Dienstag, 15. Dezember 2009

Die Verehrung der Reliquie


Die Verehrung der Reliquie, 1893 - Joaquin Sorolla

Es ist das Fest des heiligen Patrons. Der Priester, mit der Stola um die Schultern, entnahm die Reliquie aus dem goldenen Schrein neben dem Altar. Er stellt sie aus zur Verehrung der Gläubigen. Ein Mädchen mit bedecktem Kopf küsst das Reliquiar. Mit großem Respekt und Andacht nähern sie sich den Resten des Martyrers, der, aus Hass gegen den Glauben getötet wurde und dafür sein Blut vergoss. Ein Messdiener verteilt auf einer Gabenplatte Bildchen des Heiligen mit einem Gebetstext, um seine Fürsprache bei Gott einzusetzen.
Die Volksfrömmigkeit, die ihre Andacht mit Taten äußert und sie in das gesellschaftliche einbringt, ist ein lebendiger Gegenstand der christlichen Tradition, die geschützt werden muss. Doch heute meinen gewisse Staatsvertreter ihre Macht gebrauchen zu können, um Äußerungen der christlichen Frömmigkeit zu untersagen.

Das Ende des Frühstücks



Das Ende des Frühstücks, 1879 - Auguste Renoir

Das Frühstück im Freien, in einem blühenden Garten, ist beendet. Auf dem mit einer weißen Decke gedeckten Tisch stehen nur noch die Kaffeetassen und die Karraffen. Es ist der Moment  für ein Glas Likör, das eine der Damen in der Hand hält. Die Details der charmanten Garderobe ziehen den Blick auf sich an.
Die Frau des Malers, die Renoir gerne in seine Gemälde einfügte, ist die junge Dame in Schwarz, mit einer großen Seidenschleife am Hals.
Das Vergnügen einer eleganten Mahlzeit und einer guten Freundschaft spiegelt sich in den Gesichtern wider. Das Bild, das so angenehm zu betrachten ist, strahlt eine "douceur de vivre", ein Gefühl des Glücks und der Harmonie aus.

Die Zeit der Erlösung ist nah

Es sind tatsächlich viele und große Erweise der Güte, die Gott auf die milde Fürbitte der Jungfrau Maria im Lauf dieser fünfzig Jahre erteilte. Sollen wir da nicht hoffen, "dass unsere Rettung näher ist, als wir glaubten"? Und dies umso mehr, da es erfahrungsgemäß ein Gesetz der göttlichen Vorsehung zu sein scheint, dass Gott am nächsten ist, wo die Gefahr am größten ist. "Nahe ist's, dass komme die Zeit, und ihre Tage werden nicht verlängert werden. Denn der Herr erbarmt sich Jakobs und erwählet nochmals Israel." So haben wir Hoffnung, bald rufen zu können: "Zerbrochen hat Gott den Stab der Gottlosen. Es ruht und schweigt die ganze Erde, sie freut sich und bricht in Jubel aus."

Aus der Enzyklika "Ad Diem Illum" von Pius X. vom 2. Februar 1904

Die Klagen der Völker dessen Regierungen sich gegen Gott und seine Kirche erheben

Von den äußersten Grenzen des Morgenlandes bis zum entferntesten Abendland hören wir die Wehrufe von Völkern, deren Fürsten oder Führer sich verbündet und verschworen haben wider den Herrn und wider seine Kirche. In jenen Ländern sehen wir alles göttliche und menschliche Recht vergewaltigt. Da werden Kirchen niedergerissen und zerstört, Geistliche und gottgeweihte Ordensschwestern aus ihrem Heim vertrieben und mit Spott, Rohheit, Hunger und Kerker gequält; Scharen von Knaben und Mädchen vom Mutterschoße der Kirche weggeraubt und obendrein dazu verführt, Christus abzuschwören und zu lästern, verführt zu schlimmen Unzuchtsünden; das ganze Christenvolk, atemlos gehetzt und versprengt, schwebt in ständiger Gefahr, entweder vom Glauben abzufallen oder eines harten Todes zu sterben. Die Dinge sind wirklich so traurig, dass man meint, mit solchen Vorgängen kündige und zeige sich jetzt schon der Anfang der Wehen an, die der Mensch der Sünde bringen wird, der über alles sich erhebt, was Gott heißt oder Heiligtum.


Aus der Enziklyka "Miserantissimus Redemptor" von Pius XI. vom 8. Mai 1928

Die Kirche ist die Schützerin der legitimen Eigenschaften der Völker

Die Kirche ie bewahrt mit größter Treue die erzieherische Weisheit Gottes; daher kann sie nicht daran denken und denkt nicht daran, die für jedes Volk eigentümlichen Sonderwerte anzutasten oder minder zu achten, die von jedem mit empfindsamer Anhänglichkeit und mit begreiflichen Stolz gehegt und als kostbares Vätergut betrachtet werden. Das Ziel der Kirche ist die Einheit im Übernatürlichen und in umfassender Liebe in Gesinnung und Tat, nicht die Einerleiheit, die nur äußerlich und oberflächlich ist, und gerade darum kraftlos macht.
Die Kirche begrüßt freudig und begleitet mit mütterlichem Wohlwollen jede Einstellung und Bemühung für eine verständige und geordnete Entfaltung solcher eigengearteter Kräfte und Strebungen, die im Eigensein jedes Volkstums wurzeln; Voraussetzung dabei ist nur, dass sie mit den Verpflichtungen nicht im Widerspruch stehen, die sich der Menschheit durch ihren einheitlichen Ursprung und durch die Einheitlichkeit ihrer gemeinsamen Aufgaben auferlegen.
Diese grundsätzliche Regel ist der Leitstern im allumfassenden Apostolat der Kirche, wie ihr Wirken auf dem Missionsfelde nicht nur einmal zeigt. Ungemein viele Untersuchungen und bahnbrechende Forschungen sind das mit Opfern, Hingabe und Liebe gewirkte Werk der Glaubensboten aller Zeiten; Untersuchungen und Forschungen, die darauf abzielten, das innere Verständnis und die Achtung vor verschiedenartigstem Kulturgut zu erleichtern und seine geistigen Werte zum Besten einer lebendigen und lebensnahen Verkündigung der Frohbotschaft Christi zu heben. Jedwede Gebräuche und Gewohnheiten, die nicht unlösbar mit religiösem Irrtum verknüpft sind, werden stets mit Wohlwollen geprüft und - wenn immer möglich - geschützt und gefördert.


