Freitag, 13. September 2019

Vor 42 Jahren prophezeite Plino Corrêa dde Oliveira die Ziele der Amazonas-Synode


Eine tribalistische, kommunistische
Auffassung der Missionen

Im Nachwort zu Revolution und Gegenrevolution machte Plinio Corrêa de Oliveira 1977 auf die Entstehung neuer „tribalistischer“ Strömungen im Schoß der katholischen Kirche aufmerksam.
Erste Ausgabe des prophetischen Buches
über den Indigenen Tribalismus 1977. 
Diese „wollen die edle, knöcherne Strenge der kirchlichen Struktur, wie es von unserem Herrn Jesus Christus eingesetzt und in zwanzig Jahrhunderten religiösen Lebens herrlich ausgeformt wurde, in ein knorpliges, weiches, formloses Gewebe von Diözesen und Pfarreien ohne Territorium und von religiösen Gruppierungen verwandeln, in denen die kanonische Autorität nach und nach durch den Aufstieg mehr oder weniger pfingstlerischer ‚Propheten‘ ersetzt wird, die viel mit den Medizinmännern des Strukturalismus gemein haben, mit denen sie letztendlich wohl auch verwechselt werden dürften.“ [1]
Noch im selben Jahr untersuchte der brasilianische Denker in seinem Buch Indigener-Tribalismus, das kommunistisch-missionarische Ideal für Brasilien im 21. Jahrhunderts [2] 36 von der progressistischen Missiologie herausgegebene Schriften und wies auf ihr Vordringen in der kirchlichen Struktur hin.
Durch eine völlige Umkehrung der herkömmlichen katholischen Auffassung, wonach es bei der christlichen Missionsarbeit darum geht, mit dem Glauben auch die Kultur zu verbreiten, sah die neue Missionsströmung im Tribalismus die Möglichkeit, auf Erden ein utopisches „Reich Gottes“ zu errichten. Dieser Tribalisierungsprozess erscheint als eine natürliche Folge der von der progressistischen Theologie verkündeten Zerstörung der christlichen Zivilisation. Tatsächlich aber behauptet der heilige Pius X., dass es außerhalb des Christentums keine wahre Zivilisation geben kann. Damit kommt die Leugnung der zivilisatorischen Sendung der Kirche zwangsläufig einer Rückkehr zum Stammesleben der Wilden gleich.
„Es muss hier wiederholt werden“, schrieb Prof. Oliveira, „dass das größte Problem dieser Schwärmerei weder bei den Missionaren selbst noch bei den Indianern liegt. Die Frage ist, wie sich eine solche Philosophie ungestraft in die heilige katholische Kirche einschleichen konnte, um daselbst Seminare zu vergiften und Missionen ihres eigentlichen Charakters berauben. Und das alles mit so starker kirchlicher Rückendeckung.“ [3]
Als zwei Jahre später in Nikaragua der „Sandinismus“ an die Macht kam, schien für die „Befreiungstheologie“ die Stunde des Sieges geschlagen zu haben. „Die Liberationisten“, erinnert sich Kardinal López Trujillo, „machten aus Nikaragua ein Zentrum für politische Experimente, die sie mit Engagement und Begeisterung unterstützten. (...) Der triumphierende Sandinismus wurde zur Lanzenspitze der Volkskirche ...“ [4]. In Brasilien waren es die von Kardinal Paulo Evaristo Arns, dem  Erzbischof von São Paulo, in Schutz genommenen Patres Leonardo Boff und Clodovis Boff, der eine aus dem Franziskaner-, der andere aus dem Serviten-Orden, die sich als die führenden Publizisten der Befreiungstheologie hervortaten.
Kardinal Arns auf dem „Sandinisten-Abend“
Ende Februar 1980 fand in einem Vorstadtviertel von São Paulo ein von der „Ökumenischen Vereinigung von Theologen aus der Dritten Welt“ organisierter internationaler Theologiekongress statt, bei dem Befreiungstheologen aus 42 Ländern, alles „engagierte“ Bischöfe, Priester, Ordensleute und Laien, zusammenkamen. Kardinal Arns wurde zum Ehrenpräsidenten des der Ekklesiologie der Basisgemeinden gewidmeten Kongresses ernannt.
Die Abschlussveranstaltung wurde geprägt von einem offenen Bekenntnis zur sandinistischen Revolution in Nikaragua und das Land selbst wurde in den „theologischen Ort“ [5] der „Befreiungstheologie“ verwandelt. Diese Veranstaltung zu Ehren des Sandinismus fand im Theater der Katholischen Universität von São Paulo unter Teilnahme des „Kommandanten“ Daniel Ortega, des damaligen Präsidenten von Nikaragua, von Pater Miguel d’Escoto, des „Revolutionskaplans“ Uriel Molina und von Frei Betto, einem bekannten, wegen seiner Komplizenschaft mit den Terroristen verurteilten Dominikaner, statt.
Bilder aus der Sandinisten Versammlung in der Katholischen Universität von São Paulo
zeigen den Moment, in dem Bischof Casaldáliga eine Sandinisten-Guerrillaveste geschenkt
bekommt und sie sofort überzieht. 
Die Stimmung nahm fast surrealistische Formen an, als Bischof Casaldáliga in der von der Delegation aus Nikaragua offerierten Uniform eines sandinistischen Guerillero ausrief: „Gekleidet wie ein Guerillero fühle ich mich, als hätte ich die priesterlichen Gewänder angelegt.“ Und unter Beifall fügte er dann feierlich hinzu, dass er sich bemühen werde, dieses „Sakrament der Befreiung“ mit „Taten und, wenn nötig, mit seinem Blut“ zu ehren. (s.Bild)
CATOLICISMO Jul-Aug 1980
Die TFP gab daraufhin eine Sondernummer des Catolicismo mit einer Reportage über diese „sandinistische Nacht“ und einer Verurteilung der kommunistischen Unterwanderung katholischer Kreise heraus. Neben einem kompletten, illustrierten Bericht über die Ereignisse wurden auch die gehaltenen Reden in vollem Wortlaut und mit einer einführenden Analyse und weit blickenden Kommentaren aus der Feder von Plinio Corrêa de Oliveira wiedergegeben.[6]

Anmerkungen


[1] Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, Revolução e Contra-Revolução, a.a.O., S. 73.
[2] Vgl. Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, Tribalismo indígena, ideal comuno-missionário para o Brasil do século XXI, Editora Vera Cruz, São Paulo 1977. Werbe-Karawanen besuchten 2963 Städte und vertrieben dort rund 76.000 Exemplare des Buches, von dem nacheinander sieben Auflagen gedruckt wurden. Zur modernisierten Missiologie vgl. auch das Essay von P. M. PARADOWSKI über „El marxismo en la teología de misiones“ in seinem bereits angeführten Buch El marxismo en la teología sowie vom selben Verfasser „Tribalismo y pastoral misionera“, in Verbo Nr. 185-186 (Mai-Juni 1980), S. 567-578.
[3] Plinio CORRÊA DE OLIVEIRA, Tribalismo indígena..., a.a.O., S. 48.
[4] A. LOPEZ TRUJILLO, „La Teología de la Liberación: datos para su historia“, in Sillar Nr. 117 (Januar-März 1985), S. 33.
[5] Javier URCELAY ALONSO, „Sandinismo en Nicaragua: una revolución liberadora?“, in Verbo Nr. 256-260 (Oktober-Dezember 1987), S. 1171-1192. Vgl. auch Nicaragua. Les contradictions du sandinisme, P. VAYSSIÈRE, Presses du CNRS, Paris 1988.
[6] Vgl. Catolicismo Nr. 355 (Juli-August 1980).



Quelle: Roberto de Mattei: „Der Kreuzritter des 20. Jahrhunderts: Plinio Corrêa de Oliveira“. TFP-Büro Deutschland und DVCK e.V., Frankfurt, 2004, Kapitel V, Abschnitt 17, SS 198-200.

