von Bischof Athanasius
Schneider
Zum
laufenden „synodalen Prozess“ sind viele Fragen aufgetaucht. Darum möchte ich,
um der Herde Christi zu dienen, einige wichtige Punkte des Instrumentum Laboris für die Versammlung der Synode über
Synodalität im Oktober 2023 ansprechen. Dieses Arbeitsdokument oder Instrumentum scheint die göttliche
Verfassung und den apostolischen Charakter des Lebens und der Sendung der
katholischen Kirche zu untergraben und durch eine erfundene „synodale Kirche“
zu ersetzen. Letztere ist vorwiegend von protestantischen, sozialen und
anthropozentrischen Kategorien inspiriert. Im Folgenden werden einige
besorgniserregende Hauptthemen genannt.
Die göttliche Verfassung der Kirche wird untergraben.
Die bischöfliche Autorität wird durch das Instrumentum Laboris zweifach
untergraben. Erstens durch die Forderung nach einer „stärkeren Einbindung aller
Gläubigen und damit eine ‚weniger exklusive‘ Ausübung der bischöflichen Rolle“
(B 2.5, c) sowie die Förderung eines „gemeinschaftlichen
Unterscheidungsprozesses“ (B 3.2, 7). Zweitens, indem die bischöfliche
Autorität von nicht-hierarchischen Beratungsgremien abhängig und diesen
gegenüber „rechenschaftspflichtig“ gemacht werden soll, wie bei öffentlichen
Einrichtungen. (Siehe B 3.3.8)
Die päpstliche Autorität wird zweifach
untergraben. Erstens durch die Forderung, dass „die Übereinstimmung mehrerer
ortskirchlicher Gruppierungen (Partikularkonzile, Bischofskonferenzen usw.) in
ein und derselben Frage“ den Bischof von Rom „verpflichten sollte, diese für
die Weltkirche zu übernehmen.“ (B 3.4)
• Aber die
folgende Aussage des Lehramtes bleibt gültig: „Der Nachfolger Petri ist der
Fels, der gegen Willkür und Konformismus eine unerbittliche Treue zum Worte
Gottes gewährleistet.“
Die hierarchische Struktur der Kirche wird
durch einen zweideutigen Gebrauch des Wortes „Amt“ untergraben. Es wird, was
nicht hilfreich ist, sowohl auf Geweihte als auch Nicht-Geweihten angewendet,
etwa wenn versucht wird, „ein Verständnis von Dienstamtlichkeit zu fördern, das
nicht auf das Weiheamt reduziert wird.“ (B 2.4, 6)
• Aber die
folgenden Aussagen des Lehramtes bleiben gültig: „Es muss anerkannt werden,
dass die Sprache unsicher und verworren wird und somit ungeeignet, die
Glaubenslehre auszudrücken, wenn der wesenhafte und nicht nur graduelle
Unterschied (Lumen gentium, 10) zwischen dem Taufpriestertum und dem
Weihepriestertum in irgendeiner Weise verwischt wird.“
„Nur kraft der Heiligen Weihe erhält es [Amt] jene Fülle und Eindeutigkeit der
Bedeutung, die ihm die Tradition immer zugeschrieben hat“.
Die hierarchische Struktur der Kirche wird
auch durch die Einführung von „Vermittlern“ untergraben, welche „die
Gemeinschaften … auf allen Ebenen des kirchlichen Lebens“ begleiten (Nr. 42);
und indem man Folgendes zu einer Priorität macht: „die Frage der Teilhabe von
Frauen an der Leitung, an Entscheidungsprozessen, Sendung und Ämtern auf allen
Ebenen der Kirche.“ (B 2.3, 3)
• Aber die
folgenden Aussagen des Lehramts bleiben gültig: „Es muss sichergestellt werden,
dass auf jeder Ebene - in der Sprache, in der Lehre, in der pastoralen Praxis,
bei den Entscheidungen der Leitung - das Weiheamt in seiner ontologischen
Besonderheit dargestellt wird, die keine Fragmentierung oder unangemessene
Aneignung zulässt.“
Die Einheit des Weihesakraments wird
untergraben, indem von der Kirche „gefordert“ wird, die Diakonatsweihe von
Frauen „zur Diskussion zu stellen“: „die Frage des Zugangs von Frauen zum
Diakonat neu zu überdenken.“ (B 2.3, 4)
• Aber die
folgenden Aussagen des Lehramts bleiben gültig: „dass die Kirche keinerlei
Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle
Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“ und dass,
weil das Sakrament der Weihe eines ist, Frauen sakramental überhaupt nicht
geweiht werden können.
