Sonntag, 27. März 2016

Ein einsamer Spaziergang



Ein einsamer Spaziergang, 1888

Julia Ashton (1851-1942)
Art Gallery of New South Wales, Sidney, Australien


Eine junge Frau - die Gattin des Malers - geht auf einem Feldweg am Rande eines Ortes spazieren. An diesem Spätsommertag strahlt die Sonne noch kräftig. Die Spaziergängerin schützt sich mit einem Sonnenschirm. Sie trägt Handschuhe, einen Schal, einen Hut und über dem Kleid einen leichten Mantel, um sich vor dem Staub zu schützen.
Es macht Vergnügen, diese Frau zu betrachten, die sich ihrer Würde, ihrer Eleganz und ihrer Persönlichkeit bewusst ist, weit entfernt von der Rastlosigkeit unseres modernen Lebens.
Der Maler liebt es, in seinen Aquarellen jene Stimmungen darzustellen, die für die lichtdurchflutete australische Landschaft charakteristisch sind. Ein Schnappschuss, der das Gefühl der Gelassenheit, der Ordnung und der Ruhe vermittelt. Die Wertschätzung dieses Genres der Landschaftsmalerei „der Busch“ hat sich mit dem legitimen Nationalstolz, der in der Gesellschaft zunahm, entwickelt.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, August 2011)
-

Zu Ostern


Ein neuer Morgen ist der Welt aufgegangen, strahlend und unberührt wie der erste Schöpfungsmorgen. Die Sonne der göttlichen Huld leuchtet wieder über der Erde. Schon am Feste der Menschwerdung sahen wir den „Aufgang aus der Höhe“. Christus erschien als die Gnadensonne des Vaters. Aber noch hüllte sie ihren Glanz in die bergende Wolke der demütigen Menschheit. Am Fest der Epiphanie und am Verklärungssonntag sahen wir sie hell aufleuchten. Aber während der großen Leidenswoche schien sie zu versinken im Meer der Leiden, im Abgrund des Todes. Heute erhebt sie sich aus den Wassern der Passion, aus den dunklen Wolken höllischer Anfeindung. Strahlend steigt sie zur Höhe empor, endgültig und für immer die Erde segnend und beherrschend.

Es ist Tag geworden auf Erden — „Abend und Morgen, der erste Tag“ (Gen. 1,5). Und wirklich der erste, denn „sie kamen am ersten Wochentage in aller Frühe zum Grabe, als die Sonne eben aufgegangen war“, (Benedictus-Antiphon der Osternacht). Der erste Tag und zugleich der achte, nach dem siebten, dem Sabbat. Der achte Tag, der über die irdische Zeit und die sieben Tage der ersten Schöpfung hinausgeht, - der Anbruch einer neuen Zeit, die nicht mehr gezählt und gemessen werden kann, der Anfang der Ewigkeit.

Das ist der geheimnisvolle Tag, den wir erwarten, dem wir entgegenleben in dieser Zeit. Heute hat er begonnnen; heute ist er aufgegangen. Wir stehen mitten darin; nur unsere Augen sind zu schwach, als dass wir seinen vollen Glanz schauen könnten. Aber wir fühlen seine Wärme in unserem Blut; wir leben von seinem Licht. Eben ist die Sonne aufgegangen - Christus ist auferstanden. „Christus ist die wahre Sonne und der wahre Tag“, sagt der heilige Cyprian und führt als Beweis jene Stelle des 117. Psalms an, die als erster Vers des Graduale während der ganzen Osterwoche nicht von den jubelnden Lippen der Kirche weicht: „Haec dies, quam fecit Dominus: exsultemus et laetemur in ea.“ – „Dies ist der Tag, den der Herr uns gemacht hat! Jubeln wollen wir und uns freuen an ihm!“ (Ps. 117,24)

„Christus ist unser Tag. In seinem Lichte sehen wir das Licht“ (Ps. 35,10). „Wunderbar ist deine liebende Schau, dein liebendes Erkennen geworden“ (Ps.  138,6), spricht der Vater zum verklärten Christus. Der auferstandene Herr schaut den Vater, ruht in ihm. Das ist letztes Erkennen, Erfassen Gottes. Ein Erkennen nicht durch Überlegung des Verstandes, durch menschliches Wissen; ein Erkennen über allem menschlichen Erkennen und Wissen: Schau! Christus, der Tag, ist wesenhaft eins mit dem göttlichen Lichte.

