Donnerstag, 5. April 2018

Der Kuss


Der Kuss
Théophile Emmanuel Duverger
(1821-1886 )
Privatsammlung ! Foto: Christie's Images! The Bridgeman Art Library

Eine Szene in einem gutbürgerlichen Ambiente, die zugleich charmant und lehrreich ist. Eine Frau vom Land kommt auf Besuch und bringt ihrer Nachbarin einen Korb mit Obst. Als Dank gibt das kleine Mädchen im weißen Kleid dem schüchternen Knaben einen Kuss auf die Wange. „Umarme ihn!“, sagt ihre Mutter.
Der Klassenunterschied ist hier unmissverständlich. Aber die Natürlichkeit der Gefühle und des Verhaltens lässt eine Aufrichtigkeit erkennen, die man heutzutage längst vergessen hat. Was das gesellschaftliche Leben betrifft, so stützt sich die christliche Gesinnung auf die Anerkennung der Verschiedenheit der sozialen Klassen verbunden durch echte brüderliche Liebe, ohne dass man die bestehenden Unterschiede beseitigen will.
Zu diesem Thema sagte Benedikt XV. im Jahr 1914: „Diese gegenseitige Zuneigung wird bewirken, dass die Höhergestellten sich gewissermaßen den Armen zuwenden, nicht nur aus Gründen der Gerechtigkeit sondern auch mit Wohlwollen, Güte und Geduld. Die Armen ihrerseits werden den Wohlstand der höhergestellten Personen gutheißen und auf ihre Hilfe vertrauen.“

(Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Oktober 2015)

Sonntag, 1. April 2018

Zu Ostern



Ein neuer Morgen ist der Welt aufgegangen, strahlend und unberührt wie der erste Schöpfungsmorgen. Die Sonne der göttlichen Huld leuchtet wieder über der Erde. Schon am Feste der Menschwerdung sahen wir den "Aufgang aus der Höhe." Christus erschien als die Gnadensonne des Vaters. Aber noch hüllte sie ihren Glanz in die bergende Wolke der demütigen Menschheit. Am Fest der Epiphanie und am Verklärungssonntag sahen wir sie hell aufleuchten. Aber während der großen Leidenswoche schien sie zu versinken im Meer der Leiden, im Abgrund des Todes. Heute erhebt sie sich aus den Wassern der Passion, aus den Wolken höllischer Anfeindung. Strahlend steigt sie zur Höhe empor, endgültig und für immer die Erde segnend und beherrschend.
Es ist Tag geworden auf Erden - „Abend und Morgen, der erste Tag“ (Gen. 1,5). Und wirklich der erste, denn sie kamen am ersten Wochentage in aller Frühe zum Grabe, als die Sonne eben aufgegangen war“, (Benedictus-Antiphon der Osternacht). Der erste Tag und zugleich der achte, nach dem siebten, dem Sabbat. Der achte Tag, der über die irdische Zeit und die sieben Tage der ersten Schöpfung hinausgeht, - der Anbruch einer neuen Zeit, die nicht mehr gezählt und gemessen werden kann, der Anfang der Ewigkeit.
Das ist der geheimnisvolle Tag, den wir erwarten, dem wir entgegenleben in dieser Zeit. Heute hat er begonnen; heute ist er aufgegangen. Wir stehen mitten darin; nur unsere Augen sind zu schwach, als dass wir seinen vollen Glanz schauen könnten. Aber wir fühlen seine Wärme in unserem Blut; wir leben von seinem Licht. Eben ist die Sonne aufgegangen - Christus ist auferstanden. "Christus ist die wahre Sonne und der wahre Tag", sagt der heilige Cyprian und führt als Beweis jene Stelle des 117. Psalms an, die als erster Vers des Graduale während der ganzen Osterwoche nicht von den jubelnden Lippen der Kirche weicht: „Haec dies, quam fecit Dominus: exsultemus et laetemur in ea.“ – „Das ist der Tag, den der Herr uns gemacht hat! Jubeln wollen wir und uns freuen an ihm!“ (Ps. 117,24)
„Christus ist unser Tag. In seinem Lichte sehen wir das Licht“ (Ps. 35,10). „Wunderbar ist deine liebende Schau, dein liebendes Erkennen geworden“ (Ps.  138,6), spricht der Vater zum verklärten Christus. Der auferstandene Herr schaut den Vater, ruht in ihm. Das ist letztes Erkennen, Erfassen Gottes. Ein Erkennen nicht durch Überlegung des Verstandes, durch menschliches Wissen; ein Erkennen über allem menschlichen Erkennen und Wissen: Schau. Christus, der Tag, ist wesenhaft eins mit dem göttlichen Lichte.
Nur der Sohn sieht den Vater, wie er ist. Aber nun sind unsere Augen klar geworden von dem neuen Tag, der in Christus uns aufgeleuchtet ist. Im hellen Lichte dieses Tages schauen wir das Urlicht. Vollkommen wird die Schau erst im Jenseits, wenn auch wir ganz verklärt, ganz Tag geworden sind wie Christus. Aber begonnen hat sie mit der Auferstehung des Herrn. Bevor der Sohn kam, vermochte niemand den Vater zu erkennen. Jetzt ist der Tag selbst, Gottes Licht in den Menschen eingetreten. In seinem Licht sieht er das Licht. Wunderbar ist die Erkenntnis Gottes geworden in der Welt. „Wunderbar ist deine Erkenntnis geworden“, spricht die Kirche zu ihrem auferstandenen Herrn und zugleich zu jedem ihrer Kinder, das in Christus auferstanden ist zu neuem, gottschauendem Leben.
Wenn der Tag aufgeht, ist er Gericht für die Nacht. Die Finsternis flieht vor dem Licht. So ist auch Christus, der Tag, Gericht für die Welt, die die Finsternis mehr geliebt hat als das Licht (Joh 3,19). Gerichtet ist die Welt, gerichtet ist der Teufel. Aus dem Dunkel kam die alte Schlange und wollte Krieg führen gegen den Herrn des neuen Lichtes. Heute ist sie gerichtet. Der "Nachkomme der Frau" hat der Schlange den Kopf zertreten; besiegt taumelt sie zurück in ihre Finsternis. „Die Erde bebte und ward stumm, da Gott zum Gerichte aufstand“ (Offertorium, Ps. 75,9-10).
„Vom Tode zum Leben und von der Erde zum Himmel hat uns Christus, unser Gott, hinübergeleitet, und wir singen das Lied seines Sieges“ (aus der griechischen Liturgie).
„Das Lamm erlöste die Schafe; mit dem Vater versöhnte, Christus, der Reine, alle die Sünder“ (Ostersequenz).


