Samstag, 8. Dezember 2012

Die Einigkeit mit dem römischen Papst


Um aber den Episkopat selbst in voller Einigkeit zusammenzuhalten und um durch die geschlossene Einheit des Priestertums zugleich die Gesamtheit der Gläubigen in der Einheit des Glaubens und der Liebesgemeinschaft zu bewahren, hat Christus den heiligen Petrus an die Spitze der übrigen Apostel gestellt und so in ihm dieser zweifachen Einheit einen beständigen Quell und ein sichtbares Fundament gegeben. Auf diesem starken Grunde sollte der ewige Tempel erbaut werden und auf seines [des hl. Petrus] Glaubens Festigkeit sollte die Kirche sich erheben und hineinwachsen bis in den Himmel (Leo I serm. 4 (al. 3.) c. 2. in diem natalis sui).


Daher Kampf aller Kirchenfeinde gegen den Apostolischen Primat


Dieses von Gott gelegte Fundament ist es, gegen das die Gewalten der Hölle mit täglich wachsendem Hass von allen Seiten Sturm laufen, um dadurch, wenn das möglich wäre, die Kirche selbst zum Einsturz zu bringen. Darum erachten Wir es zum Schutz, zur Sicherheit und zum Gedeihen der katholischen Herde für notwendig, die Lehre von der Einsetzung vom ununterbrochenen Fortbestand und vom Wesen des heiligen Apostolischen Primates, unter Zustimmung des heiligen Konzils, darzulegen, so wie sie im Glauben der Gesamtkirche von altersher unverändert enthalten war. Sie soll allen Christen zu gläubigem Festhalten vorgelegt werden, denn im Primat ist ja die machtvolle Festigkeit der gesamten Kirche begründet. Die entgegenstehenden Irrtümer aber, die der Herde des Herrn so verderblich sind, sollen gekennzeichnet und verurteilt werden.


Petrus hat von Christus den Jurisdiktionsprimat erhalten


Wir lehren demnach und erklären, dass auf Anordnung des Herrn die römische Kirche über alle andern Kirchen den Vorrang der ordentlichen Gewalt besitzt und dass diese wahrhaft bischöfliche Regierungsgewalt des römischen Papstes [die Untertanen] unmittelbar erfasst. Ihr gegenüber sind daher die Gläubigen und die Hirten jeglichen Ritus und Ranges, und zwar sowohl einzeln wie in ihrer Gesamtheit, zu hierarchischer Unterordnung und zu wahrem Gehorsam verpflichtet. Und das nicht nur in Fragen des Glaubens und des sittlichen Lebens, sondern auch in allem, was zur Disziplin und zur Regierung der Kirche auf dem ganzen Erdenrund gehört. Wenn diese Einigkeit mit dem römischen Papst in den rechtlichen Gemeinschaftsbeziehungen wie im Bekenntnis des gleichen Glaubens treu bewahrt ist, so wird die Kirche Christi wirklich zu Einer Herde unter Einem obersten Hirten (Vgl. Joh 10,16) Das ist die katholische wahre Lehre: Von ihr kann niemand abgehen, ohne an seinem Glauben und an seinem Heil Schiffbruch zu leiden.

(Aus der dogmatischen Konstitution „Pastor aeternus“ von Pius IX. vom 18. Juli 1870)

Die Trennung von Kirche und Staat ist eine Beleidigung Gottes

Wir stellen nun nicht ohne größte Befürchtungen fest, dass die öffentliche Gewalt bei Euch einen Schritt unternommen hat, der zur völligen Umwälzung des Staatswesens führen kann, nachdem nun einmal die Fackel des unheilvollen Religionskampfes unter das ohnehin schon aufgereizte Volk geschleudert wurde.
Eingedenk Unserer Apostolischen Pflicht, die heiligen Rechte der Kirche gegen jeden Angriff zu schützen, weisen Wir somit das offiziell bestätigte Gesetz, das den französischen Staat von der Kirche völlig trennt, gemäß der göttlichen, Uns übertragenen Gewalt zurück und verurteilen es. Die Gründe für diese Verwerfung haben Wir dargelegt. Das Gesetz ist ein schweres Unrecht gegen Gott, den es feierlich entrechtet, indem es den Grundsatz verkündet, der Staat habe an der Gottesverehrung keinen Anteil zu nehmen. Es verletzt das Natur- und Völkerrecht und die öffentliche Vertragspflicht. Es steht im Widerspruch zur göttlichen Verfassung der Kirche, ihrem innersten Geist und ihrer Freiheit. Es verletzt die Gerechtigkeit durch Vergewaltigung des vielfältig begründeten und durch rechtliche Vereinbarung geschützten Eigentumsrecht. Es ist eine schwere Beleidigung der Würde des Apostolischen Stuhles, Unserer Person, des Episkopats, des Klerus, der französischen Katholiken insgesamt.

(Aus der Enzyklika „Vehementer Nos esse“ vom hl. Pius X., vom 11. Februar 1906)

Dienstag, 24. Juli 2012

Europa und das Lebensrecht


Europa und das Lebensrecht

Mathias von Gersdorff
Viele Theologen sagen, dass Unser Heiland zur Welt kam, als die Antike Welt nicht mehr in der Lage war, den Menschen Visionen, Hoffnungen und Zukunftsperspektiven und Gewissheiten anzubieten. Das Licht der antiken Welt war dabei zu erlöschen. Der antike Mensch der Zeitenwende war ein Skeptiker, ein müder Agnostiker, der nichts mehr glaubte. „Was ist Wahrheit?“, fragte Pilatus Unseren Herrn Jesus Christus (Joh 18, 38). Zuvor hatte der Heiland ihm gesagt: „Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich für die Wahrheit Zeugnis ablege. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört auf meine Stimme“ (Joh 18, 37). Hier begegnen sich zwei Menschen, die zwei Epochen der Menschheit verkörpern: Der alte Mensch, dessen Geisteszustand keinen Zugang mehr zur Wahrheit hat, der gar nicht mehr in der Lage ist, zu erkennen, was Wahrheit ist, begegnet dem neuen Menschen, der durch die Gnade neugeboren ist und in der Nachfolge Christi die Wahrheit erkennen kann. Das Licht der Antike trat ab, um einem neuen Licht Platz zu machen: Dem Lumen Christi, dem Licht Christi. Was daraus folgte, kennen wir: Es ist die Christenheit, die insbesondere in Europa eine Zivilisation aufgebaut hat, für die dieser Kontinent lange bewundert und beneidet wurde. Die Menschen in Europa folgten Dem, der die „Wahrheit, der Weg und das Leben“ ist und waren somit fähig, Werke zu vollbringen, die an Größe, Glanz und Schönheit weit die der Antike überragen.
Doch etwa 2000 Jahre nach der Geburt des Heilandes ist Europa dabei, das Licht Christi auszulöschen –  freiwillig! Was darauf folgt, wissen wir aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts zur Genüge: Tod, Zerstörung, Untergang der Zivilisation. Trotz der Verwüstungen der beiden Weltkriege, des Nationalsozialismus und des Kommunismus sind die Menschen in Europa nicht bereit, sich zu bekehren und sich Christus und Seiner Kirche zuzuwenden. Ganz im Gegenteil: Viele Medien und politische Institutionen versuchen stets, das Licht Christi auszulöschen.

Europaweite Legalisierung der Abtreibung


Am 1. Dezember 2011 hat das Europa-Parlament erneut eine Resolution verabschiedet, die eine europaweite Einführung der Abtreibung fordert. Eine „sichere und legale Schwangerschaftsunterbrechung und Betreuung nach der Schwangerschaftsunterbrechung (sic)“ (Entschließungsantrag P7TA[2011]0544, § 22) soll helfen, die AIDS-Krankheit zu bekämpfen!
Das ist aber nicht das erste Mal im Jahr 2011, dass das Europa-Parlament eine solche Dreistigkeit beschließt. Am 8. März des selben Jahres haben die Fraktionen linksgerichteter Parteien im Europäischen Parlament eine Resolution beschlossen, die ein „Recht auf Abtreibung“ fordert. Das Europäische Parlament will, „dass Frauen . . .  ein Recht auf einen sicheren Schwangerschaftsabbruch haben“ (Entschließung vom 8. März 2011, Punkt 25).
Die Tatsache, dass die Abtreibung in etlichen Ländern der Europäischen Union rechtswidrig (beispielsweise Deutschland) oder gar verboten (Polen, Malta) ist, scheint vielen Europarlamentariern schlichtweg egal zu sein. Trotzdem: Immer wieder fordern sie die Einführung der Abtreibung oder gar ein Recht darauf, wohl mit dem Ziel, die Gegner, also die Katholische Kirche und die Christen in Europa generell, mit der Zeit mürbe zu machen.

Ein solches Europa kann nicht gelingen


Papst Benedikt XVI. sagte am 4. Februar 2011 in einer Ansprache an den neuen österreichischen Botschafter: „Der Bau eines gemeinsamen „Hauses Europa“ kann nur gelingen, wenn sich dieser Kontinent seiner christlichen Fundamente bewusst ist und die Werte des Evangeliums sowie des christlichen Menschenbildes auch in Zukunft das Ferment europäischer Zivilisation sind. Mehr als die christlich abendländische Kultur wiegt der gelebte Glaube an Christus und die tätige Nächstenliebe, die sich am Wort und am Leben Christi wie auch am Vorbild der Heiligen orientiert.“
Wir erleben aber zurzeit genau das Gegenteil: Die Zerstörung der christlichen Wurzeln Europas.
Eine Besserung ist nicht in Sicht. Die Bürger Europas werden seit Monaten täglich mit Nachrichten über die Krise des Euros überschwemmt. Wie dieses Kapitel enden wird, kann im Detail noch kein Mensch sagen. Doch eines ist jetzt schon sicher: Es wird mehr Zentralisierung in Europa geben. Und das bedeutet nicht nur weniger Souveränitätsrechte hinsichtlich Fiskal- und Wirtschaftspolitik, sondern auch mehr Druck Europas auf die Länder, die Widerstand gegen eine liberale Gesellschaftspolitik leisten: Ungarn, Polen usw. Immer weniger werden diejenigen geduldet werden, die „aus der Reihe fallen“.
In diese Entwicklung reiht sich die Wahl am 17. Januar 2012 von Martin Schulz zum Präsidenten des Europäischen Parlaments. Schulz ist der Vorsitzende der „Progressiven Allianz der Sozialisten und Demokraten“ und einer der am weitesten links stehenden Politiker Europas. Die Wahl von Schulz fällt just zu einem Zeitpunkt, da man dem Europa-Parlament mehr Gewicht geben will. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ sprach von einem „Aufstand des Europäischen Parlaments“, der von Martin Schulz angeleitet werden soll. Der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Sigmar Gabriel, forderte ein „neues“ Europa-Parlament, das als Gegengewicht zu den beiden anderen europäischen Großinstitutionen, der EU-Kommission und der Runde der Staats- und Regierungschefs, stehen würde. Gabriel wörtlich: „Der erste Präsident dieses neuen Europäischen Parlamentes muss Martin Schulz werden.“
Hoffnung ist eine Grundeinstellung der christlichen Mentalität, und deshalb soll man nicht in Fatalismus verfallen, sondern mit Zuversicht in die Zukunft blicken. Und dafür gibt es durchaus Gründe. Wahrscheinlich einer der wichtigsten ist die Tatsache, dass sich auf europäischer Ebene eine Zivilgesellschaft, eine Gegenöffentlichkeit, bildet, die nicht mehr bereit ist, alles, was aus Brüssel kommt, zu dulden, sondern zu reagieren. Dies ist neu. Noch bis vor kurzem wurde von den hier geschilderten Missständen keine Notiz genommen. Hier ist aber noch viel Arbeit zu tun. Es ist wichtig, dass die christlichen Kräfte entschlossener gegen die antichristlichen Tendenzen in der EU vorgehen als bisher. Dazu hat der Präsident des neuen Päpstlichen Rates für Neuevangelisierung, Erzbischof Rino Fisichella, aufgerufen, als er beklagte, „In Europa nehmen wir auf dramatische Weise eine zunehmende Christianophobie wahr, die sich auch in Ländern mit alter christlicher Tradition zeigt.“
Die Krise des Euros selbst hat ebenfalls dazu beigetragen, dass die Haltung der Mehrheit –  „die da oben werden das schon richten“ –  verflogen ist. In Zukunft wird es nicht mehr so einfach für die Kommission sein, Beschlüsse oder für das Parlament, Entschließungen zu verabschieden, ohne dass eine aufmerksame und kritische Öffentlichkeit diese analysiert und bewertet.

Vertrauen in Gott


Doch unsere größte Zuversicht finden wir dort, wo sie die Christen seit 2000 Jahren gefunden haben: Im göttlichen Erlöser, unserem Herrn Jesus Christus. Von Ihm selbst sind wir dazu berufen, zu wirken, damit Sein Licht, das Lumen Christi, nicht auf dieser Welt erlischt, und Er wird dies auch nicht erlauben, wenn wir bereit sind, Seine Instrumente für Sein Heilswerk zu sein. Beten wir zu Ihm: „Adveniat Regnum tuum“ – Dein Reich komme. Auch nach Europa, diesem Kontinent, der sich so von Ihm abgewendet, aber in der Vergangenheit auch große Gesten der Treue und der Hingabe gezeigt hat, die zu Vertrauen in die göttliche Barmherzigkeit Anlass geben.


