Donnerstag, 29. Dezember 2016

„Von Jesse kam die Art...“



Im Weihnachtslied „Es ist ein Ros'entsprungen“ heißt es: „von Jesse kam die Art“. Dies bezieht sich auf Jes 11, 1. Gemeint ist, das Isai (auch Jesse genannt),  vorfahre von Jesu Christi ist.
So zeigt das Bild, eine Wandmalerei von 1638 im Limburger Dom, vertikal, wie von Jesse direkt ein Ast zu Maria mit ihrem Kind führt. Auf den Nebenästen sind Christi Vorfahren aufgeführt, wie sie bei Mt. 1, 6 – 11 stehen. Es sind also nur die Vorfahren von Jesse bis Manasses dargestellt.
Seitlich neben Jesse finden sich, durch ihre Spruchbänder identifiziert Moses, Aaron, Ezechiel und Daniel. Unter dem Stammbaum horizontal angeordnet sind die Verwandten Jesu, die „Heilige Sippe“, und die beiden Stifter dieser Malerei. Die Bibelstelle „Jesus und seine Brüder...“ (Mt. 13, 55) erklärt die Trinubium-Legende so: Anna war dreimal verheiratet. Das Kind ihrer ersten Ehe mit Joachim, war Maria, die Mutter Jesu. Aus den anderen Ehen gingen ebenfalls Kinder und Kindeskinder hervor. Und diese Enkelkinder von Anna meint Matthäus, wenn er von den Brüdern und Schwestern von Christus spricht. Auf einen anderen Verwandtschaftszweig von Maria liegt Elisabeth, die Frau des Zacharias (vgl. Lk. 1, 36).   AE

(Titelbild DER FELS Dezember 2015)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Mittwoch, 28. Dezember 2016

Göttliches Kind in der Krippe


„Der Schöpfer hat in die Familie die Wiege des Lebens hineingestellt, nicht den Friedhof des Todes. Der Versuch, den Kindermord vor der Geburt auch noch gesetzlich zu schützen, ist Verbrechen an der Volksgemeinschaft. Auch die ungeborenen Kinder haben Menschenrechte.

Wo Kinderrechte nicht mehr geachtet werden, da werden auch Menschenrechte nicht mehr geachtet.

Völker des 20. Jahrhunderts! Läutet mit allen Totenglocken! Der weiße Tod reitet durch das Land. Auch Kinder haben Rechte“ (Kardinal Michael Faulhaber im Jahr 1931! Also vor über 80 Jahren schon geschrieben!)

Allein in Europa jährlich Millionen Millionen Abtreibungen. Es ist kein Wunder, dass die Erde bebt" (P. Werenfried).

Der Mord am ungeborenen Leben ist eine zum Himmel schreiende Sünde, der Ausdruck totaler Geringschätzung des Kindes. Er ist Eingriff in die Schöpfermacht Gottes, ist Angriff auf den weisen Weltenplan des himmlischen Vaters. Wohl niemand hat eine Vorstellung von der Schuld, die wir uns aufladen, wenn in einem Volk täglich mehr hingemordet werden, als das Licht der Welt erblicken. Jedes gemordete Leben fordert Rechenschaft von den Verantwortlichen. Jedes der vielen Millionen.

Vor diesem Hintergrund lässt uns das göttliche Kind die Not unserer Tage immer tiefer und furchtbarer erkennen. Es erhebt sich zum Anwalt aller Kinder, deren Leben im Mutterschoß ausgelöscht werden soll. Das göttliche Kind in seiner Wehrlosigkeit, Hilflosigkeit und Ohnmacht, in seinem Schweigen und Dulden, wird zum mahnenden Zeichen für die Unantastbarkeit des werdenden Lebens.

Jetzt müssen wir uns dringender denn je dem göttlichen Kind in der Krippe anvertrauen, uns mit ihm ganz innig verbinden und seine Demut annehmen, damit wir gegen den modernen Hochmut der Menschheit und die Verachtung des Lebensrechtes der Kinder flehend und sühnend unsere Hände zum himmlischen Vater erheben können.

Auch Ungeborene haben Todesangst

Herzverpflanzer Barnard schreibt in einer Kolumne des Johannesburger „Rand Daily Mail“: „In manchen Teilen der Welt ist Mord legal. Ich meine hier zivilisierte europäische Staaten. Sie nennen es natürlich nicht Mord. Abtreibung klingt besser.“ - Der weltberühmte Chirurg begründet seine Haltung mit der medizinischen Feststellung, dass das ungeborene Kind, lange vor der Geburt, menschliche Reaktionen zeige und in einem frühen Stadium auf Geräusch, Schmerz, Spannung und Medikamente reagiere. „Lebende Wesen verspüren Todesangst, wenn sie bedroht sind. Und wer weiß, welchen Schrecken das ungeborene Kind erfährt, während des grauenhaften Eindringens der Abtreibung in seinen Lebensbereich, bevor sein Leben ausgelöscht wird?“ (Informationsblatt - 1979 der „Aktion für das Leben“.)

Göttliches Kind in der Krippe, du holder und liebenswürdiger Sohn Gottes. In dir offenbart sich die Liebe und Güte deines himmlischen Vaters. Öffne mit deiner unaussprechlichen Liebe unsere Herzen für die grauenhaften Schmerzen und die große Not der Todesangst aller im Mutterschoß gemordeten Kinder.

Lass uns Sühne leisten: Je mehr deine Gebote vergessen und übertreten werden, um so treuer wollen wir sie beobachten, und je mehr die Hölle zum Verderben der Seelen sich anstrengt, desto größer soll unser Eifer für ihre Rettung sein. Schenke uns dazu deine Gnade und deinen Beistand.

Wir bitten dich, liebes göttliches Kind: Schließe all diese schuld- und wehrlosen Geschöpfe, als deine Brüderlein und Schwesterlein, in dein Herz und in das Unbefleckte Herz deiner jungfräulichen Mutter Maria ein. Schenke ihnen die Gnade der Begierdetaufe, und halte sie fest in der glückseligen Umarmung deiner ewigen Herrlichkeit. Amen.

Welch ein erschreckendes Urteil wird man in 20 Jahren über unsere Zeit, über all die Verantwortlichen fällen! Helft beten, beten! Sühnen, sühnen!

Quelle: „Göttliches Kind, ich bete Dich an“, Pfarrer A. M. Weigl. Verlag St. Grignionhaus, Altötting, 1983


Montag, 26. Dezember 2016

Des Christkinds lächeln



In der Kirche Aracoeli in Rom gibt es ein weitberühmtes Jesuskind. In der Weihnachtszeit wallfahrtet das ganze Rom, jung und alt, den Kapitolsberg hinauf zur Kirche, um das Bambino, das Gotteskind, anzuschauen und zu verehren. Man sagt, dieses Jesuskind würde jedem, der es vertrauensvoll anblickt, goldene Himmelsfreude in die Seele streuen. Keiner könne traurig von ihm weggehen, nachdem er ihm ins Angesicht gesehen, auch wenn er eine Zentnerlast von Sorgen die Treppe heraufgeschleppt hätte.

Prozession zur Kirche Santa Maria in Aracoeli, Rom. Oswald Achenbach (1868-1905)
Es ist das nicht nur ein frommer Glaube des römischen Volkes. Ist es nicht in der Tat so, dass keiner ungetröstet das Gotteskind in der Krippe verlässt? Wie sollte nicht die dichteste Nebelwand weichen, wenn aus den Augen des Jesuskindes ein ganzer Himmel von Reinheit und Schönheit, von Güte und Liebe, von Erbarmen und Helferwillen uns entgegenstrahlt! Da kann man verstehen, wie der hl. Franz von Assisi seine schönsten Lieder aus überfrommem Herzen dem Gotteskind in der Krippe zugejubelt hat. Bitten wir das göttliche Krippenkind:

Schenk uns dein Lächeln in der kalten Zeit
Verblendeter Maschinen; der getürmten
Städte, die ohne Freude wachsen! —
Schenk uns dein Lächeln, Kind, dass wir erwarmen,
In deinen Augen wieder Heimat finden ...

