sie, und unsere Enttäuschung ist nicht weniger bitter als Ihre.

     Eine bedauerliche Situation! Ebenso bedauerlich und aufgrund ihrer Folgen vielleicht sogar noch verheerender ist die Situation in Völkern, in denen die öffentliche Meinung schweigt – nicht, weil sie von einer äußeren Macht mundtot gemacht wird, sondern weil ihre inneren Voraussetzungen, die in der Gemeinschaft der Menschen vorhanden sein müssen, fehlen.

     Wir erkannten in der öffentlichen Meinung ein natürliches Echo, eine gemeinsame, mehr oder weniger spontane Resonanz von Tatsachen und Umständen im Verstand und Urteil von Menschen, die sich für das Schicksal ihrer Gemeinschaft verantwortlich und eng mit ihm verbunden fühlen. Unsere Worte weisen auf fast ebenso viele Gründe hin, warum es so schwer ist, eine Meinung zu bilden und auszudrücken. Was heute öffentliche Meinung genannt wird, trägt oft nur einen Namen, einen bedeutungslosen Namen, so etwas wie ein vages Geräusch, einen künstlichen und oberflächlichen Eindruck; nichts weiter als ein spontan im Bewusstsein der Gesellschaft entstehendes und von ihr ausgehendes Echo.

     Doch wo sollen wir nach diesen Menschen suchen, die tief von Verantwortungsbewusstsein und enger Verbundenheit mit ihrer Umwelt geprägt sind? Keine Tradition mehr, kein stabiles Zuhause mehr, keine Existenzsicherheit mehr, nichts mehr, was den Zerfall und allzu oft die Zerstörung hätte aufhalten können. Hinzu kommt der Machtmissbrauch gigantischer Massenorganisationen, die den modernen Menschen in ihre komplizierte Maschinerie verwickeln und so leicht jede Spontaneität der öffentlichen Meinung ersticken und sie auf einen blinden und fügsamen Konformismus der Gedanken und Urteile reduzieren.

     Gibt es in diesen elenden Nationen keine Menschen mehr, die diesen Namen verdienen? Menschen, die den Stempel wahrer Persönlichkeit tragen und das innere Leben der Gesellschaft fördern können? Menschen, die im Licht der Prinzipien, die dem Leben zugrunde liegen, im Licht ihrer starken Überzeugungen Gott, die Welt und alle großen und kleinen Ereignisse, die sich in ihr abspielen, zu betrachten wissen? Solche Menschen hingegen sollten dank der Rechtschaffenheit ihres Urteils und ihrer Gefühle in der Lage sein, Stein für Stein die solide Mauer zu errichten, an der die Stimme dieser Ereignisse in einem spontanen Echo widerhallte. Zweifellos gibt es solche Menschen noch, aber leider sind sie rar und werden immer seltener, da sie allmählich durch skeptische, müde, sorglose Individuen ersetzt werden, denen es an Festigkeit und Charakter mangelt und die leicht von einigen wenigen Drahtziehern manipuliert werden können!

     Der moderne Mensch legt gern eine unabhängige und ungehemmte Haltung an den Tag. Allzu oft sind sie nur Fassade, hinter der sich arme, leere, schwache Wesen verbergen, ohne die geistige Kraft, Lügen zu entlarven, ohne die geistige Kraft, der Gewalt derer zu widerstehen, die alle Entdeckungen der modernen Technik, alle raffinierte Kunst der Überzeugung in Gang setzen, sie ihrer Gedankenfreiheit berauben und sie zu zerbrechlichen, vom Winde geschüttelten Schilfrohren machen. [1]

     Kann man mit Sicherheit sagen, dass die Mehrheit der Menschen fähig ist zu urteilen, Tatsachen und Strömungen mit dem ihr gebührenden Gewicht abzuwägen, sodass die Meinung von der Vernunft geleitet wird? Doch dies ist eine unabdingbare Voraussetzung für ihre Gültigkeit und Gesundheit. Sieht man nicht vielmehr, dass diese Art, die einzig legitime Art, Menschen und Dinge nach klaren Normen und gerechten Prinzipien zu beurteilen, als Hindernis für die Spontaneität abgelehnt wird und im Gegenteil die sensiblen Impulse und Reaktionen von Instinkt und Leidenschaft als die einzigen „Werte des Lebens“ geehrt werden? Unter dem Einfluss dieses Vorurteils bleibt von der menschlichen Vernunft und ihrer Kraft, das tiefe Labyrinth der Wirklichkeit zu durchdringen, nur noch wenig übrig. Vernünftige Menschen zählen nicht mehr; es bleiben jene, deren Vision weder über ihr begrenztes Spezialgebiet noch über rein technische Fähigkeiten hinausreicht. Von solchen Menschen kann man normalerweise weder die Bildung der öffentlichen Meinung noch Standhaftigkeit gegenüber raffinierter Propaganda erwarten, die das Privileg beansprucht, sie nach Belieben zu formen. Auf diesem Gebiet sind Männer von einfachem, aufrechtem, aber klarem christlichen Geist, auch wenn ihnen oft viel Bildung fehlt, weit überlegen.

      Denjenigen, denen die Aufgabe der Aufklärung und Lenkung der öffentlichen Meinung anvertraut werden sollte, sind daher oft – manche aus Böswilligkeit oder persönlicher Unzulänglichkeit, andere aus Unfähigkeit oder Zwang – ungünstig genug, um ihre Pflicht frei und glücklich zu erfüllen. Eine solch schwierige Situation ist besonders nachteilig für die katholische Presse in ihrer Arbeit im Dienste der öffentlichen Meinung. Denn alle oben genannten Mängel und Unfähigkeiten rühren von einer Verletzung der natürlichen Organisation der menschlichen Gesellschaft her, wie Gott sie vorgesehen hat, von der Beeinträchtigung des Menschen, der, nach dem Bild seines Schöpfers geschaffen und von ihm mit Intelligenz ausgestattet, in die Welt gebracht wurde, um ihr Herr zu sein, erfüllt von Wahrheit, gehorsam gegenüber den Geboten des Sittengesetzes, des Naturgesetzes und der übernatürlichen Lehre, die in der Offenbarung Jesu Christi enthalten ist.