Nur der Sohn sieht den Vater, wie er ist. Aber nun sind unsere Augen klar geworden von dem neuen Tag, der in Christus uns aufgeleuchtet ist. Im hellen Lichte dieses Tages schauen wir das Urlicht. Vollkommen wird die Schau erst im Jenseits, wenn auch wir ganz verklärt, ganz Tag geworden sind wie Christus. Aber begonnen hat sie mit der Auferstehung des Herrn. Bevor der Sohn kam, vermochte niemand den Vater zu erkennen. Jetzt ist der Tag selbst, Gottes Licht in den Menschen eingetreten. In seinem Licht sieht er das Licht. Wunderbar ist die Erkenntnis Gottes geworden in der Welt. „Wunderbar ist deine Erkenntnis geworden“, spricht die Kirche zu ihrem auferstandenen Herrn und zugleich zu jedem ihrer Kinder, das in Christus auferstanden ist zu neuem, gottschauendem Leben.

Wenn der Tag aufgeht, ist er Gericht für die Nacht. Die Finsternis flieht vor dem Licht. So ist auch Christus, der Tag, Gericht für die Welt, die die Finsternis mehr geliebt hat als das Licht (Joh 3,19). Gerichtet ist die Welt, gerichtet ist der Teufel. Aus dem Dunkel kam die alte Schlange und wollte Krieg führen gegen den Herrn des neuen Lichtes. Heute ist sie gerichtet. Der „Nachkomme der Frau“ hat der Schlange den Kopf zertreten; besiegt taumelt sie zurück in ihre Finsternis. „Die Erde bebte und ward stumm, da Gott zum Gerichte aufstand“ (Offertorium, Ps. 75,9-10).

„Vom Tode zum Leben und von der Erde zum Himmel hat uns Christus, unser Gott, hinübergeleitet, und wir singen das Lied seines Sieges“ (aus der griechischen Liturgie).

„Das Lamm erlöste die Schafe; mit dem Vater versöhnte, Christus, der Reine, alle die Sünder“ (Ostersequenz).


P. Klaus Gorges FSSP, Ostern 2008

Samstag, 26. März 2016

Kinder auf dem Heimweg


D 2014 9
Kinder auf dem Heimweg

César Pattein (1850-1931)
Privatsammlung / Photo Palais Dorotheum, Wien / Wikimedia Commons

Cesar Patlein ist berühmt für seine Darstellungen ländlicher Szenen in der schönen Landschaft Nordfrankreichs. Seine faszinierenden Gemälde zeigen meist junge Menschen, die Fröhlichkeit und Zufriedenheit ausstrahlen.
Auf diesem Bild sieht man ein Geschwisterpaar auf dem Heimweg. Jeder bring einen großen Strauß Feldblumen nach Hause mit.
Die ruhige Landschaft, die leuchtenden Farben der Blumen, die Haltung der Kinder, alles in diesem Bild vermittelt tiefen Frieden und Harmonie. Man möchte gerne die Eltern kennenlernen, um ihnen zur christlichen Erziehung, die sie trotz eines mühevollen Lebens ihren Kindern angedeihen ließen, zu gratulieren.
„Die Eltern haben das Recht, ihre Kinder auszubilden, aber sie haben außerdem die Aufgabe, ihre Unterweisung und Erziehung nach dem Plan Gottes, der ihnen diese Kinder geschenkt hat, zu gestalten“ (Leo XIII., Enzyklika Sapientiae christianae).

