Dienstag, 24. Februar 2026

Evangelische Offenheit

 VERGESSENE TUGENDEN



Seliger Olivier Maillard

Aus den Predigten des seligen Olivier Maillard, eines berühmten Predigers des 15. Jahrhunderts, genannt „der Mönch der offenen Rede“, über den das Franziskaner-Martyrologium sagt: „21. Juli: In Toulouse, Frankreich, entschlief der selige Olivier Maillard, Priester und Bekenner, berühmt für seine Gelehrsamkeit und Beredsamkeit, der viele Male zum Generalvikar der gesamten Observantenfamilie (Cismontanen) gewählt und vom Papst als Apostolischer Legat nach Frankreich entsandt worden war, bekannt für seine prophetische Gabe, seine Frömmigkeit und sein heiliges Leben, im Herrn und wirkte nach seinem Tod durch seine Wunder“:

Diese elenden Christen, verroht an Geist und Leib, die sich drei Tage lang mit Essen vollstopfen, in Ausschweifungen, Trunkenheit und anderen Unzuchten schwelgen, Und sie würden meinen, sie würden das Fasten nicht ordnungsgemäß einhalten, wenn sie sich nicht bis Mitternacht am Faschingsdienstag den Bauch vollschlüpften.

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„Oh Sünder, böser Knecht, entarteter Sohn! Du hast das Schafott des Kreuzes vor Augen, an dem dein Vater und dein Herr hängt, und du lachst, du scherzt und gehst zum Festmahl der dreißigtausend Teufel.“

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„Eure Töchter, ihr kümmert euch nur darum, sie schön zu machen, und ihr macht sie zu Kurtisanen.“

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„Oh ihr armen Buchhändler, es genügt euch nicht, euch selbst zu verdammen, sondern ihr druckt auch noch diese obszönen Bücher. Mit ihnen werden ihr zu allen Teufeln

gehen.“

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Wenn diese Gewänder mit dem Preis der Lust, mit dem Ertrag von Raub und betrügerischen Verträgen bezahlt wurden, sind sie mit Aussatz befleckt und müssen verbrannt werden. Woher kommen diese Pelze, diese Seide und dieser Samt?

„Die Frauen tragen kostbare Halsketten, goldene Ketten eng um den Hals geschnallt, um zu beweisen, dass der Teufel sie beherrscht und sie gefesselt und geknebelt mit sich herumschleppt; sie besitzen unzählige kostbare Schmuckstücke, die ich gar nicht aufzählen kann. Andere tragen große, weite, hohe Hauben, verziert mit Hörnern und allerlei dergleichen. Sollen sie uns doch erzählen, wie sie sich das alles leisten.“

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„Ritter des Ordens (vom Goldenen Vlies), die Eide sind sehr lang, wie man so oft sagt; aber zuerst habt ihr einen anderen geschworen, den ihr besser einhaltet: dass ihr nichts von dem tun werdet, was ihr schwört. Sage ich die Wahrheit?“ – ob es euch passt oder nicht.

„– In gutem Glauben, Bruder, so ist es. Fahr fort.“

„– Seid ihr da, Offiziere der fürstlichen Brot-, Obst- und Kellerei? Wenn ihr nur eine halbe Portion Wein oder eine Fackel stehlen solltet, würdet ihr euch die Gelegenheit nicht entgehen lassen.“

„— In gutem Glauben, Bruder, sagst du immer noch zu wenig.

— Wo sind die Schatzmeister? Seid ihr dort? Ihr, die ihr die Angelegenheiten eures Herrn und eurer eigenen regelt. Hört zu, ein Wort an den Weisen genügt.“

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„Oh ihr Weltlichen, wie viele seid ihr doch! Prüft euch selbst von euren Fußsohlen bis zu euren Scheiteln; sucht etwas von euch selbst in euch selbst: Ihr werdet nichts finden – außer euren Sünden.“

 

Bildunterschrift: Bienhereux. O. Maillard, Holzschnitt aus der Zeit

 

 

Aus Catolicismo von August 1952

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