Samstag, 18. Februar 2023

Paris, Boulevard Poissonnière im Regen


 Jean Béraud 1885

Musée de la Ville de Paris, Musée Carnavalet / Giraudon / The Bridgeman Art Library

 

Schon auf den ersten Blick sind wir von der Lebendigkeit, der Buntheit und der Eleganz dieser Szene fasziniert. Trotz Regen herrscht lebhaftes Treiben.

Der Maler zeigt uns eine Momentaufnahme des übersprühenden Lebens auf den Boulevards von Paris in der Belle Epoque mit ihren Cafes, den Theatern, den Litfaßsäulen, wo Plakate das kulturelle Geschehen ankündigen.

Die elegante Kleidung der beiden Frauen im Vordergrund sticht ins Auge und wir bemerken tausend Details, die uns anregen, dieses Bild genauer zu betrachten. Bei dieser Geschäftigkeit bemerkt man keine Nervosität. In den gesitteten sozialen Beziehungen sind Höflichkeit und gute Umgangsformen vorherrschend.

Ein Straßenkehrer schiebt die Abfälle in den Kanal. Auf der anderen Seite kann man einen Doppeldeckerbus erkennen, der La Madeleine mit dem Place de la Bastille verbindet. Zahlreiche Fiaker sind unterwegs aber man kann die Straße überqueren, wo immer man will, ohne von unzähligen kleinlichen Vorschriften behindert zu werden. Die Vergötterung der Technik hat noch nicht alles erfasst und verdorben.

 

Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“, September 2015 von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.

 

Freitag, 17. Februar 2023

Das Fährboot


Das Fährboot, 1910-1911 -  Emanuel Phillips Fox (1865-1915)
Art Gallery of New South Wales, Sidney, Australien

  

Der Maler, in einem Vorort von Melbourne geboren, verbrachte mehrere Jahre in Europa. Hier malte er die Landungsbrücke für das Fährboot in Trouville in Frankreich, von wo aus man den Ort Deauville am anderen Ufer des Flusses Touques erreichen kann.

Die lebhaften Farben und die Spiegelung des Lichtes im Wasser sind eine Augenweide. Ein Mann reicht einer Frau die Hand, um ihr ins Boot zu helfen. Eine Kinderfrau trägt ein Baby in ihren Armen und schützt es mit einem Sonnenschirm. Der Fährmann mit einer Kappe hat das Boot an einem Haken festgebunden. Ein Knabe mit einem Strohhut am Kopf lacht fröhlich.

Die Eleganz der sommerlichen Kleider, der gute Geschmack und die Freundlichkeit unter den Menschen erinnert uns an eine Zeit, in der man einen Aufenthalt am Meer in liebenswürdiger und netter Gesellschaft genießen konnte - weit entfernt von der heutigen naturalistischen und exhibitionistischen Vulgarität. Das Leben war viel angenehmer und schöner, weil Moral, Selbstachtung und Respekt vor anderen vorherrschte.

 

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“

von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Mai 2011)


Donnerstag, 16. Februar 2023

Lesen bei Kerzenlicht


von Petrus van Schendel:  (ca. 1870 Ernte).

 

      In früheren Zeiten, als die Tage immer kürzer wurden, konnte man oft nicht mehr viel am Abend tun. Zum Arbeiten war es zu dunkel und auf dem Land wuchs zu dieser Zeit nicht viel. Aber wer Kerzen hatte, konnte jetzt etwas sehr gutes tun: Lesen. Weil gerade jetzt die vollen Terminkalender der täglichen Arbeit wegfielen, hatten die Menschen die Gelegenheit in aller Ruhe zu lesen und nachzudenken, was wirklich zählt. Eine Ruhe, die wir in unserer Zeit der konstanten Hektik und nie endenden Arbeit, beneiden können.

 

Neederlandse Cultuurkalender 2016 – November
Stichting Civitas Christiana

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Das zweite Gnadenbild von Mariazell

 


Das Titelbild zeigt das zweite Gnadenbild von Mariazell (Österreich). Es hängt in der Schatzkammer der Basilika. Gestiftet wurde es von Ludwig I. (1326-1382), König von Ungarn und Polen, aus dem Hause Anjou. Maler dieses Bildes ist Andrea Vanni (um 1330-1413) aus Siena.

Maria im Dreiviertelprofil, mit schmaler Nase, dünnem Mund und engen Augen, hält mit ihrer rechten Hand ihr Kind, welches segnend im Halbprofil, mit geflochtenen Haaren, gezeigt wird. Diese Malerei ist weniger aufregend als die äußerst kostbare Ausstattung des Bildes.

Hintergrund von „Maria mit Kind“ sind blau emaillierte Silberbleche mit den goldenen heraldischen Lilien des Hauses Anjou. Die beiden Heiligenscheine sind aus vergoldetem Silberblech, mit Juwelen und Perlen besetzt. Der Heiligenschein der Gottesmutter ist original erhalten, der des Kindes wurde später gespendet. Die dreireihige Perlenkette schenkte Luise, 1861, am Tage ihrer Vermählung mit dem ungarischen Magnaten Joseph von Batthyany.

Der Bildrahmen zeigt zwischen Akanthusblättern verschiedene Wappen, die auf das Haus Anjou und auf Ludwig als König von Ungarn, Kroatien und Polen Bezug nehmen.

Dieses Bild ist vor allem geschichtlich interessant. Er zeigt, dass Mariazell auch ein politischer Wallfahrtsort war. Hier demonstrierten Könige und Kaiser aus Österreich und den östlichen Nachbarländern, dass sie ihr politisches Handeln unter den Schutz der Gottesmutter mit ihrem Kinde stellten.

Alois Epple

 

Quelle: Der Fels, Titelbild Oktober 2020.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion: Hubert.Gindert@der–fels.de

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.


Donnerstag, 9. Februar 2023

Das Wort Des Priesters: Was ist der Grund für so viel Leiden in diesem Leben?

 


Msgr Jsoé Luiz Villac

FrageWas ist der Grund für so viel Leiden in diesem Leben? Es ist gar nicht notwendig alle Arten von Übel im Einzelnen zu beschreiben, denen der Mensch in jedem Augenblick und zu jedem Anlass im Laufe seines Lebens ausgeliefert ist. Und am Ende das größte aller Leiden: der Tod! Wenn Gott barmherzig ist, warum hat er uns eine Welt so voller Turbulenzen, Leiden und Elend vorbereitet, und darüber hinaus mit einem so fatalen Ausklang? Das führt dazu, dass viele sich fragen: Gibt es überhaupt einen Gott?

Antwort – Gott existiert, Gott gibt es! Und weil er barmherzig und gut ist, wird er uns nach vielen Schmerzen (wenn sie mit Geduld getragen werden, wie es angebracht ist) einen unermesslich größeren Lohn schenken, und dazu noch einen ewigen! Ein ewiges Leben im Himmel ohne den geringsten Schatten von Leiden und im Überfluss eines vollständigsten Glücks, teilhabend an der vollkommenen Glückseligkeit Gottes selbst.

      Diese Antwort, wenn sie auch wahr und richtig ist, erklärt jedoch nicht unserem ratlosen Ratsuchenden – der für so unzählige unserer Zeitgenossen spricht – wie das von ihm dargestellte so quälende Rätsel zu klären ist. Man muss ihm langsam, Schritt für Schritt zeigen, wie wir von der Voraussetzung, dass Gott existiert, zum außerordentlichen Schluss kommen: Gott bestimmt uns ein Leben in ewiger Glückseligkeit, nachdem wir das Tal der Leiden durchritten haben. Leiden, die manchmal unermesslich und äußerst schmerzhaft sind.

      Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt bringt für das Leben der Menschen jeden Tag neue Erleichterungen mit sich, so dass in dieser „wunderbaren“ Welt der Technik das Leiden wie ein Auswuchs erscheint. Doch die Fata morgana des unaufhörlichen Fortschritts hat das Leiden nicht verdrängen können. Im Gegenteil, er schuf neue Quellen des Leidens und des Unmuts (man denke nur an den endlosen Verkehrsstaus...).  Es ist also etwas, was von der Tätigkeit des Menschen selbst hervorgeht. Welche Schuld hat Gott an einem so ungeordneten „Fortschritt“, der gerade deshalb klar und deutlich vom sel. Papst Pius IX. verurteilt wurde in seiner Enzyklika „Quanta cura“ und in seinem „Syllabus“ (1864)?

Der Tod kam in die Welt durch die Sünde

      Der himmlische und liebesvollste Plan Gottes war, vom Menschen eine Treueprüfung zu verlangen, und zwar in einem Garten der Freuden, wie es das irdische Paradies war. Der monumentale Irrtum Adam und Evas aber war, die übergroßen und heiligen Freuden des Paradieses, die Gott ihnen geschenkt hatte, mit dem Wahnsinnsakt einzutauschen, den die Schlange ihnen nahe legte: Von der verbotenen Frucht zu essen, um Gott gleich zu werden. „Ihr werdet sein wie Gott“ (Gen 3,5), versprach ihnen die Schlange.

      Der Irrtum Adam und Evas war nicht nur ein Rechenfehler. Er beinhaltete einen Akt des Hochmuts und der Auflehnung gegen Gott, um sich ihm anzugleichen. Also gerade das Gegenteil des Beweisaktes der Treue und der Unterwerfung, den Gott von ihnen verlangte. Das verursachte eine tiefe Umwälzung in ihrem ganzen Sein als Geschöpfe Gottes: Die Unschuld ihrer Seelen war zerbrochen, die Unordnung der Triebe und der Leidenschaften drang in ihre Herzen ein, ihr Geist wurde trübe und ihr Wille wurde dem anziehenden Zauber der Sünde unterworfen. Und zur Strafe ihres Ungehorsams entzog Gott ihnen das außerordentliche Privileg, das Er ihnen gewährt hatte: In den Himmel eingeführt zu werden ohne die Zerreißprobe des Todes zu erleiden. Deshalb heißt es im Buch der Weisheit, „durch den Neid des Teufels ist der Tod in die Welt gekommen“ (Weish 2, 24).

      So sagte Gott zu Adam: „Du hast auf die Stimme deiner Frau gehört und vom Baume gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe; darum soll der Ackerboden verflucht sein um deinetwegen; mühsam sollst du dich von ihm nähren alle Tage deines Lebens! Dornen und Gestrüpp soll er dir sprießen, und Kraut des Feldes sollst du essen! Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot verzehren, bis du zum Ackerboden wiederkehrst, von dem du genommen bist. Denn Staub bist du, und zum Staube sollst du heimkehren“ (Gen 3, 17-19)

      Damit ist erklärt wie und warum das Leiden und der Tod im Alltag des Menschen hineingetreten sind. Einige Fragen bleiben aber noch offen: 1. Diese Sünde war von Adam und Eva. Was haben wir damit zu tun? 2. Das Leiden, das wir auf Erden sehen, wenn wir es als Strafe betrachten, scheint es doch übermäßig groß zu sein. Wie verbindet sich das mit der Güte Gottes?

Die Sünde unserer Ureltern

      In der Zeit, in der das Lehren der Grundwahrheiten des Glaubens noch Bestandteil des regulären  Katechismus zur Vorbereitung auf die Erste heilige Kommunion war, wurde die Lehre der Erbsünde kurz aber ausreichend vorgetragen, damit die Kinder sie in ihren späteren Bildungsabschnitten weiter entwickeln konnten. Heute scheint die Lehre der Erbsünde in den Erinnerungen vieler Erwachsener versiegt zu sein. Sie wurde erstickt durch die zwangsläufige Verkündung falscher Prinzipien, wie die der neuen progressiven Theologie und der sogenannten Theologie der Befreiung. Dies zwingt uns, elementare Glaubenswahrheiten, die früher jedes Kind auswendig kannte, wieder in Erinnerung zu rufen („Auswendig lernen? Wie entsetzlich!“, ruft man heute aus).