Mittwoch, 11. September 2019

Bischof von Amazonien verurteilt „Instrumentum Laboris“ für die Amazonas-Synode



Missionsbischof in Amazonien: Synodenpläne 
schweigen über die realen Probleme der Region

Bischof José Luis Azcona

 (CNA) Ein langjähriger Missionsbischof des Amazonasdeltas sagte, dass das Arbeitsdokument für die bevorstehende Amazonas Bischofssynode nicht die tatsächlichen Probleme der Kirche in der Region behandelt.
Bischof José Luis Azcona ist emeritierter Missionsbischof von Marajó, einer Diözese, die Dutzende von Inseln im Amazonas-Delta umfasst. Während seiner Dienstjahre in der Region lebte Azcona unter Morddrohungen, weil er den Menschenhandel anprangerte und die Menschenrechte von Ureinwohnern verteidigte.
Azcona kritisierte in seinen kürzlich an ACI Digital (1) abgegebenen Äußerungen über das Instrumentum laboris (Arbeitsdokument) für die panamazonische Bischofssynode im Oktober. Seiner Ansicht nach werden die dringendsten Herausforderungen der Kirche in dem Dokument nicht behandelt: die wachsende Pfingstler Mehrheit, Kinderarbeit, Missbrauch und Kinderhandel und eine spirituelle Krise.
Azcona sagte, die Synode müsse sich mit einer ernüchternden Realität befassen: „Der Amazonas, zumindest der brasilianische Amazonas, ist nicht mehr katholisch.“
Er stellte die zentralen Punkte des Vorbereitungsdokuments der Synode in Frage, in dem es zu Unrecht um „eine verzerrte Sicht des sogenannten amazonischen Antlitzes“, „Interkulturalität“ und die Priesterweihe von verheirateten Männern ging.
Das Gesicht Amazoniens
Azcona zufolge ist „das Amazonasgebiet, zumindest der brasilianische Amazonas, nicht mehr katholisch“.
„Dieser Ausgangspunkt ist für die Durchführung der Synode von entscheidender Bedeutung. Denn Amazonien hat eine Mehrheit von Pfingstlern, und da ist es notwendig, diese Realität gründlich anzusprechen.“
„Jede Nostalgie nach einem Amazonien, das es nicht mehr gibt, ist fatal für dessen ganzheitliche Evangelisierung. Sogar in einigen Gebieten Amazoniens erreicht die Pfingstlermehrheit 80%“, sagte er.
„Das Eindringen von Pfingstlern in verschiedene indigene ethnische Gruppen, überrollt Kulturen, ethnische Identitäten und indigene Völker im Namen des Evangeliums. Dies ist ein ernstes Phänomen im heutigen Amazonasgebiet, das mit seinen fundamentalistischen und proselytisierenden Konnotationen einen tiefgreifenden Einfluss auf die indigenen Völker hat.“
„Das ist das heutige Gesicht Amazoniens!“
„Zu diesem Punkt gibt es im Instrument laboris kein einziges Wort“, sagte Azcona.
Der Bischof fügte hinzu, dass „die jahrelange Erfahrung bestätigt, dass der Glaube in vielen amazonischen Diözesen weder in der Gesellschaft noch in der Geschichte gelebt wird. Die Kluft zwischen dem Bekenntnis und der Feier des Glaubens in schönen Liturgien und der sozialen, ökologischen, kulturellen und politischen Realität ist noch nicht überwunden.“
Kindesmisshandlung
Azcona wies als nächstes auf die weit verbreiteten Probleme des Kindesmissbrauchs im Amazonasgebiet hin.
„Leider weiß die Synode nicht oder wenn sie es weiß, versteht sie nicht welche Bedeutung für die Gegenwart und die Zukunft Amazoniens die gequälten Gesichter von den von ihren eigenen Eltern und Verwandten wiederholt missbrauchten Kindern haben, die einer echten Sklaverei ausgesetzt sind, die einen wesentlichen Teil des verlassenen und zerstörten Antlitzes Jesu im Amazonasgebiet ausmacht.“
„Dieses ganze Dokument ist Stroh, wenn es den Geist und den Buchstaben des Evangeliums nicht versteht oder nicht bekennt: ‚Wer eines dieser Kleinen aufnimmt, nimmt mich auf und wer mich aufnimmt, nimmt den Vater auf, der mich gesandt hat.“
In dieser Hinsicht fuhr er fort: „Allein in Pará (ein Bundestaat Brasiliens) gab es in einem Jahr 25.000 Berichte über Verbrechen dieser Art [Anmerkung der Redaktion: Pädophilie]. Laut Experten auf diesem Gebiet gibt es für jeden gemeldeten Fall von Pädophilie vier weitere. Wenn es in Pará ungefähr ein Jahr lang 100.000 missbrauchte Kinder gab, ist dieses Gesicht zerstörter Kinder dann nicht ein wesentlicher Bestandteil des amazonischen Gesichts?“
„Wo ist die pastorale Sensibilität, die der Heilige Vater Franziskus so deutlich und fest zum Ausdruck gebracht hat, der Verantwortlichen für das Instrumentum laboris zum Ausdruck gekommen?“, fragte Azcona.
„Wo wird die Verteidigung Amazoniens seiner Kinder im Instrumentum laboris erwähnt, und damit in der Synode? Stoppen wir diese falschen Projektionen über Amazonien und ermöglichen stattdessen neue Wege für die Region.“
„Was ist das amazonische Gesicht? Kann im nächsten Oktober eine Synode dieser Größenordnung mit einer Vorstellung aufgebaut werden, die so weit von der Realität, von der Identität, vom Respekt von dem Unterschied entfernt ist, wenn vorher festgelegte Interpretationsschemata der Realität, die Wirklichkeit deformieren?“, fragte er.
Inkulturation oder ‚Gleichmachung’?
Azcona kritisierte auch „die Themen rund um die Inkulturation des Evangeliums im Amazonasgebiet und ähnlichen Regionen“, die, wie er sagte, „im Kontext der Immanenz, des Neopelagianismus, präsentiert werden und das Evangelium mit (indigenen) Kulturen aus dem Amazonasgebiet in Einklang bringen, die ekklesiologisch gesehen, keine theologische und pastorale Grundlagen besitzen und das Evangelium der Erlösung aufheben.“
Unter Hinweis auf das Ad-gentes-Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils wies der Bischof darauf hin, dass „die Worte des Evangeliums, die von der Kirche verkündet werden, das Schicksal von Personen, Völkern, Kulturen und Nationen bestimmen“.
„In keinem Teil des Instrumentum laboris wird etwas Ähnliches ausdrücklich bestätigt. Im Gegenteil, die Tendenz, die indigenen Kulturen mit dem Evangelium gleichzustellen, ist überwältigend. Dies ist ein Ausgangspunkt, der auf einer Synode nicht verzichtet werden kann.“
„Das Vergessen dieses Grundprinzips macht die Synode nutzlos und macht die spezifische und einzigartige Kraft Gottes im Evangelium sowie die gesamte missionarische Dynamik im Amazonas und aus dem Amazonas zunichte“, sagte er.
Azcona wies darauf hin, dass „in keinem Teil des Instrumentum laboris von Dämonen die Rede ist oder ihr Einfluss, ihre Bosheit in Menschen, Völkern und Kulturen sowie auf den Sieg Christi, seine Befreiung und die Zerstörung der Macht des Bösen.“
„Das Dokument vergisst die leuchtenden und leitenden Seiten, die vom Bösen und seiner Präsenz in der Geschichte sprechen, denen Papst Franziskus in der apostolischen Ermahnung über die Heiligkeit im vergangenen Jahr, Gaudete et Exultate, die Nummern 158-164 gewidmet hat.“
Azcona warnte auch, dass „der Pelagianismus, der sich im gesamten Dokument ausbreitet, dazu führt, dass dem Amazonasmenschen, seinen ethnischen und kulturellen Gruppen mehr zugeschrieben wird als dem, was zu ihnen gehört, da es sich um von Sünde geschaffene und geprägte Realitäten handelt, die die solide Konzilslehre ersetzen über das Evangelium und die Sendung der Kirche in der Kraft des Auferstandenen, wie sie in Lumen gentium 16 zu finden ist.
„Schließlich wäre der utopische Gedanke zur Wiederbelebung der vorkolumbianischen Religionen, die sie von Christus und der Universalkirche trennen, kein Fortschritt, sondern Rückschritt“, sagte er.
Ökologische Umkehr
In Bezug auf die Frage der ökologischen Umkehr argumentierte der Bischof: „Die Notwendigkeit der Umkehr zur Vergebung der Sünden ist die grundlegende Herausforderung, der sich die Kirche im Amazonasgebiet stellen muss. Ohne diese absolute Priorität des Seins und Handelns der Kirche gibt es keine Zukunft für den Amazonas, weil wir sonst die Gegenwart des Reiches Gottes in der Welt vergessen.“
„In Ermangelung der Reue, die ‚wiederherstellt, was nicht war’ für die Entstehung des neuen Amazonasmenschen, erwähnt das Dokument nicht den Hunger, den Durst nach dem Heiligen Geist.“
Nach Aussage des Bischofs „wird in dem Dokument, in dem das von Papst Johannes XXIII. im Vorgebet für das Konzil ermutigende neue Pfingsten vergessen, der Kern der Mission im Amazonas beiseite gelegt. Ist diese Mission im Amazonas eine Land- und Wassermission? Oder ist es die missionarische Dimension, die als Kirche in Amazonien, berufen und in die Welt ausgesandt wird? Lassen wir uns von der inspirierten Lehre von Papst Franziskus in Evangelii gaudium leiten.“
„Was der Heilige Vater vorschlägt, ist die Evangelisierung und damit ein ganz anderes Amazonasgebiet, als das einer Reihe von Aufgaben, Projekten, Pastoralplänen, Inkulturation und Ökologie.“
„Warum schreit das Dokument nicht nach dieser Wahrheit, der einzigen Wahrheit, die den Amazonas retten kann?“, fragte er.
„Viri probati“
Azcona sagte, dass „die Weihe von ‚viri probati’ nutzlos sein wird“, da „es ein Stück neuen Stoff auf einen alten Stoff legt. Das Loch ist größer! "
Andererseits bemerkte er: „Der Klerus im Amazonasgebiet braucht ebenso wie die gesamte Kirche Reue, Bekehrung, den Glauben, der im engeren Sinne rettet. Die Erfahrung zeigt diesen Beweis. Die Bedeutung des priesterlichen Wirkens, besonders im Amazonasgebiet ist verloren oder ist tot im Leben oder in der authentischen pastoralen Bekehrung von Priestern.“
„Warum sollte man ‚viri probati’ (erprobte Männer) innerhalb eines Priestertums in Zeiten der Krise weihen?“, fragte er
„Die vollkommene und beständige Enthaltsamkeit um des Himmelreichs Willen wird weiterhin bestehen bleiben, ein Zeichen der Ermutigung der pastoralen Nächstenliebe und der ursprünglichen Quelle spiritueller Fruchtbarkeit - innerhalb Amazoniens“, sagte er.
„Wir fragen uns vielleicht: Existiert diese Gebetshaltung für die Gabe des Zölibats bei den Priestern des Amazonas? Betet die ganze Kirche, dass dieses erhabene Geschenk auf den ganzen Leib Christi ausgegossen wird? Die Fakten antworten: Nein!“
„Und auch und vor allem ist die Entscheidung über dieses Thema etwas völlig Unangebrachtes in einem Kontext, in dem die gegenwärtigen Tendenzen großer Gruppen von Katholiken, die sogenannten Konservativen, das Lehramt der Kirche, insbesondere beim Papst selbst, in Frage stellen. Einige nennen ihn öffentlich einen Häretiker, und  fordern seinen sofortigen Rücktritt. Andere fordern seinen Rücktritt wegen mangelnder Konsequenz in der Frage der Pädophilie in der Kirche! Lassen Sie uns keine Diskussion über die Rechtmäßigkeit dieser Fragen führen. Sicher ist, dass eine positive Antwort die Gefahr einer Spaltung, eines echten Schismas in der Kirche aufwirft.“
Er betonte daher, dass „es nicht um den Sieg der sogenannten ‚Konservativen‘ oder der ‚Progressiven‘ geht. Es geht um das, was in der Kirche am größten ist: die Nächstenliebe. Im Angesicht der Nächstenliebe sollte jedes Konzept oder soziologische Etikett verblassen.“
„In der Erkenntnis, dass die ehrwürdige Institution des priesterlichen Zölibats zum Disziplinarbereich der Kirche gehört und daher Änderungen unterworfen ist, halte ich es für nachteilig, auch für die kirchliche Einheit derzeit gefährlich, die Möglichkeit zu eröffnen, die das Dokument verlangt“, sagte Azcona.
„Es ist kein ausschließlich indigenes Amtsproblem. Es ist eine Situation des weit verbreiteten Mangels an Priestern in der Kirche. Dieselben Gründe, die für diese im Dokument geforderte Anerkennung angeführt werden können, gelten auch für die gesamte Kirche oder einen Großteil davon.“
Der Bischof sagte: „Das Problem ist nicht nur der Mangel an genügend Priestern, sondern auch die Untersuchung, das Erkennen dieses großen Mangels für eine realistische Lösung. Die fundamentale Wurzel dieses Mangels an Berufungen in der Kirche und im Amazonasgebiet, einschließlich der evangelisierten indigenen Völker, liegt in einem alarmierenden Mangel an Glauben oder in der Abwesenheit von Glauben.“
So erklärte er: „Auch wenn es sich um ein Disziplinarproblem handelt, wird dies zu einem ethischen Gebot, das mit der absoluten Anweisung beginnt: Christus ist für den nicht erleuchteten Bruder gestorben; deine Freiheit ist nichts Absolutes; sie sündigen gegen Christus, und verletzen das Gewissen des Bruders; das einzige Absolute ist Liebe; diese Liebe ist die Liebe Gottes, die vom Heiligen Geist in unsere Herzen ausgegossen wurde.“
„Ist das die Liebe der Kirche im Amazonasgebiet? Ist dies die Liebe Gottes, die die Kriterien für die Seelsorge, die kirchlichen Kriterien, die Praxis als höchste Realität ausreichend durchdringt, oder ist es Gnosis oder Pelagius, die das Schiff der Kirche im Amazonasgebiet befehligen?“
„Diese Gefahr von Schisma ist keine Einbildung! Auch nicht im Amazonien!“, schloss Azcona.