Quelle: Alphons Maria Rathgeber, „Kirch und Leben“ – Ein Buch von der Schönheit und Segenskraft der Kirche. Verlag Albert Pröpster, Kempten im Allgäu, 1956.

Bild Bambino: http://www.romaincamper.it/approfondimenti/chiese/aracoeliS.html
Bild Kirche: http://www.sguardosulmedioevo.org/2013/10/basilica-di-santa-maria-in-aracoeli.html 

Sonntag, 25. Dezember 2016

O wunderbarer Tausch



Die Kirche betet in der Weihnachtsliturgie: „O wunderbarer Tausch! Der Schöpfer des Menschengeschlechtes hat einen menschlichen Leib angenommen und ließ sich herab, von einer Jungfrau geboren zu werden. Er ist hervorgegangen als Mensch ohne irdischen Vater und hat uns seine Gottheit mitgeteilt.“ Ist das nicht in der Tat ein ganz unbegreiflicher Tausch? Gott entlehnte unsere menschliche Natur und schenkte uns dafür seine Gottheit. Für die menschliche Natur gibt uns das ewige Wort als Austausch Anteil und Mitbesitz an seiner Gottheit. Er macht uns seiner göttlichen Natur teilhaftig, so dass sich ein Austausch vollzieht, wie er wunderbarer nicht gedacht werden kann.

Um zu Gott den Menschen zu erheben,
Lässt sich Gott herab, ein Mensch zu werden.
Um für Fluch das Heil der Welt zu geben,
Ward das Heil zum Fluch der Welt auf Erden.


Jesus empfing ein menschliches Leben und gab uns dafür Anteil an seinem göttlichen Leben. „Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werde“ (St. Augustinus). Wohl waren schon die ersten Menschen bei ihrer Erschaffung mit der Teilnahme an der göttlichen Natur ausgezeichnet worden. Aber der Sündenfall der Stammeltern hat uns des Anrechtes auf diese wunderbare Teilnahme beraubt. Um dieses Anrecht wiederherzustellen, ist „das Wort Fleisch geworden“. Um den Weg zum Himmel wiederzueröffnen und uns die Anteilnahme an seinem ewigen Leben zurückzugewinnen, ist Gott Mensch geworden. „Als die Fülle der Zeit gekommen war, sandte Gott seinen Sohn ... Er sollte die unter dem Gesetz Stehenden loskaufen, damit wir die Anteilnahme an Kindes Statt erhielten“ (Gal4,4). Was Christus durch seine Natur ist, das sollte der Mensch durch die Gnade werden: Kind Gottes! Durch das menschgewordene Wort wurden wir wieder Kinder Gottes, Glieder des mystischen Leibes Christi und so gleichsam in den Blutkreis Gottes wieder hereingenommen. Das Tor des Paradieses, das seit Jahrtausenden verschlossen war, wurde aufs neue wieder aufgetan. Wir kamen wieder heim, nachdem wir lange, lange in die Irre gegangen waren. Die verlaufenen Kinder fanden sich auf einmal wieder im Schoß Gottes. Wir hatten dazu plötzlich wieder ein Recht, weil Gottes Sohn ja unser Blutsbruder geworden war. „Meine Lieben, wir sind nun Gottes Kinder“, sagt St. Johannes. Kann es eine tiefere, reinere Weihnachtsfreude geben als diese? Diese Freude wird aber nur dann eine dauernde sein, wenn wir der Gnade treu entsprechen, die uns das Gotteskind in der Krippe bringt und die uns alle zu seinen Brüdern macht. „Christ, erkenne deine Würde“, ruft der hl. Leo in der Weihnachtspredigt aus, die in der Christmette gelesen wird. „Da du der göttlichen Natur teilhaftig geworden bist, hüte dich, durch schlechten Wandel zur früheren Sündhaftigkeit zurückzukehren.“ Was nützt alles Schwärmen und Singen vom „holden Knaben im lockigen Haar“, wenn unsere Christkindverehrung sich nicht zu dem festen, heiligen Vorsatz verdichtet: „Ich will Frieden machen mit meinem Gott und will diesen Frieden nicht mehr durch schwere Sünden verletzen. Ein für allemal will ich brechen mit allem, was das Leben Gottes in mir beeinträchtigt und zerstört.“ Gott hat sich uns in der Weihnacht ganz geschenkt. Müsste unsere selbstverständliche Antwort darauf nicht auch eine rückhaltlose Hingabe an Gott sein? Müsste unser Weihnachtsbeten und Weihnachtssingen nicht ausmünden in das Gelöbnis:

Mein Herz will ich dir schenken, herzliebes Jesulein,
In deine Lieb versenken, will ich mich ganz hinein.
Nimm hin mein Herz, gib mir das dein’ —
Lass beide Herzen ein Herz sein!


Quelle: Alphons Maria Rathgeber, „Kirch und Leben“ – Ein Buch von der Schönheit und Segenskraft der Kirche. Verlag Albert Pröpster, Kempten im Allgäu, 1956.
Bild: Kalender „Deutschland braucht Mariens Hilfe“ 2004, Dezember

Christtagsmorgen


Christtagsmorgen, 1844
Ferdinand Georg Waldmüller
© Belvedere, Wien

Die Kinder sind aus dem Bett gesprungen, um zu sehen, was sie erwartet. Am Vorabend hatten sie sorgfältig ihre Schuhe ins Fenster gestellt.
Die Geschenke sind von einer Einfachheit, die heute in Vergessenheit geraten ist: leuchtende Früchte, ein Band, ein Apfel, eine Birne. Aber die Kleinen staunen sehr über dieses Weihnachtswunder. Der Jüngste auf dem Tisch betrachtet seinen Schatz, während rechts ein anderer, überrascht, der Großmutter sein Geschenk mit beiden Händen zeigt.
Beschämt ist ein Knabe, der in seinem Schuh nichts oder vielleicht nur ein Stück Kohle gefunden hat. Aber er weiß warum. Mit brüderlicher, kindlicher Großzügigkeit bietet ihm seine Schwester ihren Apfel an.
Kinderreiche Familie, glückliche Familie scheint dieses Bild zu sagen. Hinter den Personen kann man den Weihnachtsstollen sehen, der wartet.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Dezember 2008)

Samstag, 24. Dezember 2016

Gott ist Mensch geworden


Was muss der Mensch in Gottes Augen wert sein, dass er sich entschloss, selber ein Mensch zu werden! Der unermessliche Gott hat sich so klein gemacht, dass er in unsere enge Welt eingehen konnte. Gottes eingeborener Sohn, durch den die Schöpfung geworden ist und der durch seine Kraft trägt, hüllt sich in unser Fleisch.

Der allen Vöglein Nahrung schenkt,
Wird durch ein wenig Milch getränkt.
(Weihnachtshymnus)

In der Hilflosigkeit eines Menschenkindleins kam Gottes Sohn auf die Erde nieder und ließ sich ein Bettlein auf Heu und Stroh in einem Futterbarren für Tiere herrichten.
Wie kann man diesen Erweis höchster Liebe Gottes überdenken, ohne zutiefst ergriffen zu werden! Freilich, wenn das Denken von Morgen bis Abend erfüllt ist von den Kassenbüchern des Gewinns, von den Magazinen der Sinnlichkeit, von den Romanen des Flirts, von Kino und Tanz…, dann hat man kein Auge mehr für die unfassbare Liebe Gottes, wie die Krippe von Bethlehem sie uns kündet; dann läuft man Gefahr, auch am Heiligen Abend nur an den gedeckten Weihnachtstisch zu denken mit den mehr oder weniger kostbaren Gaben. Man vergisst, dass alle Christgeschenke und aller Besitz nur „Kehricht“ sind gegenüber der Liebe, die das Gotteskind auf die Erde brachte. Wie kann man doch über all den Tand das wahre Weihnachtsgeschenk vergessen: den eingeborenen Gottessohn, die menschgewordene Liebe des Vaters!

Es geht uns nicht um bunten Traum
Von Kinderlust und Lichterbaum;
Wir bitten, blick uns an
Und lass uns schau’n dein Angesicht,
Drin jedermann, was ihm gebricht,
Gar leicht verschmerzen kann.