     In dieser Situation wären Kleinmut und Entmutigung das schlimmste Übel für den katholischen Journalisten. Schauen wir uns die Kirche an: Fast zweitausend Jahre lang, trotz aller Schwierigkeiten, Widersprüche, Missverständnisse, offener und subtiler Verfolgungen, hat sie sich nie deprimieren lassen, nie erniedrigen lassen. Nehmen wir ihr Beispiel. Betrachten wir in den beklagenswerten Mängeln, die wir erwähnt haben, das Doppelbild dessen, was die katholische Presse nicht sein sollte und was sie sein sollte.

     In all ihren Wegen und Handlungen muss sie sich dem unüberwindlichen Widerstand gegen den fortschreitenden Niedergang und das Verschwinden der Grundvoraussetzungen für eine gesunde öffentliche Meinung entgegenstellen und das Verbleibende festigen und stärken. Sie muss bereitwillig auf die flüchtigen Vorteile vulgären Interesses und minderwertiger Popularität verzichten; sie muss sich mit energischer und stolzer Würde bewahren, unempfindlich gegenüber allen direkten oder indirekten Korruptionsversuchen. Sie muss den Mut haben – selbst auf Kosten finanzieller Opfer – jede Anzeige oder Werbung, die Glauben oder Ehrlichkeit zu verletzen scheint, aus ihren Rubriken zu verbannen. Auf diese Weise gewinnt sie an innerem Wert, verdient sich letztlich Respekt und damit Vertrauen und bekräftigt das oft wiederholte Motto: „Für jedes katholische Zuhause eine katholische Zeitung.“

     Dieses heikle Unterfangen setzt bei den Mitarbeitern der katholischen Presse Kompetenz, allgemeine Bildung, insbesondere philosophische und theologische, Stilsicherheit und psychologisches Fingerspitzengefühl voraus. Vor allem aber ist Charakter unabdingbar. Charakter bedeutet, vereinfacht gesagt, tiefe Liebe und unerschütterlichen Respekt für die göttliche Ordnung, die alle Aspekte des Lebens umfasst und prägt; Liebe und Respekt, die der katholische Journalist nicht nur in seinem eigenen Herzen empfinden und pflegen, sondern auch in denen seiner Leser fördern muss. In mehr als einem Fall wird die so glühende Flamme ausreichen, um in ihnen den fast erloschenen Funken von Überzeugungen und Gefühlen, der in der Tiefe ihres Gewissens schlummerte, neu zu entfachen oder neu zu entfachen. In anderen Fällen können seine Aufgeschlossenheit und sein Urteilsvermögen ihnen die Augen öffnen, die zu zaghaft an traditionellen Vorurteilen festhalten. In beiden Fällen wird er stets davon Abstand nehmen, eine Meinung zu „bilden“, sondern stolz darauf sein, ihr zu dienen.

     Wir glauben, dass dieses katholische Konzept der öffentlichen Meinung, ihrer Funktionsweise und der Leistungen der Presse angemessen und notwendig ist, um den Menschen gemäß eurem Ideal den Weg der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Friedens zu eröffnen.

     So wirkt die Kirche mit ihrem Verhalten gegenüber der öffentlichen Meinung wie ein Schutzwall gegen den Totalitarismus, der naturgemäß der wahren und freien Meinung der Bürger feindlich gegenübersteht. Er leugnet naturgemäß diese göttliche Ordnung und die relative Autonomie, die in allen Lebensbereichen anerkannt werden muss, da sie alle ihren Ursprung auf Gott zurückführen.

     Dieser Widerstand kam kürzlich erneut in zwei Reden zum Ausdruck, in denen Wir die Stellung des Richters vor dem Gesetz hervorheben wollten. Wir sprachen damals von den objektiven Normen des Rechts, vom natürlichen göttlichen Gesetz, das dem Rechtsleben der Menschen die Autonomie garantiert, die für eine lebendige und verlässliche Anpassung an die jeweiligen Zeitverhältnisse erforderlich ist. Dass Totalitaristen, für die Recht und Gerechtigkeit lediglich Instrumente in den Händen der herrschenden Kreise sind, Uns nicht verstanden, war zu erwarten. Doch dieselben Missverständnisse bei bestimmten Gruppen festzustellen, die sich lange Zeit als Verfechter einer liberalen Lebensauffassung ausgegeben und die Menschen einfach für das Unrecht ihrer Bindung an sittenwidrige Gesetze und Vorschriften verurteilt hatten, ist höchst überraschend! Denn letztlich ist die Tatsache, dass sich der Richter bei der Urteilsverkündung an das positive Recht gebunden fühlt und verpflichtet ist, es getreu auszulegen, keineswegs unvereinbar mit der Anerkennung des Naturrechts; im Gegenteil, dies ist eine seiner Anforderungen. Was jedoch nicht legitimerweise zugestanden werden kann, ist, dass diese Bindung ausschließlich durch den Akt des menschlichen Gesetzgebers, von dem das Gesetz ausgeht, hergestellt wird. Dies hieße, die positive Gesetzgebung mit einer Pseudomajestät anzuerkennen, die sich in keiner Weise von der unterscheidet, die Rassismus oder Nationalismus der totalitären Rechtsproduktion zuschrieben, die die natürlichen Rechte physischer und moralischer Personen mit Füßen trat. Auch hier kommt der katholischen Presse eine wichtige Rolle zu, indem sie die Meinung der Bevölkerung klar zum Ausdruck bringt, die durch den modernen Mechanismus der positiven Gesetzgebung verwirrt, zögerlich und verlegen ist – ein gefährlicher Mechanismus, wenn er darin keine Ableitung des göttlichen Naturrechts erkennt.

