Montag, 21. Januar 2019

»Der diabolische Plan zur Beherrschung der Welt«



Von Christa Meves
Angesichts der Zuspitzung der weltweiten Situation wollen wir eine kleine Zusammenstellung wesentlicher Ereignisse geben: Es geht im Grund um einen diabolischen Plan zur Beherrschung der Welt.
Die Strategie
Der Gesamtplan zur Weltbeherrschung der Menschen zielt auf die internationale Bemächtigung aller Instanzen, wobei die Seele jedes Einzelnen verderbt werden soll. Es ist der ubiquitäre (weltweit verbreitete) Plan des Widersachers gegen Gott den Herrn ganz direkt. Dabei lässt sich die Handschrift des absolut Bösen - wie bei jedem dieser Angriffe in der Geschichte an bestimmten Kriterien erkennen:
• An der Verschleierung der Vorgehensweise und dem Vollzug in nicht durchschaubaren Etappenzielen, deren Zusammenhang oberflächlich kaum erkennbar ist.
• An den durch Korruption gekauften maßgeblichen Akteuren in Politik und Medien.
• An der raffinierten, scheinlogischen Täuschung der maßgeblichen Intellektuellen mithilfe verwirrender philosophischer Gedankenspiele.
• An der Verdrehung der Begriffe, und zwar in ihr direktes Gegenteil.
• An der Verleugnung des Faktenwissens.
• An der Nutzung der Massenpsychologie (der „Schafsnatur“ des Menschen).
• An der Ausschaltung Hellhöriger, besonders auch kirchlicher Insider, durch Diskriminierung, Verspottung und - bei starker Wirksamkeit dieser ­ durch ihre direkte Beseitigung.
Derzeitige Ziele
Unter der Vorgabe, die Überbevölkerung in der Welt zum Wohl aller einschränken zu wollen, ist allgemein die Minderung von Fortpflanzung vorgesehen:
• durch Förderung der Massenabtreibung, durch Aufweichen der entsprechenden Gesetze und durch Trends zur Löschung des Unrechtsbewusstseins.
• Durch das Hochfahren der Verhütungsindustrie.
• Durch Favorisierung der Perversionen.
• Durch Scheidungserleichterung.
• Durch Minderung der Ehefähigkeit mithilfe feministischer Ansprüche der Frau.
• Durch Genderismus der Kinder und Jugendlichen in Bezug auf ihre geschlechtliche Identität.
• Durch Förderung vom Jugendsex und damit Minderung der physischen Fortpflanzungsfähigkeit der Frau.
• Durch Minderung der Bindungsfähigkeit mithilfe von Frühkollektivierung und damit Minderung von gesunder Familienbildung mit allen denkbaren Maßnahmen.
• Durch einen chronischen Geburtenschwund unter das Soll der Staatserhaltung.
• Durch die Entstehung von seelischen und körperlichen Erkrankungen in einer die Wirtschaft tief beeinträchtigenden Zahl.
Abwehrmöglichkeiten
Es gibt Abwehrmöglichkeiten gegen die straff durchgeführte, bereits weit fortgeschrittene globale Durchführung dieses Plans:
• Durch Information über diese Pläne und über ihre weitreichende Verschleierung.
• Durch die bußfertige Bereitschaft, dem durch Gottvergessenheit Entstandenen zu begegnen.
• Durch Vernetzung der Christen miteinander.
• Durch Intensivierung des Gemeindelebens.
• Als Notprogramm die Bereitschaft zu überkonfessionellen allgemeingültigen Zusammenschlüssen.
• Durch gegenseitige Stärkung mithilfe von Gebetsgemeinschaften, Exerzitien und Wallfahrten.
• Durch gegenseitige Unterstützung der Familien, besonders der Großfamilien unter Hochachtung der Mütter als Hauptberuf.
• Durch eine Bemühung um eine unbekümmerte Haltung von siegesgewissem Gottvertrauen.
• Durch Konzentration auf die Aussagen von Christus in der Heiligen Schrift.
• Durch ein Leben in Christus und der Intensivierung des Gebets.
Bereits Konrad Adenauer hat 1950 beim 1. Bundesparteitag der CDU gesagt:
„Wenn wir nicht den Staat wieder seiner Allmacht entkleiden, wenn wir uns nicht von der Vorstellung wieder freimachen, dass der Staat willkürlich Recht schaffen und Recht aufheben kann, wenn man nicht für den einzelnen Menschen, wie für Völker Rechte anerkennt, die, weil im Naturrecht verankert, nicht geändert und entzogen werden können, wird keine Ruhe, keine Ordnung, keine Sicherheit mehr auf Erden sein. Unsere christliche Überzeugung verpflichtet uns, diesen Gedanken des Rechts zu stärken und neu zu beleben.“

