Dienstag, 15. Oktober 2024

Wie die Kathedrale Notre Dame Paul Claudel bekehrte

 

Paul Claudel

Edwin Benson
22.12.2021

Die geplante „Renovierung“ des Inneren der mittelalterlichen Kathedrale Notre Dame in Paris, Frankreich, wird das ehrwürdige Gebäude in das verwandeln, was viele als „aufgeweckte“ Modernisierung bezeichnen. Eine solche Deformation des erhabenen Heiligtums Unserer Lieben Frau muss bekämpft und dagegen protestiert werden.

Die Gründe für diesen Widerstand werden am besten von denjenigen dargelegt, die bei ihrem Besuch der Kathedrale besondere Gnaden von Unserer Lieben Frau erhalten haben. Ihr zeitloses Zeugnis dient dazu, zu zeigen, warum Architektur und Design so wichtig sind. Diejenigen, die heute protestieren, müssen ihre Stimmen mit denen der Vergangenheit vereinen, um dieses erhabenste Kunstwerk zu verteidigen.

Die Stimme eines Dichters

Daher ist es angebracht, die Worte des berühmten französischen Dichters Paul Claudel (1868-1955) vorzutragen, dessen Leben sich bei seinem Besuch von Notre Dame veränderte.

Die meisten Amerikaner kennen Paul Claudel nicht. Relativ wenige seiner Gedichte wurden ins Englische übersetzt. Britannica bietet diese kurze Beschreibung: „Dichter, Dramatiker, Essayist, eine herausragende Kraft in der französischen Literatur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, dessen Werke ihre lyrische Inspiration, ihre Einheit und Reichweite sowie ihren prophetischen Ton aus seinem Glauben an Gott beziehen.“

In seiner Jugend beschritt Paul Claudel einen Weg, den sehr viele gläubige katholische Eltern ihre Kinder gehen sahen. Er gab den Glauben auf und war auf dem besten Weg zum Agnostizismus.

25. Dezember 1886

Am Abend des Weihnachtstages betrat der Achtzehnjährige während der Vesper Notre Dame – mehr aus Neugier und Langeweile als aus anderen Gründen. In seinem Gedicht „25. Dezember 1886“ beschreibt er das überwältigende Erlebnis.

Schließlich hast Du, meine liebe Frau, den ersten Schritt getan.

Denn ich war nur einer von denen, die in der mürrischen, unaufmerksamen Menge „herumstanden“,

Ein Element, das „herumstand“, verloren in der Mitte des trampelnden, dicht gedrängten Mobs.

Dann arbeitete Unsere Liebe Frau daran, Claudel aus seiner Gleichgültigkeit zu retten, und nutzte dabei die Atmosphäre der Kathedrale als ihr Werkzeug.

Und das Heiligtum in der Mitte erstrahlte in Gold und Leinen, und der große Teppich mit der Anordnung der Zelebranten in Gold und Spitze bis zum Altar.

Das Flehen Israels zu seinem Gott vom Anfang der Zeit bis zum Ende! Im aufsteigenden und sich ausbreitenden Rauch errichtete Unsere Liebe Frau, die Frauenkirche, mit Rufen, groß mit Gott, ihr eigenes Magnificat!

Und dieses elende Kind, das ich war! – Ja, ich selbst, ich wiederhole! – was habe ich getan, um mich so hinreißen zu lassen?

Die letzten Verse zeigen den reifen – ja sogar alten – Mann, der über den wichtigsten Tag seiner Jugend und den nahenden Tod nachdenkt.

Meine Liebe Frau, dass Du alles, was ich getan und geschrieben habe, als nichtig betrachten könntest!

Und dass ich vor Dir treten könnte, gesegnet unversehrt und leer, im Grunde genommen meiner ganzen faden Literatur beraubt!

Lass mich innehalten und meine Gedanken sammeln in der Erwartung dessen, was in kurzer Zeit geschehen wird,

Wie jemand, dem etwas Schreckliches passieren wird – zum Beispiel, wenn er die Augen hebt und Dich sieht! und so tut, als hätte er keine Angst!

Unseren Herrn und Unsere Liebe Frau in heiligen Räumen finden

Eine Kirche zu betreten ist eines von M. Claudels Lieblingsthemen, das er in mehreren seiner Stücke verwendet. Denken Sie an den Anfang seines Die Jungfrau am Mittag.

Es ist Mittag. Die Kirche ist geöffnet. Ich muss hineingehen.

Mutter unseres Herrn, ich bin nicht gekommen, um zu beten.

Ich habe nichts zu geben und nichts zu erbitten.

Ich bin hier, meine Liebe Frau, nur um Dich anzuschauen.

Um dich anzuschauen, vor Freude weinen, im Wissen,

dass ich dein Sohn bin und Du da bist.

In der gotischen Architektur geht es darum, die Herzen zu Gott zu erheben. Sie zwingt die Person, zum Himmel zu blicken. Mit Ausnahme von Chartres ist Notre Dame vor dem Brand das beste Beispiel französischer gotischer Architektur auf der Welt. Viele Besucher teilen Claudels Inspiration. Nur wenige haben so schöne Worte verwendet, um sie zu beschreiben.

Das Erhabene vermeiden

Solche Inspirationen fielen während der Herrschaft des „Geistes des Zweiten Vatikanischen Konzils“ in Ungnade. Die Kräfte des „Aggiornamento“ mieden alles, was Ehrfurcht einflößte. Die Modernisten machten die Opfer von Generationen zunichte, indem sie sie im übertragenen (und manchmal auch im wörtlichen) Sinn mit Vorschlaghämmern bearbeiteten. Die neu umbenannten „Anbetungsräume“ wurden neu gestaltet, damit sich die Menschen wohlfühlen. Alles drehte sich um die „Gemeinde“ und nicht um die Heilige Mutter. Hochaltäre wurden auf menschliche Proportionen reduziert. Wandmalereien wurden mit beiger Farbe übermalt. Kirchenbänke wurden verlegt, damit die Gemeindemitglieder einander ansahen, anstatt sich nach Osten zu Gott zu wenden.

Das Schöne wurde banal; das Ehrfurchtgebietende wurde einfach nur schrecklich.

Die Modernisierer täten gut daran, sich an ein weiteres Zitat von Claudel zu erinnern.

„Für Dinge und Gedichte gibt es nur eine Art, neu zu sein, und zwar wahr; es gibt nur eine Art, jung zu sein, und zwar ewig.“

Notre Dame in Paris muss nicht modernisiert werden, denn die Kathedrale verkörpert die menschliche Beziehung zum Wahren und Ewigen. Die gesamte Kirche muss gegen die Restaurierung protestieren und verlangen, dass Notre Dame die Schönheit behält, die Paul Claudel und so viele andere dort gefunden haben. Die Kathedrale ist das Haus Unserer Lieben Frau und sollte ihr nicht genommen werden. Sie darf nicht in eine Höhle von Kulturdieben verwandelt werden.

 

Original in: 

https://www.tfp.org/how-notre-dame-cathedral-converted-paul-claudel/

 

Dienstag, 8. Oktober 2024

Wird Deutschland zum Gender-Land?

 

                                              Mathias von Gersdorff
6. August 2022

 „So wie die Familie von Nazareth durch die Flucht nach Ägypten das Kind schützte, so sind auch wir verpflichtet, um jeden Preis die gesunde Entwicklung der Kinder vor der gefährlichen „Gender-Ideologie“ zu schützen.“ Dieser Satz aus dem Hirtenbrief der slowakischen Bischofskonferenz zum Advent 2013 warnt vor Gender als eine Gefahr für Kinder in einer Schärfe, die manchen damals wohl als überzogen erschien.

Was aber Deutschland betrifft, war diese Warnung keineswegs übertrieben.

Ende 2013 drang der erste Entwurf des baden-württembergischen „Bildungsplanes 2015“ an die Öffentlichkeit. Dieser sah die fächerübergreifende Einführung der „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ im schulischen Unterricht vor. Der Bildungsplan war dermaßen stark von Gender durchdrungen, dass sofort der Verdacht der Indoktrination aufkam. In der Tat berichtete die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 14. Januar 2014: „Von Seiten der Kirchen sei deutlich Kritik geäußert worden, man sei dann überrascht gewesen, dass diese Diskussion auf das am 18. November 2013 verfasste Arbeitspapier keinen Einfluss gehabt habe. Man habe angedeutet, dass der Druck der Lobby-Gruppen, also der Lesben- und Schwulenverbände, ausgesprochen stark sei.“

Bekanntlich bildete sich massiver Widerstand gegen den „Bildungsplan 2015“, der sich in Form von Petitionen, Straßendemonstrationen, Kundgebungen, Postkartenaktionen etc. artikulierte. Schließlich trat im Frühjahr 2016 ein Bildungsplan in Kraft, der hinsichtlich der umstrittenen Inhalte verbal stark abgemildert war, doch weiterhin in der Leitperspektive „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ die Tür für die Einführung von Gender in die Schulen offen lässt.

Mit diesem Bildungsplan für Baden-Württemberg wurde kein Schlusspunkt in der Diskussion um „Gender in der Schule“ gesetzt. In etlichen weiteren Bundesländern wurde seitdem Gender in der einen oder anderen Form in den Unterricht eingeführt oder man ist dabei, es einzuführen. Darunter auch drei Union-regierte Bundesländer: Sachsen-Anhalt, Hessen und Bayern (hier befindet man sich noch in der Diskussionsphase).

Die Art und Weise, wie in Hessen Gender im Rahmen des neuen „Lehrplans zur Sexualerziehung“ eingeführt wurde, ist besonders schockierend. Das Kultusministerium verfasste den Lehrplan völlig von der Öffentlichkeit abgeschirmt. Und nach Inkrafttreten wurde nicht einmal eine Presseerklärung veröffentlicht. Der Koalitionsvertrag zwischen CDU und Grünen sieht zwar die Errichtung eines „Aktionsplanes gegen Homophobie“ vor, doch keineswegs die Einführung von Inhalten wie „Akzeptanz sexueller Vielfalt“, „alternative Partnerschaftsformen“, „Unterstützung für Schülerinnen und Schülern beim Coming Out“ etc. in die Schulen. Die Bildungspolitik blieb im Koalitionsvertrag weitgehend eine Domäne der CDU. Der neue Lehrplan geht also weit über das im Koalitionsvertrag vereinbarte hinaus. Die Heimlichtuerei lässt die Vermutung zu, man wolle eine öffentliche Debatte wie die in Baden-Württemberg verhindern. Kein besonders demokratisches Verhalten!

Diese umstrittenen Themen im hessischen Lehrplan sind verbindlich und fächerübergreifend, gehen also wesentlich weiter als die übliche Sexualkunde. Selbst die alles andere als konservativ eingestellte Professorin für Biologiedidaktik Karla Etschenberg kritisierte diesen Lehrplan in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung am 23. September 2016: „Aus Sicht gläubiger Christen, die sich auf den Katechismus berufen, kann ich das verstehen. Akzeptanz bedeutet Billigung und Einverstandensein. Das kann bezüglich nicht heterosexueller Orientierungen von gläubigen Katholiken nicht erwartet werden. Sie sind nur zur Toleranz bereit.“

Für Etschenberg birgt der hessische Sexualerziehungsplan die Gefahr, die Kinder zu sexualisieren. In der Tat sollen die Schüler ab sechs Jahren mit Inhalten wie „kindliches Sexualverhalten“ und „gleichgeschlechtliche Partnerschaften“ konfrontiert werden.

Die Angelegenheit ist dermaßen skandalös, dass quasi spontan Aktionen organisiert wurden. Für den 30. Oktober ist in Wiesbaden eine Demonstration des Aktionsbündnisses „Demo für Alle“ angekündigt.

Die Entschlossenheit, Gender, mit der Brechstange in den Schulen durchzusetzen, ist wirklich verblüffend. Dabei werden sogar erhebliche Prestigeverluste in Kauf genommen. So hat der hessische Kultusminister Ralph Alexander Lorz (CDU!) den Lehrplan gegen den Willen des Landeselternbeirates und der Katholiken (in der Form des angefragten Kommissariats der deutschen Bischöfe in Hessen) verabschiedet. Eltern und Katholiken sind auch in Hessen klassische CDU-Wähler.

Ist man dabei, koste es, was es wolle, eine Hidden-Agenda durchzusetzen? Jedenfalls ist die Intention, Gender zu einem wichtigen Bestandteil der schulischen Erziehung zu machen, schon seit langem in pädagogischen Fachbüchern zu finden.

Man muss in der sog. „Dekonstruktiven Pädagogik“ suchen. Die Literatur dazu ist umfangreich. Um einige wenige Beispiele zu geben, zitiere ich aus Professorin Jutta Hartmanns Buch „Vielfältige Lebensweisen - Dynamisierungen in der Triade Geschlecht - Sexualität - Lebensform. Kritisch-dekonstruktive Perspektiven für die Pädagogik“, erschienen 2002. Hartmann ist eine der wichtigsten Exponate der „Dekonstruktiven Pädagogik“ und schreibt: „Geschlecht, Sexualität und Lebensform als gänzlich gesellschaftlich hervorgebracht begreifend, arbeite ich eine Vorstellung von Handlungsfähigkeit heraus, die die Möglichkeit bewusster Aktivität gegenüber Normen und ein Neuentwerfen von Existenz- und Lebensweisen beinhaltet.“

Ein weiteres Zitat, um besser zu veranschaulichen, wie radikal und zielorientiert man in der Fachpädagogik vor sich ging: „Der Identitäts-Begriff bezeichnet die Nahtstelle zwischen Individuum und Gesellschaft. Identität meint die Beziehung des einzelnen zu sich selbst auf dem Hintergrund seiner Position im sozialen Gefüge. ... Identitäten - auch Geschlechtsidentitäten - sind nicht klar, eindeutig und selbstverständlich, wie sie es früher zu sein schien. Sie müssen neu gedacht werden: kontingent, fluid, nur zeitweise fixiert“. Diese Passage entstammt dem Beitrag Helga Bidens „Die Grenzen von Geschlecht überschreiten“, für das von Anja Tervooren herausgegebene Sammelband „Dekonstruktive Pädagogik“, erschienen 2001.

Durchforscht man die theoretische Literatur zu Gender, etwa die Bücher von Judith Butler oder die vielen anderen Autoren, die sich der theoretischen Dekonstruktion des Begriffs „Geschlecht“ seit den frühen 1990ern widmeten, stellt man fest, dass die Implementierung dieser Ideologie in der Gesellschaft als linkes kulturrevolutionäres Projekt schon seit langem vorbereitet wird.

Das Kernpostulat der Gender-Ideologie, die Geschlechter seien nicht eindeutig definiert und maßgeblich von Gesellschaft und Kultur „konstruiert“, ist dermaßen abenteuerlich, dass viele einen Widerstand wohl für unnötig hielten.

Dass dies eine fatale Fehleinschätzung war, zeigt die Tatsache, dass – zumindest in Deutschland – Gender sogar schon Eingang in das katholische Milieu fand – trotz eindringlicher Warnungen seitens der Päpste! In Deutschland verhallen jedoch die Warnungen aus Rom bei vielen. Caritas, BDKJ, „Sozialdienst katholischer Frauen“ und andere katholische Verbände sympathisieren mit Gender (zumindest mit den gemäßigteren Varianten).

Wie ist das zu erklären, wenn doch Gender im offensichtlichen Widerspruch mit dem Naturrecht und dem katholischen Lehramt steht?

In gewissen evangelischen Teilkirchen ist Gender sogar schon fester Bestandteil des Programms. In Hannover hat die EKD ein „Studienzentrum für Genderfragen eröffnet“. Die Badische Landeskirche verordnete unter dem Protest konservativer Protestanten die „Gleichstellung sexueller Orientierungen“.

Im Gegensatz also zu den Päpsten, der anfangs zitierten slowakischen Bischofskonferenz und mehreren anderen europäischen Bischofskonferenzen tut das deutsche Christentum so, als ob Gender keine Gefahr darstellen würde (abgesehen von manchen bedeutungsvollen Ausnahmen, wie etwa Bischof Voderholzer von Regensburg).

Das ist wohl einer der Gründe, wieso hierzulande der Widerstand gegen diese unvernünftige Doktrin verhältnismäßig schwach ist. Bei unseren westlichen Nachbarn Frankreich gingen Millionen auf die Straßen, um an den Protesten der „Manif pour tous“ teilzunehmen. In Polen wurde bislang jeder Versuch, Gender gesellschaftsfähig zu machen, im Keime erstickt. (Allerdings ist Gender an manchen Universitäten durchaus populär und es gibt eine Szene von Multiplikatoren.)

Muss man den stattfindenden Durchmarsch der Gender-Ideologie in Deutschland als eines der Symptome der hiesigen Glaubenskrise diagnostizieren? Ich wage, diese Frage positiv zu beantworten. In einem Land, in welchem der Glaube stark ist und auch die Öffentlichkeit beeinflusst, hat Gender keine Chance. Auch deshalb, weil Gender eine Verspottung der Schöpfungsordnung Gottes ist, nach der der Mensch als Mann oder Frau erschaffen ist.

Genauso wie andere Ideologien wie etwa Marxismus, kann sich die Gender-Ideologie nur in Gesellschaften erfolgreich ausbreiten, in denen sie nicht auf den Widerstand des christlichen Glaubens stößt.

In Deutschland kommt erschwerend hinzu, dass aufgrund der „Königsteiner Erklärung“ das positive Wirken der Enzyklika Humanae Vitae stark eingeschränkt wurde. Das Schreiben von Papst Paul VI. bekräftigte die enge Verbindung zwischen Geschlechtsakt und Fortpflanzung. Die „Königsteiner Erklärung“ der deutschen Bischöfe überlies die Entscheidung über die Verwendung von Verhütungsmitteln den einzelnen Ehepaaren und unterstützte so die Bildung einer „Verhütungsmentalität“, die wiederum die Vorstellung, Geschlechtsakt und Fortpflanzung seien zwei verschiedene Dinge, begünstigte.

Eine Trennung der Verbindung zwischen Geschlechtsakt und Fortpflanzung schafft geradezu die Voraussetzungen in der Mentalität der Menschen, um eine widersinnige Ideologie wie Gender zu akzeptieren, wie die Theologen Juan José Pérez-Soba und Stephan Kampowski am „Päpstlichen Institut Johannes Paul II. für Studien über Ehe und Familie“ im Buch „Das wahre Evangelium der Familie: Die Unauflöslichkeit der Ehe: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit“ zu bedenken geben.

Eine Reaktion gegen diese gefährliche Doktrin kann sich deshalb nicht auf der politischen Ebene erschöpfen, wie wichtig diese auch ist! Der Kampf gegen Gender muss auch auf geistlicher Ebene geführt werden. Deutschland braucht Mission und eine wahrhaftige Bekehrung, um sich von diesen Irrtümern befreien zu können.


Montag, 7. Oktober 2024

Deutschland: Islamisten fordern Kalifat

 


Am vergangenen Sonntag marschierten rund tausend Muslime in Hamburg und forderten die Gründung eines Kalifats. Die Redner trugen Schilder mit der Aufschrift „Kalifat ist die Lösung“ und erklärten ausdrücklich, dass das Kalifat, also ein politisch-religiöses System auf der Grundlage der Scharia, das Ziel jedes islamischen Staates und damit auch der islamischen Welt sei in den Gebieten, in denen es eine starke islamische Präsenz wie Deutschland gibt.

Als Reaktion auf die Empörung der Bürger verteidigte der Hamburger Polizeichef Falk Schnabel sein Vorgehen: „Das Versammlungsrecht ist nicht nur ein kostbares Gut, sondern hat auch sehr weite Grenzen.“ Es ist die einhellige Meinung der Juristen, dass ein Verbot nicht gerechtfertigt sein kann.“

Innenministerin Nancy Faeser ist anderer Meinung und fordert ein „hartes Eingreifen“ des Staates bei solchen Ereignissen. Justizminister Marco Buschmann äußerte sich ähnlich und schrieb: „Wer das Kalifat dem Rechtsstaat vorzieht, dem steht die Auswanderung frei.“ Und auch Regionalsenator Andy Grote: „Eine solche Demonstration von Islamisten ist unerträglich und ekelt mich an.“

Nach Angaben des Hamburger Verfassungsschutzes steht die Person, die die Demonstration anmeldete, steht der als extremistisch eingestuften Gruppe Muslim Interaktiv nahe.

Was Zuviel ist, ist Zuviel. In der deutschen öffentlichen Meinung wächst die Intoleranz gegenüber dieser Art von Demonstrationen und generell gegenüber der Verbreitung des Islam im Land. Erste Gesetzesvorschläge scheinen eine energischere Politik gegenüber islamistischem Extremismus zu rechtfertigen. „Das Versammlungsverbot ist ein letztes Mittel“, sagte Stefanie Grünewald, Professorin für Öffentliches Recht an der Hochschule der Polizei in Hamburg, „ein Verbot kann gerechtfertigt sein, insbesondere wenn die unmittelbare Gefahr besteht, dass während der Versammlung schwere Straftaten begangen werden.“

Auf eine parlamentarische Anfrage zur Strafbarkeit von Parolen wie „Das Kalifat ist die Lösung“ antwortete ein Sprecher des Bundesjustizministeriums, dass die strafrechtliche Beurteilung des Einzelfalls Sache der Strafverfolgungsbehörden und Gerichte sei. Das Bundesverfassungsgericht hat bereits in der Vergangenheit klargestellt, dass das Grundgesetz die Meinungsfreiheit auch Feinden der Freiheit garantiert, sofern damit nicht eine „aggressive und kämpferische Haltung“ einhergeht. Ein Kriterium, das auf die Rechte offenbar nicht zutrifft und zunehmend von der Propaganda abgelehnt wird.

Mehrere Fraktionen im Bundestag haben härtere Maßnahmen gefordert. „Ein Ausländer, der die demokratische Ordnung in Deutschland gefährdet, sollte ausgewiesen werden“, sagte der liberale Abgeordnete Konstantin Kuhle.

Selbst die innenpolitische Sprecherin der Grünen, Lamya Kaddor, erklärte, dass sie schon seit längerem ein Verbot von Organisationen und Vereinen fordert, die dem islamistischen Extremismus nahe stehen. Auch wenn sie dann völlig unpassend die Verlängerung ähnlicher Verbote für die deutsche demokratische Rechte fordern.

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wiederum kritisierte den Bundesinnenminister: „Während viele Millionen Menschen weltweit von islamischen Regimen brutal unterdrückt werden, ist es ein Skandal, dass Demonstranten, die im Namen des Kalifats Hass schüren, auf die Straße gehen.“ Wieder einmal Hamburg, obwohl Innenminister Faeser lautstark verkündet hat, dass so etwas nicht geduldet wird.“

Leider scheint es so, als ob die deutsche Linke den Ernst der Lage immer noch nicht erkennen will, es sei denn, sie glaubt böswillig, dass es genau das ist, was sie will. So lehnte die Hamburger Bürgerschaft vergangene Woche mit den Stimmen von SPD und Grünen gegen CDU und AfD die Einleitung eines Verbotsverfahrens gegen Muslim Interaktiv ab. Nach Ansicht der Linken sind alle verfassungsrechtlichen Instrumente zur Bewältigung dieser Phänomene bereits vorhanden, ohne dass eine weitere Verschärfung der geltenden Gesetzgebung erforderlich wäre.

Immer mehr Deutsche sind mit dieser Position nicht einverstanden, was die Wählerbasis der Mitte-Rechts-Partei vergrößert, die trotz der heftigen Werbekampagne fast überall Erfolg hat. Jetzt sind alle Augen auf die nächsten Europawahlen gerichtet.

 

Aus dem Italienischen in https:

https://www.atfp.it/notizie2/307-attualita/2812-germania-gli-islamici-chiedono-il-califatto?highlight=WyJjYWxpZmF0dG8iXQ

Wiedergabe mit Angabe dieses Blogs gestattet

Bild: Symbolbild

Freitag, 4. Oktober 2024

Warum scheitern die Kronjuwelen der Karmeliten Klöster?

Karmel von Lisieux

von John Horvat II
23. August 2024


Unter den Orden, die sich dem kontemplativen Leben verschrieben haben, spielen die Karmeliten eine besondere Rolle. Karmeliten Klöster gibt es auf der ganzen Welt. Sie haben der Kirche unzählige Heilige und Vorbilder gegeben.

Viele Karmeliten Klöster stecken jetzt in der Krise, weil sie keine Berufungen haben. Die Nonnen sterben aus. Ein Kloster nach dem anderen wird geschlossen. Jede Schließung stellt eine Tragödie dar und das Ende der Fürsprache des Klosters vor Gott für die örtliche Gemeinschaft, die Kirche und die Welt.

Das Kloster in Lisieux verfällt

Die Schließungswelle betrifft jedoch jetzt auch historische Klöster – die sogenannten Kronjuwelen des Ordens. Sogar das Kloster der Heiligen Therese in Lisieux in Frankreich, ist dem Niedergang geweiht.

In diesem Klausurkloster wurde die heilige Theresia vom Kinde Jesu im Alter von 15 Jahren ausgebildet und geheiligt. Hier entwickelte sie die Spiritualität des Kleinen Weges, die sich in der ganzen Welt verbreitete. Sie lebte in diesem Kloster mit ihren drei Geschwistern – Marie, Pauline und Celine –, die ebenfalls Karmelitinnen waren. Sie starb auch dort im Alter von 24 Jahren. Die Kapelle ist mit ihrem Grab gesegnet, das jährlich von 150.000 Pilgern besucht wird.

Große Veränderungen stehen bevor

Das Kloster wird nicht geschlossen … vorerst.

Der Karmel von Lisieux hat jedoch große Veränderungen angekündigt, da es seit mehreren Jahren keine Berufungen mehr erhalten hat. Es scheint, dass nicht einmal der Ruhm seiner gefeierten Heiligen ausreicht, um junge Mädchen zum Beitritt zu bewegen.

Um mit den sinkenden Zahlen umzugehen, schließt sich das Kloster einer karmelitischen Föderation von Klöstern an, die Nordfrankreich abdeckt. Dieser Zusammenschluss, die Fédération Thérèse-Elizabeth der Karmeliten Nord Frankreichs, vereint 32 Karmelitenstiftungen in Frankreich, Belgien, der Schweiz, Ungarn und Rumänien, um „Gemeinschaft und gegenseitige Hilfe zu fördern“. Der Verband gewährt den in Schwierigkeiten geratenen Mitgliedsklöstern eine gewisse Flexibilität im Umgang mit dem Rückgang, indem er Ressourcen bündelt.

Im Fall des Klosters von Lisieux sind jetzt nur noch 14 Schwestern übrig. Acht ältere Schwestern werden voraussichtlich in Altersheime ziehen. Sechs Schwestern werden bleiben, um die Kontinuität des berühmten Klosters zu gewährleisten.

Ein neuer Zeitplan und eine neue Führungsstruktur

Da es schwierig ist, mit diesem absoluten Minimum zurechtzukommen, wird der Zeitplan der Karmeliten geändert. Die Schwestern müssen nicht mehr im Chor die Morgenlaudes und die Abendvesper singen, wie dies seit der Gründung des Klosters im Jahr 1835 der Fall war. Die Präsidentin der Karmeliterfédération, Schwester Marie-Gabrielle de la Sainte-Croix, wird die Oberin des Klosters sein. Sie wird vor Ort von einer örtlichen Oberin unterstützt, die die täglichen Aktivitäten beaufsichtigt.

Die Oberin sagt, die Änderungen würden eine Ruhepause verschaffen, „um über die Zukunft des Karmels und der Gemeinschaft, die ihn bewohnen wird, nachzudenken.“

Vorerst gerettet

Vorerst sieht es so aus, als sei Lisieux gerettet. Da es jedoch keine neuen Berufungen gibt, könnte es in einer späteren Phase wie so viele andere zur Schließung gezwungen werden. Dann würden die Räumlichkeiten zu einer Art Museum für die große Zahl der Pilger werden.

Lisieux ist mit seiner Krise nicht allein. Andere stehen vor ähnlichen Dilemmata, haben aber nicht so viel Glück. Ehrwürdige alte Klöster wie die Unbeschuhten Karmeliten von Lucena in Spanien haben angekündigt, dass sie das Kloster, in dem sie 412 Jahre lang ununterbrochen gelebt haben, bald verlassen werden.

Nach dem Tod der Priorin blieben nur drei alternde Nonnen übrig, um das riesige Kloster zu bewohnen. Mit großem Schmerz und Trauer stimmten die Nonnen zu, ihre Mission an diesem ehrwürdigen Ort zu „beenden“.

Ein progressives Narrativ

Mit der Schließung von Klöstern auf der ganzen Welt hat sich eine progressives Narrativ durchgesetzt, die zu erklären hilft, warum sie schließen. Einige Kongregationen behaupten, dass die Zeit des gemeinsamen zölibatären Lebens vorbei sein könnte. Die Barmherzigen Schwestern des hl. Vinzenz von Paul in New York beispielsweise glauben, dass ihr Schicksal darin besteht, einen „Weg zur Beendung“ einzuschlagen, wenn sie die letzten Kapitel ihrer zweihundertjährigen Geschichte abschließen. Einige Orden bieten keine Noviziatsprogramme mehr an und nehmen keine neuen Berufungen mehr an.

Dasselbe Narrativ behauptet auch, dass das harte Leben des Gebets, der Betrachtung und der Buße die postmoderne Jugend, die lieber das Leben genießen möchte, nicht mehr anzieht.

So haben einige Orden ihre Programme verwässert und ihre Gewohnheiten angepasst, um moderneren Zeiten und Geschmäckern gerecht zu werden. Andere haben sich völlig verändert und radikale Agenden der sozialen Gerechtigkeit und des Öko-Aktivismus übernommen, die nichts mit den ursprünglichen Charismen der Orden zu tun haben – und niemanden anziehen.

Leere Klöster

Das Ergebnis sind leere Klöster, alternde Nonnen und enttäuschte Hoffnungen.

Diese tragische Entwicklung deutet darauf hin, dass etwas ganz und gar nicht stimmt. Jemand sollte zumindest anerkennen, dass diese Entwicklung ein Misserfolg ist.

Niemand wagt jedoch zu behaupten, dass moderne Veränderungen für diese massive spirituelle Katastrophe verantwortlich sein könnten. Stattdessen behandeln die Kongregationen den „Mangel an Berufung“ als wäre er ein Klimawandel, über den sie keine Kontrolle haben. Sie akzeptieren ihren Untergang resigniert.

Eine Anziehungskraft auf das übernatürliche Leben

Natürlich kennt jeder die Lösung. Sie ist seit Jahrzehnten bekannt. Sie findet sich nicht bei den radikalen progressiven Nonnen, die ihre Anstrengungen verdoppelt haben, Programme für „soziale Gerechtigkeit“ zu fördern, um neue Postulantinnen anzuziehen, die nie kommen.

Was konsequent zur Verjüngung der Klöster beigetragen hat, war eine Rückkehr zur Tradition. Je traditioneller die Programme sind, desto mehr Novizinnen strömen in die Klöster. Einige traditionelle Karmeliten Klöster richten sogar neue Gründungen ein, um junge Frauen aufzunehmen, die mit Freude eintreten möchten.

Diese jungen Frauen fühlen sich von der Idee angezogen, sich der Aufgabe des Gebets, der Anbetung und des Opfers zu widmen, indem sie sich von der Welt isolieren. Sie möchten ihre übernatürliche Rolle ausüben und vor Gott für eine sündige Menschheit Fürsprache einlegen.

Anstatt diesen Erfolg anzuerkennen und zu unterstützen, unterdrücken ihn liberale Kirchenvertreter. Sie möchten die Strukturen der Kirche ändern, um moderne und falsche Theologien zu verbreiten, die nie gute Früchte tragen.

Rückgriff auf die heilige Therese

Eine Möglichkeit, den Trend leerer Klöster umzukehren, besteht darin, sich an die heilige Therese zu wenden. Sie ist die ideale Heilige für diese Aufgabe.

Die Geschichten über ihre Fürsprache füllen Bände. Tatsächlich ist die heilige Therese heute noch bei Katholiken weltweit äußerst beliebt. Ihre Reliquien sind in fast 70 Länder gereist und ziehen oft riesige Menschenmengen an. Die Menschen können nicht genug von dieser Heiligen bekommen, die lehrte, dass heroische Heiligkeit möglich ist, indem man die gewöhnlichen Aufgaben und Opfer des täglichen Lebens in große Taten der Liebe und Hingabe verwandelt.

Sie war leidenschaftlich in ihrem Wunsch, im Alter von 15 Jahren in den Karmel einzutreten. Es ist nicht abwegig, dass sie Seelen mit dem Wunsch erfüllte, zu einem Leben des Gebets, der Anbetung und der Aufopferung zurückzukehren, das von der modernen Welt verworfen wurde. Sie wäre eine natürliche und mächtige Befürworterin dafür, diese Seelen nach Lisieux zu schicken.

Die kleine Blume versprach auch, einen Rosenregen zu senden, um Gutes auf Erden zu tun. Welche Rose wäre schöner als die Berufung, eine Braut Christi zu sein!

Die Kronjuwelen der Karmeliten Klöster scheitern, weil es keine Heilige Therese gibt, die sie retten könnte. Sie gab die Formel, die selbst schwachen Seelen den Weg ebnete, heroische Tugenden im täglichen Leben zu praktizieren. Ihr kleiner Weg ist kein „Weg zur Beendung“, sondern ein Weg zur Heiligung.

Ernstes Gebet in Erwartung spektakulärer Wunder ist das, was nötig ist, um diese Klöster zu füllen und die postmoderne Welt zu bekehren. Was fehlt, sind gläubige Seelen, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Klöster, die überzeugt sind, dass die Heilige Therese allmächtig ist und ihren Versprechen treu bleibt.

 

Aus dem Englischen “Why Are the Crown Jewel Carmelite Convents Failing? In https://www.tfp.org/why-are-the-crown-jewel-carmelite-convents-failing/?PKG=TFPE3406

© Nachdruck der deutschen Fassung ist mit Quellenangabe gestattet. 

 

 

 

Donnerstag, 3. Oktober 2024

Bekenntnis des Glaubens an Jesus Christus

und seine Kirche als den einzigen Weg zu 

Gott und zum ewigen Heil

 


Wir glauben und bekennen unerschütterlich, was das ordentliche und allgemeine Lehramt der Kirche seit der Zeit der Apostel ununterbrochen und unfehlbar gelehrt hat, nämlich

dass der Glaube an Jesus Christus, den menschgewordenen Sohn Gottes und einzigen Erlöser der Menschheit, die einzige von Gott gewollte Religion ist.

Nach der Einsetzung des Neuen und Ewigen Bundes in Jesus Christus kann niemand mehr durch die Befolgung der Lehren und Praktiken nichtchristlicher Religionen gerettet werden. Denn „das Gebet, das an Gott gerichtet ist, muss mit Christus verbunden sein, dem Herrn aller Menschen, dem einzigen Mittler (1 Tim 2,5; Hebr 8,6; 9,15; 12,24), und durch Ihn allein haben wir Zugang zu Gott (Röm 5,2; Eph 2,18; 3,12).“ (Allgemeine Einführung in das Stundengebet, Nr. 6)

Wir glauben fest, dass „den Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben ist, durch den wir gerettet werden sollen“ (Apg. 4, 12), außer dem Namen unseres Herrn Jesus Christus, der gekreuzigt wurde und den Gott von den Toten auferweckt hat (vgl. Apg. 4, 10).

Wir glauben, dass „es dem katholischen Glauben widerspricht, die Kirche als einen Heilsweg neben jenen in den anderen Religionen zu betrachten, die komplementär zur Kirche, ja im Grunde ihr gleichwertig wären, insofern sie mit dieser zum eschatologischen Reich Gottes konvergierten“ (Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus, 21).

Darüber hinaus halten wir daran fest, dass die göttliche Offenbarung, die durch das immerwährende Lehramt der Kirche getreu weitergegeben wurde, zu behaupten verbietet,

dass alle Religionen Wege zu Gott seien,

dass die Vielfalt religiöser Identitäten ein Geschenk Gottes und

dass die Vielfalt der Religionen ein Ausdruck des weisen Willens Gottes, des Schöpfers, sei.

Deshalb halten wir daran fest, dass Christen nicht einfach nur „Reisegefährten“ von Anhängern falscher Religionen sind – was Gott verbietet.

Wir flehen inständig um die Hilfe der göttlichen Gnade für alle Kirchenmänner von heute, die durch ihre Worte und Taten der göttlich offenbarten Wahrheit widersprechen, welche uns lehrt, dass Jesus Christus und seine Kirche der einzige Weg sind, auf dem die Menschen Gott und die ewige Erlösung erreichen können. Mögen diese Kirchenmänner mit Hilfe der göttlichen Gnade in der Lage sein, einen öffentlichen Widerruf zu machen, der zum Wohl ihrer eigenen Seele und der Seelen anderer erforderlich ist. Denn „Christus nicht anzunehmen ist die größte Gefahr für die Welt!“ (Hl. Hilarius von Poitiers, In Matth. 18).

Mögen die Hirten der Kirche und allen voran Papst Franziskus durch die Gebete, Tränen und Opfer aller wahren Söhne und Töchter der Kirche und insbesondere der „Kleinen“ in der Kirche die Gnade erhalten, den Aposteln, unzähligen Märtyrern, zahlreichen Päpsten und einer Vielzahl von Heiligen nachzueifern, insbesondere dem heiligen Franziskus von Assisi, der „ein katholischer und gänzlich apostolischer Mann war, der sich persönlich an die Arbeit machte und seinen Jüngern befahl, sich vor allen anderen Dingen für die Bekehrung der Heiden zum Glauben und dem Gesetz Christi einzusetzen.“ (Papst Pius XI., Enzyklika Rite Expiatis, 37)

Wir glauben und mit Gottes Gnade sind wir bereit, unser Leben für diese göttliche Wahrheit zu geben, die Jesus Christus verkündet hat: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich“ (Joh. 14, 6).

+ Athanasius Schneider, Weihbischof der Erzdiözese der Hl. Maria in Astana

mit den Teilnehmern der Katholischen Identitätskonferenz 2024

Pittsburgh, 29. September 2024

 

Samstag, 28. September 2024

Geleitsbrief für einen christlichen Jüngling

 

Schreiben des Grafen Friedrich Leopold zu Stolberg an seinen
Sohn Ernst, als derselbe das elterliche Haus verlassen hatte,
um als Offizier in die kaiserliche Armee einzutreten.




Je tiefer und schmerzlicher ich unsere nahe Trennung empfinde, mein geliebter Ernst, desto mehr wünsche ich, Dir aus meinem Innersten noch etwas zur Erinnerung, Erwägung und Beherzigung ans Herz zu legen. Ich werde Dir nichts sagen, was Du nicht schon weißt, aber es ist uns Allen heilsam, ja nötig, uns an große Wahrheiten, die auf unsere Bestimmung sich beziehen, oft und lebhaft zu erinnern. Nützlich ist es auch, die Regeln, nach welchen man seiner Lage und seinem Stande gemäß am sichersten, sorgenlosesten, mit möglicher Freiheit durch die Welt kommt, sich geläufig zu machen, und um desto mehr, da der wahre Christ weder wahre Sorgenlosigkeit, noch auch wahre Freiheit wo anders finden kann, als in einem guten Gewissen. Wo der Sinn des Gewissens erweckt und zart ist, da wacht er über alle Handlungen, und je schonender wir fein achten, desto mehr wird uns dieser Sinn, wiewohl er uns anfangs Zwang aufzulegen scheint, ein Prinzip des Lebens, welches uns mit uns selbst in Harmonie, also in wahre Freiheit setzt.

Was Gott dem Abraham sagte, das sagte er auch Dir: „Wandle vor Mir, und sei vollkommen!“ Gott ist immer bei uns, wir mögen uns dessen freuen, oder nicht. Suchen wir Ihm wohlgefällig zu sein, suchen wir es mit ganzem Ernst, so dürfen wir uns Seiner Gegenwart freuen; und straucheln wir, oder fallen wir auch einmal, so wenden wir uns zu Ihm, wie der verlorene Sohn: „Vater, ich habe gesündigt wider den Himmel und vor Dir!“ Sagen wir es mit seiner Empfindung, mit seinem Vorsatze, so finden wir Verzeihung und Gnade, wie er.

Mit dem Morgengebete beginne Deinen Tag, und schließe ihn mit dem Abendgebete. Aber beide werden Dir nicht genügen, wenn Du sie recht betest. Du wirst immer mehr innewerden, mein lieber Sohn, dass wir uns im hohen Grade verabsäumen, wenn wir dem Gott, in dem wir leben, weben und sind, nur einige Minuten des Tages weihen, und in der Zwischenzeit uns nicht um Ihn bekümmern.

Suche Gottes bei Tage stets zu gedenken, mit Rücksicht auf Ihn zu reden und zu handeln. Widme der Betrachtung Gottes und göttlicher Dinge ein Viertelstündchen des Tages, suche Dir da Seine Größe und Liebe und Dein Nichts vor die Augen des Geistes zu bringen. Da werde Dir die Erbarmung und Liebe Gottes, die uns Seinen eingeborenen Sohn gab, da werde Dir Jesus Christus in Gethsemane und auf Golgatha in fruchtbarer Beherzigung gegenwärtig; da die Liebe des Heiligen Geistes, der seine Liebe in Dein Herz ergießen will, wenn Du es von Ihm nur willst reinigen und leeren lassen von allem, was nicht gut ist. Ich bitte Dich, lieber Sohn, ich beschwöre Dich bei den Wunden Jesu Christi, fasse den Vorsatz, Dir ein solches Viertelstündchen täglich zu nehmen, so früh als möglich, im Rückblick auf Deine Handlungen, wenn Du nicht ohne Deine Schuld daran verhindert wirst. Auch will ich nicht sagen, dass Du es Dir zur Sünde anrechnen solltest, wenn Du ein- oder andermal aus Schwäche es unterließt; aber es zu unterlassen, ist nicht gut. Eine große und heilige Seele, die ein Licht in der Kirche Gottes war, die hl. Theresia sagt: „Sie halte es für unmöglich, dass einer verloren gehen könnte, der in dieser Übung treu bliebe“. Von der Art, diese Betrachtungen anzustellen, würde ich nur stammeln können. Aber Herr Overberg hat Dich ohne Zweifel darüber unterrichtet.

Vor dem Abendgebet prüfe Dich vor Gott, wie Du den Tag zugebracht in Gedanken, Reden und Handlungen. Empfiehl Dich täglich dem Schutze der Muttergottes und Deines Schutzengels, dass sie für Dich bitten.

Mögest Du immer mit zerknirschtem Herzen zur Beichte gehen und mit leichtem Herzen zurückkehren!

Es erwarten Dich große Gefahren der Seele. Viel Böses wirst Du sehen und hören. Die verderbte Natur wird Dich zur Sünde reißen, und Andere werden geflissentlich suchen, Dich zu verführen. Jeden Tag wirst Du in den Fall kommen, zu wählen, ob Du der bösen Natur und den Versuchungen nachgeben oder ob Du mit Joseph in Deinem Herzen sagen willst: „Wie sollte ich so groß Übel tun, und wider meinen Gott sündigen?“

Lass das Wort Gottes Deine Leuchte, Dein Licht auf Deinem Wege sein!

Ich bezeuge Dir vor Gott, mein lieber Sohn, dass wir nie Misstrauen genug gegen uns selbst, und nie Vertrauen genug in die Barmherzigkeit und Hilfe Gottes haben können. „Ohne Mich könnt ihr nichts tun“, sagt Jesus Christus, und Paulus sagt: „Ich vermag alles durch Den, der mich stärkt, Christus“.

Christus will, dass wir uns zutraulich an Ihn anschließen, und mit Ihm über Alles uns beraten sollen. Er will, dass wir ringen sollen, um in das ewige Leben durch die schmale Pforte einzugehen.

Nichts ist so gefährlich für Jünglinge, als die falsche Scham. Die Furcht, lächerlich zu scheinen, stürzt die meisten Jünglinge ins Verderben. Waffne Dich da wider mit dem Gedanken an Gott, mit der Vorstellung der Leiden und des Todes Jesu Christi, mit dem Schilde des Wortes: „Wer sich Mein und Meiner Worte schämet, dessen wird sich der Menschensohn auch schämen, wenn Er kommen wird in seiner Herrlichkeit und Seines Vaters und der heiligen Engel“. Übrigens liegt eine falsche Vorstellung mehren teils zu Grunde, wenn man aus falscher Scham sich zu den ersten Schritten verleiten lässt. Denn es ist viel leichter, der ersten Versuchung zu gering scheinenden Vergehen zu widerstehen, als ein Ziel zu setzen, wenn man sich zur Abweichung hinreißen ließ. Aber es steht auch in keines Menschen Kraft, sich ein solches Spiel zu setzen; denn mit jedem Schritte, den wir auf dem Pfade des Verderbens tun, nimmt unsere Kraft ab, und die Bahn wird immer abschüssiger. Auf Gottes Beistand aber dürfen wir nicht rechnen, ehe wir durch wahre Reue und ernste Buße der Gnade Gottes wieder fähig werden, und diese Reue und Buße sind schon Gnaden, auf welche im Voraus zu rechnen, indem wir Gott beleidigen, Torheit und Frevel wäre.

Fliehe den Müßiggang, fliehe den leeren Umgang, er ist der gefährlichste Müßiggang. Wache vor allen Dingen über Deine Zunge. „Wer in keinem Worte fehlt, der ist ein vollkommener Mann und kann seinen ganzen Leib im Zaum halten“, so sagt ein großer Apostel, den Jesus Christus würdigte, mit Petrus und Johannes Zeuge seiner Verklärung und seines Todeskampfes sein zu lassen.

Sei ernst und freundlich in der Gesellschaft, „langsam zum Reden und langsam zum Zorn“, wie auch Jakobus sagt. Vor allem spotte nie über Andere, sie seien gegenwärtig oder abwesend. Ziehe keinen auf. Lass manches Wort aus dem Munde Anderer fallen, ohne darauf zu achten, und freue Dich mit Demut und Dankbarkeit gegen Gott jedes Mal, dass Du Dir diesen Zwang angetan, ein Wort zu unterdrücken, welches Dir schon auf der Zunge war; es ist ein Opfer, welches Du Gott für das Heil Deiner Seele bringst. Auch die kleinsten Opfer, die wir Gott bringen, sieht er immer gnädig an, und gibt uns neue Kraft dafür. Wenden wir dann auch diese wohl an, so nehmen wir Gnade um Gnade. Oft gibt Gott auch fühlbare Freudigkeit zur ersten Belohnung.

Deine Zunge bleibe keusch. Erlaubst Du Dir Teil nu nehmen an unzüchtigen Reden, so verfällst Du in die Unzucht selbst. Lass Dich nie zu vielen Wein, und den Wein Dich nie zu Torheiten verleiten. Trinke des Abends gewöhnlich keinen Wein. Iss des Abends wenig. Gehe früh zur Ruhe und stehe früh auf.

Lies täglich, so wirst Du gewiss immer mehr Geschmack am Leben finden. Teile Deine Zeit nach einer gewissen Regel ein, von welcher Du nicht gerne abweichen, doch nicht so Dich ihr unterwerfen wollest, dass eine Störung Dir üble Laune machen sollte. Hüte Dich vor dem leidigen Romanen-Schwall, welcher die Zeit offenbar raubt und die Unschuld leise stiehlt, schal ist, und gute Bücher schal scheinen macht, auch mehrenteils die Religion anfeindet. Geschichte aller Zeiten, Lebensbeschreibungen, gute Reisen, bewährte Werke der Naturgeschichte, die besten Dichter empfehle ich Dir vorzüglich.

Meide das Spiel, es ist Jedem gefährlich, am meisten dem jungen Offizier. Du hast nichts übrig zu verlieren, es würde Dich unmutig machen, wenn Du verlörest. Und wie möchtest Du Dich freuen wollen, einem Andern abzugewinnen? Es ist eine schändliche Freude, deren Du Dich schämen würdest. Welche Lust könnte Dir das Spiel gewähren, dass Dir solche Freude auf der einen Seite, auf der anderen Verlust, Unmut, Entbehrung und Gelegenheit zu bösen Händeln darbietet, zugleich Dich auch in schlechte Gesellschaft verwickelt, Übeln, denen ein spielender junger Offizier nicht leicht ausweicht. Verlass Dich nicht darauf, dass Du keine besondere Spiellust bei Dir spürst, sie kömmt, ehe man sich´s versieht und wird zur Leidenschaft. Eine schnöde Leidenschaft! Solltest Du Dich einmal hinreißen lassen und verlieren, so bezahle gleich und überlasse Dich nicht der täuschenden Vorstellung, dass Du das Verlorene wieder gewinnen werdest. Diese führt von Ruin zu Ruin.

Du bist wahrhaft von Natur und, um Gottes Willen, immer müsse Dir die Wahrheit heilig sein! Denn Wahrheit wird Dir allgemeines Vertrauen erwerben. Es müsse statt alles Zeugnisses – wie es der Fall bei Deinem seligen Großvater war – gelten, wenn man sagt: Stolberg hat es gesagt.

Sei aufmerksam, wacker, pünktlich und freudig um Dienste, ehrerbietig gegen die Oberen, gefällig gegen die anderen Mitarbeiter, ohne Aufopferung Deiner Selbständigkeit. Mache Dich nicht gemein im Umgange mit Untergebenen, aber lass sie innewerden, dass ihr Wohl Dir am Herzen liegt und mildere die nötige Strenge des Dienstes durch ernste Freundlichkeit. Nimmer verleite Dich Strenge zum Zorn und wenn Du strafen musst, so rufe eine Empfindung des Wohlwollens für den zu Strafenden in Dir hervor. Bete heimlich für den, dem Du aus Pflicht unerbittlich bist, so wirst Du einst den Richter nicht unerbittlich finden.

Suche es Dir überhaupt zur unabweichlichen Gewohnheit zu machen, für jeden Menschen, wider den Du Zorn oder Abneigung empfindest, gleich zu beten, bei jeder Versuchung der Wollust, des Zorns, in unlauterer Gesellschaft, beim Wein, einen Augenblick das Herz zu Gott zu erheben. Tust Du das mit Treue, mein lieber Sohn, so wird Dir Gott, so war er Gott ist, kräftig zur Seite stehen im Leben und im Tode. Auch die blinde Wut des Feindes müsse Dich nie zum Zorne verleiten. Menschen, welche wir aus Pflicht töten, haben ein doppeltes Recht auf unser Gebet. Überrascht Dir der Zorn, so lasst die Sonne nicht untergehen über Deinem Zorn, und bedenke täglich, was du bittest, wenn Du sagst: „Vergib uns unsere Schuld, wie wir vergeben unsern Schuldigern“. Dieses ist so sehr die Hauptlehre des Christentums, dass Jesus Christus, ohne die erhabenen ersten Bitten des Vaterunsers zu erläutern, nur auf diese zurückkommt, und unmittelbar nach dem Vaterunser hinzufügt: „Denn so ihr den Menschen ihren Fehler vergebet, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben; wo ihr aber den Menschen nicht ihre Fehler vergebet, so wird euch Euer Vater eure Fehler auch nicht vergeben“.

Lass Dich nicht beflecken von dem Geiste dieser Welt. Die Welt ist die Feindin Gottes. Wie sollten wir uns der Welt gleichstellen? Wie ihrem Geiste huldigen wollen? Da Jesus Christus, als sein Herz sich in Liebe für die Seinigen ergoss, unmittelbar ehe er dem Todeskampf entgegenging, seinem Vater sagte: „Ich bitte nicht für die Welt“. Falsches Maß und Gewicht ist dem Herrn ein Gräuel. Die Welt aber hat für Alles, was heilig, oder frevelhaft ist, falsches Maß und Gewicht. Mit dem Stempel ihrer Ehre bezeichnet sie den Mörder und oft mit Schmach den, dem das Gesetzt Gottes heilig ist. „Wem nicht die Ehre vor den Menschen lieber ist, als die Ehre vor Gott“; wer wie Paulus sagt: „Gedenke ich Menschen gefällig zu sein? Wenn ich den Menschen noch gefällig wäre, so wäre ich Christi Knecht nicht“; wer die Worte Jesu Christi beherzigt; „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewänne, und litte Schaden an seiner Seele?“ Und Wer mich bekennet vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater“: der wird bei jeder Versuchung der Welt, es sei, dass sie ihn zur Wollust reizen, oder mit ihrer Schmach schrecken, mit ihrer Ehre locken will, sagen: „Wie sollte ich ein so großes Übel tun, und wider Gott sündigen!“

Ich weiß, dass Du gute Vorsätze hast, mein geliebter Sohn; aber ich wiederhole es Dir: vertraue nicht Dir, sondern allein der Gnade Gottes, und in diese habe das kindlichste, freudigste Vertrauen. Dieses Vertrauen verlasse Dich nicht, auch wo Du fehltest. Und solltest Du, wofür Dich Gott bewahren wolle, solltest Du in große Sünde fallen, so vertraue fest auf Gott und wende Dich mit zerknirschtem Herzen zu dem, „der nicht der Gesunden, sondern der Kranken Arzt ist; der nicht kam, die Gerechten zur Buße zu rufen, sondern die Sünder; der uns, die wir arg sind, lehrte, dass wir siebenzig mal sieben unsern Nächsten verzeihen sollen; der das zerstoßene Rohr nicht zerbrechen, den glimmenden Docht nicht auslöschen wird!“ Darum werde, auch wenn Du noch so oft und noch so tief fallen solltest, nicht scheu, und lass nicht den Unmut Dein Herz verschließen, sondern öffne es der demütigen, vertrauensvollen Reue. Denke an die Geschichte des verlorenen Sohnes; an David, an Petrus, an den Schächer am Kreuze. Lass Dir gesagt sein, was der Lieblingsjünger Jesu sagte: „Meine Kindlein, solches schreibe ich euch: auf dass ihr nicht sündigt, und ob Jemand sündigest, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater Jesus Christus, der gerecht ist.“

Lieber Ernst, Du wurdest von Deiner lieben seligen Mutter auf Gott geworfen von Mutterleibe an. Ich weiß, wie oft sei, als sie dich noch unter ihrem reinen Herzen trug, uns als sie Dich an ihren Brüsten Dich säugte, zu Gott mit Tränen gefleht hat, dass er Dich im heiligen, und wofern er voraussähe, dass Du nicht ihm leben werdest, Dich früh von ihrem Herzen reißen und zu sich nehmen möchte. Deine zweite Mutter, welch Dich so mütterlich liebt, ermahnte Dich oft mit Liebe, und betet mit herzlicher Liebe für Dich. Du liegst mir mehr am Herzen, als ich es Dir sagen kann, mehr, als Du es wissen kannst, und ich rede öfter mit Gott von Dir, als mit Dir von Gott. Er hat Dich mit uns in seine heilige Kirche geführt, in die Gemeinschaft der noch streitenden Heiligen, der Heiligen, die nicht ohne mehr gefährdet, gleichwohl noch geläutert werden, und der vollendeten Heiligen, welche sein Antlitz schauen. Er gab Dir zum Seelenführer eine lieben heiligen Mann, dessen Bild Dir täglich vorschweben, dessen Lehren in Dir ewige Früchte des Himmels tragen müssen.

Gott hat sein Werk in Dir angefangen, und will es so gern in Dir vollenden, darum sei getreu, wache, bete. Lass Dich nicht das Böse überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Sei allezeit fröhlich, bete ohne Unterlass; sei dankbar in allen Dingen, denn das ist der Wille Gottes in Christo Jesu an uns. Prüfe alles, und das Gute behalte. Meide allen bösen Schein.

Er aber, der Gott des Friedens, heilige Dich durch und durch, dass Dein Geist ganz samt Seele und Leib behalten werde unsträflich auf die Zukunft unseres Herrn Jesu Christi.

„Getreu ist er, der Dich ruft, welcher wird´s auch tun“. Rufe alle Tage die Mutter Gottes an. Bete für mich, für die Mutter, für die Geschwister, für alle Unsrige, unsere Freunde, Deine Obrigkeit, für die heilige Kirche, die Irrgläubigen, alle Menschen! Bete für die Seelen im Fegfeuer, und wer von uns vor Dir stirbt, für den bete; wer von den unsrigen schon starb, für den bete!

Gott, der Vater im Himmel und auf Erden, segne Dich! Jesus Christus, unser Bruder, unser Herr und Gott, segne Dich und vertrete Dich als ewiger hoher Priester! Der Heilige Geist segne Dich und erfülle Dich mit seiner Liebe!



Aus P. Ballmann, Eine deutsche Eiche oder Friedrich Leopold Graf zu Stolberg, Verlag der Dorn´schen Buchhandlung, Ravensburg, 1900, S. 71-86

Mit Ergänzungen aus Friedrich Leopold Graf zu Stolberg von Johannes Janssen, 1910, Herdersche Verlagshandlung, Freiburg in Breisgau.

Bild aus aus dem letzteren.

Freitag, 23. August 2024

Bischof bemerkt: Jeder ist in der Hölle willkommen. Jeder, jeder, jeder

 von Bishof Rob Mutsaerts
August 16, 2024


Der hochwürdigste Bischof Rob Mutsaerts 
(Foto)ist Weihbischof von ’s-Hertogenbosch in den Niederlanden. Wir veröffentlichen hier sein Vorwort für das Buch „Der gebrochene Damm: Die Kapitulation der Fiducia Supplicans vor der Homosexuellenbewegung“. Die Autoren José Antonio Ureta und Julio Loredo diskutieren die schrecklichen Auswirkungen des vatikanischen Dokuments Fiducia Supplicans, das die priesterliche Segnung von Menschen in irregulären oder homosexuellen Beziehungen erlaubt. Der Text des Vorworts lautet wie folgt:

Die Erklärung Fiducia Supplicans (FS) hat weltweit für Aufsehen gesorgt, nicht zuletzt wegen der Verwirrung, die sie stiftet. FS sieht die Möglichkeit vor, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, obwohl sich der Vatikan zwei Jahre zuvor (Responsum 2021) klar gegen diese Möglichkeit ausgesprochen hatte. Die Ansicht, dass FS mit diesem Responsum und der Lehre und Tradition zu diesem Thema übereinstimmt, ist unhaltbar. FS weist offensichtliche Widersprüche auf. Bibel und Tradition sind sich vollkommen einig, wenn es um die moralischen Implikationen von Homosexualität geht. FS bricht damit, indem es die Möglichkeit anbietet, eine sündige Beziehung im Namen Gottes zu segnen. Natürlich ändert die Tatsache, dass dieser Segen nur wenige Minuten dauert und nicht in der Nähe eines Altars gegeben wird, nichts an dieser Wahrheit. Es gibt weder in der Heiligen Schrift noch in der Tradition eine Grundlage für einen solchen Segen.

Kardinal [Victor Manuel] Fernández sagte, die Lehre über die Ehe bleibe unverändert. Aber das ist nicht die Frage. Die Frage ist: Kann ein Priester einer Verbindung seinen Segen geben, die die Bibel als sündig betrachtet? Dies ist eine rhetorische Frage. Sicherlich bittet man um Gottes Segen, um die Zerbrochenheit in Ihrem Leben zu heilen, und nicht, um Ihre chaotische Situation aufrechtzuerhalten. Man kann Gottes Urteil und moralische Forderungen nicht ablehnen und sich dennoch auf seine Barmherzigkeit berufen.

Das Problem liegt hauptsächlich darin, dass FS die moralische Dimension der Beziehung nicht anspricht. FS weigert sich, das Böse beim Namen zu nennen. In dieser Hinsicht entspricht es dem aktuellen Zeitgeist: Die Leugnung der Sünde, die eine Folge des heute vorherrschenden Subjektivismus und Relativismus ist, und die Leugnung der Wahrheit, die per Definition immer und für jeden gilt.

Ein weiteres Problem ist, dass Barmherzigkeit ohne Reue verkündet wird. Jeder ist willkommen. Todos, todos, todos,1 jeder, ruft Papst Franziskus unaufhörlich. Ist jeder willkommen? Sicherlich. Aber nicht bedingungslos. Gott stellt Forderungen. Die gesamte Bibel könnte als Aufruf zur Reue und Versprechen der Vergebung zusammengefasst werden. Das eine ist nicht vom anderen zu trennen. Jeder ist willkommen, aber nicht jeder nimmt die Einladung an. Wir kennen sicherlich das Gleichnis vom König, der alle zur Hochzeit seines Sohnes einlädt. Irgendwann wird die Tür geschlossen. In der Hölle herrscht ein anderes Szenario. Dort ist jeder bedingungslos willkommen. Der Slogan des Teufels lautet: Komm, wie du bist.2 Du musst dich nicht ändern. Du musst nicht um Vergebung bitten. Du müsst keinen Finger rühren, um anderen bei ihren Nöten zu helfen. Jeder ist in der Hölle willkommen. Todos, Todos, Todos.

Gnade existiert, weil Sünde existiert. Gnade existiert, weil Urteil existiert. Gnade existiert, weil Hölle existiert. Wo Sünde verborgen ist, ist auch das Wesen der Gnade verborgen. Das Ziel der Gnade ist nicht, anderen zu sagen, wie schlecht sie sind, sondern ihnen von der Vergebung der Sünden zu erzählen. Sie müssen nur aufrichtig darum bitten. Es sind keine Bedingungen daran geknüpft. Ich danke Gott jeden Tag für seine unendliche Gnade. Ich sehe so viel Wut und Aggressivität in unserer Zeit. Die Menschen wären nicht so aggressiv und wütend, wenn sie von Gottes Vergebung wüssten. Um Vergebung zu bitten bedeutet jedoch, die Sünde anzuerkennen. Dies ist der Schlüssel zum Seelenfrieden. Nichts wirkt so verheerend wie das Leugnen des Bösen. Normalerweise wird alles immer schlimmer.

Es scheint, dass FS Frieden mit der weltlichen Gesellschaft schließen will, aber Frieden auf Kosten von Moral und Wahrheit ist der gnadenloseste „Frieden“, den man sich vorstellen kann. Gott liebt jeden. Er liebt alle Sünder, aber er hasst eure Sünden. Er hofft inständig, dass ihr zu ihm zurückkehrt, so wie er auf die Rückkehr des verlorenen Sohnes hoffte. Er möchte nichts mehr, als dass ihr an seiner Liebe teilhabt.


Aus diesen Gründen begrüße ich die Klarstellung, die das aktuelle Buch „Der gebrochene Damm“ von José Antonio Ureta und Julio Loredo liefert. Es zeigt umfassend, wie Fiducia supplicans das Ergebnis eines Prozesses ist, der von einer sehr gut organisierten Interessengruppe innerhalb der katholischen Kirche vorbereitet wurde.

Fußnoten

1. Übersetzung: Auf Spanisch im niederländischen Original des Bischofs.

2. Übersetzung: Auf Englisch im Original.

 

Quelle: https://www.tfp.org/bishop-observes-everyone-is-welcome-in-hell-everyone-everyone-everyone/