      Die Kirche lehrte jedoch immer, dass die Sünde Adam und Evas sich von Generation zu Generation übertragen hat und weiterhin unerbittlich weiter überträgt. Denn, da sie nun einmal die ursprüngliche Vollkommenheit verloren haben, konnten sie ihren Nachkommen nicht das weitergeben, was sie nicht mehr besaßen – die ihnen von Gott gegebene ursprüngliche Unschuld –, so wie verarmte Eltern ihren Kindern das Vermögen, das sie verloren haben, nicht mehr weitergeben können.

      Deshalb erbte die ganze Menschheit den Schuldzustand, in den unsere ersten Eltern gefallen sind, und als dessen Folge der Himmel sich für sie und für uns verschloss. Dies ist zusammengefasst die Lehre der Erbsünde, ein Makel, mit dem alle Menschen geboren werden (mit Ausnahme der Jungfrau Maria, die durch ein von Gott besonders eingerichtetes Privileg ohne diesen Makel empfangen wurde, damit sich in ihrem jungfräulichen und makellosen Schoß Gott-Mensch bilden könnte).

Die Wiederherstellung durch das Leiden

      Jesus Christus, als Gott und Mensch, war es, der auf seinen Schultern unsere Sünden getragen hat, indem er sich als Sühneopfer hingab. Mit dem Tod am Kreuz nach unendlichem Leiden erlöste er uns von unserer Erbschuld, versöhnte uns mit Gott und öffnete uns wieder den Himmel. Diese Früchte des Leidens und des Todes Unseres Herrn Jesus Christus kommen uns individuell in der heiligen Taufe zugute.

      Durch sein Leiden und Tod kaufte uns also Unser Herr Jesus Christus von der Sünde los. Der hl. Apostel Paulus sagt, dass dieser Loskauf mit unseren persönlichen Leiden vervollständigt werden muss: „Das, was an Christi Drangsalen noch aussteht, will ich ergänzen an meinem Fleisch“ (Kor 1, 24). Und das ist der tiefste Grund, warum Gott das Leiden auf Erden zulässt, damit wir, indem wir es mit Geduld ertragen aus Liebe zu Gott, unsere Seele von allen Rückständen der Erbsünde reinigen. Doch nicht nur von den Folgen der Erbsünde, sondern auch von unseren eigenen persönlichen Sünden, die wir begangen haben, müssen wir gereinigt werden. Wir sprechen von den „Rückständen der Erbsünde“, weil die Taufe in uns die Schuld tilgt (was das Wesentliche ist), aber nicht die Neigung zum Bösen aufhebt – eine Folge der Erbsünde –, das in den sieben Hauptsünden besteht: Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Unkeuschheit, Unmäßigkeit und Trägheit oder Überdruss.

Kein Verhältnis zwischen Strafe und Schuld?

      Es bleibt uns noch ein Punkt zu beantworten, der vielleicht der heikelste in der Frage unseres Ratsuchenden zu sein scheint: Ist diese Flut von Leiden, die sich über uns ergießt, nicht unverhältnismäßig groß für die Sünden, die wir begehen? Diese armen Völker Afrikas, die auf ständiger Flucht sind, um sich vor dem Genozid zur retten, welche Sünden haben sie begangen, um solch großes Leiden auf sich nehmen zu müssen? Warum lässt Gott zu, dass es so viele Häresien gibt, die die Einheit der Kirche zerreißen?

      Dies sind in Wahrheit sehr heikle Fragen, die aber beachtet werden sollten.