Quelle: „Lebe“ – Zeitschrift der Bewegung für das Leben – Meran, Südtirol, Ausgabe 122, März-April 2015, S.34.

Freitag, 18. Januar 2019

Im Chor



Im Chor, 1890 – Vicente Borras Abella Museo del Prado, Madrid

Es ist bald Weihnachten! Die Chorknaben in ihren roten Gewändern üben wiederholt die Lieder, die sie am Heiligabend singen werden. Einige Instrumente begleiten ihren Gesang. Auf dem Notenpult zeigt ein großes Buch die Partitur eines Chorals. Der Chorleiter ist die Seele der ganzen Übung. Wird er wohl wissen, daß es weniger als ein Jahrhundert später einem militanten Laizismus gelungen ist, diese so besonders erhabene Atmosphäre, die die heilige Nacht umhüllt, aus der Gesellschaft zu verbannen?
Der Rest des Kirchenraumes liegt im Halbdunkel, aus dem ein großes Kruzifix hervorragt und sich über die Szene neigt.
Der traditionelle Gesang erhebt sich mit Wonne im Raum in der Erwartung des Heiligen Abends.

Quelle: „Allianz mit Maria“ Nr. 8 – Nov/Dez 2004 – Aktion Deutschland braucht Mariens Hilfe

Mittwoch, 16. Januar 2019

Die wahre katholische Vergebung...



... schließt die Weiterführung des Kampfes keinesfalls aus

Als die französische Regierung die Vertreibung der Ordensleute beschloss, waren 1903 die Kartäuser dran. P. Michel Baglin, Prior der „Grande Chartreuse“, schrieb am 12. April 1903 an Herrn Emile Combes (Ratspräsident der Nation) folgenden Brief:

„Die Frist, die nach Ansicht der Agenten Ihrer Regierung unseren Aufenthalt in der Grande Chartreuse fixiert , naht sich dem Ende zu.
Nun, als erstes, haben Sie das Recht zur Kenntnis zu nehmen, dass wir den Posten der Buße und Fürbitte, auf dem es der Vorsehung gefallen hat, uns einzusetzen, nicht verlassen werden.
Unsere Mission ist es, hier für unser geliebtes Land zu leiden und zu beten; nur Gewalt allein wird das Gebet auf unseren Lippen zum verstummen bringen.
Leider muss man in unruhigen Tagen, in denen die Willkür herrscht, die traurigsten Möglichkeiten voraussehen.
Und da es trotz der Gerechtigkeit unserer Forderungen möglich ist, dass ein Gewaltstreich uns plötzlich auflösen, und sogar aus unserem Vaterland vertreiben wird, möchte ich Ihnen schon heute sagen, dass ich Ihnen in meinem persönlichen Namen und im Namen meiner Mitbrüder die verschiedenen, eines Regierungschefs gar nicht würdigen Prozesse, die Sie gegen uns eingesetzt haben, vergebe.
Zu anderen Zeiten verachtete der Ostrazismus nicht wie heute die loyal scheinenden Waffen!
Ich würde jedoch glauben, eine Pflicht der christlichen Nächstenliebe zu verfehlen, wenn ich der Vergebung, die ich Ihnen erteile, gleichzeitig nicht einen hilfreichen Rat und eine ernste Mahnung hinzufüge.
Meine zweifache Eigenschaft als Priester und Ordensmann ermächtigt mich unmissverständlich, Ihnen das eine und das andere anzubieten, um Sie daran zu hindern, wenn in Ihnen noch eine Spur Klugheit vorhanden ist, diesen ekelhaften und nutzlosen Krieg gegen die Kirche Gottes weiter zu führen.
Also, auf Ihre dringende Aufforderung hin und auf die Entstehung eines Dokuments, dessen offenkundige Falschheit Sie, so scheint es, nicht ignorieren können, hat eine französische Kammer den Orden verurteilt, in dem Unser Herr mich als Chef eingesetzt hat.
Ich kann dieses ungerechte Urteil nicht akzeptieren. Ich akzeptiere es nicht; und trotz meiner aufrichtigen Verzeihung bitte ich um eine Revision gemäß meinem Recht und meiner Pflicht durch das unfehlbare Tribunal dessen, der unser souveräner Richter ist!
Infolgedessen — achten Sie ganz besonders auf meine Worte, Herr Ratspräsident, und beeilen Sie sich nicht, zu lächeln oder mich für einen Geist eines anderen Zeitalters zu halten — werden Sie mit mir vor diesem Gericht Gottes erscheinen.
Dort gibt es keine Erpressung, keine Redekünstelei, keine Tribüneneffekte, keine parlamentarische Manöver, keine falsche Dokumente und keine nachsichtige Mehrheit, aber ein ruhiger, gerechter und mächtiger Richter und ein Urteil, gegen das weder Sie noch ich Berufung einreichen können!
Bis bald, Herr Ratspräsident. Ich bin nicht mehr so jung und Sie sind schon mit einem Fuß im Grab.
Machen Sie sich bereit, denn die Konfrontation, die ich Ihnen ankündige, wird Ihnen unerwartete Emotionen bereiten.
Und für diese feierliche Stunde setzen Sie eher auf eine aufrichtige Bekehrung und eine ernsthafte Buße als auf die Fähigkeiten und Sophismen, die Ihnen Ihre vorübergehenden triumphalen Erfolge herbeiführen.
Und da es meine Pflicht ist, das Böse mit Gutem zu vergelten, werde ich beten, oder besser gesagt, werden wir, die Kartäuser, deren Tod Sie verordnet haben, weiterhin zum Gott der Barmherzigkeit, den Sie in seinen Dienern so seltsam verfolgen, beten, damit er uns die Reue und die Gnade der heilsamen Wiedergutmachung gewähre.
Ich verbleibe, Herr Ratspräsident, als Ihr demütiger Diener.
F. Michel

F. Michel Baglin, Prior der Großen Kartause in Frankreich

Gesamtansicht der Großen Kartause

Anmerkung: Der Wortlaut dieses monumentalen Briefes wurde in der französischen katholischen Zeitschrift „La Croix“ am 5. August 1927 veröffentlicht. Titel, erste Zeilen und die Hervorhebungen sind von diesem Blog. Der Artikel in „La Croix“ berichtet weiter in spannender Weise über die Ereignisse, die dieser Brief zur Folge hatte.

Freie Übersetzung aus dem Französischen in

Donnerstag, 10. Januar 2019

Die Verbindung zur Heimat


»Wenn man uns fragt, was denn die starken Bande seien, durch die wir an unsere Geburtsstätte gekettet sind, so hätten wir Mühe zu antworten. Es ist vielleicht das Lächeln einer Mutter, eines Vaters, einer Schwester; es ist vielleicht das Andenken des alten Lehrers, der uns erzogen, oder der Gespielen unserer Kindheit; es ist vielleicht die Sorgfalt, die die Amme, ein alter Diener auf uns gewendet hat; kurz, es sind die einfachsten, wenn man will, kleinlichsten Umstände; wie ein Hund, der nachts auf dem Feld bellte, eine Nachtigall, die jedes Jahr wieder auf das Baumgut kam, das Schwalbennest am Fenster, der Kirchturm, den man über den Bäumen hervorblicken sah, der Eibenbaum des Kirchhofs, das gotische Grabmal: Das ist alles; aber diese kleinen Mittel beweisen nur um so besser die Wirklichkeit einer Vorsehung, da sie nicht die Quelle der Vaterlandsliebe oder der großen Tugenden sein können, die diese Liebe erzeugt, wenn nicht höherer Wille es so geordnet hätte.«