     Dieses katholische Konzept der öffentlichen Meinung und der Dienst, den die Presse ihr leistet, sind zugleich eine solide Garantie des Friedens. Es prägt und motiviert die gerechte Freiheit und das Recht des Menschen auf sein eigenes Urteil, betrachtet sie aber im Licht des göttlichen Rechts. Das bedeutet, dass jeder, der der öffentlichen Meinung treu dienen will – seien es die gesellschaftlichen Autoritäten oder die Presse selbst –, sich jeglicher Lüge und Hetze unbedingt enthalten muss. Ist es nicht offensichtlich, dass diese Geisteshaltung und Willenshaltung wirksam auf ein Kriegsklima reagiert? Wenn umgekehrt die sogenannte öffentliche Meinung erwünscht ist oder aufgezwungen wird, mit guten oder schlechten Mitteln, wenn Lügen, parteiische Vorurteile, stilistische Kunstgriffe, die Wirkung von Stimme und Gesten und der Missbrauch von Gefühlen das Recht der Menschen auf ihr eigenes Urteil und ihre eigenen Überzeugungen illusorisch machen, dann entsteht eine schwere, ungesunde, künstliche Atmosphäre, die im Laufe der Ereignisse plötzlich und unvermeidlich, wie die heute so gefürchteten chemischen Prozesse, die Menschen selbst erstickt oder betäubt und sie zwingt, ihre Güter und ihr Blut für die Verteidigung und den Sieg einer falschen und ungerechten Sache zu geben. In Wirklichkeit ist der Frieden gerade dort in Gefahr, wo die öffentliche Meinung nicht mehr frei wirken kann.

     Abschließend möchten wir noch ein Wort zur öffentlichen Meinung innerhalb der Kirche selbst hinzufügen (natürlich in Angelegenheiten, die einer freien Diskussion zugänglich sind). Dies dürfte nur diejenigen überraschen, die die Kirche nicht oder nur unzureichend kennen. Tatsächlich ist sie ein lebendiger Leib, und es würde etwas in ihrem Leben fehlen, wenn die öffentliche Meinung fehlte: Die Schuld für diesen Mangel läge bei den Hirten und den Gläubigen. Doch auch hier kann die katholische Presse sehr nützlich sein. In diesem Dienst jedoch, mehr noch als in jedem anderen, muss der Journalist jenen Charakter besitzen, von dem wir gesprochen haben: einen unerschütterlichen Respekt und eine tiefe Liebe für die göttliche Ordnung, das heißt in diesem Fall für die Kirche, wie sie existiert, nicht nur in ihren ewigen Plänen, sondern wie sie hier unten, in Raum und Zeit, konkret lebt – göttlich, ja, aber bestehend aus menschlichen Gliedern und Organen.

     Wenn er diesen Charakter besitzt, kann sich der katholische Journalist sowohl vor stiller Unterwürfigkeit als auch vor unkontrollierter Kritik hüten. Sie wird mit fester Weisheit zur Bildung der katholischen Meinung innerhalb der Kirche beitragen, insbesondere wenn diese Meinung, wie heute, zwischen zwei gleichermaßen gefährlichen Polen schwankt: einem illusorischen und unrealistischen Spiritualismus und einem spaltenden und materialistischen Realismus. Indem sie sich von diesen beiden Extremen fernhält, muss die katholische Presse ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung innerhalb der Kirche unter den Gläubigen ausüben. Nur so können wir alle falschen Vorstellungen, ob übertrieben oder unzureichend, über die Mission und das Potenzial der Kirche in der weltlichen Ordnung und in unserer Zeit insbesondere in der sozialen Frage und dem Problem des Friedens vermeiden.

     Wir möchten nicht schließen, ohne unsere Gedanken an so viele wahrhaft große Männer zu richten, die Ehre und Ruhm des katholischen Journalismus und der Presse der Neuzeit sind. Über ein Jahrhundert lang standen sie uns als Vorbilder geistlichen Handelns zur Seite; mehr noch: Aus ihren Reihen sind heute wahre Märtyrer für die gute Sache hervorgegangen, tapfere Bekenner inmitten der geistlichen und weltlichen Schwierigkeiten des Lebens. Möge ihr Andenken gesegnet sein! Möge die Erinnerung an sie euch Trost und Ermutigung bei der Erfüllung eurer schwierigen, aber wichtigen Aufgabe sein.

     Im Vertrauen darauf, dass ihr, ihrem Beispiel folgend, eure eigene treu und erfolgreich erfüllen werdet, erteilen wir euch, geliebte Kinder, aus tiefstem Herzen unseren Apostolischen Segen.

[1] Matthäus 11,7.

 

Aus dem Italienischen mit Hilfe von Google-Übersetzer von „Ansprache Seiner Heiligkeit Pius XII. an die katholischen Journalisten zum Kongress in Rom am 17. Februar 1950“

Die deutsche Fassung dieses Artikels ist erstmals erschienen in
www.r-cr.blogspot.com

© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.

 

 

  

Donnerstag, 23. März 2023

Das geistige Erbe einer guten Familientradition (1)

Einleitung: Verbundenheit des Papstes und der Päpste mit dem römischen Adel.

1. Körperliches und geistiges Erbe.

2. Soziale Verpflichtung des Erbes.

3. Erbadel der Wohltätigkeit und Tugend.

Schluss: Friedenssehnsucht, Neujahrswünsche.

 

Einleitung: Verbundenheit des Papstes und der Päpste mit dem Adel von Rom.

    Eine Quelle herzlicher und väterlicher Freude ist Uns, geliebte Söhne und Töchter, Eure willkommene, zu Beginn des neuen Jahres um Uns versammelte Schar, eines Jahres, das ob der beängstigenden Ausblicke nicht weniger bedrückend ist als das soeben verflossene. Ihr seid zusammengekommen, um und kindliche Glückwünsche darzubringen durch den Mund Eures hochverehrten Sprechers, dessen ergebene und erhabene Worte Eurer einmütigen und gleichgesinnten Anwesenheit eine für Uns besonders liebe Wertschätzung und Herzlichkeit verleihen. Im Patriziat und Adel von Rom erblicken und verehren Wir eine Anzahl von Söhnen und Töchtern, deren Ruhm und Anhänglichkeit und ererbte Treue gegenüber der Kirche und dem Römischen Papst, deren Liebe zum Statthalter Christi aus dem tiefen Grund des Glaubens hervorbricht und im Verlauf der Jahre und im Wechselspiel der Zeiten und Menschen nicht schwächer wird. In Eurer Mitte fühlen Wir Uns noch mehr als Römer wegen der Lebensgewohnheiten, der Luft, die Wir eingeatmet haben und einatmen, wegen des gleichen Himmels, wegen derselben Sonne, wegen derselben Ufer des Tiber, an denen Unsere Wiege stand, wegen jener heiligen Erde bis hinein in seine verborgensten Winkel, aus denen Rom für seine Söhne die Verheißungen einer Ewigkeit schöpft, die bis an den Himmel reicht.