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, DVCK e.V., Frankfurt, September 2014

Donnerstag, 24. März 2016

Pontius Pilatus: Prototyp des korrupten Opportunisten

Mathias von Gersdorff

Die Passion Jesu Christi ist ein Ereignis, welches es nicht nur schafft, die Religiosität und die Frömmigkeit der Menschen zu bewegen, sondern auch das Interesse für die psychologischen und gesellschaftlichen Umstände, die zu diesem politischen Verbrechen geführt haben, zu wecken. Das liegt daran, daß das gesamte Leidensgeschehen nicht nur ziemlich detailliert in den Evangelien beschrieben ist, sondern auch in einer Art und Weise, in der jeder Mensch sich in irgendeiner Form mit dem Geschehen identifizieren kann und sich selbst wiederfindet. Die vier Berichte der Passion Christi im Neuen Testament besitzen somit eine Universalität, die man wohl nirgends sonst findet. Diese Universalität inspiriert seit Jahrhunderten Künstler und Literaten in allen Winkeln der Welt.


Meine Aufmerksamkeit weckte in dieser Fastenzeit insbesondere die Figur des Pontius Pilatus, die wichtigste politische Persönlichkeit im Passionsbericht. Die Umstände, die zur Anklage gegen Jesus führten, sind rasch geschildert: Aus verschiedenen religiösen und politischen Gründen bildete sich eine Verschwörung gegen Jesus Christus. Für ein Todesurteil bedurfte es aber einer richterlichen Entscheidung des römischen Statthalters, also Pilatus. Auf diese Weise bekommt eine Figur, die bis zu diesem Zeitpunkt in den Evangelien gar nicht vorgekommen war, eine Schlüsselrolle in diesem zentralen Ereignis des Neuen Testaments und im Glauben aller christlichen Konfessionen. Analysieren wir deshalb etwas genauer das Verhalten des Römers und versuchen wir zu verstehen, wie es zu seinem verbrecherischen Richterspruch kam.

Günstiger Gesprächsbeginn, aber die Wahrheit stört

Das erste Verhör Jesu durch Pilatus ist gut im Johannes-Evangelium Kapitel 18, Verse 28 bis 38 beschrieben. Pilatus merkte schnell, daß Jesus lediglich Opfer einer Verschwörung und daher unschuldig war. Während der Unterhaltung zeigt Pilatus Interesse für Jesus und beginnt, sein Herz zu öffnen. Jesus deutet ihm seine Mission an und sagt ihm, er sei ein König, aber nicht von dieser Welt. Doch das Gespräch endet ungünstig, denn Widerstand bäumt sich im Herzen Pilatus’ auf, als Jesus ihm sagt, er sei gekommen, Zeugnis von der Wahrheit abzulegen. Pilatus’ berühmte und folgenschwere Antwort darauf: „Was ist Wahrheit?“
Diese Infragestellung ist der entscheidende Wendepunkt im Prozeß gegen Jesus. Ab diesem Zeitpunkt ist Pilatus von Angst erfüllt und nicht mehr primär interessiert, die Wahrheit herauszufinden und ein gerechtes Urteil zu fällen. Sein Hauptanliegen ist, seinen Posten und seine recht bescheidene Macht zu verteidigen. Durch diese innere Haltung wird er zunehmend zum Spielball derjenigen, die gegen Jesus intrigieren.

Aus purer Feigheit übergibt er Jesus der Folter

Nach dem ersten Verhör geht Pilatus zu den Klägern und stellt fest: „Ich finde keinen Grund, ihn zu verurteilen.“ Pilatus hätte Jesus freilassen müssen, doch er fürchtete sich. So bot er an, den Verbrecher Barrabas anstatt Jesus hinrichten zu lassen. Das Angebot wurde abgelehnt. Immer noch wollte Pilatus Jesus freilassen, doch damit die Gegner Christi auf ihre Kosten kommen, ordnete er eine Geißelung an. Die Geißelung nach Art der römischen Strafordnung war eine äußerst grausame Strafe, die nicht selten zum Tod des Verurteilten führte. Der römische Flagello hatte an den Enden der einzelnen Riemen Bleikugeln mit Hacken, die sich in das Fleisch des Verurteilten einbohren konnten und ihm ganze Fleischstücke herausrissen.