Mittwoch, 2. Mai 2012

Kardinal Mindszenty voll rehabilitiert - Verfahren zur Seeligsprechung

Er war eine der großen und tragischen Gestalten der Kirche in der Zeit des Kommunismus: Der frühere Primas von Ungarn, Kardinal József Mindszenty (1892-1975), ist mittlerweile juristisch umfassend rehabilitiert. Die Oberste Staatsanwaltschaft in Budapest hat das Volksgerichtsurteil aus dem Jahr 1949 aufgehoben, bei dem Mindszenty zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Jetzt ist der Vatikan am Zug: Die Nachrichten aus Budapest könnten dem Seligsprechungsprozess des Märtyrer-Kardinals Flügel verleihen.
„Mit Sicherheit war er eine große Persönlichkeit nicht nur Ungarns, sondern der Kirche überhaupt.“ Das sagte der frühere Präfekt der vatikanischen Kongregation für Seligsprechungen, Kardinal José Saraiva Martins, am Montagabend im Interview mit Radio Vatikan. „Mindszenty war ein Modell-Hirte von außerordentlichem Mut und mit tiefen Überzeugungen. Eine große Persönlichkeit der Geschichte, ein Vorbild für uns Kirchenleute.“
Mit Sicherheit sei die Rehabilitierung Mindszentys durch die heutigen ungarischen Behörden „nicht nur etwas Verdientes, sondern auch ein Schlusspunkt hinter eine sehr traurige und leiderfüllte Geschichte”, so Kardinal Saraiva Martins. Mindszenty hat nicht nur bis 1956 im Gefängnis gesessen; nach dem kurzen Budapester Frühling, der von sowjetischen Truppen niedergeschlagen wurde, musste er in Ungarns US-Botschaft ausharren. Nach einem Deal des Vatikans mit Ungarns Regime reiste er dann 1971 nach Österreich aus – sozusagen ein Bauernopfer der damaligen vatikanischen „Ostpolitik“. 1975 starb der eiserne Kardinal in Österreich, erst 1991, nach der Wende, konnte sein Leichnam nach Esztergom an den Sitz des ungarischen Primas überführt werden.
„Seine Rehabilitierung in juristischer, moralischer und auch politischer Hinsicht ist ein großes Ereignis. Was den Seligsprechungsprozess betrifft, da studiert die Kirche von Rom, die Seligsprechungskongregation, den Kandidaten für eine Seligsprechung sehr detailliert. Dabei interessiert sie sich vor allem für die historische Wirklichkeit der Fakten, und die ergibt sich natürlich aus der Dokumentation über diese Geschehnisse. Per se hat die Rehabilitierung durch die Behörden zwar keinen Einfluss auf das Seligsprechungsverfahren – aber sie ist doch eine sehr positive Tatsache und bestätigt natürlich die Linie, das Denken der Kirche über Kardinal Mindszenty.“
„Eine dramatische Seite der Geschichte, die von der gemeinsamen europäischen Erinnerung ignoriert oder missverstanden wird“: Unter dieser Überschrift würdigte die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ vor wenigen Tagen die „christlichen Märtyrer des Kommunismus“ und unter ihnen Mindszenty. Es sei geradezu ein „Schulbeispiel“, wie dieser „Zeuge des Evangeliums“ nach seiner Haft unter den Kommunisten auch in der öffentlichen Meinung des Westens sozusagen inhaftiert worden sei: nämlich „verdrängt und als Mann der Vergangenheit abgeschrieben“. Dabei hatte Wiens Kardinal Franz König 1975 nach Mindszentys Tod erklärt, dieser spreche „auch noch als Toter“. Nicht zuletzt war der Primas ein Menetekel für die vatikanische „Ostpolitik“ bis zur Wahl des polnischen Papstes Johannes Paul II.. Schließlich hatte Paul VI. Mindszenty gegen dessen Willen zum Gang ins Exil bewegt – eine äußerst schmerzhafte Entscheidung für den ungarischen Kirchenmann. Aber Kardinal Saraiva Martins betont, es stehe heute außer Zweifel, dass Mindszenty dem Papst immer gehorcht habe:
„Ja, das ist eines der Charakteristika von Kardinal Mindszenty. Mit Sicherheit wird dieser Gehorsam der Kirche gegenüber beim Studium des Dossiers für seine künftige Heiligsprechung besonders hervorgehoben werden. Denn für ihn war die Kirche nicht nur irgendein Verband, sondern Christus selbst: Fleisch geworden in einer Gemeinschaft des Glaubens, das Heilswerk Christi auf Erden fortsetzend. Er gehorchte der Kirche, um Christus zu gehorchen.“
Mindszenty war schon 1990, also gleich nach der Wende, in Ungarn von den Behörden praktisch rehabilitiert worden, als das Urteil gegen ihn für nichtig erklärt wurde. Der jetzt ergangene Bescheid der Obersten Staatsanwaltschaft schloss hingegen ein Verfahren zur Wiederaufnahme des Prozesses von 1949 formell ab, das noch 1989 – einige Monate vor den ersten freien Wahlen – eingeleitet worden war. Was jetzt noch aussteht, ist Mindszentys Rehabilitierung durch den Vatikan: seine Seligsprechung.
Am Freitag feiert Kardinal Saraiva Martins für Mindszenty eine Messe, und zwar in der römischen Kirche Santo Stefano Rotondo auf dem Celio-Hügel. Anlass ist der 37. Todestag des Bekenner-Kardinals. Im Januar hatte Ungarns Kirche bereits den 120. Geburtstag Mindszentys begangen. In einer Erklärung betonten die Bischöfe dazu, er sei „nicht nur ein politisches Symbol“; seine politische Haltung sei vielmehr seinem Glauben entsprungen: „Als er etwa gegen den Rassismus und die Judenverfolgung seine Stimme erhob, als er – nach Meinung von einigen naiv, aber prophetisch – die Nazis zum Niederlegen der Waffen und zum Ablassen von der Zerstörung aufrief, da folgte er keiner Strategie, sondern stellte sich ungeachtet des gerade herrschenden politischen Systems auf die Seite der Wahrheit.“ Mindszenty habe „den Menschen verteidigt, das Abbild Gottes, das menschliche Leben, die ewige Wahrheit des Gebotes: Du sollst nicht töten“.
(rv/or/div 02.05.2012 sk)

