Samstag, 24. März 2012

Der Obdachlose Paul

Paul sitzt auf den kalten Steinen der Kirchentreppen von St. Jakob. Wie so oft bettelt er um Almosen. Wenn Gottesdienst ist, öffnet er den Besuchern die Tür und lächelt sie mit seinem fast zahnlosen Mund freundlich an.

Der 55-Jährige gehört zur Schar der Obdachlosen, die ums tägliche Überleben kämpfen. Sein Körper ist ausgemergelt, nicht nur von Kälte und Hunger, sondern vor allem durch den Alkohol. Er sieht viel älter aus als er ist. Wenn er doch nur die Kraft hätte, gegen diese Sucht anzukämpfen, denkt er so oft. Und er nimmt sich fest vor, mit dem Trinken aufzuhören. Aber wenn der Abend kommt und mit ihm die Erinnerungen an seine Familie, die er bei einem tragischen Unfall verloren hatte, dann greift er zur Flasche. Der Alkohol betäubt dann die Leere in seiner Seele, wenn auch nur für kurze Zeit. Die Weinflasche ist seine treue Begleiterin und die Leberzirrhose und andere Krankheiten fressen an ihm. Die Farbe seines Gesichts lässt nichts Gutes ahnen. Für die Leute des Viertels gehört Paul irgendwie zu der Kirchentreppe, so wie eine Statue. Und so behandeln sie ihn auch. Die meisten beachten ihn kaum und die, die ihn wahrnehmen, fragen sich, wie lange er wohl noch durchhält.

Nur der Pfarrer und seine neue Gemeindereferentin kümmern sich um ihn. Vor allem Schwester Petra, die junge Steyler Missionarin, kommt jeden Tag zu ihm. Er freut sich über ihre Besuche, bei der sie ihm auch immer etwas zu Essen mitbringt. Aber selbst der Schwester ist es nicht gelungen, Paul von der Strasse zu holen. Er will nicht mal ins Pfarrhaus, um dort zu essen oder sich zu waschen.

Jeden Abend, wenn es dunkel ist und ihn keiner sieht, schlüpft Paul in die dunkle und leere Kirche. Dann setzt er sich auf die Kirchenbank in der ersten Reihe, direkt vor den Tabernakel. Dort sitzt er schweigend und bewegungslos fast eine Stunde, bevor er aufsteht, durch den Mittelgang schlurft, hin zum Hauptportal und im Dunkel der Nacht verschwindet. Wohin weiß keiner, aber am nächsten Morgen sitzt er wieder vor dem Portal der Kirche.

Und so vergehen die Tage. Schwester Petra fragte ihn einmal: „Paul, ich sehe, dass du jeden Abend in die Kirche gehst. Was macht du denn dort in dieser Stunde? Betest Du?“
„Ich bete nicht“, antwortete Paul.  „Wie sollte ich den beten können! Seit der Zeit, als ich als kleiner Junge im Religionsunterricht war, habe ich alle Gebete vergessen. Ich kann keines mehr! Was ich da mache? Das ist ganz einfach: Ich gehe zum Tabernakel, dort wo Jesus ganz allein in seinem Kästchen ist, und sage ihm: Jesus! Ich bin’s, Paul. Ich komme dich besuchen. Und dann bleibe ich noch ein bisschen, damit halt jemand da ist.“ 

Am Morgen des Heiligen Abends bleibt der Platz, an dem Paul so viele Jahre gesessen hat, leer. Schwester Petra mach sich sofort auf die Suche nach ihm. Nach einiger Zeit findet sie ihn im Krankenhaus, das in der Nähe der Kirche ist. Am Morgen hatten ihn Passanten bewusstlos unter einer Brücke gefunden und den Notarzt geholt. Jetzt liegt Paul im Krankenbett.

Als die Steyler Schwester ihn sieht, erschrickt sie. Paul ist an viele Schläuche angeschlossen, sein Atem geht flach. Und er hat die für Sterbende typische graue Gesichtsfarbe. „Sind Sie eine Angehörige?“ Die Stimme des Arztes schreckt Petra aus ihren Gedanken. „Nein, aber ich werde mich um ihn kümmern“, antwortet sie spontan. „Da gibt es nicht mehr viel zu tun. Er liegt im Sterben.“ Der Arzt schüttelt betrübt den Kopf. Schwester Petra setzt sich neben Paul, nimmt seine Hand und betet eine Zeitlang. Dann geht sie traurig zurück in die Pfarrei. Am nächsten Tag kommt sie wieder und ist schon darauf gefasst, die traurige Nachricht von seinem Tod zu bekommen... Aber nein, was ist das? Sie traut ihren Augen nicht. Paul sitzt aufrecht und frisch rasiert in seinem Bett. Mit wachen Augen und lebendigem Blick schaut er die hereinkommende Schwester freudig an. Ein Ausdruck unbeschreiblichen Glücks strahlt aus seinem leuchtenden Gesicht.

