Freitag, 30. Mai 2014

Das Versagen des hl. Petrus

„Herr rette mich!“


Die Jünger des Herrn sind auf dem See bei Nacht. Es ist dunkel. Plötzlich sehen sie Ihn auf dem Wasser gehen und entsetzen sich vor Furcht, denn sie meinen, es sei ein Gespenst.
„Seid getrost; ich bin es! Fürchtet euch nicht!“ Petrus spricht zu Ihm: „Herr, wenn du es bist, so lass mich hinkommen zu dir über das Wasser“. Und Jesus sagt nur dieses Wort: „Komm!“. Und voll Begeisterung geht Petrus dem Herrn entgegen. Aber der Wind ist stark, er fürchtet sich, beginnt in den Fluten zu versinken und ruft voll der Angst aus: „Herr, rette mich!“
Jesus streckt seine Hand aus und sagt: „Du Kleingläubiger, warum zweifelst du?“ Und die Jünger im Schiff fallen vor ihm nieder und rufen aus: „Wahrlich, du bist Gottes Sohn!“ (Mth 14, 22-33)
Jesus, wahrer Mensch und wahrer Gott, kann uns jederzeit retten. Wir brauchen uns nur an Ihn zu wenden.

Glasfenster aus der Kirche St. Michael in Brüssel

Donnerstag, 29. Mai 2014

Hl. Maria Magdalena

„Sie hat viel geliebt“

Jesus sitzt am Tisch im Haus eines Pharisäers. Vor ihm kniend eine Frau, die in der Stadt als Sünderin bekannt war. Aus einem Alabastergefäß salbt sie Jesus die Füße. Sie weint wegen ihrer vielen Sünden, sie küsst und benetzt mit ihren Tränen die Füße des Herrn und trocknet sie mit ihren Haaren. Dem erstaunten Pharisäer sagt Jesus: "Siehst du diese Frau? Ich kam in dein Haus und du gabst mir kein Wasser für meine Füße; sie aber benetzte meine Füße mit ihren Tränen und trocknete sie ab mit ihren Haaren. Du gabst mir keinen Kuss; sie aber hört seit meinem Eintreten nicht auf, meine Füße zu küssen. Du salbtest mein Haupt nicht mit Öl; sie aber salbte mit ihrem Öl meine Füße. Darum sage ich dir: Vergeben sind ihre vielen Sünden, denn sie hat viel geliebt." (Luk 7,36-47)


Die Liebe zu Jesus kann alles wiedergutmachen. Vergessen wir es nicht!

Glasfenster aus der Kirche St. Michael in Brüssel. 

Das Reich Mariens


Viele Weissagungen von Fatima sind bereits in Erfüllung gegangen. Die erste und gewissermaßen außerordentlichste war das Sonnenwunder. Bei der dritten Erscheinung hatte Lucia mit typisch portugiesischer Freimütigkeit die Heilige Jungfrau um „ein Wunder gebeten, damit alle an die Erscheinungen glauben“.
Darauf hat Maria geantwortet: „Im Oktober werde ich ein Wunder bewirken, das alle sehen werden, damit sie glauben.“ Rasch verbreitete sich diese Nachricht im Volk. Wenn das Wunder nicht geschehen wäre, hätten die Glaubenslosen und Skeptiker den Sieg davongetragen. Damit wäre das Ereignis abgeschlossen gewesen ...
Doch das Wunder geschah vor den Augen von rund 70 000 Zeugen. Die Glaubwürdigkeit Fatimas war bestätigt worden. Die Heilige Jungfrau war also wirklich erschienen.
Weitere Prophezeiungen haben sich bewahrheitet, so etwa die über den Zweiten Weltkrieg und über die weltweite Verbreitung der Lehren des Kommunismus. Doch eine – vielleicht sogar die wichtigste - ist noch nicht in Erfüllung gegangen, die Ankunft des Reiches Mariens: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz triumphieren ... “.
Angesichts der sittlichen und religiösen Lage der heutigen Welt kommt man zU dem Schluss, dass sich diese Vorhersage wohl kaum je erfüllen wird, es sei denn in fernster Zukunft. Die Welt entfernt sich ja immer mehr von Gott. Die Gesetze, Einrichtungen und Sitten stehen Christus immer feindlicher gegenüber.
Wie soll es da zu einem Reich Mariens kommen? Eine solche Situation ist nichts Neues in der Geschichte.
Als der Herr auf die Welt kam, herrschte in fast allen Völkern das Heidentum. Menschlich gesehen hatte das Christentum nicht die geringste Chance sich auszubreiten. Aber die Gnade Gottes, die von den Historikern gewöhnlich nicht berücksichtigt wird, wirkte in den Seelen. Das Römische Reich hat sich bekehrt, das Heidentum ist vom Erdboden verschwunden und Rom wurde das Zentrum der Christenheit. Wer hat diesen ungeheuren Wandel bewirkt?
Die Gnade Gottes, das geheimnisvolle Wirken des Heiligen Geistes, der die Seelen stets zur Umkehr, zur Änderung ihres Lebenswandels, zu Reinheit und Heiligkeit aufruft. Der Geist Gottes ist der wirksamste Faktor in der Geschichte, der ungeheure Veränderungen im Leben der Menschen und Völker herbeigeführt hat. Er wirkt auch heute und wird es in Zukunft weiterhin tun.
Was das versprochene Reich Mariens angeht, so wird es ohne die Gnade Gottes und ohne eine große Bekehrung nicht kommen. Mit der Gnade Gottes aber wird die marianische Ära heraufziehen und sich wie einst über das Römische Reich, über die Welt ausbreiten.
An diese Prophezeiung von Fatima glauben, heißt an die Gnade Gottes glauben. Nicht an diese Prophezeiung glauben, heißt an der Gnade Gottes und an seiner Liebe zur Menschheit zweifeln.
Dies alles wird geschehen, wenn die Menschen endlich bereit sind, mit der Gnade Gottes mitzuwirken, ihre Götzen zu verlassen, ihnen den Rücken zu kehren und Gott anzubeten. Diese Gnade wird uns gewiss durch Maria zuteil. Durch sie ist Christus in die Welt gekommen; durch Maria will er auch in der Welt herrschen.

Aus dem Kalendar 2002 von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“


Mittwoch, 28. Mai 2014

Maria liebt uns und stärkt uns im Glauben


Mehr als eine irdische Mutter erkennt und durchschaut Maria alle unsere Lebensverhältnisse. Ihr ist bekannt, welchen Schutz wir im Leben notwendig haben, wo uns Gefahren drohen, welche Nöte und Leiden uns drücken, und besonders ist ihr bekannt, wie furchtbar hart wir mit dem schlimmsten Feind unseres Heiles und unserer Seele zu ringen haben. 
„Wir erfüllen einen lieben Wunsch der Heilgsten Jungfrau, wenn Wir Maria mit dem Engel als die Gnadenvolle grüßen und dieses wiederkehrende Lob gleichsam zu herrlichen Kränzen winden. Die Erinnerung an ihre hohe und erhabene Würde wird dadurch immer wieder aufs neue geweckt, aber auch die Erinnerung an unsere Erlösung, die nach Gottes Willen durch sie begonnen hat. Wir dringen ein in jene wahrhaft göttlichen und nie mehr endenden gegenseitigen Beziehungen, die Maria mit den Freuden und Leiden, mit der Schmach und dem Sieg Christi verbinden und somit auch in die sichere und die hilfreiche Führung der Menschen in die Ewigkeit. Diese enge Beziehung offenbart sich auch darin, daß Christus und Maria sich ganz uns Menschen angleichen wollten. Aus reiner Güte nannte Christus sich Menschensohn und unseren Bruder. 
Er zeigte sich auch als solcher, damit seine Barmherzigkeit um so eindrucksvoller vor uns stünde; "mußte Er doch in allem den Brüdern gleich werden, um barmherzig zu sein". So wurde auch Maria als unsere Mutter erwählt, weil Jesus Christus, der Herr, zugleich unser Bruder ist. Deshalb wurde sie auch mit dem einzigartigen Vorzug ausgestattet, den sonst keine Mutter besitzt, sich gänzlich in barmherziger Liebe mitzuteilen. 
Wenn wir es ferner Christus verdanken, daß er ein Recht, das ihm allein zustand, nämlich Gott als Vater zu besitzen und ihn so zu nennen, mit uns teilt, dann verdanken wir ihm auch das andere Recht, das uns seine Liebe schenkt, nämlich Maria als Mutter anzusprechen und sie als solche zu besitzen. Die Natur kennt keinen zärtlicheren Namen als den Namen Mutter. Die innige und sorgende Liebe erreicht ihren Gipfelpunkt in der Mutter. Menschenworte können nimmer hinreichend ausdrücken, was frommer Sinn empfindet, welch gewaltige Flamme gütiger und tätiger Liebe in Maria aufflammt, in ihr, die uns nicht auf menschlicher Ebene, sondern von Christus her als Mutter gegeben ist. Mehr als eine irdische Mutter erkennt und durchschaut sie alle unsere Lebensverhältnisse. Ihr ist bekannt, welchen Schutz wir im Leben notwendig haben, wo uns Gefahren drohen in der Öffentlichkeit und im stillen Kämmerlein, welche Nöte und Leiden uns drücken, und besonders ist ihr bekannt, wie furchtbar hart wir mit dem schlimmsten Feind unseres Heiles und unserer Seele zu ringen haben. In diesen und in unzähligen anderen Stürmen des Lebens vemag sie ihren lieben Kindern Trost und Hilfe zu spenden in reichstem Maße, ja, es ist sogar der Wunsch ihres Herzens, uns jegliche Hilfe zu gewähren. Es wäre darum falsch, nur zögernd und furchtsam vor Maria zu treten. Wir müssen sie beschwören bei ihren mütterlichen Banden, die sie mit Jesus und uns in gleicher Weise aufs engste verbinden. Gerade jetzt müssen wir um ihre Hilfe inständig flehen, und zwar in jenem Gebet, das sie selbst sich wünscht und ihr so teuer ist. Sicher und froh dürfen wir unter dem Schutzmantel einer so guten Mutter in Ruhe und Frieden leben.“ 

(Leo XIII., Rundschreiben „Magnae Dei Matris“ vom 8. September 1892)

Aktion Deutschland braucht Mariens Hilfe (DVCK e. V.)
Emil-von-Behring Str. 43
60439 FrankFurt/Main
Tel. 06172/6804170 - Fax: 06172/6804171
www.deutschland-braucht-mariens-hilfe.de

Mittwoch, 21. Mai 2014

Zum Fest Maria Namen

Maria, zeige, dass Du Mutter bist! 