    Es ist eine Tatsache, dass, wenn Christus, unser Herr, es zum Trost der Armen auch vorzog, bettelarm auf die Welt zu kommen und in einer einfachen Arbeiterfamilie aufzuwachsen, er dennoch mit seiner Geburt das adeligste und berühmteste Haus Israels, die Familie Davids selbst, ehren wollte.

    Darum hielten die Päpste, treu dem Geiste jenes, dessen Statthalter sie sind, das Patriziat und den Adel von Rom stets in hoher Achtung, dessen unwandelbare Anhänglichkeitsgefühle an diesen Apostolischen Stuhl den kostbaren Erbteil bilden, den sie von ihren Ahnen erhielten und den sie selbst wiederum ihren Kindern weitergeben werden.

Körperliches und geistiges Erbe

    Die wahre Natur dieser großen und geheimnisvollen Sache, die das Vererben, ist, - das heißt das von Geschlecht zu Geschlecht ununterbrochene Weiterreichen eines reichen Schatzes materieller und geistiger Güter innerhalb einer Sippe, die gleichbleibende Wiederkehr desselben körperlichen und sittlichen Typus des Vaters im Sohn, die Tradition, die durch Jahrhunderte hindurch die Glieder derselben Familie zur Einheit verbindet -, die wahre Natur des Vererbens kann man, möchten War sagen, ohne Zweifel mit materialistischen Theorien entstellen. Aber man kann und muss eine derartige Wirklichkeit von so großer Bedeutung auch in ,ihrem vollen natürlichen und übernatürlichen Wahrheitsgehalt betrachten.

    Man wird gewiss die Tatsache eines materiellen Bestandteils bei der Weitergabe der erblichen Eigenschaften nicht leugnen. Wollte man sich darüber wundern, so müsste man die innige Verbindung unserer Seele mit unserem Körper vergessen, und in welch großem Ausmaß selbst unsere geistigsten Tätigkeiten von unserer körperlichen Veranlagung abhängig sind. Darum unterlässt es die christliche Sittenlehre nicht, die Eltern an die schwere Verantwortung zu erinnern, die ihnen in dieser Hinsicht obliegt.

    Von größerer Bedeutung ist jedoch das geistige Erbe, das nicht so sehr durch jene geheimnisvollen Bande der materiellen Zeugung weitergegeben wird, als vielmehr durch die beständige Wirksamkeit jenes bevorzugten Milieus, welches die Familie darstellt, mit der langsamen und tiefgehenden Bildung der Herzen in der Atmosphäre einer Häuslichkeit, die reich ist an hohen geistigen und sittlichen und vor allem christlichen Traditionen, zusammen mit der gegenseitigen Beeinflussung zwischen denen, die im selben

    Hause wohnen, einer Beeinflussung, deren wohltuende Wirkungen weit über die Jahre der Kindheit und Jugend bis ans Ende eines langen Lebens in jenen auserlesenen Seelen hinausreichen, die es verstehen, in sich selbst die Schätze eines kostbaren Erbes mit dem Beitrag ihrer persönlichen Qualität und Erfahrung zu verschmelzen.

    Solcher Art ist das Erbe, kostbarer als jedes andere, das, von einem starken Glauben erleuchtet und von einer tatkräftigen und treuen Praxis des christlichen Lebens in allen seinen Erfordernissen belebt, die Seelen Eurer Kinder emporhebt, verfeinert und reich macht.

Soziale Verpflichtung des Erbes

    Wie jedoch jedes reiche Erbe, so bringt auch dieses strenge Pflichten mit sich, und um so strengere, je reicher es ist. Vor allen Dingen zwei:

    1. die Pflicht, dergleichen Schätze nicht zu vergeuden, sie unversehrt, ja womöglich noch aufgebessert denen weiterzugeben, die nach Euch kommen, und darum der Versuchung zu widerstehen, in ihnen nichts anderes zu sehen als das Mittel zu einem bequemeren, vergnügteren, verfeinerteren und raffinierteren Leben;

    2. die Pflicht, jene Güter nicht für Euch allein in Anspruch zu nehmen, sondern großzügig die von der Vorsehung weniger Begünstigten daraus Nutzen ziehen zu lassen.

Erbadel der Wohltätigkeit und Tugend

    Auch der Adel der Wohltätigkeit und der Tugend, geliebte Söhne und Töchter, wurde von Euren Vorfahren erworben, und seine Zeugen sind die Gebäude und Häuser, die Fremdenheime, die Asyle und die Spitäler Roms, wo ihre Namen und die Erinnerung an sie von ihrer vorsorglichen und wachsamen Güte für die Unglücklichen und Armen sprechen. Wir wissen wohl, dass dieser Ruhm und Wetteifer im Patriziat und Adel von Rom nicht geringer geworden ist, soweit es das Vermögen jedes einzelnen zuläßt. In der gegenwärtigen leidvollen Zeit jedoch, wo der Himmel durch bewachte unheildrohende Nachte in Unruhe geraten ist, spürt Euer Geist, während er in vornehmer Weise einen Ernst, Wir möchten sogar sagen eine Strenge des Leben beobachtet, die allen Leichtsinn und ausgelassene Vergnügung ablehnt, die für jedes edle Herz mit dem Anblick so großen Leides unvereinbar sind, noch mehr den lebenskräftigen Antrieb der tätigen Liebe, der Euch anspornt,  die bereits vor Euch errungenen Verdienste durch Linderung des Elend und der menschlichen Armut noch zu steigern und zu mehren. Wie viele Gelegenheiten bietet Euch dazu das neue Jahr, das neue Erprobungen und Ereignisse mit sich bringt, wo Ihr das Gute tun könnt, und zwar nicht allein innerhalb der vier Wände zu Hause, sondern auch draußen! Wie viel neue Betätigungsfelder für Hilfe und Unterstützung! Wie viel verborgene Tränen müssen getrocknet werden! Wie viel Schmerzen warten auf Linderung! Wie viel leibliche und seelische Ängste, die es zu vertreiben gilt!

