Dienstag, 23. Dezember 2014

Begegnung mit Plinio Correa de Oliveira

Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira

Katholischer Streiter in stürmischer Zeit
  
Plinio Corrêa de Oliveira (1908–1995) war kein Kleriker. Trotzdem gehörte der Journalist und Schriftsteller zu denen, die sich mit Wort und Tat in den Dienst der katholischen Kirche stellten. Wie kein anderer war er als Mann der Tat, als Leiter, Gründer und Inspirator diverser Organisationen im Sinne der Kirche tätig. Sein Leben und Wirken verkörpern ein herausragendes Beispiel für gelebtes Christentum und lassen erkennen, wie ein Mensch in allen möglichen Situationen und Widrigkeiten des Lebens die Belange der katholischen Kirche vertreten kann.

»Ein so reiches und intensives Leben in einer kurzen Biographie zusammenzufassen, ist keine leichte Aufgabe, die aber Mathias von Gersdorff, ein mutiger katholischer Schriftsteller, den ich seit langem kenne und schätze, mit Bravour gelöst hat. Überdies ist der persönliche Blickwinkel, unter dem von Gersdorff schreibt, besonders reich: Dank seiner zahlreichen privaten Begegnungen mit Plinio Corrêa de Oliveira […] gelingt es ihm, ein sehr lebhaftes Bild dieses großen Mannes zu zeichnen, der eine breite Bildung und die Umgangsformen eines Kavaliers der alten Schule […] mit einem tiefen inneren Leben verband.«
Roberto de Mattei


Mathias von Gersdorff wurde 1964 in Santiago de Chile geboren. Er ist seit 1990 in der Lebensrechtsbewegung aktiv und leitet seit 1993 die Aktion »Kinder in Gefahr« der DVCK e.V. Seine Kolumnen erscheinen regelmäßig in u.a. der »Jungen Freiheit«, der »Freien Welt« und im »Christlichen Forum«. 

Buchinformationen:
Titel: Begegnung mit Plinio Corrêa de Oliveira. Katholischer Streiter in stürmischer Zeit
Autor: Mathias von Gersdorff
ISBN : 978-3-86417-033-1
Einband: Hardcover
Seiten: 154
Format: 13 cm x 21 cm
Preis: 14,80 € [D], 15,30 € [A], 21,90 CHF
Patrimonium-Verlag
Bestellungen: Fax: 0241 - 87 55 77  oder

Donnerstag, 18. Dezember 2014

„Stille Nacht, heilige Nacht“


Rußland, am Heiligen Abend 1946.

Im Lager der deutschen Kriegsgefangenen ist es still geworden. Todmüde von der schweren Arbeitsschicht im Kohlenbergwerk haben sich die meisten aufs Lager gestreckt, den schmutzigen Bergmannsanzug über den Kopf gezogen, damit man ja schnell hinüberschlummert ins Land der Träume — diese eine goldene Brücke zur Heimat.

Nur ein paar Unentwegte versuchen Weihnachten zu feiern. Ein paar Texte und halbfalsche Melodien alter Weihnachtslieder, das ist alles. Eine Grubenlampe wirft ihr unruhiges Licht in den weiten Raum, in dem heute so viel Heimweh und Sehnsucht schlummern.

Da wird plötzlich die schwere Riegeltür aufgerissen und das von den Kriegsgefangenen am meisten gefürchtete Kommando versetzt alle in die harte Gegenwart zurück:

„Das ganze Lager antreten!“

Wahrscheinlich ein üblicher Zählappell mit stundenlangem Warten in der Kälte.

Von den Wachtürmen suchen Scheinwerfer die in Reih’ und Glied stehenden, frierenden Gestalten ab. Wache und Lagerkommandant, in Mantel und Pelz gehüllt, treten vor. Ein Dolmetscher wird zum Kommandanten gerufen. Satz für Satz übersetzt er ins Deutsche, dass es alle verstehen können: „Kriegsgefangene! In eurer deutschen Heimat wird heute von Reaktionären ein Fest gefeiert, das zwei Tage dauert. In der Sowjetunion hat man keine Zeit zum Feste feiern. Da wird gearbeitet zum Wohle aller Proletarier der Welt, damit für sie bald die Befreiungsstunde schlage. Darum singt jetzt, zum Zeichen eurer Verbundenheit mit allen Werktätigen die ,Internationale‘.“

Schon beginnt der Dolmetscher vorne:
„Wacht auf, Verdammte dieser Erde ... “ Und die tausend Gefangenen schweigen; im Hintergrund beginnt einer ein anderes Lied, einige singen mit, erst zaghaft:
„Stille Nacht, heilige Nacht...“ dann aber stimmen alle ein, voll und kräftig. Die erste Strophe ist beendet. Der Dolmetscher wiederholt eben den Schluss der „Internationale“: „Völker, hört die Signale ... “, da erklingt wie ein Trotzlied die andere Strophe des „Stille Nacht“, und die letzten Worte singen — nein, rufen tausend Mann in die geheimnisvolle Nacht: „Christ, der Retter ist da, Christ, der Retter ist da.“
Das klingt wie ein begeistertes Glaubensbekenntnis und dringt hinaus durch den dreifachen Stacheldrahtzaun, hinein in die endlose russische Steppe.

Dann herrscht atemberaubende Stille. Der Kommandant richtet an den Dolmetscher eine Frage. Die Antwort erklingt laut: „Das war die ,Internationale‘ nach deutscher Melodie.“


(Bericht von einem, der dabei war und mitgesungen hat)



Mittwoch, 17. Dezember 2014

Es ist ein Ros entsprungen ...


Niemand weiß mehr genau, welches Jahr die Chronisten der Welt in ihren Büchern verzeichneten, als ein junger Mönch mit Namen Laurentius in einem Kloster unweit von Trier lebte. Doch es mag um das Jahr 1600 gewesen sein. Jenes Kloster erhob sich in stattlicher Höhe über dem Moseltal inmitten einer gottgesegneten Landschaft.

Laurentius hatte nach dem Geheiß seines Vaters in jungen Jahren die Weihen genommen und sich willig, mit der Geduld des wahrhaft frommen Menschen in die Gemeinschaft der Brüder eingelebt. Er lebte unter seinesgleichen voll sanfter Zurückhaltung und einer ungezwungenen Leidenschaftslosigkeit. Sein gütiges Wesen, die Art, wie er im Gespräch die Worte zu setzen, und der Eifer, mit dem er zu arbeiten wusste, trugen ihm beizeiten die besondere Liebe und Zuneigung des Priors ein. Keines anderen Stimme war beim abendlichen Tedeum so erfüllt von Inbrunst und Fröhlichkeit wie die seine.

Nächtelang studierte er alte Schriften und übertrug Teile daraus mit schönen und klaren Lettern in ein selbstgebundenes Buch. Da er zudem von je eine starke Neigung zur Musik besessen hatte, übte er sich im Lesen und Niederschreiben von Noten, und wenn er, wie es nicht selten geschah, die Orgel spielte, flossen die Melodien so ineinander, dass er manchmal nicht zu unterscheiden wusste, welche davon er selber erdacht und welche er von alten Meistern übernommen hatte.

