Im achten und neunten Jahrhundert plünderten die Wikinger
häufig Klöster in ganz Europa, da diese isoliert lagen, nur schwach verteidigt
waren und über großen Reichtum, kostbare Artefakte und Viehbestände verfügten.
Durch Gebet und Buße setzten sich die Mönche schließlich durch und bekehrten
die Wikinger.
Heute spielt sich etwas anderes ab. Eine neue Welle der
Plünderung ist im Gange. Doch es sind weder Wikinger noch Barbaren, die die
Klöster und Abteien ausrauben. Die Mönche und Nonnen selbst sind – vielleicht
unwissentlich – die Verursacher ihrer eigenen Selbstzerstörung.
Die Verwüstung durch moderne Spiritualität
Es ist leicht, die Ursprünge dieses neuen Feindes
zurückzuverfolgen. Moderne Spiritualitätsströmungen, die nach dem Zweiten
Vatikanischen Konzil populär wurden, griffen traditionelle Formen der
Gottesverehrung an, höhlten alles Substanzielle aus und hinterließen unzählige
Gemeinschaften in Trümmern. „Wikinger-Theologen“ machten alles dem Erdboden
gleich, was sich ihnen in den Weg stellte.
Ähnlich den blitzartigen Überfällen der Wikinger in alter
Zeit wurden die klösterlichen Traditionen über den Haufen geworfen.
Tagesordnungen, Fastenzeiten und Gebetswachen wurden aufgegeben. Die Kirchen
wurden ihrer alten Ausschmückung beraubt und auf eine Weise „kaputtrenoviert“,
die weit gründlicher war, als es die ungebildeten Nordmannen je vermocht
hätten. An die Stelle der Konzentration auf das *Ora et labora* – Gebet
und Arbeit – des heiligen Benedikt traten Anliegen der sozialen Gerechtigkeit.
Heute verharren nur noch wenige gealterte Mönche und Nonnen
an heiligen Orten, die einst blühenden klösterlichen Gemeinschaften als Heimat
dienten – ohne dass jemand da wäre, um ihre Nachfolge anzutreten. Eine nach der
anderen brechen diese Gemeinschaften zusammen, und ihre Liegenschaften werden
anderen Zwecken zugeführt. Allein in Frankreich schließen jeden Monat zwei
Klöster oder Konvente ihre Pforten.
| Abt Armand de Rancé führte im Jahr 1662 die Trappistenreform des Zisterzienserordens durch. |
Das Ende von La Grande Trappe
Der Ernst dieser Krise wurde kürzlich auf dramatische Weise
deutlich, als die Mönche der Abtei La Trappe in der Normandie bekannt
gaben, dass sie ihr Kloster voraussichtlich im Jahr 2028 verlassen werden. Der
Schock war so groß, dass Papst Leo XIV. unmittelbar nach dieser Ankündigung ein
vertrauliches Gespräch mit dem Abt führte.
Diese Zisterzienserabtei ist nicht irgendeine Abtei. Es ist
ein geschichtsträchtiges Kloster, das seit 900 Jahren Mönchen ein Zuhause
bietet. Es ist bekannt als „La Grande Trappe“, da es jener Ort war, an
dem Abt Armand de Rancé im Jahr 1662 die Trappistenreform des
Zisterzienserordens durchführte. Infolgedessen werden alle Zisterzienser der
strengen Observanz informell als Trappisten bezeichnet.
Die Trappistengemeinschaft beschloss – nach einem „langen
Prozess der geistlichen Unterscheidung“ –, dass der Mangel an Berufungen und
die schwere Last der Instandhaltung des Anwesens sie dazu zwängen, die Aufgabe
ihres Mutterklosters im Jahr 2028 in Erwägung zu ziehen. Wo einst hundert
Mönche in voller Blüte lebten, wohnen heute kaum zwanzig gealterte Brüder. So
fiel ihre Entscheidung, den Ort zu verlassen.
