Montag, 16. Mai 2016

Die Früchte des Heiligen Geistes


Neben den sieben Gaben gibt es auch noch zwölf Früchte des Hl. Geistes. Paulus schreibt: „Die Frucht des [Hl.] Geistes aber ist: Liebe, Freude, Friede, Geduld, Milde (Freundlichkeit), Güte, Treue (Glaube), Sanftmut (Mäßigkeit), Enthaltsamkeit (Keuschheit)“ (Gal. 5, 22, 23). Nach Paulus stehen diese im Gegensatz zu den Werken des Fleisches (Gal. 5, 19 – 21). Diese neun Früchte wurden im Laufe der Zeit zu zwölf Früchten ergänzt. So heißt es heute im KKK 1832:  „Die Früchte des Geistes sind Vollkommenheiten, die der Heilige Geist in uns als die Erstlingsfrüchte der ewigen Herrlichkeit hervorbringt. Die Überlieferung der Kirche zählt deren zwölf auf: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Langmut, Sanftmut, treue, Bescheidenheit, Enthaltsamkeit, Keuschheit.“
Die Tradition erweiterte also die paulinische Liste. Nach Thomas von Aquin (um 1225 – 1274) bewirken diese Früchte eine delectatio (Lust), die dem Christen die Gewissheit gibt, auf der via perfectionis zu sein. Petrus Canisius (1521 – 1597) schreibt in seinem Katechismus, dass die Gaben des Hl. Geistes die guten Bäume sind, gepflanzt auf dem Acker der Kirche, auf denen die Früchte des Hl. Geistes wachsen. Canisius erinnert in diesem Zusammenhang an Bibelwort:  „An ihren Früchten [des Hl. Geistes] sollt ihr sie erkennen“ (Mt. 7, 20).

Der Augsburger Barockmaler und Kupferstecher Johann Georg Bergmüller (1685 – 1762 entwarf, stach und brachte nach 1739 im Eigenvertrag die siebenblättrige Kupferstichserie „Die 12 Tugenden oder Früchte des Hl. Geistes“ heraus. Die Serie beginnt mit diesem Titelblatt. In der Mitte oben erkennt man vor einem Kreis, in welchem ein gleichseitiges Dreieck eingeschrieben ist, die Hl.-Geist-Taube. Hier ist der Kreis Symbol der Unendlichkeit Gottes, da er keinen Anfang und kein Ende hat. Das gleichseitige Dreieck ist Zeichen für die Dreifaltigkeit.  Das Eingeschriebensein bedeutet: „Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit“. Zum Symbol für Gott geht ein Strahlenkranz aus. Seitlich verschwinden diese hellen Strahlen hinter dunklen Wolken. Dieser Hell-Dunkel-Kontrast gibt dem oberen Stichteil Tiefe und hebt das göttliche Zentrum hervor. Zwischen den Strahlen, die nach unten scheinen, sieht man paarweise angeordnet, zwölf Feuerzungen. In der Bibel heißt es beim Pfingstereignis: „Und plötzlich geschah aus dem Himmel ein Brausen … Und es erschienen ihnen zerteilte Zungen wie von Feuer, und sie setzten sich auf jeden einzelnen von ihnen. Und sie wurden alle mit Heiligem Geiste erfüllt ...“ (Apg. 2, 2 – 4). Mit dieser Symbolik will der Kupferstecher wohl zweierlei ausdrücken: Auch die oben genannten Früchte gehen, wie die Gaben, vom Heiligen Geist aus. Die zwölf Feuerzungen könnten die weitere Bedeutung haben, dass sich der Hl. Geist an Pfingsten besonders auf die zwölf Apostel niederließ. Auf einem drapierten Vorhang sind die „Tugenden“ bzw. „Früchte“ aufgeschrieben und zwar auf Latein und auf Deutsch. Der Titel auf Latein lautet: „XII Virtutes Spiritu Sancti Galat: V. 22, 23“. Damit wird die gebildete Geistlichkeit mit Lateinkenntnissen angesprochen. Deshalb steht hier auch der Hinweis, dass ich die „Tugenden des Hl. Geistes“ von Paulus herleiten. Der Titel auf Deutsch lautet: „Die 12 Tugenden od: Früchten des Hl. Geistes in 6 blat vorgestellet“. Auf Deutsch wendet sich der Verleger hauptsächlich an mehr oder weniger gebildete Maler. Diesen meist hervorragenden Künstlern fehlten oft die Kenntnisse von Symbolen, um abstrakte Begriffe darzustellen. Sie waren deshalb eine wichtige  Käuferschicht für solche Stichserien. Hier erfahren sie nun gleich auf dem Titelblatt, um was es sich bei dieser Serie handelt. Deshalb steht unten auch die Bezugsquelle dieser Serie („in Verlag alda“) und dass der Entwerfer und Stecher dieser Serie bedeutend ist („Hochfürstl. Cabinet- und Hof-Mahler“) AE