Quelle: Alphons Maria Rathgeber, „Kirch und Leben“ – Ein Buch von der Schönheit und Segenskraft der Kirche. Verlag Albert Pröpster, Kempten im Allgäu, 1956.

Donnerstag, 8. Dezember 2016

Maria Immaculata

Der Fels 1505

Maria Immaculata


Maria Immaculata von Ignaz Günther (1725 – 1775), um 1760, 
Diözesanmuseum Freising (Leihgabe der Kirchenstiftung Attel am Inn).

Die zwölf Sterne um ihr Haupt (zehn davon sichtbar), weisen die Figur als Darstellung der Maria Immaculata aus (Off. 12,1). Diese apokalyptische Frau, die vom Drachen verfolgt wird und den zukünftigen Weltenherrscher gebiert, wird hier als die Jungfrau Maria gezeigt, wie sie ihr „Fiat“ spricht. Ergeben in den Willen Gottes hat sie ihr Haupt ein wenig zur Seite geneigt, ihren Mund leicht geöffnet und bezeugend ihre rechte Hand an ihre Brust gelegt. Drei ihrer Finger sind ausgestreckt, als möchte sie auf die Dreifaltigkeit hinweisen, von der der göttliche Ratschluss ausging. So verneigten sich Edelleute vor Königen und so verneigte sich Maria vor Gabriel, dem Gesandten Gottes.

Jedoch nicht nur die Eleganz dieser Haltung (man beachte nur einmal die Verschiebungen der Schultern zueinander oder die leichte Drehung des geneigten Kopfes), sondern auch der gefühlsbetonte Gesichtsausdruck (hauptsächlich durch die niedergeschlagenen Augen und den leicht geöffneten Mund erreicht) und, im technischen Bereich, die langgezogenen, kantigen Falten zeigen, dass hier eine Kunstrichtung, das bayerische Rokoko, ihren Höhe- und Endpunkt erreicht hat.

Ursprünglich stand diese Figur auf einem Seitenaltar in der Klosterkirche Attel am Inn. -  AE

Titelbild DER FELS Mai 2015
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Donnerstag, 24. November 2016

Ein Nachtmarkt



Ein Nachtmarkt, 1852
Petrus van Sehendel (1806 - 1870) 
Privatsammlung / Foto: Christie's Images / Bridgeman Images 

Dieser Nachtmarkt im Mondschein bietet uns eine beeindruckende Szene. Die Kerzen auf den Verkaufsständen beleuchten die Waren und lassen die Physiognomien erkennen. Jede Person scheint ihre Geschichte zu haben. 

Petrus van Schendel hat ein fruchtbares und vielfältiges Werk geschaffen. Im Alter von 16 Jahren begann er an der Akademie des Beaux­Arts in Antwerpen zu studieren und übersiedelte im Jahr 1845 nach Brüssel. Er hat dreimal geheiratet und hatte 15 Kinder. Er befasste sich mit biblischen Sujets, malte Porträts und war für Landschafts- und Marinemalerei bekannt. Diese wunderschönen nächtlichen Szenen mit Kerzenlicht sind faszinierend.

Im Vordergrund verkauft ein Händler Fische und am Nebentisch bietet ein Mann Lebkuchen an. Ein Straßensänger hat sein kleines Mädchen auf die Drehorgel gehoben. Es gibt so viel auf diesem Bild zu sehen. Die Höflichkeit, die guten Manieren bilden die Struktur einer Gesellschaft, wo jedes Glied seinen eigenen Platz hat. Es gibt keine Eifersucht und keinen Individualismus.

(Aus dem Kalender „366 Tage mit Maria“ von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Juli 2016)

Freitag, 18. November 2016

Das Mädchen mit den Enten


Das Mädchen mit den Enten

Emile CLAUS (1849-1924) - Das Mädchen mit den Enten – 1880. 
Private Collection / Whitford & Hughes, London, UK / The Bridgeman Art Library 

Eine junge Bäuerin treibt in der Mitte der Wiese mit einer Rute und langsamen Bewegungen der Arme eine Entenschar zusammen, die sie über Nacht einsperren muss. Ein junger Mann hilft ihr dabei, sodass auch die fehlenden drei Enten zur Schar zurückkommen.
Sonnenstrahlen durchdringen das Laubwerk und werfen den Schatten des Zaunes unter die Bäume. Der Maler lässt uns durch die milden Farben die friedliche Ruhe, das warme Licht des späten Nachmittags und die Reinheit der Luft spüren. 
Vor allem hebt er den Wert der einfachen Arbeit hervor, die tagtäglich unter dem Schutz der Göttlichen Vorsehung mit Liebe gemacht wird.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Mai 2010)

Donnerstag, 17. November 2016

Bischöfe haben ernste Pflicht, moralische Urteile auszusprechen


Rom, 29. Oktober 2010 (ZENIT.org) - Papst Benedikt XVI. hat die Bischöfe Brasiliens der Region Nord-Ost zum Ende deren Ad-limina-Besuchs in Audienz empfangen. In seiner Ansprache fand er deutliche Worte auch zur politischen Lage des Landes, das vor der Wahl steht. Politische Zielsetzungen, die in die sittliche Ordnung eingriffen, müssten mit der Stimme der Kirche verurteilt werden.

„Eure Pflicht als Bischöfe ist es, zusammen mit eurem Klerus die moralischen Kräfte zu wecken, die man zum Aufbau einer gerechten und brüderlichen Gesellschaft braucht. Wenn die fundamentalen Rechte der Person es erfordern, haben die Hirten die ernste Aufgabe, ein moralisches Urteil auszusprechen — auch im politischen Bereich“, so der Papst.

Eine Verteidigung der Menschenrechte könne es nicht ohne die Verteidigung des Lebens von der Empfängnis bis zur Geburt geben:
„Dabei müssen sie berücksichtigen, dass man die Menschenrechte nicht verteidigen kann, wenn man nicht auch das Recht auf Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod entschlossen verteidigt!“

Mit dem Hinweis auf die Enzyklika „Evangelium vitae“ betonte der Papst, "wenn politische Projekte offen oder indirekt planen,  Abtreibung oder Euthanasie zu entkriminalisieren, dann wird das demokratische Ideal in seinen Grundfesten erschüttert."

„Liebe Brüder im Bischofsamt, lasst uns also keine Opposition oder sinkende Beliebtheit fürchten, sondern verteidigen wir das Leben und lehnen wir dabei jeden Kompromiss und jede Zweideutigkeit ab!“

Den Gläubigen müsse geholfen werde, ihren Einsatz in der Gesellschaft und ihre Bürgerpflichten konsequent nach dem christlichen Glauben zu leben. Dazu bedürfe es der Katechese und der Bildung in der Soziallehre der Kirche. Sie hätten als wahlberechtigte Bürger die Pflicht, ihre Stimme zur Förderung des Gemeinwohls zu nutzen.
„Die Hirten müssen jedem Bürger das Recht und die Pflicht in Erinnerung rufen, frei ihre Stimme zur Förderung des Gemeinwohls zu nutzen“. Hier berührten sich Glaube und Politik. Falsche und illusionäre gesellschaftliche Grundlagen seien nicht in der Lage, eine menschliche und gerechte Gesellschaft aufzubauen.