Das von Gott geoffenbarte Sittengesetz wird dreifach untergraben.
Erstens
gibt es schwerwiegende Unterlassungen,
nämlich das Fehlen jeglicher Diskussion über Sünde, die Zehn Gebote und die
Tugend der Keuschheit.
Zweitens
wird die sogenannte LGBTQ-Bewegung implizit gefördert. Das beinhaltet die
Förderung homosexueller Handlungen und der gegenwärtigen weltweiten totalitären
„Gender-Ideologie“. Das Instrumentum
Laboris beklagt jene, „die sich von der Kirche nicht akzeptiert fühlen, wie
… katholische LGBTQ+“ (B 1.2 a); und es fordert von der Kirche, „auf Menschen
zuzugehen, die sich aufgrund ihrer Affektivität und Sexualität von der Kirche
ausgeschlossen fühlen (z. B. … LGBTQ+ usw.)“ (B 1.2,6)
• Aber die
folgenden Aussagen des Lehramts bleiben gültig: „Um die Legalisierung der
homosexuellen Lebensgemeinschaften zu stützen, kann man sich nicht auf das
Prinzip der Achtung und der Nicht-Diskriminierung jeder Person berufen. … Wenn
man den Lebensformen, die weder ehelich sind noch sein können, den sozialen und
rechtlichen Status der Ehe nicht zuerkennt, widerspricht dies nicht der
Gerechtigkeit, sondern wird im Gegenteil von ihr gefordert.“
Drittens
wird die Unmoral bezüglich der Ehe
implizit gefördert. Das Dokument beklagt jene, „die sich von der Kirche
nicht akzeptiert fühlen, wie Geschiedene und Wiederverheiratete, Menschen in
polygamen Ehen“ (B 1.2, 6); und es fordert von der Kirche auf jene, „zuzugehen,
die sich aufgrund ihrer Affektivität und Sexualität … ausgeschlossen fühlen
(z.B. wiederverheiratete Geschiedene, Menschen in polygamen Ehen, usw.“ (B1.2,
6).
• Aber die
folgenden Aussagen des Lehramts bleiben gültig: „Im Bereich der Sexualität
kennen wir seine [Jesu Christi] entschiedene Haltung zur Unauflöslichkeit der
Ehe (vgl. Mt 19,3-9) und seine Verurteilung des Ehebruchs, selbst wenn er nur
im Herzen geschieht (vgl. Mt 5,27‑28). … Ist es realistisch, sich auf dem
Gebiet des Ehelebens, der Abtreibung, der vorehelichen, außerehelichen oder
homosexuellen Beziehungen einen ‚freizügigen‘ Christus vorzustellen? Die frühe
christliche Urgemeinde, die von jenen belehrt wurden, die Christus persönlich
gekannt hatten, war sicherlich nicht freizügig. … den zahlreichen Stellen in
den paulinischen Briefen, die dieses Thema berühren (vgl. Röm 1,26 ff; 1 Kor
6,9; Gal 5,19) … mangelt es gewiss nicht an Klarheit und Strenge. Und es sind
Worte, die von oben inspiriert sind. Sie bleiben normativ für die Kirche aller
Zeiten.“
„[Es] ist
nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu
erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer
unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die
Lebensweitergabe offen ist) einschließen … die Segnung gleichgeschlechtlicher
Verbindungen [kann] nicht als zulässig angesehen werden, weil sie in gewisser
Weise eine Nachahmung oder einen analogen Hinweis auf den Brautsegen darstellen
würde, der auf den Mann und die Frau herabgerufen wird, die sich im Sakrament
der Ehe vereinigen, da ‚es keinerlei Fundament dafür [gibt], zwischen den
homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie
Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn.‘ (Franziskus
Apostolische Exhortation Amoris laetitia, 251)“
Das Leben und die Sendung der Kirche werden untergraben.