Aus der Enzyklika "Summi Pontificatus" von Pius XII. vom 20. Oktober 1939

Die Leugnung des göttlichen Ursprungs der öffentlichen Gewalt führt in den sozialen Ruin


"Die von den Neuerern erfundenen Theorien haben bezüglich der staatlichen Gewalt den Menschen bereits sehr bittere Früchte gebracht, und es ist zu befürchten, dass sie in späteren Zeiten noch das Äußerste an Unglück bringen werden. Denn das Recht des Gebietens nicht auf Gott als auf dessen Ursprung zurückbeziehen zu wollen: das ist nichts anderes, als der staatlichen Gewalt ihren schönsten Glanz zu rauben und ihren Lebensweg zu durchschneiden. Wenn sie sagen, jene (Gewalt) hänge vom Machtspruch der Volksmenge ab, so ist erstens diese Meinung trügerisch; außerdem aber lassen sie die höchste Würde auf einem viel zu schwachen und unbeständigen Fundament ruhen. Denn durch solche Meinungen werden die Regungen der Leidenschaften im Volk gleichsam aufgestachelt, so dass dieses sich um so mehr in Dreistigkeit erhebt, und es wird zu großen Schadendes Staatswohles in seiner blinden Erregung auf dieser abschüssigen Bahn leicht in offene Empörung hinabsinken. In der Tat folgen auf die sogenannte 'Reformation', besonders in Deutschland, dann alsbald Aufstände und höchst verwegene Empörungen, als deren Führer und Förderer die geistliche und die weltliche Gewalt durch ihre neuen Theorien von Grund auf bekämpft haben; und so sehr wütete der Bürgerkrieg mit Feuer und Schwert, dass fast kein Ort von blutigen Unruhen verschont blieb."


Aus der Enzyklika "Diuturnum illud" von Leo XIII. am 29.6.1881

Mittwoch, 9. Dezember 2009

Der Laizismus, die Pest unserer Zeit

Die Pest unserer Zeit ist der sogenannte Laizismus mit seinen Irrtümern und gottlosen Absichten. Ihr wisst, ehrwürdige Brüder, dass diese Plage nicht an einem Tage ausbrach, sondern seit langem die Staaten insgeheim bedrohte. Man begann damit, Christi Herrschaft über alle Völker zu leugnen; man stritt der Kirche ihr Recht ab, das aus dem Rechte Jesu Christi selbst hervorgeht, die Menschheit zu lehren, Gesetze zu geben, die Völker zu leiten, um sie zur ewigen Seligkeit zu führen. Nach und nach wurde die christliche Religion mit den andern, falschen Religionen gleichgestellt und auf äußerst entwürdigende Weise mit diesen auf eine Stufe gestellt; sodann unterwarf man sie der weltlichen Gewalt und lieferte sie der Willkür der Fürsten und Staatsmänner aus. Noch weiter gingen jene, die darauf sannen, die göttliche Religion zu ersetzen durch so etwas wie eine natürliche Religion oder eine bloß gefühlsmäßige Religiosität. Gewisse Staaten glaubten sogar, Gott entbehren zu können; sie machten den Unglauben zu ihrer Religion und bemühten sich, bewusst und absichtlich Gott zu vergessen.
 
Aus der Enzyklika "Quas primas" von Pius XI. vom 11.12.1925

Das Königtum Christi im zeitlichen Bereich

Anderseits würde derjenige sich schwer irren, der Christus als Mensch die Macht über alle zeitlichen Dinge absprechen wollte. Denn er hat vom Vater ein so unumschränktes Recht über alle Geschöpfe bekommen, daß alles seinem Willen unterstellt ist. Doch hat er sich während seines Erdenlebens der Ausübung dieser irdischen Herrschergewalt völlig enthalten. Er selbst hat Besitz und Erwerb menschlicher Dinge verachtet, und beließ sie und beläßt sie noch heute ihren Besitzern. Daran erinnert uns das schöne Wort: "Es greift ein sterblich Reich nicht an, der's Reich des Himmels geben kann."

Aus der Enzyklika "Quas primas" von Pius XI. vom 11.12.1925

Unheilvolle Demokratie, die die Brüderlichkeit von der christlichen Liebe trennt


Nein, Ehrwürdige Brüder, es gibt keine wahre Brüderlichkeit außerhalb der christlichen Liebe, die aus Liebe zu Gott und Seinem Sohn Jesus Christus, unserem Erlöser, alle Menschen umfasst: um allen beizustehen und alle zum selben Glauben und zum selben Glück des Himmels zu führen. Wenn die Demokratie die Brüderlichkeit von der derart verstandenen christlichen Liebe trennt, so bedeutet sie keinen Fortschritt, sondern schafft einen unheilvollen Rückgang der Zivilisation. Denn wenn man, wie wir es aus ganzer Seele wünschen, zum größtmöglichen Wohlergehen der Gesellschaft und jedes einzelnen ihrer Glieder durch die Brüderlichkeit oder, wie man auch sagt, durch eine allgemeine Solidarität gelangen will, dann bedarf es der Einheit der Geister in der Wahrheit, der Einheit der Willensrichtungen in der Moral, der Einheit der Herzen in der Liebe zu Gott und zu Seinem Sohn, Jesus Christus. - Jedoch: diese Einheit ist nur zu verwirklichen durch die katholische Liebe, welche demzufolge allein die Völker im Gang des Fortschritts zu Ideal der Zivilisation führen kann.
 