Schluss: Friedenssehnsucht, Neujahrswünsche

    Wie sich der Lauf des eben begonnenen Jahres gestalten wird, ist Geheimnis und Ratschluss des weisen und vorsehenden Gottes, der den Weg seiner Kirche und des Menschengeschlechts zu jenem Ziele lenkt und leitet, wo seine Barmherzigkeit und seine Gerechtigkeit triumphieren. Aber Unsere Sehnsucht, Unser Gebet, Unser Wunsch hat den gerechten und dauerhaften Frieden und die geordnete Ruhe der Welt .im Auge; den Frieden, der alle Völker und Nationen erfreut; den Frieden, der auf allen Gesichtern Frohlocken weckt und in den Herzen den Hymnus höchster Lobpreisung und Dankbarkeit für den Friedensgott, den wir in der Krippe von Bethlehem anbeten.

    In diesem Unserem Wunsch, geliebte Söhne und Töchter, liegt auch die Bedeutung eines ruhigen und glücklichen (2) Jahres für Euch alle, deren willkommene Gegenwart Uns den Anblick jeden menschlichen Alters bietet, das unter dem Schutz Gottes auf dem Pfad des Lebens voranschreitet und die persönlichen und Gemeinschaftstugenden zum besten Lob der Ahnen werden läßt. Den Älteren, den Hütern der edlen Familientraditionen und Leuchten weisheitsvoller Erfahrung für die Jüngeren; den Vätern und Müttern, den Lehrern und Tugendvorbildern für Söhne und Töchter; der Jugend, die rein, gesund und arbeitsam heranwächst in der heiligen Furcht Gottes, der Hoffnung der Familie und des teuren Vaterlandes; den Kleinen, die in den kindlichen Beschäftigungen und Spielen von ihren Zukunftsplänen träumen; Euch allen, die Ihr Euch freut und teilhabt an der Gemeinschaft und Freude der Familie, entbieten Wir einen väterlichen und lebhaft empfundenen Glückwunsch, der dem Verlangen eines jeden und einer jeden von Euch entspricht, eingedenk, daß von Gott all unsere Sehnsüchte stets geprüft und gewogen werden auf der Waage unseres höheren Wohles, auf der das, was wir selber begehren, oft weniger wiegt als das, was er von sich aus uns gewährt.

    Dies ist das Gebet, das Wir für Euch zum Herrn erheben an diesem Jahresbeginn, hinter dessen undurchdringlichen Schleiern die erhabene Vorsehung regiert, lenkt und wirkt, die mit Liebe im Universum und in der Welt der menschlichen Ereignisse gebietet, indem Wir den Überfluss der himmlischen Gnade auf Euch herabrufen, während Wir im Vertrauen auf die unendliche Güte Gottes allen und jedem einzelnen von Euch, Euern Lieben und allen, derer Ihr liebend gedenkt, Unsern väterlichen Apostolischen Segen erteilen.

---------

(1) Ansprache an das Patriziat und den Adel Roms: 5. Januar 1941. Original italienische.

(2) anno non fortunoso, ma fortunato.

 

Quelle: „Ansprachen Pius’ XII. an den römischen Adel” Herausgegeben vom Rhein.-Westf. Verein katholischer Edelleute. 1957

Mittwoch, 10. März 2021

Die katholische Presse und die öffentliche Meinung

 


Die Bedeutung der katholischen Presse, die Ihr, liebe Söhne, auf diesem internationalen Kongress vertretet, und die Schwere der Probleme, die Ihnen zum Studium vorgeschlagen werden, haben Uns dazu veranlasst, für Ihren Empfang von der Regel abzuweichen, die Wir Uns zu Unserem tiefen Bedauern auferlegen mussten, Unsere Reden und Ansprachen während des Heiligen Jahres einzuschränken, ja sogar öfters abzusagen. Aber dieses Mal konnten Wir es nicht versäumen, dem großen Thema Ihres Treffens Unser Wort hinzuzufügen. Dieses Thema ist ebenso umfangreich wie anregend: die katholische Presse im Dienst der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Friedens.

In Anbetracht eines der lebenswichtigen Aspekte dieses Dienstes halten Wir es für angebracht, Ihnen einige grundlegende Prinzipien bezüglich der Rolle der katholischen Presse in Bezug auf die öffentliche Meinung zu übermitteln. Tatsache ist, dass sie in der ersten Reihe derer steht, die zu ihrer Entstehung und Verbreitung beitragen.

Die öffentliche Meinung ist in der Tat das Vorrecht jeder normalen Gesellschaft, die sich aus Menschen zusammensetzt, die durch ihr persönliches und soziales Verhalten eng mit der Gemeinschaft verbunden sind, deren Mitglied sie sind. Es ist ja überall das natürliche Echo, die gemeinsame, mehr oder weniger spontane Resonanz der Ereignisse und der gegenwärtigen Situation in ihrem Verstand  und in ihren Urteilen.

Dort, wo es keine Manifestation der öffentlichen Meinung gibt, vor allem dort, wo man feststellen muss, dass sie nicht wirklich existiert: aus welchen Gründen auch immer ihr Schweigen oder ihre Abwesenheit erklärt werden kann, sollte sie als ein Laster, ein Gebrechen, eine Krankheit des gesellschaftlichen Lebens angesehen werden.

Lassen wir natürlich den Fall beiseite, dass die öffentliche Meinung in einer Welt schweigt, aus der sogar die gerechte Freiheit verbannt ist und in der nur die Meinung der Parteien an der Macht, die Meinung von Obrigkeiten oder Diktatoren ihre Stimme erheben darf. Die Stimme der Bürger zu ersticken, sie gewaltsam zum Schweigen zu bringen, ist in den Augen eines jeden Christen ein Angriff auf das natürliche Recht des Menschen, ein Verstoß gegen die Ordnung der Welt, wie Gott sie eingerichtet hat.