Aus dem Herz-Jesu-Kalender der Fédération pro Europa Christiana - FPEC - Frankreich, Juni 2016

Textquelle: François-René de Chateaubriand, „Geist des Christentums oder die Schönheiten der christlichen Religion“. Morus Verlag, Berlin 2004. S. 163
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Montag, 31. Dezember 2018

Die Flucht nach Ägypten



Um 1350/20 malte Giotto di Bondone (um 1266 – 1337) in der Unterkirche von San Francesco in Assisi das Fresko „Die Flucht nach Ägypten“.
Maria in leuchtend blauen Mantel, ihrer Symbolfarbe, reitet im Damensitz. So kann ihr Kind auf ihrem rechten Bein und von ihrer rechten Hand gehalten werden. Dies erinnert entfernt an den byzantinischen Typus der Darstellung Mariens als „Dexiokratusa“. Das Kind hat schon einen Kreuznimbus und wird durch einen Halsgurt an Maria gebunden.
Zu dieser Gruppe beugt sich eine Palme. Dieser Vorgang wird sowohl in der Legenda aurea, als auch im Pseudo-Matthäusevangelium geschildert.
Die Fliehenden werden von zwei, ihnen vorausfliegenden Engeln beschützt und von einem folgenden Paar begleitet. Der Junge Mann stachelt den Esel an (Er sticht mit einem Stachel in den Esel). Dieses Motiv kommt in manchen Ikonen vor. Die alte Frau trägt ein Bündel auf den Kopf und stützt sich auf einen Wanderstab. Giotto malt es als Kontrastpaar zu Maria und Joseph. (Joseph ist alt, der Begleiter ist jung. Bei Maria und der Begleiterin ist es umgekehrt. Joseph trägt ein Reisebündel über der Schulter, die Begleiterin auf dem Kopf. Joseph lässt das Halfter locker, während der Bedienstete den Esel vorwärtstreibt.)
Die „Flucht nach Ägypten“ hat durch die heutigen Vorgänge im Nahen Osten wieder eine ganz neue Aktualität erhalten. AE

(Titelbild DER FELS Januar 2016)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Donnerstag, 29. November 2018

Zum Nachdenken...