Samstag, 24. März 2012

Der Obdachlose Paul

Paul sitzt auf den kalten Steinen der Kirchentreppen von St. Jakob. Wie so oft bettelt er um Almosen. Wenn Gottesdienst ist, öffnet er den Besuchern die Tür und lächelt sie mit seinem fast zahnlosen Mund freundlich an.

Der 55-Jährige gehört zur Schar der Obdachlosen, die ums tägliche Überleben kämpfen. Sein Körper ist ausgemergelt, nicht nur von Kälte und Hunger, sondern vor allem durch den Alkohol. Er sieht viel älter aus als er ist. Wenn er doch nur die Kraft hätte, gegen diese Sucht anzukämpfen, denkt er so oft. Und er nimmt sich fest vor, mit dem Trinken aufzuhören. Aber wenn der Abend kommt und mit ihm die Erinnerungen an seine Familie, die er bei einem tragischen Unfall verloren hatte, dann greift er zur Flasche. Der Alkohol betäubt dann die Leere in seiner Seele, wenn auch nur für kurze Zeit. Die Weinflasche ist seine treue Begleiterin und die Leberzirrhose und andere Krankheiten fressen an ihm. Die Farbe seines Gesichts lässt nichts Gutes ahnen. Für die Leute des Viertels gehört Paul irgendwie zu der Kirchentreppe, so wie eine Statue. Und so behandeln sie ihn auch. Die meisten beachten ihn kaum und die, die ihn wahrnehmen, fragen sich, wie lange er wohl noch durchhält.

Nur der Pfarrer und seine neue Gemeindereferentin kümmern sich um ihn. Vor allem Schwester Petra, die junge Steyler Missionarin, kommt jeden Tag zu ihm. Er freut sich über ihre Besuche, bei der sie ihm auch immer etwas zu Essen mitbringt. Aber selbst der Schwester ist es nicht gelungen, Paul von der Strasse zu holen. Er will nicht mal ins Pfarrhaus, um dort zu essen oder sich zu waschen.

Jeden Abend, wenn es dunkel ist und ihn keiner sieht, schlüpft Paul in die dunkle und leere Kirche. Dann setzt er sich auf die Kirchenbank in der ersten Reihe, direkt vor den Tabernakel. Dort sitzt er schweigend und bewegungslos fast eine Stunde, bevor er aufsteht, durch den Mittelgang schlurft, hin zum Hauptportal und im Dunkel der Nacht verschwindet. Wohin weiß keiner, aber am nächsten Morgen sitzt er wieder vor dem Portal der Kirche.

Und so vergehen die Tage. Schwester Petra fragte ihn einmal: „Paul, ich sehe, dass du jeden Abend in die Kirche gehst. Was macht du denn dort in dieser Stunde? Betest Du?“
„Ich bete nicht“, antwortete Paul.  „Wie sollte ich den beten können! Seit der Zeit, als ich als kleiner Junge im Religionsunterricht war, habe ich alle Gebete vergessen. Ich kann keines mehr! Was ich da mache? Das ist ganz einfach: Ich gehe zum Tabernakel, dort wo Jesus ganz allein in seinem Kästchen ist, und sage ihm: Jesus! Ich bin’s, Paul. Ich komme dich besuchen. Und dann bleibe ich noch ein bisschen, damit halt jemand da ist.“ 

Am Morgen des Heiligen Abends bleibt der Platz, an dem Paul so viele Jahre gesessen hat, leer. Schwester Petra mach sich sofort auf die Suche nach ihm. Nach einiger Zeit findet sie ihn im Krankenhaus, das in der Nähe der Kirche ist. Am Morgen hatten ihn Passanten bewusstlos unter einer Brücke gefunden und den Notarzt geholt. Jetzt liegt Paul im Krankenbett.