Der
apostolische und übernatürliche Charakter des Lebens und der Sendung der Kirche
werden dreifach untergraben.
Erstens
gibt es schwerwiegende Unterlassungen,
nämlich das Fehlen einer Diskussion über die eucharistische Anbetung, das Kreuz
Christi und das letzte Ziel des Menschen in der Ewigkeit.
Zweitens
gibt es eine weltliche Bürokratisierung
der Kirche. Es ist die Förderung einer Art neo-pelagianischer Häresie der
Aktion durch eine Zunahme von Strukturen und Versammlungen. Dabei werden die
Schlüsselwörter „Konsensbildung“ und „Entscheidungsfindung“ verwendet, als ob
die Kirche ein auf den Menschen ausgerichtetes Unternehmen wäre.
Drittens
gibt es eine subjektivistische
„Verpfingstlichung“ des kirchlichen Lebens. Dabei wird dem menschlichen
Dialog, den inoffiziellen Gebeten und dem gegenseitigen Meinungsaustausch
anmaßend eine vage geistliche Qualität zugeschrieben, wie das „Gespräch im
Geist“ (vgl. Nr. 32-42), das „vom Heiligen Geist geleitet“ wird, „die leitende
Rolle des Geistes“.
• Aber die
folgenden Aussagen des Lehramtes bleiben gültig: „Die Kirche ist ihrer Natur
nach eine andere Wirklichkeit als die bloß menschlichen Gesellschaften‘ und
deshalb ist es ,notwendig, zu
bekräftigen, dass die Mentalität und die Praxis, die in bestimmten kulturellen,
sozio-politischen Strömungen unserer Zeit existieren, nicht automatisch auf die
Kirche selbst übertragbar sind.‘“
Weitere schwerwiegende Verstöße.
Erstens
wird das apostolische Gesetz des
priesterlichen Zölibats in der lateinischen Kirche untergraben. Es wird
gefordert, „eine Reflexion dazu zu eröffnen, ob die Regeln für den Zugang zum
Priesteramt für verheiratete Männer zumindest in einigen Bereichen überarbeitet
werden können“. (B 2.4, 9)
Zweitens
wird eine materialistische Ideologie der
Ökologie gefördert und zwar durch die Vorrangigkeit der „Sorge für das
gemeinsame Haus“ (Nr. 4) oder die Behauptungen, dass „der Klimawandel zum
Engagement der gesamten Menschheitsfamilie“ ermahnt. (B 1.1. b)
• Aber die
folgenden Aussage des Lehramtes bleibt gültig: „Wenn das Recht auf Leben und
auf einen natürlichen Tod nicht respektiert wird, wenn Empfängnis,
Schwangerschaft und Geburt des Menschen auf künstlichem Weg erfolgen, wenn
Embryonen für die Forschung geopfert werden, verschwindet schließlich der
Begriff Humanökologie und mit ihm der Begriff der Umweltökologie aus dem
allgemeinen Bewusstsein. … Unsere Pflichten gegenüber der Umwelt verbinden sich
mit den Pflichten, die wir gegenüber dem Menschen an sich und in Beziehung zu
den anderen haben.“
Schlussfolgerung
Das Instrumentum Laboris für die Versammlung
der Synode über Synodalität im Oktober 2023 fördert im Kern, wenn auch auf
sophistischere Weise, dieselben heterodoxen Ideen, die der deutsche Synodale
Weg vorbringt.