Halten wir fest: Pilatus’ Schwäche war kein Hindernis, eine solche Tortur anzuordnen. Ganz im Gegenteil: Weil er nicht Manns genug war, den Gegnern Jesu die Stirn zu zeigen, ordnete er ungerechterweise – aus purer Feigheit – eine Folter an.

Der Wendehals wird ängstlich



Lesen Sie den vollständigen Artikel hier

Kaiserin Eugénie besucht die Armen



Kaiserin Eugénie besucht die Armen, 1864 

Paul Leon Lucien Goupil (1834-1890) 
Château de Compiègne, Oise, Frankreich / Giraudon / The Bridgeman Art Library

Die Szene spricht für sich selbst. Eine elegante Dame, Kaiserin Eugénie, die Ehefrau von Napoleon III., legt eine Börse, die einige Goldstücke enthält, in die Hand einer armen Frau, die von ihren drei Kindern umringt ist. Gekleidet wie eine Bürgerliche macht die großherzige Kaiserin zahlreiche Besuche, vor allem bei Kranken, in Spitälern und auch bei jungen Strafgefangenen.
Der kleine Ofen kann das Mansardenzimmer kaum erwärmen. Die bescheidene Einrichtung besteht aus einem Bett, zwei Stühlen, einem Toilettetisch und einem zerbrochenen Spiegel. Trotz ihrer erbärmlichen Lage haben die Mutter und ihre Kinder ihre Würde nicht verloren. Die finanzielle Hilfe haben sie dringend nötig und sie akzeptieren mit Dankbarkeit das Mitgefühl, das ihnen von dieser eleganten Dame entgegengebracht wird.
Ein Kreuz an der Wand überragt die Szene und erinnert an das Zitat, das zur Barmherzigkeit aufruft: „Wer den Armen gibt, leiht Gott“.

Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, DVCK e.V., Frankfurt, November 2014

Montag, 21. März 2016

Gedanken zur Fastenzeit

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts lief eines Tages in Italien eine Gruppe sehr reicher Jugendlicher von Carpinete in den Nachbarort, um sich dort zu vergnügen. Alle waren gut gelaunt. Unterwegs begegnete ihnen eine Bettlerin:
„Habt Erbarme mit mir, junge Herren, meine drei Kinder warten zu Hause hungernd auf mich!“ Jeder gab ihr etwas, doch einer gab ihr das ganze Geld, das er bei sich hatte. Gerührt von dieser großherzigen Gabe weinte die arme Frau und sagte: „Gott segne Dich, mein Sohn! Ich werde jeden Tag für Dich beten! Du hast mir so viel gegeben, dass ich einige Monate davon leben kann. Gott segne jeden Deiner Schritte! Du könntest Priester werden. Ich werde dafür beten!“ 
Dieser großmütige Junge war Gioacchino Pecci. Er wurde Priester und später Papst. Er nahm den Namen Leo XIII. an.

Ja, beten wir für unsere Familien: für die Kinder und Enkel; für die Kirche, für unsere Gemeinde; beten wir in der Fastenzeit auch den Kreuzweg! Nehmen wir uns doch immer wieder das Kreuztragen unseres Heilandes und Seiner vielgeliebten Mutter Maria vor Augen. Das, was uns am Weg zu Gott seufzend macht, das ist das KREUZ. Das, was allein unsere Rettung ist, das ist das Kreuz. Wir sehen im Kreuz meist nur das Schwere, das Opfer; wir sollen es aber auch anders sehen. Auch die Gottesmutter, die Auserwählte, die Freude des Dreieinigen Gottes und der Jubel aller Engel, war Kreuzträgerin. Sie sah es in seiner ganzen grausamen Realität, als Sie an jenem grauen Morgen, da Ihr Sohn vor Pilatus stand, über den Zimmermannsplatz ging und es dort zusammengefügt wurde; als Sie selbst unter dem Kreuz stand, da sah Sie nur mehr Ihr Kind, das dort hing, und alles andere war versunken.
Haben wir ein Kreuz und das Bild der schmerzhaften Gottesmutter darunter? Dort knien wir nieder, so oft ein Kreuz uns drückt. Dort schauen wir auf Ihn, den König der Märtyrer und des Herzeleides. Vom Kreuz kommt nicht nur Licht, sondern mehr noch: Kraft, Gnade in überreicher Fülle. Aber wir müssen es herzhaft umfassen im Gebet. Die Welt ist eine Prozession von Kreuzträgern, jeder Mensch wird in dieser Welt zum Kreuz tragen geboren. Entweder trägt er sein Kreuz Christus nach geduldig wie Er, in guter Meinung wie Er, dann trägt er es dorthin, wo kein Kreuz mehr ist, sondern nur Herrlichkeit. Oder er trägt es fluchend und grollend und dann wird er doch nicht befreit davon, dazu trägt er es dorthin, wo kein Kreuz mehr ist, sondern ewige Verzweiflung und Qual.