DIE WELT VOM 2. März 2018
Kommentar
Putins Superwaffen

von RICHARD HERZINGER

In gut zwei Wochen wird sich Russlands Präsident Wladimir Putin im Amt bestätigen lassen. Zur Einstimmung darauf hat der Kreml-Herr in einer protzigen Propagandarede klargemacht, was er unter der seit vielen Jahren versprochenen, doch bis heute ausgebliebenen „Modernisierung“ seines Landes versteht: das Vorantreiben eines gigantischen Aufrüstungsprogramms, das die globalen militärischen Kräfteverhältnisse dramatisch zu verändern droht.
Vor allem die neue russische Superrakete RS-28 Sarmat, im Nato-Jargon Satan 2 genannt, die eine unbegrenzte Reichweite besitzt und bis zu 16 Nuklearsprengköpfe tragen kann, macht den Westen auf alarmierende Weise verwundbar. Ist diese Waffe, die ein Land von der Größe Frankreichs mit einem Schlag auslöschen kann, doch von bisher existenten Raketenabwehrsystemen – auch den amerikanischen – nicht zu erfassen. Putins Versicherung, seine neuen Wunderwaffen dienten nur der „Sicherung des Friedens“, ist nur zu gut aus Sowjetzeiten vertraut.
Tatsächlich dürfte er kaum vorhaben, sie in absehbarer Zeit einzusetzen. Wohl aber dient sein Prahlen mit den ungeheuren Zerstörungskräften, über die er verfüge, der Einschüchterung des Westens — und namentlich der USA, seines erklärten strategischen Hauptfeinds. Er sendet damit eine massive Warnung an jeden aus, der es wagen sollte, sich seinen Aggressionsgelüsten und Weltneuordnungsplänen entgegenzustellen, wie er sie derzeit in Syrien und der Ukraine demonstriert. So klingt es auch nicht beruhigend, wenn Putin betont, Russland werde Nuklearwaffen nur einsetzen, sollte ein atomarer Angriff auf es selbst oder „seine Verbündeten“ vorausgehen. Gilt eine solche Garantie etwa auch für Komplizen wie das mörderische Assad-Regime?
Zu lange hat sich vor allem Europa im Gefühl der Unangreifbarkeit gesonnt. Man sah sich „von Freunden umzingelt“ und redete sich ein, die Zukunft gehöre allein der „Softpower“. Hierzulande gilt vielen schon die Einlösung des Zwei-Prozent-Ziels der Nato als verwerfliche „Militarisierung“ — während die Bundeswehr funktionsuntüchtig ist. Unterdessen holen autoritäre Mächte wie Russland und China ihren militärtechnologischen Rückstand gegenüber dem westlichen Bündnis in Riesenschritten auf. Dies werden sie nutzen, um politisches Wohlverhalten zu erzwingen. Es gilt, endlich wieder zu begreifen: Mangelnde militärische Abschreckung stimmt die Feinde der westlichen Demokratie nicht friedfertiger. Sie macht es vielmehr möglich, uns als Erstes politisch zu entwaffnen.

richard.herzinger@welt.de
(Hervorhebungen von diesem Blog)