Azcona, 79, stammt aus Pamplona, Spanien. Er wurde 1987 zum Missionsbischof im Amazonasgebiet ernannt und trat 2016 von seinem Amt zurück.
(1) Dieses Interview wurde erstmals von ACI Digital, der portugiesischsprachigen Schwesteragentur von CNA, veröffentlicht. Es wurde von CNA angepasst und übersetzt.
(Quelle: CNA)

Quelle des englischen Originals vom 26.08.2019 in
https://panamazonsynodwatch.info/articles/eclesiology/amazon-missionary-bishop-synod-plans-miss-the-real-problems/

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet.
In signierten Artikeln veröffentlichte Meinungen und Konzepte liegen in der alleinigen Verantwortung der Autoren.

Dienstag, 10. September 2019

Weihbischof Schneider antwortet Bischof Kräutler und dem Instrumentum Laboris der Amazonas-Synode



Weihbischof Athanasius Schneider

Diese Stellungnahme wurde erstmals
auf der österreichischen Nachrichtenseite 
Kath.net veröffentlicht am 17.7.2019


In seinem Interview mit dem ORF vom 14. Juli 2019 sagte Bischof Erwin Kräutler, es sei "beinahe ein Skandal", dass in vielen Gemeinden Amazoniens die Eucharistie kaum gefeiert wird. Diese Sprechweise an sich ist schon unklar und eindeutig tendenziös. Niemand hat ein Recht auf die Eucharistie. Das Sakrament der Eucharistie ist die Gabe Gottes schlechthin. Von einem Skandal in den katholischen Gemeinden kann man sprechen, wenn dort der Glaube verleugnet und nicht gelebt wird, wenn dort Gott beleidigt wird durch die Verachtung Seiner Gebote, durch grobe Sünden gegen die Nächstenliebe, durch Götzendienst, Schamanismus und dergleichen. Von einem Skandal in einer katholischen Gemeinde kann man sprechen, wenn dort nicht genügend gebetet wird. Das wäre ein wahrer Skandal.
Man müsste eher von einem Skandal sprechen, wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass in den letzten Jahrzehnten in Amazonien offensichtlich keine intensive Berufungspastoral durchgeführt wurde und zwar gemäß der bewährten zweitausendjährigen Erfahrung der Kirche, nämlich durch inständige Gebete, geistige Opfer, heiligmäßiges Lebensvorbild von Missionaren. Eines der wirksamstes Mittel zur Weckung von soliden Priesterberufungen auch in Amazonien sind Missionare, die ein Leben als wahre Männer des Gebets, als wahre Apostel führen, d.h. durch ein Leben der liebe- und opfervollen Ganzhingabe an Christus und an die Rettung der unsterblichen Seelen.
Das, was Bischof Erwin Kräutler und viele seiner klerikalen Gesinnungsgenossen fordern, sind eher Priesterkarikaturen in der Gestalt von Entwicklungshelfern, NGO-Mitarbeitern, sozialistischen Gewerkschaftler und selbsternannte Umweltspezialisten. Darin aber besteht nicht die Sendung Jesu Christi, des Menschgewordenen Gottes, der gekommen ist, um Sein Leben am Kreuze hinzugeben, damit alle Menschen vom größten Übel erlöst werden, nämlich der Sünde, und damit alle Menschen das göttliche und übernatürliche Leben haben, und es in Fülle haben (vgl. Joh. 10, 10).
Der Trick mit der Dramatisierung des „eucharistischen Hungers“ oder des Mangels an Eucharistiefeiern hält nicht stand, weil der Empfang der Eucharistie an sich nicht heilsnotwendig ist, jedoch aber der Glaube, das Gebet, ein Leben nach den Geboten Gottes.
Wenn Katholiken lange Zeit aufgrund von Priestermangel keine hl. Kommunion empfangen können, dann soll man sie anleiten, die geistige Kommunion zu pflegen, die eine große geistige Kraft und Wirkung hat. Die Wüstenväter z.B. haben jahrelang ohne Eucharistie gelebt und sind zu einer großen Christusverbundenheit gelangt. Meine Eltern und ich selber konnten in der Sowjetunion jahrelang keine hl. Kommunion empfangen. Wir haben aber immer die geistige Kommunion gepflegt, die uns große geistige Kraft und Trost gab. Wenn dann ein Priester kam, und wir beichten, am Messopfer teilnehmen und sakramental die hl. Kommunion empfangen konnten, dann war es ein wirkliches Fest und wir haben es ganz tief und freudig erlebt, wie kostbar die Gabe des Priestertums und der Eucharistie ist.
Man sollte in Amazonien ein gut organisiertes System aufbauen mit wandernden Priestermissionaren, die an den einzelnen Orten, wenn auch nur mehrmals im Jahr, jeweils ein wahres geistiges Fest mit guten Beichten und würdig gefeierten hl. Messen halten sollten und den Katholiken Jesus im Tabernakel zur Anbetung lassen, und diese anleiten Stunden eucharistischer Anbetung zu halten und den Rosenkranz zu beten, in der Intention um gute einheimische ehelose Priester und gute christliche Familien zu erflehen. Dann wird Gott zweifellos ihnen diese Gnade schenken. Man sollte auch einen weltweiten Aufruf machen, um Priester einzuladen, nach Amazonien zu kommen, um den Menschen dort seelsorglich beizustehen. Man kann ja auch verheiratete Diakone weihen oder in Ausnahmefällen Akolythen beauftragen, die das Allerheiligste aussetzen könnten und Gebete leiten.
Einmalig bleibt in der Kirchengeschichte das Beispiel der japanischen Katholiken, die in einem Zeitraum von mehr als zweihundert Jahren den katholischen Glauben ohne Priester bewahrt haben. Heute hat Japan genügend eigene einheimische Priester, natürlich ehelose. Obwohl die heidnische Kultur Japans ein eheloses Priestertum damals ablehnte, haben die japanischen Katholiken das ehelose Priestertum für so groß gehalten, dass es ein Erkennungszeichen der Katholiken wurde. Nachdem nämlich zu ihnen wieder christliche Missionare im 19. Jahrhundert kamen, unter ihnen auch verheiratete protestantische Prediger, haben sie diese aus diesem Grund abgelehnt. Als aber dann katholischen Priester kamen und die japanischen Katholiken sie gefragt haben ob sie verheiratet sind, und diese es verneint haben, wurde sie als Priester der wahren Kirche Jesu Christi von diesen Gläubigen angenommen. Die Kirche hätte im 19. Jahrhundert z.B. dieselben Argumente vorbringen können, wie es heute die Amazonasynode tun wird, um einheimische verheiratete Priester zu weihen, weil ja auch damals viele Gemeinden in einigen Missionsgegenden nur ein paar Mal im Jahr den Besuch eines Priesters haben konnten.
Die Priesterehe wurde in der Ostkirche im 7. Jahrhundert legalisiert nicht wegen Priestermangel, es gab damals gerade in Konstantinopel einen Überschuss von Priestern, sondern wegen dem Nachgeben der menschlichen Schwäche, wegen dem Abrücken von der apostolischen Regel des geschlechtlich enthaltsamen Lebens derjenigen, die im Bischofs- und Priesteramt Jesus Christus, den Ewigen Hohepriester des Neuen Bundes nachnahmen und im Weihesakrament in der Person Christi des Hauptes handeln. Das war damals in der griechischen Kirche eine regionale Lösung einer Ortskirche, die die römischen Päpste aber nicht anerkannten. Es handelte sich dabei um ein Abrücken von und eine Untreue gegenüber der fordernden Nachfolge Christi, die die Apostel in der vollständigen geschlechtlichen Enthaltsamkeit nach ihrer Berufung bis zu ihrem Tod gelebt haben. Der Apostel Petrus hat diese Lebensweise nämlich klar bekannt und bestätigt: „Wir haben alles verlassen: auch Frau und Kinder“ (Mt. 19, 27).
Das geschlechtlich enthaltsame Priestertum haben alle Väter der Kirche im Bischofs- und Priesteramt gelebt. Auch wenn einige verheiratet waren (wie z.B. der hl. Hilarius), so haben sie erwiesenermaßen nach dem Empfang der Bischofs- bzw. Priesterweihe geschlechtlich enthaltsam gelebt und keine Kinder mehr gezeugt, weil sie die apostolische Regel der priesterlichen und bischöflichen Enthaltsamkeit kannten und respektierten.
Die römische Kirche hat diese apostolische Norm treu weitergeben und sie stets verteidigt bis in unsere Tage, mit einer Ausnahme, die sie den Ostkirchen bei den Unionsverhandlungen mit dem Apostolischen Stuhl seit dem Unionskonzil von Lyon und Florenz gewährte durch das Zugeständnis eines verheirateten Priestertum um der Einheit willen.