Wir feiern heute das Fest Maria Namen, das wir jährlich mit großer Dankbarkeit und Glaubensfreude begehen. Im Namen aller Katholiken Europas wollen wir Gott Dank sagen für die Rettung des katholischen Glaubens durch die Fürsprache Mariens. Unser heutiger Dank muss sich gleichzeitig mit einem innigen Flehruf verbinden, dass Gott heute erneut das Wunder seiner Allmacht uns erweist und durch die Fürsprache Mariens für das heutige Europa den katholischen Glauben erhält. Heute befindet sich der katholische Glaube in einer noch größeren Gefahr als damals. Denn damals gab es nur einen Zerstörer des katholischen Glaubens von außerhalb der Christenheit. Heute gibt es Zerstörer des katholischen Glaubens sowohl außerhalb der Kirche als auch immer mehr im Innenraum der Kirche. In dieser Zeit der großen Glaubensnot wird uns Maria nicht verlassen - wie kann sie es auch, sie ist ja unsere Mutter. Sie ist die fürbittende Allmacht, sie ist die Besiegerin aller Häresien und aller Zerstörer des Glaubens. Wie innig müssen alle katholisch denkenden Gläubigen, Priester und Bischöfe heute flehen: „Maria, zeige, dass Du Mutter bist!“ ...

Wir bräuchten heute mehr denn je wieder Bekenner des Glaubens und der Treue zum Papst, und zwar in den Reihen der Bischöfe und der Laien. Leuchtende Beispiele dieser Treue aus der 2000-jährigen Kirchengeschichte sind zum Beispiel der heilige Bischof und Kardinal John Fisher und der heilige Laie Thomas Morus. Der heilige Thomas Morus legte damals vor dem Parlament und somit vor der öffentlichen Meinung folgendes Bekenntnis ab. Er sagte:
„Das Gesetz des Parlamentes widerspricht direkt den Gesetzen Gottes und seiner heiligen Kirche. Die höchste Leitung der Kirche oder irgendeines ihrer Teile gehört rechtmäßig nur dem Heiligen Stuhl von Rom. Unser Heiland selbst hat diesen Vorrang des heiligen Petrus und seiner Nachfolger im Bischofsstuhl von Rom mit seinem eigenen Mund bekräftigt.“
Dieses Bekenntnis kostete Thomas Morus und auch Kardinal John Fisher das Leben.
Hl. John Fisher
Wie viele Gesetze werden heute von Parlamenten erlassen, die direkt den Gesetzen Gottes widersprechen. Wie sehr bräuchten wir heute in Europa neue Thomas Morusse und John Fishers, welche die Treue zum Papst und die Gesetze Gottes furchtlos gegen die öffentliche Meinung bekennen. Ihnen würde ja momentan zumindest keine Todesstrafe drohen. Wir erleben in der heutigen Zeit eine gewaltige Krise des Glaubens und der Liturgie, die niemand leugnen kann. Die Reinheit des Glaubens und der Liturgie sind zu kostbar, zu göttlich, als dass man sie dem Geist des Menschen anpasst oder sie dem eigenen Ermessen der predigenden und zelebrierenden Priester ausliefert. Möge die heilige Liturgie der Kirche wieder mehr in ihrer Heiligkeit und übernatürlichen Schönheit erstrahlen (...)
Leider verleugnen heute einige Glieder der Kirche - und Gott sei es geklagt - selbst einige Priester durch ihr schlechtes Leben den Glauben. Sie geben somit der gottfeindlichen Welt die Gelegenheit, die Kirche mit Hohn und Spott bloßzustellen. Das soll uns nicht verunsichern. Wir wissen vom Beispiel einer unzähligen Schar von echten Christen, von echten Priestern, von treuen und heiligen Christen und Priestern. Und die gibt es auch in unserer Zeit, wenn auch nicht mehr so zahlreich. Aber sie gibt es, von denen die Massenmedien leider nie berichten.

Auszüge aus der Predigt von Bischof Athanasius Schneider am 12. September 2011 in der Karlskirche in Wien.

Quo vadis, Domine?


Quo vadis, Domine?




Ehrerbietige und kindliche Botschaft an Seine Heiligkeit, den Papst Franziskus von Prinz Bertrand von Orléans und Bragança 


Bewegungen, die das Privateigentum hartnäckig bekämpfen, selbst mittels Gewaltaktionen, wurden eingeladen, um an Versammlungen hochrangiger Organen des Vatikans teilzunehmen.
Eine davon wurde selbst vom Papst empfangen


Ich schreibe Ihnen in der doppelten Eigenschaft als Prinz des Kaiserlichen Hauses Brasiliens und als aktiver Teilnehmer am öffentlichen Leben meines Landes, um Ihnen eine ernsthafte Sorge bezüglich der katholischen Sache in Brasilien und in Südamerika im Allgemeinen zu äußern. 

Es ist den Brasilianern bekannt, dass auf Ansuchen von Papst Leo XIII., trotz der vorhersehbaren politischen Nachteile, die sich daraus ergeben würden, meine Urgroßmutter, die Prinzessin Isabel, Regentin des damaligen Kaiserreiches, am 13. Mai 1888 das sogenannte Goldene Gesetz unterschrieben hat, mit dem sie endgültig die Sklaverei in Brasilien beendete. Dieser Akt kostete ihr den Thron, doch sie ging in die Geschichte ein, als „Die Erlöserin“ und bekam aus den Händen des Papstes die Goldene Rose, als Dank für ihre Opferbereitschaft im Einsatz für soziale Eintracht und der Rechte der Hilflosen. 


Angeregt vom gleichen Sinn für Gerechtigkeit und der gleichen Hingabe für das Wohlergehen des Volkes meiner Vorfahren, empfinde ich es als eine Ehre, die Kampagne „Paz no Campo“ (Frieden auf dem Land) (1) initiiert zu haben und diese seit zehn Jahren leiten zu dürfen. Diese Aktion setzt sich ein für den sozialen Frieden im Bereich der nationalen Landwirtschaft. Eine Aufgabe, die sich als dringend notwendig erwies in den letzten zehn Jahren, angesichts der unaufhaltbaren Folgen von Landraub, Landüberfälle, Plantagenzerstörung, räuberischen Enteignungen, unangebrachten Umweltauflagen und rechtlicher Unsicherheit. 


Im Kern dieser ländlichen Unruhen – die das Haupthindernis einer erfolgreichen Entwicklung der brasilianischen Land- und Viehwirtschaft darstellt, die für 37 Prozent der Arbeitsplätze im ganzen Land (2) stehen und für die Hälfte der im Jahr 2013 (3) neu geschaffenen Arbeitsplätze – befindet sich die „Bewegung der Landlosen Arbeiter“ (Movimento dos Trabalhadores Sem-Terra - MST) und die internationale Organisation „La Via Campesina“ (Der landwirtschaftliche Weg).


[1] Der nationale Führer des MST benutzt ein vom Vatikan einberufenes Seminar als Tribüne für den Aufruf zum Klassenkampf 

Daher habe ich mit Bestürzung zur Kenntnis genommen, dass die Päpstliche Akademie der Wissenschaften Herrn João Pedro Stédile, nationaler Koordinator des MST und Vertreter der „Via Campesina“, zur Teilnahme an einem Seminar der genannten Akademie zum Thema „Der Aufstieg der Sozial-Ausgegegrenzten“ am 5. Dezember 2013 als Beobachter eingeladen hat. Wie der Begünstigte selbst erklärte, wurden Reise und Aufenthaltskosten vom Vatikan beglichen. 

Diese Bestürzung machte sich in den verschiedensten katholischen Kreisen Brasiliens breit, denn, wie befürchtet, nutzte der Aufwiegler der MST die Veranstaltung im Vatikan als Tribüne, um einmal mehr seine irrigen, auf der Grundlage marxistischer Prämissen des Klassenkampfes und in der Utopie einer kollektivistischen Gesellschaft beruhenden Grundsätze und falsche Lösungen zu bekunden. 