An einem Weihnachtsmorgen hatte Laurentius sich früh von seinem Lager erhoben; denn es waren viele Pilger zu erwarten, die alljährlich ins Kloster kamen, um dort die Christmette zu hören. Da der junge Mönch das Amt des Pförtners innehatte, war es sein Dienst, dafür zu sorgen, dass niemand vor dem Tor unnötig zu warten brauchte.

Aber noch war es dunkel draußen, und keine Menschenseele rührte sich. In der Nacht hatte es unaufhörlich geschneit. Laurentius trat die ersten Spuren in den frischen Schnee, als er den Klostergarten durchquerte, um zur Pforte zu gelangen. Ein blasser, dunstiger Mond erhellte den Himmel. Auf dem Rückweg kam Laurentius am Brunnen vorüber. Als er sich über dessen Rand beugen und auf den Grund hinabschauen wollte, wie er es gern tat, um dem rieselnden Laut des Wassers zu lauschen, fiel sein Blick unversehens auf einen Rosenstrauch zu Füssen der Brunnenmauer. 
Was er plötzlich sah, ließ ihn für eine Weile vor Freude und Erstaunen den Atem verhalten. Zwischen den kahlen, froststarrenden Zweigen des Strauches wuchs ein grünes Reis auf, und an seinem Ende erblühte in makelloser Schönheit eine Rose.

Sein Staunen wich tiefer Ergriffenheit. „Seltsam“, dachte Laurentius, „eine blühende Rose mitten im kalten Winter!“ Er brach sie behutsam und sog ihren Duft ein. Als er gewahr wurde, dass die ersten Pilger sich näherten, verließ er den Platz, wo er des Wunders teilhaftig geworden war, und gesellte sich zu den Brüdern in die Kapelle. Dort legte er, von niemandem bemerkt, die Rose unter das Bild der Gottesmutter. 

Und abermals geschah ein Wunder. Wäre Laurentius von geringem Glauben gewesen, würde er es für einen Zufall gehalten haben, dass just in dem Augenblick, da er sich in das Gebet der Gemeinde eingefügt hatte, der Priester das Schriftwort Jesaias sprach: „Es wird ein Zweig aufsprießen vom Stamme Jesses.“

Laurentius fühlte seine Seele von einem großen Glück durchflutet. Ja, er war ausgezeichnet worden vor allen anderen!

Die Christmette war vorüber, und die Pilger begannen sich zu zerstreuen. Es war inzwischen Tag geworden. Das Licht drang mit matten Farben durch die Fenster der Kapelle. In Gedanken verstrickt, schritt Laurentius vom Chorgestühl zum Lettner empor. Während er ging, sprach er Worte vor sich hin, die unablässig aus seinem Inneren aufstiegen. Die Worte fügten sich zu Zeilen, die Zeilen verbanden sich zu Versen:

„Es ist ein Ros entsprungen aus einer Wurzel zart ...“

Er ließ sich auf der Orgelbank nieder. Den Orgelbuben, der sich gerade entfernen wollte, wies er an, noch einmal die Bälge zu treten. Und dann spielte und sang der Mönch das neugeborene Lied. Einige Gläubige, darunter eine Schar Kinder, kehrten in die Kapelle zurück und lauschten der wunderbaren, nie gehörten Weise. Da der Spieler sie einige Male wiederholte, ging sie jedem so ein, dass er sie bald mühelos mitsingen konnte. In dieser Stunde also trat das Lied in die Welt, das seither nicht mehr aus ihr fortzudenken ist:

Es ist ein' Ros' entsprungen

Es Ist ein' Ros' entsprungen
aus einer Wurzel zart.
Wie uns die Alten sungen,
von Jesse kam die Art.
Und hat ein Blümlein bracht
Mitten im kalten Winter,
wohl zu der halben Nacht

Das Röslein, das ich meine,
davon Jesaja sagt,
hat uns gebracht alleine,
Marie, die reine Magd;
Aus Gottes ew’gem Rat
Hat sie ein Kind geboren
Wohl zu der halben Nacht.

Das Blümelein so kleine,
das duftet uns so süß,
mit seinem hellen Scheine
vertreibt’s die Finsternis:
Wahr’ Mensch und wahrer Gott,
hilft uns aus allem Leide,
rettet von Sünd’ und Tod.


Aus „Brasil-Post“ Nr. 1566 São Paulo, Brasilien (1950er Jahre)

„Göttliches Kind, ich bete dich an.“


Die Verehrung des göttlichen Kindes

„Als sie den Stern sahen,
empfanden sie eine
überaus große Freude.

Sie traten in das Haus
und sahen das Kind
mit Maria, seiner Mutter.

Sie fielen nieder
und huldigten ihm.“

(Mt 2, 10-11)

In der biblischen Zeit

Die liebevolle Verehrung des göttlichen Kindes begann schon bei seiner Geburt. Die innigsten und aufopferndsten Verehrer des Jesuskindes waren zweifellos seine jungfräuliche Mutter Maria und sein Nährvater Josef. Wie zart und liebevoll, ehrfürchtig und heilig diese Verehrung war, erfahren wir aus den Schauungen der begnadeten Äbtissin Maria von Agreda († 1665), die sie uns in ihrem Werk vom „Leben der Jungfrau und Gottesmutter Maria“ überliefert hat.

Noch in der Heiligen Nacht kamen aber auch schon die ersten „außenstehenden“ Verehrer und Anbeter des göttlichen Kindes: die armen und einfachen Hirten. Wie beglückt sie von ihrer Begegnung mit dem göttlichen Kind waren, können wir aus den Worten des Evangelisten erahnen: „Die Hirten kehrten zurück und lobten und priesen Gott für alles, was sie gehört und gesehen hatten“ (Lk 2,20).

Die nächsten Verehrer des göttlichen Kindes waren, im wahrsten Sinne des Wortes, die ersten Heilig-Land-Pilger: die Weisen aus dem Morgenland. Diese Gottsucher aus dem Orient standen beim Urchristentum in hohem Ansehen, weil sie als „die Ersten aus dem Heidenland“ die besonderen Vorbilder der Verehrung des menschgewordenen Gottessohnes, des göttlichen Kindes, waren.

Dann war in Jerusalem auch noch ein Erwählter, mit Namen Simeon. Er war gerecht und gottesfürchtig. Vom Heiligen Geist war ihm geoffenbart worden, dass er den Tod nicht schauen werde, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen habe. So kam er auf Antrieb des Heiligen Geistes gerade zu der Zeit in den Tempel, als die heiligen Eltern ihr Kind hereinbrachten. Voll Freude nahm er es auf seine Arme, pries Gott und sprach in heiliger Ergriffenheit den herrlichen Lobgesang: „Nun magst du, Herr, deinen Diener nach deinem Wort im Frieden entlassen. Denn meine Augen haben dein Heil geschaut, das du bereitet hast vor dem Angesicht der Völker: das Licht zur Erleuchtung der Heiden und den Ruhm deines Volkes Israel“ (Lk 2,25-32).

Spüren wir aus diesem Lobpreis die weltweite Sendung des göttlichen Kindes? Sie gilt nicht nur den Juden, sondern auch den Heiden. Allen Menschen aller Zeiten!