Petra kann es nicht glauben: Ist das wirklich der Mann, der noch gestern mit dem Tode rang? „Paul, das ist ja unglaublich, Du bist wirklich auferstanden. Du bist gar nicht mehr wiederzuerkennen. Was ist nur mit dir passiert? „Na ja, es war gestern Abend, kurz nachdem du gegangen bist. Da ging es mir gar nicht gut. Dann habe ich plötzlich jemand hier am Fußende meines Bettes stehen sehen. Er war schön, unbeschreiblich schön... Das kannst du dir gar nicht vorstellen! Er lächelte mich an und sagte: Paul! Ich bin’s, Jesus. Ich komme dich besuchen.“

Paul hat seit diesem Tag keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Schwester Petra hat ihm im Pfarrhaus ein kleines Zimmer gegeben und ihm eine Stelle als Gärtner besorgt. Sein Leben hat sich seit jenem Weihnachtstag komplett geändert. Paul hat neue Freunde in der Pfarrgemeinde gefunden. Wann immer er kann, hilft er Schwester Petra. Aber eines ist geblieben: Wenn es dunkel wird, dann schlüpft er in die Kirche, setzt sich vor den Tabernakel und sagt: „Jesus, ich bin’s, Paul. Ich komme dich besuchen.“

Der Autor dieses Berichtes, Jürgen Wetzel, versichert, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Eingesandt Pfarrer Engelbert Zunhammer für RU, 22.12.2010.


Donnerstag, 22. März 2012

Wert der Heiligen Messe

Wert der hl. Messe

P. Mariana schreibt in seiner spanischen Geschichte, dass in Spanien ein edler Kriegsheld war, mit Namen Paschalis Vives,  der eine besondere Andacht zur heiligen Messe trug und täglich mehrere solcher anhörte.
Als er dem Grafen von Castel diente, da belagerte ein großes Maurenheer aus Afrika, welches damals den größten Teil Spaniens erobert hatte, das gräfliche Schloss und brachte es in große Not. Der Graf, der sich auf keine Belagerung vorgesehen hatte, wollte mit seinem ganzen Volke einen Ausfall machen, um die Mauren mit Gottes Hilfe zu vertreiben. Am folgenden Morgen hörte er mit all seinen Soldaten die heilige Messe und machte dann mit großem Vertrauen einen Ausfall auf die Mauren.
Paschalis Vives aber blieb in der Kirche und hörte acht heilige Messen nacheinander. Während er eifrig für den Grafen und sein Heer betete und dieses tapfer gegen die Mauren stritt, siehe! Da sahen alle, wie Paschalis auf seinem Pferde sitzend, heftig auf die Mauren einschlug, in ihr Heer eindrang und zu beiden Seiten viele niedermachte. Er sprach den Soldaten zu, ihm unerschrocken zu folgen. Er durchbrach die feindlichen Reihen, riss ihnen die Fahnen aus den Händen und fügte ihnen gewaltigen Schaden zu. Fast vier Stunden dauerte der Kampf und nahm erst am Anfang der achten Messe, welche Paschalis hörte, ein Ende. Die Mauren waren gänzlich geschlagen.

Der Sieg wurde von allen dem tapferen Helden Paschalis zugeschrieben und vom Grafen befohlen, dass alle ihm Glück wünschten. Allein Paschalis verschwand bald aus ihren Augen, man suchte ihn mehrere Stunden auf dem Schlachtfelde, aber nirgends konnte er gefunden werden. Er blieb beinahe den ganzen Tag in der Kirche, indem er sich schämte hinauszugehen und sich fürchtete, er möchte von den Soldaten beschimpft und vom Grafen seines Dienstes entsetzt werden. Er wusste auch nicht, was sich inzwischen auf dem Felde zugetragen und auf welche Seite hin sich der Sieg geneigt habe. Der Graf befahl, Paschalis in der Kirche zu suchen, indem er glaubte, er sei nach dem errungenen Sieg dorthin geflohen, um dem allmächtigen Gott Dank zu sagen.

Als er da gefunden wurde, ward er dem Grafen und den Offizieren vorgeführt. Da dieser ihm wegen des errungenen Sieges Glück wünschte und denselben nächst Gott ihm zuschrieb, war er ganz erstaunt und wusste nicht, was er antworten sollte. Endlich durch Gott erleuchtet, bekannte er die Wahrheit und sagte, dass er der Schlacht gar nicht beigewohnt, sondern in der Kirche acht heilige Messen nacheinander gehört habe. Die Soldaten wollten ihm nicht glauben und beteuerten, dass sie ihn mit eigenen Augen gesehen, wie er kämpfte, und mit eigenen Ohren gehört, wie er sie zum Kampfe ermunterte.