Und in der Tat, nur zwei Tage nach dem Seminar im Vatikan, hielt Herr João Pedro Stédile einen Vortrag vor Militanten der ultralinken globalen Occupy-Bewegung in einem von dieser besetzten alten Theater in Rom. Dieser von der Nachrichtenagentur Adista (4) wiedergegebene Vortrag war eine ausgesprochene Lobrede seiner rechtswidrigen Methoden. Nach seinen Worten, „scheint der institutionelle Weg der Veränderungen definitiv versperrt zu sein“; und er brüstete sich, dass „alles, was die MST im Laufe ihrer dreißigjährigen Existenz erreicht hat, ist den Massenbesetzungen zuzurechnen“, das heißt, die systematische Verletzung des Rechts auf Eigentum. 

J.P Stédile vom MST undVertreter der Via Campesina

Die Notwendigkeit zum Rechtsbruch und sogar zur Gewalt zu greifen von Seiten der MST kommt, nach Meinung von Herrn Stédile, daher, dass „im gegenwärtigen historischen Kontext die Beziehungen der Wechselseitigen Kräfte auf der Ebene des Klassenkampfes sehr ungünstig gegenüber der Arbeiterklassen stehen“, das heißt, gegenüber den Linken, die sich anmaßen den Arbeitnehmersektor zu vertreten. 


Herr Stédile ist auch der Meinung, dass „die Welt eine Zeit des Rückflusses der Massenbewegungen erlebt“, der selbst die MST zu spüren bekommt, weil, so meint er, „die Bedingungen für einen Klassenkampf sehr ungünstig sind: Die Massen spüren die Unmöglichkeit eines Sieges und ziehen sich zurück“



[2] „Die Kurve des Klassenkampfes wird weltweit eintreten ... und die Erde wird beben“ 

Herr Stédile behauptet aber, dass dieses Fehlen an völkischer Unterstützung die Kräfte der Linken nicht entmutigen darf. Mit einem Hinweis auf die „Schule der marxistischen britischen Historiker“ hofft der Führer der Eigentumsstürmer, dass die gegenwärtige Periode des Rückzuges auch eine „Zeit des Widerstandes“ sei, ein „Vorzeichen des Prozesses der Wiederaufnahme“ des Kampfes. Diese Zeit des Widerstandes – die nach seinem Dafürhalten „einige Jahre“ dauern kann – muss genutzt werden, „die Lehren des Klassenkampfes im Laufe der Zeit zu lernen“. Die MST muss diese Zeit für ihre „politische Ausbildung“ nutzen, indem sie „Marx, Lenin, Gramsci, aber auch die Brasilianer Paulo Freire, Josué de Castro und viele andere studieren“ und aufwerten, sagte Stédile seinen italienischen linken Zuhörern. Heiliger Vater, erlauben Sie mir die Drohung hervorzuheben, mit der Herr Stédile seinen demagogischen Vortrag beendete: Mit der Hervorhebung, dass die „Arbeiterklasse sich auf internationaler Ebene vereinen müsse“, was aber außerhalb der NGOs und der Sozialen Foren geschehen muss – weil diese in der Aufgabe „das Volk zu organisieren“ gescheitert sind – wies er darauf hin, dass man jetzt „alle sozialen Bewegungen weltweit“ auf einer „anderen Konfrontationsebene“ gegen das internationale Finanzkapital vereinen müsse. Auf diese Weise schloss er, „wird die Kurve des Klassenkampfes weltweit eintreten, und wenn die Phase des Anstiegs (der Kurve) beginnt, wird es überall geschehen. Und die Erde wird beben“


[3] Herr Stédile rühmt sich, die Unterstützung des Vatikans bekommen zu haben und Leonardo Boff freut sich darüber 

Die Erde bebt vorläufig noch nicht. Aber ich kann es nicht unterlassen, mich zu fragen, Heiliger Vater, was war der Grund, dass dieser Vorkämpfer einer derartigen revolutionären antichristlichen Utopie und Förderer der systematischen Verletzung der Gesetze von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften eingeladen wurde? Denn es ist doch offensichtlich, da die Volksklassen immer mehr den revolutionären Predigten abgeneigt sind, das Interesse des MST-Führers und der Revolutionäre im Allgemeinen darin besteht, sich der Katholischen Kirche und der Institute des Heiligen Stuhls als Reisegefährte, auf diese utopisch abenteuerliche Reise (daher der Appell Gramsci zu studieren, der Ideologe dieser Reisegefährten-Strategie) zu bedienen. 

Dies nimmt Stédile selbst an in einem Interview (5), das er unmittelbar nach seinem Vortrag im Teatro Valle Occupato gab, indem er sich rühmt erreicht zu haben „den Vatikan zu motivieren, uns und die Via Campesina wie auch soziale Bewegungen zu helfen, im nächsten Jahr eine Reihe von Konferenzen durchzuführen“


Außerdem erwartet er, dass „von nun an ein breiterer Dialog des Vatikans mit den sozialen Bewegungen“ geführt wird, dessen Ergebnis sein wird, dass „in unseren Ländern [...] die Ortskirchen die Völker hören werden und nicht den Apostolischen Nuntius, der ja ein Bürokrat ist, im Dienste von wem weiß ich (Hervorhebungen von mir). So erwidert er die Einladung und den Flug, die er, wie er sagt, vom Vatikan geschenkt bekommen hat... 

Ex-Priester Leonardo Boff

Wer sind die Mitglieder dieser „Ortskirchen“, die so den Vertreter des Heiligen Stuhls um sein Ansehen bringen unter dem Vorwand „die Völker“ zu hören, wenn nicht die Anhänger der Theologie der Befreiung? 


Es ist kennzeichnend mit welchem euphorischen Kommentar einer der in den Medien meist gefeierten Koryphäen dieser Strömung, der ex-Pater Leonardo Boff, den Auftritt des Herrn Stédile im Vatikan bedachte. (6) 


Boff gab seiner Freude Ausdruck, dass nun „die Armen und die Ausgegrenzten“ – in Wahrheit sind es die Führer der extremen Linken – die nun „nach Rom gerufen werden, zum Heiligen Stuhl, um von sich selbst aus zu sprechen“. Er hob hervor, dass „das Thema spricht für sich: Das Aufsteigen der Ausgegrenzten. Das führt uns zu einem zentralen Thema des Ursprungs der Theologie der Befreiung: Das Aufsteigen der Armen


Der ehemalige Ordensmann meint, dass das abgehaltene Seminar „den Anfang eines neuen Willens bedeutet, die Menschheit neu zu erfinden. Wie sehr erinnert dies an den Mythos des von Marx erträumten kollektivistischen „neuen Menschen“!


[4] Grußbotschaft an die für Vandalismustaten verantwortliche internationale Organisation 

Millionen brasilianische Katholiken sind schockiert, über das was hier beschrieben wurde. Sie kennen nämlich aus der Nähe die aus Gewalt, Verbrechen, Zerstörung und Elend bestehende Vergangenheit, die MST und Via Campesina im Laufe von dreißig Jahren durch illegale Landbesetzungen und eine totalitäre Herrschaft über die Aktivisten, die sie in ihren Camps versammelt, hinterlassen haben. 

Fassungslos werden diese Brasilianer auch reagieren, wenn sie zur Kenntnis nehmen werden, dass Sie, Heiliger Vater, außer der Einladung an Herrn Stédile zur Teilnahme am erwähnten Seminar an der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften, bei diesem Anlass eine auf Video aufgenommene Grußbotschaft an die Mitglieder der Via Campesina gerichtet haben. 


Es kann sein, dass Sie nicht richtig informiert wurden, doch diese subversive Organisation wurde durch eine skandalträchtige Tat den Brasilianern im April 2006 bekannt. Damals berichtete die Forscherin Isabel Gonçalves weinend vor den Fernsehkameras das Ende ihrer zwanzigjährigen wissenschaftlichen Forschungsarbeit, die von zwei Tausend Militanten der Via Campesina komplett vernichtet wurde. Mit barbarischer Wut stürmten sie das Unternehemen Aracruz Celulose in Rio Grande do Sul (7) und in einer gut vorbereiteten und synchronisierten Aktion zerstörten sie riesige Versuchstreibhäuser, Bewässerungsanlagen, Keimling- und Sätzlinganlagen, steckten weitere Installationen in Brand und vernichteten moderne Laboreinrichtungen. 


Können Sie sich vorstellen, wie unwahrscheinlich es den Millionen Brasilianern vorkommen muss, die das untröstliche Weinen der Forscherin im Fernsehen mit ansehen mussten, dass der Heilige Vater in dem Video die Via Campesina mit der Parole ermunterte „vorwärts schreiten“ („seguir adelante“), was der Forscherin brutal verwehrt wurde, und zwar ihre verdienstvolle Arbeit weiterzuführen? (8) 


Heiliger Vater, diese war nicht die einzige Untat der Via Campesina. Um es nicht zu weit zu führen, füge ich nur noch ein Beispiel hier an. Im Juni 2008 zerstörten Anhänger dieser Organisation die Forschungsarbeiten der Zuckerrohr Versuchsstation von Carpina in Mata Norte, die der Bundesuniversität für Landwirtschaft von Pernambuco (UFRPE) angeschlossen ist. Gegen vier Uhr am frühen Morgen kamen rund zweihundert Aktivisten der Via Campesina in zwei Bussen an und beseitigten die Wachen der Station. In knapp einer Stunde verwüsteten sie die Versuchsfelder und Forschungsräume des Zentrums für Pflanzen und Experimente. Es waren Forschungsarbeiten der Station und von Studenten, die Meister- und Doktorarbeiten durchführten. 