Aus dem Apostolischen Schreiben "Notre Charge Apostolique" von Pius X. vom 25.8.1910

Die christliche Zivilisation ist die einzig wahre



"Nein, Ehrwürdige Brüder - es muss in diesen Zeiten gesellschaftlicher und geistiger Anarchie, in denen jeder sich selbst als Lehrer und Gesetzgeber aufstellt, immer wieder wirksam daran erinnert werden -: man kann den Staat nicht anders bauen, als Gott ihn gebaut hat; man kann die Gesellschaft nicht errichten, wenn die Kirche nicht die Fundamente legt und nicht die Bauarbeiten leitet; nein, es ist nicht mehr nötig eine Zivilisation zu ersinnen, noch auch einen neuen Staat in den Wolken zu bauen. Es hat sie gegeben und es gibt sie: es ist die christliche Zivilisation, es ist der katholische Staat. Es kann sich nur noch darum handeln, ihn unablässig gegen die immer wieder neu ausbrechenden Angriffe einer falschen Utopie, der Revolte und der Gottlosigkeit auf seine natürlichen und göttlichen Grundlagen zu stellen und ihn darin zu stärken und zu festigen: Omnia instaurare in Christo.


Aus dem Apostolischen Schreiben "Notre Charge Apostolique" vom hl. Pius X. vom 25.8.1910

Wohin die These der absoluten Souveränität des Staates über alles zeitliche führt

Die modernistische Schule begnügt sich nicht nur damit, Kirche und Staat zu trennen. Der Glaube steht nach seinen phänomenalen Elementen unter der Wissenschaft. In der gleichen Weise muss nach ihr in weltlichen Dingen die Kirche unter dem Staat stehen. Vielleicht wird dies noch nicht offen ausgedrückt, jedoch gibt es an dem Schluss kein Vorbeikommen. Hat in den weltlichen Dingen der Staat alleine zu bestimmen, so müssen - falls der Gläubige mit der inneren Betätigung seiner Religion nicht zufrieden ist und damit auch nach außen hervortreten will, zum Beispiel bei der Spendung und beim Empfang der Sakramente - diese Akte notwendigerweise unter die Staatsgewalt fallen. Wo bleibt in diesem Fall die kirchliche Autorität? Sie vermag sich nur durch äußere Akte zu betätigen und ist damit in ihrer ganzen Ausdehnung dem Staat unterstellt. Unter dem Eindruck dieser Logik wollen daher auch manche liberale Protestanten jeden äußeren Kult und auch jeden äußeren religiösen Verband abgeschafft wissen. Nach ihrer Aussage versuchen sie die individuelle Religion einzuführen. Wenn die Modernisten noch nicht offen so weit gehen, verlangen sie dennoch von der Kirche, dass sie sich freiwillig ihren Bestrebungen annähert und sich den bürgerlichen Formen anpasst.
 
Aus der Enzyklika "Pascendi Dominici gregis" von Pius X. vom 8.9.1907

Die Kirche ist das Heilmittel für die gegenwärtige Zivilisation

Wie die Weisheit des Christentums in keine Seele einkehrt, ohne sie besser zu machen, so dringt sie auch in keine Staatsverwaltung ein, ohne einen friedlicheren, ruhigeren Zustand sofort herbeizuführen. Mit dem Begriffe eines für alle sorgenden, allweisen, unendlich gütigen und gerechten Gottes weckt es im Gewissen das Pflichtgefühl, mildert es die Bitterkeit der Leiden, besänftigt es den Zorn und regt es zu heldenmütigen Taten an. Wenn es die heidnischen Völker von Grund aus umzuwandeln vermochte, sie vom völligen Untergange zum Leben zurückrief, wenn es die Barbarei zurückdrängte, wohin es nur seinen Fuß setzte, so wird es in gleicher Weise die durch den Abfall zerrütteten Völker, die zum Christentum zurückkehren, wieder auf die Bahn der Ordnung zurückgeleiten.
 
Aus der Enzyklika "Annum ingressi sumus" von Leo XIII. Vom 19. März 1902

Die Völker, die sich von den christlichen Tugenden abwenden, setzen sich entsetzlichen Gefahren aus

"Bekannt ist das Wort der Heiligen Schrift über das Judenvolk: Solange sie nicht sündigten vor dem Angesichte Gottes, war das Glück mit ihnen. Denn ihr Gott hasst das Unrecht. ... Als sie aber abgewichen waren vom Wege, der ihnen Gott gegeben hatte, auf das sie darauf wandeln sollten, wurden sie in Schlachten vertilgt von vielen Nationen (Jdt. 5, 21-22) Die jüdische Nation war ein unvollkommenes Vorbild des Christenvolkes und in dem, was sich von altersher mit ihr zutrug, lag oft ein Bild künftiger Wahrheit. Nur hat uns Gottes Güte noch mit weit größeren Wohltaten überhäuft und geschmückt: darum macht das Verbrechen des inneren Undankens die Sünde der Christen viel schwerer.
Wohl wird die Kirche zu keiner Zeit und in keiner Weise von Gott verlassen, darum braucht sie vor den Freveln der Menschen nichts zu fürchten. Hingegen kann den Nationen, wenn sie von der christlichen Tugend abfallen, nicht die gleiche Sicherheit gegeben sein, denn 'die Sünde macht die Völker elend' (Spr. 14, 34). Wenn alle vergangenen Jahrhunderte die Bedeutung und Wahrheit dieses Wortes erfahren haben - warum sollte das unsrige von dieser Erfahrung bewahrt bleiben? Schon deuten sehr viele Anzeichen darauf hin, dass die verdienten Strafen bevorstehen, und die Lage der Staaten bestätigt das gleiche: sind doch sichtlich mehrere von ihnen von innere Übel zerrüttet, und keine ist in jeder Hinsicht außer Gefahr. Wenn nun die politischen Cliquen der Gottlosen in ihrer Verwegenheit den eingeschlagenen Weg weiter verfolgen: wenn es ihnen gelingen sollte, für ihre bösen Anschläge und ihre noch schlimmeren Ziele, mit denen sie sich breit machen, weitere Unterstützung und Macht zu gewinnen, so ist in der Tat die Furcht begründet, dass sie ganze Staaten von ihren naturgegebenen Fundamenten hinabstürzen werden.
So entsetzliche Gefahren vermag aber menschliche Bemühung allein nicht zu wehren, zumal die vom christlichen Glauben abgefallene große Masse die gerechte Strafe für ihren Stolz darin erleidet, dass sie, von ihren Leidenschaften blind gemacht, vergebens nach der Wahrheit sucht. Lügen statt des Wahren hochschätzt und sich selbst für weise hält, wenn sie 'das Böse gut und das Gute böse' nennt, indem sie 'die Finsternis für das Licht und das Licht für Finsternis' ansieht (Is. 5, 20).
 
Aus der Enzyklika "Sapientiae christianae" von Leo XIII. vom 10.1.1890

Die christliche Zivilisation

Obgleich die Kirche, dieses unsterbliche Werk des barmherzigen Gottes, an sich und ihrer Natur nach das Heil der Seelen und die einstige Glückseligkeit im Himmel zur Aufgabe hat, so gehen doch von ihr große und reiche Segnungen auch über die Dinge des vergänglichen Bereiches aus; und zwar so sehr, dass, wäre die Kirche in erster Linie und hauptsächlich für die Wohlfahrt des Lebens hier auf Erden gegründet worden, diese Segnungen nicht zahlreicher und größer sein könnten.

Aus der Enzyklika "Immortale Dei" von Leo XIII. vom 1.11.1885

Dienstag, 1. Dezember 2009

Die Brautjungfer

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Die Brautjungfer
- ca. 1883-85 -
James Tissot

Eine elegant gekleidete Brautjungfer bereite sich für den Einstieg in die Droschke vor, in der sich schon die Braut befindet, von der man nur ein Teil des Kleides sieht, welches Ende des 19. Jahrhunderts gewöhnlich in Farbe war. Der Bräutigam, in vornehmer und höflicher Haltung, hält den Saum des langen Brautkleides beiseite und über der jungen Dame einen Schirm. In der geschäftigen Strasse bleiben einige stehen und schauen zu; ein Laufjunge oder Lehrling vorne rechts ruft, "es lebe die Braut!" Der Charme und die Leutseligkeit, die aus dieser Szene hervorgehen, kommen nicht nur von der Schönheit der Kleider, sondern auch von dem zeremoniösen Umgang unter den Menschen in wichtigen Momenten des gesellschaftlichen Lebens. Die hier wiedergegebene Szene, ist noch aufgebaut auf die Institution der Familie, deren Fundament die unauflösliche Ehe ist.
Benoît Bemelmans 

Samstag, 28. November 2009

Der von einem Blitz getroffene Hirte

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Der von einem Blitz getroffene Hirte - Jakob Becker

Der Blitz schlug gerade in den Baum ein, unter dem der Hirte Zuflucht vor dem Gewitter gesucht hatte. Die Feldarbeiter, die in der Umgebung das Heu zusammentrugen, eilen herbei ihm zu helfen. Ein junger Mann legt ihn in seinem Schoß, eine Frau streichelt ihm die Stirn, um ihn wohl wieder zum Bewusstsein zu verhelfen, ein anderes Mädchen ist verzweifelt. Selbst die Schafe schauen verwirrt drein, sich ohne Hüter zu sehen; und der Hund scheint mit seiner Pfote und Schnauze seinen Herren wecken zu wollen. Der brennende Baum wirft einen tragischen Schein über die Szene, während der Himmel noch von schwarzen Wolken bedeckt ist. Ein dramatisches Ereignis im Leben eines Menschen, das uns einige grundlegende Wahrheiten in die Erinnerung bringt. Zunächst, das diese Welt ein Tal der Tränen ist, das die Menschheit mit Mühe durchschreiten muss. Und dann, dass nur der Glauben an das ewige Leben unserer Wanderung auf Erden einen Sinn gibt, unter dem mütterlichen und notwendigen Schutz der Jungfrau Maria. (Benoît Bemelmans)

Donnerstag, 26. November 2009

Der Liederhändler


Der Liederhändler, 1903 - Victor Gabriel Gilbert


Einige Familien haben sich an einem Sommerabend auf der Straße um den Liederhändler versammelt. Das war damals noch ein sehr sympathischer Straßenberuf, der leider verschwunden ist; die Flut der Gesetzgebung in einem allgegenwärtigen Staat und die Hektik der modernen Welt haben ihn erschlagen.
Die Melodie klingt in den Abend hinein und wird von den zwei jungen Mädchen aufgenommen. In allen Gesichtern kann man die schlichte und ruhige Freude des Zuhörens vernehmen. Auf dem Tisch verbreitet eine Petroleumlampe ihren sanften Schein, der es ermöglicht die Notenblätter der Lieder zu lesen, die der Mann mit der Gitarre am Ende seiner Vorführung für einige wohlverdiente Münzen verkaufen wird: es ist die Frucht seiner Arbeit. Das Zusammentreffen dieser Menschen, Eltern, Kindern, Nachbarn, Vorbeigehende strahlt Frieden und Harmonie aus: weil diese Gesellschaft noch aufgebaut und gegliedert ist wie eine große Familie. 