Als die Steyler Schwester ihn sieht, erschrickt sie. Paul ist an viele Schläuche angeschlossen, sein Atem geht flach. Und er hat die für Sterbende typische graue Gesichtsfarbe. „Sind Sie eine Angehörige?“ Die Stimme des Arztes schreckt Petra aus ihren Gedanken. „Nein, aber ich werde mich um ihn kümmern“, antwortet sie spontan. „Da gibt es nicht mehr viel zu tun. Er liegt im Sterben.“ Der Arzt schüttelt betrübt den Kopf. Schwester Petra setzt sich neben Paul, nimmt seine Hand und betet eine Zeitlang. Dann geht sie traurig zurück in die Pfarrei. Am nächsten Tag kommt sie wieder und ist schon darauf gefasst, die traurige Nachricht von seinem Tod zu bekommen... Aber nein, was ist das? Sie traut ihren Augen nicht. Paul sitzt aufrecht und frisch rasiert in seinem Bett. Mit wachen Augen und lebendigem Blick schaut er die hereinkommende Schwester freudig an. Ein Ausdruck unbeschreiblichen Glücks strahlt aus seinem leuchtenden Gesicht.

Petra kann es nicht glauben: Ist das wirklich der Mann, der noch gestern mit dem Tode rang? „Paul, das ist ja unglaublich, Du bist wirklich auferstanden. Du bist gar nicht mehr wiederzuerkennen. Was ist nur mit dir passiert? „Na ja, es war gestern Abend, kurz nachdem du gegangen bist. Da ging es mir gar nicht gut. Dann habe ich plötzlich jemand hier am Fußende meines Bettes stehen sehen. Er war schön, unbeschreiblich schön... Das kannst du dir gar nicht vorstellen! Er lächelte mich an und sagte: Paul! Ich bin’s, Jesus. Ich komme dich besuchen.“

Paul hat seit diesem Tag keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Schwester Petra hat ihm im Pfarrhaus ein kleines Zimmer gegeben und ihm eine Stelle als Gärtner besorgt. Sein Leben hat sich seit jenem Weihnachtstag komplett geändert. Paul hat neue Freunde in der Pfarrgemeinde gefunden. Wann immer er kann, hilft er Schwester Petra. Aber eines ist geblieben: Wenn es dunkel wird, dann schlüpft er in die Kirche, setzt sich vor den Tabernakel und sagt: „Jesus, ich bin’s, Paul. Ich komme dich besuchen.“

Der Autor dieses Berichtes, Jürgen Wetzel, versichert, dass es sich um eine wahre Geschichte handelt. Eingesandt Pfarrer Engelbert Zunhammer für RU, 22.12.2010.


Donnerstag, 22. März 2012

Wert der Heiligen Messe

Wert der hl. Messe

P. Mariana schreibt in seiner spanischen Geschichte, dass in Spanien ein edler Kriegsheld war, mit Namen Paschalis Vives,  der eine besondere Andacht zur heiligen Messe trug und täglich mehrere solcher anhörte.
Als er dem Grafen von Castel diente, da belagerte ein großes Maurenheer aus Afrika, welches damals den größten Teil Spaniens erobert hatte, das gräfliche Schloss und brachte es in große Not. Der Graf, der sich auf keine Belagerung vorgesehen hatte, wollte mit seinem ganzen Volke einen Ausfall machen, um die Mauren mit Gottes Hilfe zu vertreiben. Am folgenden Morgen hörte er mit all seinen Soldaten die heilige Messe und machte dann mit großem Vertrauen einen Ausfall auf die Mauren.
Paschalis Vives aber blieb in der Kirche und hörte acht heilige Messen nacheinander. Während er eifrig für den Grafen und sein Heer betete und dieses tapfer gegen die Mauren stritt, siehe! Da sahen alle, wie Paschalis auf seinem Pferde sitzend, heftig auf die Mauren einschlug, in ihr Heer eindrang und zu beiden Seiten viele niedermachte. Er sprach den Soldaten zu, ihm unerschrocken zu folgen. Er durchbrach die feindlichen Reihen, riss ihnen die Fahnen aus den Händen und fügte ihnen gewaltigen Schaden zu. Fast vier Stunden dauerte der Kampf und nahm erst am Anfang der achten Messe, welche Paschalis hörte, ein Ende. Die Mauren waren gänzlich geschlagen.