P. Klaus Gorges FSSP, Ostern 2008

Freitag, 30. März 2018

„Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung!“


Das Titelbild zeigt die Kreuzigung Christi in der Wallfahrtskirche in Vilgertshofen. Diese Kirche wurde1686 vom Wessobrunner Johann Schmuzer gebaut und stuckiert. Im 19. Jahrhundert waren die Fresken in dieser Kirche beschädigt und der Barockstil wurde nicht mehr geschätzt. So ersetzte man damals das Bild im Mittelgewölbe durch ein großes Kreuz in Sepiaton. Später wirkte dies störend in der Barockkirche. So entschloss man sich, es durch ein Fresko in barockisierender Manier zu ersetzen. Im Jahre 1976 malte Karl Manninger (1912-2002) dieses Fresko. Er wendet dabei Prinzipien der Spätbarockmalerei an. So sind die Farben hell, mit Weiß gebrochen. In einer Art Froschperspektive sind die unteren Personen gedrückt, die oberen Personen etwas in di Länge gezogen. Wäre dieses Fresko während der Bauzeit der Kirche gemalt worden, so müssten die Farben erdiger sein und die Perspektive fast verzerrungsfrei. Mit dem Blick auf den gekreuzigten Jesus können wir erahnen, was Erlösung bedeutet: Mit Christus durch den Tod in die Herrlichkeit der Auferstehung gehen. In diesem Licht befinden sich schon alle die sich im Leid mit Christus vereinigt haben: die Mutter Maria, Johannes, Maria Magdalena, der Schächer zur Rechten Jesu, auch der Hauptmann mit seinem Glaubensbekenntnis. Dunkelheit umgibt den Schächer, der mit dem Tod vor Augen Jesus verspottet.
„Im Kreuz ist Heil, im Kreuz ist Leben, im Kreuz ist Hoffnung!“
AE
(Titelbild DER FELS März 2016)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Donnerstag, 29. März 2018

