Donnerstag, 23. März 2017

Lateranbasilika: Tempel der Liebe


Benedikt XVI.: "Lateranbasilika ist ein Tempel der Liebe"
Beim Angelusgebet an diesem Sonntag erinnerte der Papst an das Weihefest der Mutterkirche Roms, der Lateranbasilika. Diese Basilika sei ein "Tempel der Liebe", sagte der Papst. Deshalb fordert er alle katholischen Gemeinden auf, "ihre Kirchen und Gottesdienststätten mit Sorgfalt zu pflegen." Sie bildeten ein wertvolles religiöses und historisches Erbe, sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag auf dem Petersplatz. Der Festtag der Lateranbasilika sei deshalb ein Anlass, über die rechte Weise nachzudenken, Gott ein Haus zu bauen. Dazu sagte Benedikt XVI.:
"Die Kirche begeht heute den Weihetag der Lateranbasilika, die als Kathedrale des Bischofs von Rom den Titel "Mutter und Haupt aller Kirchen" trägt. Dieses Fest erinnert uns daran, dass Gott selbst es ist, der Sein Volk zusammenruft und aus lebendigen Steinen Seine Kirche aufbaut.
Kaiser Konstantin schenkte im Jahre 342 der Kirche in Rom das Gebiet des heutigen Lateran und ließ darauf eine Basilika errichten. Nach Verwüstungen und Zerstörungen durch Erdbeben und Brände wurde die Kirche 1726 neu erbaut. Der Kirchweihtag der Lateranbasilika ist der 9. November.(rv) 09.11.08

Der Aachener Dom


Die Kirche und die Gegenrevolution

XII - Die Kirche und die Gegenrevolution

Die Revolution entstand, wie wir gesehen haben, aus einer Explosion der ungezügelten Triebe im Menschen, die zur Zerstörung der weltlichen Gesellschaft, zur totalen Umkehrung der Sittenordnung und zur Leugnung Gottes führte. Die eigentliche Zielscheibe der Revolution ist demnach die katholische Kirche, der mystische Leib Christi, die unfehlbare Lehrmeisterin der Wahrheit, die Hüterin des natürlichen Sittengesetzes und somit letztendliches Fundament selbst der weltlichen Ordnung.
Dies vorausgesetzt, untersuchen wir nun das Verhältnis zwischen dieser göttlichen Stiftung, die durch die Revolution vernichten werden soll, und der Gegenrevolution.

1. DIE KIRCHE IST ETWAS VIEL HÖHERES UND WEITERES ALS REVOLUTION UND GEGENREVOLUTION


Revolution und Gegenrevolution sind bedeutende Episoden der Kirchengeschichte, denn sie bilden das eigentliche Drama der Apostasie und der Bekehrung des christlichen Abendlandes. Dennoch sind sie nur reine Episoden.
Die Mission der Kirche beschränkt sich nicht nur auf den Westen, noch lässt sie sich zeitlich mit der Dauer des revolutionären Prozesses umschreiben. "Alios ego vidi ventos, alios prospexi animo procellas" (Andere Winde habe ich bereits gesehen, andere Stürme schon geschaut) (43) könnte die Kirche voll Stolz und Gelassenheit inmitten der heutigen Stürme mit Cicero ausrufen. Die Kirche kämpfte schon in anderen Ländern, gegen Feinde aus anderen Völkern, und wird sicher bis zum Ende der Zeiten noch ganz anderen Problemen und Feinden als den heutigen entgegentreten müssen.
Ihre Aufgabe besteht in der Ausübung ihrer direkten geistlichen Gewalt und ihrer indirekten weltlichen Gewalt zum Heil der Seelen. Die Revolution ist ein Hindernis, das sich gegen diese Aufgabe der Kirche aufgerichtet hat. Der Kampf gegen ein solches konkretes Hindernis unter vielen anderen ist für die Kirche ein nur dem Umfang des Hindernisses begrenztes Mittel – ein sehr wichtiges Mittel, gewiss, aber doch nur ein Mittel.
Also, wenn es auch keine Revolution gäbe, würde die Kirche all das tun, was sie für das Heil der Seelen tut.
Zur besseren Erläuterung der Stellung der Kirche zur Revolution und zur Gegenrevolution könnte uns ein Vergleich mit einer Nation im Kriegszustand helfen.
Als Hannibal vor den Toren Roms stand, mussten alle Kräfte der Republik aufgeboten und gegen den Feind geführt werden. Das war eine lebensnotwendige Reaktion gegen den mächtigsten und fast schon siegreichen Gegner. Frage: War Rom also nur eine Reaktion gegen Hannibal? Wer wollte so etwas behaupten?
Genauso absurd wäre der Gedanke, die Kirche sei ausschließlich Gegenrevolution.
Übrigens ist es angebracht hier zu klären, dass die Gegenrevolution nicht die Aufgabe hat, die Kirche, die Braut Christi zu retten. Gestützt auf die Beistandsverheißung ihres göttlichen Gründers, ist die Kirche, um zu überleben, nicht auf Menschen angewiesen.
Im Gegenteil, die Kirche gibt der Gegenrevolution das Leben. Ohne Kirche läßt sich die Gegenrevolution gar nicht durchführen, ja ohne Kirche ist sie überhaupt nicht denkbar.
Die Gegenrevolution will vielmehr dazu beitragen, dass die von der Revolution bedrohten Seelen gerettet und die Katastrophen, die die weltliche Ordnung bedrohen, abgewendet werden. Deshalb muss sie sich auf die Kirche stützen, sie in Demut dienen, anstatt im Stolz davon zu träumen, daß sie sie retten müsse.