Die Einführung eines verheirateten Priestertums in Amazonien würde keine wahren Apostel, sondern eher eine neue Priesterkategorie mit einer Art Dynastie hervorbringen, wobei man die Tatsache berücksichtigen sollte, dass die einheimische Kultur der amazonischen Völker noch nicht zur tragenden und bewährten Reife ganzer christlicher Generationen kam, die ganz vom Geist des Evangeliums durchdrungenen wäre.
Die germanischen Völker z.B. haben nach der anfänglichen systematischen Evangelisierung durch den hl. Bonifatius auch noch einige Jahrhunderte gebraucht, bevor sie dazu fähig waren, dass aus ihnen ein zahlreicher bewährter eheloser einheimischer Klerus hervorging.
Ohne Zweifel gab es in Amazonien im 19. und in 20. Jahrhundert heroische und heiligmäßige Missionare: Bischöfe, Priester, Ordensschwestern. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich allerdings einige Missionare in Amazonien vom wahren Geist Jesu Christi, der Apostel und der heiligen Missionare abgewandt und sich dem Geist dieser Welt zugewandt. Sie predigen nicht mehr mit voller Überzeugung den einzigen Erlöser Jesus Christus und bemühen sich nicht genügend, Sein übernatürliches Leben der Gnade an die Menschen in Amazonien zu vermitteln, um sie somit zum ewigen Leben, sie in den Himmel führen, und das unter dem Einsatz des eigenen Lebens. Es geschah oft das Gegenteil. Unter Missbrauch des Namens Jesu, unter Missbrauch des heiligen Bischofs- und Priesteramtes haben Missionare und sogar Bischöfe den Menschen in Amazonien vorwiegend ein Evangelium des irdischen Lebens, ein Evangelium des Bauches und nicht ein Evangelium des Kreuzes, ein Evangelium der Anbetung der Natur, des Waldes, des Wassers, des Sonne, ein Evangelium der Anbetung dieses so kurzen irdischen materiellen Lebens gepredigt, wobei die Menschen auch dort im Grunde nach den Quellen des göttlichen ewigen Lebens dürsten. So eine Missionierung Amazoniens bedeutet einen Verrat des wahren Evangeliums und dieser Verrat wurde in den vergangenen Jahrzehnten in weiten Teilen jener Region betrieben. Man möchte jetzt den Verrat der wahren übernatürlichen Evangelisierung im Geist der Jesu und der Apostel noch durch eine Bischofssynode auf Weltebene legitimieren.
Amazonien braucht dringend wahre heilige Missionare nach dem Geist und dem Lebensbeispiel der großen Missionare der Kirchengeschichte, wie der hl. Bonifatius, der großen lateinamerikanischen Missionsheiligen, wie z.B. des hl. Turibio de Mogrovejo, des hl. José Anchieta und vieler anderer mehr.
Bischof Kräutler begründet in seinem Interview die Priesterweihe von Frauen zu Feier der Eucharistie mit deren „Einfühlungsvermögen“. Hier handelt es sich offenkundig um ein anderes Verständnis von Kirche und Eucharistie, ein anderes Verständnis von Priestertum und Diakonatsamt.
„Einfühlungsvermögen“ ist kein tragendes theologisches Kriterium, sondern der Wille Gottes. Die Kirche Gottes ist nicht ein Konzern, eine Partei, ein Club, eine menschliche Einrichtung, wo an erster Stelle menschliche Effizienz und Einfühlungsvermögen stehen, wenn auch solche Eigenschaften durchaus nützlich sind. Die Kriterien für das Amt der Apostel und deren Nachfolger im Bischofsamt und untergeordnet im Priesteramt und dann auch im Diakonatsamt müssen dieselben sein, die Christus uns vorgab und die dir Kirche immer bewahrt hat: es sind zunächst Männer, und dann müssen sie eine sittliche und charakterliche Eignung haben. Sie müssen Männer des Glaubens sein, voll des Hl. Geistes, bereit in Ehelosigkeit zu leben, Männer, die das Gebet und die Verkündigung der Lehre Christi an die erste Stelle setzen, Männer, die bereit sind wahre Hirten zu sein, und ihr Leben hinzugeben für die Rettung der unsterblichen Seelen, der ihnen anvertrauten Menschen. Männer die wahre Väter aller Gläubigen sind, und nicht einer begrenzten persönlichen Familiendynastie. Männer, die wahre Bräutigame der Braut Christi, der Kirche sind und deshalb als solche Väter und Bräutigame ehelos sind.
Der hl. Irenäus bezeugt die Einheit des Glaubens und der Disziplin der Kirche schon im 2. Jahrhundert bei allen Völkern, auch wenn die bekehrten Katholiken damals aus so unterschiedlichen und teils gegensätzlichen Kulturen kamen: „Die Kirche bewahrt, obwohl sie über die ganze Welt zerstreut ist, sorgfältig den Glauben der Apostel, als ob sie in einem einzigen Haus wohnte; auf dieselbe Weise glaubt sie an diese Wahrheiten, als ob sie nur eine Seele und dasselbe Herz hätte; in voller Übereinstimmung verkündigt, lehrt und überliefert sie diese Wahrheiten, als ob sie nur einen Mund hätte. Es gibt verschiedene Sprachen auf der Welt, aber die Kraft der Überlieferung ist einzig und dieselbe: Die in Germanien gegründeten Kirchen glauben und überliefern nicht anders als die in Spanien oder bei den Kelten, die im Orient oder in Ägypten, die in Libyen oder in der Mitte der Welt“ (Adversus haereses 1,10,1-2).
Viele der ersten neu bekehrten katholischen Gemeinden in den germanischen Völkern in der Zeit der Völkerwanderung (4. – 6. Jahrhundert) hatten vielleicht auch nur ein paar Mal im Jahr die Möglichkeit an der hl. Messe teilzunehmen und die hl. Kommunion zu empfangen. Nach einigen Generationen aber, sind aus diesen germanischen Gemeinden Generationen von ehelosen und im allgemeinen vorbildlichen Priestern hervorgegangen.
Die Verfechter eines verheirateten amazonischen Klerus unter Verwendung des Tricks der elegant formulierten Losung „bewährten Männer“ („viri probati“) halten die amazonischen Völker im Grunde für minderwertig, indem sie ihnen von vornherein die Fähigkeit absprechen, der Kirche aus ihrer Mitte ehelos lebende Priester zu schenken. Im Laufe von zweitausend Jahren waren alle Völker und selbst Barbaren dazu fähig, mit Hilfe der Gnade Christi ihre eigenen Söhne zu einem ehelosen Priestertum nach dem Vorbild Jesu Christi zu erziehen. Die Forderungen nach verheirateten Priester für die amazonischen Völker, die ausgerechnet Kleriker europäischer Abstammung vorbringen, verbirgt in sich einen verkappten Rassismus. Zugespitzt formuliert könnte es so klingen: „Wir Europäer, d.h. wir Weiße, sind zu einem ehelosen Priestertum schon fähig. Für Euch Amazonier ist das aber eine Nummer zu groß!“.
Es geht den Verfechtern eines verheirateten amazonischen Klerus, die eigentlich fast alle europäischer und nicht indigener Abstammung sind, letztlich nicht um das wahre geistige Wohl der amazonischen Gläubigen, sondern um das Durchsetzen ihrer eigenen ideologischen Agenda, die darin besteht, einen verheirateten Klerus auch in Europa und dann in der ganzen lateinischen Kirche zu haben. Denn alle wissen es, dass es nach der Einführung eines zunächst regional begrenzten verheirateten Klerus im Amazonien, durch den Dominoeffekt innerhalb einer relativ kurzen Zeit einen regulären verheirateten Klerus des römischen Ritus auch in anderen Teilen der Welt geben wird. Dadurch wird das apostolische Erbgut eines ehelos lebenden Priestertums nach dem ausdrücklichen Lebensvorbild Jesu Christi und Seiner Apostel in der ganzen Kirche vernichtet.
Einige Katholiken, die sicherlich nicht die Mehrheit der warten Gläubigen repräsentieren, sondern Funktionäre einer reichen kirchlichen Bürokratie sind und klerikale Machtpositionen in der Kirche errungen haben, wollen weltlich lebende Menschen mit einem verheirateten Priestertum anlocken, mit einem Priestertum ohne Opfer, ohne Selbsthingabe, ohne übernatürliche brennende Gottesliebe.