Der Papst sprach ebenfalls die Präsenz religiöser Symbole in der Öffentlichkeit an. Wörtlich sagte der Papst: „Ich wollte noch daran erinnern, dass die Präsenz religiöser Symbole im öffentlichen Raum ein Hinweis auf die Transzendenz des Menschen ist — und eine Garantie des Respektes davor. Sie haben auch im Falle Brasiliens einen besonderen Wert, weil die katholische Kirche ein integraler Bestandteil seiner Geschichte ist. Wie könnte man da nicht an die Jesusstatue denken, die mit ausgebreiteten Armen in Rio über der ,Baia da Guanabara‘ steht und die Gastfreundschaft und Liebe verkörpert, mit der Brasilien immer schon Verfolgten und Bedürftigen aus aller Welt die Arme öffnete?“

Diese Präsenz Jesu im brasilianischen Leben habe dazu geführt, dass sie sich harmonisch in die Gesellschaft eingegliedert, zur Bereicherung der Kultur, zu ökonomischem Wachstum und zu einem Geist der Solidarität und der Freiheit beigetragen hätten, schloss der Papst.
[JB]



Anstifter von Irrtum und Betrug

 

Nun aber kennt Ihr wohl, Ehrwürdige Brüder, noch andere ungeheure Irrtümer und Betrügereien, mit denen die Kinder dieser Welt die katholische Religion und die göttliche Autorität der Kirche und ihre Gesetze aufs schärfste anzugreifen und die Rechte sowohl der heiligen als auch der bürgerlichen Gewalt mit Füßen zu treten versuchen. (Dies sind die ruchlosen Unternehmungen gegen diesen Römischen Stuhl des hl. Petrus, auf dem Christus das unbesiegbare Fundament seiner Kirche setzte.) Hierher gehören ... jene geheimen Gesellschaften, die zum Untergang und zur Verwüstung sowohl des kirchlichen als auch des staatlichen Gemeinwesens aus der Finsternis aufgetaucht sind und von den Uns vorangegangenen Römischen Bischöfen in ihren Apostolischen Schreiben (*), die Wir mit der Fülle Unserer Apostolischen Vollmacht bekräftigen, mit einem wiederholten Anathema verurteilt wurden ....

(*)(über die Freimaurer): Clemens XII., Konstitution „In eminenti apostolatus specula“, 28. April 1738; Benedikt XIV., Konstitution „Providas romanorum“, 18. Mai 1751; Pius VII., „Ecclesiam a Jesu“, 13. Sept. 1821; Leo XII., Konstitution „Quo graviora“, 13. März 1825.

Aus der Enzyklika „Qui pluribus” von Pius IX. , de 9 de novembro de 1846:

Mittwoch, 9. November 2016

Rückkehr von der Kirchweih


Rückkehr von der Kirchweih

Ferdinand Georg WALDMÜLLER, 1859/1860. Alte Nationalgalerie, Berlin

Der Pferdewagen ist soeben angekommen. Unter dem Kirschbaum, der mit Früchten überladen ist, versammeln sich jene, die vom Kirchweihfest zurückkommen. Mehrere Personen steigen aus dem Wagen. Jetzt beginnt das Fest für die Kinder, die alle Geschenke erhalten.
Die Kinder freuen sich über die lustigen Figuren auf den Pfefferkuchen, die sie in ihren Händen halten. Im Hintergrund fällt ein Mädchen ihrer Mutter um den Hals. Ein anderes, mit einem Lächeln auf den Lippen erweckt den Eindruck, als ob sie ihr kleines, mit Bändern geschmücktes Paket gar nicht öffnen wollte. Auf der rechten Seite breitet ein junges Mädchen mit einer Blumenkrone im Haar ihren neuen Seidenschal aus, der die Bewunderung von drei Generationen hervorruft. 
Der strahlend blaue Himmel über dem Hofbetont die Farben und die Fröhlichkeit der Menschen. Das Licht des Glaubens und der christlichen Moral gibt uns Menschen Kraft und Mut, die Schwierigkeiten unseres Lebens zu meistern.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Juni 2010)

Mittwoch, 2. November 2016

Eheschließung in der Todesstunde

Eheschließung in der Todesstunde
Marie François Firmin-Girar (1838-1921),
Château de Compiègne, Oise, Frankreich / Lauros / Giraudon / The Bridgeman Art Library

Eine sehr traurige, aber großartige Szene. Ein noch jüngerer Mann, der bisher mit einer Frau zusammenlebte und auch ein gemeinsames Kind hat, liegt im Sterben und will Versäumtes nachholen.
Der Bürgermeister mit einer Schärpe steht links im Bild. Laut Gesetz musste die Ziviltrauung vor der kirchlichen Zeremonie stattfinden.
Der Ministrant hält das Tablett in der Hand, auf welchem die Eheringe gelegen haben und mit Weihwasser gesegnet wurden. Der Priester erteilt den Frischvermählten den Segen während der im Bett unter dem Baldachin liegende Sterbende den Ring an den Finger seiner Frau steckt. Der Notar am Tisch hält das Testament in der Hand, das dann unterschrieben wird, um den letzten Willen des Mannes festzuhalten.
Diese eindrucksvolle Szene macht uns zwei Dinge von großer Wichtigkeit bewusst:
Es ist niemals zu spät, Gutes zu tun.
Das Heil unserer Seele ist das Ziel unseres Lebens auf dieser Erde.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“

von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, November 2010)

Donnerstag, 29. September 2016

Sankt Michael



An der Fassade der Michaelskirche in München steht zwischen den beiden Portalen diese überlebensgroße Bronzegruppe. Sie wurde 1588 von Martin Frey nach einem Modell von Hubert Gerhard gegossen. Der Erzengel Michel stößt mit einem über die Nische hinausragenden diagonal verlaufenden Kreuzesstab Luzifer, ein hässliches Mischwesen mit Hörnern, Bocksfüßen und Krallenhänden, hinab in die Hölle. Dieser Kampf wird beschrieben in Off 12, 7-9 und Jes 14, 13-15.
Die Jesuitenkirche St. Michael wurde zwischen 1583 und 1597 durch den Wittelsbacher Herzog Wilhelm V. (1548-1626) erbaut. Den Jesuiten und dem Herzog lag die tridentinische Reform und die Glaubensfestigung der Katholiken am Herzen. In „Trophaea Bavarica“ von 1597 steht: „... doch ein Volk verdankt dir, heiliger Fürst (Michael), mehr als alle Völker mein bayerischen Volk; denn unter deiner Führung hat es gelernt, die Aggressoren zu besiegen, den Gottesdienst nach dem alten Ritus zu vollziehen und Gott nach der wohl bewahrten Religion seiner Väter zu verehren.“ Dieser Kampf hat jedoch nicht nur eine gegenreformatorische Intention (Luzifer wird mit den protestantischen Häretikern gleichgesetzt), sondern auch eine moralische Dimension. In den „Institutiones Christianae seu Parvus Catechismus Catholicorum“ des Petrus Canisius von 1589 ist bei der ersten Todsünde, der Superbia, der Engelsturz dargestellt. AE

(Titelbild DER FELS September/Oktober 2015)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Erzengel Michael


Heiliger Erzengel Michael



Unüberwindlich starker Held
komm zu Hilf, zieh mit zu Feld!
Hilf uns hie kämpfen,
die Feinde dämpfen,
Sankt Michael!

Die Kirch die anbefohlen ist,
du unser Schutz- und Schirmherr bist!

Du bist der himmlisch Bannerherr,
die Engel sind dein Königsheer.

Groß ist dein Macht, groß ist dein Heer,
groß auf dem Land, groß auf dem Meer.

Den Drachen du ergriffen hast,
und unter deinen Fuß gefasst.

O starker Held, groß ist dein Kraft
ach, komm mit deiner Ritterschaft!

Beschütz mit deinem Schild und Schwert,
die Kirch, die Hirten und die Herd!

Hilf uns hie kämpfen,
die Feinde dämpfen,
Sankt Michael!


(Fr. von Spee, 1623)