      Kommen wir noch einmal zurück zur Erschaffung des Menschen. Gott wollte nicht ein Wesen schaffen, das keine Entscheidungsfreiheit besäße. Er gab ihm also die sogenannte Gabe der freien Entscheidung oder des freien Willens, d.h., die Fähigkeit frei nach eigenem Willen über sich selbst zu verfügen. Der Mensch ist ein rationales (mit Vernunft ausgestattetes) und freies Wesen, denn anderenfalls wäre er nicht verantwortlich für seine Taten und hätte keine Verdienste und keine Schuld. Gott wollte aber nicht, dass dem Menschen der Lohn der ewigen Seligkeit im Himmel ohne sein Dazutun (Verdienst) gewährt würde. Es geschah aber, dass, was wir schon wissen: Adam sündigte, und in Adam sündigte die ganze Menschheit, in dem oben schon erklärten Sinn.

      So haben die Massaker in Afrika und so viele andere Gräueltaten in der Welt, wie auch die Häresien, ihre Ursache im Missbrauch des freien Willens der sündigen Menschheit. Um sie zu verhindern, müsste Gott den Menschen die Hände binden, was ihnen aber jeglichen Verdienst und Unverdienst nehmen würde, wie oben erklärt.

      Hier ist also in einigen Zeilen das Thema gegeben. Dennoch ohne weitere wichtige Faktoren zu behandeln, wie zum Beispiel der Einfluss des Teufels auf die Menschen, der in der Heiligen Schrift „der Fürst dieser Welt“ (Joh 16, 11) genannt wird. Durch das Anschlagen der Saiten der Leidenschaften, verleitet er den Menschen zur Sünde und zur Ausführung alles Bösen.

      Das Ende dieser Kommentare kann nichts anderes sein, als ein Aufruf das Leben ernst zu nehmen und dass wir es als eine Pflicht ansehen, uns nicht in unseren persönlichen Problemen zu verschließen, sondern im Maße unserer Möglichkeiten uns ganz dazu hingeben, dass das Gesetz Gottes, so wie es in den zehn Geboten ausgedrückt wird, von allen respektiert wird. Zunächst in uns selbst, dann in der Familie, im sozialen Unfeld, dem wir angehören, in unserem Ort, im Land und auf der ganzen Welt. Denn in einer Gesellschaft, die sich nach Gottes Willen aufbaut, funktioniert alles in bester Ordnung und das Maß des Leidens für jeden, wird das Geringste sein in diesem Tal der Tränen.

      In unseren Kummer und Leiden ist es höchst ratsam bei der Jungfrau Maria Zuflucht zu suchen. Bitten wir sie, sie möge lindern, was nach Möglichkeit gelindert werden kann; sie möge uns Kraft geben den Kelch der Schmerzen zu trinken, wenn es nicht möglich ist, ihn zu entfernen. Sie möge an unserer Seite sein, als Mittlerin aller Gnaden!

 

Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von Deepl-Übersetzer kostenlose Version von „A palavra do Sacerdote“ von Msgr. José Luiz Villac in „Catolicismo“, April 2008.

Die deutsche Fassung „Das Wort des Priesters“ in „Catolicismo“ April 2008 erschien erstmals in www.r-gr.blogspot.com

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Montag, 26. Dezember 2022

Der hl. Joseph mit dem Jesuskind

Guido Reni (1575-1642) gilt als ein großer
Barockmaler Italiens. Da es ihm gelingt,  Gefühle
intensiv darzustellen, wird er in unserer gefühllosen Zeit
manchmal als Kitschmaler völlig falsch beurteilt.


Der hl. Joseph mit Kind ist ein beliebtes Motiv des Malers. Dieses Bild befindet sich im Museum of Fine Art in Houston. Es zeigt Joseph in Dreiviertelfigur als einen alten Mann: Seine Haare sind schon grau und leicht schütter, sein Gesicht ist von Furchen durchzogen, sein Bart ist weiß und seine Hände sind die eines Handwerkers. Sein Alter und seine Haltung deuten auf seine Berufung im Dienst der Familie. Er hält das Kind so liebevoll auf seinen Armen und blickt es so zärtlich und ergeben an, wie man es von jedem Vater erwarten möchte.