Es ersetzt
die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche durch eine fantastische
„synodale Kirche“, die weltlich, bürokratisch, anthropozentrisch,
neo-pelagianisch und hierarchisch sowie lehrmäßig vage ist - und all diese
Merkmale werden mit salbungsvollen Ausdrücken wie „Gespräch im Geist“ maskiert.
Aber wir
glauben nicht an eine „synodale Kirche“ - und niemand würde sein Leben für sie
geben. Wir glauben an die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche,
gegründet von unserem Herrn Jesus Christus, und wir halten an seiner
unveränderlichen göttlichen Wahrheit fest, für die unzählige katholische
Märtyrer ihr Blut vergossen haben.
29. Juni
2023 - Hochfest der Apostel Petrus und Paulus
+
Athanasius Schneider,
Weihbischof der Erzdiözese St. Maria in Astana
© Athanasius Schneidder, Weihbischof der Erzdiözese St. MAria in Astana
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Vgl. auch die folgenden Aussagen: „eine Sichtweise hinter sich zu lassen,
wonach jede aktive Funktion in der Kirche allein den geweihten Amtsträgern
(Bischöfen, Presbytern, Diakonen) vorbehalten ist und die Beteiligung der
Getauften auf eine untergeordnete Mitarbeit reduziert wird“ (B 2.2. a); „macht
die Erfahrung des gemeinsamen Gehens es in der Ortskirche möglich, sich neue
Ämter im Dienst einer synodalen Kirche vorzustellen. (B 2.2. c); „spontane
Ämter, einige anerkannte Ämter, die nicht eingesetzt werden“ (B 2.2. d).
Vollständiges Zitat: „Um also von der ‚Teilnahme der Laien am pastoralen Dienst
der Priester‘ zu sprechen, ist es zunächst notwendig, über den Begriff ‚Amt‘
und die verschiedenen Bedeutungen, die er in der theologischen und kanonischen
Sprache annehmen kann, sorgfältig nachzudenken. […] Es muss anerkannt werden,
dass die Sprache unsicher und verworren wird und somit ungeeignet, die
Glaubenslehre auszudrücken, wenn der wesenhafte und nicht nur graduelle
Unterschied (Lumen gentium, 10) zwischen dem Taufpriestertum und dem
Weihepriestertum in irgendeiner Weise verwischt wird. Auch in der pastoralen
Praxis muss man klar zwischen dem Taufpriestertum und dem hierarchischen
Priestertum unterscheiden, sonst läuft man Gefahr, das theologische ‚Proprium‘
der Laien zu entwerten und die „spezifische ontologische Verbundenheit des
Priesters mit Christus, dem Hohenpriester und Guten Hirten“ zu vergessen
(Johannes Paul II., Pastores dabo vobis, 1)“. (Johannes Paul II., Ansprache an
die Teilnehmer einer Versammlung der Kongregation für den Klerus, 22. April
1994, Nr.4).
Vollständiges Zitat: „Wenn man hingegen den Begriff [Amt] in der Beziehung und
im Vergleich zwischen den verschiedenen ‚munera‘ und ‚officia‘ differenziert,
dann muss man deutlich darauf hinweisen, dass er nur kraft der Heiligen Weihe
jene Fülle und Eindeutigkeit der Bedeutung erhält, die ihm die Tradition immer
zugeschrieben hat. Die Klärung und Reinigung der Sprache wird zu einer
pastoralen Dringlichkeit, weil dahinter viel gefährlichere Fallstricke lauern
können, als man denkt. Von der Alltagssprache zur Konzeptualisierung ist es nur
ein kleiner Schritt.“ (Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer einer
Versammlung der Kongregation für den Klerus, 22. April 1994, Nr.4).
Johannes Paul II., Ansprache an die Teilnehmer einer Versammlung der
Kongregation für den Klerus, 22. April 1994, Nr. 6.