Mittwoch, 28. September 2016

Sankt Michael aktuell


Viele Menschen und Pfarreien tragen den Namen des heiligen Erzengels Michael, des Schützers der Kirche und Patron Deutschlands. Doch leider ist vielen Menschen das Wissen um St. Michael und die Bereitschaft, sich ihm zuzuwenden, verlorengegangen.
Der heilige Michael nimmt in der Engelverehrung einen besonderen Platz ein, ist er doch jener, der die guten Engel im Kampf gegen Satan anführte um diesen in Hölle hinabzustürzen, der Engel, der Gott das Rauchopfer darbringt und der Engel der Apokalypse. Jener, der die Kirche beschützt und eine besondere Beziehung zu Deutschland hat. Gerade auch weil dieses Wissen heute oftmals nicht mehr da ist und es fast keine leicht verständlichen, gut aufgemachten und informativen Hefte über St. Michael gibt, ist das aktuelle PUR-Spezial (http://pur-spezial.de) eine gute Möglichkeit hier Abhilfe zu schaffen. Es eignet sich für jeden, ob schon gläubig und nur interessiert, für den Jugendlichen oder die Großeltern: Für jeden ist etwas dabei und trotzdem verliert das Heft nicht an Substanz, im Gegenteil: Es informiert grundlegend, lenkt den Blick gleichzeitig auf wichtige und hochinteressante Aspekte des hl. Michael und seiner Verehrung, aber es verliert sich nicht in eine bestimmte Richtung und gerade dadurch ist es einmalig! Der geringe Preis, gerade für größere Stückzahlen, ist ein weiterer Anreiz. Wer noch nicht überzeugt ist diese Gelegenheit wahrzunehmen um den hl. Michael neu kennen zu lernen oder diese Chance seine Verehrung zu fördern ergreift, der sollte sich die Worte des hl. Alfons von Liguori („Die Andacht zum heiligen Michael ist ein Zeichen der Auswählung!“), des Papstes Pius XII. („Noch nie war die Hinwendung des hl. Erzengels Michael so dringend wir heute!“) oder auch des Papstes Johannes Paul II. betrachten, der beim Besuch des Michaelsheiligtum auf dem Monte Gargano sagte, er sei gekommen, um „den heiligen Erzengel Michael zu verehren und ihn anzurufen, damit er die Kirche in einem Moment schütze, indem es schwierig ist, ein authentisches christliches Zeugnis ohne Kompromisse und Halbheiten zu geben.“ Wieviel mehr ist die Verehrung des hl. Michael heute notwendig, für die Erneuerung der Kirche und unser Land! Informationen und Bestellung unter: http://pur-spezial.de/

Montag, 26. September 2016

Die Gabe der Andacht - Donum Pietatis



Heute übersetzt man die Gabe der Andacht auch mit „Gabe der Frömmigkeit“.
Thomas von Aquin sieht in dieser Gabe vornehmlich die „Gottesverehrung“. Sie schützt vor Gottvergessenheit, vor Gleichgültigkeit gegenüber Gott.
Sie ist aber auch Dienst am geistlichen Wohl des Mitmenschen. Sie macht das Herz milde, nimmt ihm die Härte gegenüber dem Nächsten. Ein frommer Mensch ist nicht gleichgültig gegenüber seinem Nächsten. Deshalb entspricht dieser Geistesgabe nach dem hl. Bonaventura der Vater-unser-Bitte „zu uns komme Dein Reich“.
Die Personifikation dieser Gabe des hl. Geistes befindet sich in einem Tempel. Auf einen Säulenstumpf rechts steht eine Schale, in welcher Gott ein Brandopfer dargebracht wird. Dies erinnert an alttestamentliche Frömmigkeit, angefangen beim Opfer Abels bis zu den ausführlichen Opferbeschreibungen in 4. Mose. Demgegenüber hat die Personifikation dieser Geistesgabe eine brennende Flamme in der rechten Hand. Dies bezieht sich wohl auf Hebr. 10.
Das alttestamentliche Brandopfer ist durch das Opfer Christi abgelöst worden. An einer Stelle heißt es da: „Zeuge ist uns aber auch der Heilige Geist … Ich werde meine Gesetze in ihre Herzen legen und sie in ihr Inneres schreiben.“ Die lodernde Flamme in der Hand meint aber auch, das aus Liebe brennende Herz für Gott und ist ein gängiges Bild für inbrünstiges Beten. Die Personifikation der Gabe der Andacht ist in ein Faltenreiches Gewand gehüllt, ihr Haupt wird von einem Schleier bedeckt. Hier ist wohl an 1. Korinther zu denken, wo es u.a. heißt: „Denn wenn eine Frau sich nicht verhüllt, so mag sie sich gleich die Haare abschneiden lassen; gilt es aber für die Schande, sich die Haare abschneiden oder kahlscheren zu lassen, so verhülle sie ihr Haupt.“ Mit der linken presst die Personifikation ein Buch an ihre Brust, wohl die Bibel.
Die Personifikation ist barfüßig. Dies ist ein Zeichen, dass sie sich in einem Tempel, auf heiligen Boden, befindet. Auch Moses musste seine Schuhe auf heiligem Boden ausziehen (2. Mose 3,5). Die Barfüßige kniet mit dem linken Bein auf einem umgestürzten Opferaltar. Dieser ist geschmückt mit drei Köpfen der Venus heiliger Böcke. Darunter liegt Amors Köcher voller Pfeile. Als Schild für das Planetenzeichen der Venus (Kreis mit Kreuz nach unten), der Göttin der sinnlichen Lust, dient ein von einem Pfeil durchbohrtes, flammendes Herz, eine ewigjunge Bildchiffre für durch Amors Pfeil entfachte Liebe. Wir sehen auf dem Bild also zwei kleine Flammen: Einmal unten die Flamme aus dem Herzen, entfacht durch Amor, im Zeichen der Venus. Sie symbolisiert das erotische verlangen. Zweitens die Flamme in der Hand der Personifikation der Andacht. Sie stellt das brennende Verlangen nach Gott dar. Beide Flammen zeigen den Gegensatz zwischen irdischer und himmlischer Liebe. Auch der untere Bildtext spielt auf diese gegensätzliche Liebe an: Das Herz das Andacht liebt, beschützt der hl. Geist vor dem Venusfeuer.
Der hl. Bonaventura verfasste ein Gebet um die sieben Geistesgaben. In der Strophe über dir Frömmigkeit erwähnt er ebenfalls die brennende Liebe zu Gott. Sie lautet: „O himmlischer Vater, durch Deinen eingeborenen Sohn flehen wir zu Dir, sende uns den Heiligen Geist mit den siebenfachen Gaben … den Geist der Frömmigkeit, damit unsere Herzen in heiliger Liebe und wahrer Andacht erglühen und in der völligen Hingabe an Dich, o Gott, den ersehnten Frieden finden … Amen“  —  AE

Quelle: Der Fels – 46. Jahr – September/Oktober 2015
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering

HubertGindert@der-fels.de

Mittwoch, 21. September 2016

Frühstückszeit und Spielchen am frühen Morgen


Frühstückszeit und Spielchen am frühen Morgen 

Charles West Cope (1811-1890) 
Privatsammlung / Photo Bonhams, London / The Bridgeman Art Library

Das kleine Mädchen hat sich auf einen Schemel gestellt und ahmt die Haltung des Hundes der Familie nach, wenn er um ein Stück Zucker bettelt. Ihre Schwester hält die Kleine und redet ihr zu, die Augen 
zu schließen und den Mund zu öffnen. Die Mutter lässt sich lächelnd auf dieses unschuldige Spiel ein. Der Hund scheint unruhig zu sein, weil er im Hintergrund bleiben muss. 
Man erkennt die geschmackvolle Einrichtung, den Komfort, den gedeckten Tisch, wo nichts fehlt. 
Der Maler zeigt hier ein Ambiente im viktorianischen Zeitalter und hebt gleichzeitig die christlichen Werte hervor: Mutterliebe, Zärtlichkeit in der Familie, liebevolles Verständnis im Gegensatz zu Herzlosigkeit, die Sicherheit in der Familie, die die Kinder wachsen und aufblühen lässt. 
Charles West Cope, Sohn eines Künstlers ist Maler und ein englischer Graveur, dem es in hervorragender Weise gelingt, Szenen mit historischem Charakter darzustellen. Er ist der Schöpfer der Fresken im Lords Chamber in London. 

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, DVCK e.V., Frankfurt, Februar 2014

Dienstag, 6. September 2016

„Opfergabe am Tag nach der Hochzeit“

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Opfergabe am Tag nach der Hochzeit, 1885

Jean Eugene Buland (1851-1927)
Musée des Beaux Arts, Caen, Frankreich/ Giraudon / The Bridgeman Art Library

Eine junge Ehefrau, begleitet von ihrem Mann und ihren Eltern, bringt am Tag nach der Hochzeit der Heiligen Jungfrau weiße Blumen dar. Bevor sie zum Altar tritt, zieht sie Ihre Pantoffel aus. Kopf und Schulter sind bedeckt mit einem bestickten Tuch aus Spitze. Andächtig stellt sie ihr Heim, ihren Mann, ihre Familie unter den mütterlichen Schutz der Heiligen Jungfrau. Wir können am Altar die Statue der Mutter Gottes erkennen, die die Szene überragt.
Durch das Kirchenfenster strömt Licht in die Pfarrkirche. Sie ist einfach und ärmlich wie viele Dorfkirchen Frankreichs, die unter der Revolution gelitten haben.
Eine Opfergabe, die uns berührt, als ein Zeichen christlicher Ehe, untrennbar, in der Mann und Frau ein Leben lang verbunden sind, eine Familie gründen, wo Kinder christlich erzogen werden und wo man gemeinsam das tägliche Kreuz auf sich nimmt und so das ewige Leben erlangt.