Was die Kirche tun sollte, damit die Gläubigen Priester haben, hat der Herr selber gesagt: „Bittet den Herrn der Ernte, dass Er Arbeiter in Seine Ernte sende“ (Mt. 9, 38). Es gibt kein besseres und wirkungsvolleres Mittel als dies. Wenn es eines gäbe, hätte es uns der Herr gesagt.
Um verheiratete Kandidaten zur Priesterweihe zu haben, dazu braucht es keiner besonderen Gebetseinsätze. Es wird immer bis ans Ende der Zeit wenige Arbeiter im Weinberg des Herrn geben. In einer Zeit, in der es viele Priester gab, sprach der heilige Papst Gregor der Große diese bedenkenswerte Worte: „Siehe, die Welt ist voll von Priestern, aber doch findet man in der Ernte des Herrn selten Arbeiter“ (In Ev. hom., 34). Gott bewirkt Sein Werk der Gnade und der Rettung der Seelen für das ewige Leben immer durch Opfer und oft durch wenige und nicht durch eine große Menge. In diesem Sinne sagte der hl. Gregor von Nazianz, dass Gott keinen Gefallen an Zahlen habe (vgl. Or. 42, 7).
Bischof Erwin Kräutler fragt dann im Interview: „Was können wir als Kirche tun, damit diese Leute Eucharistie feiern können?“ Das Gemeindeleben funktioniere wunderschön, „aber es fehlt am Zentrum“. Die Antwort darauf ist diese: Das Zentrum ist Christus, die Wahrheit, die Er lehrte, das Beispiel, das Er gab. Der Tabernakel ist das wahre Zentrum der Kirche hier auf Erde und einer jeden Ortsgemeinde. Hat eine katholische Gemeinde in Amazonien den Tabernakel, und das haben ja fast alle, dann hat sie das Zentrum, dann fehlt ihr letztlich nichts, weil sie Gott selber in ihrer Mitte hat, Gott mit Fleisch und Blut gegenwärtig in ihrer Mitte!
Damit die Katholiken in Amazonien eigene und nach Möglichkeit zahlreiche Priester haben, muss man sie um die Tabernakel versammeln. Dort sollen die katholischen Mütter und Kinder innige Gebete an Gott, den den Spender aller Gaben, richten um gute, ehelose und apostolisch gesinnte einheimische Priester. Man soll eine Kette von eucharistischen Anbetungen in ganz Amazionien starten. Solch eine eucharistische Anbetungskette der einfachen Gläubigen mit ihren Bischöfen und mit wenn auch wenigen Priestern, wird zweifellos in der von Gott bestimmten Zeit den Völkern Amazoniens Priester nach dem Herzen Jesu schenken. Die amazonischen Völker soll man nicht für eigene dekadente, in Europa fabrizierte, Ideologien und theologische Häresien ausnutzen.
Weite Teile des Arbeitsdokuments (Instrumentum laboris) der Amazonassynode und die Forderungen jener Kleriker schmücken mit Losungen wie „bewährte Männer“, „eucharistischer Hunger“, „weibliches Einfühlungsvermögen“ das Bild Christi des Königs, gleichsam wie mit kostbaren Steinen, um so leichter Priesterehe und Frauenordination durchzusetzen. Die wahren Katholiken Amazoniens und anderer Teiler der Welt werden aber darin das Bild des Fuchses erkennen und es nicht für das Bild Jesu Christi des Königs halten. Weite Teile des Instrumentum laboris und die revolutionären Forderungen Bischof Erwin Kräutlers und seiner klerikalen Gesinnungsgenossen stellen in der Tat eine Geisteshaltung dar, die sehr an die Gnosis und den Naturalismus erinnert, die schon früh in die Kirche eindringen wollte, wie es der hl. Irenäus von Lyon aus dem 2. Jahrhundert bezeugt: „Das sind nun ihre Lehrmeinungen, die weder die Propheten verkündeten, noch der Herr lehrte, noch die Apostel überlieferten, die sie besser zu verstehen sich rühmen als alle anderen, die niemals gelehrt, nirgends in der Schrift enthalten sind, und die sie doch vorlesen. Indem sie, wie man so sagt, aus Sand Seile flechten, suchen sie ihren Lehren die Parabeln des Herrn, die Aussprüche der Propheten oder die Worte der Apostel anzupassen, damit ihr Hirngespinst nicht ohne Zeugnisse bleibe. Aber die Ordnung und den Zusammenhang der Schriften übertreten sie und lösen nach Kräften die Glieder der Wahrheit auf. Sie versetzen und stellen um, verändern völlig den Sinn und täuschen viele durch ihre trügerische Zusammenstellung der Reden des Herrn. Gleichwie wenn jemand an dem von einem weisen Künstler aus bunten Steinen schön zusammengestellten Bilde eines Königs die zugrunde liegende menschliche Gestalt auflösen, die Steine versetzen und umändern, die Gestalt eines Hundes oder Fuchses machen und dazu noch schlecht ausführen wollte und behaupten, das sei jenes schöne Bild des Königs, das der weise Künstler fertigte, um so durch sein Steingebilde die Unerfahrenen in Irrtum zu führen, die keine Ahnung von der wirklichen Gestalt eines Königs haben, und ihnen einzureden, die stinkende Figur des Fuchses sei das schöne Bild des Königs — auf genau dieselbe Weise flicken auch diese Märchen zusammen, reißen dann Reden, Worte und Parabeln aus ihrem Zusammenhang und wollen diese Worte des Herrn ihren Fabeln anpassen“ (Adversus haereses 1, 8, 1).
Es ist offenkundig, dass der Inhalt weiter Teile des Instrumentum laboris, die Forderungen Bischof Erwin Kräutlers und seiner klerikalen Gesinnungsgenossen eigentlich eine neue christliche Konfession wollen, die dann vielleicht „Amazonisch-katholische Kirche“ heißen wird, die aber letztlich eine Sekte wird im Vergleich zu der wahren einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche. Diese ging und geht sicher durch alle Zeiten, immer dieselbe bleibend in der unbedingten Treue zur Reinheit des Glaubens und des großen unabänderlichen Erbgutes der Apostel in der Liturgie und der Disziplin der Kirche. Die Katholiken unserer Zeit werden solch einer „Amazonisch-katholischen“ Sekte, die Naturanbetung pflegen und Frauenpriestertum haben wird, die Worte zurufen, die der hl. Augustinus einst den donatistischen Sektanten sagte: „Die Kirche die auf der ganzen Welt ist, ist in ihren Urteilen der Wahrheit sicher!“ (securus iudicat orbis terrarum: Contra epistolam Parmeniani 3, 3).
Der Nachfolger Petri, der Papst, hat eine ihm von Gott streng aufgetragene Pflicht als Inhaber der Kathedra der Wahrheit (cathedra veritatis), die Wahrheit des katholischen Glaubens, der göttlichen Verfassung der Kirche, der von Christus gestifteten Ordnung der Sakramente und des apostolischen Erbgutes priesterlicher Ehelosigkeit in ihrer Reinheit und Unversehrtheit zu bewahren und an seinen Nachfolger und die nächste Generation weiterzugeben. Er darf die offenkundig gnostisch und naturalistisch geprägten Inhalte einiger Teile des Instrumentum laboris sowie die Abschaffung der apostolischen Pflicht der priesterlichen Ehelosigkeit (die zunächst regional ist und dann naturgemäß schrittweise universal wird) durch sein Schweigen oder durch ein zweideutiges Verhalten nicht im geringsten unterstützen. Selbst wenn der Papst das in der kommen Amazonassynode tun würde, dann würde er seine Pflicht als Nachfolger Petri und Stellvertreter Christi schwer verletzen und kurzzeitig eine geistige Sonnenfinsternis in der Kirche verursachen. Aber diese kurze Eklipse wird Christus, die unbesiegbare Sonne der Wahrheit, wieder erhellen, in dem Er Seiner Kirche erneut heilige, mutige und treue Päpste schenken wird, denn die Pforten der Hölle können den Felsen Petri nicht überwältigen (vgl. Mt. 16, 18) und das Gebet Christi für Petrus und seine Nachfolger ist unfehlbar, dass sie nämlich nach ihrer Bekehrung, die Brüder im Glauben wieder stärken werden (vgl. Lk. 22, 32).
Die Wahrheit, die der hl. Irenäus formuliert hat, bleibt auch in der Zeit einer zeitweiligen geistigen Sonnenfinsternis in der Kirche – wie es die unsere Zeit durch die unbegreifliche Zulassung Gottes ist – bestehen: „Denn in der römischen Kirche ist immer die apostolische Tradition bewahrt seitens der Gläubigen, die überall sind“ (Adversus haereses 3, 3, 2).
+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Heiligen Maria in Astana