2. DIE KIRCHE HAT GRÖSSTES INTERESSE AN DER ZERSCHLAGUNG DER REVOLUTION

Wenn es die Revolution gibt und wenn sie das ist, was sie ist, dann gehört es zur Aufgabe der Kirche, dann liegt es im Interesse der Rettung der Seelen und es ist unabdingbar zur Ehre Gottes, daß die Revolution zerschlagen wird.

3. DIE KIRCHE IST ALSO EINE FUNDAMENTAL GEGENREVOLUTIONÄRE KRAFT

Verstehen wir das Wort Revolution in dem Sinn, den wir ihm gaben, dann ist obiger Titel die einleuchtende Folgerung des bis jetzt Gesagten. Das Gegenteil behaupten, hieße sagen, die Kirche erfülle ihre Aufgabe nicht.

4. DIE KIRCHE IST DIE STÄRKSTE GEGENREVOLUTIONÄRE KRAFT

Betrachtet man die Zahl der Katholiken, ihre Einheit und ihren Einfluß in der Welt, dann läßt sich über den Primat der Kirche unter den gegenrevolutionären Kräften nicht mehr streiten. Doch diese legitime Betrachtung der natürlichen Möglichkeiten hat nur eine zweitrangige Bedeutung. Die wahre Kraft der Kirche besteht darin, daß sie der mystische Leib Unseres Herren Jesu Christi ist.

5. DIE KIRCHE IST DIE SEELE DER GEGENREVOLUTION

Wenn die Gegenrevolution der Kampf ist, um die Revolution zu zerschlagen und eine neue Christenheit aufzubauen, die von Glauben, demütigem hierarchischem Geist und fleckenloser Reinheit erstrahlt, dann ist es einleuchtend, daß sie dies nur durch eine tiefgehende Einwirkung in den Herzen der Menschen erreichen kann. Ein solches Werk ist aber ureigene Aufgabe der Kirche, die die katholische Lehre lehrt und sich darum sorgt, daß diese geliebt und praktiziert wird. Daher ist die Kirche die Seele der Gegenrevolution.

6. DIE ERHÖHUNG DER KIRCHE IST DAS IDEAL DER GEGENREVOLUTION

Diese Behauptung ist evident. Wenn die Revolution das Gegenteil der Kirche ist, so ist es unmöglich, sie als Ganzes (und nicht nur unter einigen isolierten Aspekten) zu hassen und zu bekämpfen, ohne sich ipso facto für die Ehre der Kirche einzusetzen.

7. DIE GEGENREVOLUTION ÜBERSCHREITET IN GEWISSER HINSICHT DEN RAHMEN DER KIRCHE

Nach dem oben Dargelegten schließt die Gegenrevolution eine Reorganisierung der ganzen weltlichen Gesellschaft ein: „Eine ganze Welt muß selbst in ihren Fundamenten neu errichtet werden“, sagte Pius XII.(44) im Hinblick auf die Trümmer, mit denen die Revolution die ganze Erde überschüttet hat.
Diese Aufgabe einer grundlegenden gegenrevolutionären Neugestaltung der weltlichen Gesellschaft muss einerseits ganz von der Lehre der Kirche beseelt sein, umfasst aber andererseits viele konkrete und praktische Probleme, die ihrer Natur nach der zivilen Ordnung angehören. In diesem Punkt überschreitet die Gegenrevolution den kirchlichen Rahmen, bleibt aber immer tief mit der Kirche verbunden, was ihr Lehramt und ihre indirekte Gewalt betrifft.