Hierauf sprach Paschalis: "Wenn dem so ist, wie ihr sagt, so ist der tapfere Ritter, den ihr in meiner Gestalt gesehen habt, mein heiliger Schutzengel gewesen, denn ich bin heute nicht aus der Kirche gekommen. So preiset denn mit mir den Herrn und danket Ihm von Herzen, dass Er euch einen Engel gesandt und durch Seine Hilfe euch von den Feinden errettet hat. Lernet aber hieraus, wie angenehm Gott dem Allmächtigen das Anhören der heiligen Messe sei und welch großen Nutzen wir daraus gewinnen können; denn ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn ich diese heiligen Messen nicht gehört hätte, mein Schutzengel nicht erschienen wäre und euch diesen glorreichen Sieg nicht erkämpft hätte." Mit diesen und anderen Reden entflammte er die Soldaten mit großem Eifer für die heilige Messe.

(aus "Tiefsinnige Erklärung des hl. Messopfers" nach P. Martin von Cochem, in "Mysterium Fidei" April 2012, S. 6-7)
Vom Ertrinken gerettet

Die Geschichte ereignete sich in Belgien in dem Landesteil, der Flandern genannt wird.

Eine junge Mutter ging mit ihrem kleinen Kind an einem Kanal spazieren. Beim Spielen passt das Kind nicht auf und fällt in den Kanal. Die Mutter ist verzweifelt. Sie selbst kann nicht schwimmen und sieht ihr Kind hilflos vom Tode bedroht. Doch die Rettung naht. Ein Mann, der zufällig vorbeikommt, erkennt schnell die Situation, stürzt sich ins Wasser und rettet das Kind. Die Mutter ist zutiefst dankbar und lädt den Retter ein in ihre nahe gelegene Wohnung, um sich aufzuwärmen. Beim Abschied sagt die Mutter zu dem Mann: „Es tut mir leid, ich kann Ihnen nichts Wertvolles mitgeben, denn ich habe selbst nicht viel. Aber als Zeichen der Dankbarkeit möchte ich Ihnen diese kleine Marienfigur schenken.“ Darauf sagte der Retter des Kindes: „Wissen Sie, ich bin nicht religiös. Ich glaube nicht an Gott. Aber als Erinnerung an dieses Erlebnis nehme ich die Marienfigur gerne an.“

Jahrzehnte später ereignet sich in einem Krankenhaus in der Schweiz folgendes: Die Schwestern des Krankenhauses sprechen einen Priester an und sagen: „Wir haben einen Patienten, dem geht es nicht gut. Er wird wohl in den nächsten Tagen sterben. Von Gott und Religion will er nichts wissen. Einen Priester will er nicht sehen. Aber Sie sind doch gebürtiger Flame - so wie er. Vielleicht freut er sich ja, mit Ihnen in seiner Muttersprache flämisch sprechen zu können.“ Der Priester geht zu dem Kranken, begrüßt ihn und spricht mit ihm in der flämischen Muttersprache. Die Stimmung des Patienten hebt sich. Er wird etwas offener.
Beim Gespräch fällt dem Priester eine kleine Marienfigur auf dem Nachtkasten auf. Er spricht den Kranken darauf an: „Ich wundere mich etwas. Die Schwestern haben gesagt, Sie seien nicht religiös, und jetzt sehe ich diese Figur der Muttergottes bei Ihnen.“ „Ja, wissen Sie“, sagte der Kranke, „das war vor vielen Jahren in Flandern. Da habe ich ein ertrinkendes Kind gerettet. Aus Dankbarkeit hat mir die Mutter die Figur geschenkt.“ Der Priester antwortet: „Ja, ich weiß.“ Es geschah in diesem Jahr und an diesem Ort. Der Patient ist verblüfft: „Woher wissen Sie das so genau?“ Der Priester schaut ihn an und sagt: „Das Kind, das Sie damals gerettet haben, bin ich. Meine Mutter hat mir alles erzählt.“

Jetzt geschieht das Gnadenwunder der Bekehrung. Der Patient beginnt zu weinen. Er ist bereit. zu beichten. Er empfängt die Sakramente und stirbt wenige Tage später versöhnt mit Gott.

(Aufzeichnung eines Exerzitienvortrages von Hochw. Bernhard Peyrous, Priester der Gemeinschaft Emmanuel und Historiker, in „Betendes Gottesvolk“ 2012/1 Nr 249 S. 5)