Der kleine Jesus ist nackt, mit blonden Haaren und glatter Haut. Kindheit und Alter im Gegensatz und im Miteinander. Jesus entgegnet Josephs Blick leicht fragend. Er hält ihm einen Apfel entgegen. Ist es ein Symbol für Joseph als Nährvater oder verweist der Apfel auf den Sündenfall und auf die begonnene Erlösung?

Während Joseph leicht aus der senkrechten Frontalansicht gewendet ist, hat das Kind eine leichte Wendung aus der horizontalen Seitenansicht. Diese beiden Wendungen sind genial. Durch sie wird die Vater-Kind-Beziehung intensiviert. Der Mantel von Joseph verdeutlicht die Einheit von Vater und Sohn.

Beeindruckend ist die harmonische Farbgestaltung des Bildes.

Alois Epple

 

Quelle: Der Fels, Titelbild März 2021.
Eichendorfer Str. 17, D-86916 Kaufering.
Redaktion:
Hubert.Gindert@der–fels.de

© Nachdruck ist mit Quellenangabe gestattet.

Dienstag, 13. Dezember 2022

Eine kummervolle Seele


Weihnachtsgeschichte

      Das Angstgefühl einer Seele, die im Laufe der Jahre die göttlichen Gebote vergaß, aber in der Erinnerung an die Freuden, die der Weihnachtszeit eigen sind, von der Gnade bewegt wurde und vom Erlöser auf die Fürsprache der Heiligen Jungfrau die Vergebung für ihr widerspenstiges Leben erhielt.

* * *

Benoît Bemelmans (2005)

      In ihrem schmerzenden Körper war auch ihre Seele traurig und verwundet.

      Mehr als die Kälte der Nacht, mehr als die Schmerzen in ihren Gliedern, weil sie so viel in der Stadt unterwegs war, litt sie unter einem verborgenen und tiefen Unwohlsein.

      In dieser Weihnachtsnacht wanderte die gequälte Seele durch die Straßen und versuchte, die Ursache ihres Leidens zu ignorieren.

      Sie hatte sich längst in Gleichgültigkeit eingerichtet. Wann hatte sie das letzte Mal in einem Beichtstuhl gekniet, um Vergebung für ihre Fehler zu erhalten?

      Sie war keine große Kriminelle, nein. Sie war eine ganz normale Person, die ihrem täglichen Leben nachging. Sie hatte nur das Gesetz Gottes vergessen, das sie durch ihr eigenes Vergnügen, ihre Selbstsucht und alle Arten von Niedertracht ersetzt hatte, die ihre Seele durchdrangen wie das Rascheln toter Blätter, die vom Wirbelwind eines bösen Atems fortgetragen
werden.

      War es ein Mann? War es eine Frau?

      Das spielt keine Rolle. Es war eine Seele, die in Traurigkeit versunken war, die unvermeidliche und bittere Frucht eines schlechten Gewissens, wenn sie, ohne es sich selbst eingestehen zu wollen, all das sieht, was sie durch die Ablehnung der Freundschaft Gottes verloren hat. Es gibt so viele solcher Seelen in der heutigen neuheidnischen Welt, die durch die Gewohnheit der Skepsis verhärtet sind!

      Den ganzen Tag über war sie damit beschäftigt gewesen, die letzten Vorbereitungen für Weihnachten zu treffen. Denn trotz der Vernachlässigung ihres geistlichen Lebens erinnerte sich diese Seele noch an die Freude und Unschuld ihrer ersten Weihnachtsfeiertage. Sie sehnte sich nach einem Glück, das ihr immer mehr zu entgleiten schien, und versuchte, so weit wie möglich, die Atmosphäre der Weihnachtsfeste ihrer Kindheit um sich herum wiederherzustellen. Sie war sehr begabt darin und schaffte es trotz allem, einige Freunde und Verwandte um einen schön geschmückten Tannenbaum, eine kleine Krippe und ein Abendessen zu versammeln, um nicht alleine ein allzu melancholisches Fest zu feiern.