Der Direktor der Versuchsstation erklärte, der wissenschaftliche und technologische Verlust ist nicht abzuschätzen: „Es wurden Pflanzen zerstört, die Teil eines genetischen Forschungsprojekts, das schon zehn Jahre läuft. Andere Versuchsprojekte waren seit zwei Jahren im Gang und wurden total vernichtet. Der verursachte Schaden ist nicht ersetzbar.“ Die Aktivisten flohen bevor die Polizei vor Ort war, und hinterließen auf dem Feld zwei Fahnen der Organisation. (9) 


Über die Zerstörungswut der MST bei ihren kriminellen Landüberfällen könnte man Bände schreiben. Damit möchte ich Sie hier aber verschonen.


[5] Wie wird die Via Campesina die Ermutigung des Papstes „seguir adelante“ aufnehmen? 

Die Anhänger der Via Campesina werden die Aufforderung des Papstes sicher als Anregung für weitere Aktionen im Stil der oben beschriebenen aufnehmen. In diesem Fall stünden sie im krassen Widerspruch zu den deutlichen Worten Ihres Vorgängers Papst Johannes Paul II., der die Lehre Leos XIII. wiedergab, in dem er dreimal zwischen 1991 und 2002 die illegalen Übernahmen von Landeigentümern verurteilte. 

Insbesondere die Mahnung Johannes Paul II. an die Bischöfe der Regional Süd 1 der Brasilianischen Bischofskonferenz, als diese 1995 zum ad limina-Besuch in Rom waren. Der Papst bestätigte die überlieferte Lehre der Kirche: „Ich erinnere besonders an die Worte meines Vorgängers Leo XIII., mit denen er lehrte, dass, auf Aneignung fremden Besitzes ausgehen, ist ein Angriff auf die Gerechtigkeit und auf das Gemeinwohl zugleich‘ (Rerum novarum 30). Die Kirche darf die Bewegungen für gewaltsame oder schleichende Landbesetzungen weder anregen, vorschlagen noch unterstützen“. (10) (Hervorhebungen von mir) 

Wie wird die MST die Worte des Papstes aufnehmen?

Ähnliche Mahnung wiederholte Johannes Paul II. im November 2002 mit folgenden Worten: „Um soziale Gerechtigkeit zu erreichen, benötigt man viel mehr als die einfache Anwendung ideologischer Muster, die ihren Ursprung im Klassenkampf haben, wie zum Beispiel Landbesetzungen – die ich schon bei meiner letzten Pastoralreise 1991 verurteilt habe“. (11)


[6] Führer der argentinischen Papiersammler betrachtet Eigentum als Diebstahl und träumt von einem starken Planungs-Sozialismus 

Man kann unterdessen annehmen, dass Sie, Heiliger Vater, keine Gelegenheit hatten, um Kenntnis von den Vergehen der Anhänger der Via Campesina in Brasilien zu nehmen, so dass Ihr Aufruf „vorwärts schreiten“ eine stilisierte Form war, Ihr Grußwort zu beenden. 

Doch erlauben Sie mir mit allem Respekt zu sagen, dass meine Überraschung viel größer sein wird, wenn Sie nicht genau wüssten, wer Juan Brabois ist, ein argentinischer Militant der peronistischen „izquierda popular“, der ebenfalls von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften eingeladen wurde, nicht nur als Organisator, sondern um der erste Referent auf dem Seminar zu sein. Das bedeutet, dass er sozusagen den Leitton des Seminars angab. 


Brabois, Netzwerker der Papiersammler von Buenos Aires in der sogenannten Bewegung der Ausgegrenzten Arbeiter, sowie Mitbegründer der Konföderation der Arbeiter in der Volkswirtschaft, Rechtsanwalt und Militant der peronistischen Linken, macht keinen Hehl aus seine deutlich marxistischen Überzeugungen.

In einem Artikel für
AgendaOculta.net (12) behauptet Grabois, dass die „Ur-Anhäufung“ des Reichtums der wohlhabenden Klassen „von irgendeinem großen Verbrechen kommt“, die „die Zeit niemals reinwaschen wird“. Für ihn kommt dieser private Reichtum unbedingt aus „Plünderung, Sklaverei, Räuberei, Schmuggel, Kapitalflucht, Menschenhandel, Drogenhandel, Schwindel, Korruption, Veruntreuung öffentlicher Gelder ...“ 

Und fügt hinzu: „Diese und nicht andere sind die Methoden, die im Menü eines jeden angehenden Bürgerlichen stehen“. In diese Qualifizierung ordnet er auch alle Angestellten der informellen Wirtschaft ein. Wenn sie in ihrem Streben nach oben Erfolg haben, verwandeln sie sich eigenmächtig von Selbstausbeutern in Ausbeuter und errichten auch „perikapitalistische Systeme zur Anhäufung (von Reichtum) begründet auf Straftaten, Ausbeutung, Sklaverei und Verletzung aller sozialen Rechte“ ihrer Mitarbeiter und Partner. 


Das heißt, jeder Privateigentümer ist ein Dieb aus dem einfachen Grund, weil er wohlhabend ist. Dies ist die alte These von Marx und Proudhon. Sie werden wohl nachvollziehen können, Heiliger Vater, dass solch eine grobe und einseitige Vereinfachung, dass dieser Klassenhass auf die „Bürgerlichen“ und auf das Privateigentum, wie der freien Wirtschaft und des Lohnsystems, sich auf der Gegenseite der Kirchenlehre befindet, und nichts anderes als im „realen Sozialismus“ münden kann. 


Genau dies schlägt der Ideologe der argentinischen Papiersammler vor: „Den Aufbau einer solidaren, strengen und nicht-konsumorientierte Volkswirtschaft“. Diese setzt einen ausgesprochen sozialistischen und verstaatlichenden „strategischen Markstein“ voraus: Nur mit einer „sozialisierten und geplanten“ (13) Wirtschaft, sagt er, kann eine „Gesellschaft ohne Ausgebeutete und ohne Ausbeuter“ geschaffen werden, was aber „ein starkes Eingreifen des Staates“ voraussetzt (14). Dieses Engreifen wird allumfassend sein, um „die Volks-Produktions-Einheiten zu regulieren, planen, ergänzen und finanziell zu unterstützen“. (15) 


Hier muss man fragen, in was unterscheidet sich dieses Modell von dem der untergegangenen Sowjetunion? 


Marxistisches Gift in einer humanitären Verpackung: Das sind die Grundideen dieses revolutionären Rechtsanwalts. 


Indessen haben Sie Ihre Papiersammler zum Kreuzweg während des Weltjugendtages in Rio de Janeiro eingeladen, das Podium am Strand von Copacabana zu besteigen (16) und ihnen noch weitere freundliche Aufnahmeerweise zugestanden, sowie eine zweistündige Audienz im vergangenen Monat August in Ihrer Wohnung in Santa Marta gewährt.


Bedeuten diese Gesten Ihrerseits eine Unterstützung der von dem Ideologen Juan Grabois angekündigten Richtung? Heiliger Vater, dies ist meine untertänigste und mit vollem Respekt gestellte Frage an Sie.


[7] In den Räumen des Vatikans hallen die antikapitalistischen Lehren von Karl Marx wider 

Natürlich benutzte Herr Grabois begierig das Eröffnungspodium des Seminars am 5. Dezember (2013), um seine Analysen im Sinne des Marxismus zu unterstützen und dem Kardinal Turkson, von der Kommission Gerechtigkeit und Frieden und den weiteren Anwesenden zu „erklären“, dass Marx Recht hatte, ohne aber die ruinösen Entwicklungen des Kapitalismus vorgesehen zu haben! 
Marx' antikapitalistische Lehre hallt in
den Räumen des Vatikans wider

Heiliger Vater, ich werde Ihre Zeit nicht missbrauchen mit einer Zusammenfassung der Rede des Herrn Grabois, die unter dem Titel stand: „Kapitalismus der Ausgrenzungen, soziale Peripherien und Volksbewegungen“. (18) Ich möchte nur darauf hinweisen, dass er sich veralteter marxistischer Formulierungen bedient über den „strukturellen Charakter der Ausgrenzung“, der nach seiner Sicht „aus dem Inneren des globalen Wirtschafts- und Finanzsystem“, als „Folge von ungerechten humanen Strukturen“ hervorkommt. Daher hält er es für notwendig, „den Kapitalismus in seiner aktuellen globalisierten Phase zu analysieren“, sowie die „neuen sozialen Gegensätze, die er hervorbringt“


Diese Frage, so der marxistische Rechtsanwalt, wurde schon von Karl Marx im Kapitel 23 des „Kapital“ behandelt. Doch was Marx nicht vorhergesehen hat, sagt er, ist, dass in der globalisierten Welt ein zunehmendes Segment der Bevölkerung in diesem formellen produktiven Prozess ausgeschlossen bliebe. Dieser Teil bildet somit die „marginale Masse“ der „ausgegrenzten Arbeiter“, die, zum überleben in die Wirtschaftssphäre der Informalität hineingleiten und „das dynamischste soziale Subjekt dieser historischen Etappe“ bilden. Der von Grabois zitierte Frei Betto qualifiziert die Arbeiter dieses Sektors als das „Armentariat“ [sic!] (Anm. d. Übersetzers: auf Portugiesisch „Pobretariado“ — schriftwörtlich „Armentariat“ — in Anlehnung an „Proletariat“. Wir möchten bewusst auf die deutsche Bezeichnung „Prekariat“ hier verzichten).