Wer kann nicht die Angst, die moralische Verwirrung erahnen, in die ein solcher Zustand das Gewissen der Männer der Presse stürzt? In Wahrheit hatten wir gehofft, dass zu viele harte Erfahrungen der Vergangenheit zumindest als Lehre gedient hätten, um die Gesellschaft ein für alle Mal von einer solchen skandalösen Tyrannei zu befreien und einer derartigen Demütigung von Journalisten und ihren Lesern ein Ende zu setzen. Ja, nicht weniger stark als Sie hatten Wir darauf gehofft und Unsere Enttäuschung ist nicht weniger bitter als die Ihre.

Bedauerliche Situation! Ebenso bedauerlich, und vielleicht noch verhängnisvoller in ihren Folgen, ist die Situation von Völkern, in denen die öffentliche Meinung schweigt, nicht weil sie durch eine äußere Kraft geknebelt wird, sondern weil ihre inneren Voraussetzungen, die in den in Gemeinschaft lebenden Menschen vorhanden sein müssen, fehlen.

Wir erkannten in der öffentlichen Meinung ein natürliches Echo, eine gemeinsame, mehr oder weniger spontane Resonanz von Tatsachen und Umständen in den Köpfen und Urteilen von Menschen, die sich für das Schicksal ihrer Gemeinschaft verantwortlich und eng mit ihr verbunden fühlen. Unsere Worte nennen fast ebenso viele Gründe, warum die öffentliche Meinung so schwer zu bilden und auszudrücken ist. Was heute öffentliche Meinung genannt wird, hat oft nur den Namen, einen leeren Namen, so etwas wie ein vages Gerücht, einen falschen und oberflächlichen Eindruck; nichts von einem spontanen Echo, das im Bewusstsein der Gesellschaft geweckt wird und von ihr ausgeht.

Aber diese Männer, die von einem tiefen Verantwortungsgefühl und einer engen Verbundenheit mit der Umwelt, in der sie leben, durchdrungen sind, wo soll man sie suchen? Keine Traditionen mehr, kein stabiles Zuhause, keine Sicherheit der Existenz, nichts, was das Werk der Desintegration und, allzu oft, der Zerstörung hätte aufhalten können. Hinzu kommt der Machtmissbrauch gigantischer Massenorganisationen, die, den modernen Menschen in ihrer komplizierten Spirale erfassend, leicht jede Spontaneität der öffentlichen Meinung ersticken und sie auf einen blinden und fügsamen Konformismus der Gedanken und Urteile reduzieren.

Gibt es denn in diesen unglücklichen Völkern keine Männer mehr, die dieses Namens würdig sind? Männer, die mit dem Siegel einer wahren Persönlichkeit gezeichnet sind, die fähig sind, das innere Leben der Gesellschaft zu ermöglichen? Männer, die im Lichte der zentralen Prinzipien des Lebens, im Lichte ihrer starken Überzeugungen, Gott, die Welt und alle großen und kleinen Ereignisse, die sich daraus ergeben, zu betrachten wissen? Solche Menschen, so scheint es, sollten durch die Geradlinigkeit ihres Urteils und ihrer Gefühle in der Lage sein, Stein für Stein die solide Mauer zu errichten, auf der sich die Stimme dieser Ereignisse, die auf sie zukommen, in einem spontanen Echo widerspiegeln würde. Zweifellos gibt es noch einige dieser Männer, leider zu wenige, und jeden Tag werden sie seltener, denn an ihre Stelle treten skeptische, blasierte, sorglose Subjekte, ohne Konsequenz und Charakter, leicht manipulierbar von einigen wenigen Meistern des Spiels!

Der moderne Mensch übernimmt gern unabhängiges und lässiges Verhalten. Es ist meist nur eine Fassade, hinter der sich arme Wesen verstecken, leer, schlaff, ohne Kraft des Verstandes, um Lügen zu entlarven, ohne Kraft des Geistes, um der Gewalt derer zu widerstehen, die es verstehen, alle Quellen der modernen Technik, alle raffinierte Kunst der Überredung in Bewegung zu setzen, um sie ihrer Gedankenfreiheit zu berauben und sie zum schwachen „vom Winde bewegte Schilfrohr“ (Mt 11,7) zu machen.

Kann man es wagen, mit Zuversicht zu sagen, dass die Mehrheit der Menschen fähig ist, Tatsachen und Strömungen nach ihrem wahren Gewicht zu beurteilen und zu würdigen, so dass die Meinung von der Vernunft geleitet wird? Dies ist jedoch eine unabdingbare Voraussetzung für seinen Wert und seine Gesundheit. Wird nicht stattdessen diese - einzig legitime - Art, Menschen und Dinge nach klaren Regeln und gerechten Prinzipien zu beurteilen, als Hindernis für die Spontaneität abgelehnt und auf der anderen Seite der sensible Impuls und die Reaktion von Instinkt und Leidenschaft als die einzigen „Werte des Lebens“ geehrt? Unter der Wirkung dieses Vorurteils bleibt von der menschlichen Vernunft und ihrer Kraft, das tiefe Labyrinth der Wirklichkeit zu durchdringen, wenig übrig.

Menschen mit Verstand zählen nicht mehr; es bleiben nur noch solche, deren Gesichtsfeld nicht über ihr enges Spezialgebiet und auch nicht über die rein technische Kraft hinausreicht. Von solchen Menschen kann man in der Regel weder die Bildung der öffentlichen Meinung erwarten, noch Standhaftigkeit gegenüber einer geschickten Propaganda, die sich das Privileg herausnimmt, sie nach Belieben zu formen. In dieser Hinsicht sind ihnen Menschen mit christlichem Geist, einfach, geradlinig, aber klar, wenn auch meist ohne viel Bildung, weit überlegen. Die Menschen, denen die Aufgabe der Aufklärung und Führung der öffentlichen Meinung zufallen sollte, befinden sich oft, manche durch ihren schlechten Willen oder ihre Unzulänglichkeit, andere durch ihre Unmöglichkeit oder ihren Zwang, in einer schlechten Lage, sie frei und glücklich auszuführen. Diese ungünstige Situation betrifft besonders die katholische Presse in ihrer Tätigkeit im Dienste der öffentlichen Meinung. Denn alle Mängel und Behinderungen, von denen Wir soeben gesprochen haben, sind auf die Verletzung der von Gott gewollten natürlichen Organisation der menschlichen Gesellschaft zurückzuführen, auf die Verstümmelung des Menschen, der, nach dem Bilde seines Schöpfers geformt und von ihm mit Intelligenz begabt, hervorgebracht wurde, um ihr Herr zu sein, ganz durchdrungen von der Wahrheit, gefügig gegenüber den Vorschriften des Sittengesetzes, des Naturrechts und der in der Offenbarung Christi enthaltenen übernatürlichen Lehre.