Quelle des italienischen Originals vom 19.7.2019 in
https://panamazonsynodwatch.info/it/2019/07/19/mons-schneider-risponde-alle-richieste-del-vescovo-krautler-e-dellinstrumentum-laboris-sul-sinodo-sullamazzonia/
erstmals in in Kath.net, 17-07-19

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Montag, 9. September 2019

Warnung vor der Pan-Amazonas-Synode



NEIN zur Internationalisierung Amazoniens!

In Anbetracht der schwerwiegenden Folgen, die die angekündigte Amazonas-Synode für die Kirche und Brasilien mit sich bringen kann, bietet die brasilianische Monatszeitschrift CATOLICISMO seinen Lesern eine Ausgabe an, die ausschließlich die Themen behandelt, die auf dieser Versammlung angesprochen werden, die im nächsten Oktober im Vatikan stattfinden wird.
Das Thema der Synode schließt auch eine Art Öko-Tribalismus ein sowie drastische Reformen in der traditionellen kirchlichen Disziplin.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass linke Bewegungen falsche und phantasievolle Nachrichten über die Situation der Indianer im Amazonasgebiet verbreiten. Deshalb bat das Magazin zwei Mitarbeiter, Paulo Henrique Chaves und Nelson Ramos Barretto, diese riesige Region zu bereisen, um einen Bericht über die Lebenslage der Urwaldbewohner zu schreiben.
Die zahlreichen Zeugnisse, die die beiden effizienten Journalisten erhalten haben, sprechen für sich und überzeugen uns von der tatsächlichen Situation und den wahren Sehnsüchten der Indianer, die oft von den linken Medien, der „katholischen Linken“ und bestimmten NGOs, die Brasilien und den Brasilianern das Schlimmste zu wünschen scheinen, verzerrt werden.
Die Leser werden ihr Wissen über diesen Teil Brasiliens durch Interviews mit indigenen Völkern und ihren Führern bereichern, in denen wenig bekannte schwierige Situationen besprochen werden. Zum Beispiel die Lage der Parecis-Indianer, die keine Stagnation ihrer wilden Bräuche, sondern Fortschritte machen wollen, ganz im Gegensatz zu dem, was die „Befreiungstheologie“ ihnen aufsetzen will.
Die sogenannten progressiven Neo-Missionare predigen eine neue indigene Theologie, verteidigen primitivistische ökologische Lehren und wenden sich gegen die geistige und materielle Entwicklung der Indianer. Tatsächlich praktizieren sie nicht die „bevorzugte Option für die Armen“, sondern eine „bevorzugte Option für die Armut“. Sie unternehmen nichts, um die Indianer aus dem Elend zu befreien, sondern, um sie in einem prähistorischen kommunalen Stammesstaat „einzugipsen“.
In letzter Zeit verbreiteten die Medien auch die wahnwitzige Idee einer Invasion Brasiliens mit dem Ziel, den Amazonas zu besetzen, um ihn zu „retten“ — ein Delirium von amazonischem Ausmaß. Angesichts dieser Ziele sagt die große Mehrheit der Brasilianer NEIN zur Internationalisierung des Amazonasgebiets!
Unter den verschiedenen Themen der Septemberausgabe der Zeitschrift Catolicismo wird der Leser besonders auf die Kommentare von Dr. Adolpho Lindenberg hingewiesen [S. 24], Präsident des Instituts Plinio Corrêa de Oliveira, unter Hinweis zum einen auf eine besondere Vorliebe der Heiligen Jungfrau für die Indianer, die sich in verschiedenen Erscheinungen manifestierte, um sie vom Heidentum zu befreien und zum katholischen Glauben zu führen; und zum anderen die Existenz eines Projekts in der Agenda der ökologischen Bewegung für eine neue pantheistische Religion und eine neue Kulturrevolution.
Unter dem Deckmantel, Gott mit der Natur zu identifizieren, geben radikale Umweltschützer mit ihrer marxistischen Auffassung vor, die wunderbaren göttlichen Pläne für die Schöpfung zu ignorieren.

Quelle des portugiesischen Originals vom 4.9.2019 in
http://www.abim.inf.br/alerta-contra-o-sinodo-pan-amazonico/#.XW9t2ChKjn0