Quelle: Der Fels – Dezember 2015, S. 352
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de


Sonntag, 15. Mai 2016

Pfingsten




Das gotische Bild zeigt das Pfingstereignis. Die Architektur, ist zwar noch schematisch, sie besitzt aber schon Perspektive. Beim umlaufenden Fries sieht man Schatten. Der Hintergrund, noch nichr naturalistisch, ist fast einheitlich golden gemalt. Der Maler will so den Einbruch des Göttlichen in diese Welt zeigen. Das Blau, aus dem die Heilige-Geist-Farbe kommt, symbolisiert 
den göttlichen Himmel.
Bei der Anordnung der Personen erkennt man einen streng symmetrischen Aufbau: Links neben Maria sitzen die Apostel mit Matthäus, identifizierbar am Evangelienbuch. Die Apostel neben Maria haben ihr die Köpfe zugewandt, schauen aber aus dem Bild heraus. Im Vordergrund sitzen die wichtigsten Apostel wie Maria und sind ganzfigurig zu sehen. Sie greifen je eine Farbe des  Gewandes von Maria auf: Petrus das Blau (Zeichen der Treue) von Mariens Kleid und Johannes das Rot (Zeichen der Liebe) von Mariens Mantel. Die enge Beziehung zwischen Maria und Johannes zeigt sich hier auch an der fast identischen Kopf- und Handhaltung beider. Die Apostel unterscheiden sich durch individuelle Gesichtszüge und durch ihre Bewegungen. Maria nimmt eine geschwungene Körperhaltung ein. So wird man dieses Bild in das 13. Jahrhundert datieren dürfen. AE

(Titelbild DER FELS Juni 2014)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de
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Samstag, 14. Mai 2016

Hochzeitsglocken



Hochzeitsglocken

James Hayllar (1829 - 1920)
Privatsammlung / John Noon Gallery, Broadway, Worcestershire, UK /
The Bridgeman Art Library

Durch die kleine Kirchentür kann man die Braut am Arm ihres Vaters und auch einzelne Dorfbewohner erkennen. In der Kirche beginnen einige Männer mit dem Läuten der Glocken. Die Dorfkirche ist einfach, schmucklos, mit alten Kacheln und schlichten Bänken. Man sieht nur zwei Kinder mit ihrem Großvater in der letzten Bank, die ungeduldig auf den Einzug des Brautpaares warten.
Die christliche Ehe wurde von unserem Herrn Jesus Christus zum Sakrament erhoben. „Gott hat in das Herz des Mannes und der Frau die eheliche Liebe, die väterliche und mütterliche Liebe und die Kindesliebe gelegt. Wer dieses Band der Liebe zerreißt, begeht einen Akt der Entweihung mit fatalen Folgen für ihn selbst, für seine Nachkommen und die Menschheit“ (Pius XII., Ansprache am 20. September 1949 vor Delegierten internationaler Familienverbände).

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, DVCK e.V., Frankfurt, Juni 2014

Dienstag, 10. Mai 2016

Die wahren Menschenrechte entspringen aus den Pflichten gegenüber Gott




Wir werden nicht die gleiche Sprache verwenden bezüglich eines anderen Punktes, und zwar, was die Trennung von Staat und Kirche betrifft, was der Trennung von menschlicher Gesetzgebung und christlicher und göttlicher Gesetzgebung entspricht. Wir wollen uns hier nicht aufhalten, um zu beweisen, wie viel Unsinn diese Theorie der Trennung beinhaltet; jedermann wird es von selbst verstehen. Sobald der Staat sich weigert, Gott zu geben, was Gottes ist, verweigert er auch aus notwendiger Konsequenz, den Bürgern das zu geben, auf das sie als Menschen Recht haben. Denn, ob man will oder nicht, entspringen die wahren Menschenrechte gerade aus den Pflichten, die der Mensch Gott gegenüber hat. Daraus folgt, dass der Staat, wenn er gegen den Hauptzweck seiner Institution verstößt, in Wahrheit sich selbst verleugnet und dem widerspricht, was der eigentliche Sinn seiner Existenz ist. Diese höhere Wahrheiten werden so deutlich von der Stimme der natürlichen Vernunft verkündigt, dass sie sich jedem Menschen aufdrängen, den die Gewalt der Leidenschaften nicht verblendet hat. („Catolicismo“
, Nr. 167, November 1964).

Aus der Enzyklika „Au milieu des sollicitudes“ von Leo XIII. an die Bischöfe und Gläubige Frankreichs, vom 16. Februar 1892.