(Benoît Bemelmans)

Dienstag, 24. November 2009

Ein besonderer Fürsprecher

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Ein besonderer Fürsprecher, 1893 - Charles Barber

Ein reizendes kleines Mädchen mit seinen blonden Locken und dem weißen Kleidchen lehnt an die Tapetenwand und trocknet sich die Tränen. Seine Eltern haben es wohl bestraft; gute Erziehung setzt auch Bestrafung in Maßen voraus. Die Puppe, die auf dem glänzenden Boden liegt, unterstreicht den Gemütszustand des Mädchens in diesem Moment: Die Spiele sind beendet und alles scheint für eine Zeit verloren zu sein.
Der Colley macht sich zum Anwalt seiner kleinen Herrin: Er hebt die Pfote, wie um für das Anliegen des kleinen schmollenden Kindes, das in die Ecke verwiesen wurde, zu plädieren. Verzeihen und Trösten gehört auch zu einer gesunden Erziehung in der Familie. (Benoît Bemelemans)

Montag, 5. Oktober 2009

VIII. Die Rolle von Verstand, Wille und Gefühl bei der Bestimmung des menschlichen Handelns




Die vorausgegangenen Überlegungen verlangen eine Vertiefung bezüglich der Rolle die Verstand, Wille und Gefühl im Zusammenhang von Irrtum und Triebe spielen.
Es könnte nämlich der Eindruck entstanden sein, wir würden behaupten, dass jeder Irrtum vom Verstand entwickelt wird, um irgendeine Form ungezügelter Triebe zu rechtfertigen. Somit sähe sich der Moralist, der eine liberale Maxime aufstellte, stets von einer liberalen Tendenz dazu getrieben.
Das ist jedoch nicht unsere Meinung. Denn es kann durchaus geschehen, dass der Moralist einzig und allein infolge der von der Erbsünde in Mitleidenschaft gezogenen Geistesschwäche zu einem liberalen Schluss kommt.
Hat es in diesem Fall nicht notwendigerweise ein moralisches Vergehen anderer Natur gegeben wie zum Beispiel eine Nachlässigkeit? Diese Frage liegt außerhalb des hier besprochenen Themenbereichs.
Wir behaupten jedoch, dass, historisch gesehen, der allererste Ursprung der Revolution in einem unbändigen Aufwallen der Triebe lag. Wir bestreiten auch keineswegs die wichtige Rolle der Glaubensirrtümer in diesem Prozess.

Bedeutende Autoren wie de Maistre, de Bonald, Donoso Cortes und viele andere haben sich mit diesen Irrtümern näher beschäftigt und erklärt, wie vom 15. zum 16. Jahrhundert und weiter bis ins 20. Jahrhundert ein Irrtum den anderen ergeben hat. Deshalb möchten wir dieses Thema hier nicht näher angehen.
Es scheint uns jedoch durchaus angebracht, auf die Bedeutung der Faktoren "Triebe" und ihren Einfluss auf die rein ideologischen Aspekte des Revolutionsprozesses, in dem wir uns befinden, einzugehen. Denn es will uns scheinen, dass man diesem Punkt zu wenig Aufmerksamkeit schenkt, mit der Folge, dass ein unvollständiges Bild der Revolution entsteht und daher ungeeignete gegenrevolutionäre Methoden angewendet werden.
Über die Art, wie die Triebe auf die Ideen einwirken, ist hier noch einiges anzufügen.

1. Die gefallene Natur, die Gnade und der freie Wille

Schon vom Potenzial seiner Natur aus ist der Mensch imstande viele Wahrheiten zu erkennen und eine Reihe von Tugenden üben. Doch ohne die Hilfe der Gnade ist es ihm nicht möglich, dauerhaft diese Kenntnis zu bewahren und alle Gebote zu beobachten (vgl. I. Teil, VII. Kapitel, 2 D).
Das heißt, im gefallenen Menschen besteht eine Verstandesschwäche und eine ursprüngliche, jedem Gedankengang vorgegebene Neigung zum Aufstand gegen das Gesetz. (Die von Donoso Cortes in seinem "Ensayo sobre el Catolicismo, el Liberalismo y el Socialismo" (33) entwickelte Darstellung dieser Wahrheit hat vieles mit der vorliegenden Arbeit gemeinsam.)

2. Der Keim der Revolution

Diese Grundneigung zur Auflehnung kann in einem gewissen Moment die Zustimmung des freien Willens erhalten. Somit sündigt der gefallene Mensch, indem er das eine oder andere Gebot übertritt. Seine Auflehnung kann aber darüber hinausgehen bis zu einem mehr oder weniger uneingestandenen Hass gegen die gesamte sittliche Ordnung. Dieser wesenhaft revolutionäre Hass kann Lehrirrtümer hervorbringen, ja sogar zum bewussten und eindeutigen Bekennen von Prinzipien führen, die dem Sittengesetz und der geoffenbarten Lehre als solche entgegengesetzt sind, was einer Sünde gegen den Heiligen Geist gleichkommt. Als dieser Hass die grundlegenden Tendenzen der abendländischen Geschichte zu bestimmen begann, begann die Revolution, deren Prozess heute vor uns abläuft und in deren Irrtümer er unverkennbar seinen Stempel aufgedrückt hat. Er ist die wirksamste Ursache der großen Apostasie unserer Tage. Seiner Natur nach kann er nicht einfach auf ein doktrinäres System reduziert werden; er ist vielmehr der ungezügelte Trieb in höchstem, maßlosem Grad.
Es ist leicht zu erkennen, dass diese Behauptung, die sich auf diese konkrete Revolution bezieht, nicht besagt, ein ungezügelter Trieb müsse immer an der Wurzel eines Irrtums sein.
Und es soll auch nicht geleugnet werden, dass es oftmals ein Irrtum in dieser oder jener Seele oder in dieser oder jener sozialen Gruppe war, der zur Zügellosigkeit der Triebe geführt hat.
Wir behaupten nur, dass der revolutionäre Prozess als Ganzes und in seinen wichtigsten Episoden betrachtet, seinen regesten und tiefsten Keim in den zügellosen Trieben hatte.