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Mittwoch, 4. September 2019

„Politisch korrekte“ Ökologie: Eine gottlose und unmenschliche Ideologie



Guido Vignelli

Von „politisch korrekt“ zu „ökologisch korrekt“

Prof. Eugenio Capozzi
Eine neue Form der ideologischen Diktatur dominiert die zeitgenössische Kultur. Alles muss heute angepasst und geopfert werden, um „politisch korrekt“ zu sein. Dies wird in einem kürzlich erschienenen Buch mit dem Titel „Politisch korrekt: Die Geschichte einer Ideologie“ (Politicamente corretto: Storia di un'ideologia, Editrice Marsilio, Venedig 2018) ausführlich beschrieben von Prof. Eugenio Capozzi, Professor für Zeitgeschichte am renommierten Sr. Ursula Benincasa Institute der Universität in Neapel.
Der Autor definiert „politisch korrekt“ ironisch als „die Huldigung der Lüge an die Wahrheit“ (aaO, S. 9). Es ermöglicht seinen Anhängern, heuchlerische Positionen zu vertreten. Sie können vortäuschen, nonkonformistisch zu sein, während sie strengen Konformismus auferlegen. Sie können behaupten, eine Alternative zu Ideologien zu sein, während sie selbst lediglich eine recycelte Ideologie verbreiten. Leider loben sie sich selbst als die „neuen integrativen Humanisten“ und berauben echten Menschen ihrer wesentlichen Würde. Während sie behaupten, Moralisten zu sein, lehnen sie jede objektive Moral ab. In der Tat sind sie „die extreme Verkörperung des Progressivismus, begründet auf einem radikalen ethischen Relativismus und einer ebenso radikalen Vorstellung von der Selbstbestimmung eines Subjekts“. (aaO, S. 13)
„Politische Korrektheit“ ist eine Ad-hoc-Anwendung dessen, was als „ideologisch korrekt“ bezeichnet wird. Dies ist das Programm der postmodernen Ideologie. Dieser Ausdruck ist eine farbenfrohe Galaxie, die mit einer ökologischen Version und Strömung ausgestattet ist, um festzustellen, was „ökologisch korrekt“ ist oder nicht, die Natur und das Ökosystem oder die Biosphäre respektiert. Professor Capozzi widmet diesem Zweig das vierte Kapitel seines Buches.
Dieses Kapitel wurde vor dem vom Generalsekretariat der Bischofssynode vorgeschlagenen Vorbereitungsdokument für die Amazonas-Synode verfasst und befasst sich daher nicht mit allen Fragen. Dieses vorbereitende Dokument fügt sich jedoch perfekt in den allgemeinen Rahmen des Kapitels ein, da es eine spezifisch kirchliche Version und eine konkrete Anwendung dessen ist, was „ökologisch korrekt“ ist. Das Vorbereitungsdokument zur Synode passt die Umweltprogramme nicht an die Bedürfnisse des Gemeinwohls, der ethischen Ordnung und vor allem nicht der Errettung der Seelen an. Stattdessen passt es das kirchliche Denken und die Seelsorge an die Ansprüche einer neuen ökologischen Sekte an.
Es scheint sinnvoll, einige Punkte aus Prof. Capozzis gut dokumentierter eingehender Analyse hervorzuheben.
Die drei Ebenen des Umweltschutzes
Die Ökologie kann wie viele andere Fächer in mehrere Ebenen unterteilt werden, von denen jede als Brücke fungiert, um ihre Anhänger auf die nächsthöhere Ebene zu führen. Der Einfachheit halber werde ich hier drei Ebenen unterscheiden.
Die erste Einstiegsebene der Ökologie ist nicht rein ideologisch, da sie aus einem einfachen Bekenntnis zum Erhalt der als Schöpfung verstandenen Natur, einer geordneten und hierarchischen Koexistenz und Zusammenarbeit zwischen der Mineral-, Pflanzen- und Tierwelt besteht. Der Mensch ist der Gipfel der Schöpfung. Als der Höhepunkt, als Endziel und Herr des Kosmos erhielt der Mensch vom Schöpfer die Aufgabe, die Schöpfung zu bewahren und zu regieren, nicht nur zur bewirtschaften, sondern auch sie vor seinen eigenen unordentlichen Wünschen wiederherzustellen und zu schützen. Die katholische Kirche hat diese Ökologie immer gebilligt, weil sie die Hierarchie der von Gott geschaffenen Wesen respektiert und daher den Kosmos der Herrschaft des Menschen unterwirft. Heute muss diese Ökologie ermutigt werden, dem säkularisierenden Humanismus entgegenzuwirken, der die Natur auf ein bloßes Feld reduziert, um menschliche Fähigkeiten auszuüben.
Die zweite Ebene der Ökologie ist gekennzeichnet durch das, was wir - theologisch ausgedrückt - Ökodulie oder „Verehrung der Natur“ nennen können. Hier erheben die sog. Umweltschützer die Natur von einem Instrument zu einem Wert an sich für einen autonomen Zweck. Die Sentimentalität treibt sie dazu, Tierarten (warum nicht auch pflanzliche und mineralische) zu anthropomorphisieren (vermenschlichen), indem sie sie egalitär betrachtet, als ob sie eine Würde hätten, die der Menschenwürde gleicht. Diese exzessive und pathologische Zugehörigkeitsidee an die natürliche Schönheit führt zu einer Verpflichtung gegenüber der Umwelt, durch die, Menschen, Lebewesen den Menschen vorziehen.
Unter den zahlreichen und schwerwiegenden praktischen Konsequenzen haben wir zum Beispiel Vegetarismus, eine Weigerung, Tiere zu essen, und Vegetalismus, eine Weigerung, sogar Gemüse zu essen (warum sollten wir nicht auch Mineralprodukte ablehnen?). Die katholische Kirche hat diese Abweichungen immer als lächerlich und unwürdig der überlegenen Würde des Menschen gegenüber anderen Kreaturen zurückgewiesen. Darüber hinaus wird er durch die Erhebung der Tiere auf das Niveau des Menschen auf das Niveau der Tiere gesenkt, wie zum Beispiel durch die Befürwortung von Abtreibung und Sterbehilfe zu erkennen ist.
Die nächste Stufe, die immer noch einen theologischen Begriff verwendet, könnte Ökolatrie oder „Anbetung der Natur“ heißen. Auf dieser Stufe betrachtet ein Ökologe den Kosmos (manchmal auch Gaea oder Gaia genannt) als eine lebendige Einheit - einzigartig, unendlich, ewig, allmächtig, allwissend, kurz gesagt, göttlich. Er meint, wir müssen dieses Wesen bevorzugen, uns ihm unterwerfen und ihm alles opfern, einschließlich das menschliche Leben, weil das Hervortreten der Menschheit aus dem Kosmos als die „Erbsünde“ der Natur betrachtet wird (es ist nicht klar, ob die Natur sie begangen oder erlitten hat).
Der Mensch wird daher als Unterdrücker des Kosmos und als „Krebsgeschwür der Erde“ verurteilt. Daher muss die ultimative egalitäre Revolution die letzte Ungleichheit, die den Menschen von Tieren, Pflanzen und Mineralien trennt, sowie den „menschlichen Imperialismus“ aufheben, weil sie die Verschmelzung aller Wesen in dem Einen (hen kai pan) verhindert, die vom alten heidnischen Okkultismus gewünscht wird. Das Umweltmotto könnte lauten: „Fiat aequalitas, pereat homo!“ (Es werde alles gleich, der Mensch sterbe).
Dieser extreme Ökologismus will den Menschen nicht den Vorrang vor der Schöpfung nehmen oder die Menschheit auf eine der vielen Arten reduzieren, die in der Natur vorkommen. Es versucht stattdessen, die Menschheit im kosmischen Kessel der Göttin Gaea (oder Gaia) aufzulösen und den Menschen als Gipfel der Schöpfung zu eliminieren.
Die Befürworter dieser Ökologie versuchen unter anderem, die Zahl der Menschen auf der Erde so gering wie möglich zu reduzieren und zu halten. Sie werden zum Beispiel versuchen, alle als nutzlos oder schädlich für die Natur angesehenen zu beseitigen, da sie nicht in sie integriert werden können. Sie könnten in Tierfutter, Kompost oder Recyclingmaterial für die nächste Phase der kosmischen Evolution umgewandelt werden. Diese Umweltschützer befürworten dieses nihilistische Projekt, indem sie Verhütungsmittel, Abtreibung und Sterbehilfe durch bekannte internationale Organisationen aktiv fördern.
Eine neue weltliche Religion
Diese abscheulichen und gefährlichen Absurditäten sind nicht die Phantasien einiger Geisteskranker. Sie werden seit Jahrhunderten von angesehenen Intellektuellen, Bioethikern, Soziologen und Politikern proklamiert, vom Marquis de Sade bis zu Pier Paolo Pasolini, Michel Foucault und Peter Singer. Sie finden sich in pseudowissenschaftlichen Bewegungen wie den Befürwortern der „Komplexitätstheorie“ oder in umweltschonenden Bewegungen wie Deep Ecology und der Gaia-Bewegung oder in Tierschutzaktivisten wie Greenpeace. Diese Bewegungen unterstützen diese Thesen sehr und hoffen auf ihre praktische Umsetzung. Sogar als moderat gehaltene Bewegungen sympathisieren mit diesen Ideen. Dies zeigt sich im World Wildlife Fund (WWF), in Greenpeace, im Club of Rome und sogar in mächtigen internationalen Institutionen wie der Weltgesundheitsorganisation, den Vereinten Nationen, der UNESCO und der Europäischen Union.
Mit Unterstützung der Massenmedien und einiger kultureller und politischer Kreise versuchen radikale Ökologen nun, das tägliche Leben nicht nur der Nationen, sondern auch der Familien und Einzelpersonen zu regulieren, indem sie Aktivitäten verbieten, Geldstrafen erpressen, Strafen verhängen und Widerstand leisten. Heutzutage wird das Schlagen eines Hundes als viel ernster angesehen als das Töten eines ungeborenen Kindes durch Abtreibung. Morgen wird der Verzehr eines Lammes zu Ostern ein weitaus schwerwiegenderes Verbrechen als der Kannibalismus sein, das jetzt von Anthropologen und Theologen neu bewertet wird, die die Praxis der heidnischen Stämme im Amazonasgebiet loben. Übermorgen wird das Pflücken einer Kartoffel ein weitaus schwerwiegenderes Verbrechen sein als das Entfernen des Herzens einer behinderten Person, um es in den lebenswichtigen Kreislauf der Natur zu recyceln.
Die ökologische Ideologie beabsichtigt, vom Anthropozentrismus zum Ökozentrismus überzugehen. Zum Beispiel wird das Gemeinwohl der Menschheit durch das „Gemeinwohl des Ökosystems“ ersetzt. Damit wird die alte UN-Erklärung der „Menschenrechte“ durch eine neue globalistische Erklärung der „Rechte der Erde“ abgelöst. In dieser Perspektive, werden die alten „sozialen Rechte“, die Menschen und schwächere Klassen schützten, durch neue „ökologische Rechte“ ersetzt, die Arbeit durch Faulheit, Produktion durch „glückliches Wachstum“, Fortschritt durch Regression, Wohlstand durch Knappheit, Freiheit von Not durch Sklaverei der Notwendigkeit ersetzt.
Prof. Capozzi sieht es so: „Alle Formen des radikalen Umweltschutzes stimmen darin überein, dass die einzige Möglichkeit, den Umweltschutz zu gewährleisten, darin besteht, das Band der Geschichte zurückzuspulen, die Entwicklung zu stoppen, zu einem früheren Stadium der Zivilisation zurückzukehren, nicht aus Nostalgie für eine Ära oder eine Form des Traditionalismus, aber im Gegenteil, aus dem Bestreben heraus, Unterdrückung und Gewalt auszurotten, um die Unschuld und Reinheit des Garten Eden wiederherzustellen, selbst auf Kosten des Auslöschens des Homo Sapiens. Im Namen eines kathartischen Strebens nach einem nachhaltigen Leben, im Namen der Erlösung von der Sünde der existierenden, konsumierenden, ausbeutenden Erde, übersetzt die Umweltkirche… die Säkularisierung der Sinnesschuld und des Bewusstseins der Erbsünde, typisch für alle Lehren, in eine möglichst verständliche Form“ (aaO., S. 160, 166).
Der Ökologismus ist daher eine Übersetzung der antichristlichen Gnosis in Formen der typisch modernen Irreligiösität. Er wird jedoch den Menschen mit dem verführerischen Erscheinungsbild einer „neuen säkularen Religion“ präsentiert (aaO, S. 155). Er handelt durch Prediger, Propheten, Heilige, Märtyrer (und insbesondere Inquisitoren), die Riten feiern, Dogmen verkünden, Moralkodizes auferlegen, Gesetze verabschieden und internationale Abkommen und Protokolle zum Nachteil des Gemeinwohls der Völker und der Menschheit einführen.
Diese neue Religion lebt von Fanatismus und falscher Mystik, die erforderlich sind, um Ideen und Praktiken durchzusetzen, die vom gesunden Menschenverstand nicht zu rechtfertigen wären. Mit einer Art apokalyptischem Prophetismus entfachen Ökologen irrationale Ängste, die dazu dienen, typische Notsituationen zu schaffen, die seit jeher der Vorwand der Übeltäter waren, der Gesellschaft Richtlinien, Gesetze und Pakte aufzuzwingen, die sonst rechtsstaatlich inakzeptabel wären.
Die derzeitige Verbreitung eines Projekts, das als „integrale Ökologie“ bezeichnet wurde, zeigt das Scheitern des „integralen Humanismus“, der nicht nur vom Kommunismus vorgeschlagen wurde und behauptete, den historischen Widerspruch zwischen Mensch und Natur durch „Humanisierung der Natur und Naturalisierung der Menschheit“ zu überwinden (Marx), aber auch eines pseudo-christlichen Personalismus, der behauptete, den historischen Widerspruch zwischen mittelalterlichem Theozentrismus und modernem Anthropozentrismus durch den Aufbau einer „säkularen (weltlichen) Gesellschaft“ zu überwinden.
In der Tat, wenn es wahr ist, dass die „Geschichte der Friedhof der Ideologien ist“, wird es bald auch den Leichnam dieser umweltbewussten Ideologie begrüßen. Dann wird die Ökologie wieder zu dem, was sie per definitionem sein muss: die Bedingungen der Umwelt zu erforschen, die der Mensch als „Zuhause“ (oikos) versteht.