Eine lange Geschichte
Dies ist nicht das erste Mal, dass La Trappe einer
existenziellen Krise gegenübersteht. Die Abtei wurde im zwölften Jahrhundert –
um das Jahr 1122 – zu Ehren der Enkelin Wilhelms des Eroberers gegründet. Sie
überstand Kriege und Seuchen, die Französische Revolution und alles andere, was
der Teufel ihr entgegenwerfen konnte. Die Abtei war zeitweise sogar geschlossen
und galt als verloren. Doch stets retteten eifrige Äbte und Mönche sie vor dem
Untergang.
Ihre Geschichte ist inspirierend.
Eifer und Wirren
Im Mittelalter schloss sich La Trappe der Reform des
Benediktinerordens an, die von dem heiligen Robert, dem Abt von Cîteaux,
initiiert worden war. Sie war Teil jenes weitläufigen Netzwerks von Abteien,
die mit dem heiligen Bernhard von Clairvaux verbunden waren und in jenem
goldenen Zeitalter großen Eifers und großer Heiligkeit aufblühten.
Im 14. und 15. Jahrhundert jedoch wandelten sich die
Verhältnisse. Während des Hundertjährigen Krieges zwischen Frankreich und
England fiel die Abtei englischen Truppen zum Opfer. So hatte sie aufgrund
ihrer Lage in unmittelbarer Nähe der Kampfgebiete schwer zu leiden.
Im 16. Jahrhundert wurde die Abtei als Kommende vergeben;
dies bedeutete, dass sie als vakant galt und von einer Person verwaltet wurde,
die nicht dort ansässig war, wohl aber von ihren Einkünften profitierte. Der
Missbrauch dieses kirchenrechtlichen Status führte häufig zu einer
Misswirtschaft bei Besitztümern wie La Trappe, wo die Mönche kaum noch ihr
Überleben sichern konnten.
Ruhm und
Niederlage
Alles wendete sich schließlich zum Besseren, als Abt Armand
de Rancé eine Reform der Abtei einleitete, indem er zur Strenge und Reinheit
einer Regel zurückkehrte, die auf Schweigen, Gebet, Handarbeit und der
Abgeschiedenheit von der Welt beruhte. Die Gemeinschaft wuchs rasch heran und
erlangte bald allerorts den Ruf der Heiligkeit.
Die Reform der Abtei beinhaltete die Rückkehr zur Strenge und Reinheit einer Regel, die von Schweigen, Gebet, Handarbeit und der Abgeschiedenheit von der Welt geprägt war.
Mit dem Ausbruch der Französischen Revolution vertrieb die
Regierung die Mönche und beschlagnahmte 1792 ihre Abtei. Rund achtzig Mönche
fügten sich dem Unvermeidlichen, indem sie in andere Unterkünfte zogen oder in
die Welt zurückkehrten. Ihre Namen sind in der Geschichte verloren gegangen.
Abt Augustin de Lestrange jedoch ging gemeinsam mit 24
anderen Mönchen ins Exil nach Val-Sainte im schweizerischen Freiburg; dort
fassten sie den Entschluss, die Regel des heiligen Benedikt sowie die
zisterziensischen Gebräuche in aller Strenge und Treue zu befolgen. Trotz der
verzweifelten Umstände dieses Exils überwanden sie alle Hindernisse, da sie
ganz von der Liebe zu Gott und zum Kreuz erfüllt waren.
Von Val-Sainte als Ausgangspunkt aus zog die Gemeinschaft so
viele Berufungen an, dass der Abt Mönche aussandte, um neue Niederlassungen in
Spanien, England, Belgien und Piemont zu gründen.
Eine unglaubliche Odyssee
Als die antikatholischen französischen Revolutionäre 1798 in
die Schweiz einfielen, vertrieben sie die Trappisten. So begann eine
unglaubliche Odyssee, auf der die Mönche auf der Suche nach einer dauerhaften
Heimat die Welt durchstreiften. Ihre Wanderung führte sie nach Amerika,
Deutschland und sogar nach Russland. Inmitten der unvorstellbaren Leiden und
Entbehrungen ihrer Wanderschaft wuchs ihre Zahl indes stetig an.