Pontius Pilatus: Prototyp des korrupten Opportunisten

Mathias von Gersdorff

Die Passion Jesu Christi ist ein Ereignis, welches es nicht nur schafft, die Religiosität und die Frömmigkeit der Menschen zu bewegen, sondern auch das Interesse für die psychologischen und gesellschaftlichen Umstände, die zu diesem politischen Verbrechen geführt haben, zu wecken. Das liegt daran, daß das gesamte Leidensgeschehen nicht nur ziemlich detailliert in den Evangelien beschrieben ist, sondern auch in einer Art und Weise, in der jeder Mensch sich in irgendeiner Form mit dem Geschehen identifizieren kann und sich selbst wiederfindet. Die vier Berichte der Passion Christi im Neuen Testament besitzen somit eine Universalität, die man wohl nirgends sonst findet. Diese Universalität inspiriert seit Jahrhunderten Künstler und Literaten in allen Winkeln der Welt.


Meine Aufmerksamkeit weckte in dieser Fastenzeit insbesondere die Figur des Pontius Pilatus, die wichtigste politische Persönlichkeit im Passionsbericht. Die Umstände, die zur Anklage gegen Jesus führten, sind rasch geschildert: Aus verschiedenen religiösen und politischen Gründen bildete sich eine Verschwörung gegen Jesus Christus. Für ein Todesurteil bedurfte es aber einer richterlichen Entscheidung des römischen Statthalters, also Pilatus. Auf diese Weise bekommt eine Figur, die bis zu diesem Zeitpunkt in den Evangelien gar nicht vorgekommen war, eine Schlüsselrolle in diesem zentralen Ereignis des Neuen Testaments und im Glauben aller christlichen Konfessionen. Analysieren wir deshalb etwas genauer das Verhalten des Römers und versuchen wir zu verstehen, wie es zu seinem verbrecherischen Richterspruch kam.

Günstiger Gesprächsbeginn, aber die Wahrheit stört

Das erste Verhör Jesu durch Pilatus ist gut im Johannes-Evangelium Kapitel 18, Verse 28 bis 38 beschrieben. Pilatus merkte schnell, daß Jesus lediglich Opfer einer Verschwörung und daher unschuldig war. Während der Unterhaltung zeigt Pilatus Interesse für Jesus und beginnt, sein Herz zu öffnen. Jesus deutet ihm seine Mission an und sagt ihm, er sei ein König, aber nicht von dieser Welt. Doch das Gespräch endet ungünstig, denn Widerstand bäumt sich im Herzen Pilatus’ auf, als Jesus ihm sagt, er sei gekommen, Zeugnis von der Wahrheit abzulegen. Pilatus’ berühmte und folgenschwere Antwort darauf: „Was ist Wahrheit?“
Diese Infragestellung ist der entscheidende Wendepunkt im Prozeß gegen Jesus. Ab diesem Zeitpunkt ist Pilatus von Angst erfüllt und nicht mehr primär interessiert, die Wahrheit herauszufinden und ein gerechtes Urteil zu fällen. Sein Hauptanliegen ist, seinen Posten und seine recht bescheidene Macht zu verteidigen. Durch diese innere Haltung wird er zunehmend zum Spielball derjenigen, die gegen Jesus intrigieren.

Aus purer Feigheit übergibt er Jesus der Folter

Nach dem ersten Verhör geht Pilatus zu den Klägern und stellt fest: „Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.“ Pilatus hätte Jesus freilassen müssen, doch er fürchtete sich. So bot er an, den Verbrecher Barrabas anstatt Jesus hinrichten zu lassen. Das Angebot wurde abgelehnt. Immer noch wollte Pilatus Jesus freilassen, doch damit die Gegner Christi auf ihre Kosten kommen, ordnete er eine Geißelung an. Die Geißelung nach Art der römischen Strafordnung war eine äußerst grausame Strafe, die nicht selten zum Tod des Verurteilten führte. Der römische Flagello hatte an den Enden der einzelnen Riemen Bleikugeln mit Hacken, die sich in das Fleisch des Verurteilten einbohren konnten und ihm ganze Fleischstücke herausrissen.