Aus dem Buch „Revolution und Gegen-Revolution“ von Plinio Correa de Oliveira

Die Ängste Europas - Es hat sich nichts geändert

Die brasilianische Tageszeitung O GLOBO berichtete am 21. März 2008, der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Durão Barroso, habe einem Freund die drei größten Ängste Europas anvertraut. Es seien: der islamische Fundamentalismus, China und die russische Arroganz...

Geschürter Volkszorn

Am 21. Oktober 1789 rottete sich das Volk vor dem Hause des Bäckers François zusammen: eine alte Frau klagte, er halte viel Brot verborgen. Die Nachbarn riefen vergebens, er sei ein Ehrenmann, er tue vieles für die Armen, er backe täglich in sieben Öfen und verweigert niemanden Brot. Das Volk wollte nichts hören.
Die Bürgerwehr führte ihn auf das Stadthaus vor den Polizei-Ausschuss der Gemeinde, der ihn verhörte und sogleich sich von seiner Unschuld überzeugte, aber vor dem Drohen der Menge, die den Grèveplatz füllte, sie nicht anzuerkennen wagte: man müsse ihn in die Abtei führen, denn es sei, wenn er schuldig, sehr wichtig, die Teilnehmer an der Verchwörung kennen zu lernen.
Allein draußen hieß es, treulose Beamte wollten den Frevler  dem Zorne des Volkes entreißen, das dürfe man nicht dulden. Die Menge drängte in das Ratszimmer, entriss der Wache den Angeklagten, und hing ihn am nächsten Laternenpfahl auf, ohne das die Nationalgarde vor dem Rathaus sich regte.
Der Mann lebte noch, als man ihn am Strick wieder herunterließ; man schnitt ihm den Kopf ab und trug denselben auf einer Pike durch die Straßen.

(Aus „Weltgeschichte“ von J. B. Weiss)

Die Ermordung der Prinzessin von Lamballe


Am 3. September um 10 Uhr morgens
kam die unglückliche Lamballe vors Gericht.

Maria Theresia Louise von Savoyen-Carignan, geboren den 17. September 1749, seit dem Tode ihres Gemahls, Ludwig Alexander Josef Stanislaus von Bourbon-Penthièvre, Prinzen von Lamballe, nicht mehr vermählt, war sie Obersthofmeisterin der Königin (Marie Antoinette), welche sie wie eine Freundin liebte, und darum wurde auch die Lamballe der Gegenstand des Hasses, welcher die unglückliche Marie Antoinette traf. Er war ungerechtfertigt, ihr einziges Verbrechen war die Hingabe an die Königin; selbst der Conventsmann Mercier (1) gibt ihr das Zeugnis: „Sie hat mitten in unsern Wirren nie eine politische Rolle gespielt; nichts konnte sie in den Augen des Volkes verdächtig machen, bei dem sie nur durch ihre immer rege Wohltätigkeit bekannt war.“