Anschließend berichtet der heilige Evangelist Lukas noch von einer Prophetin Anna, einer vierundachtzigjährigen Witwe. Auch sie trat zur selben Stunde hinzu, pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf Jerusalems Erlösung harrten (Lk 2, 36-38).

Sehet dies Wunder, wie
tief sich der Höchste hier beuget.
Sehet die Liebe, die
endlich als Liebe sich zeiget.
Gott wird ein Kind,
träget und hebet die Sünd.
Alles anbetet und schweiget.
 (Gerhard Terstegen 1731) 

Quelle: „Göttliches Kind, ich bete Dich an“, Pfarrer A. M. Weigl. Verlag St. Grignionhaus, Altötting, 1983

Dienstag, 16. Dezember 2014

Ein Kind ist uns geboren


Ein Kind ist uns geboren,
ein Sohn ist uns geschenkt;
auf seinen Schultern
ruhet die Weltherrschaft.
Sein Name ist:
Künder des großen Ratschlusses.
 (Is 9,5)

„Gott musste uns nicht erlösen, aber er wollte es.“

Adam hatte mit seinem Sündenfall das Paradies der Natur und der Gnade verloren. Nicht nur für sich und seine Lebensgefährtin Eva, sondern für uns alle. Arm und traurig musste er darum das Paradies verlassen. Satan, Tod und Sünde mit all ihren Folgen wurden nun seine und seiner Nachkommen ständige Weggenossen. Aber noch einen anderen Begleiter hatte er an seiner Seite: die große, heiße Sehnsucht nach dem Erlöser. Und dieses große Heimweh hat den Menschen nie mehr verlassen.

Auch Gott, der Vater, hatte Heimweh nach seinen verirrten Kindern. Eine große Sehnsucht nach den Menschen. Er wollte sie wieder zu sich emporziehen und an sein Vaterherz drücken. Der himmlische Vater wollte in den Seelen seiner Kinder wieder das Paradies der Gnade zum Blühen bringen. Er sehnte sich danach, ihnen alles Verlorene in seiner Vatergüte wiederzugeben: Gnade, Friede, Freude, Seligkeit und den Himmel. „Gott musste uns nicht erlösen, aber er wollte es. Und nur er konnte es“ (HI. Augustinus).

Doch die Menschen sollten ihre ganze Ohnmacht zutiefst spüren. Sie sollten einsehen: wir können uns nicht selbst erlösen, Gott muss sich zu uns herablassen. Und wahrlich: „Dadurch hat sich die Liebe Gottes an uns geoffenbart, dass er seinen eingeborenen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn leben. Darin besteht also die Liebe: nicht dass wir Gott zuerst geliebt haben, sondern dass er uns liebte und seinen Sohn als Sühnopfer für unsere Sünden gesandt hat (1 Joh 4,9-10).

Aber viele hundert Jahre mussten noch vergehen, bis sich Gottes Verheißung erfüllte. Viele Prüfungen kamen über das israelitische Volk. Immer größer wurde die Sehnsucht der Welt nach dem Erlöser. Je näher die Zeit des Messias kam, umso deutlicher verkündeten die Propheten seine Geburt zu Bethlehem.

Unser Erlöser kommt als Kind?

Wenn Gottes Sohn im ewigen Ratschluss der Liebe seines Vaters schon Mensch werden wollte und sollte, hätte er dann kraft seiner Allmacht nicht gleich im reifen Mannesalter erscheinen und auftreten können? Warum tat er das nicht?

Pater Peter Lippert, SJ, gibt hierauf eine tiefinnerliche Antwort: „Da Gott ein Mensch werden wollte, um unter uns zu wohnen, da wollte er auch die ganze Entwicklung eines Menschenwesens durchmachen und mit dem Kindsein beginnen. Seine Kindheit war ihm ebenso wichtig wie sein Mannestum, die Unmündigkeit so bedeutungsvoll wie die Reife, das erste unsichere Tasten seiner Kinderhändchen war ihm so wertvoll und leistungsfähig wie die Hilflosigkeit dieser selben Hände, da sie an das Holz des Kreuzes genagelt wurden.“

Warum aber wollte Gott mit dem Kindsein beginnen? Warum ist Gott ein Kind geworden? Diese Frage wird uns durch das ganze Büchlein begleiten.

Warum ist Gott ein Kind geworden?

Allein nur wegen der armen und einfachen Hirten, oder der demütigen Weisen aus dem Morgenland? Damit sie das sichere Zeichen der wahren Ankunft des Messias und den Beginn ihrer Erlösung erkennen konnten? Gewiss, diese Menschen guten Willens freuten sich über das kleine Gotteskind in der Krippe so sehr, dass die Hirten buchstäblich zu ihm „eilten“ und die Weisen des Morgenlandes sogar gefahrvolle und kostspielige Expeditionen riskierten um es zu suchen. Sie alle huldigten dem kindgewordenen Erlöser, brachten ihm Geschenke und beteten ihn an. Am liebsten hätten sie wohl dieses kleine Geschöpfchen aus der Krippe genommen um es an ihre glühenden Herzen zu drücken und mit Küssen und Liebkosungen zu verehren. Eine solche Herzensfreude, erfüllte sie! Wir können das nachempfinden, wenn wir die Berichte der Evangelien und die zugehörigen Stellen des Alten Testaments lesen und betrachten.


Quelle: „Göttliches Kind, ich bete Dich an“, Pfarrer A. M. Weigl. Verlag St. Grignionhaus, Altötting, 1983

Montag, 15. Dezember 2014

Der Weihnachtsbaum im Armenhaus


Der Weihnachtsbaum im Armenhaus, 1908 




Bild von Henri Jules Geoffroy (1853-1924)
Musé de l'Assistence Publique, Hôpitaus de Paris, Frankreich / 
Giraudon / The Bridgeman Art Library. 

In Paris haben wohltätige Faamilien ein Weihnachtsfest in einem Armenhaus organisiert. Um die geeschmückte Tanne haben sich Jung und Alt versammelt. Es wird Theater gespielt, Lieder werden gesungen und Gedichte vorgetragen.
Kinder wohlhabender Familien verteilen Kuchen. Rechts sieht man ein Körbchen. Die rosigen Wangen des Kindes zeigen die Freude über das Geschenk, das es soeben bekommen hat. Es entdeckt eine Orange, einige Weihnachtspralinen und ganz unten eine Puppe aus Holz wie jene, die ihre Nachbarin bereits in ihren Armen wiegt. Im Vordergrund ist ein Geschwisterpaar in ärmlicher Kleidung zu sehen. Der Knabe mit dem Arm auf eine Krücke gestützt, macht uns betroffen. Ein Lächeln erhellt die Gesichter, die Weihnachtsfeier ist ein Moment der Freude in einem leidvollen Leben.
Das kleine Mädchen im weißen Kleid küsst das Händchen des Babys, das auf dem Schoß seiner Mutter sitzt. Das ist wirklich Weihnachten.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Dezember 2012)

Samstag, 13. Dezember 2014

Das Christkind als Leitstern priesterlicher Identität


Apparuit humanitas ac benigniitas Salvatoris nostri Jesu Christi (Tit. 3,4) 
Es erschien die Menschenliebe und die Güte unseres Erlösers Jesus Christus.