      Die Jahre waren vergangen, aber die unsterbliche Seele bewahrte noch die Spuren ihrer unschuldigen Kindheit.

      Übrigens, wenn der Leser die Erwachsenen beobachtet, wird er sehen, dass in ihren Seelen das Kind nie sehr weit weg ist, selbst wenn die Sünden es verdunkelt haben. Wird dieses Kind eines Tages erwachen?

      Der Baum leuchtete schon seit einigen Tagen mit all seinen bunten Kugeln, und die Krippe über dem Kamin wartete nur noch auf die heilige Nacht, in der sie das Jesuskind aufnehmen würde.


     
Jeden Abend freute sich die Seele, wenn sie ihr kleines Lehmlamm voranschreiten ließ. Sie begann auch das Gebet zu sprechen, dass ihre Mutter sie vor der Krippe hatte sprechen lassen. Das Lamm hatte sich von der Höhe des Papierhügels auf den Weg gemacht, und die Seele fragte sich, ob es die Krippe rechtzeitig zum Heiligen Abend erreichen würde.

      Ihr Lamm erinnerte sie daran, dass auch sie, ganz in Weiß gekleidet, zum Stall gehen sollte, um durch die Muttergottes ein inbrünstiges Gebet an das göttliche Kind zu richten. Es war das beste Geschenk, das sie dem Jesuskind machen konnte, das ja gekommen ist, uns zu retten.

      - Zu retten, mich, wovor? - fragte sie sich.

      Um sie von der Sünde zu erlösen, ihr die Pforten des Himmels zu öffnen, sie zu einem Kind Gottes zu machen, sie aus den Klauen des Teufels zu befreien, indem er für sie am Kreuz sterben würde.

      In der Krippe liegend, zwischen Ochs und Esel, breitet das Jesuskind seine Arme aus, um uns zu empfangen... aber es breitet sie bereits in Form eines Kreuzes aus!

      Als sie zur Erstkommunion gegangen war, war Weihnachten noch schöner geworden.

      Wie strahlend war die Christmette in der Pfarrkirche! Die Kerzen leuchteten auf dem Altar, Weihnachtslieder stiegen mit den Weihrauchwolken zum Himmel auf... Bei der Kommunion empfängt die Seele Jesus, ihren Retter. Sie betete ihn an, wie es die Hirten im Stall zu Bethlehem getan hatten, sie bot sich ihm an und war überwältigt von der Freude über seine barmherzige Liebe.

      Sie hatte sich sorgfältig auf diese wunderbare Begegnung vorbereitet. Einige Tage zuvor hatte sie ihre Fehler demütig und reumütig einem alten Priester gebeichtet, der sie immer freundlich ermutigt hatte, auf dem Weg des Guten zu bleiben.

      - Bete auch für mich. Denn es wird der Tag kommen, an dem Sie mich nicht mehr hier finden werden, um Sie zu beraten.

      Die Seele verließ den Beichtstuhl mit einem großen Gefühl der Leichtigkeit, erfüllt von der ruhigen Freude, sich in der Freundschaft Gottes zu wissen.

      Und jeden Abend sprach sie vor der Krippe das Gebet, das ihr ihre Mutter beigebracht hatte, um sich auf Weihnachten vorzubereiten. Es war ein wunderschönes Gebet, das an die Heilige Jungfrau gerichtet war, die für uns alles von ihrem göttlichen Sohn erhält.

      - Wie war dieses Gebet noch? -- fragte ihre gequälte Seele.

      Aus den Tiefen der jahrelangen Gleichgültigkeit tauchten allmählich die lange vergessenen Worte in ihrem Gedächtnis auf:

      Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, von Ewigkeit her ist es unerhört, dass einer, der zu dir seine Zuflucht genommen, deine Hilfe angerufen, um deine Fürsprache gebeten, von dir sei verlassen worden. Von diesem Vertrauen beseelt, eile ich zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen und Mutter; zu dir komme ich, vor dir stehe ich seufzend unter der Last meiner Sünden. Verschmähe nicht meine Worte, du Mutter des menschgewordenen Wortes, sondern höre sie gnädig an und erhöre mich! Amen.