Ehe die Königin nach Varennes floh, teilte sie ihren Plan der Lamballe mit, und diese reiste zur selben Zeit über Dieppe nach England. Als die Königin gefangen war, wollte sie ihr Unglück teilen, obschon Marie Antoinette sie warnte. Sie kam und, je unglücklicher die Königin wurde, umso inniger wurde die Anhänglichkeit ihrer Freundin. Sie bat es sich aus, sie in das Gefängnis des Temple begleiten zu dürfen, um durch ihre Gesellschaft ihr Trost zu bieten. Aber diese beispiellose Treue reizte gerade die Kommune: Unter rohen Formen, am 18. August um zwei Uhr in der Nacht, weckte ein Trupp Pikenmänner die königliche Familie aus dem Schlafe und kündigte an: der Gemeinderat hat befohlen, die Prinzessin Lamballe, Madame de Tourzel, die Gouvernante des Dauphin, deren Tochter, und die vier Kammerfrauen der Königin, die Damen Thibaut, Saint-Brie, Basile und Navarre, wegzuführen. Die Königin, ihre Tochter, der Dauphin, Madame Elisabeth brachen in lautes Jammergeschrei aus. Man schied mit der Ahnung, dass man sich in diesem Leben nie wieder sehen werde. Selbst die Pikenmänner wurden vom rührenden Abschied ergriffen.
Umsonst waren Tränen und Bitten. Die Frauen wurden nach La Force gebracht, worin eine tödliche Beschimpfung für sie, wie für die Königin lag; denn nach La Force kamen nur solche Frauen, die wegen ihres sittenlosen Lebens bestraft wurden. Also bewohnte die Lamballe, deren Schönheit und Liebenswürdigkeit ganz Paris bewunderte, die Behausung der Verworfenen ihres Geschlechtes, oder vielmehr veredelte sie dieselbe durch ihre Gegenwart, durch ihre Mildtätigkeit und ihre Arbeiten für die Armen; denn sie blieb auch hier ihrem edlen Sinne treu. Die anderen Damen wurden wieder frei auf Befehl Manuels. Wie viel er Geld dafür bekommen, weiß man nicht. Der Herzog von Penthièvre soll 150.000 Francs für die Rettung seiner Schwiegertochter an Manuel haben auszahlen lassen und dieser, seinem Wort getreu, so erzählt Mathon de la Varenne, soll auch die Absicht gehabt haben, sie zu retten. Aber ihr Schwager, der Herzog von Orléans, soll für ihre Vernichtung tätig gewesen sein, voll Hass gegen sie, weil sie ihn nach dem 5. Oktober aus ihrem Hause verwiesen, und weil er durch ihren Tod ein Witthum von 100.000 Talern gewann, mit denen die Güter seiner Gattin belastet waren (2). Die Mörder, welche sie vor Gericht führten, seien die Werkzeuge des Herzogs von Orléans gewesen.
Weber versichert, drei Briefe, welche in ihrem Hut beim ersten Verhör gefunden wurden, hätten den Hass gegen sie gesteigert. (3)

Die Prinzessin war unwohl geworden durch den Lärm der Mörder; schreckliche Träume raubten ihr den Schlaf – da ward sie plötzlich aufgefordert, ihnen in die Abtei zu folgen. Sie war so schwach, dass sie sich kaum erheben konnte und bat, man solle sie lassen, wo sie sei, sie wolle lieber hier als sonst wo sterben. Einer der Männer, die sie abholen sollten, beugte sich über sie und flüsterte ihr ins Ohr, sie möge gehorchen, ihre Rettung hänge davon ab. Nun bat sie die Männer, sie einen Augenblick allein zu lassen, damit sie sich ankleiden könne. Dann ward sie am Arm eines Soldaten aus ihrer Kammer vor das Gericht geführt, welches Hébert und l’Huilièr leiteten. Als sie die gezückten Schwerter, die bluttriefenden Mörder sah und das Geschrei der Opfer hörte, fiel die Prinzessin in Ohnmacht. Ihre Kammerfrau, Madame de Navarre, brachte sie mit Mühe wieder zu sich. Dann folge das Verhör (4). „Wer sind Sie?“ – „Marie Louise, Prinzessin von Savoyen.“ – „Ihr Amt?“ – Oberaufseherin des Hofes der Königin.“ - „Hatten Sie Kenntnis von der Verschwörung des Hofes am 10. August?“ – „Ich weiß nicht, ob am 10. August eine Verschwörung stattgefunden hat; aber das weiß ich, dass ich nichts von einer solchen wusste.“ – „Schwören Sie, der Freiheit, Gleichheit und dem Hass gegen den König treu zu sein.“ – Ich will gerne auf die zwei ersten schwören – das letzte kann ich aber nicht schwören; denn mein Herz widerspricht einem solchen Eide.“ – Einer, der hinter ihr stand, raunte ihr ins Ohr: „Schwören Sie doch, sonst sind Sie des Todes.“ Die Prinzessin gab keine Antwort und tat einen Schritt gegen das Tor. Der Richter rief: „Bringen Sie Madame nach der Abtei!“ Zwei starke Kerle packten sie und man öffnete das Tor. „Rufen Sie: Es lebe die Nation!“ sagten sie ihr – aber beim Anblick der Mörder und der Leichen rief sie erschreckt: „Mein Gott, ich bin verloren!“ In diesem Augenblick bekommt sie auf dem Kopf eine Wunde, die ihr Antlitz mit Blut überrieseln macht. Ein Kerl schlägt sie zu Boden, andere geben ihr mit Piken und Säbeln den Rest: Ihr schöner Leib wird dann entkleidet und aufs schmachvollste verstümmelt, - eines dieser Ungeheuer verzehrte ihr Herz und nannte es das leckerste Gericht. Der Kopf, dessen Angesicht der Tod veredelte, ward zuerst auf dem Tische eines Schanklokals zur Schau ausgestellt, und dabei auf ihren Tod getoastet, dann wurde er auf einer Pike, welche ihre glänzenden blonden Locken bedeckten, durch die Straßen getragen zu den Häusern, wo sie gewohnt oder die sie häufig besucht hatte, gleichsam als ob sie im Tode noch ein Gefühl dafür hätte. Ein Perückenmacher ergriff die Gelegenheit, den Kopf einiger seiner schönsten Locken zu berauben. Auf einmal hieß es unter den Schurken, man muss den Kopf im Temple den Gefangenen zeigen, damit sie sehen, wie sich das Volk an seinen Feinden rächt. – Der König wird aufgefordert, sich dem Volk zu zeigen – da wird ihm der Kopf entgegengehalten, den er mit Schrecken erblickt. Auch die Königin soll ans Fenster kommen, der König hält sie auf und führt sie weg. Dennoch erfuhr sie denselben Abend alles und musste deutlich erkennen, welches Schicksal ihr selber bevorstand.