Der Sieg wurde von allen dem tapferen Helden Paschalis zugeschrieben und vom Grafen befohlen, dass alle ihm Glück wünschten. Allein Paschalis verschwand bald aus ihren Augen, man suchte ihn mehrere Stunden auf dem Schlachtfelde, aber nirgends konnte er gefunden werden. Er blieb beinahe den ganzen Tag in der Kirche, indem er sich schämte hinauszugehen und sich fürchtete, er möchte von den Soldaten beschimpft und vom Grafen seines Dienstes entsetzt werden. Er wusste auch nicht, was sich inzwischen auf dem Felde zugetragen und auf welche Seite hin sich der Sieg geneigt habe. Der Graf befahl, Paschalis in der Kirche zu suchen, indem er glaubte, er sei nach dem errungenen Sieg dorthin geflohen, um dem allmächtigen Gott Dank zu sagen.

Als er da gefunden wurde, ward er dem Grafen und den Offizieren vorgeführt. Da dieser ihm wegen des errungenen Sieges Glück wünschte und denselben nächst Gott ihm zuschrieb, war er ganz erstaunt und wusste nicht, was er antworten sollte. Endlich durch Gott erleuchtet, bekannte er die Wahrheit und sagte, dass er der Schlacht gar nicht beigewohnt, sondern in der Kirche acht heilige Messen nacheinander gehört habe. Die Soldaten wollten ihm nicht glauben und beteuerten, dass sie ihn mit eigenen Augen gesehen, wie er kämpfte, und mit eigenen Ohren gehört, wie er sie zum Kampfe ermunterte.

Hierauf sprach Paschalis: "Wenn dem so ist, wie ihr sagt, so ist der tapfere Ritter, den ihr in meiner Gestalt gesehen habt, mein heiliger Schutzengel gewesen, denn ich bin heute nicht aus der Kirche gekommen. So preiset denn mit mir den Herrn und danket Ihm von Herzen, dass Er euch einen Engel gesandt und durch Seine Hilfe euch von den Feinden errettet hat. Lernet aber hieraus, wie angenehm Gott dem Allmächtigen das Anhören der heiligen Messe sei und welch großen Nutzen wir daraus gewinnen können; denn ich bin der festen Überzeugung, dass, wenn ich diese heiligen Messen nicht gehört hätte, mein Schutzengel nicht erschienen wäre und euch diesen glorreichen Sieg nicht erkämpft hätte." Mit diesen und anderen Reden entflammte er die Soldaten mit großem Eifer für die heilige Messe.

(aus "Tiefsinnige Erklärung des hl. Messopfers" nach P. Martin von Cochem, in "Mysterium Fidei" April 2012, S. 6-7)
Vom Ertrinken gerettet

Die Geschichte ereignete sich in Belgien in dem Landesteil, der Flandern genannt wird.

Eine junge Mutter ging mit ihrem kleinen Kind an einem Kanal spazieren. Beim Spielen passt das Kind nicht auf und fällt in den Kanal. Die Mutter ist verzweifelt. Sie selbst kann nicht schwimmen und sieht ihr Kind hilflos vom Tode bedroht. Doch die Rettung naht. Ein Mann, der zufällig vorbeikommt, erkennt schnell die Situation, stürzt sich ins Wasser und rettet das Kind. Die Mutter ist zutiefst dankbar und lädt den Retter ein in ihre nahe gelegene Wohnung, um sich aufzuwärmen. Beim Abschied sagt die Mutter zu dem Mann: „Es tut mir leid, ich kann Ihnen nichts Wertvolles mitgeben, denn ich habe selbst nicht viel. Aber als Zeichen der Dankbarkeit möchte ich Ihnen diese kleine Marienfigur schenken.“ Darauf sagte der Retter des Kindes: „Wissen Sie, ich bin nicht religiös. Ich glaube nicht an Gott. Aber als Erinnerung an dieses Erlebnis nehme ich die Marienfigur gerne an.“