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, DVCK e.V., Frankfurt, März 2014

Montag, 29. August 2016

Die Legende von dem kleinen Fässchen

Zwischen der Normandie und der Bretagne in einem sehr zurückgezogenen Ort wohnte einst ein sehr berühmter Herr. Nah am Meer hatte er eine so gut gerüstete und gefestigte Burg, dass er weder König noch Graf, weder Prinz noch Herzog fürchtete. Der Herr dieser Burg war groß, stark, schön von Angesicht, reich an Hab und Gut und von edlem Geschlecht. Sein Äußeres war so vornehm, wie man es sich nicht hätte besser vorstellen können. Doch zeigte er sich grausam, treulos und stolz, und war furchtlos gegen Gott und den Menschen. Das ganze umliegende Land verwüstete er ohne Erbarmen. Er versteckte sich am Rande der Wege, um Pilger zu töten und Händler zu plündern. Er verschonte auch nicht Geistliche und Mönche, Frauen, Arme und Reiche. Niemals wollte er eine Frau nehmen, da er meinte sich dadurch zu erniedrigen. Fleisch aß er zu jeder Zeit, auch des Freitags und in der Fastenzeit. Von Kirchgang, Predigt und Heiliger Schrift war überhaupt nicht zu sprechen. Es gab zu jener Zeit keinen schlechteren Menschen als diesen. Mehr als 30 Jahre lebte er so, ohne auch die geringste Reue zu empfinden.
Abermals kam die Fastenzeit. Als er am Karfreitag früh aufstand, rief er seine Köche und befahl: „Richtet mir ein Wildbraten, denn ich möchte sofort essen, um meinen Straßenraub zu treiben.“
Die Köche waren darüber sehr verärgert und antworteten traurig: „Wir tun, wie ihr befohlen, Herr!“ Die Ritter jedoch, die den Auftrag gehört und mehr Mut hatten, riefen laut: „Herr, was habt ihr gesagt? Heute ist der heilige Karfreitag, an dem Gott gelitten hat, um uns das Heil zu geben, und ihr wollt euch an Fleisch ergötzen? Gott wird es vergelten, glaubt uns!“
„Ha! Und damit ist noch nichts getan. Ich werde da unten noch viele hängen und ausrauben!“
„Habt ihr denn die Gewissheit, dass Gott euch noch eine lange Frist einräumt? Ohne Aufschub solltet Ihr bereuen, Gott um Gnade flehen und über all eure Vergehen weinen!“
„Weinen? Ihr scherzt wohl. Das habe ich alles nicht nötig. Weinet selber, ich lache!“
„Herr, im nahe liegenden Wald wohnt ein heiliger Mann, bei dem man beichtet, um sich von den Sünden zu befreien. Gehen wir hin und beichten. Man darf nicht nur immer das Böse tun!“
„Beichten? Teufel, wenn dieser heilige Mann etwas Vermögen hat, so werde ich hingehen, um ihn auszurauben. Andernfalls gehe ich nicht hin.“
„Doch sei es, nur um uns zu begleiten. Kommt, Herr, lasst und gehen?“
„Gut! Euretwegen will ich es schon tun. Aber, bei Gott, weiter werde ich nichts machen. Bringt mir mein Pferd! Ich werde mit all diesen Scheinheiligen gehen und mich köstlich amüsieren: nachdem sie gebeichtet haben, fangen sie das Rauben von neuem an.“
„Kommt, Herr! Und gebe euch Gott, so er will, ein wenig Demut.“
„Meiner Treu!“, rief der Herr, „Demut will ich nicht und auch keine Güte: man wird mich ja nicht mehr fürchten!“
So begaben sie sich auf den Weg: Die Ritter vorneweg, traurig, und hinter ihnen der Graf, singend, spottend und sie misshandelnd, als wenn er vom Teufel besessen wäre.
Ohne Aufenthalt kamen sie zur Einsiedelei im Wald. Die Ritter begeben sich zum kleinen Kloster, um den frommen Einsiedler aufzusuchen. Der Graf aber blieb auf seinem Ross.
„Herr, sagten seine Ritter, steigt nun ab und kommt, euch zu verbessern!“
„Fürwahr! Nichts werde ich tun! Ich sehe schon, dass das meinen ganzen Tag in Anspruch nehmen wird. Die Pilger und Kaufleute, die ich überfallen wollte, werden heute ihren Glückstag haben!“
Da sie sahen, dass sie nichts erreichten, gingen die Ritter zum Altar und beichteten ihre Sünden beim heiligen Eremiten so schnell und gut sie es nur konnten, um ihren Herrn nicht länger warten zu lassen. Um die Lossprechung ihrer Sünden zu erlangen, stellt der Mönch ihnen die Bedingung, dass sie von nun an alle Tage die bösen Taten meiden sollten. Als sie es versprochen hatten, baten sie den Mönch gütigst: „Herr, unser Gebieter ist draußen. Gott zu Liebe ruft ihn hierher, denn wir baten ihn umsonst. Wenn er euch sieht, wenn ihr mit ihm sprächet, könntet ihr ihn vielleicht überzeugen? Wer ihn zu Gott zurückführt, wird ein gutes Werk vollbracht haben.“
Der Alte antwortete ihnen: „Gut, ich will es machen, aber ohne Hoffnung auf Erfolg.“
Und er ging hinaus, sich auf seinen Stab stützend, denn er war schon alt und schwach. Dem Grafen sagte er gütig: „Herr, seid willkommen! Am heutigen Tage soll man auf alles Böse verzichten und das getane bereuen. Auch an Gott soll man heute denken!“
„Denkt an was ihr wollt. Ich werde nichts tun“, antwortete der Graf.
Der Einsiedler verdrießt sich nicht. Voller Demut sagt er: „Steigt ab guter Herr! Denn ihr seid ja ein Ritter und habt deshalb ein edles Herz. Ich bin Priester und bitte euch durch dem, der am Kreuze starb, ein wenig mit mir zu sprechen.“
„Sprechen? Zum Teufel! Über was sprechen? Wir haben nichts miteinander gemein! Ich habe es eilig!“
„Herr, nicht meinetwegen, sondern ausschließlich Gott zu Liebe!“
„Ihr seid ein guter Fürsprecher. Aber wenn ich rein komme, werde ich nichts tun; kein Gebet, kein Almosen, keine Bitte, nichts!“
„Kommet nur herein und ihr werdet meine Kapelle sehen und mein Haus.“
„Den ganzen Tag werde ich nicht aufhören, mich zu langweilen!“
Doch mit großem Verdruss steigt er von seinem Pferd ab. „Wirklich ein dummer Gedanke, sagt er, hierher zu kommen, und so früh aufgestanden zu sein!“
Der Mönch hieß ihn willkommen und führte ihn zur Kapelle; und als sie vor dem Altar standen, sagte er: „Herr, ihr seid gefangen! Ihr werdet bei mir bleiben und euer Leben erzählen. Tötet mich, wenn ihr wollt; andernfalls werdet ihr mir nicht entkommen.“
„Nichts werde ich euch erzählen und ich weiß nicht, was mich zurückhält euch zu töten, wie ihr es sagt. Lasst mich frei hier herausgehen!“
„Nein, Herr Graf, bei der Herrlichkeit Gottes, ihr werdet eure Sünden hier bekennen!“
„Ihr seid wohl nicht ganz bei Sinnen oder gar betrunken, um mit Gewalt zu wissen, was ich euch nicht sagen will!“
Grausam und schlecht wie er war, richtete der Graf einen so wütenden Blick auf den Mönch, dass diesen die Angst ergriff. Doch er fasste Mut und sagte mit sanfter Stimme: „Mein Bruder, beichte mir nur eine einzige Sünde, denn mit so wenig man auch anfängt, bin ich sicher, dass Gott euch auf den rechten Weg verhilft.“
„Na gut!, schrie der Graf, werde ich denn nie eher Frieden haben? Und was habt ihr alle, dass ihr mich gegen meinen Willen zu handeln zwingt? Weil es nicht anders kann sein, werde ich sprechen, und nichts weiter! Nichts werde ich bereuen!“
Und er fing an seine Sünden in einem fort und jähzornig auf zuzählen. Als er beendet hatte, sagte er zum alten Einsiedler: „Ich habe euch alle meine Übeltaten gesagt, was wird es euch nun für ein Nutzen bringen? Lasst ihr mich endlich in Ruhe? Ihr habt mich besiegt ohne Verletzung, nie mehr werde ich euch sprechen!“
Der Eremit ward traurig und diese Reuelosigkeit zerriss ihm das Herz.
„Herr, sagte er, tröste mich, und verrichtet einen Akt der Buße.“
„Ich? Ein Büßer werden? Ihr spottet wohl meiner! Und zu was verurteilt ihr mich?“
„Um all eure Sünden zu tilgen, werdet ihr sieben Jahre hindurch jede Woche des Freitags fasten.“
„Sieben Jahre? Niemals!“
„Dann drei?“
„Nein!“
„Dann an den Freitage eines Monats?“
„Schweigt! Ich werde nichts tun!“
„Geisselt euch dann jeden Morgen.“
„Das halt ich nicht aus!“
„Und wenn ihr eine Pilgerfahrt unternimmt?“
„Nein, da gibt es zu viele Gefahren.“
„Pilgert nach Rom oder nach Compostela!“
„Nein!“
„Geht dann in die Kirche, dort verrichtet zwei Gebete: das Vater Unser und das Ave.“
„Das ist alles Zeitverschwendung.“
„Um der Liebe des allmächtigen Gottes Willen, nehmt dann dieses Fässchen und geht hin zur nahe liegenden Quelle und füllt es mit Wasser. Wenn es voll ist, bringt es mir und eure Sünden sind euch vergeben.“
„Na gut! Das bedeutet mir wahrlich nicht so große Mühe, eben zur Quelle zu gehen. Ich nehm's und werde es schnell getan haben.“
Der Mönch gab ihm das Fässchen. Als der Graf es nahm, sagte er: „Gut! Und ich schwöre euch, nicht zu ruhen, bevor ich ihn euch nicht gefüllt zurückbringe!“
Und er ging. Seine Ritter folgten ihn, er aber wies sie streng ab. Als er zur Quelle kam, tauchte er das Fässchen mit wucht in das Wasser und holte es wieder heraus. Aber kein Tropfen war drinnen… Er versuchte es wieder und nochmals und auf allen möglichen Weisen, aber das Fässchen kam immer wieder vollständig trocken aus dem Wasser. Er verlor die Geduld und fing an zu fluchen: „Es ist bestimmt verstopft.“ Er nahm ein Stöckchen, um zu sehen, stellte aber fest, dass alles frei war. Und noch einmal tauchte er das Fässchen ins Wasser, aber kein Tropfen floss hinein!
Er wurde wütend, stand auf und ging zur Eremitage zurück und erzählte dem Mönch und den seinen das Ergebnis und schwor: „Bei allen Heiligen! Keinen Tropfen konnte ich hineinbekommen! Und doch tat ich, was ich konnte! Nicht eine Träne floss herein! Ich werde aber keine Ruhe kennen, bis ich dieses Fässchen gefüllt habe!“
Zum Mönchen sagte er dann: „Ihr habt mich in eine schlechte Lage versetzt mit diesem blöden Fässchen! Meine Haare werde ich nicht schneiden und nicht meinen Bart, bis ich mein versprochenes Wort erfüllt habe. Zu Fuß werde ich herumlaufen, ohne einen Heller, ohne Brot und ohne Vorrat.“