Sofort wurde der Kopf zum Palais Royal getragen und der Herzog von Orléans herausgerufen – er saß gerade mit seiner neuen Geliebten, der Witwe Buffon, bei der Tafel. Kalt betrachtete er das Haupt; den Mord seiner Schwägerin zu tadeln, wagte der „Volksfreund“ nicht, er sagte bloß: „Die arme Frau! hätte sie mir gefolgt, ihr Kopf stäke nicht da.“ – Aber Madame Buffon sank vor Schreck auf einen Stuhl, bedeckte die Augen mit den Händen und rief: „Mein Gott! man wird meinen Kopf eines Tages auf gleiche Weise herumtragen.“ – Eine Hofdame der Königin, zu der man das Haupt gleichfalls trug, sank beim Anblick ohnmächtig zusammen und starb nach wenigen Tagen infolge des Schreckens.

Die Nachricht vom schrecklichen Schicksal seiner Schwiegertochter gab dem Herzog von Penthièvre den Tod. „Großer Gott!“ rief er, „... Jahrelang habe ich mit ihr gelebt und habe nie einen Gedanken in ihrer Seele gefunden, der nicht für die Königin, für mich und für die Armen gewesen wäre. Und diesen Engel konnten sie in Stücke reißen.“

(1) Mercier, Le nouveau Paris, I, 2e. edition, p.101
(2) Buchez et Roux, l.c. XVII, p.417, wird diese Angabe mit Grund bestritten. – Lescure, l.c. p.381- 382
(3) Weber, Mémoires, II, p.349
(4) So gibt es Peltier, Hist. de la Révol. du 10 Août, XI, p.339, und nach ihm die Hist. parlem., XVII,  p.418.

Quelle: J. B. Weiß, Weltgeschichte. XVI. Bd., 3. Aufl., Ss. 175-178

Die Prinzessin von Lamballe




„Die Prinzessin von Lamballe“, sagt ihr Biograph Lescure, „ist nach Madame Elisabeth (Schwester Ludwig des XVI.) das ruhmvollste und reinste unter den strahlenden Opfern, welche, die Palme des Martyriums in der Hand, Marie Antoinette in das Jenseits geleiten. In Vollendung steht die Prinzessin von Lamballe hinter der engelgleichen Madame Elisabeth zurück, ihr Lächeln ist jedoch süßer, ihr Blick zärtlicher, ihre Güte menschlicher, ihre Frömmigkeit naiver, und so fesselt sie unwillkürlich unsere Teilnahme und wir geben ihr oft den Vorzug; ist jene schon eine Heilige, so ist diese noch ein Weib; vor jener fällt man auf die Knie, diese wagt man zu lieben, bis zum Ende bleibt ihr die Anmut. Ganz originell hatte sie auch den Muth, selbständig zu sein: sie war rein inmitten einer verdorbenen Welt, wahrhaft, zur Zeit, da die Lüge als höchste Kunst galt. Sie war ein Vorbild kindlicher Liebe, ehelicher Tugend und heroischer Treue: Sie starb für ihre Familie, sie starb, weil sie die Königin nicht verlassen und den König nicht lästern wollte.“

Quelle: J. B. Weiß, Weltgeschichte. XVI. Bd., 3. Aufl., S. 178.