Jahrzehnte später ereignet sich in einem Krankenhaus in der Schweiz folgendes: Die Schwestern des Krankenhauses sprechen einen Priester an und sagen: „Wir haben einen Patienten, dem geht es nicht gut. Er wird wohl in den nächsten Tagen sterben. Von Gott und Religion will er nichts wissen. Einen Priester will er nicht sehen. Aber Sie sind doch gebürtiger Flame - so wie er. Vielleicht freut er sich ja, mit Ihnen in seiner Muttersprache flämisch sprechen zu können.“ Der Priester geht zu dem Kranken, begrüßt ihn und spricht mit ihm in der flämischen Muttersprache. Die Stimmung des Patienten hebt sich. Er wird etwas offener.
Beim Gespräch fällt dem Priester eine kleine Marienfigur auf dem Nachtkasten auf. Er spricht den Kranken darauf an: „Ich wundere mich etwas. Die Schwestern haben gesagt, Sie seien nicht religiös, und jetzt sehe ich diese Figur der Muttergottes bei Ihnen.“ „Ja, wissen Sie“, sagte der Kranke, „das war vor vielen Jahren in Flandern. Da habe ich ein ertrinkendes Kind gerettet. Aus Dankbarkeit hat mir die Mutter die Figur geschenkt.“ Der Priester antwortet: „Ja, ich weiß.“ Es geschah in diesem Jahr und an diesem Ort. Der Patient ist verblüfft: „Woher wissen Sie das so genau?“ Der Priester schaut ihn an und sagt: „Das Kind, das Sie damals gerettet haben, bin ich. Meine Mutter hat mir alles erzählt.“

Jetzt geschieht das Gnadenwunder der Bekehrung. Der Patient beginnt zu weinen. Er ist bereit. zu beichten. Er empfängt die Sakramente und stirbt wenige Tage später versöhnt mit Gott.

(Aufzeichnung eines Exerzitienvortrages von Hochw. Bernhard Peyrous, Priester der Gemeinschaft Emmanuel und Historiker, in „Betendes Gottesvolk“ 2012/1 Nr 249 S. 5)


Dienstag, 21. Februar 2012

Rittertum

Das Wort „Ritter“ bezeichnet ursprünglich einen Reiter, d. h. einen sich des Pferdes zur Fortbewegung bedienenden Mann. Schon früh indessen hat es die speziellere Bedeutung eines bewaffnet zu Pferde Kriegsdienste leistenden Mannes von vornehmem Range erhalten. Aus dieser Bedeutung entwickelten sich die Begriffe des Ritterstandes, des Rittertums und der Ritterlichkeit. Umfasst nun derjenige des Rittertums noch lediglich alle jene Verhältnisse, mit welchen der Ritterstand im Zusammenhange steht, und bezieht er sich auf eine bestimmte Zeit, nämlich auf diejenige, in welcher der Ritterstand wirklich ein abgeschlossener Stand war, also auf das spätere Mittelalter und den Anfang der neuern Zeit, und zwar vorzugsweise auf das Abendland, d. h. das Gebiet der lateinischen Kirche, so hat dagegen der Begriff der Ritterlichkeit einen weitem Umfang erlangt, indem er den Inbegriff derjenigen Eigenschaften umfasst, welche zur Zeit des Rittertums eine Zierde des Ritterstandes bildeten. In diesem Umfange bezieht er sich denn auch auf Zeiten und Gegenden, in welchen das Rittertum als solches nicht mehr besteht oder niemals bestanden hat. Seitdem aber dasselbe aufgehört hat zu bestehen, hat auch das Wort „Ritter“ eine ganz andere Bedeutung erhalten und bezeichnet einerseits das Mitglied eines Ritterordens und anderseits eine Stufe des niederen Adels.

Bei diesem Wechsel der Begriffe ist es denn nicht anders möglich, als dass derjenige der Ritterlichkeit im Verlaufe der Kulturentwicklung mit Zuständen und Verhältnissen, die denen des Rittertums mehr oder weniger ähnlich sind, bald in engerem, bald in weniger engem Zusammenhange steht; ja es kann sogar der Fall eintreten, dass er in einer dem Rittertum ähnlichen Verfassung weniger hervortritt, als in einer ihm unähnlichen. Zu den oben angedeuteten Lichtseiten des Rittertums, die wir als "Ritterlichkeit" zu bezeichnen gewohnt sind, gehören besonders: die Tapferkeit im Kriege, die Großmut gegenüber den Besiegten, die Höflichkeit gegenüber den Damen, die Gastfreundlichkeit und die Treue gegen die Vorgesetzten.
In den Zeiten des Rittertums kam dazu noch die Freude an Musik und Poesie und sehr oft die eigene Übung dieser Künste, was heute beides nicht mehr unter „Ritterlichkeit“ verstanden wird, während kaum jemand die Gewandtheit in allerlei Sport (besonders Jagd, Reit- und Fechtkunst) von diesem Begriffe trennen wird. Dem Rittertum in irgendwelcher Weise entsprechende Verhältnisse, d. h. mehr oder weniger organisierte Wehrkräfte höheren Ranges haben wohl alle zivilisierten Staaten von jeher gehabt; aber auch wo diese fehlen, bei den sog. Naturvölkern, werden wir Spuren der Ritterlichkeit vorfinden.

(Aus „Geschichte des Rittertums“ von Otto Henne am Rhyn)