Halten wir fest: Pilatus’ Schwäche war kein Hindernis, eine solche Tortur anzuordnen. Ganz im Gegenteil: Weil er nicht Manns genug war, den Gegnern Jesu die Stirn zu zeigen, ordnete er ungerechterweise – aus purer Feigheit – eine Folter an.

Der Wendehals wird ängstlich



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Mittwoch, 21. März 2018

Unverzögerliche Aufgabe: Die Gesellschaft vor der Sünde der Apostasie zu bewahren

Dann schreckte uns, um die andern Gründe zu übergehen, auf das allerheftigste die gegenwärtige so schwere Bedrängnis des menschlichen Geschlechtes. Es ist ja allen bekannt, dass die menschliche Gesellschaft heute an einer schweren, tiefeingesessenen Krankheit leidet, wie sie die früheren Zeiten nicht gekannt haben. Tag für Tag wächst dieselbe und schleppt ihre Opfer in gänzlicher Zerrüttung dem Untergange zu. Ihr wisst, Ehrwürdige Brüder, welches diese Krankheit ist. Der Abfall, die Trennung von Gott, dieser engste Bundesgenosse des Verderbens, nach dem Wort des Propheten: „Siehe die sich weit von dir machen, kommen um.“(Ps 72,27) Diesem schweren Unheil entgegenzuwirken, erkannten Wir als Pflicht des päpstlichen Amtes, das man Uns übertrug; wir glaubten auf Uns den Befehl beziehen zu müssen: „Siehe, ich setze dich heute über die Völker und Reiche, dass du ausreißest und niederreißest, aufbauest und pflanzest“(Jer 1,10); aber eingedenk unserer Schwachheit bebten Wir vor der Übernahme einer Aufgabe zurück, die keine Verzögerung duldet und mit den größten Schwierigkeiten erfüllt ist.

Aus der Enzyklika "E supremi Apostolatus" von Pio X, vom 4.10.1903

Donnerstag, 15. März 2018

Der Liederhändler


Der Liederhändler, 1903 - Victor Gabriel Gilbert


Einige Familien haben sich an einem Sommerabend auf der Straße um den Liederhändler versammelt. Das war damals noch ein sehr sympathischer Straßenberuf, der leider verschwunden ist; die Flut der Gesetzgebung in einem allgegenwärtigen Staat und die Hektik der modernen Welt haben ihn erschlagen.
Die Melodie klingt in den Abend hinein und wird von den zwei jungen Mädchen aufgenommen. In allen Gesichtern kann man die schlichte und ruhige Freude des Zuhörens vernehmen. Auf dem Tisch verbreitet eine Petroleumlampe ihren sanften Schein, der es ermöglicht die Notenblätter der Lieder zu lesen, die der Mann mit der Gitarre am Ende seiner Vorführung für einige wohlverdiente Münzen verkaufen wird: es ist die Frucht seiner Arbeit. Das Zusammentreffen dieser Menschen, Eltern, Kindern, Nachbarn, Vorbeigehende strahlt Frieden und Harmonie aus: weil diese Gesellschaft noch aufgebaut und gegliedert ist wie eine große Familie. 

(Benoît Bemelmans)

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion Deutschland braucht Mariens Hilfe, DVCK e.V. Fankfurt, Dezember 2007.

Dienstag, 13. März 2018

Die Zeit der Erlösung ist nah

Es sind tatsächlich viele und große Erweise der Güte, die Gott auf die milde Fürbitte der Jungfrau Maria im Lauf dieser fünfzig Jahre erteilte. Sollen wir da nicht hoffen, "dass unsere Rettung näher ist, als wir glaubten"? Und dies umso mehr, da es erfahrungsgemäß ein Gesetz der göttlichen Vorsehung zu sein scheint, dass Gott am nächsten ist, wo die Gefahr am größten ist. „Nahe ist's, dass komme die Zeit, und ihre Tage werden nicht verlängert werden. Denn der Herr erbarmt sich Jakobs und erwählet nochmals Israel.“ So haben wir Hoffnung, bald rufen zu können: „Zerbrochen hat Gott den Stab der Gottlosen. Es ruht und schweigt die ganze Erde, sie freut sich und bricht in Jubel aus.“

Aus der Enzyklika "Ad Diem Illum" von Pius X. vom 2. Februar 1904