Samstag, 28. November 2009

Der von einem Blitz getroffene Hirte

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Der von einem Blitz getroffene Hirte - Jakob Becker

Der Blitz schlug gerade in den Baum ein, unter dem der Hirte Zuflucht vor dem Gewitter gesucht hatte. Die Feldarbeiter, die in der Umgebung das Heu zusammentrugen, eilen herbei ihm zu helfen. Ein junger Mann legt ihn in seinem Schoß, eine Frau streichelt ihm die Stirn, um ihn wohl wieder zum Bewusstsein zu verhelfen, ein anderes Mädchen ist verzweifelt. Selbst die Schafe schauen verwirrt drein, sich ohne Hüter zu sehen; und der Hund scheint mit seiner Pfote und Schnauze seinen Herren wecken zu wollen. Der brennende Baum wirft einen tragischen Schein über die Szene, während der Himmel noch von schwarzen Wolken bedeckt ist. Ein dramatisches Ereignis im Leben eines Menschen, das uns einige grundlegende Wahrheiten in die Erinnerung bringt. Zunächst, das diese Welt ein Tal der Tränen ist, das die Menschheit mit Mühe durchschreiten muss. Und dann, dass nur der Glauben an das ewige Leben unserer Wanderung auf Erden einen Sinn gibt, unter dem mütterlichen und notwendigen Schutz der Jungfrau Maria. (Benoît Bemelmans)

Donnerstag, 26. November 2009

Der Liederhändler


Der Liederhändler, 1903 - Victor Gabriel Gilbert


Einige Familien haben sich an einem Sommerabend auf der Straße um den Liederhändler versammelt. Das war damals noch ein sehr sympathischer Straßenberuf, der leider verschwunden ist; die Flut der Gesetzgebung in einem allgegenwärtigen Staat und die Hektik der modernen Welt haben ihn erschlagen.
Die Melodie klingt in den Abend hinein und wird von den zwei jungen Mädchen aufgenommen. In allen Gesichtern kann man die schlichte und ruhige Freude des Zuhörens vernehmen. Auf dem Tisch verbreitet eine Petroleumlampe ihren sanften Schein, der es ermöglicht die Notenblätter der Lieder zu lesen, die der Mann mit der Gitarre am Ende seiner Vorführung für einige wohlverdiente Münzen verkaufen wird: es ist die Frucht seiner Arbeit. Das Zusammentreffen dieser Menschen, Eltern, Kindern, Nachbarn, Vorbeigehende strahlt Frieden und Harmonie aus: weil diese Gesellschaft noch aufgebaut und gegliedert ist wie eine große Familie. 

(Benoît Bemelmans)

Dienstag, 24. November 2009

Ein besonderer Fürsprecher

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Ein besonderer Fürsprecher, 1893 - Charles Barber

Ein reizendes kleines Mädchen mit seinen blonden Locken und dem weißen Kleidchen lehnt an die Tapetenwand und trocknet sich die Tränen. Seine Eltern haben es wohl bestraft; gute Erziehung setzt auch Bestrafung in Maßen voraus. Die Puppe, die auf dem glänzenden Boden liegt, unterstreicht den Gemütszustand des Mädchens in diesem Moment: Die Spiele sind beendet und alles scheint für eine Zeit verloren zu sein.
Der Colley macht sich zum Anwalt seiner kleinen Herrin: Er hebt die Pfote, wie um für das Anliegen des kleinen schmollenden Kindes, das in die Ecke verwiesen wurde, zu plädieren. Verzeihen und Trösten gehört auch zu einer gesunden Erziehung in der Familie. (Benoît Bemelemans)

Nach der Schlacht



Nach der Schlacht, 1900 - Eugène Chaperon


Während des Krieges von 1870 durchzieht ein General mit zwei Offizieren seines Stabes und einem Wimpelträger das mit Schnee bedeckte Schlachtfeld. Er unterbricht seinen Ritt, um den Militärkaplan zu grüßen, der mit der Stola in der Hand, sich um das Heil der Seelen kümmert, während eine Ordenschwester einen Verwundeten auf einer Trage pflegt. Etwas weiter liegen Gefallene auf dem Feld.
In der Militärhierarchie steht der Kaplan unter dem General. Doch dieser grüßt ihn aus Respekt vor seiner Priesterwürde. In den Zeiten vor der Trennung von Kirche und Staat durchtränkte die katholische Kirche die Gesellschaft noch mit ihrem Ideal. Ein Ideal des brüderlichen und harmonischen Zusammenlebens der unterschiedlichen Klassen der Gesellschaft. (Benoît Bemelmans)