O Heiland, hilf uns das Kreuz zu tragen. Schmerzhafte Gottesmutter bitte für uns und für alle Kreuzträger, vor allen für alle Kranken und Leidenden.

Aus „Gottesdienstordnung St. Martin Engelfangen“ Februar 2007, Pater B.U.

Donnerstag, 10. März 2016

Bischof Athanasius Schneider über die Relatio finalis der Bischofssynode 2015

Non possumus
Bischof Athanasius Schneider über den Schlussbericht der Bischofssynode

Msgr. Athanasius Schneider, Weihbischof von Astana, veröffentlichte eine wichtige Stellungnahme zum Ausgang der Bischofssynode über die Familie, die von Rorate Caeli publiziert wurde.
Katholisches.info veröffentlicht die vollständige deutsche Übersetzung der Stellungnahme, die den Schlussbericht der Synode, die „Relatio finalis“, einer grundlegenden Prüfung und Bewertung unterzieht.

Bischof Schneider ist einer der Autoren der Handreichung „Vorrangige Option für die Familie. 100 Fragen und 100 Antworten“, die im Vorfeld der Bischofssynode veröffentlicht wurde.
Die deutsche Übersetzung wurde von Weihbischof Schneider autorisiert.

Schlussbericht der Synode öffnet eine Hintertür
zu einer neo-mosaischen Praxis

von Weihbischof Athanasius Schneider
 

Msgr. Schneider in Carling
(Foto: BHofschulte)
Die dem Thema „Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute“ gewidmete XIV. Generalversammlung der Bischofssynode (4.–25. Oktober 2015) hat einen Schlussbericht mit einigen pastoralen Vorschlägen veröffentlicht, die nun vom Papst geprüft werden. Das Dokument hat nur beratenden Charakter und besitzt keinerlei lehramtliche Bedeutung.
Bei der Synode sind wirkliche neue Schüler des Moses und Neo-Pharisäer aufgetreten, die in den Paragraphen 84–86 bezüglich der Zulassung der wiederverheirateten Geschiedenen eine Hintertür aufgetan oder Zeitbomben platziert haben. Gleichzeitig wurden jene Bischöfe, die unerschrocken „die Treue der Kirche zu Christus und Seiner Wahrheit“ (Papst Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Familiaris Consortio, 84) verteidigt haben, ungerechterweise von einigen Medien als Pharisäer etikettiert.
Die neuen Jünger des Moses und die neuen Pharisäer haben bei den beiden jüngsten Synodenversammlungen (2014 und 2015) ihre praktische Leugnung der Unauflöslichkeit der Ehe und ihre fallweise Aufhebung des Sechsten Gebotes unter dem Vorwand der Barmherzigkeit verschleiert, indem sie Ausdrücke gebrauchten wie „Weg der Unterscheidung“, „Begleitung“, „Orientierung durch den Bischof“, „Dialog mit dem Priester“, Forum internum“, „eine vollständigere Integration in das Leben der Kirche“ gebrauchten, um die Zurechenbarkeit des Zusammenlebens in Fällen irregulärer Verbindungen möglichst zu eliminieren (vgl. Relatio finalis, Nr. 84–86).
Diese Stellen des Schlussberichts enthalten Spuren einer neuen Scheidungspraxis neo-mosaischer Prägung, obwohl die Redakteure jede ausdrückliche Änderung der Lehre der Kirche geschickt und schlau vermieden haben. Deshalb können sich alle Beteiligten, sowohl die Vertreter der sogenannten Agenda Kasper als auch ihre Gegner offen zufrieden geben: „Alles ist in Ordnung. Die Synode hat die Lehre nicht geändert“. Diese Meinung ist jedoch ziemlich naiv, weil sie die Hintertür und die bedrohlichen Zeitbomben in den oben erwähnten Textstellen übersieht, die offensichtlich werden, wenn man den Text nach seinen eigenen internen Auslegungskriterien aufmerksam untersucht.