In einer solchen Situation wäre das schlimmste Übel für den katholischen Publizisten Kleinmut und Verzagtheit. Schauen Sie sich die Kirche an: Seit fast zwei Jahrtausenden, durch alle Schwierigkeiten, Widersprüche, Missverständnisse, offene oder hinterhältige Verfolgungen hindurch, hat sie sich nie entmutigen lassen, sich nie deprimieren lassen. Nehmen Sie sie als Vorbild. Sehen Sie in den beklagenswerten Defiziten, auf die Wir soeben hingewiesen haben, das Doppelbild dessen, was die katholische Presse nicht sein darf und was sie sein muss,.

Sie muss in ihrer ganzen Art des Seins und Handelns dem fortschreitenden Rückzug, dem Verschwinden der grundlegenden Bedingungen für eine gesunde öffentliche Meinung ein unüberwindliches Hindernis entgegensetzen und das, was von ihr übrig geblieben ist, noch weiter festigen und stärken. Möge sie bereitwillig auf die eitlen Vorteile vulgärer Interessen oder ungesunder Popularität verzichten; möge sie sich mit einer energischen und stolzen Würde behaupten, unzugänglich für alle direkten oder indirekten Versuche der Korruption. Sie möge den Mut haben - auch um den Preis pekuniärer Opfer -, rücksichtslos jede Anzeige oder Werbung aus ihren Spalten zu verbannen, die den Glauben oder die Ehrlichkeit beleidigt. Dadurch wird sie an Eigenwert gewinnen, sie wird schließlich Wertschätzung und dann Vertrauen gewinnen; sie wird die oft wiederholte Anweisung rechtfertigen: „In jedes katholische Haus die katholische Zeitung“.

Aber wenn man die äußeren und inneren Bedingungen, unter denen sie sich entwickelt und ausbreitet, bestmöglich berücksichtigt, ist die öffentliche Meinung dennoch nicht unfehlbar und auch nicht immer absolut spontan. Die Komplexität oder Neuartigkeit von Ereignissen und Situationen kann einen deutlichen Einfluss auf ihre Entstehung haben, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie sich nicht so leicht von vorgefassten Urteilen oder vom Mainstream der Ideen befreien lässt, auch wenn die Reaktion objektiv gerechtfertigt wäre, auch wenn sie selbstverständlich wäre. Und hier hat die Presse eine eminente Rolle in der Meinungsbildung zu spielen, nicht um sie zu diktieren oder zu reglementieren, sondern um ihr nützlich zu sein.

Diese heikle Aufgabe setzt bei den Mitgliedern der katholischen Presse Kompetenz, eine allgemeine Kultur, vor allem philosophischer und theologischer Art, Gaben des Stils und psychologisches Fingerspitzengefühl voraus. Was sie aber vor allem brauchen, ist Charakter. Charakter, das heißt ganz einfach, tiefe Liebe und unveränderliche Achtung vor der göttlichen Ordnung, die alle Bereiche des Lebens umfasst und beseelt; Liebe und Achtung, die der katholische Journalist nicht nur in der Verborgenheit seines eigenen Herzens empfinden und nähren darf, sondern die er auch in denen seiner Leser pflegen muss. In einigen Fällen wird die so entfachte Flamme ausreichen, um in ihnen den fast toten Funken von Überzeugungen und Gefühlen, die tief in ihrem Gewissen schlummern, wieder zu entfachen oder neu zu entfachen. In anderen Fällen können seine Weitsicht und sein Urteilsvermögen ihnen die Augen öffnen, die zu ängstlich auf traditionelle Vorurteile fixiert sind. In jedem Fall wird er immer darauf bedacht sein, die Meinung nicht zu „machen“; besser noch, er wird danach streben, ihr zu dienen.

Wir glauben, dass diese katholische Auffassung von der öffentlichen Meinung, von ihrer Funktionsweise und von den Diensten, die ihr die Presse leistet, vollkommen richtig ist, dass es notwendig ist, den Menschen nach Ihrem Ideal den Weg der Wahrheit, der Gerechtigkeit und des Friedens zu eröffnen.

So stellt sich die Kirche durch ihre Haltung gegenüber der öffentlichen Meinung als Damm gegenüber dem Totalitarismus dar, der von seinem Wesen her notwendigerweise ein Feind der wahren und freien Meinung der Bürger ist. Tatsächlich liegt es in ihrem Wesen, dass sie diese göttliche Ordnung und die relative Autonomie, die sie in allen Bereichen des Lebens anerkennt, insofern sie alle ihren Ursprung in Gott haben, leugnet.

Dieser Gegensatz wurde in zwei Vorträgen, in denen Wir kürzlich versucht haben, die Position des Richters gegenüber dem Gesetz zu beleuchten, noch einmal deutlich bekräftigt. Wir sprachen damals von den objektiven Normen des Rechts, von dem göttlichen Naturgesetz, das dem Rechtsleben der Menschen die Autonomie garantiert, die eine lebendige und sichere Anpassung an die Bedingungen jeder Zeit erfordert. Wir haben erwartet, dass die Totalitaristen uns nicht verstanden haben, für die Recht und Gesetz nur Instrumente in den Händen der herrschenden Kreise sind. Aber dasselbe Missverständnis von Seiten gewisser Kreise zu sehen, die sich lange Zeit als Verfechter der liberalen Lebensauffassung aufgespielt hatten, die die Menschen allein wegen ihrer Bindung an sittenwidrige Gesetze und Gebote verurteilt hatten, ist in der Tat geeignet, Uns zu überraschen! Denn dass der Richter sich bei der Urteilsverkündung an das positive Recht gebunden und zu dessen getreuer Auslegung verpflichtet fühlt, ist mit der Anerkennung des Naturrechts nicht unvereinbar; es ist vielmehr eine seiner Voraussetzungen. Was aber nicht legitim ist, ist, dass diese Bindung ausschließlich durch den Akt des menschlichen Gesetzgebers, von dem das Gesetz ausgeht, hergestellt wird. Das hieße, die positive Gesetzgebung als eine Pseudo-Majestät anzuerkennen, die sich in keiner Weise von derjenigen unterscheidet, die der Rassismus oder der Nationalismus der totalitären Rechtsproduktion zuschreibt und die natürlichen Rechte der natürlichen und juristischen Personen unter ihre Füße stellt. Auch hier hat die katholische Presse eine besondere Stellung, indem sie in klaren Formeln die Gedanken des Volkes zum Ausdruck bringt, das verwirrt, zögernd und verlegen vor dem modernen Mechanismus der positiven Gesetzgebung steht, einem gefährlichen Mechanismus, sobald es aufhört, darin eine Ableitung des natürlichen göttlichen Gesetzes zu sehen.