Der hl. Christophorus



Christophorus, welcher nur dem Höchsten dienen wollte, trägt, anfänglich unerkannt, das Jesuskind durch die Fluten einer Furt. Das Kind wird immer schwerer, denn es trägt die Last der ganzen Welt. Dies ist hier angedeutet durch eine Weltkugel, welche das Kind hält. Christophorus stützt sich auf einen dürren Stab, der oben wieder zu blühen beginnt. Dieses Motiv kommt in etlichen Legenden vor, so z.B. bei der Verlobung des hl. Joseph oder in der Tannhäuser-Sage. 
Das über 14 m hohe Bild wurde 1491 von Ulrich I. Apt (1460 -1532) an die Rückwand des Augsburger Doms gemalt. Dimension und Lage des Bildes hängen mit der heiligen Schau von Dinglichem zusammen. So empfand man damals die andächtige Betrachtung der Hostie bei der Elevation nach der Wandlung als geistige Kommunion. Und so war auch der Glaube verbreitet, dass, wenn man am Morgen, nach der Frühmesse, beim Verlassen des Dom dieses Bild andächtig betrachtet, man den ganzen Tag vom hl. Christophorus beschützt wird. Vor allem galt der Schutz vor einem jähen, unbußfertigen Tod. Es zeigt sich auch eine augenfällig Parallele zwischen der Elevation am Altar und diesem Bild. Dem Priester am Altar entspricht hier der Heilige. Der Priester hält eine kleine Hostie hoch und hier sitzt ein kleines Kind auf den Schultern eines Riesen. Die Hostie ist aber der wahre Leib Christi und das Kind ist in Wirklichkeit Jesus. AE 

Titelbild DER FELS Juli 2013
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de
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Montag, 9. Mai 2016

Eine Szene in Paris

D 2014 7
Blumenmarkt entlang der Seine 

Victor Gabriel Gilbert (1847 - 1933) 
Privatsammlung / Photo Christie's Images / The Bridgeman Art Library

Eine Szene in Paris auf der Ile de la Cité. Was machen die kleinen Mädchen vor dem Verkaufsstand? Man weiß nicht, ob sie spielen, ob sie der Blumenhändlerin helfen oder einen Kunden begleiten, den man auf dem Bild nicht sieht. Man kann sich ihr fröhliches, unbekümmertes Geplapper vorstellen, man spürt den Duft der Pflanzen, die feuchte Erde in den Töpfen und die Nähe des Flusses.
Die hellen Farben des Bildes führen uns das Glück der Kindheit vor Augen, ihre Frische und ihre Unschuld. Man genießt die Beschaulichkeit eines friedvollen, geordneten Lebens. Eine Szene wie diese könnte sich auch heute abspielen nur mit dem Unterschied, dass die Lebensfreude ersetzt wurde durch Getriebenheit, Rücksichtslosigkeit und Traurigkeit, die auf das Bewusstsein einer verlorenen Welt zurückzuführen ist. ..... Was hält uns davon ab, sie wiederzufinden?
Der Blumenmarkt ist ein beliebtes Thema, das Victor Gabriel Gilbert in verschiedener Weise dargestellt hat.

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, DVCK e.V., Frankfurt, Juli 2014

Samstag, 7. Mai 2016

Betrachtung der Schöpfung




Ein stillstehendes Schiff und ein Ruderboot, 1884
Pieter C. Dommelshuizen (1833 1918) 
Privatsammlung / Foto: Royal Exchange Art Gallery at Cork Street, London /
Bridgeman Images 

Ein großes Schiff scheint sich nicht zu bewegen, es weht kein Wind. Seine Segel warten, bis eine Brise aufkommt. Im Vordergrund ein mit Fischern besetztes Ruderboot, das einen großen Transportkorb zum Strand zurückbringt. Meer und Wolken gehen ineinander über, ein Glockenturm wird in der Ferne sichtbar und man hört den Schrei der Möwen in der Stille des friedlichen Nachmittags.

Der Künstler wurde in Utrecht in bescheidenen Verhältnissen geboren. Sein Vater ist unbekannt und außer ihm hatte seine Mutter Cornelia noch weitere vier uneheliche Kinder. Auch einer seiner jüngeren Brüder wurde Maler, ebenso sein Sohn. Alle drei reisten gemeinsam, ihre Bilder sind Werke des gleichen Genres. Im Alter von ungefähr 22 Jahren ließ sich Pieter Cornelis Dommelshuizen in England nieder, wo er heiratete und wo er auch begraben ist. Beeindruckend sind die Sanftheit und die Harmonie seiner Gemälde.

Die entspannende Wirkung dieser Darstellung ist bemerkenswert: Sie regt zur Betrachtung der Schöpfung an und lässt uns die Ewigkeit spüren.

Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Mai 2016