Gott hat die Erlösung durch die Menschwerdung seines Sohnes nicht vorrangig durch Macht und Wissen bewirkt, sondern vor allem durch seine Güte (benignitas). Diese Güte hat Gott in der Geburt Jesu Christi geoffenbart.

Das menschliche Bild im Christkind muss den Priester als ein „anderer“ Christus immer wieder wachrütteln. Der Priester muss diese Güte und Schlichtheit, aber auch Erhabenheit des Christkindes vorbildhaft immer nachzuahmen versuchen.

Gott ist inkarnierter Logos! Gott ist Mensch geworden! Das bedeutet, dass Gott das Diesseits zum Jenseits, die Natur zur Übernatur hingeordnet hat. Dies ist keine Entwertung, sondern eine Aufwertung. All die vielen Heiligen zeigen auf eine exemplarische Weise, wie der Sauerteig die Welt „durchsäuern“, d.h. im Lichte des Glaubens neugestalten soll, wie Gottes Güte und Menschenliebe sichtbar gemacht werden soll.

Es wird vom Geistlichen viel erwartet, dass er ein Allround-Talent sei, dass er möglichst in allen Fächern und Disziplinen bewandert sei. Der Priester soll möglichst nicht nur Theologe, sondern auch Psychologe, Organisator, Manager, Finanzexperte usw. sein. Das aber ist nicht entscheidend! Ohne eine weise Beschränkung und den Mut zu einer Einseitigkeit gibt es ohnehin keine echte Bildung. Ein gereiftes Bildungswissen und ein gesundes Urteilsvermögen sind tausendmal wichtiger als bloße Vielwisserei und auf Knopfdruck abrufbares Faktenwissen.


Wenn wir aber das Christkind in der Krippe anblicken, scheint die Menschenliebe und Güte noch viel wesentlicher für das Wirken und die Fruchtbarkeit des Priesters zu sein, als buchstabenfixierte Härte. Sicherlich ein hohes Ideal mit übermenschlichem Anspruch, aber dennoch essentiell für die Authentizität des Priesterbildes.

Bitten wir das gnadenreiche Jesuskind um seine ungetrübte Liebe zu den Menschen!

P. Dr. Jatzkowski, Rektor der Baronius-Akademie am ISPN


(Quelle: Institut st. Philipp Neri, Berlin 2013-3)

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Gebet der hl. Therese von Lisieux

am Jahrestag ihrer Profess, den 8. September 1896


„O mein geliebter Jesus, wer könnte in Worte fassen, mit welcher Zärtlichkeit und welcher Milde du meine Seele führst!
Wer könnte sagen auf welche Art es dir gefällt mitten im düsteren Sturm deine Gnade leuchten zu lassen!
Jesus, das Gewitter tobte gar heftig in meiner Seele seit dem schönen Fest deines Sieges, dem strahlenden Osterfest.
Ich dachte an die geheimnisvollen Träume, die manchmal den Seelen gewährt werden, und meinte, das müsse ein gar schöner Trost sein.
Doch ich bat nicht darum.
Noch am Abend, da ich die Wolken betrachtete, sagte sich meine kleine Seele, dass die schönen Träume nicht für sie gemacht seien.
Und dann schlief ich mitten im Gewittersturm ein...

(Aus: „Gebete der Liebe“. Verlag Neue Stadt, München, Zürich, Wien. 1. Auflage 1990)

Dienstag, 9. Dezember 2014

Wiedersehen zu neuem Leben


Wiedersehen zu neuem Leben – 1852
Ferdinand Georg WALDMÜLLER
Sammlung des Fürsten von und Liechtenstein, Vaduz – Wien


Ein alter Mann tritt, genesen nach sichtlich schwerer Krankheit, zum ersten Mal wieder hinaus in die Frühlingssonne. Seine Frau stützt ihn, er ist von seinen Kindern umgeben. Es muss sich um einen der ersten Frühlingstage des Jahres handeln, wie uns die zarten Knospen und kleinen Blätter auf Baum und Strauch verraten.
Ein kleines Mädchen überreicht ihm ein Bouquet gelber Narzissen. Das Lächeln auf allen Gesichtern, die reine Freude und die Spiele der Kinder drücken die tiefe Zuneigung, die diese zahlreichen Familienmitglieder verbindet, aus.
Ein lichtvolles und berührendes Bild, an dem man sich nicht satt sehen kann, wo uns jede Person etwas zu sagen hat: Feinfühligkeit, Reinheit, Unbefangenheit, Glück.

Wiedererstehen zu neuem Leben ist ein Hymnus an die Kraft, die von einem Familienleben in einer christlichen Gesellschaft ausgeht. Die unauflösliche Ehe ist die Grundlage einer vorbildlichen Zivilisation, weit entfernt von der Unkultur des Neu-Heidentums.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 


von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, März 2009)

Montag, 8. Dezember 2014

Die kleinen Künstler

De Meesterschilder (Die kleinen Künstler) - 1877
Jan Frans VERHAS
Museum voor Schone Kunsten – Gent/Belgien



Der „Meister“ ist ein kleines Kind, das, von seinem Bruder und seinen Schwestern liebevoll beobachtet, die ersten Pinselstriche macht. Sein Fleiß und sein Selbstvertrauen berühren. Jedes Kind drückt eine eigene Persönlichkeit aus. Die Darstellung wirkt so natürlich wie ein Schnappschuss.
Auf dem Tisch, über dem eine Lampe aus Kupfer hängt, liegen Domino- und Bausteine herum sowie eine Palette. Das wertvolle Mobiliar, die Tapeten und die Kleider der Kinder weisen daraufhin, dass es sich um eine wohlhabende Familie handelt.

Die Lebensfreude, das Glück, das aus der bewahrten Unschuld entspringt sowie der Sinn für das Schöne sind einige Merkmale dieser Epoche, wo das Familienleben noch durch gegenseitiges Verstehen und Anerkennung der Würde des Einzelnen geprägt ist 

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 


von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Dezember 2009)

Freitag, 5. Dezember 2014

Das Jesuskind von Malestroit - König der Liebe


O Jesus, König der Liebe, ich vertraue auf Deine barmherzige Güte!
(300 Tage Ablass von Papst Johannes XIII.)

Zur Entstehung des Bildes:

Schwester Maria Yvonne Aimée de Jesus lebte im Kloster der Augustiner zu Malestroit in Frankreich. Sie durfte dieses Kind 5 x während himmlischer Schauungen auf ihren Armen tragen. Als sie zu sich kam, war ein lebloses Kind zurückgeblieben. (s. Bild unten)
Experten versuchten nun festzustellen, aus welcher Materie das Kind beschaffen ist. Sie mussten zugeben, dass auf der Welt diese Materie nicht zu finden ist. Die Gläubigen Seelen betrachteten es als Geschenk des Himmels.
 Später wurde das Kind geröntgt. Da staunten die Mediziner: Man sah alle Organe wie bei einem lebenden Kind.
 Die ehrwürdige Mutter Maria Yvonne (Oberin) starb 1951 im Rufe der Heiligkeit.
 Um die baldige Seligsprechung von Schwester Maria Yvonne:
 Vater unser. .. Gegrüßet seist du. .. Ehre sei ...