Tatsächlich erwarb der Trappistenabt im Jahr 1813 von den
Jesuiten jenes Grundstück an der Fifth Avenue – auf dem heute die St. Patrick’s
Cathedral in New York City steht –, um dort eine Schule und ein Waisenhaus
einzurichten. Ihr Aufenthalt wurde jedoch durch den Sturz Napoleons jäh
beendet; dies ermöglichte es der inzwischen stark angewachsenen Mönchsgruppe,
nach Frankreich zurückzukehren – nur um ihr geliebtes La Trappe in Trümmern
vorzufinden.
Die Mönche bauten die Abtei auf den Grundmauern des alten
Klosters wieder auf. Bis zum Tod des Abtes im Jahr 1827 hatten sich 700 Mönche
dem einst umherziehenden und nun wieder gefestigten Orden angeschlossen. Diese
„neue Reform“ – wie sie genannt wurde – führte bald zur Gründung zwanzig
weiterer Klöster in den Vereinigten Staaten, Kanada, Syrien und anderen
Regionen.
Zwei Trappistenmönche in einem Kloster in Algerien zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Solange die Mönche ihren Eifer, ihre Bußübungen, ihr
Schweigen und ihre Fastenpraktiken bewahrten, blühten sie auf. Je
entbehrungsreicher das Leben war, desto voller füllten sich die Klöster.
Solange ihr Fokus auf der Liebe zu Gott und der Gottesmutter lag, hatten sie
keinerlei Nachwuchsprobleme – ganz im Gegenteil.
Ein tragisches Ende
Das letzte Kapitel dieser langen Saga bildet die Reform der
1960er-Jahre, die die Fastenregeln abänderte, die Ordensregel vereinfachte und
das ewige Schweigen abschaffte. Diese Reform, so merkt die *Encyclopedia
Britannica* an, „legte größeren Wert auf die Individualität [und] führte
zu einer Vielfalt unter den verschiedenen Trappistenklöstern, wohingegen zuvor
alle Abteien ein einheitliches Regelwerk und dieselben Traditionen befolgten.“
Dies waren die neuen „Wikinger“-Spiritualitäten – Neuerungen
und Theologen –, die alles auf den Kopf stellten und verheerendes Unheil
anrichteten. Während die ins Exil getriebenen und umherziehenden
Zisterziensermönche der strengen Observanz Hunderte von Menschen anzogen,
mussten die postmodernen Mönche der „Individualität“ und „Vielfalt“ zusehen,
wie Hunderte ihre Klöster verließen. Der Lärm, der an die Stelle des Schweigens
trat, hielt jene Seelen fern, die nach erhabenen Wahrheiten suchten und zu einem
solchen Leben berufen waren.
Die Lehre aus dieser Geschichte ist überaus deutlich: Wenn
die Mönche von *La Grande Trappe* ihre Abtei wiederaufleben sehen wollen,
bedarf es keines „langen Unterscheidungsprozesses“. Sie müssen lediglich zu
ihren alten Traditionen und Gebräuchen zurückkehren – in all ihrer Ehrfurcht
gebietenden und prachtvollen Strenge. Was die jungen Vertreter der Generation Z
– die sich derzeit dem Glauben zuwenden – anziehen wird, ist die Berufung auf
die Erhabenheit des religiösen Lebens, und nicht etwa eine „Betonung der
Individualität“.
Es ist höchste Zeit, jene barbarischen Spiritualitäten samt
ihrer „Wikinger“-Theologen zu vertreiben, die die Abteien – und ebenso viele
Pfarrgemeinden – zerstören und in Trümmer legen. Vor allem aber ist es an der
Zeit, zu jener alles umfassenden Liebe zu Gott und der Gottesmutter
zurückzukehren, die alles möglich macht.
Dieser Artikel erschien ursprünglich am 25. März 2026 im
*Crisis Magazine*.
Aus dem Englischen von “Here’s the Way to Save La Grande Trappe
Monastery from Closing” in
https://www.returntoorder.org
Die
deutsche Fassung dieses Artikels „“ ist erstmals erschienen in www.r-cr.blogspot.com
© Veröffentlichung dieser deutschen Fassung ist mit Quellenangabe dieses
Blogs gestattet.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen