Mittwoch, 21. Juni 2017

Hl. Aloysius von Gonzaga


Das Titelbild zeigt einen Ausschnitt aus einem Seitenaltarbild in der ehem. Jesuitenkirche, heute Heilig-Kreuz-Kirche, in Landsberg a.L., gemalt 1755 von Johann Georg Bergmüller.

Es zeigt Aloysius als Novizen der Jesuiten in Chorhemd und Rochett, wie er ein betendes Kind zu Christus führt. Dieser segnet es und legt ihm die Hand auf. Ein Kind zu Christus zu führen, heißt einmal, ihm von Christus erzählen und über Christus belehren. Beides tat Aloysius z.B. in Briefen an Jugendliche. Ein Kind zu Christus zu führen heißt aber auch, es auf den Empfang der hl. Kommunion vorzubereiten, wo das Kind den Leib Christi empfängt. Auch dies war ein besonderes Anliegen des Aloysius. Dieser Bildausschnitt zeigt aber auch eine Firmung. Aloysius fungiert hier als Firmpate. Die Handauflegung durch Christus erinnert an die Bibelstelle, wo Jesus die Hände auflegte und sagte: „Empfanget den Heiligen Geist“ (Joh 20,22).
Zwei weitere Kinder warten rechts unten darauf, auch von Aloysius zu Christus geführt zu werden. Hier wird das Bibelwort: „Lasset die Kleinen zu mir kommen“ (Mt 19,14) abgewandelt in „Führet die Kleinen zu mir“. Aloysius tat dies einmal durch sein Vorbild — schon als Kind hatte er ein intensives Glaubensleben — und durch seine Seelsorge. Im Rücken des Heiligen weist eine Lilie auf die Reinheit des Aloysius hin. AE

Am 21. Juni feiert die Heilige Kirche den hl. Aloysius.


(Titelbild DER FELS Juni 2015)
Redaktion: Eichendroffstr. 17, D-86916 Kaufering
HubertGindert@der-fels.de

Montag, 19. Juni 2017

„Das Ochsengespann“



Das Ochsengespann

Frank Mahony (1862-1916)
Art Gallery of New South Wales, Sidney, Australien


Dieses Aquarell von Frank Mahony stellt eine charakteristische Szene der Arbeit von Holzfällerpionieren dar. Ein Ochsengespann mit fünf Paar Ochsen zieht riesige auf einen Karren geladene Baumstämme.
Man hält Rast: der Hund wartet, die Pferde werden in den Schatten geführt, wo sie noch etwas Gras finden. Das Mittagessen wird vorbereitet. Rechts könnte man sich einen Kessel vorstellen, der von einem Feuer aus Zweigen erwärmt wird. Der Kessel hängt mit seinem Bügel von einem Holzstock auf zwei Baumstümpfe gestützt.
Die bis ins kleinste Detail lebensechte Darstellung gibt diesem Bild einen besonderen Reiz. Wir erhalten einen wertvollen Einblick in die Schwerarbeit der Tagelöhner und deren ehrbare Tätigkeit. Das Bewusstsein, die Arbeit gewissenhaft erledigt zu haben, macht zufrieden.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Juli 2011)

Samstag, 17. Juni 2017

Der Rosenkranz und die Botschaft von Fatima



Zwischen dem 13. Mai und dem 13. Oktober 1917 erschien die Gottesmutter drei Hirtenkinder, Jacinta, Lucia und Francisco in der Cova de Iria bei Fatima, Portugal. Während sechs Erscheinungen hat die Gottesmutter ihnen ein Geheimnis mitgeteilt, das aus drei Teilen bestand. Der erste Teil war eine Vision der Hölle. In dieser Vision, sagte Schwester Lucia, sahen sie wie unzählige Seelen wie „Schneeflocken“ in die Hölle fielen.

Im zweiten Teil des Geheimnisses sagte die Muttergottes, dass der Erste Weltkrieg enden würde, aber „wenn die Menschen nicht aufhören, Gott zu beleidigen, wird ein schlimmerer Krieg während des Pontifikats von Pius XI. kommen. Um dies zu verhindern, werde ich kommen, um die Weihe Rußlands an mein Unbeflecktes Herz und die Sühnekommunion an den ersten Samstagen zu bitten. Wenn meine Bitten beachtet werden, wird Rußland sich bekehren, und es wird Frieden geben. Wenn nicht, wird es ihre Irrtümer auf der ganzen Welt verbreiten, Kriege und Verfolgungen der Kirche verursachen.“

Wie Unsere Liebe Frau vorhergesagt hatte, brach der Zweite Weltkrieg aus und die Irrtümer des atheistischen Kommunismus verbreiteten sich über die Welt. Maria fügte noch hinzu, dass viele Menschen das Martyrium erleiden werden und etliche Nationen vernichtet werden, wenn die Menschen sich nicht bekehren.

Haben die Menschen sich bekehrt? Die Antwort ist, nein. 

Kann die göttliche Strafe noch vermieden werden?

Es hängt von der Treue der Welt zu den Bitten der Muttergottes ab.

Lucia fragte die Muttergottes während der Erscheinungen: „Wer seiht Ihr und was wollt Ihr?“ Die Dame antwortete: „Ich bin die Frau des Rosenkranzes, und ich bin gekommen, um die Gläubigen zu warnen, damit sie ihr Leben ändern und um Verzeihung für ihre Sünden bitten. Die Menschen dürfen den Herrn nicht weiter beleidigen, der schon so tief beleidigt ist. Sie müssen den Rosenkranz beten.“

Also gab uns die Gottesmutter eine Lösung: das tägliche Gebet des Rosenkranzes für die Bekehrung der Sünder.

Die Fatima-Botschaft ist ein Heilmittel für unsere Kultur, die in die Sünde versunken ist. Wenn es nicht das Versprechen der Muttergottes gäbe, dass „am Ende mein Unbeflecktes Herz triumphieren wird“, würden wir sehr enttäuscht und entmutigt sein. Also lasst uns ihre Bitten beachten. Üben wir die ersten Samstag-Andachten. Lasst uns den täglichen Rosenkranz beten. Wenn wir diese Bitten erfüllen, werden wir das traurige und unbefleckte Herz Mariens trösten und den Triumph des Guten über das Böse beschleunigen.

Die Fünfzehnte Rose aus dem Geheimnis des Rosenkranzes vom hl. Ludwig von Montfort

Das Ave Maria ist so hoch, so erhaben, dass der selige Alanus de la Roche glaubte, kein Geschöpf könne es verstehen, und nur Jesus Christus, geboren aus Maria der Jungfrau, könne es erklären.

Es erhält seinen hohen Wert hauptsächlich von der Allerseligsten Jungfrau, an die es gerichtet war, vom Zweck der Menschwerdung des Wortes, zu welchem Zweck es vom Himmel gesandt wurde, und vom Erzengel Gabriel, der es zuerst ausgesprochen hat.


Der Engelsgruß fasst mit größter Kürze die ganze katholische Theologie über die Gottesmutter zusammen. Man findet darin das Lob und die Anrufung: Das Lob schließt alles in sich ein, was die wahre Größe Mariens ausmacht; die Anrufung enthält alles, um was wir sie bitten sollen und was wir von ihrer Güte für uns erwarten dürfen.

Die heiligste Dreifaltigkeit hat den ersten Teil geoffenbart, die heilige Elisabeth hat, vom Heiligen Geiste erleuchtet, den zweiten Teil beigefügt; und die heilige Mutter Kirche fügte auf dem ersten Konzil von Ephesus im Jahre 431 den Schluss hinzu, nachdem sie die Irrlehre des Nestorius verurteilt und definiert hatte, dass die Allerseligste Jungfrau in Wahrheit Gottesgebärerin sei. Das Konzil verordnete, dass man die Allerseligste Jungfrau unter diesem glorreichen Titel mit folgenden Worten anrufe:

„Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde unseres Todes.“

Die Allerseligste Jungfrau war es, der dieser göttliche Gruß dargebracht wurde, um die größte und wichtigste Angelegenheit der Welt zu erledigen: Die Menschwerdung des ewigen Wortes, die Versöhnung Gottes mit den Menschen und die Erlösung des Menschengeschlechtes.

Maria wurde auserwählt als das Mittel für dieses gewaltige Ereignis, welches durch den Gruß des Engels Wirklicht wurde.

Der Gesandte dieser glücklichen Botschaft war der Erzengel Gabriel, einer der obersten Fürsten des himmlischen Hofes.

Der Engelsgruß enthält den Glauben und die Hoffnung der Patriarchen, Propheten und Apostel. Er ist die Ausdauer und Stärke der Märtyrer, die Wissenschaft der Gelehrten, die Beharrlichkeit der Bekenner und das Leben der Ordensleute. Er ist das neue Hohelied des Gesetzes der Gnade, die Freude der Engel und Menschen, der Schrecken und die Beschämung der Dämonen.

Durch das Ave Maria wurde Gott Mensch, eine Jungfrau Gottesmutter, wurden die Seelen der Gerechten aus der Vorhölle befreit, die Verluste des Himmels wiederhergestellt, die leeren Throne im Himmel besetzt, wurde die Sünde vergeben, die Gnade aufs neue geschenkt, wurden die Kranken geheilt, die Toten erweckt, die Verbannten zurückgerufen, wurde die allerheiligste Dreifaltigkeit besänftigt und die Menschen erhielten das ewige Leben.

Endlich ist der Engelsgruß der Regenbogen am Himmel, das Zeichen der Milde und Gnade, die Gott der Welt angedeihen ließ. (so der Selige Alanus de la Roche)

Der Rosenkranz und das besessene Mädchen

In seinem Buch „Das Geheimnis des Rosenkranzes“ berichtet der Hl. Ludwig von Montfort, als P. Johann Amat aus dem Orden des heiligen Dominikus in einem Orte des Königreiches Aragonien die Fastenpredigten hielt, führte man zu ihm ein vom Teufel besessenes Mädchen. Nachdem er den Exorzismus mehrmals vergeblich angewandt hatte, legte er ihr seinen Rosenkranz um den Hals, und sogleich fing sie an, ein schreckliches Geschrei und Geheul auszustoßen, indem sie sagte: „Fort, fort mit diesen Körnern, die mich quälen!“ Endlich nahm ihr der Pater aus Mitleid mit dem armen Mädchen den Rosenkranz vom Hals.

In der folgenden Nacht, als sich der Pater zur Ruhe begeben hatte, kamen dieselben Dämonen, von denen das Mädchen besessen war, wutschäumend zu ihm, um sich seiner zu bemächtigen; doch mit seinem Rosenkranz, den er fest in der Hand hielt, schlug er sie trotz ihrer Anstrengungen, ihm denselben zu entreißen, wunderbar in die Flucht, indem er sprach: „Heilige Maria, Unsere Liebe Frau vom heiligen Rosenkranz, hilf mir!“

Als er am folgenden Morgen zur Kirche ging, begegnete er jenem armen Mädchen, das noch besessen war. Einer der Teufel, die in ihr waren, fing an, sich über ihn lustig zu machen, indem er sagte: „Nicht wahr, Bruder, wenn du deinen Rosenkranz nicht gehabt hättest, hätten wir dich schön hergerichtet!“

Dann warf der Pater unversehens seinen Rosenkranz um den Hals des Mädchens und sprach: „Durch die heiligsten Namen Jesu und Mariä, seiner heiligen Mutter, und durch die Kraft des heiligsten Rosenkranzes befehle ich euch, unreine Geister, sofort aus diesem Körper zu fahren!“

Augenblicklich waren sie gezwungen, zu gehorchen, und das Mädchen war befreit.

„Diese Erzählungen zeigen uns“, folgert der hl. Ludwig, „wie groß die Macht des heiligen Rosenkranzes ist, um alle Arten von Versuchungen der bösen Geister und jegliche Sünden zu besiegen, weil die geweihten Körner des Rosenkranzes sie verscheuchen.“


Quelle: “Britain Needs Fatima Members’ Newsletter” Issue 73, 2017 (freie Übersetzung aus dem Englischen)

Donnerstag, 15. Juni 2017

Fronleichnam



Fronleichnam – 1891
Paul SCHAD-ROSSA
Neue Galerie Graz am Landesmuseum Joanneum

Unser Herr Jesus Christus, der im Allerheiligen Sakrament wahrhaftig zugegen ist, wird in der feierlichen Fronleichnamsprozession durch ein kleines Dorf getragen. Er ist ja der erhabenste Freund aller! Er schreitet durch sein Eigentum!

Der Altar wurde mit Blumen geschmückt. Bevor der Priester unter dem Baldachin, der von Honoratioren getragen wird, weitergeht, erteilt er den Segen; alle knien nieder, um ihren Schöpfer und Retter anzubeten.

Junge Mädchen in weißen Kleidern begleiten die Statue der Heiligen Jungfrau, weiter hinten folgt der Rest der Dorfbewohner, die Fahnen und die Statue ihres Schutzpatrons tragen.

Wie ist doch der Fronleichnamstag dem katholischen Volk ans Herz gewachsen! Wie dankbar sind wir unserer Kirche, dass sie uns diesen herrlichen Tag geschenkt hat. Wenn Fronleichnam nicht gefeiert würde, dann fehlte etwas Helles, Feines, Weihevolles im Kirchenjahr und in unserem Leben.

„Es ist ein Stück der Herrlichkeit und ein Grund der inneren Macht der katholischen Kirche, dass sie mit ihren Gottesdiensten und Festen die Kirchenmauern durchbricht, das Heilige hinausträgt in das Leben, mit ihren himmlischen Gesängen das Geräusch der Erde zum Schweigen bringt, sich nicht scheut, den Altar auf der Straße aufzuschlagen.“ So schrieb einst der Protestant Hengstenberg.


(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“ 
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Juni 2009)

Fronleichnam - Die Kirche geht auf die Straße



„Es ist ein Stück der Herrlichkeit und ein Grund der inneren Macht der katholischen Kirche, daß sie mit ihren Gottesdiensten und Festen die Kirchenmauern durchbricht, das Heilige hinausträgt in das Leben, mit ihren himmlischen Gesängen das Geräusch der Erde zum Schweigen bringt, sich nicht scheut, den Altar auf der Straße aufzuschlagen.“

So schrieb der Protestant Hengstenberg. Und wie er können sich viele Andersgläubige dem innigen Zauber nicht entziehen, der über der Eigenart katholischen Frömmigkeitslebens liegt, in Prozessionen, Bittgängen und Wallfahrten den Dienst Gottes betend und singend aus den engen Kirchenwänden hinauszutragen in die blühende Welt, in Gottes herrliche Schöpfung.

Die Prozessionen sind der laute Ausdruck frommer Begeisterung, der es in den Räumen des Gotteshauses gleichsam zu enge wird und die ihre Empfindungen in die Welt hinausrufen und vor Himmel und Erde ihre Gefühle aussprechen will. Es ist ein tiefes Bedürfnis religiösen Volksempfindens, in öffentlichen Umzügen mit Gesang und Gebet Gott zu danken, seinen Segen herabzuflehen oder seiner Majestät Sühne zu tun. Wie sehr die Prozessionen dem Bedürfnis des frommen Volkes entsprechen, und mit welcher Liebe es an ihnen hängt, zeigte sich deutlich in jüngerer Zeit, als die Kirche sich genötigt sah, gegen gewisse Ausartungen im Prozessionswesen einzuschreiten. Die Verbote, die erlassen werden mußten, wurden als gewaltsame Eingriffe in althergebrachtes Brauchtum vielfach unbeachtet gelassen oder es wurde ihnen entschiedener Widerstand entgegengesetzt. Wie groß z. B. die Prozessionsfreudigkeit des westfälischen Volkes war, ergibt sich aus einem Brief, den der Pfarrer von Thüle bei Paderborn 1783 an seine bischöfliche Behörde richtete. Darin erklärte er im Anschluß an seinen Bericht über die zahlreichen, in seiner Pfarrei üblichen Prozessionen, „daß die Pfarrgenossen gar zu grob eigensinnig an diesen Prozessionen halten, da sie selbe auch bey allerschlechtigstem Wetter ausgeführt wissen wollen; also daß dieselben auch ohne Beysein des Pfarrers lauffen würden, wie ich in den ersten Jahren meines Hierseyns schon einmal habe erfahren müssen.“

Die Kirche hat, von Verboten, die durch Mißstände veranlaßt waren, abgesehen, die Freude des Volkes an Prozessionen liebevoll gefördert. Sah sie doch in den Prozessionen ein öffentliches Bekenntnis der Sieghaftigkeit des katholischen Glaubens, einen Feierlichen Lobpreis und Dank gegen Gott, ein durch die Macht der Gemeinsamkeit besonders wirksames Bitten um Segen und Sühne der Schuld.

Hochgelobt und gebenedeit sei das allerheiligste Sakrament des Altares,
von nun an bis in Ewigkeit!

Die Berechtigung der Prozessionen ergibt sich aus dem Leben Jesu. Er zog selbst am Palmsonntag in feierlicher Prozession in Jerusalem ein. Seit jenen Tagen drängt es auch die Christen zu öffentlichem Glaubensbekenntnis aus den Häusern und Kirchen hinaus ins Freie. Die glanzvollste aller Prozessionen ist die Fronleichnamsprozession.

Quelle: Alphons Maria Rathgeber, „Kirche und Leben“ – Ein Buch von der Schönheit und Segenskraft der Kirche. Verlag Albert Pröpster, Kempten im Allgäu 1956

Mittwoch, 14. Juni 2017

Am Fronleichnamsmorgen


Am Fronleichnamsmorgen, 1857 
Ferdinand Georg Waldmüller, © Wienmuseum

Um Unseren Herrn Jesus Christus, der wahrhaft in der Eucharistie zugegen ist, öffentlich zu feiern, zieht die Fronleichnamsprozession durch die Straßen. Die Geistlichkeit trägt das Heiligste Sakrament, gefolgt von den Honoratioren und dem ganzen Volk.
Die Junisonne beleuchtet diesen strahlenden Morgen. Im Hof bereiten sich die Kinder, die auserwählt wurden, an der Zeremonie teilzunehmen, darauf vor, sich dem Zug anzuschließen. Die Mädchen sind weißgekleidet, sie tragen eine Blumenkrone und halten in der Hand eine Lilie als Symbol der Jungfräulichkeit.
Nicht alle können an der Zeremonie teilnehmen, was Tränen verursacht. Glückliche Zeiten, in denen die Kinder so zahlreich waren! Alle werden sich entlang des Festzuges aufstellen, um die Monstranz unter dem Baldachin zu sehen und das Knie vor dem Lieben Gott zu beugen, der feierlich durch die Straßen getragen wird.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Juni 2008)

Sonntag, 11. Juni 2017

„Tut das, was Er euch sagt“



Die Hochzeit zu Kana in Galiläa. Jesus, seine Mutter und die Jünger sind dort anwesend. Es fehlt an Wein und Maria sagt ihrem Sohn, dass es keinen Wein mehr gibt. Der Herr erwidert, seine Stunde sei noch nicht gekommen. Aber seine Mutter wendet sich den Dienern zu: „Was er euch sagt, das tut!“ Und Jesus befiehlt den Dienern, die Krüge mit Wasser zu füllen und davon dem Tafelmeister zu bringen. Dieser kostet das zu Wein gewordene Wasser und sagt zum Bräutigam: „Jedermann setzt zuerst den guten Wein vor und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein aufgehoben bis jetzt.“ (Joh 2,1-11) 
Das ist das erste Wunder, das Jesus durch die Vermittlung seiner Mutter vollbrachte. Gehen wir zu Maria, sie kann bei ihrem Sohn alles erlangen, was wir brauchen. 

Samstag, 10. Juni 2017

Landungsbrücke in Trouville




Das Fährboot, 1910-1911

Emanuel Phillips Fox (1865-1915)
Art Gallery of New South Wales, Sidney, Australien

Der Maler, in einem Vorort von Melbourne geboren, verbrachte mehrere Jahre in Europa. Hier malte er die Landungsbrücke für das Fährboot in Trouville in Frankreich, von wo aus man den Ort Deauville am anderen Ufer des Flusses Touques erreichen kann.
Die lebhaften Farben und die Spiegelung des Lichtes im Wasser sind eine Augenweide. Ein Mann reicht einer Frau die Hand, um ihr ins Boot zu helfen. Eine Kinderfrau trägt ein Baby in ihren Armen und schützt es mit einem Sonnenschirm. Der Fährmann mit einer Kappe hat das Boot an einem Haken festgebunden. Ein Knabe mit einem Strohhut am Kopf lacht fröhlich.
Die Eleganz der sommerlichen Kleider, der gute Geschmack und die Freundlichkeit unter den Menschen erinnert uns an eine Zeit, in der man einen Aufenthalt am Meer in liebenswürdiger und netter Gesellschaft genießen konnte - weit entfernt von der heutigen naturalistischen und exhibitionistischen Vulgarität. Das Leben war viel angenehmer und schöner, weil Moral, Selbstachtung und Respekt vor anderen vorherrschte.

(Aus dem Kalender „365 Tage mit Maria“
von der Aktion „Deutschland braucht Mariens Hilfe“, Mai 2011)

Donnerstag, 1. Juni 2017

Die weltliche Herrschaft der Päpste wurde ihnen geraubt, um ihre geistliche Gewalt zu brechen

„Kein Wunder, dass die liebsten Kinder so hart behandelt werden, da man doch mit dem Vater selbst, dem Haupte der Christenheit, dem Bischof von Rom, nicht glimpflicher verfährt. Es sind allbekannte Tatsachen: Man raubte ihm seine weltliche Herrschaft und damit jene Unabhängigkeit, welche seine apostolische Sendung zu allen Völkern verlangt. Der Druck einer feindlichen Macht nötigte ihn, sich in seiner eigenen Stadt Rom, in seinem eigenen Hause einzuschließen; er fühlt sich in eine ungerechte und unwürdige Lage versetzt, und das, nachdem man das lächerliche Versprechen gemacht, für seine Würde und Freiheit bürgen zu wollen. Wir selbst kennen die zahlreichen großen Hindernisse, die man dem Wirken des apostolischen Stuhles bereitet, wie man selbst seine Absichten missdeutet, um sein Ansehen zu mindern. Täglich wird es klarer, dass der Raub der weltlichen Herrschaft deshalb stattgefunden, um den Weg frei zu bekommen, und leichter die geistliche Gewalt des Papstes zu brechen. Übrigens haben die Urheber und Anführer des Gewaltreiches dies ohne viele Umschweife ausgesprochen.“
 
Aus der Enzyklika „Annum ingressi sumus“ von Leo XIII. Vom 19. März 1902

Mittwoch, 31. Mai 2017

Nach der Schlacht


Nach der Schlacht, 1900 - Eugène Chaperon


Während des Krieges von 1870 durchzieht ein General mit zwei Offizieren seines Stabes und einem Wimpelträger das mit Schnee bedeckte Schlachtfeld. Er unterbricht seinen Ritt, um den Militärkaplan zu grüßen, der mit der Stola in der Hand, sich um das Heil der Seelen kümmert, während eine Ordenschwester einen Verwundeten auf einer Trage pflegt. Etwas weiter liegen Gefallene auf dem Feld.
In der Militärhierarchie steht der Kaplan unter dem General. Doch dieser grüßt ihn aus Respekt vor seiner Priesterwürde. In den Zeiten vor der Trennung von Kirche und Staat durchtränkte die katholische Kirche die Gesellschaft noch mit ihrem Ideal. Ein Ideal des brüderlichen und harmonischen Zusammenlebens der unterschiedlichen Klassen der Gesellschaft. (Benoît Bemelmans)

Sonntag, 21. Mai 2017

Zum Fest Maria Namen

Maria, zeige, dass Du Mutter bist! 


Wir feiern heute das Fest Maria Namen, das wir jährlich mit großer Dankbarkeit und Glaubensfreude begehen. Im Namen aller Katholiken Europas wollen wir Gott Dank sagen für die Rettung des katholischen Glaubens durch die Fürsprache Mariens. Unser heutiger Dank muss sich gleichzeitig mit einem innigen Flehruf verbinden, dass Gott heute erneut das Wunder seiner Allmacht uns erweist und durch die Fürsprache Mariens für das heutige Europa den katholischen Glauben erhält. Heute befindet sich der katholische Glaube in einer noch größeren Gefahr als damals. Denn damals gab es nur einen Zerstörer des katholischen Glaubens von außerhalb der Christenheit. Heute gibt es Zerstörer des katholischen Glaubens sowohl außerhalb der Kirche als auch immer mehr im Innenraum der Kirche. In dieser Zeit der großen Glaubensnot wird uns Maria nicht verlassen - wie kann sie es auch, sie ist ja unsere Mutter. Sie ist die fürbittende Allmacht, sie ist die Besiegerin aller Häresien und aller Zerstörer des Glaubens. Wie innig müssen alle katholisch denkenden Gläubigen, Priester und Bischöfe heute flehen: „Maria, zeige, dass Du Mutter bist!“ ...

Wir bräuchten heute mehr denn je wieder Bekenner des Glaubens und der Treue zum Papst, und zwar in den Reihen der Bischöfe und der Laien. Leuchtende Beispiele dieser Treue aus der 2000-jährigen Kirchengeschichte sind zum Beispiel der heilige Bischof und Kardinal John Fisher und der heilige Laie Thomas Morus. Der heilige Thomas Morus legte damals vor dem Parlament und somit vor der öffentlichen Meinung folgendes Bekenntnis ab. Er sagte:
„Das Gesetz des Parlamentes widerspricht direkt den Gesetzen Gottes und seiner heiligen Kirche. Die höchste Leitung der Kirche oder irgendeines ihrer Teile gehört rechtmäßig nur dem Heiligen Stuhl von Rom. Unser Heiland selbst hat diesen Vorrang des heiligen Petrus und seiner Nachfolger im Bischofsstuhl von Rom mit seinem eigenen Mund bekräftigt.“
Dieses Bekenntnis kostete Thomas Morus und auch Kardinal John Fisher das Leben.
Hl. John Fisher
Wie viele Gesetze werden heute von Parlamenten erlassen, die direkt den Gesetzen Gottes widersprechen. Wie sehr bräuchten wir heute in Europa neue Thomas Morusse und John Fishers, welche die Treue zum Papst und die Gesetze Gottes furchtlos gegen die öffentliche Meinung bekennen. Ihnen würde ja momentan zumindest keine Todesstrafe drohen. Wir erleben in der heutigen Zeit eine gewaltige Krise des Glaubens und der Liturgie, die niemand leugnen kann. Die Reinheit des Glaubens und der Liturgie sind zu kostbar, zu göttlich, als dass man sie dem Geist des Menschen anpasst oder sie dem eigenen Ermessen der predigenden und zelebrierenden Priester ausliefert. Möge die heilige Liturgie der Kirche wieder mehr in ihrer Heiligkeit und übernatürlichen Schönheit erstrahlen (...)
Leider verleugnen heute einige Glieder der Kirche - und Gott sei es geklagt - selbst einige Priester durch ihr schlechtes Leben den Glauben. Sie geben somit der gottfeindlichen Welt die Gelegenheit, die Kirche mit Hohn und Spott bloßzustellen. Das soll uns nicht verunsichern. Wir wissen vom Beispiel einer unzähligen Schar von echten Christen, von echten Priestern, von treuen und heiligen Christen und Priestern. Und die gibt es auch in unserer Zeit, wenn auch nicht mehr so zahlreich. Aber sie gibt es, von denen die Massenmedien leider nie berichten.

Auszüge aus der Predigt von Bischof Athanasius Schneider am 12. September 2011 in der Karlskirche in Wien.

Samstag, 20. Mai 2017

Warum wurde das dritte Geheimnis von Fátima 1960 nicht veröffentlicht?


Am 13. Juli 1917 teilte die Muttergottes den drei Seherkindern von Fatima eine Botschaft mit, die sie niemanden offenbaren sollten. Als die Kinder gleich nach der Erscheinung gefragt wurden, was Maria ihnen gesagt hat, sagten sie, es sei ein Geheimnis. Man wusste also gleich, dass die Botschaft der Muttergottes ein Geheimnis enthielt.
Auf diese Weise wollte Maria eindeutig die Aufmerksamkeit der Welt auf etwas ganz wichtiges richten, dessen Inhalt nur dann öffentlich gemacht, wann es die Vorsehung für angebracht halten würde.
Dies erwirkte eine mysteriöse Aura um die Erscheinungen in Fatima und des Geheimnisses selbst, die sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte erweiterte und so die Wichtigkeit ihres Inhalts hervorhob.
Die ersten zwei Teile des Geheimnisses veröffentlichte Sr. Lucia, auf Geheiß der Muttergottes, in ihren dritten Erinnerungen am 31. August 1941. Am 3. Januar 1944 schrieb Sr. Lucia den dritten Teil des Geheimnisses nieder, auf Bitten des Bischofs von Leiria und mit der Erlaubnis der Muttergottes. Das Schreiben wurde in einem versiegelten Umschlag dem Bischof über einen Boten ausgehändigt, mit der Anmerkung, es dürfe nicht vor dem Jahr 1960 veröffentlicht werden. Bischof José Alves Correia da Silva steckte den von Sr. Lucia geschickten Umschlag in einen weiteren, der ebenfalls versiegelt und im Tresor der Kurie eingeschlossen wurde.

Anfang 1957 bat die Kongregation des Heiligen Offiziums, heute Glaubenskongregation genannt, dass das Dokument nach Rom geschickt werden sollte. Zu diesem Zweck wurde es der Apostolischen Nuntiatur in Lissabon übergeben, von wo es der Nuntius Msgr. Fernando Cento dem Vatikan überbrachte, wo es am 4. April 1957 im Geheimarchiv des Heiligen Offiziums aufgenommen wurde.
Am 17 August 1959 verlangte Papst Johannes XXIII das Dokument zu sehen und erhielt es aus der Hand eines Kommissars des Heiligen Offiziums. Einige Tage später wurde es zum ersten Mal vom Papst geöffnet und mit Hilfe eines Dolmetschers des Staats-Sekretariats gelesen. Der Papst entschloss sich, es nicht zu veröffentlichen und gab es dem Heiligen Offizium zurück.
Diese Entscheidung des Papstes verursachte, wie vorherzusehen, eine große Enttäuschung in der ganzen Welt und gab Anlass zu besonnenen aber auch zu den unpassendsten Vermutungen über den Inhalt des Geheimnisses.
Die Nachfolgenden Päpste, Paul VI. und Anfangs auch Johannes Paul II folgten und bestätigten die Entscheidung Johannes XXIII.
Als Johannes Paul II am 13. Mai 2000 in Fatima war, verkündete er, dass das dritte Geheimnis veröffentlicht werde, mit einem entsprechenden Kommentar der Glaubenskongregation. Dies geschah am 26 Juni desselben Jahres.
In einer feierlichen Sitzung unter der Leitung von Kardinal Joseph Ratzinger wurde im Pressesaal des Vatikans den am Heiligen Stuhl akkreditierten Journalisten der Text des dritten Geheimnisses vorgelesen und von dort über die ganze Welt verbreitet.
Bei dieser Gelegenheit gab man den wichtigsten Vatikanexperten die Möglichkeit, Fragen zur Deutung des Textes zu stellen.
Eine dieser Fragen behandelte gerade den Grund, der den Heiligen Stuhl dazu verleitete, das dritte Geheimnis 1960, entgegen den Erwartungen der ganzen Welt, nicht zu veröffentlichen. Die Antwort Kardinal Ratzingers ist äußerst aufschlussreich über die ernsthaften Gründe, die den Heiligen Stuhl zur damaligen Entscheidung führten.
Dr. Antonio A. Borelli Machado
Diese wichtige Information wollten wir unseren Leser nicht vorenthalten. Dazu baten wir (*) einen renommierten Experten des Themas, Herrn Antonio Augusto Borelli Machado, dem Autor eines Weltbestsellers über die Erscheinungen von Fatima, um ein Interview, in dem er mit Klarheit über die großen Probleme, die die Kirche und die Welt in den letzten hundert Jahren, seit der Erscheinung von Fátima, bekümmerten
Wenn es auch Meinungsverschiedenheiten unter Experten gibt, ob nun der vom Vatikan veröffentlichte Text dem kompletten Text des dritten Geheimnisses entspricht oder nicht, geben wir den Text wieder, so wie er dargebracht wurde, ohne andere Meinungen darüber zu berücksichtigen.
Die Redaktion des Catolicismo
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„Kardinal Ratzinger gibt zu, dass die Veröffentlichung
des Geheimnisses von Fátima 1960, wichtige politische
Vorhaben des Heiligen Stuhls gestört hätten... 
Welche Vorhaben waren das?“
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Catolicismo – 1960 erreichte die Erwartung, dass das dritte Geheimnis von Fatima veröffentlicht würde, einen Höhepunkt. Doch die Veröffentlichung fand nicht statt, was große Enttäuschung hervorrief. Erst 40 Jahre später, am Schluss des Millenniums, veröffentlichte ihn der Heilige Stuhl. Während der Vorstellung stellten Journalisten Fragen über den Grund dieser Verzögerung. Welche war die Erklärung von Kardinal Ratzinger, der der Sitzung vorstand?
Antonio Borelli Machado – Als am 26 Juni 2000 dieser Teil des Geheimnisses veröffentlicht wurde, entschloss sich der Heilige Stuhl, dies mit großem publizistischen Aufwand zu machen, unter Ausführung der Glaubenskongregation. Die im Vatikan akkreditierten Journalisten wurden eingeladen daran teilzunehmen. Den Anwesenden wurde ein Exemplar der Broschüre Die Botschaft von Fatima mit dem Text des Geheimnisses überreicht. Die Sitzung wurde geleitet von Kardinal Ratzinger mit der Teilnahme von Msgr. Bertone, Sekretär der Kongregation, und des Direktors der Sala Stampa des Heiligen Stuhls, Navarro Vals. Fernsehsender aus aller Welt übertrugen die Sitzung life. Nach der Vorstellung von Kardinal Ratzinger und Msgr, Bertone, öffnete der Pressesprecher des Vatikans das Wort für Fragen der Journalisten. Drei der gestellten Fragen behandelten das Thema über die Gründe der Päpste, die Veröffentlichung 40 Jahre lang nach dem vorgesehenen Termin zu verzögern. Die am besten formulierte Frage war die des Schriftsteller und Vatikanexperten Gian Franco Svidercoschi (Bild), ehemaliger Vize-Direktor des „Osservatore Romano“. Seine Frage (entnommen aus dem vom Presseamt freigegebenen Videoaufnahme der Sitzung) war folgende:
„Emminenz: Ich erlaube mir über das Warum der Verzögerung, dieser verlängerten Vorsicht der Kirche von 1960 bis heute. Sie habe in gewisser Hinsicht schon geantwortet, indem Sie von Evolution der Geschichte sprachen. [...] Da ist auch die Beschreibung von Msgr. Bertone über die verschiedenen Entscheidungen der Päpste im Zuge der veränderten politisch-historischen Situationen. Doch ich Frage Sie: zahlte die Kirche nicht ein zu hohen Preis für dieses lange Schweigen, dieses lange Schweigen über das Geheimnis? Beinhaltet letztendlich der dritte Teil des Geheimnisses nicht auf den schon im zweiten Teil hingewiesenen weiß gekleideten Bischof? Ist der dritte Teil nicht lediglich eine Folge von dem, was in den vorherigen Teilen schon gesagt wurde? Dieses (im dritten Teil beschriebene) Martyrium 1960 vorhanden? Gibt es nicht eine andere Art, von Seiten der Kirche, nicht nur bezüglich Fatima, Stellung zu nehmen zu Privatoffenbarungen – die nicht das depositum fidei berühren – und so eine ganze Reihe von Instrumentalisierungen und Skandale hätte vermeiden können, die gerade wegen dieses Schweigens aufkamen, das so lange andauerte? Danke“.
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„Im 2. Vatikanischen Konzil waren einflussreiche Konzilsväter
beseelt einen Ralliement der Kirche mit der modernen Welt zu fördern
– ganz im Sinn des von Leo XIII damals empfohlenen Ralliement“
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Dazu antwortete Kardinal Ratzinger ohne zu zögern:
„Es ist sicher, dass die Entscheidung der drei Päpste, das Geheimnis nicht zu veröffentlichen – weil auch der jetzige Papst [Johannes Paul II] es 1981 nicht veröffentlichen wollte – keine dogmatische Entscheidung war, sondern eine Vorsichtsmaßnahme. Und man kann immer über den Vorsichtscharakter einer Entscheidung diskutieren, ob man politisch nicht eine andere Entscheidung hätte vorziehen sollen. Deshalb soll man diese Haltung der Päpste nicht dogmatisieren. Dennoch, wenn ich es rückblickend betrachte, würde ich sagen: sicher habe wir einen Preis bezahlt, wegen der Spekulationen, die wir in den letzten Jahrzehnten vernommen haben. Doch andererseits meine ich, dass es angebracht war, einen Moment abzuwarten, damit wir eine Rückschau haben können. 1960 waren wir noch an der Schwelle des Konzils, diese große Hoffnung, ein neues positives Verhältnis zwischen die Welt und die Kirche zu erreichen, und auch ein wenig die verschlossenen Türen zum Kommunismus zu öffnen. Das Gleiche noch zur Zeit Papst Paul VI: wir waren noch sozusagen in der Zeit der Verdauung des Konzils, mit so vielen Problemen, dass dieser Text [das dritte Geheimnis] nicht seine richtige Platzierung bekommen hätte. Ebenso gleich nach dem Attentat [auf Johannes Paul II]: in diesem Moment mit dieser Botschaft herauszukommen, hätte meines Erachtens nicht das ausreichende Verständnis gebracht. Ich denke, ohne diese Entscheidung zu dogmatisieren, dass es, alles in allem, gut war, ein wenig das Ende des Jahrhunderts abzuwarten, um einen umfassenderen Blick zu bekommen, und das wahre Imperativ und die richtigen Hinweise dieser Vision [der Botschaft] zu verstehen.“
Catolicismo – Kardinal Ratzinger gibt also zu, dass die Veröffentlichung des Geheimnisses 1960 wichtige politische Schritte des Heiligen Stuhls stören würde... Welche waren diese Ziele, die gestört würden durch die Veröffentlichung des dritten Geheimnisses in diesem Zeitpunkt des 20. Jahrhunderts?
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„Da die Kirchenmänner entschlossen waren,
unter jeden Preis die Annäherung zur modernen
Welt zu erreichen, mussten sie sich für die 
Nichtveröffentlichung des Geheimnisses entscheiden“
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Antonio Borelli Machado – Drei politische und religiöse Ziele ersten Ranges bestimmten das Leben der Kirche in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden von Kardinal Ratzinger in seiner Antwort erwähnt:
1. Der ralliement* der Kirche mit der modernen Welt: „diese große Hoffnung eines neuen positiven Verhältnisses zwischen Welt und Kirche zu erreichen“;
* Zusammenschluss, Anschluss
2. Die Ostpolitik des Vatikans, d. h. der ralliement der Kirche mit dem Kommunismus: Die Hoffnung „die verschlossenen Türen des Kommunismus ein wenig zu öffnen“;

Paul VI empfängt Nicolai Podgorny,
Staatsoberhaupt der Sowjetunion
3) Die Durchsetzung der Richtlinien des Konzils, die dieses doppelte ralliement fördern sollten, und die die Ursache so „vieler Probleme“ der „Verdauung“ der konziliaren Neuerungen durch die katholische Welt waren.
Catolicismo – in wie fern ist das dritte Geheimnis mit diesen Zielen nicht vereinbar?
Antonio Borelli Machado – Das dritte Geheimnis besteht aus einer Vision, in der ein „ein Engel mit einem Feuerschwert“ erscheint. Das Schwert „sprühte Funken und Flammen gingen von ihm aus, als sollten sie die Welt anzünden“. Nun, eine Welt, die Gott auf diese Art strafen will, ist eine Welt die die Abneigung Gottes verursacht... Es war bestimmt nicht eine Welt die „diese große Hoffung eines neuen positiven Verhältnisses zwischen Welt und Kirche zu erreichen“ erlaubte. Die Veröffentlichung des dritten Geheimnisses 1960 wäre ein Schritt in die Gegenrichtung des ralliement der Kirche mit der modernen Welt.
Ich benutze hier den Ausdruck ralliement in Beziehung der bekannten Politik Leos XIII. gegenüber laizistischen Staaten, die im Zuge der Französischen Revolution überall in der ausgerufen wurden. Ganz besonders die laizistische Republik, wie sie in Frankreich etabliert wurde. Wie man weiß, bedauerte dieser Papst in seinem Alter, das Scheitern seiner Hoffnung in diese Richtung.*
* Über die Politik des ralliement Leos XIII. siehe das Buch von PLINIO CORREA DE OLIVEIRA, Der Adel und vergleichbare traditionelle Eliten in den Ansprachen Pius’ XII an den Adel und Patriziat Roms, Anhang III. 3. Papst Leo XIII. greift ein, S. 242 ff. Österreichische Gesellschaft zum Schutz von Tradition, Familie und Eigentum, Wien, 2008. Siehe auch ROBERTO DE MATTEI, Il ralliement di Leone XIII -Il fallimento di un progetto pastorale, Le Lettere, Firenze, 2014, 366 Seiten.
Im 2. Vatikanischen Konzil waren einflussreiche Konzilsväter von ähnlichem Optimismus beseelt, ein ralliement der Kirche mit der modernen Welt zu erreichen – in völliger Übereinstimmung mit dem Leos XIII. Hätten sie sich mit entsprechender Aufmerksamkeit den schon zwei veröffentlichen Teilen des Fatimageheimnisses gewidmet, hätten sie wahrscheinlich ihren Optimismus gedämpft: es reicht den Satz zu bedenken, „mehrere Nationen werden vernichtet werden“, der im zweiten Teil des Geheimnisses vorkommt. Wenn nach der Veröffentlichung des dritten Teils 1960, dieser mit entsprechenden Kommentaren weit verbreitet worden wäre – man denke nur an die „große, halb zerstörte Stadt“... – hätte ihnen die Augen öffnen können; oder wenigstens ihnen die Einsicht geben, dass die katholische Welt den geplanten ralliement nicht verstehen würde, und dadurch diesen Schritt vereitelt hätte.
Da die Kirchenmänner entschlossen waren, um jeden Preis die Annäherung zur Welt zu erreichen, mussten sie sich für die Nichtveröffentlichung des dritten Geheimnisses entscheiden und den Preis der Befremdung, der unter den Gläubigen dadurch aufkam, zahlen.
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„Wer sich neutral zwischen Wahrheit und Irrtum erklärt,
stellt sich wirklich auf der Seite aller Irrtümer und
gegen die einzige Wahrheit. Dies ist die Einstellung des
Laizismus gegenüber der wahren Kirche“
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Catolicismo – Dass eine so große Strafe über die Welt schwebt, zeigt wie das Verhalten der gegenwärtigen Gesellschaft im Widerspruch steht, zu den Prinzipien, die sie nach Gottes Willen leiten sollten. Ist es möglich den Punkt hervorzuheben, in dem dieser Widerspruch sich besonders hervortut?
Antonio Borelli Machado – Damit das heutige Publikum versteht, wie weit wir von der wahren Ordnung der Dinge entfernt sind, lohnt es sich, den bekannten Text von Leo XIII. zu zitieren: „Es gab eine Zeit, wo die Weisheitslehre des Evangeliums die Staaten leitete. Gesetze, Einrichtungen, Volkssitten, alle Ordnungen und Beziehungen des Staatslebens waren in dieser Zeit von christlicher Klugheit und göttlicher Kraft durchdrungen. Da war der Religion Jesu Christi in der Öffentlichkeit jene Auszeichnung gesichert, wie sie ihr gebührt; da blühte sie überall unter dem wohlwollenden Schutz der rechtmäßigen Obrigkeiten und Regenten, da waren Kirche und Reich in glücklicher Eintracht und durch gegenseitige Freundesdienste miteinander verbunden. Diese Staatsordnung trug über alles Erwarten reiche Früchte, die noch nicht vergessen sind. Hierfür gibt es unzählige Zeugnisse aus der Geschichte, welche durch keine Arglist der Feinde verfälscht oder verdunkelt werden können.“ (Enzyklika Immortale Dei, vom 1. November 1885, Nr. 28).
Als Folge des Laizismus, zu dem sie sich bekennen, fühlen sich die modernen Staaten entpflichtet, ihre persönlichen und gesellschaftlichen Richtlinien den Zehn Geboten Gottes anzupassen, und der Kirche „den Grad der Würde, der ihr gebührt“ zuzusprechen. In der Folge führt sich weltweit jede Art von Übertretung der göttlichen und natürlichen Gesetze ein, wie Ehescheidung, Abtreibung, homosexuelle Verbindungen usw.
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„Die stramme Haltung Pius’ IX. wurde vom folgenden
Papst, Leo XIII (1878-1903), widersprochen, als er
für Frankreich die Politik des ralliement gegenüber der
aus der Französischen Revolution geborenen Republik durchsetzte
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So zeigt sich der staatliche Laizismus, der in Sachen von Religion und Sitten neutral erklärt, als ein versteifter Feind der Katholischen Kirche und der christlichen Sittenlehre. Dies ist eine Konstante der Geschichte: Wer sich neutral zwischen Wahrheit und Irrtum erklärt, stellt sich wirklich auf der Seite aller Irrtümer und gegen die einzige Wahrheit. Dies ist die Einstellung des Laizismus gegenüber der wahren Kirche.
Der Laizismus ist nicht neutral in Sachen Religion, sondern militant atheistisch. Darauf weist Leo XIII. hin in derselben Enzyklika Immortale Dei: „Wenn man der Meinung ist, es sei kein Unterschied zwischen den verschiedenen und einander widersprechenden Religionsformen, so läuft dies schließlich darauf hinaus, dass man sich für gar keine entscheiden, gar keine üben will. Eine solche Ansicht mag sich daher dem Namen nach von der Gottesleugnung (Atheismus) unterscheiden; aber in der Sache ist kein Unterschied.“
Der Laizismus ist also die „Unreligion“ der modernen Welt, d.h., der Atheismus; doktrinärer und praktischer Atheismus, der die ganze Gesellschaft durchtränkt. Über diese Gesellschaft schwebt die Botschaft von Fátima, die da mahnt: oder die Gesellschaft bekehrt sich und tut Buße, oder es kommt eine Strafe in kosmischer Größe.
Wie kann man da „diese große Hoffnung nähren, ein neues positives Verhältnis zwischen Kirche und Welt zu erreichen“? – Für Menschen, die von solcher Hoffnung beseelt waren, war es absolut nicht angebracht, dass das dritte Geheimnis 1960 veröffentlicht werden sollte...
Catolicismo – Wann kam in der Kirche dieser Wunsch auf, ein “positives Verhältnis” zur Welt herzustellen?
Antonio Borelli Machado – Der Ausdruck Welt kommt in den Evangelien mal im allgemeinen Sinn vor, oder auch, um diejenigen zu kennzeichnen, die die Predigten Unseres Herrn nicht annahmen und sich gegen ihn stellten. In diesem Sinn kommt er im Johannes-Evangelium vor, in den Versen 18 und 19 des 15. Kapitels: „Wenn die Welt euch hasst, so wisst, sie hat mich vor euch gehasst. [...] weil ihr aber nicht von der Welt seid [...] darum hasst euch die Welt.“
Dieses gleiche Schicksal trifft auch alle Jünger Christi seit jener Zeit bis heute. Daher versucht der laue Teil des katholischen Lagers den Hass der Welt zu besänftigen, indem er mit ihr eine Übereinstimmung sucht. Das liegt in der gefallenen Natur des Menschen und kommt deshalb in allen Zeiten der Kirchengeschichte vor. Man braucht nur die Geschichtsbücher durchzuschauen, um dies festzustellen.
Eine Eigenschaft ist in diesen Fällen leicht festzustellen: Alle, die dieser Versuchung nachgeben, versuchen auf halbem Wege zwischen Wahrheit und Irrtum zu verbleiben.
Martin Luther und Erasmus von Rotterdam
Schauen wir direkt in die modernen Zeiten: Erasmus von Rotterdam (1466-1536), bekannter Humanist, verbreitete „eine geistige Reaktion gegen die Scholastik, des freien Denkens und der Vereinfachung des Christentums“*, was zu einem Versuch führte, sich Luther anzuschließen, was jedoch an der Streitsucht des letzten scheiterte. So versuchte seit der Reformation und der Renaissance eine katholische Strömung, stark von Erasmus beeinflusst, eine Übereinstimmung mit den Irrtümern der Zeit zu suchen.
* GUILLERMO FRAILE, Historia de la filosofia, BAC, Madrid, 1991,3" ed., tomo III, p. 74.
Die Idee der Französischen Revolution von einer Anbindung an die Welt wurde von den liberalen Katholiken des 19. Jahrhunderts verkündet, im Anschluss an Felicité de Lamennais, der sogleich von Papst Gregor XVI. (1831-1846) verurteilt wurde.
Pius IX. (1846-1878) fasste die Irrtümer des katholischen Liberalismus im Syllabus praecipuorum nostrae aetatis errorum (Auflistung der wichtigsten Irrtümer unserer Zeit) vom 8. Dezember 1864, die er unter der Nummer 80 zusammenfasst: „LXXX - Der Römische Papst kann und muss sich mit dem Fortschritt, dem Liberalismus und der modernen Zivilisation versöhnen und vereinigen“.
Es ist sofort zu vermerken, dass die Kirche nicht gegen den Fortschritt als solchen opponierte, sondern gegen das, was er revolutionäres in sich trug, mit dem Ziel das zu zerstören, was in der schon dekadenten Gesellschaft jener Zeit trotzdem noch an Gutem und übereinstimmend mit den Prinzipien der natürlichen und christlichen Ordnung vorhanden war.
Die „Göttin Vernunft“ wird in Notre Dame gefeiert
am 10. November 1793
Die stramme Haltung Pius’ IX. wurde jedoch vom folgenden Papst, Leo XIII (1878-1903), widersprochen, als er für Frankreich die Politik des ralliement gegenüber der aus der Französischen Revolution geborenen Republik durchsetzte (s. 2. Fragestellung).Leo XII. hoffte, dass diese Politik, die er vehement während seines ganzen Pontifikats durchsetzte, von den folgenden Päpsten übernommen würde. Das wäre wahrscheinlich so gekommen, wenn der Kardinal Mariano Rampolla del Tindaro, sein Staatssekretär, zu seinem Nachfolger gewählt worden wäre, wie allgemein erwartet. Die unvorhergesehene Wahl des Kardinals Giuseppe Sarto, mit dem Namen Pius X. (1903-1914) vereitelte die Fortführung dieser Politik.
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„Mit der am Schluss des Konzils von Paul VI.
verkündeten Pastoralkonstitution Gaudiumm et spes,
wurde die Politik des ralliement endlich für
die ganze Welt verordnet und ausgeweitet“
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Sie erscheint wieder in eindeutiger Form in der Hälfte der 1930er Jahre unter Pius XI. (1922-1939), auf den Flügeln des Optimismus und der Öffnung zur Welt, wie sie von der Katholischen Aktion* gefordert wurde. Auf geistiger Ebene setzten sich einige, in den Kreisen der Katholischen Aktion sehr geschätzte Autoren dafür ein, speziell Jacques Maritain mit seinem Werk Der integrale Humanismus (1936).
* Vgl. PLINIO CORREA DE OLIVEIRA, Em defesa da Ação Católica, Editora Ave Maria São Paulo, 1943.
Seitdem offenbarte sich die Haltung zum ralliement mit aller Deutlichkeit in den Reihen der liberalen Katholiken, wurde aber erst fast ein halbes Jahrhundert später durch Papst Johannes XXIII. (1958-1963) öffentlich übernommen. In seiner Ansprache zur Eröffnung des 2. Vatikanischen Konzils (11. Oktober 1962) richtete er sich an diejenigen, die „in der jüngsten Vergangenheit bis zur Gegenwart nur Mißstände und Fehlentwicklungen zur Kenntnis nehmen“ und erklärt: „Uns scheint es, dass wir diesen Unglückspropheten widersprechen müssen, die immer nur Unheil voraussagen, als ob der Untergang der Welt unmittelbar bevorstünde“ (Untertitel Opportunitas celebrandi Concilii).
Mit der am Schluss des Konzils von Paul VI. verkündeten Pastoralkonstitution Gaudiumm et spes, wurde die Politik des ralliement endlich für die ganze Welt verordnet und ausgeweitet. Die Pastoralorientierung von Gaudium et spes war für die Konzilväter des 2. Vatikanums keine Neuigkeit, sondern die tatsächliche Konkretisierung einer von Lammenais schon 1830 geförderte „Pastoral“!
Dadurch, anstatt die Gläubigen vor die in Fatima angekündigte Strafe durch die Muttergottes zu warnen, hat das Konzil vorgeschlagen, gute Beziehungen zwischen Kirche und Welt herzustellen, mit dem Versprechen einer Ära der Freude und Hoffnung für die Menschen unserer Tage.
Dieser schon durch den Titel hervorgerufene subliminalen Effekt dieses Konzilsdokuments — Gaudium et spes — war, unabhängig seines komplexen Inhalts, der Ausdruck der neuen und gütigen Gesinnung, die das Konzil gegenüber der heutigen Welt einnehmen wollte.

Die Botschaft von Fatima ging aber in einer diametral entgegensetzten Richtung!
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„Anstatt die Gläubigen vor die in Fatima angekündigte
Strafe durch die Muttergottes zu warnen, hat das Konzil
vorgeschlagen, gute Beziehungen zwischen
Kirche und Welt herzustellen“
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Catolicismo – Das Wissen einer kommenden großen Strafe ist aber auch nicht in den Kommentaren zum dritten Geheimnis von Experten und Predigern vorhanden...
Antonio Borelli Machado – Unterdessen ist sie vorhanden beim Hauptkommentator, der es mit Sicherheit ist, dem Kardinal Ratzinger...
So sagt er in seiner Interpretation des dritten Geheimnisses, die in der Broschüre Die Botschaft von Fatima aufgenommen wurde: „so ist das Schlüsselwort dieses Geheimnisses der dreimalige Ruf: "Penitenza, Penitenza, Penitenza" (Buße, Buße, Buße)! Wir werden an den Anfang des Evangeliums erinnert: „Tut Buße und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15). Die Zeichen der Zeit verstehen heißt: Die Dringlichkeit von Buße - Umkehr - Glaube begreifen. Das ist die richtige Antwort auf den historischen Augenblick, der von großen Gefahren umstellt ist, die in den folgenden Bildern gezeichnet werden. [...] Der Engel mit dem Flammenschwert zur Linken der Muttergottes erinnert an ähnliche Bilder der Geheimen Offenbarung. Er stellt die Gerichtsdrohung dar, unter der die Welt steht. Dass sie in einem Flammenmeer verbrennen könnte, erscheint heute keineswegs mehr als bloße Fantasie: Der Mensch selbst hat das Flammenschwert mit seinen Erfindungen bereitgestellt“. (Die Botschaft von Fatima, S. 39)
Die Schlussfolgerung ist klar: Die Welt unserer Tage — die moderne Welt — stellt sich vor folgende Alternative:
a) Oder sie bekehrt sich, und diese Bekehrung bedeutet das Verlassen der falschen Prinzipien auf denen sie aufgebaut ist, und so den „modernen“ Laizismus, Atheismus ... aufgeben;
b) oder sie bekehrt sich nicht,  und wird zu Trümmern durch das Feuer.
Im zweiten Fall wird sich auf ihren Trümmern eine neue Zivilisation erheben, die der hl. Ludwig Maria Grignion von Montfort das Reich Mariens nannte (s. Abhandlung der wahren Andacht, Nr. 217) — in voller Übereinstimmung mit der Botschaft von Fatima: „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren“ (2. Geheimnis).
Catolicismo — Könnte man sagen, dass das der Kern der Botschaft von Fátima ist?
Antonio Borelli Machado — Genau! Das Bevorstehen eines großen Strafgerichts.
Viele Prediger meinen, wenn sie eine Strafe ankündigen, würden sie ihre Zuhörer verschrecken, und deshalb tun sie es nicht. Doch die Aufgabe der Propheten war fast immer, das Volk zur Buße aufzurufen, im Zusammenhang mit der Ankündigung von Strafgerichten.
Hörte das Volk auf die Propheten, würde die Strafe abgewendet. Hörten es nicht, würde das Strafgericht eintreffen.
Es ist eine Frage der Treue der Muttergottes gegenüber, die Botschaft von Fátima in ihrem vollen Umfang zu verkünden.
In Wahrheit gibt es eine beträchtliche Anzahl von Menschen, die von sich aus eine Vorstellung der Verwirrung, der Unordnung in der modernen Welt gewonnen haben, und dass ohne ein außerordentliches Eingreifen der Vorsehung, diese Welt ihr Ordnung nicht wieder herstellen kann. Diese Menschen hegen im Geheimnis ihrer Herzen die Hoffnung auf diesen Eingriff Gottes und würden sich bestätigt fühlen, wenn sie von den Lippen der Hirten der Kirche, die gleiche Diagnose hören würden.
Daher ist nicht zu befürchten, das solche Seelen aufschrecken würden, durch die Vorhersage eines Strafgerichts. Im Gegenteil, sie würden jubilieren in der Voraussicht des Sieges des Guten über das Böse. Genau wie der Prophet Simeon großen Trost erfuhr, als er den Messias in den Armen der Heiligen Jungfrau sah: „Nun entlässt du, Herr, deinen Knecht nach deinem Wort in Frieden; denn meine Augen schauten dein Heil“ (Lk 2,29-30).
Tatsache ist, dass ohne die Erwähnung der Strafe die Botschaft von Fatima entleert wird von ihrem spezifischen Charakter für die heutigen Tage. Es ist unverständlich, dass gerade der Kern dieser Botschaft ausgelassen werden soll.
Die Prediger dürfen also nicht befürchten, dass sich ihre Zuhörer verschrecken. Für einige wird es eine Bestätigung von dem, was sie schon lange dachten und ein Trost sein! Für die, die sich überraschen, wird es als Mahnung dienen, vielleicht eine Gelegenheit, ihre Herzen für die Gnaden von Fátima zu öffnen.
Es reicht auch nicht einfach festzustellen — wie es viele machen —, dass die Botschaft von Fatima im perfekten Einklang  mit dem Evangelium Unseres Herrn steht, weil sie ja das Gebet und die Buße predigt. Das ist wahr und es ist auch gut dass sie das sagen. Doch außerdem muss man auch die Größe der Strafe hervorheben, die über die Welt verhängt wurde. Denn nur so werden sich viele Seelen hin zu einer ernsthaften Buße bewegen. Nur so können sie lebendige Steine des Reiches Mariens werden, das kommen wird.
Catolicismo — Was den Kommunismus betrifft, könnte die Anwendung des Wortes ralliement übertrieben scheinen. Könnte man nicht sagen, dass die Ostpolitik des Vatikans zum Ziel hatte, die Verfolgungen der kommunistischen Regierungen gegen die Christen zu mindern? Kardinal Ratzinger spricht ja ausdrücklich davon, „die verschlossenen Türen des Kommunismus ein wenig zu öffnen“.
Antonio Borelli Machado — Hier handelt es sich um einen Prozess. Am Anfang scheint die Ostpolitik nur eine Entspannung, ein Ende der Feindseligkeiten zu sein. Im Nachhinein verwandelt sie sich in ein normales Zusammenleben. Und zum Schluss wird sie zu einer Kooperation für einen gemeinsamen Zweck. Doch dieser Zweck wird nicht einvernehmlich gesetzt: Es ist der Zweck, der nur dem kommunistischen Partner interessiert. Damit verlässt die katholische Seite nach und nach ihre unveräußerlichen Prinzipien, dann in Vergessenheit geraten und in der Praxis durch die Prinzipien und Ziele des Feindes ersetzt. Es ist das Ergebnis des Prozesse der unbemerkten ideologischen Umwandlung, wie es Prof. Plinio Corrêa de Oliveira nennt*.
* Vgl. Unbemerkte ideologischen Umwandlung und Dialog. Editora Vera Cruz Ltda., São Paulo, deutsche Ausgabe, 1967. S. auch Abkommen mit dem kommunistischen Regime: Für die Kirche, Hoffnung oder Selbstzerstörung? (auf Deutsch: Die Freiheit der Kirche im kommunistischen Staat, TFP Sektion Blumenau, 1965)
Als der Generalsekretär der Spanischen Kommunistischen Partei, Santiago Carrillo (1915-2012), von einigen „Kameraden“ gefragt wurde, ob die Zusammenarbeit mit den Katholiken den ideologischen Inhalt der Partei nicht ändern würde, antwortete er mit einer Frage: „Seitdem wir mit dieser Politik angefangen haben, wie viel Kameraden kennt ihr die gläubig geworden sind? Auf der anderen Seite, wie viele Katholiken sind Kommunisten geworden?“*. Eine Frage, die keiner Antwort bedurfte...
* SANTIAGO CARRILLO, Mañana España, Colección Ebro, Paris, 1975, p. 232.
Die Entspannungspolitik wurde ins Leben gerufen von Maurice Thorez (1900-1964) in einer berühmten Erklärung im Radio Paris am 17. April 1936, in der er im Namen der Französischen Kommunistischen Partei den Katholiken die Politique de la main tendue* (Politik der ausgestreckten Hand) vorschlug
* Vgl. MAURICE THOREZ, Oeuvres, Editions Sociales, Paris, 1954, Bd. XI, S. 203.
Der Vorschlag wurde von Papst Pius XI. heftig abgewiesen in der Enzyklika Divini Redemptoris – über den gottlosen Kommunismus – vom 19. März 1937. Dieses Dokument folgte einem anderen – der Enzyklika Mit brennender Sorge, vom 15. März des gleichen Jahres – in der die von der Kirche erlittenen Verfolgungen durch das Deutsche Reich unter der Naziherrschaft scharf verurteilt wurden. Die fast gleichzeitige Erscheinung dieser Dokumente – mit nur vier Tagen unterschied – lässt die Intention vermuten, man könne nicht sagen, dass mit der Verurteilung des einen Systems, das andere verschont geblieben sein. In Wahrheit handelte es sich beim Nazismus und Kommunismus, um zwei Seiten der selben sozialistischen Münze, gegen die der Papst gleichzeitig die Katholiken warnen wollte.
Trotz allem machte der Vorschlag von Thorez seinen Weg in den katholischen Reihen. Eindeutiger Beweis dafür war das Aufkommen, viele Jahre später, einer theologischen Strömung marxistischen Anstrichs, gegen welche die Glaubenskongregation in einer am 6. August 1984 von Kardinal Ratzinger unterschriebenen Instruktion gegen einige Aspekte der Theologie der Befreiung die Katholiken warnte.
Auf diplomatischer Ebene kann man auf einen weiteren Ausdruck des ralliement hinweisen: Die sogenannte Ostpolitik des Vatikans.
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„Die Aufgabe der Propheten war fast immer, 
das Volk zur Buße aufzurufen, im Zusammenhang 
mit der Ankündigung von Strafgerichten.
Hörte das Volk auf die Propheten, würde die Strafe
abgewendet. Hörten es nicht, würde das Strafgericht eintreffen.“
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Kardinal Agostino Casarolli, Staatssekretär des Heiligen Stuhls während des Pontifikats Pauls VI. und Vorantreiber dieser Politik, erklärte 1974 nachdem er Kuba besucht hatte, dass die Katholiken dieses Landes sich unter dem dort herrschenden Regime wohl fühlten. Das war ein klarer Hinweis, dass jene Politik den „Fall der ideologischen Barrieren“ zwischen Kirche und Kommunismus zum Ziel hatte*.
* Vgl. PLINIO CORRÊA DE OLIVEIRA, Die Entspannungspolitik des Vatikan mit den kommunistischen Regierungen — Für die TFP: sich enthalten? Oder Widerstand leisten.“ In Catolicismo, Nr. 280, April 1974.
Kardinal Casaroli in Kuba mit Fidel Castro
Diese katholische Entspannungspolitik gegenüber dem Kommunismus fand an zwei Fronten statt: An der eigentliche diplomatischen Front — als Ostpolitik bezeichnet — und die pastorale Front, die in der Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt der heutigen Zeit — eher bekannt durch ihre beiden Einführungsworte Gaudium et spes —, zum Ausdruck kam, die wir schon erwähnten (vgl. Antwort auf die 5. Frage). Unter der heutigen Zeit verstehe man die moderne Welt, denn die Einführung dieses Dokuments trägt den Titel Die Situation des Menschen in der heutigen Welt.
Diese Öffnung der Kirche zum Kommunismus blieb den Führern der Partei nicht unbemerkt. So schrieb Roger Garaudy (1913-2012) von der kommunistischen Partei Frankreichs (aus der er ausgeschlossen wurde wegen sein eigensinniges Verhalten; trat zum Islam über, nachdem er protestantisch und katholisch gewesen war), in einem Buch: „Die große Neuigkeit des 2. Vatikanums – die im Text von Gaudium es Spes von 1966 [sic! Von 1965] zum Ausdruck kommt – war die Öffnung zur Welt, der Verzicht auf den Anspruch sie zu regieren, um, im Gegensatz, ihr zu dienen, im Lichte der evangelischen Demut, in der Anerkennung ,der Autonomie der weltlichen Wirklichkeiten‘. [...] In keinem Teil der Welt außer in Lateinamerika hatte diese Botschaft der befreienden Mission der Kirche größeres Echo. Ausgehend von einer historischen Situation von Elend und Unterdrückung und der konkreten Praxis der ,kirchlichen Basisgemeinden‘ seit 1970, entstand die Theologien der Befreiung. Sie begründeten sich auf die vorrangige evangelische Option für die Armen.“*
* ROGER GARAUDY, Integrismes, Pierre Belfond, Paris, 1990, S. 50-51.
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„Die sowjetische Regierung war damit einverstanden,
 dass Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche 
dem Konzil beiwohnten, unter der Bedingung, dass dieses
 von einer Verurteilung des Kommunismus absehe“
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Heute weiß man, dass Johannes XIII sich wünschte, dass Vertreter des Moskauer Patriarchats unbedingt beim Konzil anwesend sein sollten. Die sowjetische Regierung war damit einverstanden, dass Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche dem Konzil beiwohnten, unter der Bedingung, dass dieses von einer Verurteilung des Kommunismus absehe. Der Papst stimmte dieser Bedingung zu.*
Vgl. ROBERTO DE MATTEI, Il Concílio Vaticano II – Una storia mai scritta, Lindau, Torino, 2010, S. 172-180, 360-364, 422-426, 492-504, 512-514,563-567,580-588.
Aus dieser Tatsache erklärt sich, dass eine Petition von 213 Konzilsvätern, dass das Konzil die Irrtümer des Marxismus, des Sozialismus und des Kommunismus verurteilen solle*, weder von Johannes XXIII noch von Paul VI. beachtet wurde.
* Vgl. Catolicismo, Nr. 157, Januar 1964, S. 5.
Gaudium et spes beschränkt sich auf eine höchst verständliche Analyse der verschiedenen Arten von Atheismus (GS Nr. 19, 20 und 21), die in der Erklärung mündet, dass „Glaubende und Nichtglaubende, zum richtigen Aufbau dieser Welt, in der sie gemeinsam leben, zusammenarbeiten müssen“. „Das kann gewiss nicht geschehen ohne einen aufrichtigen und klugen Dialog“ (GS Nr. 21).
Ist aber „ein aufrichtiger Dialog“ mit den gottlosen Führern eines laizistischen, gegen die Kirche wütenden Staates, wie Gaudium et spes gleich im nächsten Satz beschreibt, überhaupt möglich?: Die „Kirche beklagt die Diskriminierung zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden, die gewisse Staatslenker in Nichtachtung der Grundrechte der menschlichen Person ungerechterweise durchführen“ (GS Nr. 21).
Wie soll man sich vorstellen, dass diese Staatslenker sich zu einer Mitarbeit erbieten werden, „zum richtigen Aufbau dieser Welt, in der sie gemeinsam leben“? Es war eine gescheiterte Hoffnung, wie es die seitdem fünfzig vergangenen Jahre bewiesen haben.
Es ist also nicht übertrieben, den Ausdruck ralliement zu benutzen, um darauf hinzuweisen, dass die Ostpolitik des Vatikans sich tatsächlich die Mitarbeit der gottlosen Kommunisten für den Aufbau eines gemeinsamen Werkes wünschte.
Das dritte Geheimnis von Fatima beschreibt eine endlos lange Reihe verschiedener weltlicher Personen, Männer und Frauen unterschiedlicher Klassen und Positionen, die angeführt vom Papst, Bischöfe, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen einen steilen Berg hinaufsteigen, auf dessen Höhe eine Gruppe von Soldaten mit Feuerwaffen und Pfeilen auf sie schossen Diese Szene erinnert an die Erschiessungskommandos der kommunistischen Regime...
Dieser Zusammenhang wäre in den Zeiten des ralliement mit dem Kommunismus unangebracht!
Wenn das dritte Geheimnis 1960 veröffentlicht und ausgelegt worden wäre, hätte es Schwierigkeiten für diese Annäherungspolitik geben können. Die Verantwortlichen hielten es für sicherer, es nicht zu veröffentlichen.
Catolicismo – Welche Folgen hatte diese Öffnung zur modernen Welt für das Leben der Kirche?
Antonio Borelli MachadoEs hatte schwerwiegende Folgen, denn sie beseitigte die Schranken, die die Gläubigen vor der Ansteckung mit den Irrtümern der modernen Welt schützte. In der Tat hatte der Fall der ideologischen Barrieren zwischen Kirche und Welt zur Folge, die Gläubigen zur Aufgabe der unveräußerlichen Prinzipien der katholischen Lehre zu führen – was sie in ihrem Gewissen eigentlich nicht hätten tun dürfen -, und in großem Maße die Art des Denkens und des Tuns der Welt übernahmen und somit alle Probleme, mit denen die Pastoral der Kirche heute zu kämpfen hat, noch verschimmern.
Diese Folgen entgingen aber nicht dem scharfen Blick von Kardinal Ratzinger. 2005 zum Papst gewählt, hielt er beim Weihnachtsempfang am 22. Dezember desselben Jahres eine bedeutende Ansprache an das Kardinalskollegium und die Mitglieder der römischen Kurie in der er mahnte: „Das Problem wird noch deutlicher, wenn wir anstatt des allgemeinen Terminus »heutige Welt« ein anderes, treffenderes Wort wählen: Das Konzil musste das Verhältnis von Kirche und Moderne neu bestimmen. [...] Wenn jemand erwartet hatte, dass das grundsätzliche »Ja« zur Moderne alle Spannungen lösen und die so erlangte »Öffnung gegenüber der Welt« alles in reine Harmonie verwandeln würde, dann hatte er die inneren Spannungen und auch die Widersprüche innerhalb der Moderne unterschätzt; er hatte die gefährliche Schwäche der menschlichen Natur unterschätzt, die in allen Geschichtsperioden und in jedem historischen Kontext eine Bedrohung für den Weg des Menschen darstellt. [...] Auch in unserer Zeit bleibt die Kirche ein »Zeichen, dem widersprochen wird« (Lk 2,34). [...] Es konnte nicht die Absicht des Konzils sein, diesen Widerspruch des Evangeliums gegen die Gefahren und Irrtümer des Menschen aufzuheben“.
Wäre das dritte Geheimnis von der kirchlichen Hierarchie verstanden worden und es ihre Optionen orientiert hätte, so hätte auch vermieden werden können, dass die Gläubigen von den Irrtümern  der modernen laizistischen Staaten kontaminiert worden wären.
Catolicismo – Wie kam es endlich zur Veröffentlichung des dritten Geheimnisses?
Antonio Borelli Machado – Papst Johannes Paul II. wurde Opfer eines sakrilegischen Schusswaffenattentats am 13. Mai 1981, am Tag an dem man die erste Erscheinung der Muttergottes in Fatima feierte. Diese Übereinstimmung von Tat und Tag warf natürlich in der katholischen Welt die Frage auf, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Attentat und der Botschaft von Fatima gäbe. Es ist auch verständlich, dass der Papst selbst nun ein besonderes Augenmerk auf das dritte Geheimnis warf. So bat er, als er noch in der Poliklinikum Gemelli war, wo er zwischen Leben und Tod schwebte, sobald es ihm möglich war, Einsicht in das Geheimnis zu bekommen. Die Verknüpfung des Attentats mit dem dort beschriebenen Martyrium eines Papstes war beeindruckend, jedoch nicht absolut, denn im Geheimnis stirbt der Papst, und er hatte überlebt. Was ihm aber nicht davon abhielt an ein wunderartiges Eingreifen der Muttergottes zu glauben, dass die Kugel kein lebenswichtiges Organ getroffen hatte. Die Kugel wurde später dem Heiligtum von Fatima übergeben und in die Krone der Marienstatue eingefasst.
Das Thema Fatima war dem Papst nicht fremd, war er doch einer der 510 Konzilsväter, die eine Petition a Paul VI. unterschrieben hatten, dieser möge doch zum Anlass des Konzils, da ja alle Bischöfe der Welt dort versammelt waren, die Weihe Russlands und der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens vollziehen. Diese Weihe war von der Muttergottes gebeten worden, als Garant für die Bekehrung dieses kommunistischen Landes und der Welt und die Aufhebung der angedrohten Strafe für die moderne Welt.
Al Johannes Paul II sich von den Folgen des Attentats erholt hatte, unternahm er wiederholte Male die Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens. Die sich am meisten an die von der Muttergottes gewünschten Bedingungen näherte, war die vom 25. März 1984, bei der er jedoch, gehemmt von den Sperren der Ostpolitik, den Namen Russlands nicht aussprach, wenn auch – wie er erklärte – er ihn Mental in die Weihe mit einbezog.
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„Es ist nicht übertrieben, den Ausdruck ralliement
 zu benutzen, um darauf hinzuweisen, dass die 
Ostpolitik des Vatikans sich tatsächlich die Mitarbeit
 der gottlosen Kommunisten für den Aufbau
 eines gemeinsamen Werkes wünschte“
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Es fehlte dann nur noch die Veröffentlichung des Geheimnisses. Ein Sprichwort sagt „Rom hat es nicht eilig“. Doch wie Svidercoschi in seiner eingangs erwähnten Frage an Kardinal Ratzinger hervorhob, sensationalistische Spekulationen über seinen Inhalt beunruhigten das gläubige Volk und brachten die oberste Leitung der Kirche in Verlegenheit.
So kam es dann, dass im Dezember 1999 – achtzehn Jahre nach dem Attentat - Johannes Paul II. entschied die Veröffentlichung zu genehmigen. Er beauftragte den Bischof von Leiria-Fátima zu verkünden, dass die Veröffentlichung des Geheimnisses stattfinden würde, wenn der Papst am 13. Mai 2000 nach Fátima käme.
Es gab einen kleinen Aufschub dieses Datums. Der Präfekt der Glaubenkongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, erwägt gegenüber dem Papst die Notwendigkeit das gläubige Volk über die Tragweite privater Offenbarungen aufzuklären, selbst über die von Fátima, wenn sie auch schon vielmals bestätigt worden sind. Denn tatsächlich verpflichten sie niemanden diese wie ein Glaubensdogma anzunehmen.
Übrigens, wie Kardinal Ratzinger erklärte, war die Tatsache, dass das Geheimnis 1960 nicht veröffentlicht wurde, keine dogmatische Entscheidung, sondern eine Vorsichtsmaßnahme: „Es ist sicher, dass die Entscheidung der drei Päpste [...] das Geheimnis nicht zu veröffentlichen keine dogmatische Entscheidung war, sondern eine Vorsichtsmaßnahme. Und man kann immer über den Vorsichtscharakter einer Entscheidung diskutieren, ob man politisch nicht eine andere Entscheidung hätte vorziehen sollen. Deshalb soll man diese Haltung der Päpste nicht dogmatisieren“.
Und da es kein dogmatischer Akt war, ist er nicht durch das Charisma der Unfehlbarkeit betroffen: „Über den Vorsichtcharakter einer Entscheidung kann man immer diskutieren“.
Letztendlich wurde das dritte Geheimnis im Jahr 2000 veröffentlicht. Und es ergab sich, was Kardinal Ratzinger gleich am Anfang seines theologischen Kommentars geahnt hatte: „Wer den Text des sogenannten dritten „Geheimnisses“ von Fatima aufmerksam liest, der hier im Auftrag des Heiligen Vaters erstmals wörtlich veröffentlicht wird, wird nach allen vorangegangenen Spekulationen vermutlich enttäuscht oder verwundert sein. Keine großen Geheimnisse werden enthüllt; der Vorhang vor der Zukunft wird nicht aufgerissen. Wir sehen im Zeitraffer die Kirche der Martyrer des nun abgelaufenen Jahrhunderts in einer schwer deutbaren Symbolsprache zusammengefasst. Ist es nun das, was die Mutter des Herrn der Christenheit, der Menschheit in einer Zeit großer Fragen und Bedrängnisse kundgeben wollte?“ (Die Botschaft von Fátima, Kongregation für die Glaubenslehre. Libreria Editrice Vaticana, Città del Vaticano, 2000.)
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„Die Weihe Russlands und der Welt an das 
Unbefleckte Herz Mariens vollziehen. Diese Weihe 
war von der Muttergottes gebeten worden, als Garant
 für die Bekehrung dieses kommunistischen Landes und der
Welt und die Aufhebung der angedrohten Strafe für die moderne Welt“
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Unter Vorbehalt aller Ehrerbietung, die dem Autor dieses Kommentars gebührt, der außerdem vom Konklave 2005 auf den päpstlichen Thron erhoben wurde, enthüllt das dritte Geheimnis zwei wichtige Punkte des „Vorhangs der Zukunft“, die heute sehr gegenwärtig sind und der weltlichen Aufmerksamkeit: die prophetische Ankündigung der Märtyrer des 21. Jahrhunderts und die Aussicht einer Zerstörung von weltweitem Ausmaß. Übrigens, wie wir gesehen haben, ist es Kardinal Ratzinger selbst, der in seinem Theologischen Kommentar diese zwei Punkte hervorhebt: Das Martyrium und die Zerstörung.
Die Pilgerstatue von Fatima
weint wunderartig in New Orleans,
USA, im Jahr 1972
Catolicismo – Welches ist das Ausmaß der in Fátima angekündigten Strafe: Bedeutet es die Zerstörung der Erde bis auf ihre Grundfesten?
Antonio Borelli Machado – Es ist schon beeindruckend, dass im dritten Geheimnis „eine große Stadt, die halb zerstört war“ beschrieben wird. Was „halb zerstört“ ist, ist nicht total zerstört. Also wird einiges von dem, was heute existiert, bestehen bleiben. Man könnte annehmen, dass es eine selektive Zerstörung sein wird...
In einem Abschnitt der oben erwähnte Enzyklika Immortale Dei, gibt Leo XIII. an, dass in früheren Zeiten – der Hinweis auf das Mittelalter ist intuitiv anzunehmen – „diese Staatsordnung über alles Erwarten Früchte trug, die noch nicht vergessen sind. Hierfür gibt es unzählige Zeugnisse aus der Geschichte, welche durch keine Arglist der Feinde verfälscht oder verdunkelt werden können“.
Wenn diese „Zeugnisse“ ... „durch keine Arglist der Feinde verfälscht oder verdunkelt werden können“, dann kann man folgern, dass beim Ausbrechen der Strafe Gott sie verschonen wird.
Welches sind diese Zeugnisse?
Die Erinnerung an die Vergangenheit besteht nicht fort nur durch historische Zeugnisse, sondern auch im Kern der im Laufe der Jahrhunderte verfestigten Gesetze und Institutionen; wie auch auf sichtbarerer Weise in den Denkmälern, die die Zeit und der Mensch nicht zerstört haben. Ein schauriges und erschreckendes Beispiel war das Vorhaben der Revolutionären von 1789, die Kathedrale von Notre Dame in Paris – dieses Kleinod der mittelalterlichen Christenheit - zu zerstören. Sie zum Verkauf ausgeschrieben und es meldete sich sogar ein Käufer. Doch durch die Wirren der Revolution kam es nicht zur Zahlung der Summe und der Kauf wurde storniert.
Nun, mit dem Herannahen der Jahrhundertfeier von Fatima versuchen die modernen Revolutionäre den letzten Überfall auf die christliche Zivilisation zu verüben: Mit blindem Hass stürzen sie sich gegen die noch bestehenden heiligen Prinzipien der Familie und beabsichtigen, unter anderen Vorhaben, mit der Einführung der Gender-Ideologie, selbst die biologische Natur des Menschen aufzuwühlen. Nach dieser Irrlehre wird der Mensch nicht als Mann oder Frau geboren, sondern er wird Mann oder Frau nach seinen persönlichen Neigungen. Eine unerhörte Anschauung!
Es ist jedoch tröstlich wahrzunehmen, dass viele unserer Zeitgenossen, die früher passiv den revolutionären Übergriffen gegenüberstanden, heute anfangen zu reagieren und erheben somit unvorhergesehene Hindernisse gegen die Endcoup der Revolution.*
* Für eine scharfsinnige Analyse des revolutionären Prozesses, der die christliche Zivilisation und Kultur seit dem ausgehenden Mittelalter bis zur heutigen Zeit erodiert, siehe die Studie Revolution und Gegenrevolution von PLINIO CORRÊA DE OLIVEIRA, im Portugiesischen Original oder die Übersetzung in vielen Sprachen wie Deutsch, Englisch, Estnisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Litauisch, Rumänisch, Russisch Spanisch, Ukrainisch und Weißrussisch.
Aus dem hier dargelegten, kann man voraussagen, dass der revolutionäre Prozess nicht die totale Zerstörung – der Prinzipien, Institutionen und Monumente der christlichen Zivilisation - erreichen wird, wie er es vorhat. Er wird auf den Widerstand einer kleinen aber immer größeren Zahl von Gläubigen stoßen.
Nicht ohne tiefe Ergriffenheit sieht man in der letzten Szene des dritten Geheimnisses die unerwartet große Reihe derer, die fern von Gott waren, und als sie sich Ihm zuwenden, mit dem Blut der Märtyrer gesalbt werden, das vorher von zwei Engeln unter den Balken des Kreuzes in kristallenen Gefäßen aufgefangen wurde.
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„Mit dem Herannahen der Jahrhundertfeier 
von Fatima versuchen die modernen Revolutionäre
 den letzten Überfall auf die christliche Zivilisation
 zu verüben: Mit blindem Hass stürzen sie sich
 gegen die heiligen Prinzipien der Familie.“