Der Mönch hörte und ward sehr traurig: „Herr, sagte er, was für ein Unglück! Wie bitter ist euch das Leben! Dies Fässchen, das selbst ein Kind spielend füllen kann, nahm kein Wasser auf wegen all eurer Sünden. Es ist Gott, der in all seiner Güte euch die Buße auferlegen will.“
„Nicht wegen Gott noch jemanden anderen werde ich losziehen, sondern ausschließlich meinetwegen, aus Wut und großem Ärger!“
Seinen Leuten sagte er trotzig: „Was euch betrifft, so geht! Führt mein Pferd zurück und schweigt über mich und all das Geschehene. Wenn man euch nach mir fragt, so antwortet niemals ein Wort. Was mich betrifft, werde ich wahrscheinlich höchst beschäftigt sein, mit diesem verhexten Fass, das ich in Feuer und Flammen wünschte! Ich werde der Runde nach alle Wasser der Welt versuchen!“
So geht er also, ohne länger zu verweilen, das Fässchen um den Hals gehängt und als Begleiter nur Gott.
In jedem Bach, den er findet taucht er das Fässchen und versucht es zu füllen, doch es gelingt ihm nicht. So besorgt und in Wut geraten ist er, dass eine ganze Woche vergeht, ohne dass ihm der Gedanke kommt, etwas zu essen. Als er aber dann doch merkt, dass der Hunger ihn bestürmt und er ihm nachgeben muss, verkauft er seine Kleider und trägt ab dann nur ein paar alte Lumpen.
Er geht durch Wind und Regen. Sein Gesicht, ehemals frisch und rot, hat sich ganz verändert; die Haut ist dunkler geworden. Und in jedes Wasser, das er antrifft, taucht er sein Fässchen, ohne dass jemals ein Tropfen hineinläuft. Er leidet viel und erträgt es. Seine Schuhe sind schon durch, und schon muss er barfuss gehen.
Und so wandert er durch die Täler, Kälte und Hitze, durch Wälder, Ruinen und Dornen. Er verwundet sich und blutet oft. Mit Mühe und Not und mit Verdruss geht er weiter. Tag und Nacht wandert er dahin, arm und bettelnd. Die Leute lachen ihn aus, er hat weder Gewand noch Burg, kein Platz, wo er ruhen kann. Alle, die ihn sehen, misstrauen ihm, denn er ist groß und so verkommen sieht er aus; sehr stark, von hässlichem Anblick und von der Sonne verbrannt. Alle haben Angst, ihn aufzunehmen. So schläft er oft auf den Feldern. Doch trotz alledem kann er sich nicht demütigen. Wenn er sich bei Gott beklagt über all sein Elend, dann tut er es mit Zorn und ohne Reue. Als das Geld, das er für die Kleider bekam, alle war, weiß er nicht mehr woher er sein Brot holen kann. Die Not lehrt ihm das Betteln, aber es kommt oft vor, dass er tagelang nichts bekommt. Als sein Herz dermaßen abgezehrt ist, dass er den Hunger nicht mehr aushält, bittet er ärgerlich um ein hartes Brot. Und so wandert er durch ganz Frankreich, durch Spanien, durch Ungarn, durch Thüringen, durch Deutschland, durch den Elsass und Lothringen. Acht Tage reichen nicht aus, um all die Orte aufzuzählen die der Graf durchwanderte. Auf jeden Fall nach England, das ganz vom Meer umgeben ist, und Barletta in Italien gibt es wohl kein Land wo er es nicht versuchte: Wasserfälle, Bäche und Quellen, Stillwasser und Fluten, überall tauchte er sein Fässchen ein, aber kein Tropfen floss herein. Vergeblich tat er und bemühte sich; sein Zorn stieg mehr und mehr. Inmitten seiner Schmerzen beleidigten ihn noch alle Leute, niemand tat ihm Gutes; in Stadt und Land hörte er nur harte Worte. Doch sein Stolz ließ nicht zu, alldem zu erwidern und er verachtete die Menschen.
Aber das endlose Wandern erschöpfte ihn allmählich. Niemand würde ihn wieder erkennen mit seinen langen zerstreuten Haaren, zottigen Armen, dicke Brauen, tiefe Augen, abgemagerten Gliedern, an denen überall Adern und Sehnen hervorsprangen. Keinen Mantel hatte er mehr, die Schwäche wurde immer größer; mit Mühe stützte er sich mit einem Stab; das Fässchen hing ihm schwer auf der Brust, doch er trug es immer.
Nach einem Jahr entschloss er sich, zur Einsiedelei zurückzukehren. Es war eine lange und harte Reise, aber er kam doch endlich an. Es war gerade wieder Karfreitag.
Er trat ein, gebeugt durch all sein Leid. Der Einsiedler, als er ihn in seiner armen Kleidung und so abgezehrt sah, erkannte ihn nicht. Als er aber das Fässchen sah, das dem Armen am Halse hing, fragte er: „Mein Bruder, welche Not führt dich hierher? Wer hat dir dieses Fässchen gegeben, das ich erkenne und vor genau einem Jahr dem edelsten und stärksten Ritter gab, den ich kannte? Ich weiß gar nicht ob er noch lebt, denn ich habe ihn nie wieder gesehen. Aber sag mir, mein braver Mann, haben dich die Sarazenen gefangen, da du so arm und bloß dastehst?“ Der andere antwortete zornig: „Seht da, wo ihr mich hingebracht habt!“
„Wer? ich? Und wie, mein Freund? Ich glaube dich nie gesehen zu haben! Was habe ich dir getan? Sage es mir nur!“
„Genau vor einem Jahr ward ihr es, der mir die Beichte abgenommen und mir dieses Fass zur Buße gegeben habt. Dann kam das Elend, in dem ihr mich jetzt sieht.“
Und er erzählte seine Wanderungen und Mühen.
„Herr, sagte er dann, ich habe alles versucht, alle Wasser probiert: keines rann in das Fass. Ich merke, dass ich bald sterben werde, denn ich habe keine Kraft mehr zu leben.“
Der Eremit hörte zu und sagte entrüstet: „Du bist der schrecklichste aller Menschen! Ein Hund, ein Wolf oder ein anderes Tier hätte dieses Fässchen gefüllt! Oh! Ich sehe wohl, dass Gott dich nicht liebt. Deine Buße hatte keinen Erfolg, weil du sie ohne Reue, ohne Liebe und ohne Zerknirschung verübt!“
Der heilige Mann windet seine Hände und seufzt und weint und klagt über den, dessen Herz so hart ist.
„O Gott, der du alles weißt, alles siehst und alles kannst, schau auf diese deine Kreatur, die da so schlecht dahinlebt: sein Leib und seine Seele sind verloren! Heilige Maria! O Mutter, bitte Gott, dem Sohn, dem Vater, neige sie zu Langmut! Heiliger Gott, der du immer das Gute tust, wenn ich jemals bei dir Gefallen gefunden habe, erbarme dich dieses armen Mannes. Herr, wenn er durch mein Handeln sterben soll, verlange von mir Genugtuung! Wenn du einen von uns wählen solltest, dann lass mich gehen und rette dieses Geschöpf!“
Der Mönch weint aus reiner Liebe.
Der Ritter blickt ihn lange an, ohne ein Wort zu sagen. Aber im Innern ist er ganz verwundert: „Dieser Mann, der mir ein Fremder ist und mit dem nur Gott mich verbindet, ist meinetwegen zum Opfer bereit; der meiner Sünden wegen leidet und weint. Ich muss der schlechteste Mensch sein, der größte aller Sünder, dass er sich so demütigt, und so tief bestürzt ist, und das er so sehr meine Seele liebt! O gütigster Gott, wenn du willst, gib mir so viel Reue, dass dieser heilige Mann getröstet wird! Ich bitte um Gnade, barmherziger König, für all das, wofür ich schuldig bin, und hier bin ich, bereit deinen Willen zu tun!“
Und Gott legt Hand ans Werk. Er weiß seine Seele von Grobheit und Stolz zu befreien, um sie mit Demut zu füllen. Und die Reue ist so groß, dass ihm das Herz bricht. Tränen fallen ihm über die Wangen; er bekommt kein Wort heraus. Aber innerlich verspricht er nie mehr Böses zu tun. Als Gott die Reue des Ritters sah, erfüllt er dessen einzigen Wunsch: eine große Träne leitet er wie ein Pfeil in das Fässchen, was noch immer leer war. Und siehe, eine einzige Träne lässt das Fass überlaufen. Als der Mönch das sah, warf er sich zu Füßen des Grafen: „Bruder und guter Freund, du bist von der Hölle befreit! Gott verzieh dir deine Sünden!“
Beide sind so glücklich, dass sie vor Freude weinen.
„Vater, sagt der Graf, ich bin ganz dein. Du hast mir alles Gute getan! O Vater, bei dir will ich für immer bleiben. Vor einem Jahr kam ich hierher ganz dem Irrtum hingegeben und außer Sinnen und sagt euch meine Sünden ohne Reue und ohne Liebe. Ich will sie heute mit tiefer Andacht alle wieder nennen.“
„Möge Gott, der allgegenwärtig ist, deine Seele im Paradiese aufnehmen, mein bester Freund“, sagt der Mönch. „Es sei angebetet der Herr Jesus Christus, der dir solchen Mut gegeben hat! Siehe, hier bin ich, dich zu hören bereit.“
Der Ritter beichtet nun wieder mit aufrechtem Herzen und gefalteten Händen. Nachdem der Mönch ihm die Vergebung erteilte, fragte er: „Möchtest du kommunizieren?“
„Ja, mein Vater, aber beeilt euch, denn ich merke, dass ich sterbe.“
Gereinigt ist nun der Ritter nach der heiligen Kommunion. Von seinen Sünden und Torheiten blieb keine Spur.
„Mein Vater, sagt er, ich gehe. Betet für mich, das Ende ist da! Nimmt mich in eure Arme, so sterbe ich im Schutz meines Freundes.“
Der heilige Man legt seinen Arm um den Sterbenden, der auch gleich seine Seele dem Herrn darbringt. Vor dem Altar wird er gelegt, das Fässchen noch am Hals: nie mehr wird er sich von ihm trennen. Es bedeutete ihm manche Pein, doch es brachte ihm das Heil. Auf seinem Herzen ruht seine Buße und Gott hat ihm alles vergeben. Sein Leib kämpft, das Herz ist in Not. Die Seele des Ritters entgeht. Sie schwingt sich empor ganz gereinigt: kein Flecken bleibt übrig. Gleich wird sie von den heiligen Engeln aufgenommen, die dabei sind. Einer großen Gefahr ist sie entkommen, weil der Teufel sie auch abwartete. Seele und Engel fahren zum Himmel.
Dank seiner Tugenden sah der Eremit das alles (mit seinen Augen). Vor dem Altar bleibt nichts, als der Leib des Ritters, bekleidet mit seinen Lumpen und das Fässchen auf der Brust.