[8] MST und Via Campesina sind die Paradigmen des neuen „Armentariats“, dessen Befreiungswerkzeug die direkte Aktion ist 

Diese informellen Arbeiter wären vorgeblich angetrieben von dem Bestreben nach „einer Welt, wo es keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gibt, wo jeder nach seinen Bedürfnissen das Notwendige empfängt und nach seinen Fähigkeiten für die Allgemeinheit seinen Beitrag leistet“ (ein sehr bekanntes marxistisches Prinzip). Das heißt, alle wären, wenn auch nicht ausdrücklich, potenziell Kommunisten, reine marxistische Utopisten! Es ist schwer zu begreifen, dass diese schreiende Unwahrheit, Heiliger Vater – die lächerlich, wenn sie nicht furchtbar wäre –, in den Räumen des Apostolischen Stuhles verkündet wurde... 

In seinem Vortrag wiederholt Grabois den alten marxistischen Gegensatz Unterdrücker-Unterdrückter, um zu erzählen, dass heute ein neues Proletariat emporsteigt, das zur Rebellion bereit ist, gebildet aus den „Hemdlosen des 21. Jahrhunderts, den Arbeitslosen, den fahrenden Papiersammlern, den Indianern, den Landarbeitern, den Migranten, den Straßenverkäufern, den Obdachlosen, den Landlosen“. Dieses Proletariat erscheint mit neuen Formen der Artikulierung und neuen Aktionsmitteln, sagt Grabois, unter denen sich die „verschiedenen Formen der direkten Aktion“ hervorheben, ein euphemistischer Ausdruck aus der Zeit der französischen Anarcho-Syndikalisten im frühen 20. Jahrhundert, um Illegalität und Gewalt zu bezeichnen. Die Anwendung dieser Strategie der „direkten Aktion“ käme daher, dass im Gegensatz zu den Industriearbeitern, „die im Generalstreik ihr wichtigstes Instrument haben, die Ausgegrenzten sich nur Mittels Protestgruppen, Mobilisierungen und andere Kampfarten, die gewöhnlich kriminalisiert werden, Gehör verschaffen können“.


Als Vorzeigegruppen dieser „direkten Aktion“ erwähnt Grabois genau die Bewegungen, die von der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften für das genannte Seminar eingeladen wurden: die Bewegung der Ausgegrenzten Arbeiter (MTE) aus Argentinien (dessen Vertreter Juan Grabois selbst ist), die Bewegung der Landlosen (MST) aus Brasilien (Vertreten durch J.P. Stédile), die „Mitglied der Via Campesina, mit weiteren Hundert Organisationen weltweit, ist“, mit Sitz in Indonesien.


[9] Lobrede auf eine neue kollektivistische und egalitäre Gesellschaft 

Das unglaublichste am Vortrag von Herrn Grabois ist, dass er darauf besteht, dass, wenn auch in der informellen Volkswirtschaft „die notwendigen Produktionsmittel den Volkssektoren zugänglich sind“, sie nicht dazu führen, dass sie „kollektiv gefördert“ werden, und die „sozialen Beziehungen sich horizontal“ gestalten – das heißt, sie führt zum kommunistischen Regime. 

Es ist also notwendig, dass auch die informelle Wirtschaft von der „Volksmacht“ – neue Sowjets – kontrolliert werden muss. Daraus würde „eine neue Gesellschaft“ entstehen, die, wie man sieht, sich ganz mit dem reinsten Kommunismus identifiziert. 


In diesem Zusammenhang, wenn das Modell dieser „neuen Gesellschaft“, das der von der MST kontrollierten Landbesetzungen sein soll, darf man nicht vergessen, was ihr nationale Koordinator, Herr Miguel Stédile (Sohn von J.P. Stédile) in der Zeitschrift Época (Nr. 268, Juli 2003) erklärt hat: „Wir wollen die Sozialisierung der Produktionsmittel. Wir werden die kubanischen und sowjetischen Erfahrungen den brasilianischen Verhältnissen anpassen.“ (19)


Heiliger Vater, für mein katholisches und brasilianisches Herz ist es mir total unverständlich, wie in den heiligen Räumen des Vatikans eine solche Apologie des Kommunismus von Seiten des Herrn Grabois widerhallen konnte, sechsundsiebzig Jahre nachdem Papst Pius XI. dieses System als „im höchsten Grade dem Naturrecht entgegengesetzt“ und als „in seinem innersten Kern schlecht“ verurteilt hatte. (20) Eine Ideologie, die sich auf der Verleugnung des Eigentums und auf dem Klassenkampf begründet.


[10] Nebst der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften setzen Stédile und Grabois ihre Hoffnungen auf den Päpstlichen Rat für Gerechtigkeit und Frieden 

Es ist vor allem bestürzend, dass der Rechtsanwalt, der solch ein Referat gehalten hat, am folgenden Tag von Ihnen zu einer Privataudienz eingeladen wurde, und im Verlauf dieser Audienz Ihre schon erwähnte Videobotschaft an die Via Campesina aufgenommen wurde und eine weitere an die von einem überzeugten militanten Neomarxisten gegründete und beseelte Bewegung der Ausgegrenzten Arbeiter gerichtet wurde. 

Daraus ist verständlich, dass die Via Campesina, MST und MTE sich beeilt haben, diese Ereignisse in einer gemeinsamen Erklärung als „ein etwas Beispielloses“ zu veröffentlichen (21), die in den Medien weite Verbreitung fand. In der Erklärung bestehen die Autoren darauf, das die „Aktivitäten durch den Kanzler der Akademie, Msgr. (Erzbischof) Marcelo Sánchez Sorondo koordiniert wurden, im Auftrag von Franziskus selbst“. 

MST und MTE erhoffen sich Vorteile
aus dem Treffen mit Persönlichkeiten
der römischen Kurie

Das Communiqué unterstreicht auch, dass „nach dem Ende der Tagung, Stédile und Grabois ein ausführliches Gespräch mit Kardinal Turkson, dem Vorsitzenden der Päpstlichen Kommission Justitia et Pax hatten, in welchem Gedanken über verschiedene soziale Fragen ausgetauscht und alternativen erörtert wurden zur Weiterführung des Dialogs zwischen der Kirche und den Volksbewegungen“


Aus diesen Treffen mit Persönlichkeiten der römischen Kurie erhoffen sich MST und MTE reichliche Vorteile. Grabois erklärte in einem Interview mit Radio Vatikan (22): „Wir müssen unseren Kampf globalisieren (...). Ich glaube, dass in diesem Rahmen auch der Rat für Gerechtigkeit und Frieden, mit einer Person wie [Kardinal] Turkson, uns helfen wird.“ Er glaube auch, „wenn es auch etwas seltsam scheint“, dass die Päpstliche Akademie der Wissenschaften „ebenfalls bereit ist, in ihrem Bereich, die Forderungen, unsere Positionen, unsere Kämpfe zu begleiten, und ebenfalls den Organisationsprozess zu bestärken. Das soll immer in einem Klima des Dialogs, des Friedens, des Zusammenlebens und des Respekts der Institutionen stattfinden.“ 


Was das Versprechen des Friedens und Respekt der Institutionen angeht – wenigstens im Fall der MST –, fühle ich mich im Recht, dies als eine geschickte Verstellung zu bezeichnen, um umso besser die Unterstützung des Heiligen Stuhls zu erhalten. 


Doch wenn die Päpstliche Akademie der Wissenschaften sich wirklich verpflichtet hat, um bei der Organisation der sogenannten „sozialen Bewegungen“ behilflich zu sein, wie es die Führer von MST und MTE behaupten, wundert es mich nicht, dass ihre gemeinsame Erklärung feststellt, dass beide Bewegungen das „erneute Gefühl“ erfahren haben, mit einer „wichtigen Unterstützung in ihrem Kampf“ rechnen zu können, und dass sich „eine neue Etappe in der globalen Einheit im Volksbereich“ geöffnet hat. Es ist so, als wenn jemand sagen würde: Jetzt endlich können wir den Aufruf von Marx und Engels verwirklichen: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!“ 


Sicherlich verheißt diese „neue Etappe“ nichts Gutes für den Rechtsstaat und der bekundeten Demokratie in unseren Ländern. Denn nach der erwähnten Erklärung von MST und MTE „ist die formelle oder bürgerliche Demokratie gescheitert. Die Re-präsentationsformen sind in der Krise und entsprechen nicht den Interessen des Volkes. [...] Es ist dringend notwendig neue Formen der Beteiligung des Volkes an den drei Gewalten zu entwickeln und neue Formen der politischen Repräsentation auf der ganzen Welt zu haben. Eine Demokratie, die nicht nur formell sondern auch real ist.“ 


Mit anderen Worten: Das Duo MST-MTE schlägt den Stil der „Volksdemokratie“ vor, der in Kuba und im Chavistischen Venezuela herrscht. Das heißt, eine De-facto-Diktatur, die umso gefährlicher sein wird, als diese beiden „sozialen Bewegungen“ danach streben, die freie Presse zu knebeln: „Der Aufbau einer Demokratie muss zuallererst die Kommunikationsmittel demokratisieren“, erklären sie auf ihre sprachlich verhüllte Art.