Quelle des englischen Originals vom 6.7.2019 in
https://www.tfp.org/politically-correct-ecology-an-impious-and-inhumane-ideology/

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Montag, 26. August 2019

Ein Hauch frischer Luft



Rafael Miranda
Im vergangenen März fand in Manaus, der Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas, ein Seminar mit dem Titel „Die Amazonassynode: Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung“ statt, wie wir in einem vorherigen Artikel berichteten.


Anwesend war der Staatssekretär für Umwelt des Bundesstaates Amazonas, Eduardo Taveira, der eine Diskussionsrunde mit zwei Umweltwissenschaftlern moderierte. Als der mutige Sekretär die bekannten Öko-Schlagworte gehört hatte, die sogar Infrastrukturwerke wie Staudämme und Autobahnen kritisierten, sagte er direkt:
„…Mir scheint aus der ‚Wissenschaft‘ verstanden zu haben, dass wir uns mit der Unterentwicklung unseres Gebiets abfinden müssen. Es klingt ein bisschen so, als ob wir die moralische Verpflichtung haben, unterentwickelt zu sein, und das wir wegen dem Amazonas keine Möglichkeit haben, Straßen zu bauen. Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel geben. Ich war vorher noch nie in der Staatsregierung. Mit der Gesundheitskrise war es notwendig, für den Notfall Serumvorräte zu kaufen. Aufgrund logistischer Probleme, wenn wir sie mit dem Flugzeug liefern würden – sie wären in zwei Tagen vor Ort – der Preis aber wäre fast 100-mal höher als der reguläre Preis. Die Eillieferung per Schiff würde fast drei Wochen dauern. Das ist also der Notfall, den wir haben.
Können wir nicht eine innovative Einstellung haben, um zu zeigen, wie es zum Beispiel möglich ist, eine Autobahn in Amazonien zu haben? Können wir in der Perspektive der Innovation nicht voranschreiten, um im Amazonasgebiet Produktivketten zu entwickeln, die beispielsweise die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Kennzahlen im Inneren des Staates gewährleisten?


„… Es ist klar, dass wissenschaftliches Denken äußerst wichtig ist, um die Auswirkungen abzuschätzen, die sowohl bei großen Infrastrukturen als auch beim Klimawandel mit Sicherheit eintreten werden. Andererseits ist es auch nachteilig, dass die öffentliche Ordnung nichts unternimmt, und den [Bundesstaat] Amazonas und die Amazonasregion anweist, die moralische Bürde zu tragen, den Wald zu bewahren und anderen zu zeigen, wie schön er ist... Ich möchte hier keine entwicklungspolitische Sicht der Region vorbringen, ohne die Aussage von Drs. Phil und Adalberto zu berücksichtigen. Wie können wir uns jedoch in eine Richtung bewegen, in der wir uns fragen können: Welches Entwicklungsmodell eignet sich für unsere Region, um die Bevölkerung und die traditionelle Bevölkerung, insbesondere aus dem Inneren des Staates, aus der Armut zu befreien? …
„… Ich habe die Aussicht verstanden, nichts zu tun. Aber für die öffentliche Ordnung ist das Nichtstun mit sehr hohen Kosten verbunden. …
„Ich meine, es ist fehlerhaft, einen Standpunkt zu sehen, ohne den anderen zu betrachten. Es ist fehlerhaft zu sagen, dass wir 97% des stehenden und erhaltenen Waldes haben, und eine der höchsten Armutsraten zu lösen haben. Ich denke, wir sollten nicht nur über den Stolz sprechen, 97% des Waldes erhalten zu haben, sondern mit Stolz sagen, dass 97% des erhaltenen Waldes Millionen von Menschen aus der Armut bringen kann. …
„Hier erkenne ich die Rolle der Wissenschaft mit ihren Warnungen an, dass schlecht geplante politische Maßnahmen die Zukunft unserer Region gefährden können. Aber wir können nicht aufhören zu handeln, sonst haben wir keine Zukunft. Wir stehen vor keiner leichten Herausforderung. Und nur einen Teil der Geschichte zu erzählen, ist genauso schlimm, als würde man die Wahrheit nicht sagen. Das Versäumnis, Lösungen aufzuzeigen, ist genauso schwerwiegend, wie Probleme nicht aufzuzeigen. Das ist unsere Herausforderung.
„Es ist äußerst wichtig, die Rolle der Wissenschaft und der Problematik anzuerkennen, aber es ist sehr besorgniserregend und mangelhaft, nicht darauf hinzuweisen, wie konkrete Probleme des Lebens der Menschen, insbesondere im Inneren des Staates Amazonas, gelöst werden können.“[1]
Jeder, der in Manaus war, weiß, wie feucht und stickig das Wetter oft sein kann und wie herrlich es ist, wenn ein Windstoß die Hitze vorübergehend mildert.
Obwohl wir nicht sagen wollen, dass wir mit allem, was der berühmte Sekretär gesagt hat, einverstanden sind, ist seine Rede zweifellos ein Hauch frischer Luft bei einer Veranstaltung (mit wenigen Teilnehmern, das ist wahr) mit radikalen Linken, katastrophalen Umweltschützern und noch schlimmer, Aktivisten der unglückseligen Befreiungstheologie.
[1] https://www.youtube.com/watch?v=C247AjIGtds


Quelle des englischen Originals vom 25.08.2019 in
https://panamazonsynodwatch.info/feature/a-breath-of-fresh-air/
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