Dienstag, 6. November 2018

Vom Holocaust zum Babycaust


VON DR. FRED DUSWALD*
Als „Frau, die einen Holocaust überlebte und einen anderen verschuldete“ kennzeichnet das katholische Medium Info Vaticana die am 30. Juni Alter von 90 Jahren in Paris verblichene Politikerin Simone Veil (1927-2017), die als Jugendliche die Judenverfolgung überlebte und als Gesundheits(!)ministerin 1974 das Abtreibungsgesetz durchboxte, dem seither mindestens 7,5 Millionen ungeborene Kinder zum Opfer gefallen sind.
„Das trauernde Frankreich bringt Madame Simone Veil seine Dankbarkeit zum Ausdruck“, twitterte Staatspräsident Emmanuel Macron. Nicht lumpen ließ sich auch sein Vorgänger François Hollande: „Frankreich verliert eines seiner großen Gewissen.“
Das Licht der Welt erblickte die „Jahrhundertfrau“ (Die Welt) als Simone Jacob in Nizza. Mutter Yvonne, geborene Steinmetz, war Atheistin, Vater André, Architekt, hasste die Deutschen und nannte sie, so Simone am 22. März 2009 im Berliner Tagesspiegel, stets „les Boches“. Im März 1944 wurde die jüdische Familie verschleppt. Vater und Bruder kamen nach Litauen. Beide kamen nicht zurück. Simones Schwester Denise war bei der Résistance und überlebte im KZ Ravensbrück. „Die Mutter starb in Auschwitz“, zwischentitelte Die Welt in ihrem Nachruf auf Simone, um anschließend im Text fortzusetzen, dass diese in Bergen-Belsen „wenige Tage vor der Befreiung zusehen musste, wie ihre Mutter [dort] an Typhus starb“ (5.7.2017).
Simone heiratete 1946 Antoine Veil, den Generaldirektor der Lufttransportgesellschaft UTA und wurde unter Giscard d'Estaing Ministerin. Sogleich nahm sie die Freigabe der Abtreibung in Angriff: „Es war eine explosive, chauvinistische Stimmung im Land. Dabei hatte der Nouvel Observateur schon das ,Manifest der 343‘ veröffentlicht, in denen zum Beispiel Simone de Beauvoir [1908-1986], Françoise Sagan [1935-2004}, Catherine Deneuve [*1943] Jeanne Moreau [*1928] erklärten, sie hätten abgetrieben. Das Gesetz wurde ein Triumph.“
Erschütterter Staat
Laut Deutschlandfunk erschütterte Simone Veil das Wertesystem Frankreichs bis in die Grundfesten. Nie wieder gab es eine so schwierige Debatte in der Nationalversammlung. Da wurde geschrien und geschimpft, es gab die schlimmsten Beleidigungen. Ein Abgeordneter fragte, ob „Madame la Ministre“ es verantworten könne, Embryos wie in den Nazi-Lagern zu verbrennen. Einen Moment lang verbarg Simone Veil ihr Gesicht. Noch Jahrzehnte später spekuliert man in Frankreich darüber, ob die junge Gesundheitsministerin, die den Geruch der Krematorien von Auschwitz nie vergessen hat, in diesem Moment weinen musste.
Die Abstimmung
Am 29. November 1974 um 3.40 Uhr morgens stimmten die Abgeordneten ab. Die bürgerliche Seite verfügte über eine satte Mehrheit von 302 von 490 Mandaten. Die Liberalen aber, denen Simone Veil angehörte, erstrebten mit nicht geringerer Vehemenz als die politische Linke die Legalisierung des Kindermordes. Die Linksopposition, die geschlossen für die Abtreibung stimmte, und ein Drittel der bürgerlichen Regierungskoalition schufen ad hoc eine ansonsten nicht existierende Par1amentsmehrheit. Simone Veil wurde zum international von Linken und Liberalen gefeierten Fetisch des Feminismus. „Ich hatte nicht den Hass erwartet, den ich wecken würde“, erinnerte sie sich später. „Man hat auf meine Haustür ,Veil=Hitler‘ geschrieben.“ Dieser Vergleich hinkt insofern, als für Abtreibung unter Hitler die Todesstrafe drohte.
Die Praxis heute
Heute praktizieren mehr als 95 Prozent der französischen Gynäkologen die Abtreibung oder sind bereit dazu. Weniger als fünf Prozent machen von einem eingeschränkten Recht auf Verweigerung aus Gewissensgründen Gebrauch. Wer aus Gewissensgründen verweigert, hat beruflich schwere Nachteile. Die Chancen auf eine Stelle als Chefarzt sinken auf Null.
Der Großorient von Frankreich jedoch, größte Freimaurer-Obödienz der Republik, ehrte die Täterin mit einem Abguss der „Marianne“ von Jacques France. Die Verleihung der Statuette sei „ein Zeugnis der Verbundenheit und der Anerkennung des Großorients von Frankreich für Simone Veil, unsere Schwester von Herzen“, lobte Großmeister Daniel Keller ihren „Kampf für die Frauenemanzipation, die Tochter der Laizität, die den Kern des freimaurerischen Wirkens bildet“. Die „Loi Veil“ pries er als „Symbol jener Verbesserung des Menschen und der Gesellschaft, an der die Freimaurer arbeiten: Dieses Gesetz bleibt ein Pfeiler unserer Gesellschaft.“