Das Bild ganz oben ist so entstanden:

Die ehrwürdige Mutter Maria Yvonne sah diesen Christkönig so schön und hatte den Wunsch, Ihn zu zeichnen. Das göttliche Kind sagte:
 „Probiere es, ich sende dir meine heiligen Engel.“ So entstand dieses Wunderwerk.
Man beachte: Auf beiden Bildern ist die vollendet schöne Handhaltung die gleiche (und anatomisch richtig): Beim liegenden Kind meint man, die Händchen seien in dieser selben Bewegung etwas herabgesunken und erstarrt!



Litanei zum König der Liebe

Herr, erbarme Dich unser,
Christus, erbarme Dich unser,
Herr, erbarme Dich unser
Christus, höre uns,
Christus, erhöre uns
Gott Vater im Himmel - erbarme Dich unser!
Gott Sohn, Erlöser der Welt ...
Gott Hl. Geist ...
Heiligste Dreifaltigkeit ein einziger Gott ...
Hl. Maria Muttergottes - bitte für uns!
Hl. Gottesgebärerin - bitte für uns!
O Jesus, Du König der Liebe - erbarme Dich unser!
O Jesus, der Du wunderbar in den Armen der Sr. Yvonne geruht hast ...
O Jesus, durch Dein Gnadenbild viele Wunder wirkend ...
O Jesus von größter Majestät ...
O Jesus, Dein göttliches Herz uns darbietend ...
O Jesus, hoch betrübt über unsere vielen Sünden ...
O Jesus, um unseres Heiles Willen Mensch geworden ...
O Jesus, von großer Erbarmung mit den Sündern ...
Durch Deine heilige Geburt ...
Durch Deine erste Blutvergießung ...
Durch Deine Flucht nach Ägypten ...
Durch Dein demütiges Dienen und Gehorchen im Haus zu Nazareth ...
Um der Verdienste Deiner hl. Kindheit willen ...
Dass Du uns in den gegenwärtigen Gefahren beschützen wollest
- wir bitten Dich ...
Dass Du uns vor großen Heimsuchungen und Katastrophen bewahren wollest ...
Dass Du uns vor den verdienten Strafen verschonen wollest ...
Dass Du die Feinde der Heiligen Kirche demütigen wollest ...
Dass Du der Heiligen Kirche Freiheit und Wohlfahrt schenken wollest ...
Dass Du unserem Hl. Vater und allen Bischöfen und Priestern Deinen Heiligen Geist verleihen wollest ...
Dass Du die Sünder zu Deinem göttlichen Herzen führen und sie bekehren wollest ...
Dass Du die leidenden Seelen aus dem Fegfeuer befreien wollest ...
Dass Du die Sterbenden in Deinem Kostbaren Blute reinigen und ihnen Erlöser sein wollest ...
Dass Du unsere Bitten erhören wollest ...
Dass Du uns einst in Deine Herrlichkeit aufnehmen wollest ...
O Du Lamm Gottes, das Du hinweg nimmst die Sünden der Welt - verschone uns, o Herr!
O Du Lamm Gottes, das Du hinweg nimmst die Sünden der Welt - erhöre uns, o Herr!
O Du Lamm Gottes, das Du hinweg nimmst die Sünden der Welt - erbarme Dich unser!

Gebet: O Jesus, Du König der Liebe, Herr des Himmels und der Erde, mein über alles geliebter Erlöser und Heiland. Ich bitte Dich, schau voll Erbarmen auf die Not Deines Kindes, das Dich um Deine Hilfe anfleht.
O göttliches Kind, o großer Gnadenkönig ich bitte Dich um aller Verdienste Deiner Hl. Kindheit willen, erhöre meine Bitten, wenn sie Deinem göttlichen Willen entsprechen und zu meinem Heile dienlich sind.
Ich weihe mich Dir, o König der Liebe. Amen

Zum „König der Liebe“ 
(Melodie: Die Schönste von allen)

O König der Liebe, mit Freude erfüllt
werd' ich, wenn ich schau auf Dein Gnadenbild,
Du lächelst so milde, doch ein tiefer Schmerz,
die Sünden der Menschen betrüben Dein Herz.

O König der Liebe, will gerne trösten Dich,
der Du an dem Kreuze gestorben für mich.
Du hast Dich geopfert zum Heile der Welt,
doch Dein göttlich Herzlein nur Undank erhält.

O König der Liebe, ich lieb Dich so sehr,
o wunderbar Kindlein mein Flehen erhör'.
Die Englein im Himmel sie rufen Dir zu –
hochheilig, hochheilig, hochheilig bist Du.

O König der Liebe, so wunderbar,
Du kannst mir ja helfen in aller Gefahr.
Ich lieb Dich unendlich, o göttliches Kind,
ach schenk' mir Dein Herzlein so holde und lind.

O König der Liebe, ich huldige Dir,
o gnadenreich Kindlein, o komm auch zu mir.
An Deinem lieb Herzlein ich mich auswein’,
willst Heiland und Tröster, willst Retter mir sein.

O König der Liebe, ach komm mir zum End,
Dein’ liebreiche Äuglein allzeit zu mir wend’.
Wenn ich dann muss sterben, entschwind der Weltenschein,
will sterbend noch sprechen, mein König ich bin Dein.


Rosenkranz zum König der Liebe

5 x 10 
O Jesus, Du König der Liebe,
erhöre unsere Bitten um der Verdienste Deiner heiligen Kindheit willen.

5 x 
Jesus, Gnadenkönig mein,
lass mein Anliegen Dir anempfohlen sein. 

Samstag, 29. November 2014

Im Winter

Schlittschuhlaufende Kinder

Percy Tarrant (1883-1904)

In einer Winterlandschaft sehen wir Schlittschuhlaufende Kinder. Ein Mädchen, auf dem Eis noch unsicher, lässt sich von zwei Knaben ziehen. In ihrem warmen roten Mantel ist sie vor Kälte geschützt, eine Mütze bedeckt die goldenen Locken. Ihre Freunde haben Spaß daran, sie schnell rund um den See herum zu führen.
Die Sonne zeigt sich und lässt den Himmel in rosigem Licht erscheinen. Man spürt die beißende Kälte. Ein Schlittschuhläufer kommt auf uns zu. Er schiebt einen Schlitten, auf dem ein junges Mädchen sitzt.
Diese Bild fasziniert uns durch die Bewegung, das Licht und die Farben. Die Nähe der Personen im Vordergrund lässt uns davon träumen, selbst einer dieser Schlittschuhläufer zu sein.
Wir erinnern uns an die kleinen Freuden des Lebens, die unbeschwerten fröhlichen Spiele und Vergnügungen, Freundschaft und Vertrauen einer glücklichen Kindheit. Welch ein Gegensatz zu unserer heutigen hektischen Welt.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 


von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Januar 2013)

Donnerstag, 27. November 2014

Die Leie in Astene

Die Leie in Astene 1890
Emile CLAUS
Groeninge Museum, Brügge


Das Herbstlicht strahlt in den hohen Gräsern am Ufer der Leie, ein Fluss, den der Maler gut kennt, da er in dieser Gegend geboren ist und lange Zeit dort gelebt hat.
Die Vegetation im Vordergrund ist so realistisch dargestellt, dass man glaubt, die Blätter rascheln und die Insekten brummen zu hören und den angenehmen Duft, der sich dort verbreitet, spüren zu können.
Zwei Kinder gehen an der Uferböschung, der Sonnenstrahl betont ihre Silhouetten. Man bemerkt die schöne Haltung des Mädchens mit seinem über die Schulter geworfenen Schal, einem schwarzen Käppchen auf dem Haar, einen Korb in der Hand. Der kleine Knabe bleibt stehen und betrachtet uns ohne Scheu. Auf der anderen Seite macht sich ein Mann bereit, in sein Boot zu steigen, ein einfaches Gehöft steht im Schatten der Bäume, die Wäsche trocknet in der Sonne, ausgebreitet auf dem Gras neben den Heuschobern.
Emile Claus, Maler der Sonne, liefert uns hier einen wunderbaren Eindruck eines einfachen und geordneten Lebens, weit weg von fieberhafter Hektik.