[11] Woher kommt die Hoffnung dieser Linksextremisten, dass sie mit der Unterstützung des Heiligen Stuhls rechnen? 

Heiliger Vater, ich kann mich der besorgniserregenden und angstvollen Frage nicht verwehren: Woher kommt die Hoffnung dieser Linksextremisten, dass sie mit der Unterstützung des Heiligen Stuhls rechnen können, um ihre revolutionären und diktatorischen Pläne zu verwirklichen? 

Alles scheint darauf hinzuweisen, dass sie sicher sind, dass der Heilige Stuhl eine Änderung der Richtung des Lehramtes der Kirche vornehmen wird. Ein Anzeichen dafür ist die Feststellung der gemeinsamen Erklärung von MST-MTE, dass „alle Teilnehmer des Seminars mehrfach auf das Apostolische Schreiben Evangelii gaudium hingewiesen haben“ und „dessen kategorische und erläuternde Ansichten über die Lage der Ausgegrenzten und die ausgrenzende Eigenschaft der globalen Wirtschaft“


Ein weiteres Anzeichen dafür ist, dass Radio Vatikan in der Sendung vom letzten 22. Januar sich den Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Gründung der MST angeschlossen hat. Dafür stellte der Sender seine Mikrofone dem P. Savio Corinaldesi, einem Xaverianischen Missionar zur Verfügung, für den die MST „ein Licht“ ist. Dieser Priester wagte es in einer außergewöhnlichen radikalen Sprache zu behaupten, dass die MST „gehasst, verabscheut und bekämpft wird von denen, die das Volk hassen, verabscheuen und bekämpfen“. Und fordert das Volk auf, sich zu organisieren: „Doch heute noch gibt es eine Botschaft, die wir alle hören und praktisch umsetzen müssen: Das Volk weiß, wie es seine Probleme lösen kann, und das tut es, wenn es sich organisiert. (Hervorhebungen von mir) 


Wie kann man in dieser verschrobenen Sendung von Radio Vatikan nicht eine traurige und unannehmbare Folge dessen wahrnehmen, was sich in der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften abgespielt hat?


[12] Die soziale Frage ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern vorwiegend eine sittliche und religiöse Frage 

Um jedes Missverständnis zu vermeiden, möchte ich klarstellen, dass ich in keiner Weise den heutigen globalen Hyperkapitalismus als ein wirtschaftliches Allheilmittel betrachte. Vielmehr bedauere ich, als Katholik, unter anderen Grundfehlern der gegenwärtigen Weltwirtschaft, dass die Grundvorteile des materiellen Fortschritts etliche Teile der Bevölkerung noch nicht erreicht haben. Dies ist aber nicht auf ein rein wirtschaftliches Problem zurückzuführen. 

Papst Leo XIII. lehrt uns, dass die sogenannte „soziale Frage“ vor allem eine Frage von sittlichen und religiösen Pflichten ist. Er sagte: „Es herrscht da und dort die Meinung, und sie ist auch ins Volk hinaus gedrungen, dass die soziale Frage nur eine wirtschaftliche Frage sei, während es doch unzweifelhaft wahr ist, dass in ihr in erster Linie eine sittliche und religiöse Frage vorliegt, die demgemäß hauptsächlich nach dem Sittengesetz und von der Religion aus entschieden werden muss.“ (24) 


Daher sollte ein erfolgreiches Eingreifen der kirchlichen Hierarchie auf wirtschaftliche und soziale Ebene ansetzen und auf die zwei Laster, die die Ursache aller modernen Unordnungen und Revolutionen sind, hinweisen: Der Hochmut und die Sinnlichkeit. (25) 


Diese beiden Laster schüren die zwei anscheinend gegensätzlichen Grundirrtümer unserer Zeit: Die kollektivistische Utopie und den individualistischen Liberalismus. Einerseits nähren sie den anarchisch-egalitären Traum einer regierungslosen, klassenlosen und gesetzeslosen Gesellschaft, andererseits haften sie an der Wurzel des modernen Liberalismus, der sich jeglicher Beziehung zu einer objektiven Wahrheit, zu absoluten Werten und zu einem höheren Gesetz verwehrt und deshalb zu einer „Diktatur des Relativismus“ führt, wie sie zu seiner Zeit Kardinal Ratzinger angeprangert hat. (26) 


So hafte nicht einfach nur die Verletzung der Grundrechte des Menschen an der Wurzel der modernen tiefen anthropologischen Krise, sondern sie ist die Folge der Verachtung und Leugnung von Gottes Vorrang in der Gestaltung der menschlichen Gesellschaft. Alles Übrige sind Konsequenzen.


[13] Die Wiederherstellung der christlichen Zivilisation 

Die moderne Laizistische Gesellschaft verschmäht die Güter der Seele. Wie ein Gift verbreitet sie sich auf die ganze westliche Welt, seit der Verbannung der sakralen und strengen Ordnung, die die Christenheit auszeichnete, wie sie von Leo XIII. beschrieben wurde: „Es gab eine Zeit, wo die Weisheitslehre des Evangeliums die Staaten leitete. Gesetze, Einrichtungen, Volkssitten, alle Ordnungen und Beziehungen des Staatslebens waren in dieser Zeit von christlicher Klugheit und göttlicher Kraft durchdrungen.“ (27) 

So wie auch der hl. Pius X. lehrte, setzt die Wiederhinführung der Gesellschaft zur Ordnung die Wiederherstellung aller Dinge in Christus voraus – der Wahlspruch seines Pontifikats: „Instaurare omnia in Christus“ (Eph 1,10) – und die Wiederaufnahme des christlichen Ideals einer Gesellschaft, das er meisterhaft beschrieb. Er wies auf den richtigen Ausweg gegenüber der „sozialen und geistigen Anarchie“ des Aufkommenden 20. Jahrhunderts hin: „Man kann den Staat nicht anders bauen, als Gott ihn gebaut hat; man kann die Gesellschaft nicht errichten, wenn die Kirche nicht die Fundamente legt und nicht die Bauarbeiten leitet; nein, es ist nicht mehr nötig, eine Zivilisation zu ersinnen, noch auch einen neuen Staat in den Wolken zu bauen. Es hat sie gegeben und es gibt sie: es sind die christliche Zivilisation und der katholische Staat. Es kann sich nur noch darum handeln, ihn unablässig gegen die immer wieder neu ausbrechenden Angriffe einer falschen Utopie, der Revolte und der Gottlosigkeit auf seine natürlichen und göttlichen Grundlagen zu stellen und ihn darin zu stärken und zu festigen“. (28) 


Was die Erhöhung und Erneuerung der Arbeiterklassen betrifft, bestärkte Papst Pius X., dass „die Grundsätze der katholischen Lehre ein für allemal festgelegt sind“ und wie Leo XIII. unterstrich er „die Verschiedenheit der sozialen Klassen bei(zu)behalten, die mit Sicherheit das Kennzeichen jedes wohlgeordneten Staates ist, und für die menschliche Gesellschaft jene Form und jenen Charakter fordern, den Gott, ihr Schöpfer, ihr eingeprägt hat.“ (29) (Hervorhebungen von mir) 


Zugleich brandmarkte er „eine gewisse Demokratie, die in ihrer Entartung so weit ging, dass sie die Beseitigung und Einebnung aller sozialen Klassenunterschiede anstrebt“ – so wie es MST und MTE wollen – und als Ersatz für die natürlichen und traditionellen Grundlagen der menschlichen Gesellschaft „ein zukünftiges Gemeinwesen zu versprechen, das auf anderen Grundsätzen aufgebaut sein wird“, insbesondere auf denen des Egalitarismus. (30)


[14] Die Armen lehnen die revolutionären Predigten ab und sehnen sich nach der wahren Ordnung 

Es werden also nicht die globalen Programme „ökologischer“ und marxistischer Prägung der sogenannten „sozialen Bewegungen“ sein, die die gegenwärtige Wirtschaftskrise lösen und die Armut auf der Welt mindern werden. 
Wenn das Problem die Erhebung der Ausgegrenzten ist, ist Kuba gerade das Antimodell, was um jeden Preis verhindert werden muss, um die ganze Welt nicht in eine Gesellschaft von Elenden zu verwandeln. Diese, ja, sind die eigentlichen Ausgegrenzten: Aus dem Wohlstand, dem politischen Leben, der Kultur, der Reisefreiheit und vor allem ausgeschlossen aus der freien Ausübung der katholischen Religion auf der Kerker-Insel! 

Die Armen möchten für sich nicht solch einen Alptraum. Und deshalb sind es nur wenige, die sich von den Träumereien einer MST oder MTE täuschen lassen, auch wenn diese sich in ihrer revolutionären Predigt mit einem falschen christlichen Mantel einer klaren marxistisch orientierten Theologie der Befreiung tarnen. 