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Diesen unbekannten Nutznießern des Blutes der Märtyrer ist es angebracht, nach dem Prinzip des Tertulian, in Liebe die Reste der Christenheit – die von Leo XIII. erwähnten Zeugnisse – hinzuzufügen und auf dieses Fundament die künftige christliche Zivilisation wieder aufzubauen, und sie zum höchsten Glanz zu erheben, den sie selbst nicht im Mittelalter erreicht hatte.
Dazu müssen sie alle Trümmer des laizistischen, egalitären und gottlosen Staates beseitigen, die auf der Erde übriggeblieben sind und darauf eine strenge, hierarchische, wesenhaft sakrale, antiegalitäre und antiliberale christliche Kultur“ wieder aufbauen, wie es Prof. Plinio Corrêa de Oliveira in „Revolution und Gegenrevolution“ lehrt*.
* II. Teil, II. Kapitel 1
Insgesamt alles in einem tiefgründigen Marianischen Tonus gehalten, wie es der hl. Ludwig Grignion von Montfort in seiner Abhandlung der wahren Andacht zu Maria (Nr. 217) verkündet:
- „Wann wird die glückliche Zeit kommen, da die Seelen ebenso die Liebe Mariä atmen, wie die Leiber die Luft?“
Wir wissen nicht, wann das sein wird. Eines ist jedoch sicher: Es wird sich wirklich ereignen, denn die Muttergottes hat am Ende des zweiten Geheimnisses versprochen: „Am Ende wird mein unbeflecktes Herz triumphieren!“


(*) Dieses Interview wurde gegeben an die katholische Monatszeitschrift „Catolicismo“ und in der Ausgabe von Oktober 2016 veröffentlicht.
Hier wird eine freie deutsche Übersetzung des gesamten Interviews wiedergegeben.