(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 


von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, September 2009)

Samstag, 8. November 2014

Die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche


Papst Bonifaz VIII.
Eine heilige katholische apostolische Kirche müssen wir im Gehorsam des Glaubens annehmen und festhalten. Und wir glauben diese fest und bekennen sie schlicht, und außer ihr gibt es kein Heil und keine Vergebung der Sünden. In ihr ist ein Herr, ein Glaube, eine Taufe.

Zur Zeit der Sintflut gab es eine Arche Noahs, und diese deutete im voraus hin auf die eine Kirche. Alles, was nicht in ihr war, wurde vernichtet. Von dieser einen und einzigen Kirche also gibt es nur einen Leib und ein Haupt, Christus nämlich und Christi Stellvertreter, Petrus und Petri Nachfolger; sagt doch der Herr zu Petrus selbst: „Weide meine Schafe“ (Joh. 21,17). „Meine“ sagt er, und meint das im allgemeinen, nicht nur im einzelnen diese oder jene. Und daraus sieht man, dass er ihm alle anvertraut hat.

Sagen also die Griechen oder andere, sie seien Petrus und dessen Nachfolgern nicht übergeben, so müssen sie auch bekennen, dass sie zu den Schafen Christi nicht gehören; denn der Herr sagt bei Johannes: „Es gibt nur eine Herde und einen Hirten“ (Joh. 10, 16).

Eike von Repgow, Sachenspiegel.
Die Wolfenbüttler Bilderhandschrift .
Dass dieser über zwei Schwerter zu verfügen hat, ein geistliches und ein weltliches, das lehren uns die Worte des Evangeliums (Lukas 22, 38). Denn als der Apostel sagte: „Siehe, hier sind zwei Schwerter“, nämlich in der Kirche... da antwortete der Herr nicht: „Es ist zu viel!“ sondern: „Es ist genug!“ Wer nun sagt, in des Petrus Hand sei das weltliche Schwert nicht, der merkt nicht recht auf des Herrn Wort, der da sagt: „Stecke dein Schwert in die Scheide!“ (Matth. 26, 52). Beide Schwerter hat die Kirche in ihrer Gewalt, das geistliche und das weltliche. Dieses aber ist für die Kirche zu führen, jenes von ihr. Jenes gehört dem Priester, dieses ist zu führen von der Hand der Könige und Ritter, aber nur wenn und solange der Priester es will. 

Ein Schwert aber muss dem anderen untergeordnet sein; die weltliche Macht muss sich der geistlichen fügen. Denn der Apostel sagt: „Es ist keine Obrigkeit außer von Gott, wo aber Obrigkeit besteht, ist sie von Gott verordnet“ (Römer 13, 1). Sie wäre aber nicht geordnet, wenn nicht ein Schwert unter dem anderen stände und gleichsam als das niedere von der Hand eines anderen nach oben gezogen würde. Dass aber die geistliche Macht an Würde und Adel jede weltliche überragt, müssen wir um so freier bekennen, als überhaupt das Geistliche mehr wert ist als das Weltliche. Das ersehen wir auch deutlich aus dem Regiment in der Welt. Denn in Wahrheit: Die geistliche Macht hat die weltliche einzusetzen und ist Richterin über sie, wenn sie nicht gut ist. So bewahrheitet sich über die Kirche und die kirchliche Gewalt die Voraussage des Propheten Jeremia: „Siehe, ich habe dich heute über Völker und Reiche gesetzt“ (Jer. 1, 10) ...

Wenn also die weltliche Macht in die Irre geht, so wird sie von der geistlichen gerichtet werden; irrt die geistliche auf einer niederen Stufe, so wird sie gerichtet werden von der, die über ihr steht; irrt aber die höchste, so wird sie allein von Gott gerichtet werden können, nicht aber von einem Menschen, wie der Apostel bezeugt: „Der geistliche Mensch richtet alles, er selbst aber wird von niemand gerichtet“ (1. Kor. 2, 15). Es ist aber diese Macht, auch wenn sie einem Menschen gegeben ist und von einem Menschen ausgeübt wird, keine menschliche, vielmehr eine göttliche, nach Gottes Wort dem Petrus gegeben, ihm und seinen Nachfolgern von Christus selbst, den Petrus, der feste Fels, bekannte, zu dem dann der Herr sagte: „Was du auf Erden bindest. . .“ (Matth. 16, 19).

Wer sich also dieser von Gott so geordneten Gewalt widersetzt, der widerstrebt Gottes Ordnung... So erklären wir denn, dass alle menschliche Kreatur bei Verlust ihrer Seelen Seligkeit untertan sein muss dem Papst in Rom, und sagen es ihr und bestimmen es.

Bonifaz VIII., „Unam sanctam“, 13. November 1302


(Quelle: Lautemann/Schlenke, Geschichte in Quellen II – Mittealter (1970), 786)

Donnerstag, 6. November 2014

Staat und Kirche trennen zu wollen ist ein schwerer Irrtum


„Der Grundsatz, dass Staat und Kirche getrennt werden müssen, ist fürwahr vollständig falsch und im höchsten Grade verderblich. — Denn wer sich zur Auffassung bekennt, dass der Staat sich in keiner Weise um die Religion kümmern dürfe, fügt erstens Gott eine große Beleidigung zu, der ebenso Begründer und Erhalter der menschlichen Gesellschaft wie des Lebens der einzelnen Menschen ist. Deshalb kann sich der Kult nicht in den Bereich des Privatlebens zurückziehen, sondern er muss ein öffentlicher sein. – Ferner liegt diesem Grundsatz deutlich die Leugnung des Übernatürlichen zugrunde. Denn hierbei werden die staatlichen Unternehmungen ausschließlich nach der Wohlfahrt dieses sterblichen Lebens bemessen, die lediglich die nächste Angelegenheit der bürgerlichen Gesellschaft ist. Die höchste Angelegenheit der Bürger aber, die ewige Seligkeit, die jenseits des kurzen Erdenlebens auf uns wartet, vernachlässigt er vollständig als eine dem Staat fremde Sache. Und doch sollte das Staatswesen gemäß der Gesamtordnung der vergänglichen Dinge für die Erreichung des absoluten, höchsten Gutes nicht hinderlich, sondern förderlich sein. — Sodann durchbricht er die von Gott mit höchster Weisheit getroffene Ordnung der menschlichen Dinge, die ohne Zweifel die Eintracht zwischen der religiösen und der bürgerlichen Gesellschaft fordert. Denn da beide, wiewohl auf getrenntem Gebiete jede für sich, doch eine Herrschaft über dieselben Menschen ausüben, so müssen sie oft Fragen in Angriff nehmen, deren Beurteilung und Lösung beide Teile betrifft. Wo nun der Staat mit der Kirche keine Beziehungen unterhält, da werden solche Fragen leicht zum Anlass von Streitigkeiten, die für beide Teile recht bitter sind und - was die Geister nicht wenig bedrückt – den Sinn für die Wahrheit trüben. Das hat schließlich auch für den Staat sehr große Nachteile im Gefolge. Bei Zurücksetzung der Religion kann die bürgerliche Gesellschaft nicht blühen, noch festen Bestand haben. Jene ist nämlich die oberste Führerin und Lehrerin der Menschen für die gewissenhafte Beobachtung von Recht und Pflicht.“