Von großer Bedeutung ist in dieser Hinsicht eine 2009 durchgeführte Umfrage des Forschungsinstituts Ibope (31), die Ergab, dass 92 Prozent der Brasilianer die von der MST geschürten gewaltsamen Landeinnahmen als rechtswidrig ansehen; 72 Prozent meinten, dass die Regierung die Polizei einsetzen sollte, um die von der Justiz verordnete Wiederherstellung der Eigentumsverhältnisse mit der Vertreibung der Eindringlinge durchzusetzen. Für mehr als 70 Prozent benachteiligt die MST mit ihren Überfällen die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Landes, die Schaffung neuer Arbeitplätze und nationale und ausländische Investierungen. Bedeutender ist, dass 85 Prozent der Bevölkerung das Privateigentum für unverzichtbar für die Entwicklung des Landes halten: Ein klarer Hinweis, dass das Volk den Kommunismus und seine Misere ablehnen. 


Die linke Demagogie findet Gehör in den Redaktionen einer gewissen Presse und TV-Sender, in akademischen Kreisen, in der Nomenklatur politischer Parteien... und – leider auch – in gewissen kirchlichen Kreisen; aber sie verführt nicht die große Mehrheit des Volkes, das sich mehr und mehr von ihr distanziert.


[15] Das komplette Scheitern der Agrarreform: Statt die Armen zu begünstigen, bringt sie ihnen nur Nachteile 

Unter den Dauerforderungen dieser revolutionären Bewegungen stand immer die einer radikalen Agrarreform, die die großen und mittleren Besitztümer abschaffen soll, und so die gesamte Landwirtschaft nur noch aus kleinen Flächen bestehen würde, die wirklich nicht den zugewiesenen Arbeitern gehören, sondern unter starker Kontrolle staatlicher Genossenschaften gestellt würden. 

Tatsache jedoch ist, dass trotz der Riesenpropaganda und enormer Geldflüsse zu ihrer Durchführung, die Agrarreform in Brasilien gescheitert ist. Die wirtschaftliche Lage der Landzuweisungen im Rahmen dieser Agrarreform ist dermaßen katastrophal, dass selbst Regierungsminister einsehen, dass jene sich in echte „ländliche Slums“ (Favelas rurais) verwandelt haben. Späte Einsicht, denn diese Bezeichnung wurde schon vor vielen Jahren von Prof. Plinio Corrêa de Oliveira geprägt in seiner Bestrebung, die Bevölkerung vor dem unvermeidlichen Endergebnis dieser Reformen zu warnen. Unvermeidlich weil alles was sich der Naturordnung widersetzt, endet früher oder später in einer Katastrophe. So sagen die Franzosen mit Recht: „Chassez le naturel, il reviendra au galop“


Es hat an Warnungen nicht gefehlt. Seit Anfang der 1950er Jahre ahnte Prof. Plinio Corrêa de Oliveira, dass die revolutionäre Propaganda in Richtung Agrarreform blies. Tatsächlich kamen am Ende jenes Jahrzehnts die ersten politischen Reformprojekte zur Diskussion. Als Gegenreaktion publizierte er 1960 zusammen mit zwei Bischöfen und einem Volkswirt das Buch „Agrarreform — Eine Gewissensfrage“, in dem das Scheitern dieser Reform vorausgesehen wurde. Dies war der Startblock eines Kampfes, der aus zahlreichen Büchern, Manifesten und Erklärungen, sowie Unterschriftensammlungen und öffentlichen Kampagnen während der folgenden vier Jahrzehnte bestand, bis zu seinem Tod 1995. 


Heute glossieren maßgebende Analysten und Experten das Scheitern der Agrarreform in Brasilien. Vor kurzem noch beschrieb Herr Zander Navarro, Professor an der Bundesuniversität von Rio Grande do Sul, in einem Artikel für eine große Tageszeitung von São Paulo (32) den von Norden bis Süden Brasiliens stattfindenden ländlichen Exodus: „Und es sind da noch die aussagekräftigen Zahlen der niedergelassenen Landarbeiter. Es sind insgesamt 1,25 Millionen Familien auf 8,8 Tausend Niederlassungen, die insgesamt eine Fläche von 88 Millionen Hektar ausmachen, was fast der Fläche des Bundeslandes Mato Grosso entspricht. Doch diese Agrarreform ist ein totaler Reinfall: Ein großer Teil der Begünstigten hat aufgegeben und verließ ihr geschenktes Grundstück, das da nun brach liegt, hauptsächlich im Norden und Nordosten des Landes.“ 


Während die zugestandenen Besetzungen im Rahmen einer gewalttätigen Agrarreform nichts produzieren und von den Almosen des Staates leben, weist ein zuständiger Fachmann der Empresa Brasileira de Agropecuária (Embrapa) – ein Forschungsinstitut für Landwirtschaft und Viehzucht – darauf hin, dass moderne Technologie kleinen, mittleren und großen Landwirten sehr zugute kommen: „Die landwirtschaftliche Produktion Brasiliens ernährt zwei Milliarden Menschen“. (34) Eine weitere Studie besagt, dass „der Preis eines Lebensmittel-Grundkorbs sich zwischen 1975 und 2010 halbiert hat“ (35), das bedeutet, dass „1970 eine Durchschnittsfamilie ca. 40 Prozent des Familieneinkommens für Lebensmittel ausgab und derzeit dieser Wert die 16 Prozentmarke nicht übersteigt“. (36)


[16] Quo vadis, Domine? 

Heiliger Vater, indem Sie mit berechnender Vorsicht handeln, zeichnet sich allmählich die Kursrichtung Ihres Pontifikats ab. Da ist es normal, dass die Gläubigen die jeweiligen Schritte in diesem Sinn aufmerksam verfolgen.
Angesichts der unvermeidlich aufkommenden Ratlosigkeit, die jede Kursänderung bei den Beobachtern verursacht, ist es verständlich, dass in den Herzen vieler Gläubigen die Frage aufkommt, die, nach der Legende, der aus dem Rom Neros flüchtende Petrus den ihm entgegenkommenden Jesus stellte: „Quo vadis, Domine?“ – Wohin gehst Du, Herr? 

Als er die Antwort Unseres Herrn vernahm, dass Er nach Rom ging, um erneut gekreuzigt zu werden, verstand Petrus, dass der Moment gekommen war, in dem er selbst das Martyrium erleiden sollte. So unterwarf er sich der Hinrichtung in tiefer Demut, mit der Bitte an seine Peiniger – nach frommer Überlieferung – ihn Kopfüber zu kreuzigen, weil er sich nicht für würdig hielt, dass sein Tod in allen Einzelheiten dem Tode Christi gleich käme. 


Angesichts der oben beschriebenen Fakten und der Ratlosigkeit, die sie unter katholischen Gläubigen hervorrufen, könnten diese sich in der Lage fühlen, dem Papst Franziskus die gleiche Frage zu stellen – Quo vadis, Domine? 


Ist eine solche Fragestellung legitim? Unter welchen Umständen? 


Der Codex des kanonischen Rechts räumt im Kanon 212 § 3 den Gläubigen das Recht ein, ihre Meinung in diesen und anderen Themen respektvoll darzulegen: „Can. 212 § 3. Entsprechend ihrem Wissen, ihrer Zuständigkeit und ihrer hervorragenden Stellung haben sie [die Gläubigen] das Recht und bisweilen sogar die Pflicht, ihre Meinung in dem, was das Wohl der Kirche angeht, den geistlichen Hirten mitzuteilen und sie unter Wahrung der Unversehrtheit des Glaubens und der Sitten und der Ehrfurcht gegenüber den Hirten und unter Beachtung des allgemeinen Nutzens und der Würde der Personen den übrigen Gläubigen kundzutun.“ 


Dies möchte ich in dieser EHRFÜRCHTIGEN UND KINDLICHEN BOTSCHAFT wahrnehmend tun, mit der Überzeugung, dass Sie, Heiliger Vater, diese vorliegende Äußerung mit väterlichem Wohlwollen entgegennehmen werden und als einen ehrlich gemeinten Beitrag für den Erfolg Ihrer erhabenen Aufgabe in der Regierung der Heiligen Kirche.



 * * * 
Indem ich noch einmal meinen bedingungslosen und liebenden Gehorsam gegenüber der Heiligen Kirche und dem Papst in der vom katholischen Lehramt vorgeschriebenen Weise versichere, bitte ich die Muttergottes von Aparecida, Königin und Patronin Brasiliens, sie möge Sie erleuchten und allen Katholiken Lateinamerikas helfen „fortes in fide“ (Stark im Glauben) in ihren katholischen Überzeugungen und in der Ablehnung des Linksextremismus zu verharren, damit dieses Land des Heiligen Kreuzes [ursprünglicher Taufname Brasiliens] mehr und mehr mit den Bruderländern von Spanisch-Amerika den Kontinent der Hoffnung bilden unter den Segen ihrer lieben Schutzpatronin, Unserer Lieben Frau von Guadalupe.

Indem ich den Fischerring küsse, bitte ich demütig um den Apostolischen Segen. 