Auch wenn im Zusammenhang mit einem „Weg der Unterscheidung“ die „Reue“ erwähnt wird (Relatio finalis, 85), bleibt der Text dennoch größtenteils zweideutig. Laut den mehrfach wiederholten Aussagen von Kardinal Kasper und gleichgesinnter Kirchenmänner, bezieht sich diese Reue auf die in der Vergangenheit gegen den Ehegatten der ersten, der gültigen Ehe, begangene Sünden, aber in keiner Weise auf das eheliche Zusammenleben mit dem neuen Partner, mit dem man standesamtlich verheiratet ist.
Zweideutig bleibt auch die in den Paragraphen 85 und 86 des Schlussberichts enthaltende Versicherung, dass diese Unterscheidung in Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche und gemäß einem rechten Gewissenurteil erfolgen müsse. Kardinal Kasper und gleichgesinnte Kleriker haben wiederholt und mit Nachdruck versichert, dass die Zulassung der Geschiedenen und standesamtlich Wiederverheirateten zur Heiligen Kommunion das Dogma der Unauflöslichkeit und die Sakramentalität der Ehe nicht berühre. Sie haben aber auch erklärt, dass ein Gewissensurteil auch dann als korrekt anzuerkennen sei, wenn die wiederverheiratet Geschiedenen weiterhin auf eheliche Weise zusammenleben, ohne dass von ihnen ein Leben völliger Enthaltsamkeit, als Bruder und Schwester, verlangt wird.
Die Redakteure haben im Paragraph 85 des Schlussberichts zwar den berühmten Paragraphen 84 des Apostolischen Schreibens Familiaris Consortio von Papst Johannes Paul II. zitiert, doch den Text zensuriert, indem sie folgende entscheidende Formulierung weggelassen haben: „Das Sakrament der Eucharistie kann nur denen gewährt werden, die sich verpflichten, völlig enthaltsam zu leben, das heißt, sich der Akte zu enthalten, welche Eheleuten vorbehalten sind.“
Diese kirchliche Praxis gründet auf der schriftlichen und durch die Tradition überlieferten Göttlichen Offenbarung des Wortes Gottes. Sie ist Ausdruck einer seit den Aposteln ununterbrochenen Tradition, welche für alle Zeiten unveränderlich bleibt. Bereits der heilige Augustinus bekräftigte: „Wer die ehebrecherische Frau verstößt und eine andere Frau heiratet, obwohl die erste Frau noch lebt, befindet sich in einem ständigen Zustand des Ehebruchs. Er tut keine wirksame Buße, sollte er sich weigern, die neue Frau zu verlassen. Ist er Katechumene, so kann er nicht zur Taufe zugelassen werden, da sein Willen im Bösen verwurzelt bleibt. Wenn er ein (getaufter) Büßer ist, kann er nicht die (kirchliche) Versöhnung empfangen, solange er nicht sein böses Verhalten beendet“ (De adulterinis coniugiis 2,16). In der Tat stellt der im Paragraph 85 der Relatio finalis absichtlich zensurierte Teil der Lehre von Familiaris Consortio für jede gesunde Hermeneutik den wahren Interpretationsschlüssel zum Verständnis des Textabschnittes über die wiederverheirateten Geschiedenen dar (Nr. 84 –86).

Lesen Sie das vollständige Dokument hier

Quelle: http://www.katholisches.info