Aus der Enzyklika „Vehementer Nos esse“ vom hl. Pius X., vom 11. Februar 1906

Wandernde Zigeuner im Schnee

Wandernde Zigeuner im Schnee – 1880
Gustav SEYFFERTH
 Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum

Eine kleine Gruppe Zigeuner bewegt sich auf tief verschneiten Wegen mühsam vorwärts. Ein Kamel trägt das Zirkuszelt und den großen Kassenschalter; der goldfarbene Trichter einer Trompete ragt aus einem Bündel hervor; ein Knabe führt einen Bären mit Nasenring an einer Kette; ein kleiner Affe, in den Armen einer Frau kauernd, schaut uns ängstlich an. Weit hinten folgt ein Wohnwagen.
Im Mittelpunkt der Patriarch dieser großen Familie. Stolz, ruhig, selbstsicher, führt er seine Leute durch dieses Leben voll Abenteuer und Armut. Als vornehmer Mann in Lumpen, eine Feder an seinem Hut, eine Kette auf seiner Brust und ein Lächeln auf seinen Lippen bewahrt er seine Würde in jeder Situation. Argwöhnische Blicke, die ihn manchmal treffen, prallen ab. Durch einen inneren Frieden gestärkt, kann ihn keine Schwierigkeit von seiner Aufgabe abhalten: von Dorf zu Dorf zu ziehen und den Kindern Freude zu bringen.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 


von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Februar 2009)

Mittwoch, 5. November 2014

Winterfreuden

Die Eisvögel – 1891
Emile CLAUS
Museum voor Schone Kunsten – Gent/Belgien

Wie Vögel auf dem Eis spielen Kinder auf einem zugefrorenen Fluss. An diesem Winternachmittag umschließt der Horizont eine durch die Kälte erstarrte Natur mit rosafarbenem Schimmer. Weit weg die Silhouetten der Dächer eines Gehöftes und einiger Bäume.
Das Licht des Tages spiegelt sich in der Winterlandschaft wider und durchflutet das ganze Bild. Es lässt das Eis im Vordergrund glänzen und beleuchtet den Schnee, der die Felder bedeckt und wie Pailletten auf dem Fluss verstreut liegt. Dieses Licht hat nicht die Kraft zu erwärmen, aber es lässt das vergebliche Bemühen der unsichtbaren, weit entfernten Sonne ahnen.
Die Kinder in Holzschuhen, Eisen beschlagene Stöcke in Händen, mit denen sie ihre kleinen Schlitten vorwärts stoßen, trotzen der strengen Kälte und erfreuen sich daran, über die Uferböschung und den erstarrten Fluss zu gleiten. Eine friedliche Kindheit, unbelastet von Fernsehen, Internet und Videospielen.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 


von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Januar 2009)

Samstag, 1. November 2014

Der Adel des Blutes ist ein starker Ansporn, tugendhaft zu leben


Aus dem hervorragenden Text der Homilie des heiligen Karl Borromäus (1538-1584), Erzbischof von Mailand, zum Fest der Geburt Unserer Lieben Frau, am 8. September 1584:

„Der Anfang des Evangeliums des Matthäus, das euch vor kurzem, von hier aus, durch die Heilige Mutter Kirche verkündet wurde, regt uns vor allem dazu an, aufmerksam den Adel, die hervorragende Abstammung und die Erhabenheit der Allerheiligsten Jungfrau zu untersuchen. Wenn man als Adeligen denjenigen anzusehen hat, der diese Ehre von verdienstvollen Ahnen übertrugen erhalten hat, wie überragend ist dann erst der Adel Mariens, der sich von Königen, Patriarchen, Propheten und Priestern aus dem Stamme Juda, der Geschlecht Abrahams und dem königlichen Geschlecht Davids ableitet?

Auch wenn wir es nicht übersehen, dass wir selbst vom wirklichen Adel — dem christlichen — sind, den uns allen der Erstgeborene des Vaters verliehen hat, als Er ,allen, die Ihn aufnahmen, die Macht gegeben hat, Kinder Gottes zu werden‘ (Joh 1,12) und dass allen gläubigen Christen diese Würde und dieser Adel zu eigen ist, glauben wir doch, dass der Blutsadel keineswegs zu verachten oder gar abzulehnen ist. Im Gegenteil, wer diesen Blutsadel nicht als Gabe und einmalige Gunstbezeugung Gottes anerkennen und Gott, dem Spender aller guten Gaben, ganz besonders dafür danken würde, wäre absolut unwürdig, ein Adeliger genannt zu werden. Dies schon deshalb, weil die Verrohung eines undankbaren Charakters, wie sie schändlicher nicht zu denken ist, den Ruhm der Vorfahren verdunkeln könnte. Denn der Blutsadel trägt auch viel zur wirklichen Schönheit der Seele bei und ist von nicht geringem Nutzen für sie.
Vor allem bereiten der Ruhm seines edlen Blutes, die Tugenden der Vorfahren und deren berühmte Taten, den Edelmann in wunderbarer Weise darauf vor, in die Fußstapfen seiner Ahnen zu treten. Und es kann nicht bezweifelt werden, dass auch seine eigene Eigenart mehr der Tugend zugeneigt ist: entweder, weil sein Stamm eben von diesen Ahnen herkommt und dadurch ihr Geist in ihm weiterwirkt, oder durch die dauernde Erinnerung (in ihre Tugenden, die ihm besonders teuer sind — was er zu schätzen weiß — weil sie der Ruhm seiner Blutsverwandten gewesen sind. Oder, schließlich, auf Grund der guten Erziehung, die er durch hervorragende Männer erhalten hat. Allgemein ist die Wahrheit bekannt, dass Edelmut, Großzügigkeit, hervorragende Tugenden und die Autorität der Eltern, die Kinder dazu anregen, dieselben Tugenden mit großem Eifer zu üben. Daraus ist abzuleiten, dass die Adeligen, quasi einem Naturinstinkt folgend, nach Ehre streben, den Großmut pflegen, billige Vorteile ablehnen und, mit einem Wort, all das zurückweisen, was sie als unvereinbar mit ihrer Vornehmheit ansehen.
Zum anderen regt der Adel dazu an, an den Tugenden festzuhalten. Das ist verschieden von dem erstgenannten Vorzug, der darin besteht, dass der Adelige dazu angeregt wird, eher das Gute zu tun. Jetzt aber wird weiter darauf hingewiesen, dass das Bedürfnis an den Tugenden festzuhalten, leicht Erreichbarem und heftigen Reizen gegenüber wie eine Bremse funktioniert und Lastern und allem, was des Adels unwürdig ist, entgegenwirkt. Und auch dazu führt, dass der Adelige, sollte er einmal etwas Falsches getan haben, sich sosehr dessen schämt, dass er mit allen seinen Kräften bemüht ist, sich von diesem Makel zu reinigen.