3. Revolution und Unredlichkeit

Dem könnte man folgenden Einwurf entgegenhalten: Wenn die Triebe im Revolutionsprozess eine so wichtige Rolle spielen, dann scheint das Opfer dieses Prozesses immer, immer irgendwie, böswillig zu handeln. Wenn zum Beispiel der Protestantismus eine Frucht der Revolution ist, handelt dann jeder Protestant böswillig? Steht diese Behauptung nicht im Widerspruch zur Lehre der Kirche, die annimmt, dass es in anderen Religionen gutwillige Menschen gibt?
Es ist klar, dass ein echt gutgläubiger Mensch mit einem grundlegenden gegenrevolutionären Geist infolge unüberwindlicher Unwissenheit im Netz revolutionärer Sophismen - religiöser, philosophischer, politischer oder sonstiger Natur - gefangen sein kann. Solche Menschen haben natürlich daran keine Schuld.
Mutatis mutandis lässt sich das gleiche von jenen sagen, die infolge eines ungewollten falschen Verständnisses in einen oder anderen Punkt der revolutionären Doktrin zustimmen.
Wenn sich aber jemand dem Geist der Revolution anschließt, angetrieben durch ihre entfesselten Triebe, muss die Antwort eine andere sein.
Ein Revolutionär kann unter diesen Umständen von der Vorzüglichkeit seiner subversiven Leitsätze überzeugt sein. Er wäre also nicht unehrlich, er ist aber schuld an dem Irrtum, in den er gefallen ist.
Es kann auch vorkommen, dass ein Revolutionär eine Lehre vertritt, von der er nicht oder nur halbwegs überzeugt ist. In diesem Fall wäre er ganz oder teilweise unredlich...
In dieser Hinsicht ist es wohl kaum nötig hervorzuheben, dass wir mit der Behauptung, der Marxismus sei schon in der Reformation und in der Französischen Revolution enthalten gewesen, nicht sagen wollen, dass die Anhänger beider Bewegungen bewusst Marxisten "avant la lettre" gewesen seien und ihre wahre Meinung heuchlerisch getarnt hätten.
Das Wesen der christlichen Tugend ist die rechte Anordnung der Seelenkräfte und die Steigerung der Klarheit des von der Gnade erleuchteten und vom kirchlichen Lehramt geleiteten Verstandes. Aus keinem anderen Grund sind alle Heiligen ein Beispiel der Ausgeglichenheit und der Unvoreingenommenheit. Die Sachlichkeit ihrer Urteile und die feste Entschlossenheit ihres Willens zum Guten werden auch nicht im geringsten durch den giftigen Hauch der ungezügelten Triebe geschwächt.
In dem Maße aber, in dem der Mensch von der Tugend abkommt und sich unter das Joch dieser Triebe stellt, nimmt seine Sachlichkeit in allem ab, was mit diesen Tugenden verbunden ist. Ganz besonders wird die Sachlichkeit bezüglich der Beurteilung seiner selbst gestört.
Inwieweit sich der vom Geist der Revolution geblendete Revolutionär der langsamen Gangart im 16. oder im 18. Jahrhundert tatsächlich bewusst war von der tieferen Bedeutung und den letzten Konsequenzen ihrer Lehre, ist von Fall zu Fall ein Geheimnis Gottes.
Jedenfalls ist die Hypothese, sie seien alle bewusste Marxisten gewesen, völlig auszuschließen.



IX. Auch der „Halbgegenrevolutionär“ ist ein Kind der Revolution



Alles bisher Gesagte gibt Anlass zu einer praktischen Beobachtung.
Menschen, die von dieser inneren Revolution geprägt sind, können eventuell auf Grund äußerer Umstände und Zufälle, wie z.B. einer in stark traditionalistischen und sittlichkeitsbewusster Umgebung genossenen Erziehung, in einem oder mehreren Punkten eine gegenrevolutionäre Haltung bewahren (s. I. Teil, Kapitel VI., 5 A).
Dennoch hat sich in der Mentalität dieser „Halbgegenrevolutionäre“ der Geist Revolution festgesetzt. Und in einem Volk, das sich in seiner Mehrheit in einem solchen Geisteszustand befindet, ist die Revolution unbezwingbar, solange sich dieser Zustand nicht ändert.
Somit bedingt die Einheit der Revolution auf der anderen Seite, dass der echte Gegenrevolutionär nur ein Ganzer sein kann.
Was die „Halbgegenrevolutionäre“ angeht, in deren Seele das Idol der Revolution zu schwanken beginnt, sieht die Lage etwas anders aus. Im zweiten Teil, Kapitel XII 10, werden wir näher darauf eingehen.


Montag, 4. Mai 2009

Peru: Hunderttausend pilgern zur Muttergottes von Chapi


Weder die Hitze, noch der lange Weg oder die Empfehlung der Gesundheitsbehörden, wegen der Schweinegrippe große Menschenansammlungen zu verhindern, haben die Gläubigen davon abhalten können, zum 1. Mai zur Patronin von Arequipa, der Jungfrau von Chipa zu pilgern. Entgegen den Erwartungen kamen in diesem Jahr weit mehr Pilger als gewöhnlich: Es wurden an die 100 Tausend gezählt.

Die Wallfahrten nach Chipa begannen in Jahr 1790. Die Pilger brauchen rund fünfzehn Stunden um den 45 Kilometer langen Weg zum größten Teil des Nachts zu gehen. Chipa liegt 2420 Meter hoch.

Mittwoch, 15. April 2009

X. Kultur, Kunst und Umwelt (Ambiente) in der Revolution



Nachdem wir die Komplexität und das Ausmaß des revolutionären Prozesses, in den tieferen Schichten der Seele und somit auch in der Mentalität der Völker beschrieben haben, ist es nun leichter, die Bedeutung von Kultur, Kunst und Umwelten (Ambiente)* für den Vormarsch der Revolution aufzuzeigen.