In Jesu et Maria
Bertrand von Orléans und Bragança 
São Paulo, den 8. Februar 2014
 ________________________________________________________________
(1) Die Kampagne „Paz no Campo“ (Frieden auf dem Land) ist in Brasilien bekannt für die Verteidigung der Grundsätze, die das Privateigentum und die freie Wirtschaft im Sinne des überlieferten Lehramtes der katholischen Kirche schützen und garantieren. 
(2) http://www.feedfood.com.br/agronegocio-corresponde-37-dos-empregos-gerados-no-pais/ gesichtet am 14. Februar 2014 
(3) http://exame.abril.com.br/economia/noticias/recorde-de-exportacoes-no-agronegocio-aumenta-demanda-porprofissionais gesichtet am 14. Februar 2014 
(4) http://www.adistaonline.it/?op=articolo&id=53494 gesichtet am 14. Februar 2014 
(5) http://www.wsftv.net/Members/focuspuller/videos/joao-pedro-stedile-1/view gesichtet am 14. Februar 2014 
(6) http://leonardoboff.wordpress.com/2014/01/10/os-movimentos-populares-latino-americanos-junto-ao-papa-francisco/ gesichtet am 14. Februar 2014 
(7) http://www.uel.br/grupo-pesquisa/gepal/anais_ivsimp/gt7/15_mairakubik.pdf gesichtet am 14. Februar 2014 
(8) http://www.mst.org.br/node/15560 gesichtet am 14. Februar 2014 
(9) http://www.old.pernambuco.com/ultimas/noticia.asp?materia=2008610133246 gesichtet am 14. Februar 2014 
(10) http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/speeches/1995/march/documents/hf_jpii_spe_19950321_brasile-ad-limina_po.html gesichtet am 14. Februar 2014 
(11) http://www.vatican.va/holy_father/john_paul_ii/speeches/2002/november/documents/hf_jpii_spe_20021126_brazil-sul-iii-iv_po.html gesichtet am 14. Februar 2014 
(12) http://www.agendaoculta.net/2012/08/el-capitalismo-de-exclusion-y-la.html gesichtet am 14. Februar 2014 
(13) http://www.cartoneando.org.ar/content/capitalismo-popular-una-variante-salvaje-del-modelo-por-juan-grabois gesichtet am 14. Februar 2014 
(14) http://www.economiapopular.coop/juan-grabois gesichtet am 14. Februar 2014 
(15) http://mareapopular.org/revista/agremiando-la-precarizacion-laboral/ gesichtet am 14. Februar 2014 
(16) http://www.telam.com.ar/notas/201307/26546-el-papa-mando-a-buscar-a-35-cartoneros-argentinos-entre-un-millon-de-peregrinos.html gesichtet am 14. Februar 2014 
(17) http://www.noticiasdiaxdia.com.ar/noticias/val/6869-43/-carta-al-evita-desde-el-vaticano-por-juan-grabois.html#.UtMMcvSICSp gesichtet am 14. Februar 2014 
(18) http://www.casinapioiv.va/content/dam/accademia/pdf/sv123/sv123-grabois.pdf gesichtet am 14. Februar 2014 
(19) http://revistaepoca.globo.com/Epoca/0,6993,EPT564366-1653-5,00.html gesichtet am 14. Februar 2014 
(20) Enzyklika Divini Redemptoris, vom 19. März 1937, §§ 4 u. 58. http://www.kirchenlehre.com/kommun.htm Deutscher Text gesichtet am 13. Mai 2014 
(21) http://www.cartamaior.com.br/?/Editoria/Movimentos-Sociais/Os-movimentos-populares-latino-americanos-junto-ao-Papa-Francisco/2/29947 gesichtet am 14. Februar 2014 
(22) http://media01.radiovaticana.va/audiomp3/00404088.MP3 gesichtet am 14. Februar 2014 
(23) http://it.radiovaticana.va/news/2014/01/22/brasile:_compie_30_anni_il_movimento_%E2%80%9Csem_terra%E2%80%9D/it1-766279 gesichtet am 14. Februar 2014 
(24) Enzyklika Graves de communi, vom 18. Januar 1901, Absatz 11. http://www.kathpedia.com/index.php?title=Graves_de_communi_(Wortlaut) Deutscher Text gesichtet am 13. Mai 2014 
(25) Vgl. Plinio Corrêa de Oliveira, Revolution und Gegen-Revolution, I. Teil, Kap. VII, 3. Deutsche Ausgabe 2013 
(26) Kardinal Ratzinger: „Es entsteht eine Diktatur des Relativismus, die nichts als endgültig anerkennt und als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Gelüste gelten läßt.“ (Predigt in der Missa Pro Eligendo Romano Pontifice am 18. April 2005 — http://www.vatican.va/gpII/documents/homily-pro-eligendo-pontifice_20050418_ge.html Deutscher Text gesichtet am 13. Mai 2014 
(27) Enzyklika Immortale Dei, vom 1. November 1885 http://www.kathpedia.com/index.php?title=Immortale_Dei_(Wortlaut) Deutscher Text gesichtet am 13. Mai 2014 
(28) Apostolisches Schreiben Notre charge apostolique, vom 25. August 1910, § 11 http://www.kathpedia.com/index.php?title=Notre_charge_apostolique_%28Wortlaut%29 Deutscher Text gesichtet am 13. Mai 2014 
(29) Apostolisches Schreiben Notre charge apostolique, 25. August 1910, § 9 http://www.kathpedia.com/index.php?title=Notre_charge_apostolique_%28Wortlaut%29 Deutscher Text gesichtet am 13. Mai 2014 
(30) Apostolisches Schreiben Notre charge apostolique, 25. August 1910, § 9 und 10 http://www.kathpedia.com/index.php?title=Notre_charge_apostolique_%28Wortlaut%29 Deutscher Text gesichtet am 13. Mai 2014 
(31) http://www.estadao.com.br/noticias/nacional,ibopecna-92-condenam-ocupacoes-do-mst,485449,0.htm gesichtet am 14. Februar 2014 
(32) O Estado de São Paulo, 22. Januar 2014. 
(33) Dr. Evaristo Eduardo de Miranda, Doktor der Ökologie und Verantwortlicher für den Sektor der Satelitenüberwachung der Embrapa. 
(34) http://www.iica.int/Esp/regiones/sur/brasil/Lists/Noticias/DispForm.aspx?ID=634 gesichtet am 14. Februar 2014 
(35) Notícias Agroinvvesti, 17. Juni 2011, Cleber Bordignon, Agronegócio, um mundo de oportunidades http://www.agroinvvesti.com.br/?menu=noticias&id=907 gesichtet am 14. Februar 2014 
(36) Notícias CNA, 2. November 2011, Brasil e EUA: grandes potências para alimentar o mundo http://www.canaldoprodutor.com.br/comunicacao/noticias/brasil-e-eua-grandes-potencias-para-alimentar-o-mundo gesichtet am 14. Februar 2014 ________________________________________________________ 
Freie Übersetzung aus dem Portugiesischen von TFP-Deutschland, Gladiolenstr. 11, 60437 Frankfurt

Samstag, 17. Mai 2014

Für die im Meer Verschollenen


Für die im Meer Verschollenen
Louis Adolphe Demarest

Musée des Beaux-Arts, Rouen, Frankreich / 
Giraudon / The Bridgeman Art Library - Rechte vorbehalten.

Auf einem steil ins Meer abfallenden Felsplateau hat sich das ganze Fischerdorf zu einer Feier versammelt, die jedes Jahr stattfindet. 

Der Pfarrer hat jenen, die im Meer verschollen sind die Absolution erteilt. Jetzt entfernt sich die Prozession wieder. Wir sehen das Kreuz, den Pfarrer im schwarzen Ornat und vorne die Chorknaben.
Die trauernden Witwen, Eltern und Freunde sind gekommen, um für die Verschollenen zu beten, die ihre Grabstätte im Meer haben. Eine Frau wirft einen Kranz mit Trauerbändern in die Fluten; ein kleines Mädchen wird ein Bukett nach werfen. Rechts Halbwaisen, die von ihrer Mutter an der Hand gehalten werden.
Diese Tragödie ist nur im Hinblick auf das ewige Leben zu verstehen. In Wahrheit ist das Dasein auf Erden wie ein Durchgang durch ein Tal der Tränen, mit dem Ziel, in den Himmel zu kommen.


(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 


von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, November 2012)

Freitag, 16. Mai 2014

Die Votivgabe wird in die Kirche gebracht




Die Votivgabe wird in die Kirche gebracht, 1875 

Privatsammling / The Bridgeman Art Library

Ein Seemann, seine alte Mutter, seine Frau und seine kleine Tochter gehen zur Kapelle hinauf, welche die Bucht überragt, um dort eine Votivgabe an die Hl. Jungfrau Maria als Dank darzubringen.
Bei einem Unwetter hatte er versprochen: „Wenn Du mir hilfst, aus dieser schlimmen Lage herauszukommen, werde ich ein Miniaturmodell meines Schiffes vor Deinen Altar legen, damit jeder weiß, dass Du jene beschützt, die Dich um Hilfe anrufen.“
Es ist Herbst. In dieser friedlichen, harmonischen und schönen Landschaft sieht man die gegenüberliegende Steilküste. Ein Priester, mit dem Rücken zum Betrachter, betet sein Brevier. Die Frauen tragen am Gürtel einen Rosenkranz. Das kleine Mädchen hat einen Blumenstrauß in ihrer Hand, den sie der Gottesmutter am Altar zu Füßen legen wird.
Der Glaube prägt die Denkweise, beeinflusst Sitten und Gebräuche und bestimmt die Rangordnung im täglichen Leben. Er ist maßgebend für Kultur und Zivilisation; die katholische Religion ist noch immer das Fundament der Gesellschaft.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 


von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Oktober 2012)