Zeichnungen: Helene A. Cathrwood und A. Phillips

Donnerstag, 11. August 2016

Frühlingsmorgen



Frühlingsmorgen, Avenue du Bois de Boulogne, 1902

Louis de Schryver (1863 - 1942)
Privatsammlung / Photo Bonhams, London / The Bridgeman Art Library
Privatsammlung / The Stapleton Collection / The Bridgeman Art Library

Das Bild zeigt uns Paris an einem Frühlingstag der Belle Epoque. Die Kastanienbäume stehen in Blüte entlang der Avenue du Bois, heute Avenue Foch, die bis zum Arc de Triomphe führt. Rechts kann man eines der seltenen Autos sehen während eine Kutsche auf der Fahrbahn rollt, die noch nicht mit Pflastersteinen versehen ist und besprengt wird, um Staub zu vermeiden.
Zwei elegante Damen kaufen Blumen, die die kleine Händlerin in einem Weidenkorb anbietet. Eine Kinderfrau trägt ein Baby in ihrem Arm. Ein Pudel und Kinder laufen herum.
Ist nicht die Mode dieser Zeit viel geschmackvoller als die heutige? Wir sind fasziniert von dieser Szene, die uns die Würde der dargestellten Personen, ihre Wesensart und ein Milieu erkennen lässt, in dem noch Werte wie Tradition, Familie und guter Geschmack vorherrschen. Was zählt heute? Haben wir diesen Wandel wirklich verdient?

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, DVCK e.V., Frankfurt, April 2014