1. Kultur

Die revolutionären Ideen liefern den Tendenzen, aus denen sie hervorgegangen sind, die Mittel, die sie benötigen, um in den Augen der Person selbst und der anderen als gut bürgerlich dazustehen. Dem Revolutionär helfen sie, in seinen Mitmenschen die rechten Überzeugungen ins Wanken zu bringen und auf diese Weise in ihnen den Aufstand der Triebe auszulösen oder zu steigern. Sie inspirieren und bilden die von der Revolution geschaffenen Institutionen. Diese Ideen kann man in den verschiedensten Bereichen der Kultur und Wissenschaft antreffen, denn es gibt kaum einen, der von ihnen im Kampf zwischen Revolution und Gegenrevolution nicht direkt oder indirekt berührt würde.

2. Kunst

Da Gott geheimnisvolle, wunderbare Beziehungen zwischen bestimmten Farben, Formen, Tönen, Düften, Geschmacksempfindungen einerseits und gewissen Seelenzuständen andererseits geschaffen hat, ist es einleuchtend, dass mit Hilfe dieser Mittel die Mentalität sehr tief beeinflusst werden kann und zur Bildung einer revolutionären Geisteshaltung in Menschen, Familien und Völker führen kann. Es sei hier nur am Zusammenhang zwischen dem Geist der Französischen Revolution und den aus diesem hervorgegangenen Modebewegungen erinnert oder zwischen den revolutionären Aufwallungen unserer Tage und der Extravaganz der heutigen Moden und sogenannten fortschrittlichen Kunstschulen.

3. Umwelten

In dem Maß, in dem Ambiente oder Umwelten gute oder schlechte Sitten fördern, sind sie in der Lage der Revolution den bedeutsamen Widerstand aller gesunden Gewohnheiten oder wenigstens der Trägheit entgegenzusetzen. Sie können aber auch den Seelen die Giftstoffe und die unheimlichen Energien des revolutionären Geistes vermitteln.

4. Die historische Aufgabe von Kunst und Umwelt im revolutionären Prozess

Man muss deshalb wohl oder übel zugeben, dass die allgemeine Demokratisierung der Sitten und Lebensweisen, die zunehmend und systematische zu extremer Vulgarität geführt hat, sowie der proletarisierende Einfluss einer gewissen modernen Kunst in dem selben Ausmaß oder noch mehr zum Triumph des Egalitarismus beigetragen hat als die Einführung gewisser Gesetze oder gewisser politischer Institutionen.Ebenso würde auch jemand, der zum Beispiel das unmoralische, agnostische Kino und Fernsehen zum Schweigen brächte, viel mehr für die Gegenrevolution getan haben, als einer, der in der Routine eines parlamentarischen Systems ein linksorientiertes Kabinett zum Sturz gebracht hätte.

*) Umwelt, Ambiente, bedeuten hier die Umgebung, das Milieu, in dem Menschen und auch die Gesellschaft leben und sich bewegen. Alles was die Umgebung ausmacht, beeinflusst den Menschen bzw. die Gesellschaft im Sinne von Revolution oder Gegenrevolution.


Mittwoch, 18. März 2009

XI. Revolution, Sünde und Erlösung — Die revolutionäre Utopie

Unter den vielen Aspekten der Revolution ist es wichtig hervorzuheben, dass sie ihre Kinder dazu führt, Begriffe wie Gut und Böse, Erbsünde und Erlösung zu unterschätzen oder gar zu leugnen.

1. Die Revolution leugnet Sünde und Erlösung

Wie wir gesehen haben, ist die Revolution ein Kind der Sünde. Würde sie diese Tatsache jedoch anerkennen, würde sie sich selbst bloßstellen und sich gegen ihren eigenen Ursprung wenden.
So erklärt es sich, daß die Revolution nicht nur mit einem Mantel des Schweigen ihre Herkunft bedeckt, sondern sogar den Begriff der Sünde selbst leugnet. Diese radikale Leugnung der Sünde schließt ebenso die Erbsünde wie die persönliche Sünde ein. Sie geschieht vor allem:
— in philosophischen und juristischen Systemen, die einem moralischen Gesetz jede Gültigkeit und gar Existenz absprechen oder es auf die haltlosen, lächerlichen Fundamente des Laizismus stellen,
— in Tausenden von Propagandaaktionen, die die Massen in einen seelischen Zustand versetzen, in dem es zwar nicht geradeheraus heißt, es gebe keine Moral, aber doch so getan wird, als sei nicht vorhanden; die der Tugend geschuldete Verehrung aber wird auf Götzen wie Geld, Arbeit, Macht, Erfolg, Sicherheit, Gesundheit, körperliche Schönheit, Muskelkraft, Sinnengenuß und dergleichen umgeleitet.So zerstört die Revolution im heutigen Menschen nach und nach den Begriff der Sünde selbst und damit die Unterscheidung zwischen Gut und Böse. Ipso facto leugnet sie dann auch die Erlösung durch Unseren Herrn Jesus Christus, denn ohne Sünde verliert diese ihren Sinn und jeden logischen Bezug zu Geschichte und Leben.

2. Ein geschichtliches Beispiel:
Die Leugnung der Sünde im Liberalismus und Sozialismus

In jeder Phase war die Revolution stets darauf aus, die Sünde zu unterschätzen oder radikal zu leugnen.