Gewählt & geehrt
Nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung wirkte die „Mahnerin und Ministerin“ (Der Tagesspiegel) von 1979-1981 als Präsidentin des Europäischen Parlaments in Straßburg. Gewählt wurde die Engelmacherin mit den Stimmen der bundesdeutschen Christdemokraten und Christsozialen. Verwirrung kam auf, als bekannt wurde, dass Simone Veil, Ehrenvorsitzende einer Stiftung zum Gedenken an die Shoah, auf einer vom Auschwitz-Museum erstellten Liste zu Unrecht als eine im Holocaust Umgekommene geführt wurde.
Über die Überlebende ging ein Regen von Ehrungen und Auszeichnungen hernieder:
Wie vor ihr der Kriegsverbrecher Winston Churchill (1874-1967) und nach ihr die Rechts- und Verfassungsbrecherin Angela Merkel wurde Simone Veil mit dem Karlspreis der Stadt Aachen bedacht. Auf dem Fuß folgten der Truman-Preis für Frieden, die Stresemann-Medaille in Gold, der Schillerpreis der Stadt Marbach, der Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf und nicht zuletzt der Bürgerrechtspreis der Zigeuner. Diese Aufzählung ist nicht vollständig. Britenqueen Elisabeth ernannte die Engelmacherin zur „Dame Commander“.
2008 wurde Simone Veil als sechste Frau zum Mitglied der „Academie française“ gewählt. So nennt sich die 1635 unter Ludwig XIII. (1601-1643) ins Leben gerufene Gelehrtengesellschaft, die sich der Pflege der französischen Sprache widmet. Simones Sitz dort war Fauteuil 13, auf dem auch schon der Dichter Jean Racine (1639-1699) saß. Die Mitgliedschaft in der Academie gilt als ehrenhafteste Krönung einer Intellektuellenkarriere mit quasi-adligen Status. Zu allem Überfluss ruht die „Heroïne“ (L'Officiel ) im Pariser Pantheon, der Ruhmeshalle Frankreichs.
Geistliches Lob
Von geistlicher Seite kam zur mehrfachen Ehrung der Engelmacherin kein Wort der Missbilligung. Der Fall Veil erinnert vielmehr an den Fall Emma Bonino (* 1948), der zentralen Figur bei der Legalisierung der Abtreibung in Italien. Anno 1975 wurde die Liberale Mitbegründerin des Informationszentrums für Sterilisierung und Abtreibung (“Centro di Informazione Sterilizzazione e Aborto”, CISA) zur Ikone für die italienische Legalisierungskampagne.
Höchtes Lob
Papst Franziskus lobte Emma Bonino im Corriere della Sera vom 8. Februar 2016 als „ganz Große“.
Analoges Lob spendeten nun Frankreichs Bischöfe der verblichenen Simone Veil: „Wir grüßen ihre Größe als Staatsfrau, ihren Willen, für ein brüderliches Europa zu kämpfen, ihre Überzeugung, dass Abtreibung ein Drama ist.“ Für das Zweite Vatikanische Konzil war Abtreibung kein Drama, sondern ein „verabscheuungswürdiges Verbrechen“. So wörtlich in der Pastoralkonstitution „Gaudium et spes“ unter Nr. 51.
Angesichts der gigantischen Blutspur, die Simone Veil durch ihr Abtreibungsgesetz durch Frankreich und Europa zog, ist die Twitter­Botschaft der französischen Bischöfe ein maximaler Skandal. Der Abtreibungspolitikerin wurde kritiklos Weihrauch gestreut. Die Abtreibungsopfer, die fast 7,5 Millionen unschuldige Kinder, die Veils Gesetz zum Opfer gefallen sind, wurden mit keinem Wort erwähnt.
Die Bischöfe verhalten sich damit nicht anders als die Abtreibungsideologen. Die ungeborenen Kinder werden ausgeblendet. Sie gibt es einfach nicht. Sie müssen entmenschlicht und verdinglicht werden, um sie gewissenlos beseitigen zu können.
Auch beim Ableben der abtreibungsrabiaten (österreichischen) Parlamentspräsidentin Barbara Prammer (1954-2014) sagten Österreichs „ungute Hirten“ nicht zum Abschied leise „servus“, sondern lobten die tote Rote auf das Lauteste.
* Dr. Fred Duswald gehört zu den angefeindesten Schriftstellern Österreichs. Zuletzt überstand er einen Prozess nach einer Anzeige durch den Linzer Bischof Manfred Scheuer. Trotz allem tritt Duswald nicht aus der Kirche aus und berappt die von Hitler eingeführte Kirchensteuer. So wie schon den unvergessenen Pornojäger Martin Humer zählt „Der 13.“ Dr. Fred Duswald zu seinen Freunden.

Aus „Der 13.“ Nr. 9 vom 13. September 2017, S. 5-6.
Foto: http://www.europe1.fr/politique/simone-veil-ceremonie-dobseques-officielles-mercredi-aux-invalides-presidee-par-macron-3376676