      In einer ersten Bewegung von bitterem Stolz fragte sich die Seele: Bin ich die Erste, die sagt, dass die Gottesmutter mir nicht zur Hilfe gekommen ist?

      Dann wurde ihr klar, dass sie sich nicht die Mühe gemacht hatte, nur ein einziges Mal um diese Hilfe gebeten zu haben.

      Und als sie durch die kalten, leeren Straßen ging, wiederholte sie die Worte ihres Gebetes aus der Kindheit: Seufzend unter der Last meiner Sünden [...] von Ewigkeit her ist es unerhört, dass einer, der zu dir seine Zuflucht genommen [...] von dir sei verlassen worden! Von diesem Vertrauen beseelt, eile ich zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen und Mutter...

      Ein großer Schmerz überfiel diese gequälte Seele, als sie sich ihres beklagenswerten Zustands bewusst wurde. Aus der Tiefe ihres Wesens stieg der Wunsch auf, die Freundschaft Gottes und die frühlingshaften Düfte ihres geistlichen Lebens wiederzugewinnen, ihre verlorene Unschuld wiederherzustellen.

      - Wird das noch möglich sein? -- fragte sie sich.

      - Von Ewigkeit her ist es unerhört... – antwortet ihr eine innere Stimme.

      Von der Gnade ergriffen, wiederholte sie die Worte des Memorare mit aller Aufrichtigkeit und bat die Muttergottes um Hilfe.

      - Mal sehen, was passiert - dachte sie mit einem Hauch von Ungläubigkeit. Und sie bog um die Ecke.

* * *

      Das Licht im Inneren der Kirche beleuchtete die bunten Glasfenster. Die Tür war offen. Zögernd und überrascht trat sie ein. Die Weihnachtsvigil stand kurz vor dem Beginn. Sie ging durch den Seitengang zum Altar der Muttergottes. Von der Orgel erklang eine Weihnachtsmelodie; die Seele brach in Tränen aus.

      Nach so vielen Jahren der Trockenheit in Selbstgefälligkeit ertrank sie in Schluchzern der Reue. Die Tränen liefen ihr in Strömen über die Wangen, und ihr Oberkörper schüttelte sich im krampfhaften Rhythmus des Schluchzens, wie bei einem Kind....

      Es war da ein Priester, um die Beichte zu hören. Und das war nicht das Geringste der Wunder für die Zeit, in der wir leben. Die Seele klagte sich selbst an, so gut sie es konnte, etwas verwirrt, über ihr trauriges Leben fern von Gott. Und erhielt die Absolution für ihre Fehler.

      Ich überlasse es dem Leser, sich die Freude vorzustellen, die das Herz des Jesuskindes in jener Nacht empfand durch die Rückkehr in die Herde seines kleinen verlorenen Schafes.

      Das Jesuskind ist vor allem für die Sünder gekommen. Es lehnt ihre Vergebung niemals ab. Es empfängt jede demütige Zerknirschung mit Güte und Barmherzigkeit. Gestern, heute, immer: Jesus Christus ist die Lösung für die Welt, die in der Nacht des Neuheidentums versinkt.

      Im größten Drama unseres Lebens wollen wir uns vertrauensvoll an unseren Erlöser wenden, durch die Heilige Jungfrau, der Er nichts verweigert...

 

 Aus dem Portugiesischen mit Hilfe von DeepL/Übersetzer (kostenlose Version) von „Alma aflita“, vom Autor persönlich zugestellt.

Diese deutsche Fassung „Eine kummervolle Seele“ erschien erstmals in www.r-gr.blogspot.com

© Nachdruck oder Veröffentlichung ist mit Quellenangabe dieses Blogs gestattet.