A. Die unbefleckte Empfängnis des Individuums

In ihrer liberalen, individualistischen Phase lehrte sie, daß der Mensch über eine unfehlbare Vernunft, einen starken Willen und jeder Zügellosigkeit abholde Leidenschaften verfügt. Daraus wurde die Vorstellung von einer menschlichen Ordnung abgeleitet, in der das als vollkommenes Wesen angesehene Individuum alles war, der Staat aber nichts oder fast nichts, ein notwendiges Übel und vielleicht nur vorerst notwendig. In dieser Zeit, glaubte man, die einzige Ursache allen Übels, aller Irrtümer und Verbrechen sei die Unwissenheit. Schulen eröffnen hieße Gefängnisse schließen. Das Hauptdogma dieser Illusion war die unbefleckte Empfängnis des Individuums.
In dieser Phase versuchte der Liberale sich von einer eventuellen Übermacht des Staates zu verteidigen und die Bildung von Cliquen, die ihm die Leitung der öffentlichen Angelegenheiten abnehmen würden, zu verhindern. Seine wichtigsten Waffen dazu waren die Gewährung politischer Freiheiten und die Einführung des allgemeinen Wahlrechts.

B. Die unbefleckte Empfängnis der Masse und des Staates

Die Unhaltbarkeit dieser Lehre zeigte sich wenigstens teilweise schon im vergangenen Jahrhundert. Die Revolution gab jedoch nicht auf. Statt ihren Irrtum zuzugeben, ersetzte sie ihn durch einen neuen, nämlich durch die unbefleckte Empfängnis der Massen und des Staates. Der Einzelne neigt zum Egoismus und kann irren; die Massen aber irren nie und lassen sich nicht von den Leidenschaften hinreißen. Ihr makelloses Werkzeug ist der Staat. Ihr unfehlbares Sprachrohr ist das allgemeine Wahlrecht, das von sozialistischen Gedankengut durchdrungene Parlamente schafft, oder aber der starke Wille eines charismatischen Diktators, der die Massen stets zur Verwirklichung ihres Willens führt.

3. Die Erlösung durch Wissenschaft und Technik: Die Utopie der Revolution

Gleich ob die Revolution ihr ganzes Vertrauen auf das einzelne Individuum, die Massen oder den Staat setzt, sie vertaut sich immer dem Menschen an. Durch Wissenschaft und Technik selbständig geworden, kann er alle seine Probleme lösen und Schmerz, Armut, Unwissenheit, Unsicherheit, alles schließlich, was wir als Folge der Erbsünde und der aktuellen Sünde bezeichnen, aus der Welt schaffen.
Eine Welt, in der die zu einer Weltrepublik vereinigten Vaterländer nichts anderes sind als geographische Bezeichnungen, eine Welt ohne soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten, unter der Leitung von Wissenschaft und Technik, durch Propaganda und Psychologie, in der der Mensch ohne Rückgriff auf das Übernatürliche seine endgültige Glückseligkeit verwirklichen kann: das ist die Utopie, zu der die Revolution uns führt.In einer solchen Welt hat die Erlösung durch Unsern Herrn Jesus Christus kein Platz mehr, denn der Mensch wird das Böse durch die Wissenschaft überwunden und die Erde in einen technisch vergnügliche „Himmel“ verwandelt haben. Und mit einer unendlichen Verlängerung des Lebens hofft er eines Tages auch den Tod besiegen zu können.

Freitag, 6. März 2009

XII. Der pazifistische und antimilitaristische Charakter der Revolution

Das im vorausgegangenen Kapitel Gesagte macht es uns leicht, den pazifistischen und antimilitaristischen Charakter der Revolution zu verstehen.

1. Die Wissenschaft wird Kriege, Streitkräfte und Polizei erübrigen

Im technologischen Paradies der Revolution hat immerwährender Friede zu herrschen, denn die Wissenschaft beweist, daß der Krieg ein Übel ist, und die Technik wird in der Lage sein alle Kriegsursachen zu verhindern.
Deshalb sind Revolution und Streitkräfte grundsätzlich Unvereinbar miteinander. Deshalb müssen die Streitkräfte völlig abgeschafft. Solange Wissenschaft und Technik aber noch nicht in der Lage sind, das Verbrechen zu beseitigen, wird es in der Weltrepublik nur eine Polizei geben.

2. Doktrinäre Unvereinbarkeit von Revolution und Uniform

Schon allein die Präsenz der Uniform bedeutet mittelbar das Bestehen einiger Wahrheiten, die zwar ohne Zweifel allgemeiner, aber nichtsdestoweniger gegenrevolutionärer Natur sind:
— Dass es Werte gibt, die über dem Leben stehen, und für die man zu sterben bereit sein muß. Gerade dies widerspricht der sozialistischen Mentalität, die eine tiefe Abneigung gegen alles hegt, was Gefahr und Schmerz mit sich bringt, denn für sie ist Sicherheit das höchste Gut und sie hängt mit allen Kräften am Leben;
— Dass es eine Moral gibt, denn das ganze Militärwesen beruht auf Begriffen wie Ehre und Stärke, die im Dienste des Guten und gegen das Böse stehen.

3. Das „Temperament“ der Revolution ist dem militärischen Leben abgeneigt

Zwischen der Revolution und dem Militärgeist besteht schließlich eine aus den entgegengesetzten Temperamenten geborene Abneigung. Solange die Revolution nicht alle Zügel in der Hand hat, gibt sie sich redselig, fabulierend, deklamatorisch. Es widerstrebt dem gegenwärtigen Temperament der Revolution die Dinge direkt, auf drastische, trockene Art, „more militari“ zu erledigen. Wir sagen „gegenwärtig“ und meinen damit das Stadium, in dem sich die Revolution heute in unserer Mitte befindet. Denn wir wissen wohl, dass es nichts Despotischeres und Grausameres gibt als die Revolution, wenn sie allmächtig wird; Russland ist dafür ein gutes Beispiel. Aber selbst dort bleibt noch ein Unterschied bestehen, denn militärischer Geist hat nichts mit Henkersgeist gemein.

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Nachdem wir die revolutionäre Utopie unter ihren verschiedenen Aspekten analysiert haben, betrachten wir den ersten, über die Revolution handelnden Teil dieser Arbeit als abgeschlossen.