Schließlich ist auch das ein Vorteil des Adels, dass — ebenso, wie ein Edelstein mehr leuchtet, wenn er in Gold statt in Eisen gefasst ist — die gleichen Tugenden bei ihm mehr hervortreten als bei einem gemeinen Mann und dass sich die Tugend mit dem Adel als schönster Schmuck desselben verbindet.

Nicht nur ist es wahr, dass man den Adel und das Ansehen der Vorfahren als wertvoll anzusehen hat, wir betonen auch die absolute Richtigkeit der folgenden zwei Feststellungen: erstens, dass — so wie die Tugenden des Adels besonders hervortreten, ebenso — seine Laster besonders schändlich sind. Das ist leicht zu verstehen, denn, so wie Schmutz leichter an einem hellen, sonnenbeschienenen Platz, als in einer dunklen Ecke zu sehen ist, oder Flecken auf einem goldbestickten Gewand eher, als auf einem gewöhnlichen, schäbigem Kleid oder schließlich auch, Wunden und Narben im Gesicht leichter bemerkt werden als an einer verdeckten Stelle des Körpers, so sind auch Laster auffallender und entstellen schändlicher den Geist des Schuldigen bei einem Adeligen als bei gewöhnlichen Menschen. Denn es gibt wirklich nichts unwürdigeres, als einen jungen Mann, der von angesehenen Eltern und gut erzogen, den man herabgekommen, in Kneipen, beim Spiel und ausschweifenden Gelagen sehen muss.

Als zweites stellen wir fest, dass — selbst wenn jemand zum ältesten Adel gehört — dieser verblasst, wenn den Verdiensten der Vorfahren nicht die eigenen Tugenden rund Verdienste hinzugefügt werden. Denn, sollte die Reihe verdienstvollen Handelns unterbrochen werden, verliert der Betreffende seine Würde, weil, selbst wenn ein Rest des Glanzes der Vorfahren noch erkennbar wäre, dieser sicherlich zwecklos sein wird. Zwecklos, weil sein Ziel nicht mehr erreichbar ist, das darin besteht, den Träger einstigen, durch unwürdiges Handeln verlorenen Adels, für edles Handeln geneigt zu machen, das tugendhaft ist und ihn von der Sünde abhalten könnte. Und der Adel verwandelt sich für ihn zur Schande und trägt nicht das Mindeste zu seiner Ehre bei. Das ist es auch, was Unser Herr Jesus Christus den Pharisäern vorgeworfen hat, die sich dessen rühmten, Kinder Abrahams zu sein, als Er zu ihnen sagte: ,Wenn ihr Abrahams Kinder wäret, so tätet ihr Abrahams Werke‘ (Joh 8,39). Denn nur der kann sich dessen rühmen, Sohn oder Enkel und damit Teilhaber des Adels derjenigen zu sein, deren Leben und Tugenden er selbst nachzuahmen sucht. Und deshalb auch sprach der Herr zu jenen: „Ihr habt den Teufel zum Vater“ (Joh 8,44) und der allerheiligste Vorläufer Christi nannte sie ,Natternbrut‘ (Lk 3,7).

Wer kann eigentlich noch so unwissend und achtlos sein, dass er noch Gründe findet, am höchsten Adel der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu zweifeln? Wer weiß denn nicht, dass Sie nicht nur die gleichen Tugenden wie Ihre Vorfahren besaß, sondern Sie noch bei weitem übertraf, so dass man mit allem Recht Sie die Alleredelste nennen muss, denn in Ihr hat der Glanz so berühmter Patriarchen, Könige, Propheten und Priester, deren Reihe das heutige Evangelium beschreibt, die höchste Vollendung gefunden?

Sicherlich wird jemand fragen, wieso man aus alledem, was bisher dargelegt wurde, den Adel der Vorfahren Mariens ableiten kann, wenn doch die Abstammung Josefs, des Gatten der Maria beschrieben wird. Wer aber die Heiligen Schriften genau studiert hat, wird diesen Zweifel leicht beseitigen können. Denn in den Göttlichen Gesetzen ist festgelegt, dass die Jungfrau keinen Mann, außer aus dem eigenen Stamme nehmen sollte, aus Rücksicht auf die Reihe der Erbfolge (vgl: 4. Num 36,6 ff) und deshalb ist es vollkommen klar, dass Josef und Maria aus dem gleichen Stamm und der gleichen Familie stammen. Aus dieser Beschreibung der menschlichen Abstammung des Sohnes Gottes ist es offensichtlich, dass der Adel des einen und der anderen gleich ist.“

Der Heilige beginnt dann einen anderen Aspekt des großen Themas zu behandeln, über das er spricht. Er sagt:

„Schließlich, zum dritten, geliebte Töchter — denn das geht Euch an — ist die Abstammung Josefs und nicht die der Maria beschrieben, damit Ihr lernt, Euch nicht zu überheben oder in beleidigender Form Euren Gatten zu sagen: ,Ich habe den Adel in dein Haus, den Glanz der Ehren zu dir gebracht; mir musst du, mein Mann, zuschreiben, was du (in Würde bekommen hast‘. Wisset, dass in Wahrheit — und das prägt euch fest ein — Würde und Adel der Familie der Gattin, keiner anderen Familie zu danken ist, außer der des Ehemannes und abscheulich sind jene Gattinnen, die es wagen, sich in irgendeiner Weise über ihre Gatten erheben zu wollen, oder — was das schlechteste ist — sich der Familie ihres Gatten schämen; sie verschweigen ihren bürgerlichen Namen und benützen nur den ihrer eigenen Sippe. Das ist wirklich ein teuflischer Ausdruck der Überheblichkeit. Welche ist also die Familie der Maria? Josefs Familie ist es! Welcher ist der Stamm, die Sippe und der Adel Mariens? Jene, ihres angetrauten Mannes Josef! Das ist es, ihr christlichen Ehefrauen, die ihr wirklich edelmütig und gottesfürchtig seid, was ihr am meisten beachten müsst ".(1)

(1) Sancti Caroli Borromei Homiliae CXXII, Ignatii Adami et Francisci Antonii Veith Bibliopolarum, Augustae Vindelicorum [Augsburg], editio novissima, versio latina, s.d., Homilia CXXII, cols. 1211-1214. in Plinio Corrêa de Oliveira, „Der Adel und vergleichbare traditionelle Eliten in den Ansprachen Pius´ XII. an das Patriziat und den Adel von Rom“. ÖJCGDR Wien, 2006, Documente IV, S. 296 f.