Diese katholische Auffassung der öffentlichen Meinung und des Dienstes, den die Presse ihr leistet, ist auch eine solide Garantie für den Frieden. Sie tritt für die gerechte Freiheit des Denkens und für das Recht des Menschen auf sein eigenes Urteil ein, betrachtet es aber im Licht des göttlichen Gesetzes. Das heißt, wer sich loyal in den Dienst der öffentlichen Meinung stellen will, sei es die gesellschaftliche Autorität oder die Presse selbst, muss sich jede Lüge oder Aufregung absolut verbieten. Liegt es nicht auf der Hand, dass eine solche Geistes- und Willenshaltung dem Klima des Krieges wirksam entgegenwirkt? Im Gegenteil, wenn die sogenannte öffentliche Meinung diktiert oder aufgezwungen wird, gewollt oder ungewollt, wenn Lügen, voreingenommene Vorurteile, Kunstgriffe des Stils, die Wirkung von Stimmen und Gesten, die Ausbeutung von Gefühlen, das gerechte Recht der Menschen auf ihr eigenes Urteil, auf ihre eigene Überzeugung illusorisch machen, dann wird eine schwere, ungesunde, falsche Atmosphäre geschaffen, die im Laufe der Ereignisse, so fatal wie die verabscheuungswürdigen chemischen Prozesse, die jetzt nur allzu gut bekannt sind, eben diese Menschen erstickt oder betäubt und sie zwingt, ihre Güter und ihr Blut für die Verteidigung und den Triumph einer falschen und ungerechten Sache hinzugeben. In Wahrheit ist dort, wo die öffentliche Meinung aufhört, frei zu funktionieren, der Frieden in Gefahr.

Schließlich möchten Wir noch ein Wort zur öffentlichen Meinung innerhalb der Kirche selbst hinzufügen (natürlich in Angelegenheiten, die der freien Diskussion überlassen sind). Das sollte für diejenigen, die die Kirche nicht oder schlecht kennen, keine Überraschung sein. Denn schließlich ist sie ein lebendiger Körper, und es würde etwas in ihrem Leben fehlen, wenn die öffentliche Meinung sie im Stich ließe, ein Versagen, für das die Schuld auf die Pfarrer und auf die Gläubigen fallen würde. Aber auch hier kann die katholische Presse sehr nützlich sein. Zu diesem Dienst aber muss der Journalist mehr als zu jedem anderen jenen Charakter mitbringen, von dem Wir gesprochen haben und der aus unveränderlichem Respekt und tiefer Liebe zur göttlichen Ordnung besteht, das heißt im vorliegenden Fall zur Kirche, wie sie existiert, nicht nur in ewigen Entwürfen, sondern wie sie konkret hier auf Erden in Raum und Zeit lebt, göttlich zwar, aber aus menschlichen Gliedern und Organen bestehend.

Wenn er diesen Charakter besitzt, wird der katholische Publizist sich vor stummem Servilismus ebenso zu hüten wissen wie vor unkontrollierter Kritik. Er wird mit fester Klarheit zur Bildung einer katholischen Meinung in der Kirche beitragen, gerade dann, wenn diese Meinung, wie heute, zwischen den beiden ebenso gefährlichen Polen eines illusorischen und unwirklichen Spiritualismus, eines defätistischen und materialisierenden Realismus schwankt. In einem gewissen Abstand zu diesen beiden Extremen wird die katholische Presse unter den Gläubigen ihren Einfluss auf die öffentliche Meinung in der Kirche ausüben müssen. Nur so wird es möglich sein, alle falschen Vorstellungen über die Rolle und die Möglichkeiten der Kirche im weltlichen Bereich und heute vor allem in der sozialen Frage und im Problem des Friedens zu vermeiden, sei es durch Übertreibung oder durch Unterlassung.

Wir wollen nicht enden, ohne an so viele wahrhaft große Männer zu denken, an die Ehre und den Ruhm des modernen Journalismus und der katholischen Presse. Seit mehr als einem Jahrhundert stehen sie uns als Vorbilder geistlichen Wirkens vor Augen; besser noch, aus ihren Reihen sind heute wahre Märtyrer der guten Sache hervorgegangen, tapfere Bekenner inmitten der geistlichen und zeitlichen Schwierigkeiten der Existenz. Gesegnet sei ihr Andenken! Möge ihr Andenken ein Trost und eine Ermutigung für Sie bei der Erfüllung Ihrer schweren, aber wichtigen Aufgabe sein.

Im Vertrauen darauf, dass ihr, ihrem Beispiel folgend, das eure treu und fruchtbar erfüllen werdet, erteilen Wir euch, liebste Söhne, von ganzem Herzen Unseren Apostolischen Segen.

 

Aus dem Französischen übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version) in

https://www.pliniocorreadeoliveira.info/FRVO_19500217_presse_opinion_publique.htm#.YBVjl-nPwdU

 

Quelle: Discours du Pape Pie XII aux journalistes catholiques réunis à Rome pour leur quatrième congrès international, Vendredi 17 février 1950 in Discours et messages-radio de S.S. Pie XII, XI, Onzième année de Pontificat, 2 mars 1949 - 1er mars 1950, pp. 365-372, Typographie Polyglotte Vaticane.

(die Hervorhebungen im Text sind von der Webseite www.pliniocorreadeoliveira.info)